4 de febrero de 2021 - Edición 6 - Blog del lector

Leserbriefe zu „Wo bleibt unser Köpfchen?” von Uwe Jean Heuser

Wer profitiert von den Planungsfehlern und den Krisen? Herr Heuser beschreibt sehr treffend, wie langsam, schlecht und fehlerhaft in Deutschland seit Jahren Großprojekte, wie der Berliner Flughafen, der Stuttgarter Bahnhof oder jetzt die Planung und Durchführung der Corona-Impfungen durchgeführt werden. Aber ist es wirklich nur Dilettantismus und die mangelnde Professionalität der politisch Verantwortlichen, die jetzt von ausländischen Beobachtern belächelt wird? Oder gibt es auch handfeste wirtschaftliche Interessen, die dazu führen, dass sogar in der Krise einige Unternehmen profitieren und ihre Gewinne steigern?

Es gibt Firmen und Interessengruppen, die davon profitieren, wenn Bauprojekte länger dauern und Mehrkosten entstehen, wenn Schutzmasken zu Mondpreisen eingekauft werden – oder wenn Corona-Antigenschnelltests nur von privaten Testcentern mit enormen Gewinnmargen angeboten werden dürfen. „Stuttgart 21“ würde es nicht geben, wenn nicht durch den Abriss des alten Hauptbahnhofs lukrative Grundstücke zur Vermarktung frei werden würden. Oder ein Beispiel aus Hessen: der Regionalflughafen Kassel-Calden, der auf massiven Druck der Landesregierung gegen jede wirtschaftliche Vernunft durchgesetzt wurde und der auf absehbare Zeit auch im Betrieb nur durch staatliche Subventionen künstlich am Leben gehalten wird, hat den beteiligten Baufirmen gute Aufträge und Gewinne eingebracht.

Der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch ist nach seinem Ausscheiden aus der Politik ohne Verzug in den Vorstand einer der größten deutschen Baufirmen gewechselt (um dort als Manager krachend zu scheitern) – ein Schelm, wer Böses denkt?

Nochmal zurück zur Corona-Pandemie: durch einen konsequenten Einsatz der prinzipiell verfügbaren technischen Mittel, wie eine aussagekräftige Corona-Tracing-App oder der forcierte Einsatz von Corona-Schnelltests (die z.B. in Frankreich unbürokratisch zum Selbstkostenpreis oder gratis in Apotheken durchgeführt werden können) könnten die Corona-Infektionsketten viel besser aufgeklärt und transparent gemacht werden! Dabei könnte aber natürlich auch herauskommen, dass doch Betriebe und Schulen Orte eines relevantes Infektionsgeschehens sind? Und dass bloße Appelle an die Wirtschaft für mehr Home-Office und bessere Hygienemaßnahmen nicht ausreichen? Das Tragische ist hier, dass es nicht nur um ein paar Millionen (oder Milliarden) geht, die aus den Taschen der Steuerzahlen an beteiligte Unternehmen „umverteilt“ werden, sondern dass nach wie vor täglich fast 1000 Menschen durch Covid 19 sterben.

– Martin Gülzow

Ich kann Ihnen nur von ganzem Herzen zustimmen: bei allem Positiven, was in der Krise bei uns in Deutschland funktioniert, wird das Bild auf Dauer immer erbärmlicher. Außer der Verriegelung (neudeutsch „Lock-down“) setzt unsere Regierung alle Hoffnung auf das Impfen! Und es ist nur eine Hoffnung, denn

daß

wir mit Impfen das Virus überwinden und danach wieder Normalität einkehrt, kann und wird uns niemand garantieren. Bis dahin sollen wir uns mit der mehr oder weniger partiellen Verriegelung zufriedengeben? Das heißt also genaugenommen mit „Nichts tun“? Denn „Lock-down“ heißt de facto nichts anderes als: nichts tun! Ein paar Seiten weiter beschreibt Ihre Kollegin sehr anschaulich, warum wir so wenig über Corona wissen: neben den föderalen Strukturen in diesem Land ist es vor allem die miserable Ausstattung der Gesundheitsämter: sowohl personell als auch die technische Ausstattung und ihre Methoden – deprimierend. Bitte bleiben Sie dran und stellen Sie unseren Politikern hartnäckig und bohrend die entscheidenden Fragen! Bauen Sie Druck auf...

Und ich bleibe weiter dran an der ZEIT!

– Wolfgang Heckl

„Deutschland schafft sich ab“ hieß einmal ein unsägliches Buch. Tatsächlich schafft Deutschland sich ab, aber auf eine ganz andere, selbst verschuldete Art und Weise. Privatisierungen und Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand haben dafür gesorgt, dass das öffentliche System Deutschlands nicht mehr in der Lage ist, die gesellschaftlichen Anforderungen zu bewältigen. Überlastung von Polizei bis Krankenhauspersonal werden seit Jahren beklagt, ohne das Politik und Regierung gegensteuern. Privatisierung wurde vorangetrieben, sodass in Krankenhäusern zunehmend die Wirtschaftlichkeit zählt und nicht die Gesundheit der Patienten; die Bewachung von polizeilichen Einrichtungen werden teilweise von privaten Sicherheitsdiensten geleistet, um das Überstundenvolumen der Beamten nicht weiter wachsen zu lassen.

Nun haben wir die Corona-Pandemie und einen Wintereinbruch in Norddeutschland und das Gemeinwesen sind überfordert, es bricht teilweise zusammen. Staatshilfen werden großspurig angekündigt, können mangels Organisation aber nicht gezahlt werden; eine Liste weiterer Punkte ließe sich leider fast unendlich fortsetzen. Zugverkehr wird eingestellt, Räumdienste sind überfordert. Abhilfe schafft nur, den Staat und die Gemeinwesen wieder personell aufzurüsten und dies gegenüber der Bevölkerung auch sachlich zu begründen. Milliarden für Industriehilfen sind offenbar nahezu unbegrenzt vorhanden; es ist an der Zeit das Gemeinwesen wieder in einen Zustand zu versetzen, in dem die öffentlichen Aufgaben gegenüber dem Bürger wieder ausreichend geleistet werden können. Dann können die verbliebenen Helden und Helfer (Rettungsdienste, Feuerwehr, Ämter und Kommunalpolitiker) ihre Aufgaben vielleicht auch wieder mit weniger Anfeindungen und mehr Respekt durch die Bevölkerung verrichten. Appell an die Regierenden: Helft dem Staat wieder auf die Beine!

– Eberhard

Goette

„...oder reden wir wieder einmal alles

schlecht....?

Als Seelsorger und Pfarrer mache ich mir Sorgen um diese Gesellschaft in Deutschland. Da ist seit langem das erste Mal Etwas, wo sowohl Experten als auch politische Verantwortliche tagtäglich ringen, um dem einzelnen das Leben zu retten. Und dennoch habe ich den Eindruck, ein bestimmter gesellschaftlicher Teil (wie groß er ist, weiß auch keiner!?) glaubt nicht am ernst der Lage. Dabei sprechen die Zahlen für sich: 50 000 Menschen sind an Corona gestorben; die Zahl der Infizierten dürfte bei 100 000 und mehr liegen. Von den kranken Menschen, die vermutlich ein Leben lang mit schwersten Folgen leben müssen, weiß man so gut wie gar nichts!

Es geht also tatsächlich um Leben und Tod! Entweder will man es nicht wahrhaben; man müsste sich mit dem Thema beschäftigen! Oder man befürchtet Etwas und sucht nach den Verantwortlichen, die Schuldigen!? Man kann es auch Verdrängung nennen, was Teile der Gesellschaft betreibt! Dabei ist es aus menschlicher Sicht unbedingt notwendig, sich mit Grenzsituationen auseinanderzusetzen!! Tatsache ist, die Virologen, die Ärzte, das Pflegepersonal, die Gesundheitsämter, politisch verantwortliche auf allen Ebenen „geben sich hin“; ja, was diese Berufsgruppe tut, ist „Hingabe“! Pfarrer und Seelsorger.

– Wolfgang

Zopora

Vielen Dank für den überfälligen Artikel. Ich bin sogar der Meinung, dass Sie viel mehr Beispiele hätten anführen können. Die großen Wirtschaftsfelder der Deutschen Industrie sind Autos, Waffen und Chemie. Diese sind nicht gerade modern. Deutschland steht ein großer Wohlstandsverlust bevor, weil diese Technologien an Bedeutung verlieren müssen, wenn wir als Zivilisation überleben wollen. Großbritannien baut die Windkraft massiv aus, Österreich hat über 20% Biolandwirtschaft, das sind Exportgüter der Zukunft.

Eine Wende der Politik ist dringend nötig.

Es könnte helfen, das Wahlalter zu senken, so dass die gesellschaftliche Repräsentanz der PolitikerInnen etwas mehr in

Richtung Jugend

verschoben würde. Und genau wie in der Corona-Krise würden der Wirtschaftspolitik Mut und Prioritätsbewusstsein helfen. Ein erster dringend erforderlicher Schritt zur Bewältigung der Herausforderung durch die Wende der Wirtschaft hin zur Rettung der menschlichen Zivilisation wäre die Etablierung neuer Bildungsstandards. Echte Inklusion, Teamfähigkeit und Kreativität sind die Bildungsziele, die wir brauchen!

– Ilona

Mennerich

Zum Artikel von Herrn Heuser drei Anmerkungen: 1. ich hatten den Glauben schon verloren, dass das Wirtschaftsressort der ZEIT zu der geistigen Bequemlichkeit in der Bundesrepublik endlich etwas sagt. 2. es fällt auf, dass es nicht die eigene geistige Beweglichkeit des Wirtschaftsressort war, der zu dem Artikel geführt hat, sondern es der deutlichen Hinweise ausländischer Beobachter zu den Entwicklungen in der Bundesrepublik bedurfte als Anstoß zu diesem dringend notwendigen Artikel. 3. ich erhoffe mir vom Wirtschaftsressort der ZEIT, dass das Thema mit Analysen zu den Gründen für dieses geistige Bequemlichkeit, mit Lösungsansätzen zur Überwindung dieser Krise und mit Beispielen für erfolgreiche Unbequemlichkeiten ausführlich behandelt wird.

– Jörg Stolzenburg

Zu Ihrem Artikel möchte ich Ihnen persönlich gratulieren und mich bedanken, dass Sie einige eklatante Fehler – bei allem Respekt für die Leistungen der Politiker in diesen schwierigen Zeiten – sowohl der europäischen als auch der deutschen Politik offen ansprechen. Nur so kann es besser werden.

– Benno

Blessenohl

Die Fragen in der ‚Zeit‘ nach der Impfstoffversorgung oder der CDU unter Laschet sind sicher wichtige Themen. Sie bewegen sich aber auf einer Ebene, die weit unter der liegt, die Heuser mit seinem Artikel anspricht. Prominent ignoriert von Herrn Heuser? Es ist richtig, dass die Pandemie Lücken im politischen Handeln der Regierenden verdeutlicht hat. Aber dabei geht es nicht um neue Defizite. Am Beispiel der Regierungsverantwortung von Frau Merkel lassen sich wie an einem roten Faden gravierende Versäumnisse verdeutlichen: Der Ausstieg aus der Atomkraft hat es an der administrativen Umsetzung mit den Atomwerksbetreibern fehlen lassen, die Wehrpolitik wartet immer noch auf Alternativen zu den unausgegorenen Geldforderungen der Trump-Regierung, die Flüchtlingspolitik hat die Wertigkeit einer Asylpolitik, die diesen Namen verdient, an die Wand gefahren, auch mangels rechtzeitiger administrativer Umsetzung berechtigter Interessen von Asylanten.

‚Stützungsmaßnahmen‘ wie die rigorose Abschiebung von Flüchtlingen oder Geldsegen für Arbeitslose und Arme sind unter Gesichtspunkten konzeptionellen politischen Handelns maximal Notmaßnahmen aber keine Lösung. Die allgemeine Situation ist korrekt beschrieben, wenn unsere Gesellschaft ihre und unsere Probleme möglichst ohne allzu große Anstrengungen hinter sich bringen möchte. Aber man muss sich nur an Forderungen erinnern, in Deutschland keine Atomwaffen zu lagern (Mützenich) oder noch ein bisschen über die Bewaffnung von Drohnen nachzudenken (Borjans), an Stuttgart 21 oder den Flughafen in Berlin, um festzustellen, dass Probleme eben ohne Anstrengungen nicht zu lösen sind.

‚Aufbäumen‘ wird nicht helfen. Wir brauchen Konzepte, die bei der Wiederherstellung der verfassungsgemäßen Bedeutung der Exekutive und ihrer Kontrolle beginnen und mit der Ablösung ungeeigneter Politiker fortgesetzt werden, sowie deren Umsetzung: Es geht z.B. nicht darum, dem Föderalismus in Krisenzeiten Grenzen zu setzen; es geht im besagten Fall um die vom GG geforderte Neuordnung der Länder. Naiv? Dann vielleicht doch ohne Anstrengungen? Deutschland und Europa werden aus der von ihnen selbst verschuldeten Bequemlichkeit nicht als Sieger hervorgehen. Das Spiel befindet sich schon in der Verlängerungsphase.

– Michael

Machleidt

Über ihren Artikel habe ich mich sehr gefreut. Sie haben mir – wie man so schön sagt – aus der Seele gesprochen. Dadurch bin ich mit vielen Menschen in Kontakt und der Eindruck, dass Deutschland immer mehr seinen guten Ruf verliert kann ich nur bestätigen. Häufig ernte ich nur ungläubiges Staunen, weil das was ich schildere, mit dem Deutschlandbild das die meisten von uns haben nicht (mehr) übereinstimmt. In den letzten Tagen habe ich es als Wissenschaftler nicht mehr ausgehalten und mich auch in die öffentliche Diskussion eingemischt. Was mich – über das was auch sie geschildert haben – hinaus umtreibt, ist nicht nur das Deutschlandbild im Ausland und seine Auswirkungen auf uns, sondern auch wie durch dieses Missmanagement unser pluralistisches und liberales Gesellschaftssystem diskreditiert wird. Ich gehe davon aus, dass China und die ostasiatischen Länder als die großen Gewinner aus dieser Krise hervorgehen werden. Nochmals vielen Dank für ihren erhellenden Bericht, den hoffentlich viele zur Kenntnis nehmen.

– Prof. Dr. Reinhard Stockmann

Vielen Dank für Ihren engagieren Artikel. Nach meiner Wahrnehmung ist es so, dass die Kritik an Deutschland und der EU in vielen Punkten leider berechtigt ist. Aber es besteht keineswegs ein Grund für Häme oder Defätismus. Herr Johnson und Konsorten singen das Hohelied des kreativen Wettbewerbs und meinen in Wirklichkeit schlicht Bescheißen. Wir sollten uns nicht von einer hinterhältigen Rhetorik steuern lassen. Frau Merkel verdient in dieser Situation alle Unterstützung. Ihre Entscheidung des Europäischen und des wissenschaftlich gesicherten Weges ist weitsichtig und verdient Lob. Wir müssen jetzt das findige Virus aushalten und Hygiene lernen (mit Köpfchen!). Das ist natürlich diametral zu einem Reden von unbegrenzter „Liberalität“.

– Michael

Scheppler

Erst einmal ein großes Lob für die informative Zusammenfassung der Corona-Maßnahmen. In der Einleitung wird allerdings ein deutlich größeren Bogen gespannt, nämlich über die zurückgehende Tatkraft Deutschlands im Allgemeinen. Deren Ursachen liegen ganz klar in der jüngeren Geschichte. Es gab einmal eine Zeit in der man Befriedigung daraus zog, eine Sache ganz besonders gut gemacht zu haben, sei es nun ein Sonett, eine physikalische Theorie oder ein Auto. In dieser Zeit galt auch das Ideal, den persönlichen Vorteil gegenüber dem Wohl der Allgemeinheit zurückzustellen. Beides wurde durch den Nationalsozialismus nachhaltig diskreditiert.

Als Konsequenz haben wir heute den Kampf kleiner und kleinster Grüppchen, die sich gegenseitig blockieren, ein Rechtssystem das durch die Aufnahme unzähliger Partikularinteressen undurchschaubar geworden ist, und Führungskräfte die sich konsequenterweise für eine juristische

statt eine wirtschaftliche oder technische Ausbildung

entscheiden. Und so leben wir in einem Land

in dem Vorgänge

, wie um den Stuttgarter Hauptbahnhof und den Berliner Flughafen normal geworden sind. Ohne Konsequenzen für die Schuldigen. Ein Aufbäumen Deutschlands, wie von Ihnen gehofft, ist nicht in Sicht. Vermutlich ändert sich erst nach einem großen Knall wieder etwas, der dann wohl nicht so friedlich verläuft wie die Annexion der DDR. Eine schreckliche Perspektive, aber ich muss sagen, ich habe keine andere.

– Frank

Hrebabetzky

Der deutsche Journalismus ist leider auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit, meine besten Grüße an die Parallelwelt. Die mangelnde Distanz der Journalisten zur Politik führte auch dazu, dass Deutschland genau die Regierung bekommen hat, die gewählt wurde: 16 Jahre Bräsigkeit unter Helmut Kohl, den nur seine schwarzen Kassen gegen die „

Sozen

“ interessierten. Eine kurze Unterbrechung mit einem aktiven Schröder, der sich aber schlecht verkaufte. Und dann 15 Jahre Ausruhen auf Schröders Reformen und Angela Merkels Studium der Meinungsumfragen alle zwei Tage. Kleines Karo ist die deutsche Kleiderordnung, das zeigt sich auf allen Politik-Feldern:

bloß

nicht denken, einfach weiter wie bisher. Das Umfeld ändert sich rasant – aber in Deutschland nimmt man das nicht zur Kenntnis, deshalb ist es zum „

failing

state

“ geworden. Und so sind nicht nur alle Großprojekte zum unteren Mittelmaß verkommen, eine Liste gefällig?

Innovationen, Bildung, soziale Teilhabe, Lohngerechtigkeit, Rente und so weiter – hat da jemand was von Ideen oder gar Lösungen gehört? Die Digitalisierung ist „Neuland“ und kommt einfach nicht voran. Seltsam: 1992 habe ich in meinem Unternehmen das Internet eingeführt, die Arbeitsprozesse wurden digital angepasst, Home-Office wurde für mehr als 90% meiner Mitarbeiter normal. Der Nicht-Umgang mit der Corona-Pandemie ist deshalb leider zu erwarten gewesen: „Masken nutzen nichts“, „China ist weit weg“, „Das wird uns nicht berühren“ – die unsäglichen Aussagen von Spahn und Co. Und die Kanzlerin spricht 6 Wochen zu spät über ein von ihr so gesehenes Corona-Problemchen. Ein Staatswesen zeigt seine wirklichen Fähigkeiten im Umgang mit Extrem-Situationen. Außer totalem Versagen kann man leider nichts feststellen. Und die verantwortlichen Politiker finden immer einen anderen Schuldigen. Aber es gibt einen Lichtblick: Deutschland hat sich am Reiseunternehmen TUI beteiligt. Die können doch mal schnell eine Hinreise für Merkel, Spahn und von der Leyen buchen – auf den Mond!

– Gerhard Lehmann

Nach langen Jahren habe ich mal wieder “Die Zeit” gekauft, angelockt durch die vielversprechende Überschrift. So ein inhaltsleeres Gelaber habe ich schon lange nicht gehört. Nur ja keinem ins Fettnäpfchen treten, nur nicht die Merkel kritisieren, nicht die Beamten in den Behörden und schon gar nicht die EU. Das soll also die IV. Gewalt sein. Soviel Redefreiheit hat auch ein Journalist bei Putin. Selbstverständlich kann man bei jeder Pleite

Roß

und Reiter nennen, wenn man sich das nur traut. (Die Mitarbeiter

eine Betriebes

werden dann natürlich rausgemobbt.) Ich war 30 Jahre in der Kölner IT und kann nur sagen: Pleiten werden gemacht.

a) Kooptation und Korruption 2019 habe ich eine Anzeige gegen ein kriminelles Netzwerk bei der Stadt Köln eingereicht. Ergebnis: die Sache bleibt bei der Kölner Generalstaatsanwaltschaft einfach liegen. Es ist ganz banal und man braucht nicht

herumzuphilosophieren

: Pleiten entstehen dadurch, dass inkompetente Leute durch Korruption an die Spitze gelangen. b) Deutsche Zeitungen wollen sich lieber mit “Trump” und

co.

beschäftigen, als mit dem Dreck im eigenen Haus. Die “IV. Gewalt” und die “unabhängige Justiz” – das war mal im 20. Jahrhundert. Ich hätte gerne meine 5.70 € wieder, die ich für diesen geistigen Dünnschiss ausgegeben habe!!!

– Tom

Cassus

Wenn man im Ausland Deutschland nicht mehr versteht, erscheint dies plausibel. Ich verstehe es auch nicht mehr. Hier spielt Geld scheinbar keine Rolle. Man denke nur an die Steuergelder, die bei Cum-Cum / Cum -Ex und durch die verfehlte

PKW Maut

verloren gingen, das kümmert scheinbar niemanden, obwohl man dieses Geld jetzt dringend brauchen würde! Viele Milliarden müssen aufgenommen werden, die unsere Enkel noch belasten. Die vollkommen missglückte Digitalisierung, aber auch das mittelmäßige Abschneiden bei der PISA- Studie, beides Stützen unserer Gesellschaft und unseres Wohlstandes, ist inakzeptabel. Bei der Corona-Krise, der Mutter aller Krisen, setzt sich das Debakel fort.

Die Politik-Elite trifft sich zyklisch, man gewinnt dabei den Eindruck, man macht immer das Gleiche und erwartet aber neue Ergebnisse. Am Ende steht auf der Anzeigetafel „Lockdown“! Obwohl ich den Lockdown nicht anzweifeln möchte. Von einer ganzheitlichen Sichtweise, wie der Erstellung einer neuen vernünftigen App, ist aber nichts zu sehen, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Länderchefs verkünde danach häufig

ihre eigenes Regelwerk

, was die Verwirrung perfekt macht. Vielleicht wäre hier eine echt Corona-Task-Force, die sich nur mit diesem Thema beschäftig, das Richtige, die aber auch die Macht hat, etwas zu entscheiden. Macher wären sehr gefragt. Da fällt mir sofort unser ehemaliger Bundeskanzler Helmut Schmidt ein.

Wie er mit vollem Risiko die Sturmflut in Hamburg 1962, damals noch Senator, wie auch die Landshut-Entführung 1977 in Mogadischu gemeistert hat. Immer Mut zum Risiko und dadurch viele Menschenleben rettete. Ein Blick in die Geschichtsbücher wäre sehr nützlich. Die verzagte, zerfahrene Variante bei Covid-19 zeigt, bei mittlerweile vielen Toten, das Gegenteilige. Bei dem Impf-Szenario setzt sich alles gleichermaßen fort, wobei neben der unglücklichen Impfstoffbeschaffung auch die Überbürokratisierung beim Impfprozess selbst, alles blockiert. Was Deutschland braucht ist ein Paradigmenwechsel, Mut und Aufbruchstimmung!

– Bernd Kramer

Ein Grund für die Schwierigkeiten des Standortes Deutschland ist der aktuelle Denk-Rahmen der Parteipolitik. Es ist der Denk-Rahmen der Mikado-Politik: „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren“. Deswegen erscheinen auch auf große Herausforderungen nur schwer anzweifelbare Lösungen denkbar. Zwei aktuelle Beispiele dafür sind: die „Öffnungsdiskussionsorgien“ (O-Ton Merkel) von Einschränkungen wegen Corona und nachfolgend erneute harte Einschnitte, diese aber erst, wenn die Akzeptanz dafür wieder hinreichend gewachsen ist, weil die Pandemie wieder aus dem Ruder gelaufen ist. Man mag das als zynisch ansehen, aber es ist im Denkrahmen der Mikado-Parteipolitik alternativlos. Die massive Einschränkung der Grundrechte auf Freiheit, Bildung und auf berufliche Eigenständigkeit zugunsten des Rechtes auf Datenschutz. Die Folgen davon waren vorhersehbar gravierend.

Aber das Mobilisierungspotential von irrationalen öffentlichen Ängsten ist bei Einschränkungen des Rechtes auf Datenschutz größer als bei den drei anderen Rechten. Man mag das als zynisch ansehen. aber es ist im Denkrahmen der Mikado-Parteipolitik alternativlos. Anm.1: Vielleicht liegt eine Ursache für das grundsätzliche Problem auch darin, dass ich über eine Legislaturperiode es Bundes 16 Landtags-Wahlen verteilen. Die Macht im Bund wird aber de Facto durch die partiepolitische Sitzverteilung im Bundesrat wesentlich mitbestimmt. Durch den Dauer-Wahlkampf deswegen findet möglicherweise ein shifting der politischen

baselines

von der Sachpolitik zur Parteipolitik statt. Ein Indiz für diese shifting wäre etwa, wenn in der Öffentlichkeit politische Sach-Entscheidungen primär parteipolitisch diskutiert würden. Anm. 2: Was sich die Anhänger von Friedrich Merz bei der Wahl des CDU-Vorsitzenden von ihm erhofften, war eine Sprengung des Denk-Rahmens von Angela Merkels Machtpolitik.

– Günter Hess

Organisation hat zwei Gesichter: Aufbauorganisation und Ablauforganisation. Aufbauorganisation ist immer attraktiv, sie definiert nicht nur Aufgaben, sondern auch Jobs und Positionen. Dagegen ist Ablauforganisation reine Kärrnerarbeit. Für die Pandemiebekämpfung ist die Aufbauorganisation gerüstet: Das Gesundheitsministerium arbeitet auf Basis des gültigen Bundesinfektions-schutzgesetzes mit dem RKI als nachgeordneter Behörde, das Wirtschaftsministerium definiert und bedient die notwendigen Wirtschaftshilfen, das Finanzministerium stellt nach Beschluss der Regierung das Geld bereit, die Staatsministerin für Digitalisierung sorgt für die erforderliche Software und der Minister für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt die notwendigen Netze bei. Es sollte also alles klappen, aber ... In der ersten Phase stellte man fest, dass die für den Pandemiefall vorgesehenen Vorsorge unterblieben war, es fehlte an Masken und Schutzkleidung.

Landräte bestellten Material in China. Die Information der Öffentlichkeit war konfus: suchte man tagesaktuelle

Coronazahlen

, war man bei Johns Hopkins besser aufgehoben als beim RKI. Warum? Die Gesundheitsämter übermittelten am Wochenende nur bedingt Zahlen. Warum schaffte das Johns Hopkins? Vermutlich kooperierte die Universität direkt mit den Prüflabors digital, bei RKI waren die Gesundheitsämter Zwischenträger, z. T. analog. Naturgemäß gab es über

Covid

19 kein Vorwissen. Das ist aber keine Entschuldigung dafür, dass während der Pandemie keine länderübergreifende Forschung betrieben wurden. Wo erfolgt die Ansteckung, welche Rolle spielt z. B. der ÖPNV, welche der Arbeitsplatz (s. Fleischindustrie)? Wie stark sind Kinder an der Übertragung beteiligt?

Warum geht in höher durchgeimpften Ländern die Inzidenz nicht entsprechend zurück, ist das Mutationsbedingt? Viren mutieren. Warum wurde mit der entsprechenden Untersuchung so lange gewartet? Etc. Solche Fragen werden in Studien behandelt. Wer gibt sie in Auftrag, welche Institute sollen/führen sie durch, wer koordiniert das? Hier sollte das RKI die führende Rolle spielen. Tut es das? Da die Antworten fehlen, ist ein flächiger Lockdown mit unbegründeten Ausnahmen (Industrie) die Folge. Volkswirtschaftliche Bedeutung gilt für Industrie ebenso wie für Schule und Universitäten – zugegeben in unterschiedlicher zeitlicher Relevanz -, in beiden Fällen fehlt das erforderliche begründende Datenmaterial. Die Pandemiebekämpfung hat ihre Schwachstellen nicht im politischen Bereich, die Kärrnerarbeit ist mangelhaft.

– Dr. Frank Kleiner

Die Mutlosigkeit der Bundesregierung ist der Grund für Stillstand auf vielen Gebieten. Wenn die Verhältnisse es nicht erfordern wird nach dem Motto ‚Lieber nichts machen, als etwas falsch machen.‘ gehandelt. Man mag davon halten was man will, aber etwas Ähnliches wie eine Hartz4-Reform wäre unter Merkel niemals möglich gewesen.

– Heinz Hegemann

Ja, wir reden alles schlecht. “Wir”, das sind die Medien. Natürlich haben sie die Aufgabe, das Handeln der Politiker kritisch zu kommentieren. Aber was auffällt in Deutschland, ist der giftige Ton in dem das geschieht. Diese Häme der Politik gegenüber fördert sicher die journalistische Karriere, aber sie schafft Wutbürger, und für den Zusammenhalt der Gesellschaft ist sie Gift.

– Hermann Weigmann

Mit Erstaunen lese ich Ihre Vorstellung zu möglichen Funktionen einer App und der Frage des Datenschutzes. Da soll die App erkennen, ob sich ein Infizierter in der Nähe aufhält. Wer infiziert ist hat in Quarantäne zu gehen und aus. Ich weiß, das tun nicht alle. Aber soll man wirklich eine Funktion für jene einprogrammieren, die so unfassbar dumm sind und beim widerrechtlichen Verlassen der Quarantäne ihr Mobiltelefon mit installierter App mitführen? Ganz abgesehen davon würde so eine Funktion, in meinen Augen, massiv den öffentlichen Frieden gefährden. Denken Sie an Menschen, die in einer vollen U-Bahn fahren. Plötzlich warnen die Mobiltelefone vor einem Infizierten im Waggon. Könnte da nicht bei manchen Zeitgenossen der Wunsch nach Selbstjustiz gegen diesen Gefährder geweckt werden?

Jene ist jedoch auch in Pandemiezeiten nicht zulässig. Weiters geht es beim Schutz der Daten nicht um die Verknüpfung von Identität und Infektionsstatus. Das ist keine zusätzliche Information für den Staat. Die Infektion mit Sars-Cov-2 ist meldepflichtig! Sie muss nach dem Nachweis ganz ohne App erfasst werden. Und eine Definition als Infizierter allein durch Kontakte, welche die App misst, wird wohl nicht in Ihrem Sinne sein. Lebenslang nachhängen können einem hingegen die aufgezeichneten Begegnungen. In den letzten Monaten war immer wieder von Fällen zu lesen in denen Daten aus Melderegistern via Polizeicomputer in die Hände von Rechtsextremen gelangten. So etwas ist grundsätzlich auch mit den Begegnungsdaten aus Corona-Apps denkbar, wenn sie auf behördlichen Servern ohne Anonymisierung gespeichert werden. Über den Einsatz von Apps kann man unterschiedlicher Meinung sein. Die Zeit lässt auch immer wieder verschiedene Sichtweisen zu Wort kommen. Das ist sehr gut. Ich hoffe, dass im Jahr 2022 auch einmal thematisiert wird, ob und wo solche Warn-Apps staatlicherseits missbraucht wurden.

– Christoph Schröder

Meinen Respekt, dass Herr Heuser öffentlich dokumentiert, dass auch er vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen hat! Dabei hätte er es so einfach gehabt: er hätte ja nur die Schlagzeilen der journalistischen Konkurrenz lesen müssen: vor allem die NZZ beklagt im Wochenrhythmus die Mängel in Deutschland -auch an Tatkraft und Willen! Glücklicherweise haben ihm Freunde die Augen geöffnet, so dass er die Dysfunktionalitäten erkennen kann. Schon Sarrazin hat das Regieren „nach Gefühl“ aus Bauchnabelperspektive kritisiert; aber man hat – durchaus fragwürdige- Einzelaspekte herausgegriffen und zur Jagd geblasen, um die strategische Botschaft nicht wahrnehmen zu müssen: die Taliban, das BAMF, die Mafias, arabische Clans, Funklöcher, Digitalisierung,

CumEx

, Wirecard, Stuttgart 21, Kölner U-Bahn,

Nuklear-und

Kohleausstieg, G20-Gipfel, BER, Verwaltungschaos – das sind nur seit 20 Jahren wiederkehrende Schlagzeilen – aber das administrative Versagen hinter den Potemkin‘

schen

Fassaden blieb unangetastet – sogar aktiv versteckt, mit „noch mehr Geld“ versüßt, und seit 10 Jahren wegen der Monstranz „Datenschutz“ (auch hohl bis leer!) zur Alternativlosigkeit geredet!

Im wirklichen Leben gilt nicht das „gesagt ist schon getan“ von Merkel und Spahn – genau diese Dysfunktionalität legte Corona offen – von Tests und Laboren über Gesundheitsämter und Landesregierungen bis zur Bundesregierung – das ganze System ist eben veraltet bis marode – es fehlt die neue

Technik ,

die Daten. Karteikarten, Fax, Nutzlos-App und Pflegenotstand zeigen die Bandbreite auf! Da helfen auch nicht 5 Staatssekretäre für Digitalisierung -alleine in der

BuReg

... Herrn Heusers Diagnose erlaube ich mir hinzuzufügen: auch er hat es versäumt, dem Volk genau zuzuhören: von „Mutti“ erwartet man Herzenswärme, Versöhnung, Trost. Nicht Zaunpfahl setzen, Fundament sanieren, Dach abdichten! Der Wähler hat schon gekriegt, was er wollte: eine sorgende Pflegedienstleiterin. Aber Deutschland (und Europa) braucht

nen

Ärztlichen Direktor! Und der steht (wieder) nicht zur Wahl... Geradezu bitter beobachte ich, dass sich Deutschland über Putin aufregt. Er versuchts wenigstens – da ist er schon deutlich weiter als Berlin. Den Protzpalast, der dort in 10 Jahren hingestellt wurde, hätte Deutschland nie und nimmer betriebsfertig hingekriegt – in 10 Jahren wäre nicht mal ein Raumordnungsverfahren abgeschlossen....

– Franz Berger

„Der Inhalt des Großteils der Veröffentlichungen zur Corona-Krise einschließlich Leserbriefen lässt sich in drei Worten zusammenfassen: „Ich! Ich! Ich!“ In einer demokratischen Gesellschaft, in der Teilhabe und Meinungsfreiheit wichtige Werte darstellen, ist das zunächst einmal nichts Verwerfliches. Eine moralische Dimension erhält diese Haltung aber dadurch, dass die Antwort auf die selten gestellten Fragen ausbleibt, wer denn hinter dem „Ich“ zurückstehen soll – und wer das entscheiden soll. Die krebskranke Mutter mit drei Kindern, der durch einen Unfall gelähmte junge Mann, die pflegende Ehefrau ihres krank ans Haus gefesselten Manns wollen vorgezogen werden – verständlich, aber zu wessen Nachteil? König Salomon steht für gerechte Entscheidungen nicht zur Verfügung. Der Ethikrat allein scheidet ebenfalls aus.

Viele Ethikräte vor Ort? Wer könnte sicherstellen, dass diese im konkreten Fall nach allgemein akzeptierten Kriterien entscheiden, selbstverständlich gerichtsfest? Um einer Impf-Triage zu entgehen, wäre eine nationale Lotterie prinzipiell wohl das „gerechteste“ Verfahren, denn alle Staatsbürger, ob alt oder jung, behindert oder nicht, können gleichrangig dieselben bürgerlichen Freiheitsrechte geltend machen. Oder sollte die Priorisierung nach differenzierteren Kriterien erfolgen? Jede weitergehende Differenzierung schafft jedoch neue von gerade nicht mehr einbezogenen Personen als „Willkür“ aufgenommene Reibungsflächen, wie die Sozialgesetzgebung zeigt. Deshalb sind öffentliche Äußerungen nach „besserer“ Differenzierung zurzeit wenig hilfreich. Viele Fälle werden vor Gericht landen. Nach welchen Kriterien sollen die Gerichte entscheiden?

Da kommen so einige in Betracht, die Gerichte müssen also abwägen und werden zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangen. Vor Gericht und auf hoher See hilft der liebe Gott – aber vor allem guter Rechtsbeistand, den sich nicht alle leisten können. Der vorrangige Zugang zur Impfung nach Portemonnaie!? Politiker und Publizisten, die sich zu Möglichkeiten von Lockerungen für Geimpfte äußern, sollten bedenken, dass sie damit das Verlangen nach einem möglichst raschen Impftermin und sie damit – im Wahljahr – den Druck auf die Entscheider noch erhöhen. Unheil schwant mir da vor allem, wenn die den Stufen 1 bis 5 des „Stufenplans der STIKO zur Priorisierung der COVID-19-Impfung“ zugeordneten Personen ihre Spritzen erhalten haben und die vielen Millionen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren in Konkurrenz um Impftermine treten. Gibt es schon Überlegungen zur Lösung dieses Problems, um noch größeres Hauen und Stechen zu vermeiden?

– Dr. Rolf Reinert

Dieser Beitrag ist ein Volltreffer, der das ganze Elend der deutschen Selbstgefälligkeit und geistigen Faulheit auf den Punkt bringt: Deutschland ist aus der ersten Liga der führenden Nationen abgestiegen, weil man

zu lange zurückliegende Erfolge

gefeiert und dabei brandaktuelle Aufgaben übersehen hat. Beispiel Digitalisierung: Die Pandemie hat schonungslos offengelegt, dass dieses Land auf dem Niveau von Entwicklungsländern dahinsiecht. Gesundheitsämter kommunizieren untereinander, wenn überhaupt, mit Faxgeräten. Schulen, die Heranwachsende für das zukünftige Leben fit machen sollen, kennen sich mit Computern nicht so aus, wollen aber jetzt mal loslegen. Die spät in Angriff genommenen Entwicklung einer Corona-

Warnapp

erweist sich auch nach Monaten als nutz- und wirkungslos und wird trotz Beteuerungen des Gesundheitsministers zur peinlichen Lachnummer (Datenschutz vor Menschenleben!).

Das Debakel der Beschaffung von Impfstoff wird zu einer Posse der Schuldzuweisungen zwischen Bundesregierung und EU: Eine Steilvorlage für alle EU- Skeptiker! Es stimmt: Es braucht neuen Macher- Mut! Aber wo sind die Macher, die Entscheider, die das vom Verfasser geforderte „Aufbäumen“ bewerkstelligen können? Kanzlerin und Minister sind ausgebrannt. Weder in Brüssel noch in Berlin gibt es überzeugendes Führungspersonal. Wichtige Themen werden an Arbeitskreise delegiert, und auch die Kakophonie des Föderalismus mit dem Schaulaufen der Landesfürsten bewirkt keine neue Kreativität, insbesondere unter Zeitdruck in Krisenzeiten. Was bleibt? Die vage Hoffnung, dass nach dem 26. September eine Regierung entsteht, die den Ernst der Lage erkennt, Prioritäten setzt, verantwortlich Entscheidungen trifft und so den Wiederaufstieg schafft.

– Michael

Deil

Ich sprach mit einem Freund, der Schulleiter an einer großen Berufsschule in Nürnberg war, über die Probleme der Digitalisierung an den Schulen. Es fehlt nicht nur an Equipment, sondern auch an

Know-How

um IT-Systeme zu administrieren. Da ich bereits im Ruhestand bin und mein ganzes Berufsleben im IT-Bereich gearbeitet habe bot ich an, ehrenamtlich zu unterstützen. Obwohl mein Freund mit mehreren Schulleitern sprach war keiner willens oder in der Lage, auf mein Angebot anzunehmen. Die Ausreden reichten von Erstattung von Vergütungen bis zu den obligatorischen Versicherungsproblemen. Meine Aussagen,

dass

ich keinerlei Vergütungen wünsche, änderte auch nichts. Es ist zum Verzweifeln.

Dipl

Ing Wolfram Leonhardt

Wer denkt nicht spontan an Helmut Schmidt, der als Hamburgs Innensenator bei der Flutkatastrophe von 1962 beherzt in das Krisenmanagement eingegriffen hat und damit als „Macher“ legendär geworden ist. Man wünscht ihn sich in dieser Lage fast zurück, obwohl natürlich auch nicht klar ist, ob er heutzutage, wäre er dann Bundeskanzler, alles besser machen könnte. Herr Heuser hat recht, man gewinnt schon den Eindruck, Deutschland hat sich allzu bequem eingerichtet und versucht mit „alten“ Mitteln und Verhaltensweisen der Corona-Krise entgegenwirken. Das ist selbst im „Normalbetrieb“ nicht mehr zeitgemäß. In Puncto Impfstoffbestellung durch die EU kann man wirklich von einem politischen Versagen reden. Der kleinkrämerisch anmutende Geiz bei der Bestellung und die falsche Rücksichtnahme auf einzelne Interessen wird den

EU Mitgliedsstaaten

noch teuer zu stehen kommen.

Das ist jetzt schon absehbar. Zu gerne hätte ich hier einmal die Rolle von Frau von der Leyen als Präsidentin der

EU Kommission

näher beleuchtet gehabt. Deutschland möchte gerne als Musterschüler der EU gelten und ein Alleingang bei der Impfstoffbestellung wäre Deutschland sicherlich übelgenommen worden; aber der Vorschlag von Herrn Heuser, eine Allianz der Willigen zu bilden, hätte ein Ausweg sein können. Das wurde verpasst und nun wird es immer schwieriger, die Bevölkerung hier „auf Linie“ zu halten. Insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass der

BioNTec

Impfstoff in Deutschland entwickelt wurde und jetzt überwiegend woanders

verimpft

wird.

Das kann man niemandem mehr plausibel machen. Warum in Deutschland trotz allem noch so viel klappt? Das Beispiel liefert Herr Heuser selbst und zwar mit der „netten Frau“ aus der Hotline. Es sind die sogenannten kleinen Rädchen im großen Getriebe, die unter den gegebenen Umständen engagiert ihr Bestes geben und das Ganze irgendwie am Laufen halten. Vielleicht schaut die Politik sich hier einmal etwas ab. Dennoch wird Deutschland an den drei Operationen, wie Herr Heuser sie so treffend aufzeigt, nicht vorbeikommen, um den Wohlstand zu erhalten. Hoffentlich kommt das in der deutschen Politik schnell an. Es gibt keine Zeit mehr zu verlieren.

