17 de diciembre de 2020 - Edición 53 - Blog de lectores - Tiempo

Leserbriefe zu „Hat sie die Lösung?” von Malte Henk / Mitarbeit: Mariam Lau

Der Artikel hat mir sehr gefallen und ist wirklich

gut geschrieben

. Glückwunsch an den Redakteur und die Redakteurin. Trotzdem habe ich einen Einwurf, eine Nebensache, die den Kern des Dossiers nicht berührt, aber die mich als (Molekular)Biologen dann doch umtreibt. In der erweiterten Einleitung des Artikels wird vom „Streifenproblem der Zebras“ gesprochen und die Bedeutung, die

dieses Metaphern

artige komplexe Beispiel für die Entwicklung der Physikerin Viola

Priesemann

hatte. Um es kurz zu machen: die differentielle, sich gegenseitig beeinflussende Genexpression in den Hautregionen der Tiere

– zweifellos

notwendig für die schwarzen und weißen Streifen der Zebras – ist die direkte molekulare und biochemische Grundlage und Erklärung des Phänomens.

Das lässt aber einen zentralen Aspekt außer Acht: wie haben sich die Streifen evolutionär durchgesetzt. Hier hilft tatsächlich nur der darwinsche Begriff der Selektion weiter, den man nicht außen vorlassen darf (von Dirk Steffens für ein breites Publikum in Terra X „Sternstunden der Evolution“ anschaulich erklärt). Bitte fassen Sie dies nicht als Belehrung auf, ich gehe davon aus, dass sowohl Frau Viola

Priesemann

und auch

die Redakteur

*innen diesen Zusammenhang kennen. Er hätte nur kurz benannt werden müssen um die Streifen in ihrem Werden durch die Evolution zu erklären. Sonst wirken diese wie Manna vom Himmel gefallen.

– PD Dr. Dietmar von der

Ahe

Die Erkenntnisse sind ja nicht neu: Jedem mit klarem Blick auf die Situation war das schon im Frühling klar. Deshalb habe ich auch keinerlei Verständnis für die Politiker, die im Sommer die Zügel haben schleifen lassen, statt den niedrigen Infektionsstand für entscheidende Maßnahmen gegen das Virus zu nutzen. Traurig, dass Frau

Priesemann

trotz ihrer Argumente und Beweise so wenig erreicht.

– Iman

Schwäbe

Frau

Priesemann

durchdringt die komplexesten Systeme und dringt in der Politik kaum durch. Kein Wunder – zwei Sphären: Die Wissenschaft, die mit Hilfe von mathematischen Modellierungen die Welt zu erfassen sucht, um wahrheitsfähige Aussagen her- und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Politik, die mittels Macht die Welt und ihre Parameter real bestimmt. Sie stehen sich dialektisch gegenüber: Wissen und Macht, wissenschaftlicher Wahrheitsanspruch und politischer Geltungsanspruch. Politik, auch wenn sie Wert auf Berechenbarkeit legt, behält sich vor, in den wissenschaftlichen Modellen nicht mitzuspielen. Politik ist ein selbstreferenzielles System, das wie kein anderes vom Widerspruch zwischen konkurrierenden Geltungsansprüchen lebt.

Bestenfalls öffnet sich dieses System in Krisen wie einer Pandemie für die beratende Wissenschaft. Merkel gelingt dies, Trump nicht. Wichtig ist aber auch, dass die Wissenschaft von sich aus aktiv in der Politik mitspielt und am Widerspruch partizipiert: z.B. über Brückenköpfe, über institutionelle Macht. Wahrheit liegt in der Politik immer irgendwo dazwischen: viele Kipppunkte, für den Einstieg der Wissenschaft in das System.