– Regina Stock

Diese Frage kann man durchaus stellen. Ein Universalversager ist unser Staat in der Tat nicht. Und trotzdem ist es zu viel was falsch läuft. Die Bildung ist eine davon. Die wichtigste Resource jeden Landes, der Mensch, wird nach wie vor vernachlässigt. Die unkontrollierte Einwanderung ist der nächste Schwachpunkt. Bayern hat es, wie so oft, richtig machen wollen (Ankerzentren an der Grenze), hatte Seehofer vorgeschlagen. Unsere liebe Bundeskanzlerin hat es laufen lassen. Ein schwerwiegender Fehler. Ich konnte mich bei der Polizei schlau machen. Die schwere Kriminalität hat enorm zu genommen. Das alles wird verschwiegen, bis auf die, die mehrere Menschenleben (Breitscheidtplatz) mit sich gebracht haben. So wird nichts aus unserem Staat.

– Gunter Knauer

Was Herr Heuser beklagt, wird auf Grund der Pandemie in besonderer Weise sichtbar, ist jedoch das Ergebnis jahrzehntelangen Staatsversagens. 1

.

Dass die Schulen oft unfähig und unwillig sind, unsere Kinder zukunftsfähig zu bilden, weiß man schon sehr lange. Es interessiert seltsamerweise aber weder die Eltern noch die Politiker in ausreichendem Maße, um drastische Änderungen zu erzwingen. (Symptom: Meine Tochter besucht ein Gymnasium. Seit Beginn des ersten Lockdowns wurde keine einzige Schülerarbeit mehr durch eine Lehrkraft korrigiert. Meine Tochter arbeitet an den meisten Tagen von kurz vor 8 Uhr bis etwa 17 Uhr, um den zum Teil wirren – da ohne erkennbaren Lehrplanbezug – Wust an Arbeitsblättern und -aufträgen durcharbeiten zu können.

Ich bin mir sicher, keine Lehrkraft hat sich je die Mühe gemacht, die gestellten Aufgaben selbst zu erledigen, um den benötigten Zeitaufwand abschätzen zu können. Und da haben wir die digitale Seite von digitalem Unterricht – falls man geneigt ist, dergleichen Abfertigung Unterricht zu nennen – noch gar nicht erwähnt.) 2. Wer jemals in einem Gesundheitsamt untersucht werden musste, weiß nur zu genau,

auf welchem ätiologischen und technologischem Niveau

die dort beschäftigten Ärzte

zu Werke

gehen. Auch die Einschätzung ihres beruflichen Engagements scheint mir nicht besonders schwierig. (Symptom: Das gern zitierte Fax-Gerät ist nur ein eingängiges Symbol für die allumfassend dort vorhandene Struktur)

3. Fehlallokation von Kapital: Dass Altenpflegerinnen, Kindergärtnerinnen, Krankenschwestern (ich erspare mir die männlichen Formen) und so viele andere „Dienstleister“ bzw. „Systemrelevante“ zwar „beklatscht“, aber nicht ausreichend ausgebildet und bezahlt werden, ist jedem – auch den Claqueuren – bestens bekannt, es fehlt aber der politische Wille, die Dinge grundsätzlich zu ändern.

Die Beispiele ließen sich mittlerweile nahezu beliebig fortsetzen. Ich nenne diese Form der staatlichen Untätigkeit Staatsversagen, weil unsere gewählten Vertreter alle Defizite kannten und kennen, daher bewusst den Schaden in Kauf genommen haben, der dadurch entstand, dass sie die ihnen obliegenden Aufgaben nicht angingen und erledigten. Mir ist es völlig egal, ob sich ein Investmentbanker deshalb bei Herrn Heuser zum Kritiker aufspielen kann. Stattdessen ist es höchste Zeit, dass die

Bürgerinnnen

und Bürger dieses Landes endlich aufbegehren und der

verwalterischen

Inkompetenz – bei Bund und Ländern – durch ihre Wahlentscheidungen ein Ende machen. Damit impliziere ich keineswegs den Weg der Wutbürger, der Rechten, anderer Fortschrittsverweigerer jedweder Couleur. Das Problem besteht nicht darin, keine Fehler machen zu dürfen, sondern festgestellte Fehlentwicklungen nicht umgehend korrigieren zu wollen.

– Johann

Siemon

Deutschland ist zwar in der Lage – zumindest deren Autokonzerne – die beste Schummel-Software der Welt zu bauen und sie im „Clean-Diesel“ rund um den Globus zu verkaufen, aber die Corona-Pandemie wird mit Faxgeräten aus dem vergangenen Jahrtausend bekämpft. Auch in der ZEIT liest man, dass in Deutschland so Einiges schiefläuft: bei der Bildung, der Digitalisierung, der Pflege und offensichtlich auch bezüglich einer Kommandostruktur, die für die Bekämpfung der Pandemie vonnöten ist. Versäumnisse der Vergangenheit und eine unbrauchbare Lenkungsstruktur bringen Deutschland nun in große Schwierigkeiten. Es ist lobenswert, wenn wir bei der Corona-App den Datenschutz im Auge haben, aber dem Covid-19-Patienten auf der Intensivstation nützt das nichts.

Der Bund stellt Corona-Hilfen bereit, aber 16 „Landesfürsten“ zahlen sie aus, oder zunächst einmal nicht. Hier hilft ein Blick ins Jahr 1962 (Sturmflut an der deutschen Nordseeküste). In Wikipedia liest man: „Ursächlich für das Ausmaß der Katastrophe in Hamburg waren gravierende städtebauliche und verwaltungsorganisatorische Mängel.“ Helmut Schmidt rettete, was zu retten war. Uns fehlt eine „Task-Force“, wie sie bei sehr großen Unglücken oder Katastrophen eingesetzt wird. Bislang haben „viele Köche den Brei verdorben“. Das gilt auch mit Blick auf die EU. Was tun? Deutschland sollte das Geschehen als „Schuss vor den Bug“ werten und neben der ‚Bazooka‘ auch seinen klugen Kopf einsetzen. Ich fürchte, ein „Köpfchen“ reicht nicht.

– Reinhold

Biggeleben

Das Coronavirus legt nun alles offen, von Wirecard bis zur Impfstoff-Beschaffung für ganz Europa, zeigt die fehlenden Management Qualifikationen auf allen politischen Führungsebenen und verschiedene Verantwortlichkeiten in der Umsetzung sind Schnittstellen die einen hohen zeitlichen und Organisatorischen Aufwand mit sich bringen. Wir haben es mit systemischen Ursachen zu tun, wiederholte politische Fehlentscheidungen sind nicht mit Zufällen zu erklären. Ganz besonders auffällig sind die Störanfälle im Produktionsprozess und den internationalen Lieferketten. Niedrige Produktionskosten sind gut für die Gewinne, doch volkswirtschaftlich sind die Folgekosten von der Gemeinschaft zu tragen. (Umweltverschmutzung) Die Bilanz guten politischen Handelns lässt noch auf sich warten, vielleicht nach Corona, dann kommt die Bundestagswahl und alles wird anders aber nicht besser, der Schuldenberg kostet dem Staat fast nichts bei Null-Zinsen.

– Thomas Bartsch-Hauschild

Der kritischen und ernüchternden Bilanz verloren gegangener Krisenbewältigungskompetenz unserer politischen Führung wegen der weitgehend misslungenen Corona-Politik von Herrn Heuser kann ich nur zustimmen. Die Fehlerkette ist lang und die Versäumnisse sind zahlreich. Ergänzend zum Artikel, in dem zutreffend und plastisch das Impfdesaster und die zur Nachverfolgung von Infektionen untaugliche Corona-App beschrieben wird, will ich ergänzend noch auf folgende gravierende Fehler und Versäumnisse hinweisen: 1. Die mehr als umstrittenen Schulschließungen in den Bundesländern hätten in großem Umfang durch den Einsatz von mobilen Lüftungsgeräten, deren eingebaute Filter nachweislich mehr als neunzig Prozent der in der Raumluft vorhandenen Viren und Bakterien aufsaugen vermieden werden können.

Die Produktion solcher Geräte in ausreichender Stückzahl auf der Grundlage eines Großauftrags an inländische Maschinenbauer und die anschließende bundesweite Anschaffung für alle Klassenzimmer hätte nicht mehr gekostet als die staatliche finanzielle Unterstützung für Lufthansa oder den Touristikkonzern TUI. 2. Das primäre Kernziel der staatlichen Corona-Politik, der besondere Schutz vulnerablen Gruppen, vor allem der älteren Menschen in den Seniorenheimen und Pflegebedürftigen zu Hause wurde bis heute krachend verfehlt. Von den mittlerweile mehr als 50,000 Corona-Toten sind nur ca. 1500 unter 60 Jahre und fast neunzig Prozent über 70 Jahre. Ganz nebenbei bemerkt gehört auch der Verfasser dieses Briefes zu dieser besonders gefährdeten Altersgruppe.

Das probate Mittel zur Eindämmung der bei den Bewohnern in den Seniorenheimen und zu Hause lebenden Pflegebedürftigen explodieren-den Infektionen ist der flächendeckende Einsatz von Schnelltests, die bereits ab März 2020 verfügbar waren, aber erst im Januar im großen Umfang verteilt werden. Gleiches gilt für die Ausgabe von FFP2-Masken. Ein vorsorgender Bundesgesundheitsminister hätte rechtzeitig einen Großauftrag zur Fertigung beider Produkte an die Industrie erteilt, damit diese bis spätestens Ende September in ausreichender Anzahl noch vor der zweiten Welle vorhanden gewesen wären. 3. Viel zu spät hat die Runde der MinisterpräsidentInnen zusammen mit der Bundeskanzlerin zur Eindämmung der zweiten Welle den härteren Lock-Down erst Anfang Dezember eingeleitet, nachdem wie zu erwarten der weiche Lock-Down im November nahezu wirkungslos verpufft ist.

Zahlreiche renommierte Gesundheitsexperten haben die führenden Politiker in Bund und Länder bereits im Spätsommer vor den verheerenden Folgen einer zweiten Welle gewarnt, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Das Ausmaß dieser drohenden Naturkatastrophe ausgelöst durch das exponentielle Wachstum des Corona-Virus haben offenbar leider nur die Bundeskanzlerin als promovierte Physikerin und der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach als Epidemiologe erkannt, die beide völlig zu Recht bereits im Oktober mit Blick auf die dramatisch ansteigenden Infektionszahlen einen harten Lock-Down forderten. Frau Merkel sprach von der realistischen Gefahr einer ansonsten drohenden Sterbezahl von 20000 Menschen zu Weihnachten, eine Ziffer die von Realität deutlich übertroffen wurde.

Leider konnte sie sich

gegenüber den MinisterpräsidentInnen

nicht durchsetzen. Von einer Bundeskanzlerin, die nicht mehr zur Wahl steht, darf man doch wohl erwarten, dass sie all ihre Kräfte mobilisiert und alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, um das Leben von Menschen auch unter Vernachlässigung widerstreitender Parteiinteressen effektiv zu schützen und damit den Eintritt einer sonst höchstwahrscheinlich eintretenden humanen Katastrophe zu verhindern. Diese Schutzpflicht hat die Bundeskanzlerin meines Erachtens nicht ausreichend erfüllt. Eine zielführende Möglichkeit, um die widerspenstigen Länderchefs auf ihren richtigen Kurs zu bringen, wäre eine glasklare „Pandemie-Fernsehansprache“ an die deutsche Bevölkerung nach dem Vorbild der „Blut- und Schweiß-Rede“ des englischen Premiers Winston Churchill nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gewesen, um damit einen hinreichend starken öffentlichen Druck aufzubauen.

Das Impfdesaster wegen der verspäteten Bestellung des Impfstoffs auch noch in zu geringer Menge kostet die deutsche Gesellschaft vermutlich mindestens drei Monate bei der Durchimpfung und des damit zusammenhängenden unnötig verlängerten Lock-Downs. Für die dadurch erhöhten Todeszahlen und den entstandenen vermeidbaren erheblichen wirtschaftlichen Schaden trägt unsere politische Führung auf Regierungsebene zumindest eine Mitverantwortung. Angesichts dieser desaströsen Bilanz ist mein Vertrauen in deren Krisenbewältigungskompetenz aufgebraucht. Will man die Qualität des bisher gezeigten Corona-Managements bewerten, kann man nur dem Journalisten Jan Fleischauer beipflichten, der in dem ARD-Presseclub vom 24. Januar eine glatte °Fünf“ verteilte.

– Prof. Dr. Wilfried Braun

Unser Köpfchen steckt im Sand, wie auch die von Francesco

Ciccolella

gestaltete Illustration zeigt. Ist es „nur“ Bequemlichkeit, wenn wir so angestrengt wegschauen? Mit einem befreienden „Ruck“ wäre alles gelöst? Oder gibt es auch strukturelle Probleme? Aus meiner Sicht ist das Grundproblem, dass man versucht, fachliche Planungsprobleme mit „Politik“ zu lösen: mit Tagespolitik, mit Kleingedrucktem (Gesetze, Verordnungen, Verfügungen), mit politischem Wettbewerb, mit Parteipolitik und mit einer politischen Kommunikation, die die Klarheit scheut. – So schaffen wir das nicht! Das strukturelle Problem besteht darin, dass hinter dem wachsenden Primat der Politik die Fachkompetenz der Ministerien in Bund und Ländern immer weiter zurückgefahren wird.

Die Bearbeitung des Megaprojekts „Pandemie“ müsste sich in zwei logische Ebenen bewegen: die politische Ebene der demokratisch legitimierten und rechtlich abgesicherten strategischen Entscheidungen und die fachliche Ebene der ablauf- und aufbauorganisatorischen, infrastrukturellen, beschaffungstechnischen, logistischen, kommunikativen Planungsthemen. Die Politik agiert in vielen Fällen auf der fachlichen Ebene selbst (ohne hinreichende Rückkopplung in die eigenen Häuser) und vernachlässigt zugleich die ihnen eigentlich zugeordnete strategische Ebene. Tatsächlich fehlt nach jahrelanger Verschlankung in den Ministerien der Macher-Mut, schlimmstenfalls sogar die Handlungskompetenz.

Dieser Trend verstärkt sich fortlaufend, indem die politischen Entscheidungsträger immer weniger die eigenen Fachinstanzen nutzen, sondern sich vor allem auf externen Rat abstützen. Damit wird letztendlich alles politisiert, auch das, was in Händen von projektgeschulten Fachplanern besser aufgehoben wäre. Unsere Rettung sind Angela Merkel und die funktionierenden Handlungsstrukturen auf kommunaler und Kreis-Ebene. Angela Merkel verbindet idealtypisch die Ebenen Politik und Fachlichkeit. Erfolge entstehen durch die verantwortlich, aufgreifend und pragmatisch Handelnden vor Ort. Wenn Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern sich Erfolge in der Pandemiebekämpfung selbst zuschreiben, dann sollte man zumindest genauer hinschauen.

– Reinhard Koine

Uwe Jan Heuser spricht mir aus der Seele, wenn er schreibt, dass sich in Deutschland ein Hang zur Bequemlichkeit breit macht: im Dezember 2020 – also nach Verhängung des aktuellen Lockdowns – erhalte ich eine Einladung zu einem Termin an einem Essener Familiengericht für den 26.01.2021. Im Januar – also in demselben Lockdown – wird dieser Termin plötzlich auf unbestimmte Zeit vertagt (die zuständige Richterin darf dies im Rahmen ihrer richterlichen Verantwortung alleine entscheiden!), obwohl der mir bekannte Gerichtssaal seit geraumer Zeit Corona-tauglich hergerichtet wurde. Nachfrage bei Gericht ergibt, dass das Gericht weder über die technischen Möglichkeiten zur Durchführung einer Telefonkonferenz (gibt es seit den 90er Jahren!) noch zu einer Video-Schalte verfügt.

Eine Sekretärin berichtet mir, ich solle mich darüber nicht wundern, da nicht einmal Mail-Adressen für die Mitarbeiter bei Gericht vorhanden seien. Eine anschließende schriftliche Nachfrage beim Ex-Justizminister des Landes NRW – Thomas Kutschaty, heute designierter SPD-Parteivorsitzender des Landes NRW – bleibt unbeantwortet. Deutschland in 2021: die Justiz verfällt ruhend in einen selbst verordneten (!) Corona-Schlaf, nicht einmal digitale Mindeststandards sind vorhanden. Leider kein unglaubliches Märchen aus dem Deutschland im 21. Jahrhundert, sondern tatsächlich bittere Wahrheit.

– Jörg Mirbach

Versager versagen...Man darf sich nicht wundern, wenn man jahrelang politische Versager nach Brüssel schickt, dass diese auch dort versagen. Die Quittung für dieses Verhalten bekommt Deutschland als Impfstoffdebakel zu spüren. Frau von der Leyen nach ihrem Bundeswehr Desaster nach Brüssel zu entsorgen um dort auf europäischer Ebene zu versagen, zeigt die wahre Bedeutung Europas im Kalkül von Frau Merkel!

– M.A. Matthias Schmidt

Leserbriefe zu „Das teure Nest” von Elisabeth von Thadden

Aufgrund der explodierenden Immobilienpreise ist es nicht verwunderlich, dass der Erwerb einer Immobilie für viele Menschen immer schwieriger oder gar unmöglich wird. Verwunderlich ist es allerdings anhand dieser Tatsache eine Erbschaftsdiskussion zu entfachen. Ist es denn so wirklich so verwerflich, wenn ein Facharbeiter seine aus eigener Leistung in den 80-iger Jahren erworbene Immobilie, die sich im Wert vielleicht verfünffacht hat, an seine Kinder vererbt. Für die Wertsteigerung sind weder er noch die Erben verantwortlich. Sollte man sich nicht eher darüber freuen, dass es wenigsten den Erben oder Beschenkten noch möglich ist zu Eigentum zu gelangen, anstatt sie zu beneiden?

Da sollte man sich doch eher fragen voran es liegt, dass die Immobilienpreise in astronomische Höhen schnellen. Dafür dürfte eher die unseriöse Null- und Negativzinspolitik verantwortlich sein, die auch in anderen Bereichen, wie z. B. der privaten Altersvorsorge, katastrophale Kollateralschäden verursacht, die von der Politik aber offenbar billigend in Kauf genommen werden. Ein Anheizen der Inflation ist der EZB auf dem Gebiet der Realwerte auf jeden Fall schon mal gelungen. Anstelle einer befremdlichen Erbschaftsdiskussion wäre eine Rückkehr zu einer verantwortungsvollen Geld- und Finanzpolitik angebracht.

– Wolfgang Naujoks

Weder ist das Vererben eines mittleren Vermögens „sittenwidrig“, denn zumindest eine Generation hat dafür sehr produktiv gearbeitet, noch ist es der Hauptmotor für steigende Immobilienpreise in den beliebtesten Ballungszentren: Dafür sorgen auch die EZB mit ihrer lausigen Geldpolitik und das Herdenverhalten vieler Menschen, die einzig in den „coolsten“ Städten ihr Lebensglück finden müssen. Ständig steigende Mieten und Immobilienpreise sind kein neues Phänomen. Dank der „neuen modernen“ Geldpolitik der EZB lohnen sich seit Jahren keine Geldanlagen mehr.

Nun gehen „mutige“ Anleger entweder in den Aktienmarkt, wo böse Überraschungen wie „Wirecard“ passieren oder sie setzen auf Immobilien (in bevorzugten Ballungszentren), weil dort über die dadurch zusätzlich induzierten Preissteigerungen (noch) eine Rendite erwirtschaftet wird. Die Autorin verliert kein Wort zu dieser wenig sinnvollen und gefährlichen Geldpolitik, die sich bereits 2008 in den USA verhängnisvoll „bewährte“. Sollte der Immobilienboom in den Ballungszentren nach Corona wegen wachsender Pleiten von Ein­zelhändlern und steigender Bedeutung von Home-Office zusammenbrechen, wiederholt sich dieser Unsinn als Folge einer riskanten EZB-Geldpolitik, selbst wenn diese doch nur den „Club Méditerranée“ retten sollte!

– Prof.

emer

. Dr. Wolfgang Ströbele

Leider betreibt die Autorin vor allem (mal wieder) Erben-Bashing, ohne die Wechselbeziehungen zum beklagten Problem (zu wenig Menschen wohnen in den eigenen vier Wänden) näher zu recherchieren, oder belastbare Fakten aufzuführen. So wird vor allem das Bild der sich unverdient im eigenen Reichtum suhlenden Vermieter, sprich: Erben, vermittelt. Wesentliche Randbedingungen und Ursachenzusammenhänge werden komplett ausgeblendet. Es geht schon damit los, dass jeder

Immobilienbesitzer/Vermieter nicht nur Einnahmen hat, die er frei verjubeln kann, sondern auch Verantwortung hat und laufende Kosten zur Werterhaltung (Reparatur, Wartung, Sanierung) bedienen muss.

Natürlich bleibt am Ende ein Ertrag übrig, aber der muss auch ordentlich versteuert werden. Also was soll’s?

Wie groß ist überhaupt der Anteil der privaten Vermieter am Wohnungsmarkt? Nach meinem Eindruck überwiegen die großen Immobiliengesellschaften, zum Teil genossenschaftlich/kommunal organisiert, und zum Teil kapitalistisch rendite-orientiert. Dieser Sektor ist völlig irrelevant fürs Erbenthema. De facto trifft dies auch auf die vielen Klein-Vermieter zu, die nur 1-2 Wohnungen/Zimmer vermieten (die berühmte Oma, die damit ihre schmale Rente aufbessert). Was die Schaffung von Wohneigentum für alle aber am meisten behindern dürfte, sind die horrenden Immobilien/Grundstückspreise.

Die sind aber eine Folge der besonderen Eigenschaften des Marktes: zum einen ist die Menge an verfügbarem Boden endlich und kann nicht beliebig gesteigert werden, und zum zweiten drängt (zu) viel flüssiges Kapital auf den Markt, was die Preise nach oben treibt – und zwar beileibe nicht nur für Bauland, sondern inzwischen auch für Agrarflächen, auch in Deutschland. Hier dürften Änderungen am Erbschaftsrecht nicht das geringste verbessern, da vor allem große (und internationale) Kapitalgesellschaften zugange sind. Wir müssen uns an der Stelle entscheiden, ob (bezahlbares) Wohnen ein Grundrecht für alle ist, oder ob es der Kapitalanlage und Renditesteigerung dient.

– Wolfgang Heckl

Die Idee jeden jungen Erwachsenen zum 25. Geburtstag mit einem Kapital von 140000€ auszustatten um die Nachteile gegenüber Erben auszugleichen, halte ich für verlockend aber nicht für erfolgversprechend. Dieser Vorschlag berücksichtigt nicht, dass wir in einer Wettbewerbsgesellschaft leben und viele Großeltern und Eltern sich grundsätzlich und besonders nach dem Krieg in der Bundesrepublik bemüht und eingeschränkt haben, um ihren Kindern einen gleichen oder möglichst besseren finanziellen und sozialen Status zu verschaffen. Diese Idee war und ist ein wesentlicher Antrieb für unsere wirtschaftliche Entwicklung.

Mein Vorschlag ist zunächst erprobte Mittel anzuwenden. 1. Unser Schulsystem leistungsfähig machen! 2. Bau vieler menschenwürdiger Sozialwohnungen mit langer Sozialbindung statt schnellem Verkauf zur Abgeltung für kommunale Misswirtschaft. 3.Sozialer Wohnungsbau in ausreichendem Umfang. 4. Ausbildungsförderung für lernwillige. 5.Sozialleistungen für gescheiterte oder Menschen, die nicht in der Lage sind an dem Rennen teilzunehmen. Für die Bezahlung der Vorschläge ist durchaus eine Reform des deutschen Erbrechts angebracht und auch gesellschaftlich zu vermitteln.

– Rainer

Heukamp

Allen Kommentatoren und Kommentatorinnen vielen Dank für die umfassenden Informationen. Alles richtig, aber die Schlüsse erscheinen mir zu kompliziert. Ich wäre für eine pragmatischere Lösung. Die ersten € 20.000,00 Jahreseinkommen sind steuerfrei und, besonders wichtig, auch frei von Sozialversicherungsbeiträgen. Über die Finanzierung kann dann gestritten werden. Viele Grüße aus Saarbrücken.

– Hartmut van

Meegen

Was war das denn, ein Artikel, wider aller Vernunft. Aber es passt in unsere immer wirrer werdende Zeit, wenn nach dem Ruf des bedingungslosen Grundeinkommens jetzt auch noch der Ruf nach dem bedingungslosen Erbe laut wird. Als Aufhänger: die absurd hohen Preise für Grund und Boden in sogenannten TOP-Citys. Als ob jemals das Schenken von Vater Staat die Leistungsbereitschaft gefördert hätte. Ganz abgesehen von den rund 100 Milliarden, die das JÄHRLICH verschlingen würde (700.000 Kinder x 140.000 €). Nebenbei würden die Preise noch weiter steigen, wegen der dann noch größeren Nachfrage. Nur ein Gedanke: woher leitet man eigentlich das Recht ab, stets in den 1 A Lagen mit bester ÖPNV Anbindung und den tollen Arbeitgebern um die Ecke, wohnen zu können. Mein Ansatz wäre endlich eine dem Grund- und Bodenwert angepasste Besteuerung einzuführen und das Geld für das Vorkaufsrecht der Kommunen einzusetzen um attraktive Pachtflächen für jüngere Generationen zu schaffen.

Flankiert von einem Gesetz, dass die Grundsteuer nicht auf die Mieten umgelegt werden darf, würde rasch eine regulierende Wirkung einsetzen. Ebenfalls blendet ihr Artikel völlig die eigentliche Ursache der

galloppierenden

Immobilienpreise (und Mieten) aus. Immobilienbesitzer (gern auch aus Ländern, die wir

mittels billigem Geld

weiter zwangsbeatmen) werden hier auf dem Spekulationsmarkt fündig. Das treibt die Preise – und die Kommunen schauen über Jahrzehnte nur zu, verkaufen sogar eigenen Bestand. Das gehört beendet und nicht ein weiteres Milliardengeschenk an welche Bevölkerungsgruppe auch immer hinzugenommen. Eigentum verpflichtet, hat es früher geheißen, dann sollen die Spekulanten auch innerhalb von spätestens 10 Jahren bauen müssen = weniger Spekulanten + neue Grundsteuer = sinkende Preise = mehr Durchschnittsverdiener können Eigentum erwerben. Für die gesparten 100 Milliarden lässt sich gewiss eine sinnvolle Verwendung finden.

– Thomas Harnisch

Elisabeth von Thadden stellt fest: «Es reicht nicht mehr, sich anzustrengen. Fast nur Erben können sich noch Eigentum leisten. Demokratisch ist das nicht.» Gerecht ist es auch nicht. Doch leider gibt’s so etwas wie einen Zielkonflikt zwischen dem Ziel Gerechtigkeit und dem Ziel Stabilität. Das ist daraus ersichtlich, dass alle Zivilisationen, die lange Zeit stabil waren (weil sie das Bevölkerungswachstum begrenzen konnten) ungerechte Methoden anwandten. Dazu ein paar Beispiele: Den Bewohnern der abgelegenen Südsee-Insel

Tikopia

gelang es, die Bevölkerungszahl über Jahrhunderte praktisch konstant zu halten. Dabei wurde folgende ungerechte Methode verwendet: Von den Söhnen einer Familie durfte nur der Älteste Nachwuchs haben. Ähnliches galt für buddhistische Dörfer etwa in Ladakh. Der älteste Sohn übernahm den Hof. Die jüngeren Söhne wurden Mönche. Auch In weiten Teilen Mitteleuropas erbte nur ein Sohn den Hof.

Seine Geschwister mussten sich als weitgehend rechtlose Dienstboten verdingen und konnten meist keine Familie gründen. Bei diesen Beispielen galt also ein wenig abgewandelt: Fast nur Erben können eine Familie gründen. Heute wären fairere und ebenso wirksame Methoden möglich. Wenn der Zielkonflikt zwischen den Zielen Gerechtigkeit und Stabilität nicht im Sinne eines übergeordneten Ziels (eine gute Zukunft für alle) gelöst werden kann, besteht die Gefahr, dass es weder Gerechtigkeit noch Stabilität gibt. Dazu ein Beispiel aus einem anderen Artikel dieser Ausgabe: «Zwei Drittel der Bevölkerung zwischen Oman und Marokko sind jünger als 35, die Jugendarbeitslosigkeit liegt schon heute im Schnitt bei 30 Prozent». Dass «fast nur Erben» sich Eigentum, speziell Wohneigentum leisten können, kommt her (ähnlich wie einst auf

Tikopia

) von einer Maßnahme zur Stabilitäts-Sicherung.

Im Interesse des Naturschutzes (auch eine Art Stabilitäts-Sicherung) wird nicht genug Bauland ausgewiesen. Auch hier also wieder der Zielkonflikt zwischen Gerechtigkeit und Stabilität. Den entsprechenden Zielkonflikt zwischen den Zielen «günstiges Bauland» und Naturschutz erlebte ich hautnah. Als junger Familienvater (zwei Kinder) kaufte ich 1972 auf Grund eines Inserats (in Großbuchstaben stand im Inserat Bauerwartungsland) eine Parzelle im südbadischen Inzlingen. Zuvor besuchte ich am Sitz des Gemeindeamts eine Ausstellung zur Planung einer neuen „Bauzone“. Meine Parzelle (600 qm) lagen nach dieser Planung an einer geplanten Straße mit dem schönen Namen Panoramastraße. Heute ist dort ein Naturschutz-Gebiet. Vielleicht auch als Ausgleich für eine nahe, damals neu erbaute Autobahn. Panoramastraße ade.

Die wegen Nicht-Überbauung erhobene Grunderwerbs-Steuer von 10.5 Prozent musste ich natürlich bezahlen.

Also letzten Endes subventionierte ich als nicht bauberechtigt die Bauherren, die keine solche Steuer zahlen müssen. Von Thadden beschreibt am Ende des Artikels eine Idee von Thomas Piketty: Jeder soll zum 25. Geburtstag ein Kapital erhalten, «das 60 Prozent des aktuellen Durchschnittsvermögen pro Erwachsenen ... entspricht.» Hier ginge es also um Subvention für

25-Jährige

, durch 26-Jährige und Ältere. Allerdings

gäb’s

dadurch auch nicht mehr Bauland, hingegen mehr Geld, was die Immobilienpreise erhöhen, das Geld weiter entwerten und damit die Motivation Bauland gegen Geld einzutauschen, weiter reduzieren würde.

Diese und ähnliche Lösungen wären jedoch – insbesondere auch weltweit – durchaus sinnvoll, wenn Leistungstransfer von Reich nach Arm verknüpft würde mit der Förderung verantwortungsvoller Elternschaft. Denn ausreichende Zuteilung von Arbeit und von Wohneigentum ist nur dann umweltverträglich möglich, wenn das demographische Problem gelöst wird. Bei einem Rückgang der Bevölkerung würden auch Immobilien weniger nachgefragt. Dazu ein Beispiel wie die Immobilien-Preise durch Staatseingriffe gesenkt werden können: Ein Arbeitskollege erbte vor 1990 ein Haus in der DDR, verkaufte es und konnte aus dem Erlös ein schönes Tee-Service erwerben. Der geringe Immobilienpreis war die Folge von staatlich festgelegten Mieten, die nicht kostendeckend waren.

– Dr.

tech

. Gernot

Gwehenberger

Dass Wohnungen immer unbezahlbarer werden kommt daher, dass die Immobilienpreise schneller steigen als die meisten Einkommen. Das hat mehrere Ursachen, neben der Grundstückspreisentwicklung u.a. auch, dass staatliche Auflagen und Gebühren sich auf die Baukosten auswirken. Mit dem Erben hat das kausal erst mal nichts zu tun, aber es gibt natürlich Zusammenhänge. Mit einem Erbe im Rücken kann ich mir eher eine überteuerte Wohnung leisten als ohne. Aber das ist trotzdem nicht wirtschaftlich, sondern im besten Fall ein Luxus den ich mir leiste, weil ich es kann. Und wenn ich eine Wohnung nicht selbst nutzen will muss ich mich fragen, wie viel meine zukünftigen Mieter verdienen müssen, damit sie eine Miete zahlen können, die meine Investition finanziert.

Unter diesen Umständen rechnet sich der Kauf einer Immobilie nur sehr langfristig und im Hinblick darauf, dass es jemand gibt, dem ich das später mal vererben will. Wenn ich jedoch befürchten muss, dass das Vererben oder Privatbesitz überhaupt irgendwann einmal in Frage gestellt werden könnte, dann lasse ich es lieber. Diese Diskussion ums Erben behindert somit nicht nur den Erwerb von Wohneigentum sondern auch die Entstehung bezahlbarer Mietwohnungen. Das von Ihnen angeführte „Mindesterbe“ hat demgegenüber zwar einen gewissen Charme, verschärft die Misere aber noch. Wenn Jeder das Recht auf ein solches Erbe hat, dann erhöht sich erst mal die Nachfrage und die Preise steigen noch schneller. Die Erbbeträge müssten erhöht werden und die Spirale dreht sich weiter. Ganz bitter wird es für diejenigen, die auch in Zukunft lieber in Miete wohnen und ihr Erbe anderweitig verwenden wollen. Sie haben es auf lange Sicht immer schwerer eine bezahlbare Mietwohnung zu finden.

– Andreas Gruber

Für diesen Beitrag bin ich Ihnen und dem Redaktionsrat sehr dankbar. Er trifft die Sache im Kern und zur richtigen Zeit. Wir haben in Deutschland (und natürlich auch anderswo) viele Menschen, die jeden Tag nicht nur einen wertvollen Arbeitsbeitrag zum Selbstunterhalt, sondern auch unschätzbar wichtige Dienste für die Gesellschaft erbringen. Es sind vor allen die Menschen, über die im vergangenen Corona-Jahr viel berichtet aber immer noch wenig getan wurde, Beschäftigte in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Friseure und Friseurinnen, Verkäufer*innen in der Bäckerei, beim Fleischer, beim Obst- und Gemüsehändler, im Lebensmittelgeschäft, Beschäftigte in den Versandhäusern, bei Lieferdiensten, bei der Müllabfuhr, an Tankstellen ... um nur einige zu nennen, die mit bescheidenen Löhnen und Gehältern bedacht werden und die oft genauso viele Kinder großziehen, wie die besser gestellten.

Ich kann die Aussage von Konrad Adenauer 1952 (das Eigenheim dürfe kein Reservat kleiner (er meinte wohl privilegierter) Schichten sein) sowie die Schlussfolgerung von Thomas Piketty und Ihnen (Erbschaft für alle ... in Deutschland wären das Euro 140.000) nur unterstützen. Der Markt ist schon lange großen Teilen der Bevölkerung davongelaufen. Oder anders gesagt, mit ehrlicher engagierter Arbeit kommt man nicht (mehr) auf einen grünen Zweig. Vielleicht war das schon immer so. Aber aufgewachsen in den 60er und 70er Jahren habe ich zumindest den subjektiven Eindruck, dass die Zeiten mal besser waren, etwas

für’s

Alter und die Kinder aufbauen zu können. Wenn also eine Krankenschwester, ein Friseur oder eine Kassiererin im Supermarkt nichts von zuhause hat und €100 im Monat sparen kann, so denke ich, dass dies ein realistisches Beispiel ist.

Und jetzt schauen Sie sich bitte mal den-/diejenige an, die irgendwo her €200.000 bekommt oder vielleicht sogar €500.000, 2 Millionen oder mehr. Sie können dabei zusehen, wie Sie einfach reich werden. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bewundere Unternehmer, die Ideen haben, Risiko eingehen, die scheitern und wieder aufstehen, ein Produkt, eine Dienstleistung anbieten und Arbeitsplätze schaffen. Diese sollen natürlich entsprechend am Gewinn und Wertzuwachs teilhaben. Aber leider gibt es auch die andere Seite der Medaille, Leute, die Geldgeschäften (teilweise noch nicht mal eigenes Geld) riesige Vermögen anhäufen und Generationen von Erben, die zum Teil nur dabei zusehen, wie sie immer reicher werden (sich Wealth und Asset Management leisten können und dieses auch noch als Kosten absetzen können).

Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten mal die beiden Situationen durch ähnliche Rechenbeispiele visualisiert. Der Aufschrei wäre groß geworden. Die Geschichte hat uns stets gelehrt, dass es sowohl Gewinner als auch Verlierer in Systemen aller

couleur

gegeben hat und damit auch geben wird. Was wichtig ist, ist was bleibt. Niemand kann Vermögen mit ins Grab nehmen. Wir als Gesellschaft können jedoch dafür sorgen, dass die Menschen, die für uns so wertvolle Dienste leisten, diese mit Freude und erhobenen Haupt erbringen und sie von uns den verdienten Respekt, Entlohnung und Teilhabe erhalten. Oder wollen wir wirklich Verhältnisse wie in einigen Staaten in Amerika, Afrika und Asien?

– Werner

Rosar

Warum nur den Fokus auf die Erbschaft von Geld und Vermögen legen? Die Vererbung von guter Konstitution, Intelligenz, Talent, gutem Aussehen usw. ist auch ungerecht. Desgleichen ist die Familie bzw. der Staat in den man hinein geboren wird entscheidend für den Lebensweg. Wir in Deutschland und Europa hatten nun mal das Glück tüchtige Vorfahren gehabt zu haben, die uns einen vernünftigen Rechtsstaat und eine sehr produktive Wirtschaft hinterlassen haben. Der Weg dorthin war steinig und mit Irrwegen gepflastert. Der Wohlstand in Deutschland ist im weltweiten Vergleich beträchtlich und innerhalb des Landes ungleich verteilt. Unser Sozialstaat versucht die gröbsten Ungerechtigkeiten auszugleichen und belastet hohe Einkommen erheblich um u.a. Bedürftige zu unterstützen. Noch stärkere oder sogar konfiskatorische Besteuerung eines Vermögens im Erbfall nimmt den Anreiz hart und erfolgreich zu arbeiten und ist damit kontraproduktiv. Wir müssen damit leben, dass die Welt im Grunde ungerecht ist.

– Ernst Lothar Helwig

Die genannte Eigentumswohnung in Eppendorf ist eher ein Beispiel dafür, wie unerheblich das Erben im Normalfall ist: Der „Normalbürger“ braucht (Zinsen nicht eingerechnet) bei einer monatlichen Tilgungsrate von 500 Euro 133 Jahre, um die Wohnung abzuzahlen, der angeblich derart bevorzugte Erbe 110 Jahre. Die Quintessenz ist, dass sich beide bei einem solchen Einkommen die Wohnung nicht leisten können.

– Reinhard

Kraasch

Vielen Dank für Ihren mutigen Artikel zu Besitz und Macht. Wegen solcher Beiträge besitze ich ein Abo dieser Zeitung. Als Ossi habe ich mit besonderem Interesse gelesen, dass Sie die Warnung von

Jededia

Purdy thematisierten, die Bürger eines Landes nicht zu enteignen. Treffend titelte Daniela Dahn eines ihrer Bücher: Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute. Ihre Schlussfolgerungen halte ich jedoch für nett, um niemanden zu verprellen, jedoch für utopisch. Es geht nicht ohne wegzunehmen. Schon lange ist unsere Erde aufgeteilt, im Besitz von Menschen. Wer ihn neu erwerben möchte, muss ihn jemanden entwenden, wenn er nicht erben kann. Seit Jahrhunderten geschieht dies durch Kriege und Genozid, wie es die Nordamerikaner einst tat, ebenso die Kolonialmächte. Auch heute noch werden Kriege geführt, blutige und kalte, um Besitz und Macht zu erlangen. Auch im Mikrokosmos Deutschland ist kein Raum mehr frei für neue Besitzer. Interessant wäre gewiss eine historische Aufarbeitung der Besitzentwicklung. Wie kam es dazu, dass die Menschen sich die Erde aneigneten? Mit welchem Recht? Ein Naturgesetz ist es nicht.

– Dr.

Annebärbel

Jungbluth

Die Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Reichtums ist der größte soziale Sprengstoff unserer Zeit, aus dem Gewalt, Kriege, Korruption und Kriminalität hervorgehen. 25 oder auch 30 Jahre sind ein gutes Alter, in dem junge Menschen ihren Platz in der Gesellschaft und im Arbeitsleben gefunden haben, und die „Erbschaft für alle“ sinnvoll verwenden könnten. Paare, die in Deutschland Familien gegründet haben, würden nach den angegebenen Berechnungen über 280.000 Euro verfügen, ein guter Grundstock für eine große Wohnung in einer Großstadt oder einem Haus mit Garten in ländlichen Regionen.

– Walter Moritz

Warum so umständlich liebe Frau von Thadden? Zuerst über eine hundertprozentige Erbschaftssteuer das Gesamtvermögen der Bevölkerung gleichmäßig umverteilen, damit jedem die Möglichkeit gegeben ist Wohneigentum zu erwerben? Besser wäre es doch die so in den Besitz der Allgemeinheit übergegangenen Immobilien, Bedarfsgerecht anzubieten. Wohnraum könnte Menschen auch mit geringem Einkommen in der Nähe des Arbeitsplatzes zur Verfügung gestellt werden, für Kinderreiche Familien wäre eine angemessene Wohnung kein unerfüllbarer Traum. Sind die Kinder ausgezogen, wird dann die zu große Wohnung an die nächste junge Familie weitergegeben. Das wäre gerecht und sicher. Gleichzeitig könnte man, befreit vom Zwang ein hohes Einkommen zu erzielen das nicht unbedingt dem Gemeinwohl dient, bei der Berufswahl den persönlichen Neigungen folgen. Auch der Begriff „Leistung“ könnte so eine ganz neue Facette erhalten. Nämlich Leistungen die der Allgemeinheit dienen und nicht der persönlichen Bereicherung. Das wäre übrigens auch im Interesse großer Immobilienverwalter, denn deren erklärtes Ziel ist es „immer mehr Menschen zu finanziellem Wohlstand (zu) verhelfen.”

– Tobias Borries

Seit gut dreißig Jahren protestieren die „Ordensleute für den Frieden“ mit monatlichen Mahnwachen vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt/M. gegen „unser Wirtschaftssystem, das über Leichen geht“. Kurz nach der Wende war diese Behauptung schon eine Provokation für viele Passanten. Im Laufe der Jahre sind unsere Aussagen dann deutlicher geworden: „Der Kapitalismus geht über Leichen“, „Diese Wirtschaft tötet (Papst Franziskus)“. Aber kein Transparent oder Flugblatt hat so provoziert wie die Aussage: „Eigentum ist Raub“.

Um deutlich zu machen, dass wir damit nicht „Omas kleines Häuschen“ meinten, sondern die Milliardäre, haben wir bei den Quandts in Bad Homburg ein Stück Rasen ausgestochen, das wir der Oberbürgermeisterin der Stadt übergaben mit der Forderung, Superreiche zur Kasse zu bitten. Vor einer Aldi-Filiale hieß unser Transparent: „Weil ALDI- Brüder reich sind, sind all die Vielen arm“. Mit einer Flasche Wein und einem Brot, die wir aus dem Laden „entwendeten“, haben wir vor der Filiale mit Obdachlosen und Passanten eine kleine Agape-Feier veranstaltet. Vielleicht ist deutlich geworden, warum die Überlegungen von Elisabeth von Thadden mein Herz höherschlagen ließen.

– Gregor Böckermann

Es scheint journalistisch sehr in Mode gekommen zu sein, sich gerade bei dem offenbar nicht zur Ruhe kommenden Thema der Eigentumsverteilung in unserem Lande weitestgehend eher an linkem Gedankengut zu orientieren. Wenn Eigentum für alle propagiert wird, ist das zunächst

einmal publikumswirksam

, gutgemeint und klingt außerdem sehr sozial. Aber hier wird die Rechnung, zwar mit dem (unguten) Zeitgeist aber ohne den Wirt gemacht. Es dürfte doch jedem längst aufgegangen sein, dass wir, im Gegensatz zu früheren Zeiten, in einem sehr weit verbreiteten gesellschaftlichen Klima leben, das den Hedonismus zu einer neuen Gottheit, zumindest aber zum Lebensinhalt erhoben hat.

Wie vielen ist denn noch bewusst, dass das Streben nach Eigentum in erster Linie eine Frage der Mentalität ist, also vor allem der Bereitschaft geschuldet ist, beharrlich um des Zieles Willen Opfer zu bringen. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass diese gesamtgesellschaftlich nützliche Mentalität bei einem Großteil der Erben voraussetzbar vorhanden ist. Was würde denn mit der (leistungslosen) Weitergabe von Vermögen an junge, beliebig ausgewählte Leute überwiegend geschehen? Richtig, es flösse in den Konsum. Und noch eins, bei den heutigen Doppelverdiener-Lebensgemeinschaften und dem anhaltend niedrigen Zinsniveau, dürfte es in unserem Lande der weit überwiegenden Mehrheit nicht unzumutbar schwer fallen sich in “Das teure Nest” zu legen. Dies muss ja nicht unbedingt in Hamburg-Eppendorf liegen.

– Gerhard Otte

Leserbriefe zu „Tod von oben”. Gespräch mit Ulrike Franke geführt von Jörg Lau und Özlem Topçu

Die ethische Unverfrorenheit mit der hier die Drohnen-Lobbyistin Ulrike Franke das Hohe Lied des sauberen Tötens mit dem unbemannten Kriegsgerät singt, das zeigt nun doch den moralischen Werteverfall in unserer Gesellschaft. „Gut“ und „Böse“ sind ihr in der militärischen Denkfabrik, für die sie arbeitet, völlig entglitten und abhandengekommen. Offensichtlich ist sie sogar in diese stillen

Killersyteme

richtig vernarrt, Kriegswaffen, die auch von deutschem Boden aus durch amerikanisches Militär für Jemen oder nach Afghanistan programmiert werden. Bedenklich ist allerdings auch, dass DIE ZEIT ohne humanitäre Gegenrede solche Drohnen-Apotheosen durchgehen lässt. –

Dr. Christian Hörburger

Ein Gespräch über Waffen sollte fragen, wozu die Menschheit überhaupt noch Waffen braucht. Unser Ziel muss sein jegliche Produktion, Verkauf und Besitz von Maschinen oder Vorrichtungen zum Töten oder Bedrohen anderer Menschen/Völker (also sogenannte WAFFEN) zu ächten! Lasst uns die weltweiten Rüstungsausgaben lieber zur Verteidigung gegen die Klimakatastrophe, das Artensterben und Bekämpfung der Armut auf der Welt umwidmen. Setzen wir unseren deutschen Verteidigungshaushalt (über 20 % des Bundeshaushaltes!) lieber für respektvolle Diplomatie statt Bomben ein! Danke für Ihre Mühe.

– Thomas

Pohrt

Der Artikel ist höchst interessant, jedoch vermisse ich die Erwähnung von Drohnenabwehr. Bis jetzt wurden Drohnen eingesetzt gegen Menschen oder Gegnern die weder Drohnen noch Drohnenabwehr besaßen. Was für Abwehrwaffen gibt es? Und wie effektiv sind die? Kann man Drohne mit Drohne bekämpfen? Für Deutschland wäre zunächst wohl Drohnenabwehr wichtiger als Angriffsdrohnen.

– Horst Krüger

An der bereits unerträglich lange andauernden Diskussion

über das Für und Wider von bewaffneten Drohnen will ich mich erst gar nicht mehr beteiligen. Als ehemaliger Berufsoffizier bin ich aus guten Gründen ohnehin unbedingt dafür, ohne

wenn

und

aber

. Im Interview mit der sachkundigen und mutigen Ulrike Franke ist mir bereits bei ihrer zweiten Einlassung eine andere wahrlich zutreffende Feststellung aufgefallen, nämlich „dass wir in Deutschland schlicht keine Übung darin haben, sachlich über militärische und sicherheitspolitische Themen zu diskutieren“. Und das haben wir vor allem der SPD zu verdanken, die sogar in Regierungsverantwortung steht, deren Partei- und Fraktionsführung aber keine Gelegenheit auslässt, sich auf diesem auch für unser Land lebenswichtigen Gebiet realitätsfern als „Friedensbewegung“ zu gerieren.

Wann gibt es in dieser Partei endlich wieder einen Mann wie Helmut Schmidt, der auf dem Gebiet der Sicherheits- und Verteidigungspolitik realistisch und lagebezogen denkt und vor allem auch handelt? Der jetzige Kandidat der „Friedenspartei“ hält sich hier merklich bedeckt und wird wohl auch kaum zu einem zweiten H. S. mutieren. Nun doch noch ein Wort zu bewaffneten Drohnen: Soll Deutschland als bedeutende wirtschaftlich starke Mittelmacht in Zentraleuropa, die endlich mehr Verantwortung in der Weltpolitik- aber eben auch militärisch- übernehmen muss, einem Land wie Aserbaidschan, wie jüngst im Konflikt mit Armenien geschehen, im Hinblick auf Drohnen (ohne dass ich hier den genauen Zweck und Verlauf des erfolgten Einsatzes kenne) den Vortritt überlassen und selbst in waffentechnischer Hinsicht weiterhin in der Steinzeit verharren, wenn auch in unserer Nachbarschaft die Welt aus den Fugen geraten kann!?

– H.-Joachim Linden

Kriege bestimmen die Menschheitsgeschichte. Jedoch waren sie ursprünglich ein Kampf „Mann gegen Mann“, hatten Ethos, der Stärkere gewann. Seitdem wurden immer subtilere Waffen erfunden, der Einzelne oder die Gruppe stehen sich jedoch noch im Kampf gegenüber. Besonders der Partisanenkampf zeigt, dass oftmals der persönliche Einsatz mehr Wert hat als die nominale Stärke des Gegners. Das Ende dieser Zeitspanne wurde eingeläutet von der Atombombe. Sie durchbrach jede Rechtfertigung, kann oder konnte nur von „Antimenschen“ eingesetzt werden und steht, betrachtet man die vielen fast- Einsatzfälle seit dem 2. Weltkrieg, für den Untergang der Menschheit. Implizit ihrer Unmöglichkeit liegt jedoch ihre Abschreckungsbilanz und damit auch die Verhinderung von Kriegen.

Da eine Abschaffung dieser Widerlichkeit an der menschlichen Egozentrik scheitert, müssen wir mit ihr leben und hoffen, dass kein Idiot damit das Ende der Menschheit einläutet. So mag sie für Europa ein Abschreckungssignal sein, sich selbst im Verteidigungsfall schützen zu können und auf andere fiese Waffensysteme wie Drohnen verzichten zu können. Jetzt gibt es sie aber: Eine nicht in ihrer Vernichtungsdimension ebenbürtige aber genauso grausame Waffe, die Kampfdrohne. Sie vernichtet gezielt Objekte und alles was sich dort gerade aufhält; nach unserer heutigen beschämenden Moral als Kollateralschäden verharmlost. Auch hier handelt es sich nicht mehr um Kampf, sondern schlicht um Tötung. Da diese Systeme einfacher, billiger und universell einsetzbar sind, wird das in Bälde zum Kampf der Drohnen untereinander führen. In ihrer perversesten Form arbeiten sie automatisch, d.h. sie suchen sich die Ziele selbstständig.

Ob nun mit Joystick gesteuert oder automatisch, mit Kampf hat das nichts mehr zu tun, es ist reine Vernichtung. Nach normalrechtlichen (außer Kriegsrecht) Grundsätzen erfüllt jeder bzw. jede Nation, die so

etwas einsetzt

, den Tatbestand des Verbrechens. Dass bis heute üblicherweise nicht das Militär, sondern Geheimdienste die Einsätze anordnen, spricht für sich. Zu bedauern sind dabei vor allem auch die Menschen, die die Einsätze am Computer durchführen. Wenn sie nur etwas Gewissen haben, landen sie meist in der Psychiatrie. Eine schöne neue Welt: Scheint es doch das Wesentliche zu sein, den Mensch und damit auch sich selbst, zu entsorgen. Nicht nur dass Nietzsche schon feststellte, dass Gott tot ist, unter diesen Prämissen wird Zarathustra auf dem Berg bleiben.

– Wolfgang

Clausmeyer

Ulrike Franke hat Recht: „Bewaffnete Drohnen sind nicht so schwierig zu bauen.“ „Die NATO war daran gewöhnt, dort die Lufthoheit zu haben, wo sie im Einsatz war. Diese Zeit geht nun zu Ende.“ Sollten wir deswegen in den Rüstungswettlauf mit Killerdrohnen einsteigen – oder sollte gerade Deutschland, das von Freunden umzingelt ist, eine nachhaltige Abrüstungspolitik betreiben: Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag und konsequenter Einsatz für die Ächtung bewaffneter Drohnen – gerade, weil sie relativ leicht zu bauen sind und digitale Kompetenz nur schwer berechenbar ist (Hackerangriffe). „Unsere nächsten Gegner werden Drohnen besitzen.“ – Und warum werden wir Gegner haben?

Die Evangelische Kirche in Baden hat mit ihrem Szenario „Sicherheit neu denken“ einen Ausweg gezeigt aus dem Mythos der erlösenden Gewalt: Friedenslogische Sicherheitsarchitektur, weit reichende Wirtschafts- und Sicherheitspartnerschaften, gerechte Außenbeziehungen, resiliente Demokratie und Konversion der Bundeswehr. Denkfabriken wie der European Council on

Foreign

Relations, Presseorgane wie Die Zeit, Parlamente, NGOs und die Öffentlichkeit sollten dieses Friedenskonzept zur Kenntnis nehmen, anstatt sich in sinnlosen Diskussionen über Kriegs- und Vernichtungstechnik zu verlieren. Das Potential militärischer Interventionen wird „chronisch überschätzt“ -so Oberst Prof. Dr. Matthias Rogg von der Führungsakademie der Bundeswehr. Deutschland hat im Instrument des zivilen Friedensdienstes ein international anerkanntes hoch wirksames Instrument der zivilen Konfliktbearbeitung.

Friedensfachkräfte sind derzeit in 43 Ländern der Erde im Einsatz. Im Unterschied zu Militärinterventionen werden diese Einsätze regelmäßig und transparent evaluiert und erweisen sich als hoch wirksam. Leider ist der Zivile Friedensdienst mit derzeit 55 Millionen € (0,1% des Verteidigungsetats) chronisch unterfinanziert. Eine rationale Diskussion über sicherheitspolitische Themen darf gerade die Frage nach der Wirksamkeit militärischer Gewalt und Ziviler Konfliktbearbeitung nicht ausschließen. Frau Dr. Franke hat schon Recht: „In Nullkommanichts ist man bei der Frage: Wofür brauchen wir eigentlich die Bundeswehr?“.

– Jürgen

Dornis

und Brigitte

Ehrich

Leider ist das Problem einer automatisierten Kriegsführung etwas zu kurz gekommen. Denn eigentlich ist es uninteressant, ob sich der Pilot eines Bombers im Flugzeug befindet oder in einem weit entfernten Bunker. Wichtig ist, dass dieser Pilot über den Waffeneinsatz entscheidet. Das bedeutet auch, ob er den Einsatz so wie vorgegeben durchführt oder im letzten Moment abbricht (weil sich neben der Brücke, die es zu bombardieren gilt, ein Krankenhaus befindet oder weil am Zielort gerade ein Markt abgehalten wird). Es kommt also darauf an, ob Menschen über den Einsatz einer Drohne entscheiden oder ein Algorithmus. Die wichtigste Aussage dieses Interviews ist die von Ulrike Franke geäußerte Sorge: „Wenn wir nicht einmal über bewaffnete Drohnen rational diskutieren können, wie um alles in aller Welt wollen wir das dann bei KI gestützten autonomen Waffensystemen machen.“ Oder wollen wir uns beim Einsatz von Drohen auf unseren „gesunden Menschenverstand“ verlassen oder uns einem Algorithmus unterordnen.

– Werner Fischbach

Das Interview mit Frau Franke „Die Drohne“ legte die widerliche Denke der Drohnenexpertin auf. Sie verteidigte mit einer deutlichen Kälte den Einsatz von Drohnen. Ich verstehe es nicht warum die Verteidigungsideen nur militärisch gedacht werden. Das Geld sollte in die Friedensforschung gesteckt werden und nicht in eine noch perfidere Form der Kriegsführung.

– Claudia Hirschler

Frau Franke meint feststellen zu können, dass wir in Deutschland keine Übung darin hätten, sachlich über militärische und sicherheitspolitische Themen zu diskutieren. – Zu einem solchen Urteil kann man nur kommen, wenn man unter einer “sachlichen” Diskussion eine solche versteht, die die Gegenargumente in diesem Fall gegen bewaffnete Drohnen (

z.B.

dass die USA solche Drohnen für gezielte Tötungen verwenden) von vornherein als abwegig abtut. Meta-Botschaft dabei: “Sowas würden wir doch nie tun. Die Drohnen sollen doch nur unsere Soldaten schützen. Und wenn andere sie haben, brauchen wir sie auch.” Statt dieser Logik nach dem Grundsatz “Auge um Auge, Zahn um Zahn” zu folgen, stellt sich mir die Frage: Wäre es nicht ein sinnvollerer Beitrag zu einer sicherheitspolitischen Diskussion, die auf Frieden abzielt, Geld und Grips darauf zu konzentrieren, Abwehrsysteme zu entwickeln, mit denen angreifende Drohnen zerstört werden können?

– Dr. Hans Walter Schulten

Vielen Dank für diesen verständigen Artikel zu einem Reizthema, das besonders in Deutschland aus hoher moralischer Flughöhe, aber mit niedriger moralischer Klarheit behandelt wird. – Wenn der Kanonier am Abzug der Haubitze reißt, sieht er nicht die Leiber, die wenige Sekunden später und zig Kilometer von ihm entfernt von seiner Granate zerfetzt werden. Die Drohnenpilotin aber sieht sie. Ihre Hemmschwelle gegenüber dem Tötungsakt sollte also erheblich höher sein. Eher ein moralischer Pluspunkt also für die schießende Drohne gegenüber der traditionellen Kanone. Bisher konnte ich noch keine SPD-Initiative zur Abschaffung der Artillerie erkennen. Und woher bekommt der Artillerist schon seit dem ersten sozialdemokratischen Verteidigungsminister seine Zielkoordinate? Von einer – moralisch anscheinend unverdächtigen – Aufklärungsdrohne. Diejenigen, die in der Bewaffnung ferngesteuerter Fluggeräte ein Problem sehen, spielen meines Erachtens über die Bande. Ihr eigentliches Ziel scheint mir die Abschaffung des Artikels 87a unseres Grundgesetzes zu sein: Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Ein legitimes Ziel. Aber dann soll man es auch sagen.

– Jürgen Geisler

Dieser Beitrag zeigt mir deutlich. wie es mit unserem Land bestellt ist. Die Expertin Ulrike Franke hat das gesagt, was ich schon seit Jahren reklamiere. Nämlich eine verkehrte Welt der Urteile, die sich immer weiterdreht, bis keiner mehr weiß, was richtig oder falsch ist.

– Gunter Knauer

Ohne Zweifel ein interessantes Interview mit Frau Franke, auch wenn man bei vielen Punkten schwer schlucken muss. Leider nur blieb die aus meiner Sicht wichtigste Frage aus – und die dazugehörige Antwort eben auch: Was passiert eigentlich, wenn Kamikazedrohnen in die Hände von Terroristen geraten? Ob Frau Franke auch bei dieser Frage sagen würde, der Einsatz von Drohnen sei keine Frage von Gut und Böse?

– Alexander Elbers

Besser kann ein Interview eigentlich nicht sein: klare Fragen und kompetente Antworten. Eine Seite vollgepackt mit Informationen, sowohl über die Technik, als auch über die Lethargie der Regierung bzw. der Bevölkerung, lässt sich ja nicht trennen.

– Frank

Hrebabetzky

Leserbriefe zu „Die Scheinheiligen” von Anne Kunze und Stefan Willeke

Die Tatsache, dass PETA mit Konzernen spricht, ist nichts Neues und wird auch offen kommuniziert, eine einfache Internetrecherche hätte genügt. Wir sprechen mit vielen Firmen, und wenn Unternehmen den Weg hin zu veganen Produkten einschlagen, unterstützt PETA dies. Die Organisation macht sich in Deutschland seit 27 Jahren für eine vegane Lebensweise stark und verändert das System sehr wohl: Seit 2010 ist der Markt für vegane Produkte in der Bundesrepublik regelrecht explodiert und mittlerweile finden sich in den Regalen von Supermärkten, Drogerien und Modeketten Hunderte bis Tausende vegane Produkte wieder – von tierversuchsfreier Kosmetik über Kleidung aus Pflanzenfasern bis hin zu täuschend echt schmeckenden Fleisch-Alternativen.

Dies ist vor allem auch auf jahrzehntelange Aufklärungsarbeit und hartnäckige Kampagnenarbeit von PETA zurückzuführen. Hierzu gehören auch Gespräche mit Unternehmen – immer mit dem Ziel, jegliche Tierausbeutung zu beenden. PETAs Standpunkt gegenüber allen Schlachtbetrieben inklusive Wiesenhof steht und stand immer fest: Zehntausende Hühner, Enten oder Puten auf engstem Raum einzusperren und letztlich zu töten, ist systematische Tierquälerei. Ein kruder Mix aus „neutraler Berichterstattung“ und Möchtegern „wir decken was auf was keiner wusste.“ Viel Lärm um nichts würde Shakespeare sagen.

– Harald Ullmann

Mussten Sie Ihrem Artikel unbedingt die Überschrift „die Scheinheiligen“ geben? Darüber ein Foto von Aktivistinnen, die sich –doch zu Recht,

oder?-

gegen die Pelzindustrie aussprechen. Ihre Zeilen erscheinen mir eher wie ein Versuch, der Organisation PETA zu schaden denn als objektive Kritik. Sonst hätten Sie auch hervorgehoben, was diese Organisation für den Tierschutz und Tierrecht schon erreicht hat. Sehr schade, dass Sie damit auch das Ansehen der vielen freiwilligen PETA-

Streetteams

und das damit verbundene tolle Engagement dieser Menschen beschädigt haben.

– Andrea Nikol

Ich bin seit vielen Jahren Zeitleser. Stelle immer wieder fest das die Zeit offensichtlich Aktive Menschen, die für Tierwohl eintreten, Klima oder Gesunde Ernährung, von ihnen verspottet werden!!!!! Das ist Unerhört. Der Artikel über einen Schlachthof in dem ihre Journalistin am Ende das Artikels sich die Bockhoden schmecken hat lassen, ist genauso ungeheuerlich wie der Artikel über Plant

for

the

Planet. Der den jungen Mann Felix, als Betrüger dastehen hat lassen, obwohl er sich mit vielen jungen Leuten Weltweit für eine bessere Zukunft einsetzt. Er und seine Mitstreiter versuchen so viel Bäume zu pflanzen wie irgend möglich, um eine totale Klimakatastrophe zu verhindern. Nun der Artikel über

Peta

. Was fällt Ihnen eigentlich ein? Das macht mich so Wütend, dass ihre Redakteure so einen Artikel zum Druck freigeben. Wir stehen kurz vor dem Abgrund, Weltweit und euch fällt nichts Besseres ein als die wenigen die versuchen die Welt zu retten, fertig zu machen. Da könnt ihr mächtig stolz auf euch sein! Ich bin es nicht und werde die Zeit nicht mehr kaufen!!!!!

– Andrea Fisser

Danke, für den wirklich sehr interessanten Bericht über die Scheinheiligkeit der Organisation

Peta

! Es ist leider wieder einmal anscheinend wichtiger, wie dick das Portemonnaie ist, als die eigentliche Aufgabe, Tierquälerei aufzudecken und endlich zu beenden!! Schade, ich habe über Jahrzehnte die Grünen gewählt und weiß schon lange nicht mehr, wem ich nun weiterhin mein Vertrauen und meine Stimme geben soll!! Gerade diese Parteien sollten doch dafür sorgen, dass so etwas, wie Sie es aufgedeckt haben, nicht passieren kann!! Der Verbraucher gehört doch geschützt und informiert!! Auch, wenn es anscheinend für viele unbequem ist, da sie dann darüber nachdenken müssten, was sie essen!! Ich finde es unsagbar traurig, dass es überhaupt so etwas noch gibt!!

Wir sollten und schämen, da wird über den Umgang mit „Nutztieren“ aus dem Ausland berichtet, dabei findet bei uns grausamste Tierquälerei statt! Ich habe mich schon immer informiert, wo das herkommt, was ich kaufe und auf meinem Teller landet. Es ist meiner Meinung nach unglaublich wichtig sich gesund zu ernähren und auch ganz normal. Der Mensch ist nicht dafür geboren, sich aus der Dose oder Tüte gesund zu ernähren. Wir kaufen unser Fleisch nur bei

Uria

eV und dies so, wie es vollkommen genügt, in Maßen, denn täglich Fleisch zu verzehren ist gewiss nicht gesund! Nun, warum ich Ihnen schreibe?! Mich interessiert, was nun!? Jetzt haben Sie diesen tollen Bericht geschrieben und dieses, ja ich möchte sagen, Abkommen aufgedeckt und nun?? Sie haben herausgefunden, dass sich nichts geändert hat und die armen Tiere weiterhin den Qualen ausgesetzt sind, und nun??!! Schauen nun alle wieder zur Seite, weil es ja einmal angesprochen wurde?

Was ist mit den Menschen, die diese Organisation finanziell so unterstützen, dass die Aussage fallen gelassen werden kann „wir sind satt“!! Interessiert diese Leute nicht wo ihr Geld hingeht und ob damit nun wirklich gutes getan wird?? Ich engagiere mich für den Tierschutzverein Tierhilfe Hoffnung und wäre selber dankbar ein Tierheim gründen zu können um diese Menschen und vor allem diesen Hunden helfen zu können, habe aber leider nicht die finanziellen Mittel und auch die Tierhilfe Hoffnung bang jeden Tag aufs Neue, ob die 6000 Hunde weiterhin gefüttert werden können!! Es wäre toll, wenn Sie mir mitteilen können oder vielleicht finde ich ja einen erneuten Bericht in Ihrer tollen Zeitschrift, dass dieser Skandal noch kein Ende hat und die Fleischindustrie endlich zur Rechenschaft gezogen wird und das Leiden der Tiere endet!! So wäre es auch wichtig weiterhin die Machenschaften der Industrie aufzudecken, welche auf schrecklichste Art und Weise Tiere Missbraucht um Wolle und anders Materialien herstellen zu können.

– Ursula Sibold

PETA und die Vernetzungen zur Industrie. Es ist erschreckend zu lesen, dass selbst bei der Tierschutzorganisation PETA im Hintergrund Unternehmensabsprachen mit der Großindustrie stattfinden. Sicherlich ist der Ansatz zu begrüßen nicht ausschließlich auf Konfrontation im Kampf gegen die Zustände in Tierställen zu setzen, und durch konstruktive Kommunikation gemeinsam Verbesserungsmaßnahmen zu erarbeiten, aber es kann in unserer heutigen Zeit mit unserem heutigen Wissen einfach nicht mehr geduldet werden, dass es bei den Versprechen zur Besserung bleibt, um Kritik möglichst schnell im Keim zu ersticken und Missstände

aus den Blickfeld

der Öffentlichkeit zu rücken. Das ist klassischer Lobbyismus. Diese Vorgehensweise lässt sich im Umgang mit

FridaysForFuture

(FFF) vergleichen, deren Aktivisten zu etlichen Gespräch- und Diskussionsrunden geladen wurden, die für Ihr Engagement von allen Seiten gelobt wurden.

Dennoch muss man leider feststellen, dass die aktiven Maßnahmen seitens der Politik nur als absolut unzureichend zu bezeichnen sind. Die Mehrheit der Menschen scheint leider die Dramatik der Lage noch immer nicht ausreichend begriffen zu haben und denkt so weitermachen zu können wie bisher, egal ob Politik, Industrie oder jeder Einzelne, mich eingeschlossen. Nur großangelegte Aufklärung kann hier unterstützend Abhilfe schaffen, aber dann ließt man wieder von Agrarlobbyisten, die selbst Schulbücher nach Ihren Vorstellungen umschreiben lassen wollen, damit die industrielle Landwirtschaft nicht so negativ dargestellt wird. Sie ist aber negativ, das ist Fakt. Wer will das ernsthaft noch in Frage stellen? Das scheint die Taktik sowohl der Großindustrie als auch der Politik zu sein, viele Lippenbekenntnisse und Versprechen zur Besserung, die aber mittels Mängel an Kontrollmechanismen oder mangelndem Personal, dann einfach im Sande verlaufen oder gar nicht erst ernsthaft umgesetzt werden.

So sind auch Abferkelboxen schon lange offiziell verboten, werden aber immer noch eingesetzt und nicht ausreichend restriktiv geahndet. Warum die der Einsatz unsere Reserveantibiotika in Mastställen immer noch nicht untersagt? Oder wie bei der Düngeverordnung; Wer kontrolliert eigentlich, dass die Landwirte die Vorgaben einhalten? Wieder einmal freiwillige Selbstkontrolle? Unser Wasser ist bereits großflächig verseucht, kontrollierte strenge Maßnahme sind notwendig. Jeder Landwirt sollte individuell kontrolliert aber auch unterstützt werden, um die anstehen Veränderungen umsetzen und dabei trotzdem überleben zu können. Schluss mit Förderung nach Größe. Es kann nicht sein das Deutschland die ganze Welt mit Fleisch und Mildprodukten versorgt und die Gülle vor Ort versenkt. So kann die Umwelt nur kollabieren. Warum, warum, warum- Leute es gibt so viel zu tun.

Eigentlich müssten wir ununterbrochen auf der Straße stehen und die Änderungen der Missstände täglich einfordern. Was können wir als einzelne Verbraucher tun, damit wir nicht durchdrehen angesichts der sich kaum veränderten Situation in vielen Ställen, der zu geringen Maßnahmen zum Klimaschutz etc. Jeder Einzelne kann viel tun, sich gemeinsam mit anderen für Veränderung engagieren. Den eigenen Egoismus, dem anerzogenen Individualismus die Stirn bieten und sich mit seinem eigenen Handeln selbst mehr in Frage stellen. Wir sind Menschen, wir alle machen Fehler, wir alle lernen täglich neue Dinge. Ja, manchmal stecken wir auch den Kopf in den Sand und wollen nichts hören von den Problemen auf der Welt und einfach nur Spaß haben. Das sei uns auch vergönnt, natürlich, aber wenn, dann Bitte, ohne unser Umfeld damit zu schädigen. Wir müssen neu lernen wie das gehen könnte.

Es geht nicht um Verzicht, es geht um einen zukunftsfähigeren Umgang mit unseren Ressourcen und deren gerechtere Verteilung um das menschliche Überleben zu sichern. Wasser- und Energieressourcen zu schonen, sowie weniger Milch- und Fleischprodukte zu konsumieren ist einer von vielen essenziellen Maßnahmen, an denen wir alle gemeinsam täglich arbeiten können. Und Ihr Politiker arbeitet gefälligst daran, dass unsere Böden und unser Wasser nicht weiter verseucht werden, dass Industrien nicht mehr auf Kosten der Umwelt und unser aller Kosten die Profite einstreichen. Alles muss auf den Nachhaltigkeitsrechner, auch jeder einzelne von uns und dann müssen endlich politische Konsequenzen festgelegt werden, schnellstens.

Das kann unangenehm werden, aber jeder muss seinen Beitrag dazu leisten, es muss nur für alle gelten und dann werden auch die Meisten diese Entscheidungen mittragen können. Machen wir endlich was, jeder von uns und vor allem unsere Politiker, die gewählt wurden, die Welt, in der wir leben für alle Lebewesen zu erhalten. Jeder Schritt in die nachhaltige umweltschonende Richtung ist wichtig, legen wir endlich gemeinsam los- JETZT. Danke für Ihre Aufmerksamkeit, diese Gedanken mussten mal raus, auch wenn Sie schon von etlichen Mitstreitern geäußert wurden. Je mehr wir sind, die Anprangern, desto eher können wir Druck zur Veränderung aufbauen. Danke!

– Claudia

Gajetzky

Der Mensch will billiges Fleisch essen, und diese Gier nach Billigfleisch, die müssen nun einmal auch diese betroffenen Tiere ausbaden. Der Staat kündigt für die Haltung der Tiere im Mastbetrieb verschärfte Maßnahmen und Kontrollen an, doch am Ende des Tages passiert wieder einmal relativ wenig bis absolut nichts. Irgendwie kann es, wie z.B. in einem Schweinemastbetrieb mit 1.000 Tieren und mehr, einfach keinen ausreichenden Tierschutz geben, die Tiere werden, wie die „Ware Tier“ gehalten, einfach eben unter aller Sau! Und geht es dann endlich ab ins Schlachthaus, dann hat die Quälerei erst mit dem Tod der Tiere ein Ende. „Wenn Schlachthäuser Glaswände hätten, wäre jeder ein Vegetarier.“ (Paul McCartney *1942, britischer Musiker, Songwriter und Komponist, und einst Mitglied in der Band: The Beatles).

– Klaus P. Jaworek

Die Recherche der Beziehungen von

Peta

zu Wiesenhof erzeugt Misstrauen gegenüber den Tierschützern. Allein die dem Artikel beigefügten Fotos der Protagonisten lassen die

Peta

-Chefs

gegenüber den frisch dreinblickenden Juniorchef

von Wiesenhof als vermutlich sturköpfige,

alte

Herren erscheinen. So als hätten die Redakteure ein bisschen die Strategie von

Peta

, nämlich die Macht der Bilder übernommen. Trotz des Verdachts, dass sich die

Peta

-Häupter von ihren Wiesenhof-Counterparts haben einseifen lassen, muss man ihnen zu Gute halten, dass es ihnen mit ihren Bildern endlich gelungen ist, die rücksichtslos grausamen Haltungsbedingungen in der Geflügelwirtschaft über die öffentlichen Sender in die Wohnzimmer der Verbraucher zu bringen.

Ihnen ist es zuzuschreiben, dass vegetarische und vegane Produkte jetzt auch in den Regalen der Discounter zu finden sind. Und auch in der Pelzindustrie haben sie eine Veränderung erreicht. Es gibt kaum noch Frauen, insbesondere unter den jungen, die Pelze in der Öffentlichkeit zur Schau stellen wollen.

Außerdem ist anzumerken, dass

Peta

trotz ihrer Vormachtstellung innerhalb des Tierschutzes und der Aggressivität ihrer Propaganda der PHW-Gruppe, zu denen Wiesenhof gehört, nicht wirklich schaden kann. Die Eigentümer Vater und Sohn Wesjohann sind mit ihrem Firmengeflecht zu mächtig und zu stark politisch und wirtschaftlich in Deutschland verankert, sie sind sozusagen „systemrelevant“,

Peta

nennt das „Mafia“. Die Erfahrung hat wahrscheinlich auch die Gründerin von

Peta

in ihrem Kampf gegen die Fleischindustrie in den USA gemacht und deshalb die Strategie ihrer Organisation dahingehend ausgerichtet, die Verbraucher wachzurütteln und zur marktbestimmenden Macht aufzubauen. Das kann man eigentlich nur Realpolitik nennen. Vielen Dank an die Redakteure, Frau Anne Kunze und Herrn Stefan Willeke. Ihre Recherche-Arbeit hat weitere Transparenz zu dem heiklen und emotionsbeladenen Thema Tierschutz und Fleischindustrie geschaffen.

– Dr. Werner

Prügner

Ich bin sehr enttäuscht und wütend wie einfach die Grausamkeiten in der Lederindustrie von Ihnen ignoriert werden, indem die Werbung für eine Kalbsledertasche von Volker Lang auch noch direkt unter dem durchaus sehr interessanten und bewegenden Artikel über die Scheinheiligkeit von PETA gesetzt wird. Ich denke nicht, dass diese Verhöhnung des Tierwohls und damit auch der wertvollem Arbeit PETAs (auch wenn über die Methoden selbstverständlich diskutiert werden darf) im Interesse der Autoren Anne Kunze und Stefan Willeke ist. Mir missfällt diese Scheinheiligkeit ihrerseits. Ich hätte mehr von der Zeit-Redaktion erwartet, die ich doch bisher Woche für Woche schätzte. Und davon abgesehenen, an welcher Stelle in der ZEIT diese Handtaschenanzeige auch erscheinen möge, das Leid eines Lebewesens, in diesem Fall eines Kalbes, macht für mich niemals einen Tag liebevoller, auch und erst recht nicht den Valentinstag.

– Susanne

Stätzler

vielen Dank für dieses erschütternde Dossier, vielen Dank für diese umfangreiche Recherche über die Machenschaften von „

Peta

„. Ich hatte gerade begonnen mit einer monatlichen Spende, die ich sofort storniert habe. Die Spende geht jetzt an einen Gnadenhof für Pferde hier vor Ort, deren Leiterin in einer Holzhütte wohnt, um alle Spenden den Tieren zugutekommen zu lassen. Ich bin sehr froh, dass es Zeitungen wie „DIE ZEIT“ gibt, denen unabhängiger Journalismus wichtig ist. Ich hätte sonst wohl nie erfahren, wie es hinter den Kulissen dieser „Tierschutz“-Organisation aussieht. Ich werde in Zukunft nur noch mir bekannte Projekte unterstützen, die es wirklich verdienen.

– Elke

Schäfe

Es ist unglaublich. Unglaublich ist die bewundernswerte journalistische Arbeit, die Sie Frau Kunze und Sie Herr Willeke mit Ihrem umfassenden Beitrag geleistet haben. Unglaublich ist auch, wie die Organisation

Peta

, namentlich Herr

Haferbeck

, seine „Felle“ verraten hat. Und nicht nur das. All die sogenannten Aktivisten, die die „Drecksarbeit“ geleistet haben, um durch ihr verständliches Anliegen etwas zu verändern,

sind

getäuscht worden. All diejenigen, die gespendet und vererbt haben, sind durch den Kuhhandel, besser gesagt Hähnchenhandel mit der Firma Wiesenhof aufs verwerflichste hintergangen worden. Als Fazit

bleibt,

eine finanziell gut genährte, heuchlerische Organisation und eine Massentierhaltung, die weder artgerecht noch moralisch akzeptabel ist zurück.

– Reinhard Schmitz

Leserbriefe zu „»Querdenken« mit Rudolf Steiner” von Ronald Düker

Wieder einmal reicht also ein wohl nicht besonders guter Beitrag in einem kostenlosen

Demeterkunden

Heft als Rechtfertigung für ein ganzseitiges Anthroposophie

bashing

! Freundlicherweise meint der Autor aber, dass die meisten Demeter Kunden, Waldorfschuleltern, Patienten in anthroposophisch geführten Kliniken, Kunden der GLS harmlose Menschen seien und sich ja nicht als Anhänger der Anthroposophie und ihres Gründers Rudolf Steiner verstünden. Das heißt, der Baum taugt zwar nicht, man macht am besten einen großen Bogen um ihn, aber wundersamerweise bringt er dennoch schmackhafte Früchte hervor, die durchaus gerne weltweit genossen werden.

– Ilse

Peuster

Ich lese gerne ihre Artikel und halte ihre Berichterstattung für vielseitig/kontrovers und oft sehr gut recherchiert. Außerdem zähle ich mich zur Anthroposophie zugehörig. Ich sah bis zu diesem Zeitpunkt nie ein Problem darin und werde auch zukünftig die ZEIT gerne lesen und weiterempfehlen. Allerdings hat mich Ihr Artikel „Querdenker mit Rudolf Steiner“ sehr erschrocken. Hier wird aus meiner Sicht diffamiert und haltlos aus der Luft gegriffen was eine ganze Bewegung angeblich denkt. Wenn es eine Bewegung überhaupt ist. Aus meiner Sicht ist die Anthroposophie ein erweiterter Blick auf den Menschen, einschließlich dem wissenschaftlich und medizinischen. Zugegebenermaßen finden sich mittlerweile in jeder Schicht der Gesellschaft heute Extreme und auch Überheblichkeiten, welche ich genauso verurteile, wie ihren aktuellen Artikel.

Doch anhand von einem „Leitartikel“ eines, Demeter-/Werbe- Käseblattes auf eine ganze Bewegung zu schließen, stimmt mich (

unwutbürgerlich

) wütend. Außerdem ist der geschilderte Artikel ihrem Vergleich, mit unser derzeitigen Pandemie-Situation, entsprungen. Das ist schon einmal der erste Punkt, welcher für mich gewaltig hinkt und etwas aus der (wörtlichen) Luft greift. Ja es ist sogar noch vielmehr, er ist verschwörerisch, sie unterstellen dem Autor (ein Unding, dass dieser nicht mit Namen auftaucht!) hinter seinen Worten verberge sich ein anderer Inhalt. Das ist aus meiner Sicht eine Textinterpretation und keine Recherche! Ich selber kann die derzeitigen Maßnahmen gut verstehen und halte mich mit vorschnellen Urteilen, egal in welche Richtung zurück. Wir sind immer noch in der Pandemie. Rückblicken können wir erst später.

Ich versuche nach aller Regel der derzeitigen Kunst zu leben und zu überleben und hinterfrage für mich das Eine wie das andere Extrem, der aktuellen Meinungen. Das erlebe ich in Vorträgen von Rudolf Steiner, wie auch bei vielen Kollegen aus der Anthroposophie nicht vorschnell zu urteilen, sondern mit Bedacht agieren zu können, wenn genügend Informationen zusammenkommen. Derzeit ist dieses aus meiner Sicht schlichtweg immer noch nicht gut möglich, sowohl die Wissenschaft, wie Querdenker oder anders geartete Ärzte, Heilsbringer etc. sehen für mich alle noch nicht klar. Wir leben hier in einer pluralistischen Welt und nichts ist aus meiner Sicht fataler als einfach Gegebenheiten schlichtweg zu glauben. Insofern sind ihre weiteren Ausführungen zu Rudolf Steiner „Krankheit als Karma“ und „Rudolf Steiner der ewige Rassist“ ich will schreiben, sehr flach über der Eisoberfläche abgeschält.

Der Begriff des Karmas, und das werden sie als original Zitat auch in der nicht Sekundarliteratur immer wieder finden, ist in keiner Weise durchweg stringent. Es gibt nicht den Karma-Begriff per se, welcher sich ausschließlich so deuten lässt. Es ist viel zu kurz gedacht auch von meinen Anthroposophen-Kollegen eine Krankheit anhand dieses Zitates erklären zu wollen. Der Begriff des Weltenkarma spielt hierbei aus meiner Sicht eine nicht unwesentliche Rolle. Ähnlich wie der Weltengeist bei Hegel (Artikel in der ZEIT vom Sommer 2020) ist auch das Weltenkarma-Thema eines, welches heute aktueller ist denn je. Diese Pandemie trifft unsere gesamte Welt und sie ist nicht mit Einzelschicksalen zu erklären. Ähnlich wie in Kriegen oder großen Katastrophen sind unsere Schicksale, wer das mitdenken möchte, miteinander verwoben und wir alle haben eine Verantwortung dabei.

Der Vorwurf des „Rassisten“ Rudolf Steiner ist ein alter Hut und ja es ist wichtig für dieses Thema zu sensibilisieren. Doch bitte nicht mit solch plumpen Bemerkungen wie in ihrem Artikel. Wäre Rudolf Steiners Gesamtwerk eine „Rassenlehre“ so wären alle anthroposophischen Einrichtungen schon längst Geschichte. Die Dinge stehen auch hier deutlich anders. Eine einfache Recherche zum Thema hätte schon ein anderes Bild malen können. Sie finden eine Stellungnahme zu diesem Thema vom Bund der Freien Waldorfschulen mit dem Titel“ Waldorfschulen gegen Rassismus und Diskriminierung“. Das sie Herrn Hueck in ihrem Artikel versuchen zu verunglimpfen verstehe ich nicht. Doch anscheinend passt es in ihr vorher beschlossenes Bild über diese „Bewegung“. Warum müssen Aussagen eigentlich immer so determiniert aufgefasst werden? Warum können wir eine Maskenpflicht nicht zusammen mit dieser Aussage denken?