– Reinhard Koine

Im Dossier pflegen Sie den Autoren ordentlich Platz zu

geben-und

das ist auch gut so. Auch kann ich verstehen, dass die Darstellung der Arbeit einer Forscherin komplexer Systeme für ein allgemeineres Publikum nicht den Ansprüchen eines wissenschaftlichen Interesses wirklich genügen kann. Auch Aspekte der Unterhaltung über Kleidung, Streifen an Zebras usw., der

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dass man einen Artikel in Science hat und so, gehören wohl zum heutigen Gerede einfach dazu. Aber zwischen den Zeilen möchte ich dann doch etwas genauer über die Sache informiert werden, und da mag es sein, dass die Modellrechnungen eine zweite Welle einigermaßen korrekt voraussagen und dass die Mediziner im

allgemeinen

zu ungebildet sind und die

Eitelkeit wegen

der Quantität der Fernsehminuten, der möglichen

Bundesverdienstkreuze etc.

, wissenschaftliche Kommunikation im multidisziplinären Umfeld der wechselseitigen Idiotie in Bezug auf die anderen Fächer es schwierig macht.

Aber dann hätte ich doch gern genau gewusst wie (wenigstens im Ergebnis) die Ergebnisse der Modellrechnungen in Bezug auf welche Normen Ausmaß und Zeitpunkt des Lockdowns bestimmt haben. Und da ist mir in der Konsequenz auch überhaupt nicht klar warum es nun in der

Impfpriorisierung

, für welche solche Modellrechnungen immerhin einen nachweisbaren praktischen Zweck haben könnte (der nicht über das Bauchgefühl der Kanzlerin mit wissenschaftlichen Reminiszenzen vermittelt werden muss), nämlich wie es mit der merkwürdigen Priorisierung beim Impfendem Alter nach linear herunter ist. Ist diese Priorisierung eine unabhängige

Norm

weil es eine Korrelation von Alter und Erkrankungsrisiko gibt? Systemisch gesehen ist genau umgekehrte Priorisierung für die Minimisierung des Gesamtschadens ziemlich sicher besser – vielleicht sogar am Ende für die Ganz Alten.

Wenn sie auf einen Graphen mit Knotenverzweigungen abbilden wobei die Knotenverzweigungszahl die Kontaktfreudigkeit von Personen wiedergibt, dann müssten sie um den ganzen Graphen möglichst schnell ‚grün einzufärben‘ möglichst schnell gerade die jungen Bevölkerungsgruppen impfen, die dann durch ihre ‚gesunde Freiheit‘ auch den Älteren Gutes tun können, anstatt als latente Träger die Infektionen zu verbreiten, was sie sofort

tun

wenn der teure Lockdown wieder aufgehoben ist. Was hier gemacht wird, ist, dass der äußere Kranz des Graphen grün eingefärbt wird während sich das Problem der Rotfärbung von innen durch die Teilnehmer ausbreitet, die im Umfeld der unzureichenden Testung und durch die

Asymptomatik

selbst im Lockdown beim Einkaufen und privat (weil sie jung sind und es psychisch nicht aushalten) das Problem verschärfen.

Es ist als müssten mit Autos die Straßen einer Stadt grün eingefärbt werden, und sie lassen die Autos erst einmal in alle Sackgassen der

Stad

fahren, während es aus den vielfahrenden Autos auf den Hauptstraßen die rote Suppe rausläuft. Modellskepsis hin oder her, hier würde auch ein bisschen systemisches Denken mit gesundem Menschenverstand reichen. Schlagen Sie vor die Priorisierung des Impfens bzgl. des Alters genau umzukehren. Das wäre auch eine Nachricht fürs Dossier gewesen.