Was ist daran falsch von einem Sicherheits-Glauben bzgl. der Maske auszugehen? Es ist doch schon seit Anfang der Coronakrise bekannt, dass die Maske auch psychologische Effekte auf uns hat; Dass der Abstand weniger eingehalten wird, wenn wir eine Maske tragen etc. Aus meiner Sicht arbeiten sie in ihrem Artikel leider mal wieder alle Klischees der Anthroposophie ab ohne wirklich Inhalt bringen zu können. Der Artikel soll abschrecken und verunglimpfen. Warum werden alle Anthroposophen in einem Topf geschmissen? Materialistisch ist die ganze Welt, die Anthroposophie nicht ausgeschlossen. Doch die Welt ist doch wohl auch mehr oder nicht? Die Grenzfragen der Kunst, die Psychologie, der Glaube, die Quantenphysik. Wie kann es sein, dass wir immer Schublaben benötigen, um das Andere nicht verstehen zu wollen?

Aus diesem Grund musste ich mich an dieser Stelle hier zu Wort melden, denn in einen Topf mit allerlei Anderen geschmissen zu werden passt mir persönlich gar nicht. Ich werfe sie doch auch nicht in einen Topf mit der BILD-Zeitung! Wir sind als Menschheit mehr als nur die Summe unserer Mitmenschen und wir brauchen einander um zu verstehen wer wir sind. Mir ist klar, dass die Anthroposophische-Bewegung heterogen ist und viele Kollegen*innen auch anderes oder extremer über dieses Thema denken, doch von einem Teil auf alle zu schließen. Oder Menschen zu beurteilen ohne sie zu befragen und daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, welche so schlichtweg interpretiert sind, das kann ich nicht so stehen lassen. Nebenbei bemerkt ist die Grafik zu dem Artikel mit dem Kommentar darunter fast schon feindselig. Verzeihen sie mir, doch ich bin leider sprachlos.

– Christopher

Kolmsee

Ich habe 1970 in einer Waldorfschule Abitur gemacht und verfüge über unfreiwilliges Insider-Wissen. Daher überraschen mich die vielen Waldorfschüler und Anthroposophen unter den Corona-Protestlern nicht. Ich habe Impf-Gegnerschaft als festen Bestandteil des Waldorf-Curriculums erfahren. In den 60-er Jahren ging es um Polio-Schutzimpfungen. Uns Schüler*innen wurde erzählt: Wenn das „Karma“ will, dass ein Kind an Polio stirbt oder durch Polio dauerhaft geschädigt wird, muss man das geschehen lassen. Man darf dem „Karma“ nicht durch Impfen oder andere Schutzmaßnahmen ins Handwerk pfuschen, denn sonst bestraft es die gesamte Menschheit mit noch schlimmeren Übeln als Kinderlähmung. Außerdem würden sich nur schwache Kinder anstecken, die Starken würden vom „Karma“ geschützt.

Also der gleiche Unsinn, den heute die

Covidioten

von sich geben. Eine latente Affinität zum Rechtsextremismus kann logische Konsequenz von Steiners sozialdarwinistischem und rassistischem Erziehungskonzept sein. So hatte ich mir im Geschichtsunterricht (!!!) rassistischen Unsinn über „Die Bantu-Neger im afrikanischen Busch“ ins Epochenheft diktieren lassen müssen (die katastrophale Überschrift musste in riesigen Anthroposophen-Lettern bunt gemalt werden!). Und auch über „die Arier“ auf „Atlantis“, die allwissend und

allweise

gewesen sein und im Jahr 10.000 vor unserer Zeitrechnung durch „Rassenmischung“ untergegangen sein sollen.

Diesen letzteren Quatsch hat Steiner in der „

Akasha

-Chronik“, der anthroposophischen Bibel, in epischer Breite verkündet! – Wir Schüler*innen mussten Hakenkreuze in Epochenhefte malen und im Eurythmie-Unterricht (die Schreibweise stammt von Steiner, der offenbar nicht wusste, wie „Rhythmus“ geschrieben wird) mit dem Hitlergruß herumhüpfen, ohne damals eine Ahnung von der Bedeutung des Symbols und der Geste zu haben. Auf den alljährlichen Sonnenwendfeiern am 21. Juni mussten wir über ein Lagerfeuer springen und „Flamme empor“ singen. Der ursprüngliche Text von „Flamme empor“, der in der Nazi-Diktatur gegrölt worden war, war in das schlichte Deutsch der Werbepsychologie übersetzt worden. Dann hielt ein Guru eine Ansprache und beschwor „die deutsche Volks-Seele“ (was immer das sei). Nicht nur die Sonnenwendfeiern, sondern auch die anderen schulischen Zeremonien stehen ganz in der Tradition des völkischen Okkultismus, aus dem die Nazi-Diktatur hervorgegangen ist.

Das bedeutet aber nicht, dass alle Waldorfschüler rechtsaffin seien und vereint mit der AfD, „Reichsbürgern“, anderen gewaltbereiten Neo-Nazis, Anthropo- und anderen

Ariosophen

, Apokalypse-Beschwörern, Verschwörungsfabulierern und Impfgegnern hinter der Reichskriegsflagge herliefen. Es gibt auch viele radikale Kritiker*innen, die wie ich aus Erfahrung wissen, was die Waldorfs mit ihren werbewirksamen Slogans „Keine Noten, wenig Leistungsdruck, die Entfaltung der Persönlichkeit“ meinen: Leistungen werden in Waldorfschulen tatsächlich weder benotet noch erwartet, d.h. man lernt nichts Brauchbares. Aber Menschen werden bewertet, genauer abgewertet. Waldorfzeugnisse sind allzu oft entsetzliche, sehr verletzende Übergriffe auf die Persönlichkeit von Schüler*innen, was verschiedene kritische Autoren problematisiert haben.

Und der selbsternannte, von seinen Jüngern bis heute als solcher verehrte „Menschheitsführer“ Steiner versteht unter „Entfaltung der Persönlichkeit“: „[...] der Mensch kann mit seiner Persönlichkeit nicht hinein in die übersinnliche Welt, kann seine Persönlichkeit nicht hineinbringen in die geistige Welt; er muss seine Persönlichkeit auslöschen, sonst verunreinigt er die geistige Welt“ [vgl. Rudolf Steiner: Der Michael-Impuls und das Mysterium von Golgatha; Dornach 1934; S. 13]. Kurz: Demokrat*innen assoziieren mit den o.g. Slogans etwas ganz anderes als das, was in der Parallelgesellschaft der Waldorfs darunter verstanden wird. Und diejenigen, die es noch nicht geschafft haben, sich aus der Parallelgesellschaft zu lösen, landen dann allzu häufig konsequent bei den „Querdenkern“.

– Gerlinde Heinze

Warum muss man immer alles diskreditieren? Nur weil es anders ist! Die Überschrift ist geschmacklos! Gerade die Waldorfpädagogik, der Demeter Landbau, die anthroposophische Medizin, haben immer wieder bewiesen (Misteltherapie z.B.), wie wichtig im „wissenschaftlichen Alltag

„ andere

Gedankenansätze notwendig sind. Gerade in der Forschung hat sich immer wieder gezeigt, dass sogenannte „Laien

„ zu

hervorragenden Erkenntnissen/Erfindungen gekommen sind. Also bitte, Polemik in diesem Beitrag von Ronald Düker ist einfach nicht angebracht und „vergiftet

„ das

soziale Miteinander.

Das

die ZEIT solche Beiträge, und das ist ja in letzter Zeit nicht der erste Artikel, z.B. auch gegen die Waldorfpädagogik, lässt mich an dieser Art von Journalismus zweifeln. Natürlich ist konstruktive Kritik immer willkommen.

– Holger Becker

Man nehme einen Menschen beliebiger „Zugehörigkeit“, Haltung, Meinung (katholisch, konservativ, liberal, anthroposophisch...), der an einer „Querdenker“-Veranstaltung teilnimmt und verunglimpfe gleich die gesamte (Glaubens-) Gemeinschaft, politische Gruppierung, Community, ... – ist da jetzt Stil der ZEIT? Vier Buchstaben gleich Boulevard-Journaille? Personengruppen, philosophische Strömungen, Einzelverhalten, eine Studie hier, ein Zitat dort, Vorurteile, alles kräftig durchgerührt, im Sinne des Autors mit viel Fantasie interpretiert und fertig ist der tendenziöse und prätentiöse Artikel. Die Meinung des Autors wird Lesenden hier allzu konsequent als Fakt serviert.

Nein, ich bin keine Anthroposophin, keine GSL Bank Kundin, erst recht keine Querdenkerin. Aber ich bin Bioladenkundin und ich denke durchaus quer im prä-Corona Sinne. Von der ZEIT erwarte ich Differenzierung, – auch wenn dies dem Zeitgeist immer weniger entspricht. Roland Düker verfestigt Polarisierung. Genau das braucht unsere Gesellschaft nicht! Wo bleibt die seriöse Auseinandersetzung mit den Menschen, die Covid-19 selbstverständlich ernstnehmen UND wagen, nicht jede politische Maßnahme kritiklos zu akzeptieren? Dies würde dem Anspruch der ZEIT wohl eher gerecht.

– Heike

Hüllsieck

Ich habe dreizehn Jahre als Waldorfschüler aufgesogen, dass ich nicht nur auf eine bessere Schule, als andere gegangen bin, sondern auch ein besserer Mensch wurde, weil ich mich im Gegensatz zu den anderen „Staatsschülern“ innerlich, geistig und anthroposophisch weiterentwickelt habe, sofern ich nicht beispielweise vor dem Fernseher saß oder Fußball gespielt

habe.(

War damals wirklich verpönt). Kritikern, die der anthroposophischen Ideologie – nein „Erkenntnistheorie“ – vorwerfen, dass sie wahnhafte Tendenzen (ähnlich allen Querdenker-Ideologien) habe und wie jeder Wahn u.a. der Angstregulation dient, kann ich nur antworten, dass ich gar keine Todesangst zu haben brauche, da ich ja nicht wirklich sterbe, sondern im Tode nur meine irdische Hülle verlasse und als

geistiges Wesen

in einer geistigen Welt weiterlebe. Ich kann darum nur voller Mitleid auf die Menschen herabschauen, die nicht zu den „am Geiste schaffenden“ gehören und deshalb wegen ihrer Angst die Pandemie bekämpfen wollen.

– Dr. Thomas Meyer-

Diewock

Eigentlich gilt Selbiges für Sie. Wer an Globuli glaubt, braucht keine Chemie und keine Tücher vor dem Mund, lediglich vielleicht Eurythmie-Tücher. Was mich nur immer wundert, wie wir doch alle immer schön einträchtig fordern: Bildung, Bildung.... Dabei sind nicht wenige der einschlägigen Personen gebildet – wie man so sagt – worin diese aber liegt, weiß ich nicht, vielleicht ist sie, was die Rationalität betrifft, nur homöopathische verabreicht worden.

– Hans Bichler

Mit Dr. Ronald Düker haben Sie einen Autor, der gerne im Trüben fischt – vielleicht bedingt durch seine Tätigkeit bei MARE – beauftragt, Rudolf Steiner in Verbindung mit Querdenkern zu bringen und die weltweit erfolgreich agierende

Demeterbewegung

zu desavouieren. Wenn Sie dem Titel die Unterschrift „eine Polemik“ beigefügt hätten, wären Sie Ihrem journalistischen Anspruch gerecht geworden. Mein

Vorschlag :

Sie geben Mitgliedern des Vorstands des Goetheanums in Dornach (CH) denselben Raum, eine halbe Seite, um aus Ihrer Sicht zu diesem Thema Stellung zu nehmen. Sie werden sehen, dass z.B. Matthias Gierke die Aussagen Rudolf Steiners in wertfreier Form, was Ihrem Autor leider versagt geblieben ist, Ihren Lesern nahebringen kann. Die anthroposophische Arbeit zeichnet sich auf vielen Gebieten aus durch eine dem Menschen gemäße – wie der Name Anthroposophie schon sagt – Herangehensweise.

Seit über 100 Jahren befruchtet sie nicht nur die von ihr bestellten Äcker mit einer Humusschicht, die weit über der der konventionellen Landwirtschaft liegt, sondern leistet in der Heilpädagogik, der Medizin und Kleinkind-Pädagogik Herausragendes, was die Menschen bestätigen, die in diesen Bereichen mit ihr in Berührung kommen. Sie könnten das Ganze in eine Themenreihe einbinden, in der Sie philosophische, psychologische und soziologische Aspekte dieser Pandemie in den Vordergrund stellen. Es werden diese Felder sein, die langfristig unser Zusammen-Leben krankmachend oder gesundend gestalten.

– Klemens

Schydlo

Jedes Mal empfinde ich physischen Schmerz, wenn ich

Journalist:innen

vor allem höre, so dass ich denke, vielleicht hilft ein bisschen handgemachte Satire. Wohlgemerkt, Deutschtümelei liegt mir ferner als der Südpol, außerdem liebe ich auch die englische Sprache, aber pur. HELP! Ist die

genderisierung

unserer deutschen Sprache vielleicht lobenswert, auch wenn dieser Doppelpunkt vor der weiblichen Pluralform ein Stück weit

strange

anmutet, der

sale

unseres deutschen Kulturguts Sprache, sorry, ist für mich ein Stück weit

too

much

. Gehe ich shoppen in der

city

, habe ich eine

great

choice

an

food

,

drink

,

barbecue

,

coffee

to

go

;

five

guys

offeren

hand

formed

patties

oder

local

identical

dish

. Meine alte Tante aus Mittelfranken fühlt sich an dieser Stelle ein Stück weit lost, versucht es mit beef

tasting

, ist dann

unhappy

.

In der

shopping

week

bietet der

flash

sale

– was immer dies an dieser Stelle meint – ein super

feeling

bei

special

prices

und on top das high

event

, der

black

friday

. Meiner alten Tante

flasht

(

flashed

?) an dieser Stelle eine andere

memory

; und die

cyber

weeks

mit

mega

deal`s

assoziieren Krieg im

net

. Da bieten

shoe

shop`s

sneaker`s

und als absolutes

must

have

die high

heel`s

oder

slingback`s

.

What

? Ja, da hat jemand mitgekriegt, dass es im Englischen schon mal ein Apostroph S gibt, also wird es ein Stück weit gewinnbringend in Anführungsstrichen überall angewandt. Nicht easy wird es, ein

event

ein Stück weit zu managen in

compliance

mit

Coronaauflagen

, fürchtet man doch den

superspreader

. Man müsste eine

location

ausmachen mit

first

class

equipment

. Da das gleichwohl high

risk

bedeutet, ist es an dieser Stelle

safer

, social

distancing

zu wahren und im eigenen

sweet

home

mit

kids

und

family

zu

partien

(

partyen

?)

Besonders toughe (taffe?)

Journalit:innen

toppen die Misere in Anführungsstrichen (warum in Anführungsstrichen – es ist eine!), indem sie nicht mehr zu wissen scheinen, dass ihre Berufsbezeichnung aus dem Französischen stammt. Sie nennen sich

Dschurnalist:innen

, sprechen von

Dschurnalismus

und die

Dschürie

wird gleich mit zum phonetischen Zwitter, oder gar Triplet

ever

gemacht, wenn sie ihre

news

anbringen. Ein besonders smarter Kulturjournalist schwärmte bezüglich Weimar vom „

spirit

von Goethe“. Heavy

performance

. Ich vermute, diese Auswüchse entstanden, weil manche

people

hip und

up

to

date sein wollen und andere plappern nach, ohne zu denken.

Auf Denkfaulheit führe ich auch die Anwendung unsinniger Redewendungen und undifferenzierter Bezeichnungen zurück, wie zum Beispiel Klamotten oder Kekse. Wer nicht mehr weiß, was Klamotten sind, der sehe im Lexikon nach. Kekse sind dünn, trocken, meist viereckig. Aber was ist Weihnachtsgebäck? – Zimtsterne, Vanillekipferln, Spitzbuben,

Lebkuchen....

. Eine weitere smarte Journalistin erzählte gar von Marcel Prousts

Madeleineskeksen.Leider

ist das eine

never

ending

story

. Gibt es irgendwo clevere

allies

, die sich als

gamechanger

verstehen,

das

alles

too

heavy finden und

up

back in einer

language

think

tank

community

suchen? So

what

stay

safe

, geh chillen – ein Stück weit. Oder bin ich

weird

?

– Waltraud Dettling

Seit Jahrzehnten bin ich regelmäßige Leserin und meist auch Abonnentin der “ZEIT“, und fand sie in der Regel interessant, manchmal bewegend, oft sehr inspirierend, informativ, nervig, anstrengend, wie es eben langjährigen Freunden so ist. In letzter Zeit jedoch gibt es immer wieder Momente, wo ich

denke ,

dass ein etwas weniger

staatstragendes

und konform berichtendes, vielseitigeres Medium eine Erweiterung meines Horizontes darstellen könnte. Der Artikel »Querdenken« mit Rudolf Steiner, der

in seiner herablassend, hämischen Einseitigkeit

überhaupt nicht dem Niveau der „Zeit“ und meinen Erwartungen an einen konstruktiven Beitrag zum Diskurs in dieser gesellschaftlichen Situation entspricht.

Ich bin weder Waldorfschülerin noch Anthroposophin, nenne mich auch nicht Querdenkerin und leugne nicht die Existenz von

Covid

19. Ich habe jedoch wie viele Menschen aus all den Schubladen, die Ihr Autor verwendet, und auch solchen, die in anderen Zusammenhängen sind, Fragen. Unsere Demokratie ist ja darauf angewiesen, dass es Menschen gibt, die

selbstständig denken

, Argumente hören und gegeneinander abwägen und Entscheidungen treffen können (z.B. wen sie wählen). Auch sind wir darauf angewiesen, dass wir die Meinung der Anderen hören und achten, sofern sie nicht zerstörerisch ist. Die Medien sollen ja eine wichtige Funktion bei der demokratischen Meinungsbildung haben,

informieren ,

verschiedene Perspektiven darstellen, auch: Informationen verbreiten, Fragen

stellen ,

die dem aktuellen staatlichen Meinen und Handeln widersprechen könnten. Bislang war ich der Ansicht, dass die Zeit versucht, diesem Auftrag nachzukommen. Im Hinblick auf Corona und den Umgang damit empfinde ich es nicht so.

Meinem Eindruck nach gibt es im Umfeld von Waldorfschulen eine Auseinandersetzung mit Corona, die das Gleichgewicht zwischen dem, was die Menschen über Harz 4 hinaus brauchen an Freiheit, geistiger Anregung, Wärme, seelischer Nahrung einen höheren Stellenwert einräumt, als den fragwürdig interpretierten aber täglich wiederholten Statistiken. Nie hörte ich, es gäbe Corona nicht oder es sei ungefährlich. Oft hörte ich Einsamkeit, Unglück, fehlendes soziales Umfeld für Kinder und Erwachsene z.B. seien auch gefährlich und das Gleichgewicht sei zu berücksichtigen. Warum fragen sie nicht, Herr Düker, statt Anthroposophen, die ihr Demonstrationsrecht nutzen, mit

QAnon

, Rechtsextremen und

Coronaleugnern

in eine Ihrer Schubladen zu werfen? Warum sprechen sie nicht mit verschiedenen Anthroposophen und Waldorflehrern und Schülern? Warum stecken Sie Menschen, die sich um unser Gemeinwesen bemühen auf eine andere Art, als Sie es tun, in eine Ecke und machen Sie lächerlich? Es gäbe da sicher Menschen, die sich mit Ihnen offen auseinandersetzen würden.

– Anna

Ritzkowski

Selten habe ich in der „Zeit“ einen Artikel gelesen, in welchem sich anmaßende Selbstgerechtigkeit und Verachtung gegenüber der Anthroposophie und deren Vertretern in dieser Weise die Hand gegeben haben. Bislang reichte das Stilmittel der Ironie aus, sich nicht ernsthaft mit dieser Geistesrichtung auseinandersetzen zu müssen. Die ́Recherche` diente dem alleinigen Zweck, die vorgefertigten Urteile und Projektionen bestätigt zu finden. Diese Art des Journalismus erlebe ich in der heutigen Zeit nicht nur als

vergangenheitslastig

, sondern auch als gefährlich und unwürdig.

– Bernhardine

Lückener

Leserbriefe zu „Zu starke Nebenwirkungen?” Gespräch mit Jochen Werner geführt von Carolin

Rückl

und Jan Schweitzer

Höchstwahrscheinlich würde ich mich eher behandeln lassen von dem Chaos-Computer-Club-nahen Ex-Notarzt Borowski als von dem smarten Digital-Mediziner Werner.

– Dr. med. Leo Voss

Digitale Patientenakte – wo ist das eigentliche Problem? Wie lange noch wollen wir den Fortschritt hin zu einem modernen Gesundheitswesen verwehren? Information und Transparenz ist der beste Weg für uns Bürger, die Kosten unseres Handelns zu verstehen und unsere Gesundheit selbst besser zu steuern. Der Bürger hat ein Recht darauf, seine medizinischen Daten zu erhalten. Nicht über DVD, nicht über Fax, nicht über Zuruf über den Tresen, nicht über einen erneuten Röntgenpass aus Karton und nicht über einen kaum lesbaren, zerfledderten Impfpass aus Papier. Sichere, digitale Lösungen sind dafür seit langem da, und das Mandat zur Einführung einer elektronischen Patienten-geführten Gesundheitsakte ist endlich erteilt.

Und dennoch hören Teile der Leistungserbringer nicht damit auf diesen Fortschritt zu blockieren, oft mit fadenscheinigen Argumenten – Gott sei Dank gibt es ja den Datenschutz! Das digitale Werkzeug der Praxen und Kliniken muss endlich auf den aktuellen Stand gebracht und genutzt werden, um einen sicheren elektronischen Datenaustausch zwischen den Leistungserbringern zu ermöglichen und eine vollständige Sicht über alle medizinischen Daten für den Patienten bereitzustellen. Im zweiten Schritt ist es dann von Vorteil, wenn Bürger ihre medizinischen Daten anonymisiert für die Forschung weitergeben (optional), um die Wirksamkeit von Behandlungen und Medikamenten, sowie Wechselwirkungen, besser verstehen zu können. Und natürlich wäre es von einem großen Vorteil, wenn letztendlich die Leistungserbringer Zugriff auf die relevanten medizinischen Daten hätten – auch das kann der Patient selbst entscheiden – um bei Diagnose und Behandlung einfach mehr Informationen zur Verfügung zu haben.

Genau dort sehe ich das eigentliche Kernproblem bei der Akzeptanz der digitalen Akte für viele Leistungserbringer. Der heutige Arbeitsablauf und Abrechnungsmodus bieten Ärzten für die Berücksichtigung dieser Informationen nicht ausreichend Raum. Zum Zweiten steigt die Gefahr, bei fahrlässigem Ignorieren der ja vorliegenden medizinischen Informationen für Fehlbehandlungen verklagt und verurteilt zu werden. Beide Probleme müssen ernst genommen und es muss dafür eine Lösung gefunden werden, da wir sonst noch in 10 Jahren über die Einführung einer digitalen Patientenakte streiten werden.

– Peter J. Kirschbauer

Auch wenn ich die Diskussion inhaltlich schwach (moderiert) fand, zeigte sie sehr schön auf, welches Problem wir mit der Digitalisierung haben: Wir verstehen sie nicht. Herr Werner sprach sich für die Digitalisierung aus – und argumentierte auf Basis der Uni-Klinik Essen. Die Uni-Klinik betreibt eine eigene Infrastruktur und wird diese mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch beherrschen. Auf dieser Grundlage ist es sinnvoll und verantwortbar die Vorzüge der Digitalisierung zu nutzen. Herr Brodowski argumentierte gegen die Einführung der digitalen Patientenakte – und argumentierte auf Basis der Infrastruktur für niedergelassene Ärzte.

Hier gibt es keine zentrale Verantwortung, sondern seit über 20 Jahren ein Kompetenzwirrwarr mit diversen Akteuren, Interessen und unterschiedlichen Verantwortlichkeiten. Da wir bis auf weiteres nicht davon ausgehen können, dass bereits jetzt mit der Bürokratie überlastete Ärzte auch noch IT-Spezialisten werden, ist es richtig die digitale Patientenakte nicht einzuführen. Somit haben beide perfekt aneinander vorbeigeredet und die Moderation der ZEIT hat dies einfach laufen lassen. Wenn die Profis der ZEIT der Diskussion den Sachverhalt schon nicht richtig einordnen können, wie soll es dann in der breiten Fläche der Bevölkerung aussehen. Hier könnte die ZEIT viel Gutes tun und sich dem Thema Digitalisierung verstärkt widmen.

– Axel Felsch

Ich lebe seit einigen Jahren in den Niederlanden, wo die landesweite digitale Patientenakte bereits seit Jahren Standard ist, genauso wie die Registrierung aller Bürgerinnen und Bürger mit einer eigenen „Bürgerservicenummer“. Dieses System soll also für bessere Versorgung der Patienten sorgen, bei gleichzeitiger Kostenreduktion, indem es zum Beispiel doppelten Untersuchungen vorbeugt. Ich spreche hier als Bürgerin und Patientin. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass das System tatsächlich zwei Seiten hat. Auf der einen Seite ist es komfortabel, dadurch dass man selbst wenig tun muss, keine Formulare oder Befundbriefe zum Hausarzt oder zur Fachärztin mitnehmen muss, die man dann eventuell auch verschludern oder vergessen könnte.

In der Apotheke wird vor der Medikamentenausgabe überprüft, ob eine Allergie auf einen Inhaltsstoff vorliegt oder ob das verschriebene Medikament Einfluss auf andere Medikamente hat, die man nehmen muss. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder Datenlecks, sensible Daten über zum Beispiel psychische Erkrankungen, die plötzlich im Internet auftauchen. Oder auch der umgekehrte Fall, dass gemachte Untersuchungen doch nicht eingetragen sind, man selbst aber auch keinen schriftlichen Befund bekommen hat.

Oder auch, dass Fehler und Ungenauigkeiten in der Patientenakte stehen, von denen man selbst aber natürlich nichts weiß, Da sitze ich also beim neuen Hausarzt, und der sagt zu mir: „Aber 2017 waren Sie doch auch schon einmal wegen dieser Symptome bei Ihrer Hausärztin“. Auf meine irritierte Reaktion bekam ich dann die Antwort: „Also jedenfalls hat sie es so codiert“. In so einem Fall arbeitet das System dann gegen die Patientin. Bald ziehe ich zurück nach Deutschland, und nach meinen Erfahrungen hier ist es für mich klar: Ich werde der Speicherung meiner Daten widersprechen, wo immer es möglich ist und erst recht in so einem sensiblen Bereich wie Gesundheit und Krankheit!

– Edna

Blunk

Dieses Streitgespräch hat mich fassungslos gemacht. Herr Brodowski als junger Kollege und auch noch Anästhesist ist tatsächlich der Meinung, der Orthopäde darf nichts von einer psychischen Erkrankung seiner Patienten wissen? Wie um Himmels Willen soll ich einen Menschen ganzheitlich behandeln, wenn ich nur Teilinformationen bekomme? Nicht nur für den Orthopäden, der fein austarieren muss, was rein somatisch und was eher psychosomatisch ist, ein absolutes Muss. Und gerade der Anästhesist benötigt buchstäblich sämtliche Informationen, hier sind Informationsdefizite lebensgefährlich für den Patienten. Soll ich als Ärztin hinterher sagen: „Tut mir leid, dass der Patient tot ist, aber ich habe nicht gewusst, dass er eine Allergie-Rhythmusstörung-Psychose unter Medikation hat.“? Wie immer im Leben bergen Neuerungen Risiken und das ist mit der elektronischen Patientenakte natürlich auch so. Aber wie immer im Leben muss ich als Arzt und als Patient eine Risikoabwägung machen und die fällt für mich sowohl in der Rolle der Ärztin als auch in der Rolle als Patientin eindeutig positiv aus!

– Dr. Patricia Klein

Die elektronische Patientenakte (

ePA

) dient dazu, eine aus dem Gesundheitssystem resultierende Gefährdung von Patienten zu vermeiden, die ohne digitale Vernetzung mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit und Häufigkeit eintritt. Problematisch ist, wenn die mögliche Einführung der

ePA

verzögert wird und Datenschutz als Ursache für diese Verzögerungen zur Todesursache werden kann. Im Streitgespräch zwischen Jochen Werner und Christian Brodowski stellt sich die Frage, inwieweit Aspekte des Datenschutzes eine Verzögerung zulässig begründen können. Vielleicht ist das von Christian Brodowski ins Spiel gebrachte Beispiel des Rettungsdienstes mit dem Prinzip „Sicherheit vor Schnelligkeit“ hilfreich für die Abwägungen im Hinblick auf die Einführung der

ePA

: Wenn ein absoluter Risikoausschluss Voraussetzung dafür wäre, dass ein Rettungswagen startet und sich in den Straßenverkehr stürzt, würde es nie zu einem Einsatz kommen.

Jeder Einsatz verläuft auf einem Risikopfad. Der Notfall und das Rettungsziel allerdings rechtfertigen den nie absolut risikolosen Einsatz immer. Übertragen auf die

ePA

bedeutet dies, zur Vermeidung von gesundheitssystembedingten Notfällen die Umstellung auf die

ePA

dringlich zu verfolgen, wenn hinreichend Datensicherheit gegeben ist. Dabei liegt der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung von derartigen Planungen immer vor dem Erreichen eines theoretischen Optimums, das infolge der üblichen Erweiterung und Erhöhung von Anforderungen sonst irgendwo in der Unendlichkeit liegt. In der Analogie: Der Rettungswagen würde nie losfahren. Es gibt den Punkt, wo in einem Planungsprozess die Verschlimmbesserung einsetzt. Man kann sich tatsächlich zu Tode optimieren. Zu starke Nebenwirkungen.

– Reinhard Koine

Im Interview zwischen dem HNO-Arzt der Uniklinik Essen Herrn Werner und dem Anästhesisten Herrn Brodowski bringt Herr Werner außer seinem Mantra „Mehr Daten=schneller=Besser“ keinerlei wirkliches Argument. Aus meiner Sicht als Klinikdirektor a.D., Forschungspreisträger und seit 3 Jahren Hamburger Hausarzt muss ich feststellen, dass Brodowskis Annahmen, Thesen und Argumente sehr viel näher an den Interessen der Patienten und einer beziehungsbasierten Medizin liegen. Die Thesen Werners sollten mal Datenbezogen an seiner Eigenen Klinik überprüft werden. Zum Beispiel am Anteil 80jähriger mit mehr als 6 Medikamenten bei Entlassung, als negativer Qualitätsmarker. Das wäre spannend.

– Rüdiger

Thiesemann

Man muss Herrn Brodowski uneingeschränkt zustimmen. Nicht nur weil psychiatrische oder sonst hochsensible Diagnosen und Daten auf dem Weg über die elektronische Patientenakte ins Internet gelangen und dort von Hackern gekapert werden können, sondern auch weil niemand wirklich den Wert der dort gespeicherten Daten kontrollieren kann. Stellt ein Facharzt, ein Krankenhaus oder Hausarzt eine Fehldiagnose, so steht diese dauerhaft scheinbar gleichwertig neben tatsächlich richtigen Diagnosen. Man kann sie nicht unterscheiden. Löschen kann man sie auch nicht, sonst wäre ja der Fälschung Tür und Tor geöffnet. Und, seien wir ehrlich, Fehldiagnosen sind nicht selten.

Werden solch dubiose Daten wie von Herrn Werner avisiert “im Notfall” schnell übertragen – womöglich noch aus dem Rettungswagen, vor Untersuchung des Patienten im Krankenhaus – sehe ich größte Gefahren für den Patienten und keinen Vorteil für die Notfallversorgung. Ein Herzinfarkt lässt sich nicht durch Daten über eine vielleicht 5 Jahre zurückliegende Blasenentzündung besser diagnostizieren, geschweige denn therapieren. Das vollmundige Versprechen, man könne durch die entsprechende Datenflut “Menschenleben retten” ist eine Behauptung die man weder beweisen noch widerlegen kann, sie ist statistisch einfach nicht zu überprüfen und damit ein echtes Totschlag-Argument.

Vielmehr ist dem Argument zuzustimmen,

daß

die Daten eine Fundgrube für Versicherungen sein könnten; die individuelle Risikoberechnung wird mit der Menge an Daten sicher immer präziser möglich sein. Dann wird aus der individualisierten Medizin letztlich nur eine individualisierte Versicherungsprämie. Tatsache ist,

daß

der Aufbau der sogenannten Telematik-Infrastruktur bereits viele Millionen Euro verschlungen hat, welche letztlich aus der gesetzlichen Krankenversicherung gekommen sind. Nämlich als “Kostenerstattungen” der KVen an die Arztpraxen. Vielleicht recherchiert ja DIE ZEIT mal die wirklichen Kosten.

Dieses Geld wurde einfach aus dem Vermögen der Krankenkassen “entnommen”, statt für die echte “Rettung von Menschenleben” eingesetzt zu werden, für die es aber bestimmt war. Es fließt stattdessen ungehindert in die Kassen einiger weniger Unternehmen, die mit der Ausstattung der Praxen monopolartig betraut wurden, bzw.an die nun regelmäßigen Gebühren zur Pflege des Systems in erheblicher Höhe fällig werden (DGN=deutsches Gesundheitsnetz 82,11€/Monat + Fa

Medisign

23,25€/3Monate) und zwar auch dann, wenn die Telematik-Infrastruktur gar nicht benutzt wird! Kurz, ich glaube nicht,

daß

die elektronische Patientenakte irgendeinen Vorteil für die Patienten bringen wird. Sie wird wahrscheinlich ohnehin wegen Unsicherheiten im Datenschutz von Gerichten gestoppt werden. Vorteile bringt sie nur den Betreibern und zwar ganz einfach finanziellen Gewinn.

– Prof.Dr.med. Klaus

H.W.Böker

Informationelle Selbstbestimmung: Wer erinnert sich noch an das wegweisende BVG-Urteil von 1983 (Volkszählung – es ging um die Angabe verwendeter Heizmaterialien) – und wen kümmert dieses Urteil heute noch? Dabei geht es jetzt um den Schutz weit sensiblerer Daten; zu stark ist das Interesse an diesem höchst individuellen Pool; Politiker, werbende Industrie, Handel u.v.a. lassen schon heute nichts unversucht, ihn profitabel auszuwerten. Ärztekammern, Patientenbünde, Kirchen etc. – sie wissen: Gesundheitsdaten sind zu sensibel und zu brisant, als

daß

man sie auf dem Altar von Geschäfts- oder Verwaltungs-Interessen opfern dürfte. Sie gehören allenfalls auf einen Chip, dessen Preisgabe alleine dem mündigen Bürger vorbehalten ist.

– Dr. Hans-Georg Fritz

„Deshalb sollten wir mit der Einführung der elektronischen Patientenakte so lange warten, bis die dafür notwendige Technik wirklich sicher ist.“ – Es gibt keine absolute Sicherheit und wird es nie geben. Ein klares Argument gegen die

ePA

. Solange Krankenhäuser gehackt werden – ein aktuelles Beispiel hat die ZEIT vor einigen Wochen vorgestellt – ist das Risiko unkalkulierbar. „Wir müssen diesen Weg jetzt gehen, um in der Digitalisierung voranzukommen.“ – Denkfehler. Digitalisierung ist ein Mittel kein Ziel. „Natürlich bleibt mehr Zeit, wenn Prozesse digitalisiert sind.“ – Erfahrungsgemäß führt das nur zum Personalabbau, also zu Arbeitslosigkeit (s. Herrn Werners Apotheke) zum Zwecke der Gewinnmaximierung des Unternehmens Krankenhaus. Der Patient ist der Letzte, der etwas davon hat.

– Iman

Schwäbe

Leserbriefe zu „Der Zar zittert” von Michael Thumann

Gerhard Schröder (SPD), damals Bundeskanzler, antwortete in der ARD-Sendung „Beckmann“ (2004) auf die Frage, ob Putin ein lupenreiner Demokrat sei: „Ja, ich bin überzeugt, dass er das ist“. Nun hat ein Moskauer Gericht im Jahr 2021 den Kremlkritiker Alexej Nawalny zu einer längeren Haftstrafe verurteilt. Westliche Demokratien laufen gegen dieses Urteil Sturm und schwenken dabei ihr EU-Fähnlein der Demokratie oder was davon noch übrig

eblieben

ist, hoch und in Richtung Russland. Ist eigentlich Wladimir Putin immer noch dieser „Lupenreine“? Ist dieser Privatmann Schröder wirklich schon weg vom Fenster? Und will die „ewige“ Kanzlerin tatsächlich dieses

Vakzim

„Sputnik-V“ aus Russland selbst verkosten?

– Klaus P. Jaworek

“Instabilität in Russland ist perspektivisch das größte Risiko in Europa“ schreiben Sie. Ja, auch darum sollten wir unser Embargo gegen Russland (also Wirtschafts-Krieg) sofort beenden. Was hat das gebracht? Wir Deutschen wollen den Russen wieder vorschreiben, wie die Politik machen sollen? Deutsche Truppen stehen mit der NATO wieder kurz vor Petersburg und unser maßloser Außenminister tadelt den russischen Präsidenten. Hatten wir vor 1945 alles schon mal. Ich schäme mich für unsere Land und unsere Regierung. Schreiben Sie lieber über Julian Assange, statt über Nawalny!

– Thomas

Pohrt

Zum ersten Mal seit Jahren lese ich: Von der Überzeichnung Russlands als Riesengefahr, die uns vor allem bedrohe, sollten wir uns verabschieden, ebenso vom Bild der unerschütterteren Weltmacht, mit der wir uns halt arrangieren müssten. Weder noch: Instabilität ist perspektivisch das größte russische Risiko für Europa. Diese Analyse habe ich in den letzten 30 Jahren in keiner deutschen Zeitung gelesen. Ich habe nach der Wiedervereinigung, die eine großzügige Geste vorwiegend von Russland war, nie eine Bedrohung durch Russland empfunden. Ich habe mehrfach die Rede von Putin 2001 im Bundestag studiert und dort nur freundliche Angebote gefunden, die glaubhaft waren.

Die Morde an Anna Politkowskaja und Boris Nemzow habe ich nie mit Putin in Verbindung gebracht, weil ich annahm, dass sie begangen wurden, um Putin zu schaden. Auch der Mordversuch an Nawalny geschah aus gleichen Gründen. Aber, dass er jetzt zu mehrjähriger Haft verurteilt wurde, hat mich sehr verstört. Da wäre er klüger gewesen, wenn er, wie Trump, seine Rechtsbrecher begnadigt hätte. Sorgen mache ich mir um Russland, wenn der oder die Nachfolger Putins an die Macht kommen. Dann könnte ich mir eine unangenehmere Zeit vorstellen.

– Rolf

Hemsath

Herr Thumann zu Ihrer Kolumne, haben Sie mal bedacht, dass das ganze Verhalten Putin nur eine Reaktion gegen die Angriffe der US-Politik gegen Russland sind. Putin kontert jeden Schachzug. ZB. Georgien 2008, Ukraine 2014, Syrien 2012, Russland verteidigt seine Außengrenzen. Georgien wäre ein Nato-Stützpunkt (Südossetien) Ukraine (auf der Krim wäre die Nato-Flotte und in der Ukraine Nato-Mitglied) Syrien (Tartus hier liegt die russische Flotte) Sind alle Journalisten in Bezug auf Außenpolitik blind oder von der USA gesteuert und folgen dem Mainstream alles gegen Russland. Einzig ihre Moskau Kollegin Botha ist etwas korrekter gegen Nawalny. Die USA haben doch mit dem Angriff auf den Irak den Is erschaffen.

– Edgar

Oberkehr

Mit großem Interesse habe ich Ihren o.g. Leitartikel gelesen und bin doch sehr irritiert. Seit wann ist

Rußland

Mitglied im Europarat? (siehe in letztem Absatz)? Könnten Sie mich bitte schlau machen.

– Hanni Reese

Der Autor wünscht sich anscheinend die Zeit des kalten Krieges zurück. Vieleicht reicht auch die Ära Jelzin! Es wird Zeit das die EU Putin sagt was er zu tun und zu lassen hat. Vieleicht sollten es wir Deutschen gleich selbst machen.

– Friedrich Küspert

Ein Thema von fast Shakespeare‘schem Niveau: Sein oder Nichtsein. Das ist hier die Frage: „Wie hältst du‘s mit dem Putin?“ Das wäre allerdings Goethe. Wer den ZEIT-Artikel schlecht findet, muss das nicht unbedingt begründen. Das ist dann einfach eine Meinung, die so steht und die man so stehen lassen kann. Unsere Meinungen spielen ja sowieso keine Rolle. Wer das aber ernst meint mit der Absicht, eine Diskus­sion zu führen, um andere zu überzeugen, müsste seine Meinung begrün­den: Was fehlt dem Artikel an maßgeblichen Fakten? Was ist (absichtlich?) einseitig dar­gestellt und somit verfälschend? Steckt eine (böswillige) politische Absicht dahinter, nämlich die, Russland zu diskredi­tie­ren? Ich finde den Artikel allerdings nicht schlecht.

Es werden ein paar Dinge bei ihrem Namen genannt, die wir uns nicht, die wir aber auch keinem anderen Land wünschen können: Verarmung der Bevölkerung versus Bereiche­rung der Nomenklatura. Festigung der Macht durch eine Justiz, die sich, weil sie ebenfalls zu dieser Nomenklatura gehört, politisch will­kür­lich einsetzen lässt, dadurch ein Gefühl der stän­digen Be­dro­hung („staatlicher Terror“) schafft und die Bevölkerung kuschen lässt, brutale Gewalt mit Hilfe einer Schlä­ger­truppe, die „Polizei“ genannt wird. Nicht zu vergessen: der Überfall auf die Krim (aus „Groß­macht“-Gelüsten?), die Unterstützung der Separatisten in der Ukraine, um für Instabilität zu sorgen, und das Am-Laufen-halten des Bürgerkrie­ges in Syrien, indem man Assad „die Stange hält“, ihn aber auch „die schmutzige Arbeit“ machen lässt.

Alles mit dem Ziel, die Welt in Atem zu halten und der eigenen Bevölkerung was vorzuspie­len, die Bedeutung „ihres“ Landes, ihr auf diese Weise eine Ersatzbefriedigung zu liefern. Sicher, man kann erwidern: „Bei uns ist das nicht viel anders!“ Oh doch! Wir führen keinen Krieg. Wir sind ein „gebranntes Kind“, jedenfalls vorerst noch. Noch sind wir keine „autoritäre“, erst recht keine „diktatorische“ Gesellschaft, die ihr Über­leben auf staatlichem Terror gründet. Wir können, zumindest theoretisch, die Verhält­nisse bei uns ändern. Zumindest werden wir nicht eingesperrt, wenn wir es versuchen. Natürlich muss das nicht immer so bleiben. Keine Gesellschaft ist davor gefeit, in autoritäre Verhält­nisse abzurut­schen.

Wir beobachten das ja per­manent, nicht nur „draußen“, sondern auch bei uns. Aber wie sich das entwickelt, das liegt ein bisschen auch an uns. Sind wir „faul und träge“, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auch uns das Fell über die Ohren gezogen wird.

Nicht, dass wir das Bestreben eines Politikers Nicht-Politikers verhindern könnten, sein Schäf­chen ins Trockene zu bringen! Nein, das tun die Politi­ker selber. Solange noch so viele an die „Fleischtöpfe“ wollen (relativ betrach­tet, für andere sind das natürlich „Peanuts“), werden die schon selber aufpassen, dass das nicht über­hand­nimmt. Es ist für mich überhaupt nicht einsehbar, warum wir Putin mit Samthandschuhen anfassen, ihm schöne Etiketten anhängen sollten. Soll er ein Vor­bild für uns sein? Für wen? Für welche Politik? Wer will ihm nach­eifern? Bitte schnell zu sich zu Wort melden, damit wir wissen, mit wem wir es zu tun haben und ihn schnellstens abwählen können. Es mag sein, dass ich naiv bin in dem Sinne: Weil ich keine Ambitionen habe, unterstelle ich solche auch keinem anderen. Vielleicht ist das Streben, Macht (über andere) auszuüben, doch ausgepräg­ter, als ich es mir vorstelle.

– Hans

Contier

Leserbriefe zu „Letzte Chance” von Christiane Grefe

Ich freue mich über jeden Artikel, der sich der Landwirtschaft widmet. Auch da ich die Landwirtschaft als Teil der Lösung sehe für unsere Herausforderungen der Menschheit – sei es Klimawandel (durch Stabilisierung der Wasser- und Kohlenstoffkreisläufe), der Gesundheit (nährstoffreiche Lebensmittel) und auch gesellschaftliche Stabilität (Versorgung mit Lebensmitteln). Ich bin der Überzeugung, dass die Landwirtschaft aus diesen Gründen auch viel mehr (positive) Aufmerksamkeit braucht. Und auch die direkten Vertreter, Landwirte die bereits außerhalb des typischen Rahmens denken und eigenverantwortlich auf ihren Feldern Veränderungen voranbringen und auch Erfolg damit haben. Ich habe da einiges bereits mit eigenen Augen sehen können. Bspw. auf den Flächen, die Alexander Klümper mittels Direktsaat bewirtschaftet (450 h in Sachsen-Anhalt) –

trotz

Glyphosat Einsatzes und mit einem Fokus auf die Bodenbiologie hat er bspw. einen Insektenreichtum auf und an seinem Boden, dem der normale Stadtbürger gar nicht so bewusst ist. Danke für Eure Arbeit!

– Anja Wagner

Werden die Fördermittel für die Bauern falsch verteilt? Der Rostocker Agrarökonom Sebastian

Lakner

hat eine Studie über die Lage der Landwirtschaft und damit über den Einsatz der Fördermittel in der Landwirtschaft erarbeitet. Frau Christiane

Grefe

veröffentlichte eine Zusammenfassung. Viele neue und altbekannte Ideen für eine naturnahe Landwirtschaft wurden angesprochen, Gesetzentwürfe formuliert. Dem allen soll der Bauer sich unterwerfen. Eine solche Gängelei haben die Landwirte nicht verdient. Alle Leistungen außer die

der landwirtschaftliche Produktion

werden nach den Herstellungskosten bewerten. In der Landwirtschaft bestimmt der Handel/der Käufer und der Verbraucher den Preis der Ware. Der Bauer handelt aus der finanziellen Not geboren durch das Preisdiktat deshalb weniger gut wie alle feststellen.

Würden die Verbraucher für die landwirtschaftliche Produkte auf der Basis der Herstellungskosten bezahlen, könnten die Landwirte die notwendigen Bedingungen für eine naturnahe, ökologische Landwirtschaft einhalten. Die bisherigen Verkaufserlöse

unter den bestehendem Preisdiktat

und eine Umverteilung der bisherigen Fördermittel führt zu keiner Verbesserung der Lage der Bauern. Das gilt erst recht, wenn eine zielgerichtete naturnahe Landwirtschaft betrieben werden soll, was der Bauer auch gern machen würde, jedoch geht das nur bei entsprechender Vergütung. Ein Bauer würde sofort weniger Düngemittel und Pestizide einsetzen, und die Tierhaltung und den Pflanzenbau naturnah anpassen, wenn er den Ertragsausfall ersetzt bekäme. Liebe Leser, lieber Verbraucher und liebe Händler, bevor Sie negativ über die Bauern sprechen, sollten Sie für die Landwirtschaftliche Produkte mehr bezahlen.

– Reinhard

Lothholz

Ein weiterer tendenziöser Artikel zum Thema Landwirtschaft und Umweltschutz. Diesmal geht es um die Umverteilung von Subventionen in Richtung ökologischer Anbauweisen. Dieses Thema ist wichtig und sollte sachlich diskutiert werden. Doch die Diskussion braucht ein paar Grundvoraussetzungen. Hierzu gehört, dass Landwirte in erster Linie qualitativ hochwertige Nahrungsmittel erzeugen und kein Interesse an der Zerstörung ihres Produktionsfaktors Boden haben können. Zum anderen plädiere ich für eine sachliche

Wortwohl

, wonach

Ackergifte Pflanzenschutzmittel

sind, denn sie werden ja nicht angewandt, um Äcker zu vergiften, sondern um Pflanzen zu schützen. Ohne

den angemessen Einsatz

von Pflanzenschutzmitteln würde die Nahrungsmittelproduktion wohl stark sinken.

Weiterhin wird ein Gutachten von Greenpeace zitiert, bei dem nicht gerade eine große Neutralität in der schwierigen Frage der Abwägung zwischen effizienter Nahrungsmittelproduktion und ausreichendem Umweltschutz zu erwarten ist. Kommen wir nun zur inhaltlichen Betrachtung. Hier stellt sich die Frage, was wirklich ökologisch und nachhaltig ist. Ist es ökologisch, wenn es durch Beschneidungen

unserer effiziente Landwirtschaft

zu einer Produktionsverlagerung und damit Landnutzungsänderung in Drittländer kommt mit deutlich höheren Treibhausgasemissionen bei möglicherweise geringerer Produktivität? Sie schreiben, dass für mehr Naturschutz die „meisten Konsumenten ... etwas höhere Preise dafür durchaus bezahlen“. Das mag für höhere Einkommensgruppen in einem abgekoppelten Markt richtig sein, doch die Agrarpreise sind seit den GAP Reformen in den neunziger Jahren Weltmarktpreise.

Eine Verknappung des Angebots in Deutschland/ Europa ließe die Weltmarktpreise steigen und würde am meistens die Ärmsten der Armen treffen. Nun werden Stimmen laut, die hohen Standards und Preise in Europa mit Hilfe eines neuen Außenschutzes zu realisieren. Dies widerspräche jedoch den internationalen Vereinbarungen zum Abbau von Handelsbarrieren, ein treibender Faktor für international steigenden Wohlstand in den letzten Jahrzehnten. Die Gefahr, dass unsere Handelspartner mit ähnlichen Handelshemmnissen auf unsere Exportprodukte reagieren könnten, ist nicht zu unterschätzen.

Bei den Überlegungen zu mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft gilt es zwischen der ausreichenden Nahrungsproduktion zu wettbewerbsfähigen Preisen,

einem ausreichendem Einkommen

in der Landwirtschaft sowie angemessenen Umweltschutz abzuwägen. Eine rein ökologische Vision würde hier zu kurz greifen. Um die „große Menschheitsfrage“ wie es Frau

Grefe

ausdrückt geht es wohl auch Frau Klöckner. Die Erhaltung einer effizienten, wettbewerbsfähigen und umweltfreundlichen Landwirtschaft zur Produktion hochwertiger und kostengünstiger Nahrungsmittel.

– Dr. Monika Kesting

Im guten Artikel von Christiane

Grefe

wird deutlich, welche Bedeutung der Landwirtschaft bei der Umweltverschmutzung und dem Umweltschutz zukommt. Am Ende wird Frans Timmermans zitiert, der Natur-/Klimaschützer und Bauern aufruft, Druck auf die EU zu machen. Eine andere Frage stellt sich jedoch auch: warum konnte es bis heute dauern, bis das Problem ins öffentliche Bewusstsein rückte? Ist es das überhaupt? Vor der letzten Bundestagswahl griff

Rezo

die etablierten Parteien im Internet an, indem er zahlreiche wissenschaftliche Studien zur Thematik Umweltschutz/ Klimaschutz hinzuzog.

Neben der Politik gehört jedoch auch der Journalismus in die Pflicht genommen, auch die Print-Medien. Warum gibt es in den Zeitungen Rubriken für Politik, Wirtschaft und Kultur, jedoch nicht für Natur/Ökologie? Warum findet nicht ständig ein Wissenstransfer zu diesen Themen statt? Warum wusste bis vor kurzem in Deutschland kaum jemand, dass die Inhalte gelber Säcke am Schluss teilweise im Meer landen und dass Mikroplastik im Meer unter anderem mit Autofahren und Kunstfaserkleidung zusammenhängt? Druck kann auch steigen durch einen noch engagierteren Journalismus auf diesem Gebiet.

– Dr. Iris Mandl-Schmidt

Das „Verhältnis zwischen Stadt und Land,

zwischen Mensch

und Natur“ hat nie, so lange der Mensch Ackerbau und Viehzucht betreibt und Menschen in Städten leben, im“ Gleichgewicht“ gestanden. Die Bauern – natürlich außer Gutsbesitzer und Großagrarier – gehörten immer zur untersten Gesellschaftsschicht, wurden durch Abgaben belastet, in Not- und Kriegszeiten ausgebeutet und drangsaliert oder gar durch Vertreibung dauerhaft um ihre Existenzgrundlage gebracht. Es ist historisch auch nicht neu, dass Bauern aus Not durch Proteste und Gewalt auf ihre Situation aufmerksam machen. Neu ist, dass Bauern sich trotz – oder vielleicht sogar wegen – einer historisch noch

die dagewesenen Förderung

aus Steuermitteln zu Protesten genötigt sehen. Das müsste politisch zu denken geben, weil trotz jahrzehntelanger und umfangreicher Agrarförderung die Probleme der

Bauern und der Umwelt nicht kleiner, sondern größer geworden sind.

Da müsste eigentlich jeder einsehen, dass die derzeitige Agrarförderung ein totaler Misserfolg ist und allen Grundsätzen einer echten Nachhaltigkeit widerspricht. Eine undifferenzierte Förderung nach Flächengröße ist dabei sicherlich hinsichtlich Umwelt und gegen das „

Höfesterben

4. Februar 2021 - Ausgabe 6 - Das Blog der Leser

“ die uneffektivste und dümmste denkbare Förderung. Es könnte möglicherweise billiger sein, die bäuerliche Familie bzw. deren Arbeitskraft sowie ökologisch erwünschte und umweltschonende Anbauformen direkt zu subventionieren, konventionellen Anbau dagegen überhaupt nicht mehr, diesen allein dem Markt überlassen. Das würde die bäuerliche Familie stärken und unabhängiger vom Druck des Marktes machen sowie eine Kulturlandschaft fördern, in der Artenvielfalt und eine ästhetische Landschaft möglich wären.

– Dr. Artur Behr

„Immer nur Lächeln“. Emphatisch und sachkundig beschreibt Frau Grefe, was unsere Landwirtschaftsministerin Klöckner bei der Sonderkonferenz über die GAP sagen müsste. Daraus wird wohl nichts, weil bei Juli Klöckner aus fast nichts was wird, wenn es gegen die Interessen der Industrie gerichtet ist. Einer ihrer peinlichsten Auftritte war bei einem Interview mit Nestle, wie

sie lächelnd

– wann lächelt sie nicht – deren gesundheitliche Gefährdung unsere Kinder nicht aufgriff, sondern die lügenhaften Behauptungen zur Zuckerreduzierung der Firma akzeptierte. Einer ihrer letzten Auftritte war ihr Kampf gegen die neue Düngemittelverordnung. Frau J.K. ist ein stetes Opfer der Lobbyisten und füllt außer Scheuer die unfähigste Ministerstelle im Kabinett aus. Z.B. berichtete u.a. der „Tagesspiegel“, dass sie sich zwar zu einem bestimmten Zeitpunkt

5 Mal

mit Landwirtschaftsvertretern traf, aber 25 Mal mit denen der Lebensmittelindustrie.

– Claus Richter-

Haffelder

Alle sind gefragt! Christiane

Grefe

zitiert in ihrem Beitrag Frans Timmermanns, der von einem drohenden Ökozid spricht. Das klingt im ersten Moment drastisch; aber Übertreibung ist ein gutes Stilmittel, um die Lage auf den Punkt zu bringen. Ja, die Landwirtschaft, die abhängig ist von der jeweiligen Agrarpolitik, muss sich ändern, kein Zweifel. Aber lassen Sie uns das Thema differenziert angehen. Erstens: Es gilt, den Boden, das Wasser und die Artenvielfalt zu schützen. Das kann auf unterschiedliche Weise stattfinden. Nicht immer sind ökologische Anbauweisen mit der intensiven Bodenbearbeitung durch ständiges Pflügen, Hacken und Striegeln der richtige Weg. Zu viel Humus geht verloren, und Nährstoffe werden ausgewaschen. Vielmehr brauchen wir regenerative Anbauweisen. Hier wären eine vielseitige Ausbildung an Berufs- und Hochschulen sowie eine kompetente Beratung besser als Landwirte quasi zu „

zwangsökologisieren

“.

Zweitens: Die ganze Gesellschaft ist hier gefragt. Viele Landwirte wissen, dass sie ihre Ressourcen im eigenen Interesse schützen müssen. Sie legen gerne Blühflächen, Streifen und Biotope an. Doch bitte, liebe Gesellschaft: Respektieren Sie blühende oder quasi „wild“ aussehende Flächen als Biotope, als wichtiges Habitat für unsere Artenvielfalt und halten Sie sich an das, was auf Schildern steht. Wir können keine Spaziergänger, Mountainbiker, Picknicker, Reiter etc. in unseren Biotopflächen gebrauchen, und wir wollen auch nicht alles einzäunen. Dort, wo Freizeitgestaltung in der Natur stattfindet, nistet kein Bodenbrüter. Genauso wie ein Feld, auf dem Zuckerrüben in Reih und Glied stehen, brauchen Biodiversitätsflächen Ihren Respekt.

Drittens: Wir müssen unbedingt den Flächenverbrauch stoppen. Offenbar braucht die Gesellschaft die landwirtschaftlichen Flächen, die sich oft seit Generationen in der Hand von Landwirtsfamilien befinden und privates Vermögen darstellen, gleichzeitig zur Produktion von Lebensmitteln, für den Naturschutz und für die Erholung. Alles auf einmal geht nicht. Schlimmer noch: Wenn diese Flächen aufgrund von neuen Wohn- und Gewerbegebieten und neuem Straßenbau ständig schrumpfen, steigt der Preis noch mehr, die Flächen werden zum Spekulationsobjekt, und unser oben formuliertes Ziel ist weit verfehlt. Warum weist ein ambitionierter Bürgermeister nicht anstatt eines neuen Gewerbegebietes einen neuen Stadtpark für die Erholung aus? Die Landwirtschaft hat die Aufgabe verstanden. Aber ohne Unterstützung der Gesellschaft und der Politik wird es nicht funktionieren. Hier ist in der Tat gesellschaftlicher und politischer Schulterschluss gefragt.

– Anna

Luetgebrune

Leserbriefe zu „Wo wir uns anstecken” von Katharina Menne

„Es gibt eine Theorie, die besagt, wenn jemals irgendwer genau herausfindet, wozu das Universum da ist und warum es da ist, dann verschwindet es auf der Stelle und wird durch noch etwas Bizarreres und Unbegreiflicheres ersetzt. Es gibt eine andere Theorie, nach der das schon passiert ist.“ (Zitat von Douglas Adams, 1952-2001, britischer Schriftsteller)

– Klaus P. Jaworek

Unter der Überschrift: „Wo wir uns anstecken weiß kein Mensch“ beklagt Frau Menne, dass keine Daten darüber ermittelt wurden. Gleichwohl weist sie auf eine in Nature veröffentliche Studie hin, aus der klar hervorgeht, dass Ansteckungen im Wesentlichen in Restaurants und Fitness Studios stattfinden. Sie übergeht das dann aber und setzt ihre Klage über die totale Unwissenheit fort. Der ganze Artikel hätte auch positiv aufgebaut werden können, wenn man die enorme Zunahme unseres Wissens über das Coronavirus und die Ansteckungswege in den Vordergrund gestellt hätte.

Dass in einigen europäischen Ländern die Ansteckungen so stark explodiert sind, liegt wohl laut der in Nature veröffentlichen Studie mit daran, dass Restaurants eben nicht geschlossen wurden. Wenn mehrere Personen 2-3 Stunden ohne Maske redend, essend, trinkend und lachend zusammensitzen, muss man sich darüber nicht wundern. Das Max-Planck-Institut für Chemie stellt übrigens einen „

risk

calculator

“ zur Verfügung, mit dem das Ansteckungsrisiko in Innenräumen abgeschätzt und wie es reduziert werden kann. Es stehen also durchaus Informationen darüber zur Verfügung, wo wir uns im Wesentlichen anstecken und wie das am besten vermieden werden kann.

– Prof. Dr. Klaus-Georg

Bührens

Das RKI wie auch Bundes- und Landesregierungen geben sich damit zufrieden, das Infektionsgeschehen als diffus zu bezeichnen. Dabei hätten doch gerade die Regierungen den Apparat und die Mittel, wissenschaftliche Untersuchungen ins Leben zu rufen und zu finanzieren. Warum tun sie das nicht? Es besteht wohl kein Interesse, nicht in Deutschland und anscheinend nirgendwo anders auf der Welt. Oder kennen Sie Untersuchungen darüber, warum die Infektionsraten selbst bei hartem Lockdown nur erstaunlich widerstrebend sinken? Vielleicht weil schlecht funktionierende Badezimmer-Abluftsysteme in größeren Wohnhäusern Aerosole mit Viruslast zwischen den Wohnungen verteilen könnten, nur als beispielhafte These? Interessiert sich denn wirklich niemand für solche Fragestellungen, und wir haben uns alle behaglich in unserer Ignoranz eingerichtet?

– Roland Ernst

Katharina Menne hat in der ZEIT herausgearbeitet, wie wenig wir über die Ansteckungswege von Corona wissen und dass die aktuelle Corona-App untauglich ist, wissenschaftlich nutzbare Daten zu erheben. In früheren Artikeln hat z.B. Boris Palmer dafür plädiert, den Datenschutz – ggf. auf freiwilliger Basis – gegenüber dem Gesundheitsschutz oder der Bereitstellung nutzbarer Daten für die Corona-Eindämmung zu hinterfragen. Man könnte z.B. bei Freigabe der Ortsdaten – nach einem erkannten Kontakt zu Infizierten Personen (also nicht „auf Vorrat“) – eine Art zeitlich-räumliche Landkarte der kritischen Kontaktsituationen erstellen. (Das wäre natürlich mit Arbeit verbunden ...)

Leider gab es auf Herrn Palmers Artikel neben verstehenden Leserbriefen auch heftige Angriffe ...Ich würde gerne sinnvolle Daten zu solchen Zwecken spenden. Dem RKI vertraue ich diese in der aktuellen Situation gerne an, Google oder Apple nicht. Das sehen alle mir bekannten wissenschaftlich denkenden und forschenden Bekannten genauso. Wenn man Politiker oder Teilnehmer von Talkshows daraufhin anschreibt, kommt entweder keine oder eine nichtssagende Antwort. Wahrscheinlich sind alle zu müde, sich um noch eine neue (neue ???) Baustelle zu kümmern. Aber wichtig wäre es dennoch! Haben Sie Ideen, wie man das Thema „Erhebung nutzbringender Daten gegen Corona“ in politischen Kreisen auf eine

ToDo

-Liste bekommt?

– Jochen Peters

Es gibt nicht allzu viele Möglichkeiten, sich zu infizieren, heißt es in Ihrem Beitrag, wo beispielsweise Einzelhandel und Restaurants geschlossen seien. Doch die gibt es! Allein drei, wenn ich zwangsläufig nur einmal zum Einkaufen und zum Arzt fahre: Im Treppenhaus treffe ich auf Nachbarn, Paketboten und Besucher ohne Maske. Was ich nicht treffe, sind Hinweise, Maske zu tragen. Da ich nicht residiere, sondern wohne, lässt sich im Treppenhaus kein Mindestabstand einhalten. Der Vermieter – immerhin eine große Wohnungsbaugesellschaft in der Hand der Stadt – informierte mich, dass weder ein gesundheitliches Problem besteht noch Maskenpflicht. Zudem sei es nicht ihre Aufgabe, allgemeine Verordnungen durchzusetzen.

Das ist von daher von gesellschaftlicher Relevanz, als fast die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnt und davon viele in Mehrparteienhäusern von Wohnungsbaugesellschaften. Leider muss ich tanken. An der Tanksäule steht „Maske beim Tanken aufsetzen“. Dass nur Kunden Masken tragen sollen, sehe ich seit Monaten beim Bezahlen: Drinnen wirbeln die Angestellten ohne Maske frei herum. Im Supermarkt finde ich immerhin Kassierende, bei denen die Maske auch die Nase bedecken, was keineswegs bei allen der Fall ist. Etwas anderes finde ich nicht: Eine Arztpraxis, die ein vierteljährliches Standardrezept per Post schickt. Um es abzuholen, muss also immer jemand in die Praxis. Es gibt also genügend Ansteckungsmöglichkeiten, für sehr viele Menschen. Diese „Möglichkeiten“ sind keineswegs geheim. Sie sind so offensichtlich, wie dass der Kaiser – in der Geschichte von „Des Kaisers neue Kleider“ – nackt ist.

– Viola Falkenberg

Ich möchte für folgende zwei Punkte Aufmerksamkeit wecken: 1.Die Verbreitung und Infektion mit Viren erfolgt oft multifaktoriell, d.h. setzt neben einer kritischen Menge an Viren auch eine Empfangsdisposition beim Infizierten voraus und da gibt es einige offensichtliche Rahmenfaktoren, die bisher sträflich vernachlässigt wurden, wie z.B. die Entstehung und sehr häufige Verbreitung im Zusammenhang mit Fleischmärkten/-produktion und dass fast alle Hotspots im Rahmen von starkem Alkohol- und Zigarettenkonsum entstanden (Bad Ischgl, Garmisch-Partenkirchen, Karneval in NRW usw.) Neben den Vorerkrankungen wird meines Erachtens die Rolle des Rauchens völlig vernachlässigt, jede weggeworfene Kippe ist eine potentielle Virenschleuder.

2. Neben der Impfstrategie sollte, auch für impfsensitive Menschen dringend mehr für eine medikamentöse Prophylaxe und Frühbehandlung gesorgt werden. Informell hat sich in fachlich orientierten Kreisen längst herumgesprochen, dass alle Entzündungshemmer und Blutverdünner wie z.B. Aspirin, dann Zink und Vitamin D3 sowie das

Antiparasitikum

IVERMECTIN, sehr hilfreich und zugleich kostengünstig sind. So könnten die Wartezeiten auf eine Impfung (und echter Schutz besteht gerade für gefährdete Ältere und Vorerkrankte erst nach der 2.Dosis) überbrückt werden und viele Gefährdete geschützt werden.

Natürlich besteht bei einer Publikation dieser Präventionsmöglichkeiten das Risiko unkontrollierter Hamsterkäufe oder einer größeren Impfzurückhaltung, was man aber durch Rezeptpflicht und Aufklärung minimieren kann. So wie jetzt, dass einige Bescheid wissen, aber andere dumm sterben ist genauso unbefriedigend wie das Vordrängeln beim Impfen (wie macht man es bei der 2.Dosis?) aus den Chefetagen. Natürlich bleibt auch bei dieser Prävention, wie auch beim Impfen, offen, wie weit man noch andere infizieren kann, aber dazu eine Studie in Auftrag zu geben ist längst überfällig.

– Wolf-D. v.

Fircks

„Warum wissen wir auch ein Jahr nach Beginn der Pandemie immer noch so wenig über das Virus und seine Verbreitung?“ fragt die Autorin schon im Untertitel. „Es fehlt nicht an Geld, aber vielerorts an Entschiedenheit“, heißt es im Artikel weiter. „In einer idealen Welt hätten sich im März 2020 die 20 besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Landes in einem Pandemierat versammelt. Virologen,

Epidemiologinnen

und Intensivmediziner, aber auch Politik- und Rechtswissenschaftler, Soziologen, Ökonominnen und Pädagogen hätten sich gefragt: Was müssen wir wissen, woran müssen wir forschen, welche Fragen müssen wir beantworten, um diese Pandemie möglichst schnell und gut zu bewältigen?

Dann hätten sich die Wissenschaftler an die Arbeit gemacht. Hätten Studien und Versuche in Auftrag gegeben, hätten Daten gesammelt und ausgewertet.“ Das wird von sehr vielen unabhängigen Experten auch so gesehen. Prof. Dr. John Ioannidis, Prof. Dr. Hendrik Streeck und hunderte andere Experten aus allen anderen relevanten Gebieten und Vertreter von betroffenen gesellschaftlichen Gruppen haben immer wieder darauf hingewiesen, dass ein kontroverser wissenschaftlicher und sachlicher Diskurs erforderlich ist und haben ihre Expertise zur Verfügung gestellt. Sie wurden von den Regierungen und traditionellen Medien oft ignoriert oder kritisiert, ohne auf die Inhalte ihrer Aussagen einzugehen.

Selbst die WHO, die die Staaten schon lange vor Lockdowns warnt und die durch Metastudien von Ioannidis zu realistischer Einschätzung des Gefährlichkeitsgrades des Virus und des Nutzens der Lockdown-Maßnahmen gekommen ist, wurde nicht ausreichend gehört.

Studies on Covid-19 Lethality – Swiss Policy Research

/

Stanford Studie mit Top Medizin-Wissenschaftler Ioannidis zeigt keinen Nutzen von Lockdowns

/

WHO: Lockdowns Make “Poor People and Awful Lot Poorer” | Boots & Sabers

/

Ein Segen für Großkonzerne und Oligarchen: Lockdowns und der Ausverkauf des Mittelstandes

Vor einigen Tagen hat die WHO noch einmal massiv auf die richtige Handhabung der PCR-Testverfahren verwiesen.

WHO ändert Leitlinien für Nutzung von PCR-Tests — RT DE

/

Marigny de Grilleau: Die WHO hat gestern verkündet, dass „High-Cycle PCR Tests“ zu falschen Ergebnissen führen. Endlich!

Es zeigt sich jetzt mitten in der Wintersaison mit ihren alljährlichen Atemwegserkrankungen auf der nördlichen Halbkugel, dass die täglich neuen „Fälle“ dennoch DRASTISCH ABNEHMEN und inzwischen auch entsprechend zeitversetzt die täglichen Todeszahlen.

WHO ändert Leitlinien für Nutzung von PCR-Tests — RT DE

/

Coronavirus Update (Live): 105,817,303 Cases and 2,305,144 Deaths from COVID-19 Virus Pandemic – Worldometer

/ Es spricht sehr viel dafür, dass jetzt korrekter gemessen wird als zuvor, nachdem das weltweit praktizierte PCR-Testverfahren von Wissenschaftlern massiv in Frage gestellt wurde.

Hochkarätiges internationales Forscherkonsortium demontiert PCR-Test von (...) – Corona Transition

/

2:0 gegen Drosten – neues Kapitel im Retraction Prozess – 2020 NEWS

Auch bei uns sinken die „Fälle“ erheblich – mitten im Winter.

Und dennoch machen die Regierungen weiter mit dem Lockdown und allen Freiheitsbeschränkungen. Millionen von unabhängig denkenden und umfassend informierten Menschen trauen den traditionellen Medien, deren Bedeutung erheblich geschrumpft ist, nicht mehr, sondern informieren sich mit Hilfe von Hunderten von Kanälen, Blogs und Publikationen, deren wissenschaftliche Expertisen interessanterweise zwar nicht zentral gesteuert werden, aber dennoch eine ziemlich einheitliche Gegenposition zum offiziellen Narrativ darstellen. Sie bieten eine Gesamtschau, mit deren Hilfe man sich der Wirklichkeit nähert. A

nika Richter schreibt über die „Frühstücksfernsehen“-Moderatorin Marlene

Lufen

, die auf Instagram ihre Sorgen geteilt hat, die sie während der Corona-Pandemie bewegen.

„In einem 14-minütigen Video sprach sie über das

erhöhte Risiko von Gewalt und über Vereinsamung – insbesondere bei Kindern infolge der Schließungen der Schulen und Kindertagesstätten. Marlene Lufen auf Instagram: „Diese Zeit lastet schwer auf uns. Auf der Suche nach dem richtigen Mittel sollten wir auch diese Zahlen kennen.., Sie habe diese große Sorge – und die mache sie so fertig, dass sie schon seit langer Zeit nicht mehr gut schläft. „Ich habe das Gefühl, dass wir in zwei, drei Jahren zurückgucken auf diese Zeit und dass wir denken, wir haben es falsch gemacht. Dass dieser Lockdown das Falscheste war, was wir hätten machen können. Zumindest über so einen langen Zeitraum“, sagt Lufen. „Denn auch in einer Pandemie haben Menschen Depressionen, haben Menschen eine Suchterkrankung, Herz-Kreislauf-Probleme, Gewalt in der Familie und andere Probleme, die auch zum Tode führen.“ Das werde ihrer Meinung nach nicht in Betracht gezogen.

Deshalb mahnt sie: „Auch diese Zahlen müssen wir kennen“ – und sie zählt einige Fakten auf. So verzeichnete die Gewaltschutzambulanz der Charité im Fall von Gewalt an Kindern im ersten Halbjahr 2020 einen Anstieg von 23 Prozent. Laut einer repräsentativen Umfrage der TU München kam es in 6,5 Prozent der Haushalte zu körperlicher Gewalt gegen Kinder – hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung wären das mehr als 600.000 Kinder. Auch diese Zahlen erschrecken: Laut Bayerischem Staatsministerium für Gesundheit und Pflege lebten im Jahr 2019 schon „2,6 Millionen Kinder mit alkoholabhängigen Eltern“ und etwa 60.000 mit drogenabhängigen Eltern unter einem Dach. Zudem haben seit Beginn der Pandemie die Beratungskontakte beim Frauenhilfetelefon um etwa 20 Prozent zugenommen, wie deren Leiterin Petra Söchting im Interview auf „bundesregierung.de

“ erzählt – sowohl telefonisch als auch online.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat vergangenes Jahr in einer Umfrage ermittelt, dass 74 Prozent der

Menschen mit Depressionen den Lockdown als deutlich belastender empfinden

als die Allgemeinheit (59 Prozent). „Armut und Existenzangst nehmen dramatisch zu“, resümiert

Lufen

. „Wir sollten die Nebenwirkungen genau berechnen und kennen, wenn wir entscheiden, ob die

Verlängerung des Lockdowns

tatsächlich die beste Wahl im Kampf um unsere Gesundheit ist. „Der Bonner Virologe Prof. Dr. Hendrik Streeck wies darauf hin, dass es nicht außergewöhnlich sei, dass Viren mutierten und sich veränderten, das passiere andauernd. Vom Sars-CoV-2-Virus seien bereits über 4000 Mutationen beschrieben.

Innerhalb des gewaltigen Volumens an Kanälen, Quellen, Experten und Demonstrationen, die in Deutschland von vielen Millionen Bürgern aus der gesellschaftlichen Mitte genutzt werden, stellt man als Grundtenor die sehr dringliche Aufforderung an die augenblicklichen Entscheidungsträger fest, die von den Bürgern gewählt worden sich, sich nach demokratischer, freiheitlicher Tradition gesamtheitlich zu informieren und nicht nur eine einheitliche Meinung zuzulassen. Die Beschränkung auf eine uniforme Sicht der Dinge und die Konzentration auf Angst statt Aufklärung führt unweigerlich zum Verlust von Freiheit und Demokratie und auch zur Verzerrung des Wettbewerbs zu Lasten der Kleinen und Schwächeren.

Profiteure der Angst: Corona Pandemie eine Pharma Inszenierung ARTE 2009 – YouTube

Es gibt ein Narrativ von Kausalitäten, dass immer noch von vielen einseitig informierten Bürgern übernommen wird, wenn es auch kaum evidenzbasierte Studien zu seiner Bestätigung gibt. Z. B. gibt es sehr viele Belege, dass z.B. die Großdemo in Berlin mit mehreren Hunderttausenden Teilnehmern zeitbereinigt keine verstärkenden Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen hatte.

BERLIN und seine AUSWIRKUNGEN – Kranke und Tote unter der Lupe – Pressemitteilung 18.08.2020 – YouTube

Die Berichterstattung über die Demos ist in den neuen Medien vielfältig, man findet auch eine Vielzahl von evidenzbasierten Darstellungen und kann aufgrund der Vielfalt der Perspektiven sich eine eigene begründete Meinung bilden. In den traditionellen, althergebrachten Medien findet sich leider oft eine sehr uniform interpretierende Sichtweise, wie z.B. ein neutraler Strafverteidiger von der Leipziger Demo im November berichten musste:

⚠️BREAKING NEWS⚠️ Enttarnt: Rechtsanwalt Frank Hannig entlarvt Provokateure vom 07.11.20 in Leipzig – YouTube

Es gibt auch wenig deutliche Evidenz für positive Auswirkungen von unsicheren Testungen, Impfungen, Masken und ähnlichen Maßnahmen:

Prof. Stephan Hockertz warnt vor millionenfach vorsätzlicher Körperverletzung | VÖ: 17.07.2020 – YouTube

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Dr. Vanessa Schmidt-Krüger erklärt BioNTech/Pfizer Impfstoff – Vorstellung der klinischen Studie 1

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Risiko Impfstoff – immer mehr Tote? – 2020 NEWS

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Dr. Ronald Weikel – Töten die Corona Massnahmen? /

Lockdown und Maskenpflicht nutzlos – Punkt.PRERADOVIC mit Prof. DDr. Martin Haditsch – YouTube

Wir sollten unsere Aufmerksamkeit nicht auf ein einziges Element setzen und dabei alle anderen Gefahren und Risiken vernachlässigen.

Krankenhauskeime: 40.000 Tote jährlich in deutschen Hospitälern | medtipp.com

Grippewelle 2017/18: Mehr als 25.000 Grippetote in Deutschland | Gesundheitsstadt Berlin

Der diagnostische Fokus in Bezug auf das Virus SARS-C0V-2 sollte auf der Suche nach einem validierten, zuverlässigen, allgemein gültigen Testverfahren liegen:

Sitzung 26: PCR-Test – die Dominosteine fallen – YouTube

Seit Monaten steht es fest, dass in der Bevölkerung eine hohe Immunität gegen SARS-C0v-2 vorliegt und die Immunschwachen wirklich sehr human geschützt werden sollten. Warum schwächt man flächendeckend das Immunsystem von asymptomatischen Menschen durch Lockdowns, Kontaktsperren und genetische Experimente?

Univ. Prof. DDr. Christian Schubert: Ungekürzte Rede auf der Demo in Innsbruck am 24.10.20 – YouTube

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Coronavirus: Test for Covid-19 T cells immunity developed – BBC News

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81 Prozent der Deutschen sind vermutlich immun gegen Sars-Cov-2 – Corona Transition

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testing of cross reactive „SARS-CoV-2“ t-cell immunity – Google Scholar

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Corona Impfung, Übersterblichkeit, Panikmache – Nachgehakt 32 – YouTube

Auf keinen Fall dürfen wir vor dem Hintergrund der zuvor in den Link-Hinweisen beschriebenen Fakten unsere Freiheit und Demokratie aufgeben, wie wir es bei der Verabschiedung des neuen §28a des Infektionsschutzgesetzes getan haben, die im November im Bundestag gepuscht wurde:

Stoppt das Gesetz zur Aushebelung unserer Grundrechte! – Vera Lengsfeld

(V. Lengsfeld ist eine Heldin von 89). Es wäre wünschenswert, wenn auch alle traditionelle Medien – im Sinne Ihres Artikels – nun auch eine Vielfalt von Expertenmeinungen und Prämissen in Betracht ziehen und veröffentlichen würden, um die Panikmache zu beenden und gemeinsam mit Millionen kritischen Bürgern aus der bürgerlichen Mitte nach humanen Lösungen für diese gesellschaftliche und demokratische Katastrophe der Finanz- und Schuldenkrise suchen würden.

Der Great Reset ist da! – Max Otte im Gespräch – YouTube

– Gerhard Jahnke

Leserbriefe zu „Was nicht genehm ist, wird abgelehnt”. Gespräch mit Sandra Kostner und Andreas Rödder geführt von Manuel J. Hartung und Anna-Lena Scholz

Wie sehr fühlt man sich beim Lesen des Interviews zurückversetzt in die Zeit der späten 60er Jahre, als der SDS die Universitäten aufmischte! Bei zahllosen Go-ins ging es seinen Sympathisanten nicht primär um eine echte Diskussion über die Demokratisierung der Wissenschaften, sondern um ein lautstarkes Durchpeitschen ihres sozialistischen Weltbilds und die „Entlarvung“ des Establishments! Dem sie früher oder später selbst angehörten! „Macht kaputt, was euch kaputt macht!“ Einige, wie wir wissen, hielten sich daran! Weniger lautstark, dafür in den Universitäten besser vernetzt, agieren heute die „Agenda-Wissenschaftler“,

Gendero

– und Identitätspolitologen.

Würden sie nur einmal ihre ideologischen Scheuklappen ablegen, um ein wenig sokratische Weisheit zur Abkühlung in ihre überhitzten Hirne wehen zu lassen: ich weiß, dass ich nichts weiß! – könnten sich ihre Ohren öffnen für die Gedankenvielfalt der Wissenschaftler! Es käme zu einem echten, freien Dialog, bei dem sich immer wieder das eine oder andere Körnchen Wahrheit finden ließe. Durch Zusammenfügen all dieser soliden Mikrobausteine ließe sich ein stabiles Wissenschaftsgebäude errichten, dass, bei aller Unvollständigkeit, von den meisten Menschen anerkannt würde! Dann wäre in der Tat das Netzwerk „Freiheit der Wissenschaft“ überflüssig! Liebe Interviewer, was veranlasste Sie, „Studierende“ zu schreiben?

War es eine in vorauseilendem Gehorsam von der Chefredaktion erlassene Anweisung oder Ihre eigene innere Überzeugung? Wie nennen Sie diejenigen, die den Sprung zu den Studierenden noch nicht geschafft haben: „die Schule Besuchende“ oder „zu Beschulende“? Welch zweifelhaftes Lesevergnügen böte Goethes „Faust“ oder die Lutherbibel, geschlechtsneutral umgeschrieben? Hölzern und sperrig wie eine chinesische Gebrauchsanleitung! Gehen Sie einmal in sich, tun Sie Buße für die Misshandlung Ihrer Muttersprache und leisten Sie Abbitte der, ich hoffe, übergroßen Mehrheit der DIE ZEIT-Leser!

– Dr. med. Ulrich Pietsch

Im Interview geht’s ums unangemessene Beanspruchen und Durchsetzen von Deutungshoheit. Die Menschheit hat ungelöste Zukunftsprobleme. Gesucht wird ein Weltbild, das hilfreich ist, diese Probleme zu lösen. Ein solches Weltbild ist aber nur dann geeignet, wenn seine für die Problemlösung entscheidenden Komponenten von allen maßgeblichen Menschen geteilt werden. Denn es nützt nichts, wenn nur ein Teil der Menschheit die Geburtenrate den verfügbaren Ressourcen anpasst oder wenn nur in Europa der Wald wächst, während die Urwälder in Südamerika jedes Jahr um riesige Flächen reduziert werden. Dementsprechend ist es nicht ganz illegitim zu überlegen, wie man die Verantwortung für Lösungen auf alle Menschen verteilt.

Nur muss zuerst dargelegt werden und Einigung gesucht werden, warum dies nötig ist. Nun ist es leider so, dass einzelne Gruppen Lösungs-Methoden entwickelt haben und dafür Probleme suchen, die weniger bedeutsam sind. Es können dies durchaus Probleme sein, die auch behandelt werden müssen, aber dies darf nicht von den entscheidenden Problemen ablenken. Es geht dann eventuell auch darum, die Ursachen der Ursachen dieser Probleme zu avisieren. Dieses Vorgehen muss dann die nötige gemeinsame Basis schaffen, die notwendig ist. Die gemeinsame Basis kann nicht erzielt werden, durch Ausgrenzung. Ein Problem ist anscheinend, dass die tieferen Problem-Ursachen nicht zur Sprache kommen. Dabei wäre es nötig, anhand von Erfahrungen (z.B. von historischen, oder statistischen) Lösungen vorzuschlagen.