– Jörg Kampen

Die Rolle von Physikern wie Viola

Priesemann

und Modellierer wird völlig überbewertet. Ich habe ihre Thesen bei Lanz gehört, es erinnert mich ein

bißchen

an die Gleichung 1 Ei = 6 min., 10 Eier = 60 min. Es wird seitens der

WissenschaftlerInnnen

viel gerechnet und angedroht – alles aus Sicht irgendwelcher Theoretiker und begnadeter Selbstdarsteller aus Unis und Instituten. Die PRAXIS einer „einfachen“ Ärztin z.B. in Tübingen zeigt aber, dass gesunder Menschenverstand hier viel mehr bewirkt als alle Fernsehauftritte unserer hoch bezahlten WissenschaftlerInnen. Es wird natürlich nie mathematisch – wissenschaftlich zu erklären und im Voraus zu berechnen sein, weshalb die Inzidenzen in Deutschland -bei gleichen Grundbedingungen- zwischen 50 und 550 oder mehr schwanken und weshalb alte Menschen in Heimen so stark gefährdet sind. Die Politik sollte künftig viel mehr auf Leute aus der Praxis hören, die Budgets sollten von den Instituten zugunsten des Pflegepersonals kräftig umgeschichtet werden. Übrigens: Wo bleibt unser Hamburger Impfstoff?

– Jürgen

Gauer

Das sind Artikel, die uns bestätigen, dass wir mit dem jahrzehntelangen Abo der Zeit richtig liegen. Sie haben einen sachlichen, aber ergreifenden und auch herausfordernden Beitrag geliefert. Herzlichen Dank, auch von meiner Tochter.

– Christian Koch

Wie ist die Antwort auf die Frage? In einem langen Dossier schildern Sie eine tolle junge Frau mit einem Team, das versucht, der Voraussage der Entwicklung der Pandemie mit Hilfe der Mathematik nahe zu kommen.

Daß

sie damit Probleme hat, es der Politik zu vermitteln, die eine ganz andere Sprache spricht, ist nicht neu. Ein

bißchen

mehr von den Ergebnissen könnte man in einem derart langen Artikel erwarten.

– Dr. Walter Engel

Sehr herzlichen Dank für Ihren hervorragenden Artikel zu Frau

Priesemann

! Er ist spannend, lehrreich, konkret, persönlich und zeigt so gut, wie Wissenschaft arbeitet und wo die Schwierigkeiten des Transfers liegen. Jede Wissenschaftlerin und jeder Wissenschaftler wird Ihnen dies danken – ziemlich unabhängig vom Fach. Großartig!

– Ute Clement

Beim Lesen dieses Artikels packt mich das kalte Grausen. „Hat Sie die Lösung“? Wofür denn, bitteschön? Für das medizinische Problem einer Epidemie, die auf dem besten Wege ist, hinsichtlich der Impact-Raten die Dimension der Pest im 14. Jahrhundert zu erreichen? Und was wird uns hier als „die Lösung“ präsentiert? Mathematische Modellierungen, die als Kernaussage nichts weiter liefern als es der gesunde Menschenverstand ohnehin täte, und deren Differentialgleichungen jeder Physiker mit Ende des dritten Studienjahres (Entschuldigung, bin selbst habilitierter Physiker und, na ja, in der DDR waren wir halt im 3. Jahr

soweit

) lösen

kann! Zusammengefasst lautet die Erkenntnis etwa so: Ansteckung findet nicht statt, wenn man sich nicht anstecken kann (begrifflich verbrämt als „Kontaktreduktion“). Toll, für 8000€ im Monat.

Sind wir hier im Kaspertheater, oder ist der Anspruch an Wissenschaft in Deutschland tatsächlich schon so weit gesunken? Und was sind solche Modelle aktuell überhaupt wert? Fast nichts, denn sie benutzen (haben) keine verlässlichen Eingangsdaten, sie modellieren ein Übertragungsgeschehen,

das

epidemiologisch immer noch viele Rätsel enthält, und sie können bisher nicht erklären, warum ähnliche Maßnahmen in verschiedenen Ländern nicht zu ähnlichen Ergebnisse führen. Man nehme nur den Vergleich Japan-Deutschland. Derartiges sollte jeden Wissenschaftler davon abhalten, vorschnell Heureka! zu rufen. Der Irrtum ist manchmal nur eine Studie weit entfernt, und es hilft dann nichts, wenn die eigene, ggf. widerlegte Erkenntnis vorher in Science erschienen war. Wir sollten uns endlich eingestehen, dass wir für Vorhersagen immer noch viel zu wenig wissen.

Und jeder, der mit Differentialgleichungen höherer Ordnung (Grundlage aller Ausbreitungs-Modellierungen) nur ein

bißchen

vertraut ist, weiß auch, dass ihre Lösungen je nach Parametersatz grundsätzlich verschiedenen Charakter haben können, ja dass es sogar Aufspaltungen, Mehrfachlösungen, sogenannte Bifurkationen geben kann. Jede Vorhersage wird zum

Roulett

. Dass das reale Geschehen dramatisch von Intention und Prognose abweichen kann, kennt man aus der Finanzwirtschaft. Dort sind „

Ansteckungs

„-Ketten keine Unbekannten, und Modelle mit Vorhersagen, die nicht eingetroffen sind, gab es immer reichlich. Deutschland hat einen grundlegend falschen Ansatz gewählt: Statt schnellstmöglich eine trittfeste Datenbasis als Ausgangspunkt für Vorhersagen und politische Maßnahmen zu schaffen, haben wir uns monatelang in Datenschutzargumenten und Freiheitsdiskussionen verrannt und uns überheblich im Demokratie-Überlegenheitswahn gegenüber anderen Herangehensweisen, z.B. in Asien, gesuhlt.

Dass die Politik monatelang gelähmt im Dunkeln tappt, wäre in einem wirtschaftlich so leistungsfähigen Land wie Deutschland nicht nötig gewesen: Finanzielle Mittel in unvorstellbarer Höhe waren innerhalb weniger Wochen beschaffbar. Für die Kompensation wirtschaftlicher Schäden. Für Testkampagnen offenbar nicht. Jetzt wird die Rechnung präsentiert. Statt mathematische Modelle zu erklären wäre es wichtiger und dringender gewesen, als Wissenschaftler von Anfang an von der Politik die Datensammlung einzufordern, ohne die Modelle nichts weiter als ein erbaulicher Haufen akademischer Papiere sind. Doch mit dieser Forderung nach systematisch verwertbarem Input für ihre Modelle ist die Wissenschaft bis heute nicht durchgedrungen. Gemessen daran haben beide, Wissenschaft und Politik, versagt.

– Matthias Wagner

Einen Artikel über Viola

Priesemann

zu finden, hat mich gefreut, habe interessiert angefangen zu lesen, dann aber in den vielen Spalten kaum relevante Informationen erhalten. Mich interessiert nicht, wo Frau

Priesemann

spazieren geht oder wie es in ihrer Küche aussieht, sondern welche Parameter sie in ihre Formeln einspeist und wie denn der Weg zu einer langfristigen Kontrolle von

Covid

19 ... beschaffen ist oder sein sollte, darüber hätte ich gern etwas erfahren. Nach diesem Aufsatz habe ich im Netz umsonst gesucht, nur eine sehr knappe Zusammenfassung gefunden. Wo kann ich ihn lesen?

– Barbara Becker

Sie schreiben über eine Physikerin: ”Sie trägt Halbschuhe aus Leder, die nicht neu sind.” Ja, um Himmels Willen: Müssen den Physikerinnen jeden Tag neue Schuhe tragen, damit es nicht auffällt? Vermutlich könnten Sie sich in irgendeinen Hauptbahnhof stellen, den Reisenden auf die

Füsse

starren, und dann konstatieren: ”Sie tragen Schuhe, die nicht neu sind.” Physiker, also Männer, dürfen hingegen mit gebrauchten Schuhen herumgehen, ohne dass das speziell vermerkt würde – oder auch nicht? Und dann möchte ich Sie noch bitten, mich aufzuklären, was denn ”Bullshit-Kleidung” wäre.