Jemand mit der Erfahrung von Thilo Sarrazin kann durchaus Input liefern, auch wenn er in einzelnen Punkten fragwürdige Vorstellungen hat. Ein ungelöstes Problem ist der Widerspruch zwischen den Menschenrechten auf Lebensunterhalt (Asyl, Medizin, Wohnung, Nahrung, Familiengröße, etc.) und dem Recht auf Eigentum. Dieser Widerspruch ist deshalb bedeutsam, weil das Recht auf Eigentum (passend angewendet) ein Mittel ist gegen eine Entwicklung, die mit dem Wort «Tragik der Allmend» bezeichnet werden kann und die eine Ursache ist fürs Plündern des Planeten (auch als Folge

zu hoher Geburtenraten

). Die aktuelle Wichtigkeit einer Lösung zeigt sich an vielen Orten. Etwa auch im Nahen Osten. Ich zitiere dazu einen Satz aus einem anderen Artikel dieser Ausgabe: «Zwei Drittel der Bevölkerung zwischen Oman und Marokko sind jünger als 35, die Jugendarbeitslosigkeit liegt schon heute im Schnitt bei 30 Prozent» Und dieses Problem wird wachsen, wenn der Bedarf an Öl weiter sinken wird.

– Dr.

tech

. Gernot

Gwehenberger

Dieser Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Und diese Problematik der Selbstkontrolle be­trifft ja bei weitem nicht nur die Hochschulen, sondern zieht sich durch alle, wirklich alle Bereiche unserer Gesellschaft. Das habe ich in Leserzuschriften an verschiedene Presse­erzeugnisse seit mehreren Jahren betont, ohne auch nur eine einzige Antwort darauf zu erhalten, geschweige denn, dass diese Zuschriften veröffentlicht wurden. Selbstkontrolle und Selbstzensur in Reinform... In diesem Zusammenhang erinnere ich nur an die widerwärtige Selbstkontrolle der Alice Salomon Hochschule Berlin durch die Entfernung des Gedichtes

avenidas

von Eugen Gomringer von ihrer Hauswand. Nun aber noch kurz etwas zum Gendern.

Was damit der deutschen Sprache angetan wird, das spottet jeder Beschreibung. Der Höhepunkt war für mich letztens erreicht, als In Radioeins die beiden Morgenmoderatorinnen Hermes und Menger bei jeder sich nur bietenden Möglichkeit ihre Gender-Sprechweise heraus schrien wie z.B. Richter innen oder Moderator innen usw. Und wenn es nicht so traurig wäre, da könnte man nur darüber lachen. Bei dieser Sprechweise hänge ich immer automatisch „und außen“ an. Dies habe ich in einer Zuschrift am 18. Januar 2021 an den Programmchef von radioeins dargelegt. Selbstredend habe ich auch darauf keine Antwort erhalten.

– Ulrich Fischer

Mir fehlte in Ihrem Artikel nachfolgende Erkenntnis: Manche Grundrechte sind auch Privilegien. So hat ein Deutscher kein Recht auf Asyl nach Artikel 16a GG, er hat stattdessen das Recht auf Beseitigung des Missstandes. Auch das Grundrecht auf „Freie Forschung und Lehre“ nach Artikel Art

5 ,

Abs. 3 ist ein Privileg für jene, die in Forschung und Lehre tätig sind, die Studierenden sind es nicht.

– Uwe Sauter

Das „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ scheint bitter nötig zu sein und ist zugleich schon ein Hilferuf. Mir ist bekannt, dass es an manchen deutschen Universitäten Bestrebungen gibt, Forschung und Lehre zu nutzen, um eine gesellschaftliche Veränderung herbeizuführen. Wie groß das Ausmaß ist, wie radikal die Mittel sind und welche Folgen jetzt schon spürbar werden, war mir vor Lektüre dieses Interviews allerdings nicht bewusst. Frau Kostner und Herr Rödder sehen zu Recht die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr und dabei wird es nicht bleiben, wenn es darum geht, eine Gesellschaft zu verändern. Dann ist irgendwann vielleicht auch die Meinungsfreiheit aller gefährdet, im schlimmsten Fall sogar eine freiheitliche Gesellschafft passe ́.

Es ist mehr als besorgniserregend, wenn sog. Agenda-Wissenschaftler und deren Studierenden versuchen, den Diskurs zu kontroversen Themen systematisch zu verhindern. Meinetwegen können sie ja ihre eigene Ideologie als die einzig wahre empfinden, das rechtfertigt aber nicht, andere Sichtweisen oder Positionen für unmoralisch zu erklären, diese nicht einmal mehr zu tolerieren und Druck auszuüben, dass sie nicht mehr öffentlich diskutiert werden dürfen. Das sind in meinen Augen Anzeichen von Zensur. Wenn unliebsame Wissenschaftler von Agenda-Wissenschaftlern als umstritten stigmatisiert werden, diskreditiert werden, indem man sie bewusst in die rechte Ecke befördert, ihre Arbeit boykottiert wird und sie schlimmstenfalls um ihren Job bangen müssen, sind das in meinen Augen Anzeichen von Mobbing.

Nicht nachvollziehbar für mich ist, dass Hochschulleitungen und andere verantwortliche Wissenschaftler nicht entschiedener dagegen angehen. Wollen sie etwa konforme Kaderschmieden oder doch lieber freie, offene und vielfältige Universitäten? Vielleicht ist es ja auch Bequemlichkeit oder die Angst, selbst in die Schusslinie der Agenda-Wissenschaftler und deren Studierenden zu kommen. Das sind Steilvorlagen für die AfD und ich hoffe nicht, dass es ihr, so wie Trump in den USA, gelingen wird, einen großen Teil der Bevölkerung gegen die Eliten (nicht nur politische) aufzuhetzen. Unverständlich für mich bleibt, dass diese einfachen Zusammenhänge von den Aktivisten nicht hergestellt werden können. Intelligent genug sind sie dafür. Vernunft steht hier anscheinend aber auf einem anderen Papier.

– Regina Stock

Die Sorgen von Sandra Kostner und Andrea Rödder sind allzu berechtigt. Die Wissenschaftsfreiheit ist nicht nur an Universitäten gefährdet. Vor einem Jahr sollte im Rahmen einer Vortragsreihe „Weltgeschichte weiblich“, die das Historische Seminar der TU Braunschweig gemeinsam mit dem Schloss Museum Wolfenbüttel veranstaltete, ein Vortrag über Eva Braun gehalten werden, der folgendermaßen angekündigt wurde: „...ich, die Geliebte des größten Mannes Deutschlands und der Erde ...“ Anmerkungen zu Eva Braun.“ Daraufhin startete ein Ehepaar eine Kampagne gegen die Veranstaltung. Eingeschaltet wurden die Stadt Wolfenbüttel, der Niedersächsische Wissenschaftsminister, die Präsidentin der TU Braunschweig, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Fraktionen im Niedersächsischen Landtag und Teile der Presse, um nur einige zu nennen.

Die Begründung des Ehepaares lautete: Der Vortrag sei „ein moralischer, ein ethischer Kulturabgrund“. Statt zunächst einmal die Kritiker zu hinterfragen und die Kritik in den Zusammenhang des Vortrages zu stellen, dessen Inhalt niemandem bekannt war und ist, glaubten die Angeschriebenen offensichtlich ungeprüft den Vorwürfen, sie stellten sich nicht hinter den Referenten. Der Vortrag fand deshalb nicht statt, die Stadt Wolfenbüttel hätte den Vortrag mit der Begründung abgesagt, Eva Braun sei alles andere als ein Vorbild gewesen. Wo wäre die Geschichtswissenschaft, wenn sie sich nur mit Vorbildern beschäftigen würde? Die Freiheit von Lehre und Forschung scheint in unserem Land nicht mehr selbstverständlich zu sein. Hat darüber hinaus auch unsere Freiheit, unser Leben selbstbestimmt zu führen, noch eine Zukunft? Oder müssen wir uns damit abfinden, dass der Staat, natürlich zu unserem Besten, immer mehr Regelungen trifft, die uns entmündigen? War nicht einmal der „mündige Bürger“ ein politisches Ziel?

– Rudolf

Ordon

Leserbriefe zu „Zukunft auf Arabisch” von Lea Frehse

Ich bin erschrocken über so viel Des- und Falschinformation in einem Blatt, das ich bisher für seriös hielt: 1. In einer wohl von Ihnen selbst (und dem Autor)

oriduzierten

Karte (Zeit-Grafik) stellen Sie Marokko unter Einschluss der Westsahara vor: Dieses Gebiet, eine ehemalige spanische Kolonie und wurde 1975 völkerrechtswidrig von Marokko annektiert. Seither bemühen dich die Vereinten Nationen um eine völkerrechtskonforme Lösung. Allein die USA haben in den letzten Tagen der Trump-Administration diese Annexion anerkannt. Was bezwecken Sie mit dieser Falschinformation? 2. Auch Bahrein kannte 2011 einen massiven Volksaufstand, der erst vom saudischen Militär niedergeschlagen wurde. Die Karte, die die Aufstände kenntlich zu machen behauptet, sagt nichts darüber. In wessen Interesse verbreiten Sie in Ihrem Blatt, das ich bisher für seriös hielt, solche Fehlinformationen?

– Werner Ruf

Ja, al-Sisi hat gegen die 2012 demokratisch gewählte Regierung in Ägypten geputscht, und ja, er setzt Grundrechte außer Kraft und verfolgt und unterdrückt Bürger, die ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen. Bei dieser Wahl errang die islamistische Muslimbruderschaft und ihre Bündnispartner 70 % der Mandate. Bis heute ist unklar, ob und wie viele Stimmen der meist armen Bevölkerung gekauft wurden; sicher ist, dass viele in den Reden der Prediger Trost und Hoffnung fanden. Ich mag mir allerdings nicht vorstellen, wie die Situation in Ägypten wäre, wenn die Muslimbrüder und ihre Partner an der Macht wären: Erfolgte die Rechtsprechung nach den Regeln der Scharia? Wie stünde es um die Meinungsfreiheit und andere Grundrechte? Wie wäre die Situation der koptischen Christen? Und wie sähe es wohl mit den Rechten der Frauen und dem Recht auf Bildung für Mädchen aus?

– Dr. Dieter Weber-

Klukkert

Lea

Frehse

beschreibt die Perspektiven im Nahen Osten: «Drei verschiedene Erzählungen der Zukunft lassen sich derzeit ausmachen, drei Arten von Staaten.» Da wären: Erstens relativ reiche „Öl-Staaten“, deren Regierungen neue Visionen von Technologie und Konsum im Blick haben. Zweitens Staaten wie Ägypten und Marokko, die ihre Hoffnung auf Stabilität (trotz hoher Jugendarbeitslosigkeit) setzten. Dies auch wegen des abschreckenden Beispiels von Syrien. Drittens «die Kriegsgebiete in Libyen und Syrien und die scheiternden Staaten Libanon und Irak.» Die Probleme in den drei Arten von Staaten haben miteinander verknüpften Ursachen aus den drei Gebieten: Ökonomie, Ökologie und Demographie.

Ökologie betrifft schwindende Wasservorräte (

z.B

fossiles Wasser), schwindende Erträge aus Fischfang und Landwirtschaft und dadurch schwindende Arbeitsplätze. Demographie bedeutet: «zwei Drittel der Bevölkerung zwischen Oman und Marokko sind jünger als 35, die Jugendarbeitslosigkeit liegt schon heute im Schnitt bei 30 Prozent.» Die Ökonomie bedeutet hohe Abhängigkeit von den Einnahmen aus der Ölförderung und damit hohe Abhängigkeit vom weltweiten Ölverbrauch. Eine Lösung dieses Problemkreises kann es nur durch ein Umdenken geben. Dabei könnte ein Rückbesinnen hilfreich sein auf die am Ende des Artikels erwähnten guten alten Zeiten. Die waren gut, vor allem auch wegen der damals geringeren Bevölkerungsdichte, wegen der geringeren Abhängigkeit von Ölexporten und auch wegen der geringeren sozialen Unterschiede (weniger Korruption).

Das Umdenken muss die Regierungen, die Bevölkerung und die Religionen betreffen. Vision müsste sein, eine nicht mehr wachsenden Bevölkerung (verantwortungsvolle Familienplanung abhängig von den verfügbaren Mitteln: ein, zwei Kinder pro Familie), geringere Abhängigkeit vom Export, verantwortungsvolle Eliten in Staat und Religion sowie Perspektiven, die mit Nachhaltigkeit vereinbar sind. Ein massiver Rückgang der Korruption und eine verbreitete Einsicht, dass vor allem auch die genannten Probleme wesentliche Ursachen der Krise sind, müsste ausreichende Stabilität ermöglichen. Vermutlich würde ein weltweites gemeinsames Weltbild, das das langfristige Fortbestehen der Menschheit als Ziel hat, den Einsatz von technischer und finanzieller Hilfe von außen erleichtern.

– Dr.

tech

. Gernot

Gwehenberger

In Ihrem Artikel ‚Zukunft auf Arabisch‘ haben Sie eine falsche Karte eingebaut. Das dürfte eigentlich einer renommierten Zeitung wie der Ihren nicht passieren!! Sie veröffentlichen eine Darstellung, in der die Westsahara Teil Marokkos ist. Die Westsahara wird jedoch seit Jahrzehnten von Marokko völkerrechtswidrig besetzt gehalten. Ich verweise hierbei u.a. auf die UN-Resolution 1514, das Urteil des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag sowie Urteile des Europäischen Gerichtshofes EuGH in Luxemburg. Diese sind alle ganz eindeutig: Marokko und die Westsahara – von Marokko gerne als südliche Provinzen deklariert – sind zwei völlig unterschiedliche, separate Territorien. Jegliche Aktivitäten in der Westsahara erfordern zudem die Zustimmung der bei der UN New York sowie beim Menschenrechtsrat in Genf offiziell zugelassen Vertretung des Volkes der

Sahrauis

, der

Frente

Polisario

. Die Demokratisch Arabische Republik Sahara (DARS), 1975 ist außerdem Vollmitglied der Afrikanischen Union. Ich bitte um Richtigstellung! Danke.

– Regina

Dietzold

Ich habe Ihren Artikel mit sehr großem Interesse gelesen und finde die gesammelten Fakten und die zeitliche Gegenüberstellung sehr interessant. Nur im 3. Kapitel finde ich den Artikel etwas zu „allgemein“: “ Sie fürchte progressive Demokratinnen ebenso wie religiöse Konservative und verfolgen sie gnadenlos“. Das kann doch nicht für

Saudi-Arabien

gelten mit dem noch heute herrschenden

Wahhabismus

, eine extreme Form des

Sunnitismus

, denn in Saudi-Arabien gibt es immer noch den mächtigen religiösen Wächterrat, dem auch der Kronprinz Salman nicht übergehen kann!

– Jürgen Keller

Von einem alten Araber an Lea zum zehnten Jahrestag der syrischen Revolte von 2011: Die jetzige syrische Revolte führt die Frage der Identität wieder ein, die uns seit der Abhaltung der Syrischen Generalkonferenz im Jahr 1919, und der Gründung des ersten arabischen Parlamentarischen Staates in Damaskus nach dem Zusammenbruch der osmanischen Herrschaft, lange beschäftigt hatte. Zu dieser Zeit, sah die syrische Konferenz nichts Falsches daran im gleichen Kontext, über die arabische Nation im weiteren Sinne zu referieren, als „eine Nation die das Recht hat, sich auf der gleichen Ebene wie andere Nationen zu befinden... und dass die arabische Revolte gegen die Osmanen um das arabische Volk in Syrien zu befreien, stattfand“.

Weiter hieß es, „Die Mitglieder dieser Konferenz ... als Vertreter der syrischen Nation im gesamten syrischen Land ... haben einstimmig die Unabhängigkeit unseres syrischen Landes in seinen natürlichen Grenzen, einschließlich Palästina, die vollständige Unabhängigkeit erklärt, ... damit die syrisch-arabische Nation das hohe Niveau des Fortschritts erreichen kann, und ein anstrebendes Mitglied der zivilisierten Welt sein wird“. Demgemäß, sahen vor einem Jahrhundert die Mitglieder der syrischen Generalkonferenz nicht wirklich, dass es einen Widerspruch oder eine Entfremdung gab, als sie von der arabischen Nation und der syrisch-arabischen Nation, sprachen.

Die damaligen französischen Kolonialisten, die das Land fast unmittelbar nach der Auflösung der Konferenz besetzten, hatten jedoch eine andere Meinung, die sie in Wortlaut und Aufwendung in die Praxis umsetzten: Die französischen Besatzer betrachteten die „Geschmeidigkeit“ des Denkens und Sprechens der Syrer über die „syrische Nation“ als Bestandteil der „arabischen Nation“ und umgekehrt, dass dies nicht nur für ihre Interessen im Nahen Osten, sondern auch für das Schicksal ihrer arabischen Kolonien in Nordafrika gefährlich sei. Die Franzosen sahen, dass der Widerstand der Syrer und ihre Forderung nach Unabhängigkeit, ihre Brüder in Nordafrika ermutigen würde, sich auch dort gegen die französische Herrschaft zu erheben. Im Jahre 1921 veröffentlichte der Forscher und der französische Mandatsbeamte Henri Lammens, gemäß einer Richtlinie des französischen Hochkommissars für Syrien und den Libanon, ein Buch mit dem Titel: Syrien, eine historische Übersicht.

Das Thema des Buches war nicht nur für die Rechtfertigung der französischen Besatzung Syriens vorgelegt. Das Gefährlichste daran war, dass der Verfasser zu zeigen versuchte, dass es doch Unterschiede zwischen Syrern und Arabern gebe, nicht nur um die Rolle der Araber in der Geschichte zu degradieren, sondern auch um die Förderung des lokalen Regionalismus und die Sensibilisierung der Minderheiten in Syrien anzuheizen. Der Versuch, die nationale Zugehörigkeit der Syrer lahmzulegen, wurde von einem Antrag vor Ort begleitet, als der französische Besatzer die geografische Einheit des Landes selbst zerstörte, indem er jeweils fünf Staaten in Aleppo, Damaskus, im Alawiten Gebiet, im Drusen Berg, und den Staat Großlibanon gründete. Der Besatzer arbeitete auch, wie bekannt, während seiner gesamten Herrschaft in Syrien daran, sektiererische und ethnische Konflikte zu schüren, und sich selbst zum Beschützer der Minderheiten zu erklären.

Diese französische Regierungspraxis ist nicht ohne Folgeeffekte, unter denen die Syrer bis heute leiden, geblieben. Das damit verbundene „Identität“ -Problem setzte sich auch ohne Lösung fort. Ich werde hier nicht im Detail auf die Fallstricke und Tragödien, denen die Syrer mit der Suche nach der Identität in der Zeit seit der Unabhängigkeit Syriens im Jahr 1946 bis zum Ausbruch der syrischen Revolte im Jahr 2011 ausgesetzt wurden, eingehen. Es reicht in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass der Regionalstaat Syrien nicht einmal versucht hat, den bestehenden Widerspruch zwischen Regional und National zu lösen, der in letzterem der einzige Träger historischer Kontinuität von der goldenen Ära des Arabisch-Islamischen Reiches bis zu unseren Tagen sein sollte.

Darüber hinaus, war es für andere junge arabische Regional-Staaten in der Region schwierig, jedes Land einzeln und nach Belieben das gemeinsame historische Erbe für sich allein zu beanspruchen. Dann hätte jeder Staat, die Folgen der Fragmentierung des kollektiven Gedächtnisses, parallel zur neuen Demarkation der Trennungsgrenzen, die der Kolonialist in unserer Region gegen unseren Willen festgelegt hatte, allein getragen müssen. Andererseits, hat der Assad-Regime, statt seine Bürger mit den unterschiedlichen ethnischen und konfessionellen Zugehörigkeiten, an die aufgetauchten historischen Entwicklungen anzupassen, die mit der Geburt des modernen syrischen Staates einhergingen, sie stets ausgewichen. Folglich, die unzähligen Komplikationen mit denen die Revolte derzeit konfrontiert ist.

Ein weiterer Faktor, der es den regionalen arabischen Staaten erschwerte, die notwendigen Veränderungen im arabischen historischen Bewusstsein herbeizuführen, war die starke Rückkehr zum biblischen Zeitalter in der Region, im Zusammenhang mit der Errichtung eines jüdischen Staates auf palästinensischem Boden, die den Weg für ähnliche islamische und christliche Ansprüche und Versuche öffnete. Dies spiegelte sich im vorherigen libanesischen Bürgerkrieg wider, und wiederholt sich im laufenden Bürgerkrieg in Syrien und auch im Irak. Begleitend zu diesen religiösen und sektiererischen Komplikationen, walten heute in der syrischen Szene gemeinsam andere nationalistische Bestrebungen, in einem Zustand der Verzweiflung, des Verlusts, der Phobie, der Neurose und der Schizophrenie. Einige syrische Kurden präsentieren sich folglich zuerst als Kurden.

Und die ursprünglich türkische Partei der Kurdischen Demokratischen Union ging noch einen Schritt weiter, als sie eine eigene autonome Verwaltung in Nordsyrien einrichtete, die aber alle Merkmale der Spaltung aufweist. In Afrin, eine Stadt mit kurdischer Mehrheit in Nordwestsyrien, wurde der Unterricht auf Arabisch in einigen Grundstufen, in einem isolierten Schritt untersagt, der nicht weniger nationalchauvinistisch ist, als der des Regimes in Damaskus. Darüber hinaus, fanden die aktuellen Scharmützeln und Proteste der anderen Bevölkerungskomponenten der Region, wie die arabische Mehrheit, die Armenier und die christlich-assyrischen Gemeinden (chaldäisch / syrisch) im Norden, gegen die kurdischen Faktionen, statt. All das kompliziert zusätzlich, das heutige „syrische Problem“.

Mit anderen Worten, wenn unsere gegenwärtige syrische Regionalidentität so verzerrt geworden ist, dann deshalb, weil dies das Ausmaß der historischen Schwäche einer Hauptkomponente dieser Identität, nämlich die der arabischen Komponente (insbesondere die der sunnitischen Muslime unter ihnen), widerspiegelt. Deren Identität als Mehrheit, mit den Identitäten der Minderheiten kollidiert, die sich ihrerseits ebenfalls im Aufbau befinden. Es bleibt die Tatsache, dass, um die historische Lücke zu füllen, die durch den Fall des letzten vereinigenden Osmanischen Reiches entstanden ist, das derzeitige Fehlen einer großen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Macht auf arabischer Seite unser historisches Gedächtnis stört, und sich negativ auf der syrischen Revolte zurückstrahlt.

Darüber hinaus verhindert es weitgehend die Bildung einer überzeugenden und neuen syrischen Identität im weiteren Sinne. Die Verantwortung bleibt jedoch bei den Syrern selbst, ihre eigene Identität zu definieren und die Mittel zu finden, um die historische Sackgasse zu überwinden, die durch den Widerspruch zwischen der Schaffung des syrischen Regionalstaates einerseits, und der Traum einer breiteren Arabischen Union, erstellt wurde. Ein Widerspruch, der seit einem Jahrhundert das syrische Gedächtnis, aber auch das kollektive arabische Gedächtnis lähmt.

– Dr. Ali El-Saleh

Leserbriefe zu „Geld und Ohnmacht” von Heinrich Wefing

Da freue ich mich auf einen Artikel zu den Neuerungen beim Urheberrecht, und dann stoße ich auf einen Beitrag, in dem es zwar auch ums Urheberrecht geht, in dem ich phasenweise aber vom Thema abkomme, weil der Autor zwischen sehr guter Sprache und einer der vielen Formen der sogenannten Gendersprache hin und her wechselt. Die Folge: Beim Lesen stockt der Fluss, ich muss Passagen zwei- oder dreimal lesen, um den Faden wieder aufzunehmen, die Gedanken schweifen ab, es ist nicht möglich, durchgehend am Thema dranzubleiben. Ich bitte Sie dringend, diesen sprachlichen Unsinn mit „Komponistinnen und Sängern“, „Künstlerinnen, Musiker, Fotografinnen“ oder plötzlich „Urheberinnen und Urhebern“ sein zu lassen.

Sie tun mir als Leser (all

genders

!) keinen Gefallen mit diesem Durcheinander. Ihre Leser (all

genders

!) sind nicht doof und sehr wohl in der Lage, sich unter Musikern, Künstlern, Fotografen und Urhebern alle Personen vorzustellen, die in diesen Genres tätig sind. Das funktioniert sogar besser, als wenn Sie Ihre Leser mit diesem Chaos von, ja, Erziehungssprache verwirren. Lassen Sie das bitte sein. Ich möchte in der ZEIT gute Artikel in durchgehend guter Sprache lesen und nicht das Gefühl vermittelt bekommen, Sie hielten es für erforderlich, Ihre Leser mittels Gendersprache auf den Pfad der Bewusstseins-Tugend zu bringen. Ich möchte, wenn es ums Urheberrecht geht,

von einem Autoren

der ZEIT nicht kollateral und etwas zwanghaft anmutend dahingehend belehrt werden, dass belebte Menschen in den vom Thema betroffenen Berufsgruppen unterschiedlichen Geschlechtern zugehörig sein können.

Das sind Binsen, die nicht der permanenten Betonung bedürfen. Ihre Leser (immer noch all

genders

!) entscheiden tunlichst selber, was sie denken und was sie sich vorstellen. Sie möchten ernst genommen und wie erwachsene Menschen behandelt werden. Daher: Bitte stellen Sie alle Marotten unverzüglich ein, Ihre Leser mit verschiedenen Formen der sogenannten gendergerechten Sprache, die im Kern vor allem eine schlechte Sprache ist, zu erziehen und schleichend zu manipulieren. Wir sind keine Versuchskaninchen (all

genders

), sondern Leser (all

genders

) – und möchten das auch gerne bleiben.

– Bernhard

Bomke

Meinungsfreiheit bedeutet das Recht auf freie Meinungsäußerung, deren Publikation ist NICHT durch die Verfassung garantiert und darf etwas kosten, z.B. die Pflicht zur – nach §11 des Hamburger Pressegesetzes UNGEPRÜFTEN – Gegendarstellung bei Reklamation. Facebook, Twitter et al. wären nur zu Recht eingehegt, wenn sie bei Reklamation von Falschmeldungen zum Gegen-POST an gleicher Stelle – also sichtbar für alle „

follower

“ – verpflichtet wären! Beim Urheberrecht könnte man die Hochladenden zu einer kleinen Urheberrechtsumlage verpflichten für den Fall, dass jemand sich als Urheber meldet und die publizierende Firma bis zum Beweis des Gegenteils Abgaben zahlen muss. In beiden Fällen wären die Maßnahmen nur fair, denn die genannten Medien belasten ja die Gesellschaft mit einem Schwall von unnötigen, weil leeren Konflikten durch Falschmeldungen und Provokationen, für die sie durch deren (teilweise anonyme!) Publikation Verantwortung mittragen. Sie tun das, um auf diese Weise Aufmerksamkeit für ihre Werbung zu stehlen (

attention

economy

), die sie sich dann auch noch satt bezahlen lassen.

– Dr. Dirk Bade

Herr

Wefing

stellte in seinem Artikel zurecht die Frage: „Ist es für die liberale Öffentlichkeit gesund, wenn global operierende Privatunternehmen darüber bestimmen, wer an zentraler Stelle den politischen Kurs übernimmt?“ Inhaltlich kann man den amerikanischen Präsidenten mit Recht kritisieren und doch ist der Fall Trump und Twitter beispielhaft für moderne mediale Zensur- und damit alles andere als liberal. Wenn Meinungsfreiheit nur überall dort aufrechterhalten wird, wo ihr Bruch sich nicht lohnt, und der gesellschaftliche Konsens sich ihrer erhalten kann, verliert sie maßgeblich an Bedeutung. Fragwürdig finde ich auch, wie aus dem Problem eines wachsenden Einflusses der Mediengiganten auf die politische Debatte die Einführung eines Uploadfilters gerechtfertigt werden soll.

Hier handelt es sich doch um den Einfluss der Politik auf den privat-kreativen Bereich. Die Auswirkungen jener Gesetze, über die nun im Deckmantel neuer Namen entschieden werden soll, benennt Herr

Wefing

bereits treffend. Auf der einen Seite stehen regelmäßig Millionen, die der Urheberindustrie durch die Lappen geht. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, dass der Filter Aussagen mitfrisst, die eigentlich von der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Im ersten, wie im zweiten Fall, sollte gelten, dass die Meinungsfreiheit am schwersten wiegt. Sie hat mehr Gewicht als die haltlosen Aussagen eines Präsidenten. Sie wiegt allerdings auch mehr als die Opportunitätskosten der Urheber.

– Till Kerkhoff

Der Autor schreibt über Künstlerinnen, Musiker, Fotografinnen, Schriftstellerinnen, Journalisten, Nutzerinnen und Texter, als ob das jeweils andere Geschlecht nicht betroffen wäre. Es fällt auf, dass gerade in Hamburger Elfenbeintürmen von Print- und Funkmedien der Genderwahn chic geworden ist. Aber meist, wenn man das auf sich wirken lässt, ist es nur noch albern. Vor allem, weil man es auch ganz konventionell ausdrücken könnte, wenn man wollte.

– Adrian Betz

Der Artikel stimmt mich sehr traurig. Nach all den Auseinandersetzungen, Demonstrationen und auch Leserbriefen, wird der wichtigste Punkt der Kritiker der Urheberrechtsreform, der Punkt, der ja eigentlich Auslöser für die großen Proteste war, noch nicht einmal erwähnt: die Upload-Filter. Hat die deutsche Regierung versprochen: sie wollte die deutsche Regelung ohne Upload-Filter auf den Weg bringen, und großzügige Fair-Use-Ausnahmen einräumen. Alles gelogen, eingeknickt gegenüber einer medienmächtigen Lobby – den Medien selbst. Wer wie die ZEIT gerne über die Lobby-Aktivitäten der US-Konzerne meckert, sollte auch zu den Lobby-Aktivitäten insbesondere der deutschen Verlage nicht schweigen. Die ZEIT war schon während der ganzen Debatte nicht wirklich journalistisch neutral, sondern eher meinungsmachend unterwegs.

So auch hier: wir gegen die bösen US-Konzerne, wir für die Corona-geplagten Kreativen. Ein netter Dreh, aber was bitte hat Corona mit Urheberrecht zu tun? Kommen die Upload-Filter wieder weg, sobald die Pandemie im Griff ist? Wer den Kreativen mehr Geld zukommen lassen will, sollte ihnen mehr Rechte am eigenen Werk lassen, und schlechte Vertragsbedingungen von Musikindustrie und Verlagen unterbinden. Genau das aber hat die Branche erfolgreich weg-lobbyiert. Und Sie schreiben ja selbst: „... dass am Ende gerade Lokalzeitungen überfordert werden“. Augen ein bisschen über den Tellerrand: nur die ganz großen Plattformen werden nicht überfordert sein, die anderen machen die großen US-Konzerne noch größer, wenn sie die Upload-Filter dort als Dienstleistung einkaufen müssen.

Hört sich nicht so an, als ob dabei die Meinungsvielfalt gewinnen wird. Letztlich muss Ihnen widersprechen: jetzt keine Reform wäre viel besser gewesen als dieser grobe Unfug. Und in den nächsten zwei Jahren nochmal sachlich und mit Sachverstand und vor allem mit Sachverständigen (also nicht mit Herrn Voss) eine Regelung diskutieren, dann könnte was Vernünftiges dabei rauskommen, ohne dass man gleich neue Katastrophen generiert.

– Matthias Ferdinand

Leserbriefe zu „Der 400-Milliarden-Euro-Jackpot” von Roman

Pletter

und Kolja

Rudzio

Die Wissenschaftler, die aus dem Verhalten von Lottogewinnern ableiten, dass Menschen nach dem Erben weniger arbeiten, machen es sich meines Erachtens zu einfach. Zunächst wäre hier zu klären, ob es nicht systematische soziologische Unterschiede zwischen dem Gros der Lottospieler und dem Gros der Erben gibt, die dazu führen, dass diese Gruppen tendenziell unterschiedlich mit plötzlichen Vermögenszuwächsen umgehen. Ich persönlich vermute, dass viele Menschen, die Lotto spielen, eher ein geringes Einkommen und Berufe haben, mit denen sie sich nicht stark identifizieren und die ihnen teils auch wenig Freude machen. Weiterhin vermute ich, dass viele Menschen, die etwas zu erben haben, gut ausgebildet sind und interessanten, gut bezahlten Tätigkeiten nachgehen, über die sie sich auch definieren. Wenn das zutrifft, ist die Schlussfolgerung der Wissenschaftler fragwürdig.

– Corinna Friesen

“Ma­xi­mi­li­an Stock­hau­sen vom ar­beit­ge­ber­na­hen In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft weist auf einen wei­te­ren Fak­tor hin: »Är­me­re be­kom­men klei­ne­re Erb­schaf­ten, aber im Ver­hält­nis zu ihrem ei­ge­nen Ver­mö­gen ist der Zu­wachs grö­ßer als bei den Rei­chen.« Des­halb ver­rin­ge­re sich der Ab­stand zwi­schen Arm und Reich. Man kann sich das wie bei einer Ge­halts­er­hö­hung vor­stel­len: Wer­den die un­te­ren Ein­kom­men um 20 Pro­zent er­höht und die obe­ren nur um 10 Pro­zent, holen die unten ein Stück­chen auf.” Ich rechne genau so schlicht und einfach nach, wie es dasteht: Als etwas kleineres Jahres-Einkommen setze ich 50

TEuro

an, und als höheres 150

TEuro

. Also hat der „Obere“ 100

TEuro

mehr. 20% Erhöhung unten ergibt 60

TEuro

, 10% oben 165

TEuro

. Jetzt hat der „Obere“ 105

TEuro

mehr. Und das nennt man dann „aufholen“?

– Ewald Fischer

enn

ein promovierter Volkswirtschaftler wie Herr Stockhausen solche Milchmädchenrechnungen aufmacht dann geschieht so etwas mit Absicht. Er hält die “normalen” Leute für dumm und unfähig in Prozentrechnung und will von Ungerechtigkeit der Versteuerung von Erbschaften und prozentualen Lohnerhöhungen ablenken. Erbt ein Mensch 50.000.-€ und besitzt vorher nur 5.000.-€ bekommt er 10x so viel... also 1000%, hat er vorher 500.000 €uro besessen, erhält er nur mickrige 10%, klingt echt hart im Vergleich ... der Abstand verringert sich übrigens auch nicht... 550.000 – 55.000 = 500.000 – 5000 = 495.000, verdient ein Arbeitnehmer 1000.-€ und erhält 20% (200€) und der andere verdient 4000.-€ und erhält 10% (400€) vergrößert sich der Abstand. Getreu dem Motto: Glaub keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast.

– Ralf Steinbrenner

Es ist bedauerlich, dass die Zeit des Öfteren ziemlich unkritisch die „Fakten“ von vorgeblichen

Ahnikern

übernimmt.

Maximilan

Stockhausen bemüht die Relativität der Prozentrechnung und kommt dabei zu recht kruden und falschen Ergebnissen. Wenn jemand der nur 1.000 € Rücklagen hat ein Erbe von 5.000 € antritt, hat er auf einmal ein „Vermögen“ das 6x so hoch ist oder 500% Steigerung. Wer 100.000 € besitzt und 20.000 € erbt erhöht seinen Besitz nur um läppische 20%.

Absolut gerechnet, nun ja, siehst Du selbst. Der Hammer ist allerdings, dass er folgert der Abstand zwischen Arm und Reich verringere sich dadurch ... siehe oben. Hier versucht ein Dummer Menschen zu verarschen die er für dümmer hält als sich selbst.

Oder er hat wirklich keine Ahnung, in diesem Fall empfehle ich die Mittelstufe zu wiederholen. Gleiches gilt für die Aussage zu Einkommenserhöhungen, kommt auf die Differenz zwischen „unterem“ und „oberen“ Einkommen an. Die übliche Praxis alle Einkommen um denselben Prozentsatz zu erhöhen führt zu einem wachsenden Abstand zwischen „unterem“ und „oberen“ Einkommen, ohne Berücksichtigung der Steuerprogression, heißt die Schere geht weiter auf. Ich frage mich immer ob die Gewerkschaften das noch nicht bemerkt haben oder es bewusst so handhaben. Bitte erst selber denken und dann zitieren.

– Robert

Wehowsky

Sie behaupten in Ihrem Artikel: Werden die unteren Einkommen um 20 Prozent erhöht und die oberen nur um 10 Prozent, holen die unten ein Stückchen auf. Machen wir die Probe: Ein Jahreseinkommen von 20.000 € wird um 20 Prozent gesteigert auf 24.000 € (Hilfsarbeiter). Ein Jahreseinkommen von 10.000.000 € wird um 10 Prozent gesteigert auf 11.000.000 € (Vorstandsvorsitzender). Aus dem 500fachen Unterschied wird ein 458,3facher Unterschied. Rechnerisch ist die ungleiche Verteilung jetzt geringer geworden. Doch ist der Gehaltsunterschied von 9.980.000 € auf 10.976.000 € gestiegen, wodurch nach Bestreitung der notwendigen Lebenshaltungskosten die Chancen zur Vermögensbildung in einem Fall gegen Null gehen und im anderen Fall mehrere Millionen € betragen. Der Unterschied zwischen Arm und Reich wird größer.

– Jürgen

Tägert

Leserbriefe zu „Reicht es für alle?” von Andrea Böhm und Mark Schieritz

Sehr aufschlussreich finde ich die Infografik. Hier wird offensichtlich, was ich bisher noch nirgendwo so deutlich gelesen habe: Die höchsten Impfquoten haben: Israel, die Vereinigten Arabischen Emirate, Gro0britannien und die USA. Was haben diese Staaten gemeinsam? Sie werden (USA wurden) regiert von Politikern, die in erster Linie um ihre Macht kämpfen und/ oder autoritär regiert werden. Im Vergleich zur übrigen Welt, steht Europa nicht schlecht da.

– Susanne Seidel

Der Blick auf die abgedruckte Weltkarte bestätigt das, was von Anfang an zu befürchten war, wenn nicht schnell genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen. Die reicheren Länder werden zuerst impfen, die ärmeren müssen warten – und dass trotz vieler anderslautender Beteuerungen gerade von westlichen Ländern. Nach Entwicklung der ersten Impfstoffe war überall die Hoffnung groß, dass die Impfungen nach Bereitstellung der Impfstoffe zügig vorangehen könnten. Von schwindelerregend hohen Mengen an Impfdosen war die Rede, die bei den Herstellern bestellt werden sollten bzw. waren (auch für die EU). Nun ist die Ernüchterung mindestens genauso groß wie die einstige Hoffnung auf schnelle Impfungen. Aber bestand nicht auch irgendwie immer das ungute Gefühl, dass solche immensen Impfstoffmengen nicht im Handumdrehen hergestellt werden können?

Noch sind die Impfstoffe so knapp, dass auch die EU-Staaten, die nicht zu den ärmeren Ländern zählen und jetzt um jede Impfstoffdose kämpfen, nicht zugunsten ärmerer Länder verzichten werden. Das ist verständlich/richtig und besonders in Deutschland ist der Bevölkerung kaum noch vermittelbar, dass der von

BioNTech

mit staatlicher Förderung entwickelte Impfstoff im Moment überwiegend woanders

verimpft

wird. Die Frustration ist groß. Trotzdem dürfen die ärmeren Länder nicht völlig ins Hintertreffen kommen und eine schnellstmögliche Lösung muss auch hier gefunden werden. Vor allem aus moralischen Gründen und richtig, auch aus medizinischer Sicht. Sonst besteht wirklich die Gefahr, dass das Virus uns alle mit Mutationen von hinten überholt. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Ich habe keine besonderen Einblicke in die Pharmaindustrie aber auch nie den Eindruck gehabt, dass sie am Hungertuch nagt. Es wäre natürlich ein unglaubliches Novum, wenn sie zumindest für einen begrenzten Zeitraum auf Patentschutz und die Produktionslizenzen verzichtet bzw. verzichten muss.

Aber wäre das nicht auch völlig angemessen angesichts einer solch globalen Katastrophe, die die Corona Pandemie verursacht und deren Folgen noch lange nicht absehbar sind? Insofern ist die Frage berechtigt, warum unter der Pandemie nicht alle Instrumente eingesetzt werden, um medizinische und technische Neuerungen so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen. Die Impfungen sind jetzt die einzige Möglichkeit, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die Pharmaindustrie nimmt damit eine Schlüsselposition ein und ich halte ihr ja gar nicht vor, dass sie Profite machen will, so wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch. Sie hat es in der Hand, ihr Handeln jetzt nicht nur nach Profiten zu orientieren, sondern auch nach der Verantwortung, die sie ohne Frage für alle Menschen mitträgt. Entgangene Profite können ausgeglichen werden und ganz nebenbei wäre hier die einzigartige Chance, das eigene Image aufzubessern.

– Regina Stock

Eigentum ist sicher eines der bedeutendsten Gesetze der Menschheit, nur übertroffen von dem Recht auf Leben (und selbst das sei relativ sagt Herr

Schäubele

). Also: Wenn einer ein Brot hat, muss er es nicht an andere verkaufen, wenn die nicht genug bezahlen (können). Wenn die aber dann am Verhungern sind muss er es herausrücken; gegebenenfalls auch umsonst. Wenn also Menschen ohne Impfung sterben müssen. Ganze Dörfer und Wälder zu enteignen damit Kohle abgebaut werden kann aber wenn’s um Menschenleben geht Bedenken zu haben ist grotesk. Dass sich diese Groteske hauptsächlich in liberal-konservativen Köpfen abspielt, wenn es um das Eigentum von Unternehmen geht ist bezeichnend. Die Praktikabilität steht auf einem anderen Blatt.

– Dieter Herrmann

Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel. Sie schreiben: “... aber Fuest argumentiert so: Die Pandemie reduziert die weltweite Wirtschaftsleistung pro Monat um rund 420 Milliarden Euro. Jede im Jahr 2021 zusätzlich gelieferte Impfdosis hätte also einen materiellen Wert von 1500 Euro.” Diese Passage empfinde ich aus zweierlei Gründen als irreführend: 1.Das Wort “also” suggeriert, dass es sich hier um eine vom Leser mithilfe der Angaben des Artikels leicht nachvollziehbare Rechnung handelt. Den Wert einer Dosis mit dem durch sie verhinderten wirtschaftlichen Schaden gleichzusetzen ist zwar zumindest als untere Schranke einleuchtend, braucht aber noch eine zusätzliche Information, die Ihr Artikel nicht gibt, nämlich die Anzahl der in diesem Jahr zu Impfenden.

Die gesamte Weltbevölkerung kann es jedenfalls nicht sein, denn wenn man die genannten 420 Milliarden Euro mit 12 multipliziert und durch die 7.8 Milliarden Menschen teilt, kommt man auf 646 Euro für jeden Geimpften, also 323 Euro pro Dosis bei zwei Dosen bis zur Immunität.

Impft man nur 60% der Weltbevölkerung (“Herdenimmunität”), kommt man auf 1077 Euro für jeden Geimpften und 538 Euro pro Dosis. In beiden Fällen ergeben sich also Werte, die zwar deutlich über 15 Euro liegen, von dem von Ihnen zitierten Wert von 1500 Euro jedoch stark abweichen. 2.Die Urheberschaft für das Argument wird nicht klargestellt. Sucht man in Google nach “Clemens Fuest Wert Impfdosis”, so findet man zwar auf der Seite des IFO-Instituts eine zweiseitigen Pressemitteilung von Fuest und Gros, die den von Ihnen zitierten Wert von 1500 Euro erwähnt; sie verweist dafür aber auf einen Artikel von

Ahuja

und anderen vom

Becker Friedman Institute

der Universität Chicago. (Auch dieser Artikel ist öffentlich einsehbar, verweist aber seinerseits für die Rechnung nebst Annahmen auf einen Online-Anhang. So einfach, wie Ihr Artikel suggeriert, scheint die Rechnung jedenfalls nicht zu sein!)

– Thomas von Schroeter

Leserbriefe zu „Die neue Macht der Stimme” von Alexander Cammann

Eine der wunderbarsten Erfindungen: Schrift und Druck, Voraussetzungen für Literatur und ihre enorme Verbreitungsmöglichkeit, liegt so vielen am Herzen.

Die Bibliothekar

*innen kämpfen um das Kulturgut Buch, die Leserschaft und Buchläden und Bibliothek und Büchereien, um die Vielfältigkeit der Verlage und ihr Angebot und die Selbstverständlichkeit ihrer Verbreitung durch die anderen Medien: Radio, Fernsehen und....“Die neue Macht der Stimme“ habe ich mit großer Aufmerksamkeit gelesen und auch anderes zu der Ausgabenpolitik von Sendern und die „Kürzungen“ für die Literatur. Jetzt, wo sich Eltern und Großeltern wieder hinsetzen und selbst lesen oder einer nächsten Generation vorlesen.

Da sind es dann noch die vertrauten Stimmen. Aber was macht eine Stimme mit der Literatur?

Wie einflussreich und beeinflussend kann eine Stimme, insbesondere eine geschulte Stimme sein? Auch hier ist Aufmerksamkeit erforderlich. Texte, von Schauspieler*innen vorgelesen, können überzeugender klingen als sie sind oder beim Lesen zu Hause. Stimmen können Vertrauen ausstrahlen und Texte übermitteln, denen man nicht trauen sollte. (beispielsweise Werbung). Es ist unglaublich schwer sich einer sympathischen Stimme zu entziehen, sie zu entlarven eventuell.

Dennoch möchte ich nicht auf die Stimmen der Literatur verzichten, egal ob sie lesen, darüber sprechen, nahebringen.

Die

öffentlich rechtlichen

haben einen Auftrag, den sollten sie ernst nehmen, denn dafür erhalten sie keine kleinen Summen. Und ich möchte auf die Sendungen im Radio nicht verzichten, die noch vielfältiger sind, als das Fernsehen. Theater – ohne Literatur? Film – ohne Literatur? Hörspiele – ohne Literatur? Lesen lernen – ohne Literatur? Ohne schriftliche Fixierung wären Manipulationen noch größeren Ausmaßes möglich, Verfälschungen von Wahrheit, von Gedanken(spielen), von Erkenntnisvermittlung....Danke für diesen guten Artikel.

– Gudrun Wilhelmy

Vielen Dank für Ihren Artikel, den ich mit sehr großem Interesse gelesen habe. Sie sprechen mir aus der Seele, und es hat mich gefreut, dass dieser Trend zum Sprechen, Labern und zu unüberlegten lauten Ergüssen auch von Ihnen und in anderen Branchen kritisch betrachtet wird. Denn in meiner Branche (Achtung: Werbebranche) klingt das gemeinsame Reden so schön nach starkem Teamplay und nach einer fluffigen Lösung, doch es eignet sich an vielen Stellen keineswegs – im Gegenteil: Es führt oft zu chaotischen Zuständen. Was Sie „die neue Lust am Sprechen“ nennen, erlebe ich oft als „die neue Lust am Faulsein“.

Denn viele Projektmanager verzichten neuerdings fast immer auf schriftliche Briefings mit fest definierten Zielen und gemeinsam vereinbarten Projektschritten. Ich vermute, diesen Personen erscheint es viel leichter und günstiger, ratzfatz das ganze Team zur Videokonferenz oder zum Call einzuladen. Nach dem Motto: „Wenn ich meine großartigen Gedanken mündlich über dem ganzen Team ausschütte, sind ja alle bestens versorgt und meine Ideen werden in großartiger Weise erblühen!“ Doch dieses Gießkannenprinzip hat noch nie funktioniert, wenn man ein konkretes Ziel verfolgt. Eine 60-minütige verbale Druckbetankung kann – je nach Qualität und Art des Gesagten – durch die Hörenden durchrauschen wie trübes Abwasser durch die Kanalisation.

Jedes Gehirn bekommt eine völlig andere Gesprächsdosis ab. Viel zielführender wäre ein auf die wichtigsten Punkte konzentriertes schriftliches Briefing: Es hätte eine Lesezeit von ca. 5 bis 10 Minuten, jeder sieht dieselben Buchstaben (sogar übermorgen noch), jeder kann sich daran orientieren, festhalten und sich später auch darauf berufen. Ich mag Gespräche, ich mag Videokonferenzen, ich schätze den direkten mündlichen Austausch sehr – aber wer ein Projekt effizient weiterbringen möchte, sollte aufhören, zu glauben, dass verbal geäußerte Ideen, Ziele oder Fakten beim Empfänger so ankommen, wie sie gemeint waren oder dass daraus gar großartige Ergebnisse entstehen. Keine Chance!

Gerade in komplexen Projekten sind mündliche Vereinbarungen einfach nicht ausreichend, denn es kommt ja immer erst am Ende heraus, was wer am Anfang mal gesagt oder gemeint hatte. Die reine Mündlichkeit führt hier nicht zum Siegeszug, sondern in die Sackgasse. Dann wird schnell der Rückwärtsgang eingelegt und der Startpunkt wird gesucht. Aber wo war der nochmal? Ich selbst zeichne seit einem halben Jahr fast jedes berufliche Gespräch auf und höre es mir – wenn’s sein muss – noch einmal möglichst im Schnelldurchlauf (also leider leicht bruchstückhaft) an und notiere mir selbst die Punkte, die ich allein für wichtig halte. Wenn das nun auch alle meine 10 fleißigen Gesprächskollegen machten, würde jeder seine eigene Sicht notieren und gemeinsam hätten wir rund 10-mal so viel Zeit verschwendet. Waaaaas, so viele Sichtweisen? Und so viel Zeit? Das war doch alles ganz anders gemeint!

– Yvonne

Straessner

Aufgrund der Beschäftigung mit einer Dokumentation des Gutenberg-Museums in Mainz wurde mir deutlich, dass es etwa 300 Jahre dauerte, bis sich aus über 20 mündlichen Sprachen in Deutschland die neuhochdeutsche Schriftsprache als Kommunikationsmittel

durchsetzte

. Wird unsere Sprache wieder in 20 mündliche Sprachen zerfallen und werden wir so ein „neues Latein“ zur zweifelsfreien Verständigung brauchen? Gilt Ovids Satz: „

tempora

mutantur, nos et mutantur in

illis

“ (Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen), oder gilt

Gorippus

These: „

tempura

permutas

,

nec

tu

mutaris

in

illis

“? (Die Zeiten änderst Du, aber Du änderst Dich nicht). Wir haben die Entscheidung. Noch ein Gedanke: Die Epoche der Schriftlichkeit war Verbindlichkeit und Formalismus, die Bilder-Epoche bedeutete Emotionen, Verlockungen, aber auch Manipulation. Die neue Epoche der Mündlichkeit bringt Flexibilität, Wahrscheinlichkeiten, Algorithmen und

Unverbindlichkeiten

. Da wir Fastnachtszeit haben, würde ein Büttenredner in Mainz vielleicht formulieren: „Ei, nagele mal en Pudding an die Wand.“

– Erwin

Kreim

Mit Bezug auf den guten alten Kapitalismus wäre neben der Flexibilität noch der Aspekt „Zeit“ zu erwähnen. Ging mit der schriftlichen elektronischen Kommunikation bereits eine enorme Beschleunigung des Austauschs einher, so forciert sich dieser Trend mit der wachsenden Mündlichkeit weiter. Der impulsgebende Inhalt kommt ohne Umweg und somit noch schneller in der Wirklichkeit an. So lassen sich in der unerschöpflichen Zeitdimension unerschöpfliche Gewinnmaximierungsmöglichkeiten erschließen. Der Siegeszug der Mündlichkeit korrespondiert mit der Befreiung der Kommunikation aus dem Gefangensein in der Schriftform. Denken und Sprechen werden eins, ebenso Hören und Verstehen.

Sprache wird frei vom Zwischenspeicher der geschriebenen Form. Ein großer emanzipatorischer Schritt: Lesen und Schreiben entfallen als Voraussetzung der Kommunikation. Diese Kulturtechniken verlieren ihren auch ausgrenzenden Charakter. Perspektivisch zeichnet sich entlang dieser Entwicklungslogik als letzter Schritt die Gedankenübertragung ab, der Wegfall der gesprochenen Sprache. Anfangs hatte ich den Eindruck, der Siegeszug der Mündlichkeit würde eher aus einer Bequemlichkeit heraus erwachsen und dem Bedürfnis, lässig und entspannt zu wirken. Während ich noch bemüht war, das empfangene Gesagte zu dokumentieren und nach Rückkopplung mit den Sendern als vollständige Aussage abzurunden, zeigte sich immer deutlicher, dass es überhaupt nicht mehr auf Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit ankommt.

Wichtig ist nur noch der

nach vorn gerichtete Impuls

.

Das Mündliche befreit sich von einengenden sprachlichen Komplexitäten, die vielleicht in der Schriftlichkeit noch wesentlich waren. Auch der Inhalt vereinfacht sich auf diesem Wege immer mehr. Ein großer emanzipatorischer Schritt: Der Inhalt wird voraussetzungslos und ist in seiner Schlichtheit jedem Menschen zugänglich. Perspektivisch wäre entlang dieser Entwicklungslogik der letzte Schritt der Wegfall des Inhalts, reiner Impuls, die Befreiung des Handelns von inhaltlichen Implikationen. Am Ende der Geschichte, als letzter Schritt, fallen Fortschritt und Rückschritt zusammen. Am Ende sind wir wieder am Anfang. Dann gilt das gebrochene Wort.

– Reinhard Koine

Leserbriefe zu „Markierte Zielpersonen” von Antonia Baum

Der Artikel zeigt meines Erachtens überzeugend, was bei der Gesetzgebung und Strafverfolgung

bezüglich Hass

und Hetze vor allem im Internet im Argen liegt: Wer – wie Frau Steinbach und Herr Meyer- nicht eindeutig direkt zu Gewalt bzw. generell zu ungesetzlichem Verhalten aufruft, sondern „nur“ hetzt und lügt, kann kaum strafrechtlich belangt werden, auch wenn völlig klar ist, dass ihre/seine Hetze und ihre/seine Lügen ungesetzliches Verhalten bis hin zum Mord zur Folge haben. Hier besteht hinsichtlich der Gesetze offensichtlich Verbesserungsbedarf. Sodann besteht Verbesserungsbedarf hinsichtlich der Regulierung der sogenannten sozialen Medien: Wer was posten darf oder nicht, sollten nicht Twitter oder Facebook allein entscheiden dürfen, sondern es sollte gesetzlich klar geregelt sein und für die Durchsetzung der Regeln bedarf es einer effektiven Regulierungsbehörde.

Die Polizei ist damit offensichtlich überfordert. Schließlich wundert es mich, dass so viele derer, die im Web herumpöbeln, Menschen beleidigen und bedrohen und manchmal eben auch tatsächlich angreifen und ermorden, also durchaus klare Straftaten begehen, straffrei davonkommen und dadurch ermutigt werden, weitere Straftaten zu begehen: Diese Straftäter*innen wohnen doch meistens nicht im Ausland, sondern in Deutschland, und ihre Identität lässt sich anhand der Spuren im Web relativ leicht klären oder ist den Behörden sogar schon längst bekannt. Warum werden sie so selten festgenommen, angeklagt und verurteilt? Gibt es so viele Rechtsradikale inzwischen nicht nur bei der FAZ und der WELT sowie in den Landtagen und im Bundestag, sondern auch bei der Polizei und in der Justiz, die die Straftäter*innen schützen? Zum Weiterlesen:

https://www.ulrich-willmes.de/politik-gegen-unvernunft.html

und

https://www.ulrich-willmes.de/populismus.html

und

https://www.ulrich-willmes.de/internetriesen-regulieren.html

– Ulrich Willmes

Ohne Unterstützung aus der Mitte der Gesellschaft wäre der Rechtsextremismus keine solch massive Bedrohung! Dieser rechte Hetzer Don Alphonso gibt die Zielpersonen (Frauen und Migranten mit vom Mainstream abweichenden Ansichten und Lebensgewohnheiten) zum Abschuss frei, natürlich ohne sich die Hände schmutzig zu machen. Es findet sich schon jemand, der die Opfer bedroht und einschüchtert bis hin zur Gewaltausübung und Vertreibung. Finanziert wird der Denunziant von der Springer-Presse, erschreckender Weise sogar protegiert als Jurymitglied des Medienpreises des Parlaments (welcher Hohn!) vom Bundestagspräsidenten. Weiß Schäuble, was er da tut? Danke Antonia Baum für die Courage, diese Machenschaften zu enthüllen. Hoffentlich landen Sie nicht als Nächste im Fadenkreuz!

– Wolfgang

Roiger

Ich bin einer der Follower von Don Alphonso und habe ihn auch hin und wieder retweetet. Er ist mitnichten ein großer Künstler, schreibt jedoch über für mich interessante Themen und hat dabei auch einen gewissen Unterhaltungswert. Ihnen ist bei Ihrer Recherche sicher nicht entgangen, dass ein sehr kleiner Teil der gesamten

Twittercommunity

sich täglich wechselseitig bis unter die Gürtellinie diffamiert. Die rechte Front läuft über Don Alphonso, Ben Brechtken und Anabel Schunke und links stehen Jasmina Kuhnke aka

quattromilf

oder Sixtus. Nun macht es keinen Sinn zu diskutieren wer von denen fünf nun der schlimmste, bösartigste, kindischste oder sonst-was-

ste

is

, da wir uns hierauf sowieso nicht einigen würden. Ein Whataboutism würde ebenso zu nichts führen.

Dennoch möchte ich anregen, dass gerade Kuhnke und Sixtus nun wirklich in Ausdruck und Form kein wirklich gutes Beispiel für „Opfer von Don Alphonso“ sind. Da wird in beide Richtungen scharf geschossen und in Ihrem Artikel hätte ich mir zu dieser Konfliktlinie zwischen „

Linkstwitter

“ und „

Rechtstwitter

“ doch mehr Inhalt gewünscht. Weiterhin zitieren Sie den

Volksverpetzer

und eine Untersuchung des von Ihnen genannten „Anti-Fake-News-Blog“. Über den

Volksverpetzer

kann man ein gesondertes Kapitel machen, soll hier aber nicht Thema sein. Allerdings stößt mir die Analyse sehr auf. Abgesehen davon, dass die vom

Volksverpetzer

erhobenen Daten (nach meiner Kenntnis) nicht veröffentlicht und damit nicht nachprüfbar sind, ergeben die Daten ohne weitere Erklärung keinen Sinn.

Der

Volksverpetzer

spricht selbst davon, dass 40% der Accounts aus der letzten Auswertung zwischenzeitlich gelöscht sind. Gerade in rechtsextremen Kreisen werden häufig Bots verwendet oder Fake Accounts. Es lässt sich aus der Aussage 40% Retweets von X, die auch Y retweetet haben überhaupt nicht aussagen, ob diese 40% Retweets von verschiedenen Personen sind und vor allem welche Reichweite dahintersteckt. Angenommen ein Tweet von Don Alphonso erreicht 100 Retweets und diese Retweets erreichen 100.000 Personen. Nun wäre es interessant zu ermitteln wie viele dieser 100.000 Personen über die 40% Retweets erreicht werden. Sind es 1.000, 2.000 oder nur 50? Die Anzahl an Retweets ist daher kein Kriterium für die Reichweite

des Original

und lässt ohne weitere Recherche/Untersuchung keine Schlussfolgerung nach der Art des

Volksverpetzers

zu.

Der

Volksverpetzer

hat sicher nicht gelogen, aber ein Teil der Wahrheit fehlt eben. Drittens möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Zustimmung durch Rechtsextreme keine Zustimmung für Rechtsextreme ist. Der Aussage „Sozialismus ist menschenverachtend“ stimmen sicher 10 von 10 AfD-Wählern zu, aber sicher auch 10 von 10 Wählern der FDP. Natürlich muss man sich bewusst sein wer die eigene

Followerschaft

ist und darauf achten was man schreibt. Es ist jedoch meines Erachtens unredlich jemanden vorzuhalten, dass seine Meinung auch bei rechtsextremer Zustimmung findet. Insgesamt impliziert Ihr Artikel jedoch, dass Don Alphonso dies absichtlich befeuert und insgeheim rechtsextremes Gedankengut propagiert.

Abschließend möchte ich festhalten, dass ich mit der Einseitigkeit Ihres Artikels nicht einverstanden bin. Die zitierte Untersuchung des

Volksverpetzers

ist meines Erachtens mindestens fahrlässig unvollständig und die von Ihnen „Zielpersonen“ genannten Personen bekleckern sich selbst nicht mit Ruhm (was keine Rechtfertigung für Drohungen ist). Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass Sie auf die generelle wechselseitige Diffamierung und Hetze auf Twitter tiefer eingehen und hier eine fundiertere Analyse vornehmen. So bleibt leider ein Artikel übrig, der eigentlich nur die Erzählung weiterträgt, die auf Twitter täglich stattfindet. Wir gegen die und umgekehrt. Oberflächlich und befriedigend für die eigene Echokammer, die uns aber nicht wirklich weiterbringt. Meines Erachtens eine vertane Chance.

– Georg

Wässa

Sie haben einen so mutigen und erhellenden Artikel geschrieben. Wunderbar. Ich gratuliere Ihnen. Ich hoffe sehr, dass sich Don Alphonso nicht Ihrer annimmt und damit die von ihm gefütterte Horde das erledigt, was er klammheimlich erwartet. Hoffentlich hat „Ihr Therapeut“ wieder für Sie Zeit – denn die werden Sie beide brauchen!

– Hans Bichler

Leserbriefe zu „Wir sollten Erbschaften infrage stellen”. Gespräch mit Jens Beckert geführt von Uwe Jean Heuser und Roman

Pletter

Im Artikel wird geschrieben, „Erben sei nicht zu vereinbaren mit einer Leistungsgesellschaft“. Da frage ich mich, wo denn diejenige

n waren, die so denken, als ich mit sechs Jahren lernen musste, von nun an meinen Eltern morgens und abends im Stall zu helfen, Kühe zu melken und auszumisten? Wo waren sie, als meine Geschwister und ich im Frühsommer Heu mähen mussten? Im Schwimmbad? Waren sie vielleicht am Gardasee im Urlaub, als ich in den Sommerferien Weizen ernten musste?

Oder im Skiwochenende im Bregenzerwald, als wir mit den Eltern jeden Samstag im eigenen Wald Brennholz machen mussten, weil wir Heizöl sparen wollten, damit mein Vater mit dem Gesparten Häuser für seine Kinder bauen konnte? Neben dem ganzen Hofbetrieb? Und nun will diese Gruppe von Urlaubern, die in Ihrer Jugend nicht das Geringste zur Leistungsgesellschaft beigetragen hat, zu unseren Ungunsten von dem partizipieren, was unsere Familie durch jahrzehntelangen Verzicht erarbeitet hat? Gott-sei-Dank war mein Vater nicht nur Landwirt, sondern auch clever in Steuerdingen und hat früh genug gehandelt, um das zu vermeiden.

– Andi Pfaff

Die Sinnhaftigkeit dieser gesamten Diskussion um das Thema „Erbe“ erschließt sich mir nicht. „Soziale Ungleichheit muss zurückgeführt werden können auf die unterschiedliche Leistung der Menschen.“ Spätestens bei diesem Satz wird es vollends absurd. Dieser Zustand wäre ja nur erreichbar, wenn den Eltern ihr Nachwuchs direkt nach der Geburt entrissen und staatlicher Obhut zugeführt würde. Nur das wären dann einheitliche Startbedingungen für alle (unterschiedliche genetische Dispositionen dabei schon wohlwollend ignorierend). Der Artikel vernachlässigt vollkommen, dass „Erbschaft“ im weitesten Sinne ja keineswegs nur materiell ist, sondern im Gegenteil zu großen Teilen auch aus Werten, Bildung und moralischen Codes besteht, die im weiteren Leben natürlich auch zu gänzlich unterschiedlichen Entwicklungen führen. Menschen sind nicht gleich, und sie lassen sich auch durch noch so abenteuerliche Konstrukte und Regeln nicht gleich machen.

– Jörg Schimmel

Mich stört es schon einige Zeit, dass in

ZEITonline

ständig sehr gut Verdienende berichten, wie reich sie sind und was sie mit dem überschüssigen Geld machen. Jetzt noch ein großer Abschnitt ERBEN in der ZEIT. Klar, es mag Menschen geben für die das interessant ist. Doch wie viele Deutsche haben schon ein gut gehendes Unternehmen zu vererben? Ich denke für die Normalverdiener und die Bezieher von kleinen Renten, ALGII etc. ist es viel interessanter Tipps zu bekommen wie sie sich mit wenig Geld auch mal was gönnen können. oder wie sie verhindern, dass die Inflation den Notgroschen auffrisst.

– Iman

Schwäbe

Leserbriefe zum Titelbild und Thema „Plötzlich Versager?” von Uwe Jean Heuser und Katharina Menne

Sie sind eine sehr gute Zeitung mit vielen lesenswerten Artikeln. Aber jetzt haben Sie sich einen Fauxpas der spaßigen Art geleistet. Im Titelbild geht es nicht mit rechten Dingen zu. Die fast abgerissene Kordel kann es nicht geben! Im oberen Teil verlaufen die Windungen von links oben nach rechts unten. Und im unteren Teil genau andersherum: von links unten nach rechts oben! Wie kann das sein? Wahrscheinlich wollen Sie die Intelligenz der ZEIT-Leser testen? Ich bleibe Ihnen treu. Versprochen.

– Matthias

Hammelsbeck

Ich muss ehrlich gestehen, ich musste kurz Schlucken, als ich diesen Titel auf der gedruckten Ausgabe las. Wie gewagt! Das hätte ich DIE ZEIT nie zugetraut. Und gleichzeitig sagte meine Verwunderung viel über mich als Leser aus, da ich von einer „Mainstream“ Wochenzeitung, solch einen Titel, mit den dazugehörigen sehr kritischen Artikeln, nicht zugetraut hätte. Ich hoffe der Titel wird den Finger in die Wunde stecken, so dass wir selbstkritisch das Gute, das Funktionierende der deutschen Gesellschaft wieder in den Vordergrund rücken können. Für alle Generationen gleichermaßen.

– Maarten

Vermeiren

Bei der gestrigen Podiumsdiskussion auf der Veranstaltung “Initiative Europe 2021′′ waren sich vier Chefredakteure großer Zeitungen, darunter Giovanni di Lorenzo, einig, dass es eines ausgewogenen, informativen Journalismus bedarf, um die Frage: “Die Spaltung der Gesellschaft: Sind Medien Teil des Problems, oder können sie bei einer Lösung helfen?” mit dem zweiten Halbsatz zu beantworten. Warum dann in Ihrer neuesten Ausgabe die reißerische Überschrift in großen Lettern, die eine negative Tendenz

assoziiert?:

PLÖTZLICH VERSAGER?

– Bärbel Kappe

Leserbriefe zu „Die gute Supermacht” von Josef Joffe

Ein Buch von einem Freund über einen Freund. Obendrein sind die beiden Männer überaus bekannte streitbare Persönlichkeiten der Weltpolitik und ihrer Nebenschauplätze; gewiss verbunden und verpflichtet auch durch manch gemeinsames Wissen und Geheimnis (das dieses Buch natürlich nicht offenbaren wird, so viel Amtseid und Charakterstärke muss/will dann doch sein). Selbst, wenn einer der Autoren nicht Gerhard Schröder und einer der in dem Buch „kritisierten“ Protagonisten nicht Wladimir Putin wäre, bliebe zu fragen, welcher seriöse Erkenntnisgewinn jenseits von Beziehungsgeflecht, Stolz und Vorurteil, mittels Zugriffes auf diese „letzte Chance“ zur Aufklärung über eine neue Weltordnung denn wohl verabreicht werden könnte. Im Ernst und unter uns

democratic

natives: Wollen die Herren Schöllgen und Schröder uns einreden, dass die globale Neuordnung, die supranationale Zusammenarbeit der Zukunft, nicht der Seil- und Machenschaften eines

putinistisch

geführten Russlands entbehren kann? Das wäre meines Erachtens nicht weniger als die (ideelle) Annullierung von Menschenwürde und Menschenrecht.

– Matthias Bartsch

Eine unterhaltsame Einlassung eines USA-Verstehers, Joffe, über einen

Rußland

-Versteher, Schröder. Zunächst ist Joffe in seiner inhaltlichen Kritik an

Schröder ́s

Buch zuzustimmen. Schröders inhaltliche Verirrungen in seinem Buch wiegen jedoch weit weniger schwer als seine Verfehlungen als Bundeskanzler a.D. In Schröders Umgang mit seinem abgegebenen Amt und in seinem Umgang mit Putin zeigen sich gar Parallelen zu Trump, wenngleich letzterer zweifellos Schurke und Betrüger durch und durch ist. Das ist der Bundeskanzler a.D. genauso zweifellos nicht. Trotzdem: Genauso wie Trump Schande über Amt und Nation gebracht hat, hat Schröder Amt und Nation nach seiner Amtszeit beschädigt. Beide, Trump und Schröder, haben Ihr Amt,

daß

sie dem Vertrauen der Bürger verdanken, benutzt, um ihren persönlichen Reichtum zu mehren, der eine, täglich, während seiner Amtszeit, der andere, nach seiner Amtszeit.

Auch sind Beide, Schröder und

Trump, Putin

auf den Leim gegangen und sind in gewisser Weise Diener von

Putin ́s

Gnaden. Der eine ist erst mit Putins kriminellen Machenschaften im US-Wahlkampf überhaupt ins Amt gekommen, der andere wurde nach seiner Amtszeit von Putin reich belohnt. Schröder beschädigt mit seinem Gebaren das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland. Einfache Bundeswehrsoldaten werden unehrenhaft entlassen, wenn Sie dem Ansehen der Bundesrepublik Schaden zufügen. Was haben nun der

Rußland

-Versteher und der USA-Versteher, Joffe,

gemeinsam ?

Dem einen, dem

Rußland

-Versteher, will es einfach nicht gelingen, eine angemessene kritische Distanz zu

Putin ́s

Ruland an den Tag zu legen.

Dem anderen, dem USA-Versteher, will es auch dieses Mal nicht gelingen, eine angemessen ausgewogene Haltung zu den USA zum Ausdruck zu bringen. Unwidersprochen sind zunächst die von Joffe genannten Verdienste der USA für den Aufbau, die Sicherheit und für die Wohlstandsentwicklung der BRD. Einer Klarstellung bedarf dahingehend

Joffe ́s

selektive Referenz auf das Zitat des französischen Botschafters

Turreau

: „Amerika erobert ohne Krieg“. Natürlich ist Herr Joffe, mit der Geschichte der Vereinigten Staaten bestens vertraut (anders als z.B. Trump). Daher kennt Joffe natürlich auch die abstoßende Seite der amerikanischen Geschichte: Gewalt, Vertreibung, Zerstörung, Brutalität, Sklaverei, Lynchjustiz, Rassendiskriminierung, Atombombenabwurf und massenhafter Kriegsführung bis in die jüngste Vergangenheit.

Und eine Verfassung, die das Land bis heute an den demokratischen und gesellschaftlichen Abgrund gebracht hat. Und natürlich stehen die USA auch stellvertretend für den Verfall der westlichen Werte, der westlichen Kultur und für die

unermeßliche

Spaltung der westlichen Gesellschaften. Auch ein großer Optimist würde heute vermutlich nicht

darauf setzen

,

daß

sich

Putin ́s

Despotismus oder

Amerika ́s

Gesellschaftsspaltung und

Amerika ́s

offensichtliche Verfassungsmängel in absehbarer Zeit überwinden lassen.

Rußland

-Versteher und USA-Versteher müssen also weiterhin kompensatorisch wirken und ihre Favoriten glänzen lassen – den bitteren Realitäten zum Trotz.

– Hans-Jörg Glaß

Bleiernes Schweigen. So ein Schroeder hält was aus. Schlimmer ist,

daß

auch wir ihn als immer noch öffentliche Figur anhalten müssen. Als Ex- Kanzler frisch aus dem Amt ausgeschieden, hatte er – gelegentlich noch – politisches Rückgrat bewiesen und Fortüne gehabt – im Rückblick. Was er seither tut und vor allen Dingen lässt, ist meistens peinlich. Mag sein, dass das auch Folge der in Deutschland grassierenden Altersarmut ist. Wer als Rentner dazuverdienen muss, darf nicht allzu zimperlich sein, mit sich nicht und vor allen Dingen nicht mit seinen Freunden. Das müssen wir dann aber auch nicht, oder? Wir dürfen z.B. fragen, was den

Aufstocker

in prekären Lebensverhältnissen veranlasst, zu allem zu schweigen, was sein Männerfreund Vladimir seit 15 Jahren so alles anzettelt.

Gut, im Berliner Tiergarten fielen nicht so viele tot um wie in der Ostukraine oder in Syrien. Staatsdoping geschenkt.

Hackerangriffe auf zahllose parlamentarische Demokratien, die kleine Rangelei mit Chodorkowski, längst vergessen. Und Nawalny mit seinen unappetitlichen nationalistischen Attitüden. Hat er es etwa anders verdient, als sich auf einem Inlandsflug von Tomsk nach Moskau am Eiersalat aus der Bordküche den Magen zu verderben. Wer je in Russland geflogen ist, weiß, wie schnell das passieren kann. Wann je hätte die Stimme eines Deutschen Politikers in Russland und gleichzeitig in der Weltöffentlichkeit mehr Gewicht gehabt, als

seine?!.

Selten war Schweigen so bleiern, so beschämend, so erbärmlich. Oder hat unser Politrentner nur verinnerlicht, dass Schweigen Gold ist und Reden in seinem Fall die Apanage kosten könnte? Nein nicht die, die das deutsche Staatsvolk ausgelobt hat, die bleibt ihm sowieso, aber die gasförmige, die wäre wohl verloren. Aber was an verlorener Würde und Ansehen, an Leib und Leben anderer womöglich gewonnen?!

– Wolfgang Meier-Rudolph

Leserbriefe zu „Hier stimmt aber auch gar nichts” von Sigrid Neudecker

Nein, tatsächlich, hier stimmt aber auch gar nichts. Frau Neudecker kauft ein Ferienhaus und beklagt zurecht, dass einer von zehn Feriengästen absurde Ansprüche stellt. Sie schließt daraus, dass „die Tendenz zum Motzen offenbar steigt.“ So weit, so nachvollziehbar. Ihr eigener Anspruch, ein Ferienhaus zu kaufen, das sich über die Vermietungen selbst abbezahlt, bleibt merkwürdig unhinterfragt. Und dass die Rechnung auf Grund von Reparaturen, Strom, Gas, Wasser, Abfallgebühren, Kosten für die Gärtnerin, Handwerker, Kosten für das Glasfasernetz und 20 Prozent für die Vermittlungsagentur geschmälert wird, kommt dann auch noch dazu. „Und dann muss man sich das, was unter dem Strich rauskommt, in manchen Jahren schon sehr schönrechnen“, erkennt sie. Es ist wohl wahr, die Tendenz zum unbegründeten Motzen steigt offenbar. Worin sich Frau Neudeckers Anspruchshaltung von denen der Feriengäste mit den absurden Ansprüchen unterscheidet, bleibt am Ende schleierhaft.

– Andreas

Kiesheyer

Danke für diesen „Ferienhaus-Vermietungs-Bericht“ – da fällt die Entscheidung wirklich leicht:

Wir kaufen keines.

– Elisabeth Mayer

Leserbriefe zu „Eine Mutter stirbt. Ihre Tochter wütet. Doch wogegen? Gegen das Virus, den Staat, den Tod?” von Thea Dorn

Die Briefe an Max will ich gleich nächste Woche öffnen, die Bestellung ist unterwegs. Es scheint das „zur Sprache zu bringen“ was viele Betroffene in unserem Land – durch COVID bedingt – beschäftigt. Lautes Klagen, ohne Schuld zu suchen, was meist ja nur den Sinn macht unabänderliches und Unfassbares für sich zu bewältigen. Den Zorn

über unbegreiflichen Missständen

und Fehler, die so menschlich sind, Raum im eigenen Denken und Fühlen zu geben aber auch zu „veröffentlichen“ Raum ist not-wendig.

Als Ersthelfer bei Fremden hatte ich, aber auch (sehr oft) im familiären Umfeld, Kontakt mit Rettungsdiensten und medizinischem Personal. Für meine diesbezügliche psychische Gestimmtheit konnte ich bis heute oft nicht die passenden Worte finden. Beim Lesen ihrer Zeile: „Horde durchgegangener Sanitätsnashörner“ sind mir Worte zugekommen, die ich bis heute noch nicht gekannt habe. Endlich konnte ich Erlebtes mit für mich zutreffende Worten benennen. Das hat mich aus der Einsamkeit des Erlebten erlöst und erleichtert. In diesem Sinne freue ich mich auf weitere erhellende und hilfreiche Worte in den Briefen an Max.

– Robert Gfrörer

Übergriffige Politik nach Tatenlosigkeit und blindem Aktionismus zum Nachteil von Kindern, Kranken, Alten, Sterbenden und Toten. Die beste aller Welten ist auf ganz lange Sicht wohl nicht mehr erreichbar. Die Seuche trifft auf politisches und menschliches Unvermögen. Empathie wird so immer nur ein Fremdwort bleiben und fällt dem Vergessen anheim. Schlussendlich: Am ersten Montag nach dem Ende der Coronazeit tanzen Angela Merkel und Jens Spahn einen Klammerblues auf dem Kurfürstendamm. (Frei nach Element

of

Crime)

– Felix

Bicker

Leserbriefe zu „Das Gesicht bemalt” von Andreas Bernard

Eines vorweg: Ich mag ihre Kolumne sehr! Ihre Impulse, Beobachtungen und Gedanken haben mich schon oft schmunzeln lassen oder zum Nachdenken gebracht. Auf den Inhalt Ihrer jüngst erschienen muss ich dennoch kritisch Rückmeldung geben. Ich denke, dass Sie vielleicht auch ein wenig erfreut sein werden, wollten Sie – so verstehe ich es zumindest – mit Ihrem Gedanken doch einen Austausch anstoßen.

Race

und Gender. Sie werfen zwei Sachverhalte zusammen, die zwar durchaus etwas gemein haben – allerdings nicht in der Weise, wie Sie es dargestellt haben. 1) Verkleiden und Blackfacing zu karnevalistischen oder theatralischen Zwecken für weiße Personen ist

vlt

als „Spaß“ oder „Nachahmung“ gedacht – und für privilegierte weiße Menschen auch nur eine temporäre Angelegenheit.

Ein vergnügliches Spiel, was das kurze Schlüpfen in eine andere „Rolle“ mit sich bringt. Ist das „Spiel“, der „Karneval“ vorbei, wird sich die Schminke abgewischt und das Leben als weißer privilegierter Mensch kann weitergehen. Indem weiße Menschen sich diese äußerlichen Attribute „aus Spaß“ aneignen, verharmlosen sie nicht nur die faktische jahrhundertelange Benachteiligung, die gewaltsame Versklavung und Vertreibung Tausender von Menschen – sie verhöhnen auch die tagtäglichen Nachteile und rassistischen Erfahrungen, die Schwarz-sein,

BIPoC

-Sein heute noch mit sich bringt. Denn das Verletzende daran ist: Schwarze Menschen und

BIPoC

können nicht aus ihrer Lebenswelt heraus, wortwörtlich: Sie können nicht aus ihrer Haut heraus. Sie können nicht einfach sagen „Die Verkleidung ist jetzt vorbei“ und sich die Schminke abwischen.

Schwarz zu sein,

BIPoC

zu sein, wahr jahrhundertelang ein Nachteil, ein Stempel der Minderwertigkeit in einem

hirarchischen

und unrechten System – und ist es heute immer noch. Daher ist es mehr als gerechtfertigt, dass Kinder lernen sollen: Verkleide dich nicht als „Indigene Person“; es gibt doch so viele andere Möglichkeiten: Feuerwehrleute; Astronaut*innen; Polizist*innen; Feen und andere Sagengestalten... Das hat auch nichts mit „Sich-hinein-versetzen“ zu tun, wie Sie anfangs zu bedenken geben. Niemand muss sich sein Gesicht schwarz anmalen um zu verstehen, dass Rassismus falsch ist. Das ist kein „Sich-hinein-versetzen“, das ist instrumentalisieren und belächeln – das ist „Nicht-ernst-nehmen“. Echtes Hineinversetzen gelingt durch aktives Zuhören. Und zwar denen, die davon betroffen sind und davon berichten – und dies ernst zu nehmen. Und nicht beleidigt sein, weil das eigene weiß-sein als Privileg geschildert wird. Denn das ist es!

2) Zitat: „Transsexualität“ (in beiden Varianten) und „Transhumanismus“ stehen für Verfahren der Selbstermächtigung, für den Triumph des individuellen Lebensglücks über die leidvoll erfahrenen Grenzen des Gegebenen. Zum einen: „Transsexualität“ ist der falsche Begriff. Dies ist die medizinische Fremdbezeichnung aus der Außenperspektive, die ursprünglich einen pathologischen Sachverhalt darstellen wollte. Darum lehnen Betroffene Personen diesen Begriff ab. Die korrekte Bezeichnung – weil eine Selbstbezeichnung! – ist Transidentität oder Transgender. Außerdem: Was meinen Sie mit „beide Varianten“? Es gibt nicht bloß „zwei Varianten“ von Trans-Sein aka Transmänner und Transfrauen.

Es gibt Transmänner mit Neophallus, menstruierende Transmänner mit

Vulvina

(Vulva + Vagina), Transmänner mit Brüsten; es gibt Transfrauen mit Hoden und Penis; Transfrauen mit Brüsten und Neo-

Vulvina

; es gibt auch Transpersonen mit den genannten körperlichen Attributen ohne, dass sie die Bezeichnung „(Trans)Männer/ Frauen“ bevorzugen. Dass Sie Transidentität als „Selbstermächtigung“ und „Triumph des individuellen Lebensglücks“ bezeichnen und somit die Geschlechtsidentität in eine Art hedonistische Ecke des persönlichen Lebensvollzugs stellen, ist mehr als verletzend für Transpersonen, die tagtäglich (ohne, vor, während oder nach ihrer Transition) um die gesellschaftliche Anerkennung ihrer geschlechtlichen Identität kämpfen müssen.

T

rans zu sein ist keine individuelle Entscheidung der Lebensführung, etwa wie ein Wohnort, ein Beruf oder ein Lebensziel. Fragen Sie Trans Personen dazu. Niemand hat sich das ausgesucht und niemand empfindet seine Transition als „Triumph“. Es ist vielmehr das notwendige Übel um in einem Cis sexistischen System akzeptiert zu werden. Trans zu sein ist ein Schicksal, konstruiert durch ein rein binäres,

cis

sexistisches System und eine schwere Bürde für jede Person, die davon betroffen ist. Immer noch. Leider.

Nun zu den Gemeinsamkeiten:

trans

gender

und Black/

BIPoC

race

repräsentieren also Menschen, die tagtäglich aufgrund ihres bloßen so-seins infrage gestellt oder benachteiligt, angefeindet, bedroht und in Gewalt verwickelt werden – und zwar von außen: durch weiße heteronormative

cis

Personen. Das System ist das Problem. Cis Sein und weiß Sein sind Privilegierte Positionen in einem noch immer bestehenden Machtgefüge. Wenn Sie sich tatsächlich und ernsthaft für diese Sachverhalte interessieren empfehle ich Ihnen zwei Bücher, die meine in aller Kürze o.g. angemerkten Punkte aus der Innenperspektive ausführlich erläutern und verständlich machen: „Trans. Frau. Sein.“ von

Felica

Ewert (kürzlich in der Neuauflage von 2020 erschienen) und „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice

Hasters

.

– Jasmin Mannschatz

Gerne lese ich eure Kolumnen. Regen mich immer sehr zum Nachdenken an. Allerdings schlägt die Letzte dermaßen über die Strenge und ich finde es sehr schade, dass sich niemand die Mühe gemacht hat, eine Gegenposition darzustellen. So steht sie doch sehr populistisch da. Die angeführten Beispiele sind weit vom Thema „kulturelle Aneignung“ ab und ich denke, hier hat jemand nicht ganz verstanden, was kulturelle Aneignung tatsächlich ist. Kulturelle Aneignung ist rassistisch und respektlos. Ein Machtgefälle zwischen den privilegierten Weißen und allen anderen Menschen, die eben nicht weiß sind. Das bedeutet, dass mal als weißer Privilegierter die Möglichkeit hat, sich ein bestimmtes Merkmal einer anderen Kultur anzueignen und es genauso wieder nach „Gusto“ ablegen kann. Das kann jemand, der tatsächlich Träger dieser Kultur ist, nicht. Dass man also aneignet, profitiert und wieder ablegt, ist Kulturelle Aneignung.

Und nicht das Wechseln eines Geschlechtes. Hier hat wohl jemand den Unterschied zwischen Kultur und Geschlecht nicht verstanden. Sich als „Indianer“ zu verkleiden ist deswegen nicht okay, weil man als weißer Privilegierter entscheidet: „das ist jetzt cool“. Dabei ist es gar nicht Teil der eigenen Kultur. Allein die Tatsache, dass man das Machtgefälle ausnutzt und die Entscheidung trifft, ist rassistisch. Jetzt der viel schwierigere Teil der Kolumne. Gender wird mit Kultur verglichen! WTF. Was habe ich denn da nicht verstanden? Emanzipation, die Freiheit zu nutzen, um sich in seinem eigenen Körper wohl zu fühlen, ist etwas völlig anderes, als sich an einer anderen Kultur zu bedienen und davon wiederum zu profitieren. Denn inwiefern wird in derselben Weise profitiert, wenn wir von einem Gender-Wechsel sprechen? In dem Angleich des Geschlechtes bzw. einer vermeidlichen „Gender-Debatte“ geht es grundsätzlich um was ganz anderes.

Kulturelle Aneignung ist also zunächst mal von Gender und den anderen angeführten Beispielen zu unterscheiden. Dann sind Beispiele eines Metzgers angeführt, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Oder sprechen wir auf einmal von Vorurteilen

gegenüber bestimmter Berufe

/Arbeitsgruppen oder „Klassen“? Ich habe gedacht es ginge um „kulturelle Aneignung“. Dabei handelt es sich doch bei den zuvor angeführten Gruppen ganz klar nicht um eine Kultur. Abschließend möchte ich gerne nochmal betonen, dass ich es sehr schade finde, dass sich niemand die Mühe gemacht, hier einen Kommentar zu verfassen. Die Kolumne sprüht einfach vor ungesundem Halbwissen. Damit der Leser aber ein komplettes Bild bekommt, hätte man dieses das ganz easy mit einem Kommentar dazu vervollständigen können. Und ein möglichst umfangreiches Bild zu geben, ist doch eigentlich das Ziel der „Zeit“, oder habe ich an dieser Stelle schon wieder etwas falsch verstanden?

– Larissa Maria Bittner

Leserbriefe zu „Er hat die falschen gejagt” von Ingo Malcher und Karsten Polke-Majewski

Der Wirecard-Skandal hat offengelegt, dass die größte deutsche Aufsichtsbehörde keinen „Biss“ hat. Die BaFin hat durch ihr Fehlverhalten, wie das Verbot von Leerverkäufen sowie die Klage gegen 2 Journalisten der Financial Times, die falschen Signale an Anleger und Kreditgeber ausgesendet und damit die Aufklärung dieses Skandals unnötigerweise verzögert. Auch wäre der KfW-Kredit an Wirecard in Höhe von € 100 Millionen möglicherweise dem Steuerzahler erspart geblieben. Ob ausgerechnet der Finanzminister, der die Verantwortung für diese „zahnlose“ Behörde seit 2016 trägt, nach mehr als einem halben Jahr seit Aufdeckung des Skandals die BaFin inhaltlich und personell neu auszurichten kann, erscheint mehr als fraglich. zumal ungeklärt ist, in wieweit Herr Scholz selbst in dieser Affäre verwickelt ist. Für diese Aufgabe sollte sich die Regierung ein unabhängiges Expertenteam leisten, auch damit das Vertrauen in den Finanzplatz Deutschland mittelfristig wieder hergestellt

wird.

– Jürgen

Rohlfshagen

Gratulation zu diesem Artikel. Mainstream deckt auf! Ist es nicht erschreckend, wie deutsche Behörden arbeiten? Muss man nicht die ganze Bafin dicht machen? Ich kann mich noch an eine Verkäuferin erinnern, die für einen

Getränkebon

im Wert von 1,40 Euro hat gehen müssen. Wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Systemrelevant kann diese Behörde nicht sein. Sorry, I

don ́t

speak

English. Satire kann es nicht besser machen. Das Ganze ist ein Trauerspiel, Versagen auf ganzer Linie. Früher wäre ein Herr Scholz dafür zurückgetreten! Gratulation auch an Herrn

Bayaz

,

Demasi

und

Toncar

. Grüne, Linke und FDP arbeiten zusammen, wer hätte das gedacht. Es geht, parteiübergreifend zusammen für eine gute Sache zu kämpfen. Für die Zukunft würde ich mir mehr junge Leute in führenden politischen Positionen wünschen. Warum nicht eine Koalition aus Grün, (SPD), FDP und Linken. Besetzt aber bitte nicht mit alten Säcken!

– Ulrike Diener

Leserbriefe zu „Lassen Sie mich durch, ich bin Chef” von Lisa Nienhaus

Die Drängelei und der Egoismus bei den Impfungen ist wieder mal ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die täglich mit Herzblut in medizinischen Berufen gegen die Pandemie kämpfen. Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die Überstunden und zusätzliche Dienste schieben, die sich selbst täglich der Gefahr aussetzen selbst an

Covid

zu erkranken und in der Angst leben nahe Angehörige zu infizieren. Auch bei uns im Krankenhaus wurde gleich am ersten Tag als Impfstoff verfügbar war nahezu die komplette Geschäftsführung und Chefärzte geimpft. Doch damit nicht genug. Auch Angehörige der Geschäftsführung, die keineswegs bei uns tätig sind haben Impfstoff erhalten. Auch diese Arme waren offensichtlich schneller da, als die des restlichen Krankenhauspersonals welches in einem Krankenhaus 24h anwesend ist.

Die Ausrede mit der „Zeitnot“ zählt hier nicht. Die Wege im Krankenhaus sind kurz. Die Bereitschaft sich impfen zu lassen ist hoch.

Man hätte ohne Probleme andere Personen impfen können, die weitaus mehr Patientenkontakt mit

Covid

-Positiven Patienten haben als Chefärzte und definitiv mehr Patientenkontakt als die Geschäftsführung und deren Angehörige (welcher faktisch nicht vorhanden ist). Auch bei uns im Krankenhaus herrscht wie überall Personalnot, vor allem in der Pflege. Häufig hört man von den ehemaligen Kollegen, dass ihnen die Wertschätzung fehle. Die Geschäftsführung sagte, sie verstehe nicht was damit gemeint sei. Auch wenn sich meines Erachtens an der Wertschätzung in Form von Löhnen deutlich etwas ändern muss, Wertschätzung kann auch durch das einfache Einhalten der Impfreihenfolge nach Priorität ausgedrückt werden. Indem man all diejenigen impft, die es verdient haben und nicht jene, die hinter ihrem Schreibtisch sitzen und an der Pandemie schon genug verdienen.

– Dr. med. Hanna Schmitz

Sie schreiben zur Gruppe mit hoher Priorität gehören u.a. „Menschen über 70, oder mit Organ Transplantation sowie Polizisten im Außendienst“. Es gehören aber auch Flüchtlinge in Heimen dazu, die obgleich sie meist zwischen 18 und 35 Jahren alt sind, kaum gefährdet also – somit vor Menschen geimpft werden, die mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Krebs schwer gefährdet sind und vor Erziehern, Lehrern, Supermarkt-Angestellten, die für uns alle ihr Leben riskieren. Kein anderes Land hat eine solche Priorisierung von (meist jungen) Flüchtlingen bei COVID -Impfungen zulasten von tatsächlich gefährdeten Menschen.

– Elisabeth Mayer

Leserbriefe zu „Tiefer geht es nicht” von Ricarda Richter

Sie lassen in der aktuellen ZEIT Bianka Bergler zu Wort kommen. Sie beschwert sich darüber, dass ihr nicht geholfen wird. Das tat sie auch bei FB, was Sie hier nachverfolgen können:

Facebook

oder ebenso unter

Bibi Haircutter – Ich bin verzweifelt Bitte!! Teilt es mit der Welt | Facebook

. Und wenn Sie dort reinhören, mögen Sie sich wundern, was diese Dame alles als verfickt bezeichnet und welche derben Worte sie in Richtung der Anträge und der Behörde verwendet. Vielleicht war die Dortmunder Mitarbeiterin nicht gerade glücklich, wenn sie mit solchen Ausdrücken konfrontiert wurde. Egal. Am Schluss des Artikels steht, dass das Dortmunder Jobcenter den Einzelfall nicht kommentieren wollte. Das darf das Jobcenter auch nicht!

Denn es müsste personenbezogene Daten herausgeben. Nur wenn die Betroffene, also Frau Bergler, das gestattet, geht es. Aber das wissen Sie genauestens. Deshalb eine Frage: Haben Sie Frau Bergler gebeten, dem Jobcenter zu erlauben, den Fall exakt so zu kommentieren, wie er vorgefallen ist. Hat Frau Bergler das Jobcenter von der Schweigepflicht entbunden, was natürlich schriftlich zu erfolgen hat? Nur wenn Sie diese Initiative ergriffen haben, kann ich diesen Artikel für seriös halten. Doch es gehört zur Seriosität, dies am Ende zu vermerken. Die derzeitige Formulierung ist das nicht.

– Martin Schlegel

„Das, wobei unsere Berechnungen versagen, nennen wir Zufall.“ (Albert Einstein, 1897-1955, deutscher Physiker) Bayerns Gesundheitsminister Klaus

Holetschek

(CSU) „glaubt“, dass die Friseure dabei sein könnten! Nächste Woche treffen sich wieder mit der Bundeskanzlerin, der große Zufallsgenerator wird dann entscheiden, ob sie mit dabei sind oder ob noch doch nicht so ganz, die Friseure! „Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau, geh

ma

Tauben vergiften im Park. Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau, geh

ma

Tauben vergiften im Park.“ (Georg Kreisler, 1922-2011, österr. Dichter, Sänger und Komponist) Nachhaltig: nur so groß, viel, dass zukünftige Entwicklungen nicht gefährdet sind; ganz salopp gesprochen! (Duden 27. Auflage 2017)

– Klaus P. Jaworek

Leserbriefe zu „Der Zweifel: Wie Geld glücklich macht” von Stefanie Kara

Es ist einleuchtend, dass Menschen mit einem höheren Jahreseinkommen mehr Glück verspüren, indem sie sich Sorgenfreiheit erkaufen. Gerade die aktuelle Corona Pandemie zeigt, dass in unserer Gesellschaft viele ein sorgenfreies Leben geradezu erwarten. Gleichzeitig seien die Fragen gestellt, ob dieser Zusammenhang nur unter den Rahmenbedingungen unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems möglich ist, und ob es für Gesellschaft und Ökologie vorteilhaft ist, wenn sich eine Minderheit der Weltbevölkerung das Privileg der Sorgenfreiheit erkaufen kann. Sorgenfreiheit geht schließlich auch damit einher, dass man sich in den Bereichen keine Gedanken mehr machen muss, in welchem einem die Sorgen abgenommen werden.

– Thomas

Poddey

Der von ihnen erwähnte Artikel von Matt

Killingsworth

ist leider höchst umstritten und irreführend. Ihre im Artikel dargestellten Schlüsse sind deswegen auch problematisch. Als Beispiel: Killingsworth zeigt nur Glück steigt mit dem log von Einkommen. Das bedeutet es steigt immer weniger und weniger je mehr man verdient. Mein Kollege Michael Plant hat auf Englisch auf Twitter mehr geschrieben.

– Karl

Overdick

Leserbriefe zu „Lebensgefährliche Ware” von Jens Jessen

Vielen Dank für Ihren Beitrag – ich habe mich sehr amüsiert, da ich auch oftmals mehr Freude an der „Kundenkorrespondenz“ habe als an den Beschreibungen der Hersteller. Mein absoluter Favorit ist aber bei „Kundenfragen und -antworten“: „...Ich habe zwar den Artikel noch nicht gekauft/ausprobiert, aber...“ Und hier noch eine kleine Stilblüte zu meinen letztlich gekauften Wollsocken: „leider musste ich sie zurückschicken, was aber nicht am Verkäufer lag (sehr schneller Versand-sehr zu empfehlen) sondern an meine Füße. In den Socken ist etwas zu viel Natur drin, will heißen das sie mich leicht kratzen. Da bin ich

seeeehr

empfindlich. So machen sie einen guten Eindruck, schön warm und gut verarbeitet.“

– Hilde Wecke

Produkt-Rezensionen im Internet zeigen, wie sich die getrennten Entitäten „Produkt“ und „Kunde“ auflösen und wie der sprachliche Ausdruck von individuellen Produkt-Wahrnehmungen und -Erfahrungen eine neue Welt mit erstaunlichen Eigenschaften schafft. Im Prozess der an subjektiven Kriterien orientierten Benutzung wird das Produkt subjektiviert, während der Kunde selbst objektiviert wird: Ein osmotischer Prozess in einem grundsätzlich

kriterienoffenen

Raum. Mit der Rezension entsteht eine neue wirkmächtige Entität, von der aus kaum mehr der Rückschluss auf den vermeintlich unverwechselbaren Kunden und das scheinbar einheitliche Produkt mit definierten Eigenschaften möglich ist.

Konfrontiert sich nun ein Rezipient mit derartigen Rezensionen, die in der Summe ein Panoptikum von unübersehbaren Eigenschaften bilden, so findet dieser sich in einem eigenen Kosmos wieder, der nichts mehr mit dem ursprünglichen Produkt zu tun hat, z.B. Wagenheber oder Kabelbinder. Die Summe der unübersehbaren Eigenschaften bildet kein Ganzes mehr, das mehr wäre, als die Summe ebendieser einzelnen Eigenschaften. Die Summe ist rein zufällig und jederzeit beliebig ergänzbar. Wo der Rezipient nun diese Summe oder eine subjektive Auswahl in sich aufnimmt, entsteht in ihm wieder eine neue Welt, die noch weiter vom ursprünglichen Ausgangspunkt entfernt ist.

Schein und Wirklichkeit fallen immer weiter auseinander, so dass sie letztendlich schon fast wieder eins sind, verschiedene Aspekte einer Welt in unendlicher Vielfalt, in der niemand mehr Konsens sucht. Es gibt Menschen, die auf der Suche nach einem Produkt im Internet untergehen, nie wieder auftauchen, und wenn doch, dann als tiefgreifend veränderte – vielleicht sogar verstörte – Wesen. Das Internet ist eine tückische Veränderungsmaschine, ein lebensgefährlicher Ort für den heutigen Kampf ums Dasein. Wie Jens Jessen zeigt, ist es nicht mehr der Säbelzahntiger, der uns auflauert, sondern z.B. der gemeine Scherenwagenheber. Ironie hilft, um Distanz zu wahren und sich vorläufig in die scheinbar sichere Wirklichkeit zu retten.

– Reinhard Koine

Leserbrief zu „Fast hätte er regiert” von Martin Machowecz

„Von Mehrheiten und Minderheiten wird mehr verlangt, als zählen zu können. Die Minderheit muss der Mehrheit das Recht zur Entscheidung zugestehen. Die Mehrheit hat beim Umgang mit diesem Recht die Pflicht, sich in der offenen Suche nach Wahrheit besonders zu engagieren. Sie muss ihre Entscheidung auf Grundsätze stützen, die von allen eingesehen und als legitim empfunden werden können. Die Entscheidungen müssen zumutbar sein. Keiner soll sich durch sie in seiner Existenz bedroht oder ausgebürgert fühlen.“ Richard von Weizsäcker (1920-2015), deutscher Politiker (CDU), 6. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland (Antrittsrede bei seiner Vereidigung im Deutschen Bundestag in Bonn, 1. Juli 1984)

– Klaus P. Jaworek

Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber nicht die demokratische Wahl von Thomas Kemmerich zum thüringischen Ministerpräsidenten war ein Skandal, sondern die Art und Weise, wie er abgelöst wurde. Bis dahin war es nahezu undenkbar, dass ein deutscher Regierungschef aus dem Ausland Einfluss auf die deutsche Innenpolitik nimmt. Wer andere Länder für Bananenrepubliken hält, sollte in Zukunft schweigen.

– Rolf

Schikorr

Leserbrief zu „Sie sagt Sie sagt”. Gespräch mit Patricia und Sandra geführt von Sarah Levy

Vielen Dank für das gefühlvolle Interview. Diese beiden Frauen sind wunderbare und wertvolle Menschen. Vielen Dank für ihren Mut ihre Welt mit uns zu teilen und ihre Ausdauer gegen alle Zweifel an zu kämpfen! Sie helfen unsere Welt freier, menschlicher und reicher zu machen. Unsere Jugend braucht Vorbilder wie Sie um ihren eigenen Weg ins Glück zu finden und hoffen zu können!

– Klaus

Siersch

Leserbrief zu „Die Lust der Sterne” von Anna Mayr

„Handlungsanweisungen, für die ich selbst keine Verantwortung tragen muss“ – Das mag bequem sein oder zumindest erscheinen. Doch wir tragen immer (!) die Verantwortung für unser Handeln. Da führt kein Weg heraus. „Befehl ist Befehl“ ist eine „faule, lapidare Ausrede“, wie ein Freund von mir sagen würde. Und kann, wie jede Dummheit, sehr gefährlich werden. Daher hoffe ich, dass es sich bei dem Text um eine Glosse o. ä. handelt und er nicht ernst gemeint ist.

– Iman

Schwäbe

Leserbrief zu „Sorgenkinder” von Jeannette Otto und Johanna Schoener

Vielen Dank für diesen guten Artikel. Auch in anderen Medien wird nun endlich häufiger thematisiert, welche negativen Auswirkungen der Lockdown auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen hat. In diesem Zusammenhang würde ich mir wünschen, dass auch in qualifizierter Weise über das Versagen unserer Familienministerin Franziska Giffey berichtet wird. Es wäre ihre Rolle in der Bundesregierung sich dafür einzusetzen, dass Kinder und Jugendliche auch systemrelevant sind. Stattdessen schließt sie sich immer mit Verweis auf die hohen Infektions- und Todesfallzahlen den Beschlüssen zu Kita- und Schulschließungen an, ohne selbst kreative Lösungen einzubringen. Während der ganzen bisherigen Pandemie ist Franziska Giffey in der Öffentlichkeit als Familienministerin quasi unsichtbar. Vermutlich möchte sie ihre politische Zukunft nicht gefährden und verhält sich deshalb immer strategisch korrekt.

– Iris

Bronstein

Leserbrief zu „Die Kuh soll im Stall bleiben” von Samiha Shafy

In dem Beitrag vermisse ich den Hinweis auf die von René Levy und Thomas Held im Auftrag der Schweizerischen UNESCO-Kommission durchgeführte Studie über die „Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft. Eine soziologische Analyse am Beispiel der Schweiz“ (Stuttgart 1974) Diese Studie hatte damals in der Schweiz im Kontext des Frauenwahlrechts eine hohe Resonanz. Als junger Soziologiestudent auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung bin ich 1978 René Levy begegnet, der mir u.a. den Begriff „Gender“ erklärte. Schließlich habe ich einen Teil des umfangreichen Datenmaterials diese Frauenstudie zur Grundlage meiner Diplom-Arbeit gemacht.

Diese sehr differenzierte und anspruchsvolle Studie von Levy/Held ist in Deutschland kaum bekannt, als ginge es nur um regionale Probleme der Schweiz. Dabei könnte sie gerade in der aktuellen Diskussion über Gender daran erinnern, dass „nur von Genderdifferenzen zu sprechen und nicht mehr von Ungleichheiten, Machtgefällen und Diskriminierung, obwohl Differenzen Ungleichheiten verhärten und zugleich verdecken, (darauf) hinaus (liefe), einem ideologischen Vexierspiel auf den Leim zu kriechen.“ (Levy)

http://claudiahonegger.ch/wp-content/uploads/2014/12/R.-Levy_Von-der-Materialbasis-zum-angemessenen-Konzept.-Ein-Weg-mit-Stolpersteinen.pdf

– Manfred Mai

Leserbrief zu „Auge in Auge” von Mariam Lau und Michael Thumann

Endlich ein Politiker, der den üblichen

Politikersprech

verlässt. Armin Laschet wird damit in die Geschichte eingehen. Es ist völlig kontraproduktiv ständig über die Länder den Stab zu brechen, die eine andere Politik auf ihre Fahnen geschrieben haben. Wenn ich mein/unser Land erlebe, dann kann man auch an einer Demokratie zweifeln.

– Gunter Knauer

Leserbrief zu „Spuren einer wilden Jagd” von Stefan Schmitt

Ein Satz in Ihrem Artikel könnte zu der falschen Annahme verleiten, das organische Material in Saurierknochen wären mit der C-14 Methode bestimmbar. Nach meinem Wissen sind die Saurier vor ca. 60 Millionen Jahren ausgestorben, die C-14 Methode ist aber nur für die letzten 50 -60 000 Jahre nutzbar.

– Edgar Marx

Leserbrief zu „Verunreinigtes Blut” von Mathias Berek

Der Artikel stellt die Verbindung von Antisemitismus und Impfgegnerschaft im 19. u. 20. Jahrhundert gut dar, aber ein grundsätzliches Argument gegen Impfungen bleibt dabei unerwähnt,

dass

z.B. Wilhelm Daniel Triller schon 1766 in seinem Lehrgedicht gegen die Pockenimpfung sehr deutlich gemacht hat: Bei der Impfung wird ein vermutlich gesunder Mensch verletzt oder gar infiziert. Mir selbst war noch ein staatlich anerkanntes Opfer der Pockenschutzimpfpflicht bekannt. Ich bin weder Impfgegner noch Antisemit, aber die Diskussion über Impfungen sollte das fundamentale moralische Problem nicht außer Acht lassen, dass möglicherweise ein gesunder Mensch gesundheitliche Schäden zugunsten der Allgemeinheit trägt, selbst wenn dieses

Altruismusproblem

auch andere Bereiche des Lebens betrifft.

– Dr. Wolfgang

Breidert

Leserbrief zu „Der Joker geht von Bord” von Lars Weissbrod

Ich ärgere mich über den Artikel „der Joker geht von Bord“ aus der aktuellen ZEIT. Darin werden die Kleinanlegerinnen, die am

short

squeeze

und dem Anlagecoup gegen den Hedgefonds Melvin Capital beteiligt waren, völlig unterschlagen. Es ist ja eine schöne Geschichte, dass sich nun die

Banes

gegen die Joker dieser Welt durchsetzen. Aber es ist schade, dass bei der Beschreibung dieses kleinen Sieges Frauen nur als Netzfeministinnen auftauchen. Ich bin eine junge Frau, die sich gerade zunehmend für den Aktienmarkt und das Geschehen im Investmentkosmos interessiert und habe darum mit Spannung den Fall um den amerikanischen Elektronikkonzern

Gamestop

verfolgt.

Ich fühlte mich ermutigt eine große Entwicklung beeinflussen zu können. Dadurch, dass in dem Artikel nur von männlichen Anlegern gesprochen wird, hat sich das geändert und ich fühle mich nicht länger beteiligt. Es sind natürlich Kleinigkeiten. Aber ich würde mich freuen, wenn in Zukunft auf solche Details mehr geachtet wird. Es lesen nicht nur Männer diese Zeitung und nicht über

Inklusivität

nachzudenken ist nicht mehr zeitgemäß.

– Anna Temel

Leserbrief zu „Feiger Rückzug der Hormone”. Gespräch mit Ulrich Tukur geführt von Peter Kümmel

Der sehr anregende Artikel von Peter Kümmel über Ulrich Tukur stellt Dietrich Bonhoeffer und Kurt

Gerstein

als tiefreligiöse Menschen gegenüber: den Theologen und den SS-Mann, „der Zyklon B in die deutschen Vernichtungslager lieferte

“ ;

das erscheint paradox und könnte Anlass sein zu einem eigenen Artikel mit Ulrich Tukur über die beiden, wobei ein Rückgriff auf die

Gerstein

-Artikel im 24-bändigen Brockhaus genommen werden könnte. Als 9-jähriger war ich auf der Flucht kurz vor

Kriegsende

im KZ Oranienburg konfrontiert mit handtellergroßen Dosen, die die Aufschrift G I F T trugen. Sicher war das kein Zyklon B und lag im Keller gestapelt herum wie Dosen mit Schuh-Fett. Danach ging die Flucht weiter auf einem Holzvergaser der Wehrmacht, der unter uns auf der Ladefläche noch Munition für den „Westwall“ transportierte und uns zur Kasseler Großmutter bringen sollte.

– Dietrich Bauer

Leserbrief zu „Die Leute wurden zu Haien” von Heike Buchter

Weitergelesen und mich weiter geärgert.

Gamestop

war keine

Dumb

Money Aktion, im Gegenteil hat die

Crowd

eine Lücke erkannt und genutzt. Das kann bei mittelgroßen Titeln jederzeit wiederholt werden. Momentan schießt man sich ja auf Silber ein, mal sehen was passiert, wenn die

Wallstreetbets

physische Auslieferung verlangen und Nichts da ist. Die entscheidende Manipulation ist Ihnen anscheinend entgangen, die Aktion konnte nur durch ein Foul gestoppt werden indem z.B. bei

Robinhood

Gamestop

nicht mehr gekauft werden konnte und der Kurs dadurch zwangsläufig fiel. Big Money ändert mal eben die Regeln, wenn es gegen sie läuft, ich hoffe dafür gehen einige in den Knast oder in die Insolvenz. Ist das „nur“ Schlamperei bei der Zeit oder berichten Sie bevorzugt was in Ihr Weltbild passt? Die Märkte werden manipuliert, jeder weiß es aber niemand tut was, siehe auch Goldpreis. Die Wut auf Wirtschaft und Politik, die Hand in Hand ihr Spiel spielen, wächst und wird mMn bald zu gesellschaftlichen Problemen führen.

– Robert

Wehowsky

Leserbrief zu

„War

Hitler doch ein Betriebsunfall?” von Heinrich August Winkler

Der viel zu oft missdeutete Umstand der Folge eines so eindeutig deutsche Kultur- und Besitz -verdrängenden Versailler Vertrags konnte, wie schon

S.Freud

andeutete, nicht ohne Folgen bleiben (USA hätte in die streitenden Parteien nicht eingreifen dürfen, um u.a. nach Präsident Wilson, Land und Völker so zu verschieben wie sich das die Kriegsgewinner vorstellten). Nicht die diktatorische Untertan-Gemeinschaft der Deutschen erzeugte zunehmende Revanchebestrebungen, sondern Land-, Volk-, Kulturverdrängungen, einschließlich Kolonien, wiederholte Besetzung und Reparationsforderungen.

Nach dem Muster eines Mussolini-faschismus in Italien kam in den Auf- u. Ab-Wirren der Weimarer Republik der uralte Prügelknabe-Mechanismus, „Antisemitismus“-Enzym zum Tragen, um statt ein Außen-Feindbild wie England oder Frankreich ein allgemein akzeptiertes Innen-Feindbild zu fördern, um dadurch eine

Agressionskraft

nach außen anzustacheln...um auch diese -auch nach S. Freud- als Abwehr-Verdrängungs-Mechanismus zu deuten.

Für das Ausmaß der Holocaustverbrechen gibt es keine Entschuldigung, aber wie z.B. der Amerikaner

N.Mailer

zum Ausdruck brachte: wird genügend „erdrückt“, so kann jeder zum Mörder werden oder z.B. wie die US-

Milgramstudie

beweist, unter ähnlichen bedrängenden Umständen lassen sich die meisten Menschen zu (wenn auch nur theoretisch) Grausamkeiten führen. Fazit: Hitler kann eher als „Betriebsunfall“ deutscher Kultur als eine „Rote Faden-Essenz“ angesehen werden, ähnlich wie Juden nicht hinterhältig waren, so Deutsche nicht bösartiger, was hier in einer Kultur-

Typologiestudie

über offene und gedeckte Aggression bewiesen werden kann.

Prof.Dr

.

K.J.Netter

Leserbrief zu „Einstweilen alles Liebe! Dein Erich” von Alexander Cammann

In einem Briefwechsel zwischen Erich Fried und Michael Kühnen ( über 30 Jahre jünger als Fried) lesen Thomas Wagner und anscheinend auch Sie etwas für sie beide sehr Verstörendes. Nämlich, dass zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein können, miteinander in ein Gespräch kommen. Der Ältere sieht in Kühnen nicht nur einen gewalttätigen Neo-

Nazi

sondern auch einen Menschen, der durch Deprivation so geworden ist, wie er ist. Er versucht aus Menschlichkeit, Empathie ja „väterlichem Mitgefühl“ das Unmögliche, das zum Scheitern verurteilte. Dies weckt in mir als Leser einen großen Respekt vor Erich Fried, dass er sich so um Verständigung bemüht. Ich frage mich nur, was Thomas Wagner a n diesem Briefwechsel so Angst macht und ihn zu solchen Abwertungen verleitet.

Merken Sie und der Autor nicht, wie er mit den gleichen Mitteln arbeitet, die er den Neo-Nazis vorwirft. Er stellt sich über die Andersdenkenden, spricht ihnen das Mensch-Sein ab („das braune Gegenüber“) und wertet einen hochgeschätzten Autor ab. (

Zitat:...

“dessen so unerschöpfliche wie ästhetisch recht limitierte poetische Produktion“) Noch schlimmer wird es, als Wagner dem Dichter einen Wahn andichtet, ihn als krank

stigmatisiert :

(Zitat: „Es ist, was es ist – der furchterregend blinde Wahn eines berühmten linken Dichters.“) Wagner befreit sich damit von der Herausforderung, sich mit diesem utopischen menschlichen Verhalten von Fried inhaltlich auseinander setzen zu müssen.

Wagner macht nichts anderes, als die Neo-Nazis und heute die AFD. Aber er fühlt sich anscheinend moralisch überlegen. Das ist das gefährliche an diesen Zeilen (ich beziehe mich nur auf Ihre Besprechung, das Buch selbst habe ich nicht gelesen.) In diesen schwierigen Zeiten, wäre eine gewisse Selbst- Reflexion von Vorteil, die danach fragt, was einzelne Männer an diesem Briefwechsel so verängstigt und verärgert? Was hat es mit der eigenen Sozialisation zu tun. Was an inneren Erleben muss hier abgewehrt und nach außen projiziert werden? Der Autor wird aus meiner Sicht Erich Fried und dem Geschehen zwischen diesen beiden Männern nicht gerecht. Schade!

– Horst-Uwe Scheck

Leserbriefe zu den Modefotos im ZEIT Magazin

Man fragt sich beim, sich meist elitär gebenden ZEIT-MAGAZIN einmal mehr: „Was soll das?“ Ab Seite 36 „Immer in Bewegung“ fotografieren Sie angeblich Personen in „geschmeidigen Kleidern“. Zu erkennen sind verschwommene Schatten, die angeblichen Beschreibungen dazu eine Zumutung. Des Weiteren beschwere ich mich über Ihre „Lebensgeschichten“. Wir haben sie meist als erstes im Familienkreis mit viel Freude am Fantasieren und meist mit erfolgreichem Entdecken gelesen, ganz früher mit Hilfe diverser

Brockhausbände

, nun natürlich nur noch mit Internet. Meine Bildung ist durchaus überdurchschnittlich, aber es macht keinen Spaß mehr, wenn Sie

zu oft seltene Persönlichkeiten

wie z.B. irgendwelche Fußballer suchen lassen.

– Dr. Claus Richter-

Haffelder

Zeit

Magazin,immer

in Bewegung! Bei solchen

Beiträgen,speziell

dieser

Fotostrecke,frage

ich mich immer ob mein Kunstverständnis gleich Null

ist,oder

ob es vielleicht keine

Kunst

sondern Werbung für die Modedesigner

ist.Wobei

das auch vollkommen legitim

wäre

wenn man die Kleidungsstücke denn erkennen

könnte.Wenn

es nur um die Fotografie ginge wäre das durchaus

verständlich,aber

warum muss man dann die Namen der Modefirmen

dazuschreiben?Vielleicht

ist es auch nur

zuviel

gedacht und man soll einfach nur durchblättern.

– Lotte Gindorf

Trotz Lockdown, oder gerade deswegen haben wir keine großen Aufregungen in unserem Leben zu verzeichnen. oder jetzt doch?!...Seit einiger Zeit muss ich feststellen, wenn im

Zeitmagazin

Modefotos präsentiert werden, diese überhaupt nicht dazu beitragen, das Gezeigte zu verstehen, geschweige denn uns animieren sollen zu kaufen, weil man nur ahnen kann, was gemeint ist und nur nach der Beschreibung ungefähr weiß, was denn gemeint sei. Welcher Chefredakteur/in oder Artdirector/in lässt so etwas durchgehen? Und nun sehe ich heute ältere Tänzer/innen mit unscharfen Bildern in unscharfen Klamotten. Was bezwecken Sie damit? Uns Leser/innen zu verärgern? Mein Leben ist um ein lächerliches Ärgernis dadurch wieder reicher geworden...

– Erich

K.Russig

Ich habe mich in letzter Zeit schon oft über die Gestaltung des Zeitmagazins gewundert, um nicht zu sagen geärgert. Aber nun schlägt es dem Fass buchstäblich den Boden aus. Was sollen diese vielen überdimensional großen Bilder, die den Eindruck erwecken, als hätte ein Fotolehrling Probleme mit dem Entwicklerbad gehabt. Die Tänzer tun mir leid und wenn ich das Model Paloma Elsässer wäre, würde ich vielleicht meinen Anwalt bemühen.

– Günther Stadtmüller

„Große Gedanken brauchen Platz“ schreiben Sie als Werbeslogan... Bitte, die großen Gedanken suche ich mit vielen anderen schon seit längerem. Und ich bin sicher, man muss nicht nach NY fliegen, um sie zu finden. Auf der ersten Seite Ihres Magazins wirbt ein fülliges Model mit dem Aufruf: Es lebe die Revolution! Heißt das, Ihre Gedanken zu Revolution ranken sich um essgestörte Models? Warum bringen Sie dann in der Werbung genau die Erschaffer und Nutznießer dieses Schönheitsideals? Die doppelseitige Werbung von Vuitton lässt mich endgültig an Ihrem Geschmack und Ihrem ethischen Bewusstsein zweifeln: Ein kleiner Junge steht mit Gepäck am Meer ein Schelm, wer da nicht an die Flüchtlingsdramen denkt aber nein, das Leserpublikum, an das Sie sich offensichtlich wenden möchten, hat andere Träume.

Überhaupt missfällt mir entschieden, dass ein Viertel Ihres Magazins mit Werbung ausgefüllt ist und diese wirbt um Produkte, die uns alle nicht im Entferntesten interessieren – und wenn einer von Ihnen tatsächlich so sehr von einer Tasche von Vuitton träumen sollte, dann soll er sich doch damit belohnen, wenn er sich’s leisten kann aber uns andere nicht damit behelligen. Ich

muss

meiner Empörung Luft machen und appelliere an Ihre potentielle Kreativität! Wir brauchen wirklich andere „große Gedanken“, andere Träume – ich hoffe jedenfalls sehr, die Mehrheit Ihrer Leser träumt von etwas anderem und lässt sich nicht durch zudringliche Werbekampagnen wie die in Ihrem Magazin davon ablenken. Ich wünsche Ihnen etwas mehr Mut – nein, viel mehr Mut zum selber denken.

– Doris Theodora Fischer

Leserbriefe zur Deutschlandkarte: „

Süssigkeiten

essen” von Matthias Stolz und Infografik von 1kilo im ZEIT Magazin

Ich kenne aus meiner südnassauischen Heimat nur das Wort „schnuggeln“, das mir so vertraut war, dass mir erst in später Kindheit bewusstwurde, dass es dafür das hochsprachliche Wort „naschen“ gab. „

Schnuggeln

“ taucht in Ihrer Grafik überhaupt nicht auf.

– Stefan G. Wolf

Nur den Bruchteil einer Sekunde hat es gedauert bis mir ein, auf Ihrer Karte fehlender Begriff, für das Naschen einfiel. Snopen ist mir seit meiner Kindheit ein vertrautes Wort, denn meine Mutter stammt aus Hamburg-Finkenwerder und ihre „Muttersprache“ ist Finkwarder Platt. Somit ist widerlegt, dass alle sprachlichen Varianten mit sch-beginnen. Tut mir leid 😃

– Svea Hinrichsen

Es fehlt noch das Verb „

schluchen

.“ Dieser Begriff wird im Siegerland verwendet. Meine Oma hatte einen sogenannten Wundertopf mit einer kleinen Auswahl

Schluch

in der Speisekammer deponiert, und gerne griffen meine Schwester und ich zu. Bei jedem Besuch gab es die Frage: Oma, hast du noch etwas zu

schluchen

?

– Luisa Judt

Leserbrief zu „Da draußen” von Heike Faller im ZEIT Magazin

Ich kann mich über die letzten Jahre hin an keinen Artikel erinnern, der in der Sache so grob daneben lag wie der Ihre. Eine der großen Ursachen des globalen Artensterbens, der größten erdsystemischen Krisen der Gegenwart, wird als etwas Positives geschildert – mutmaßlich um bestimmte politische

Denkrichtigungen

zu unterstützen. Das ist fahrlässige Falschinformation. Die rasante Verschleppung von Tierarten über den gesamten Globus hat nicht das Geringste zu tun mit der erdhistorischen natürlichen Migration von Tieren. Alleine Ratten, Katzen & Co haben unzählige Tierarten ausgerottet. Eingeschleppte Tiere haben alleine in Neuseeland die Vielfalt der Landvögel um mindestens 40% reduziert.

Eine einzige verschleppte Schlangenart brachte das Vogelzwitschern auf der Insel Guam zum Verstummen. In Mecklenburg-Vorpommern wurden Wälder vom Hubschrauber aus mit Gift besprüht, um einen letztlich hoffnungslosen Kampf gegen eingeschleppte Schädlinge zu versuchen. In Deutschland sterben derzeit die Eschen. In Auenwiesen hat das Springkraut längst die heimische Flora verdrängt. Der amerikanische Flusskrebs hat den einheimischen Flusskrebs praktisch vollständig vertrieben. Unzählige, für sich genommen

jewels

kleine Beispiele, summieren sich zu einem traurigen Bild. Ich empfehle Ihnen das Buch „

Extinctions

in

the

holocene

„, eine Sammlung von laientauglichen wissenschaftlichen Aufsätzen, um ein erstes Gefühl vom Ausmaß der Misere zu bekommen. Der Superkontinent Pangäa war artenarm, da es wenig Hürden gab, die die Durchmischung von Tierarten verhinderten.

Nach dem Auseinanderbrechen der Kontinente entstand die Vielfalt der Dinosaurier und im Gefolge die Vielfalt der Säugetiere. Die jetzige massenhafte Verschleppung restituiert eine Art funktionelles Pangäa. Das Artensterben der Gegenwart wird ohne entschiedenes Gegensteuern absehbar eine Dimension erreichen, die den bisherigen 5 großen Massensterben der Erdgeschichte ebenbürtig ist. Die Verschleppung von Arten spielt dabei eine gewichtige Rolle. Ich kenne Frau Sonia Shah nicht. In Wikipedia wird sie als Menschenrechtsaktivistin geschildert. Es drängt sich mit Wucht der Verdacht aus, dass hier höchstproblematische Prozesse der globalen Ökologie in rosarote Farbe getunkt werden, um politische Ansinnen zu unterstützen. Dieses Mal wirkliche

Fake-news

. Sie müssen in der nächsten Ausgabe eine Korrektur veröffentlichen. Derart grob-falsche Schlagzeilen dürfen in einem renommierten Blatt wie der ZEIT keinen Platz haben.

– Dr. Christian Voll

Leserbrief zu „Zeit für Geständnisse” von Antonia Baum im ZEIT Magazin

Vielen Dank für die launige Kolumne. Es ist beruhigend, zu wissen, dass man nicht die Einzige ist, die so fühlt.

– Susanne Spethmann

Leserbrief zu „Über Corona-Müdigkeit und eine kluge alte New Yorkerin” von Harald Martenstein im ZEIT Magazin

Danke, dass Sie uns jede Woche aufs Neue mit Ihrer Kolumne erfreuen. Sie enthält stets viel Nachdenkliches und

Nachdenkenswertes

. Nur muss ich Ihnen in dieser Woche widersprechen, wenn Sie ausgerechnet, nein, nicht ausgerechnet, sondern vielmehr voreilig, die Eisbären als Kronzeugen für Ihre Wintermüdigkeit benennen: Im Gegensatz zu allen anredeten Bärenarten halten Eisbären k e i n e n Winterschlaf, da der Winter für sie optimale Bedingungen zur Robbenjagd bietet. Nur trächtige Eisbärinnen ziehen sich ab Oktober/ November bis März in Geburtshöhlen zurück, um dort den neu geworfenen Jungtieren einen möglichst großen Schutz zu bieten. Aber auch diese Eisbärinnen Haken keinen Winters c h l a f.

Soviel

Wissenswertes zum Eisbäreben, das Sie hoffentlich erbaut und ermutigt, auch in „Corona-Zeiten“ nicht zu ermüden – nicht, dass Sie den Abgabetermin für Ihre nächste Kolumne „

ver

(

winter

)schlafen“. Sie würden uns nämlich sehr fehlen!

– Peter-Georg Kriener

Leserbrief zu „Er selbst war ein ganz anderer” von Jean-Martin Büttner in der Regionalausgabe ZEIT Österreich

Wie schön es doch ist, Herrn Büttner in der ZEIT wiederzufinden. Und dann in dieser Qualität und erst noch als Hommage an Glauser. In vieler Hinsicht ein großartiger Artikel. – Es lebe das Schweizer Hochdeutsch. Ich freue mich auf weitere Beiträge.

– Isabelle Wanner