– Hans Haldimann

Vielen Dank für das spannende Dossier über Frau Dr. Priesemann. Allerdings frage ich mich, wieso der Doktortitel der Wissenschaftlerin bis zur zweiten Hälfte des Artikels unerwähnt bleibt und von Frau

Priesemann

statt von Frau Dr.

Priesemann

gesprochen wird. Noch vor der Erwähnung ihrer eigenen Promotion wird auch kurz über ihren Mann berichtet – die Tatsache, dass er Professor ist, steht dabei an 1. Stelle. Wir diskutieren viel über Frauenquoten und Frauenförderung in der Wissenschaft. Ihr Dossier leistet dazu einen wichtigen Beitrag und zeigt, dass großartige Forschung nicht vom Geschlecht abhängt. Doch auch die Naturwissenschaften sind nicht frei von (unbewusster) Diskriminierung und Frauen haben es dadurch

häuig

schwerer, gesehen zu werden.

Das Weglassen des Doktortitels untergräbt Frau Dr.

Priesemanns

Autorität als Forscherin und verschweigt ihre Qualifikation, womit auch ein Teil ihrer Vorbildfunktion – gerade für junge Forscherinnen – verloren geht. Im Sinne einer besseren Sichtbarkeit von Frauen in der Wissenschaft erscheint es mir deshalb sinnvoll, den Titel von Frau Dr.

Priesemann

im Artikel zu verwenden- oder zumindest ihre Qualifikation am Anfang des Artikels klar zu stellen. Medien spielen eine wichtige Rolle beim Reproduzieren alter Narrative wie z.B. überholte Geschlechterrollen und -Normen Dadurch haben sie aber auch gleichzeitig das Potenzial, durch bewusste Berichterstattung und gezielt eingesetzte Sprache neue Narrative in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und hervorzuheben. Ich würde mir wünschen, dass Sie diese Chance im Sinne einer diversen und vor allem repräsentativen Berichterstattung weiter nutzen.

– Annika Rühlmann

Da steht eine junge Wissenschaftlerin vor einer Tafel beeindruckender Formeln und will gar

nicht`s

„haargenau“ berechnen! Sie will „nur“ verstehen. Etwas, dass die meisten von uns leider nicht verstehen. Ein Verständnis, welchem in der Allgemeinbildung leider auch keine Bedeutung zugemessen wird, obwohl die Berechnungen, auf die sich die Pandemiemodellierer stützen, seit 100 Jahren (!) als gesichertes Wissen gelten! Wir hören lieber, wie gewohnt, auf den „Arzt oder Apotheker“ oder blicken gebannt in die Zukunft und hoffen innigst auf fleißige Wissenschaftler, die ein neues Wundermittel erforschen, oder einen rettenden Impfstoff entwickeln mögen. Aus Hoffnung kann aber erst dann Zuversicht werden und sich somit auch Vertrauen einstellen, wenn zusätzlich auf ein Verständnis zurückgegriffen werden kann.

Frau

Priesemann

und die Komplexitätsforscher wollen nicht das Virus direkt bekämpfen, sondern die Prozesse der Pandemie so gut verstehen, damit wir in der Lage sind, unser Verhalten zu unseren Gunsten bestmöglich anzupassen. Dass dabei auch Verzicht eine bedeutende Rolle spielt, können wir ja als den „bittere Teil“ der Verhaltens-Medizin annehmen. Niemand braucht selbst Komplexität rechnen zu können. Aber was Selbstorganisation und Komplexität bedeutet, sollten wir in Grundzügen schon verstehen. Denn schließlich sind alle Lebewesen, vom Virus bis zum Menschen, darin vereint, dass ihr Dasein auf Selbstorganisation und Komplexität beruht. Als Schlagzeile ausgedrückt: „Wir sind Komplexität“. Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Dossier.

– Jürgen Pilz

Auf Grund Ihres Dossiers, möchte ich Ihnen persönlich jedoch sagen, dass ich erschüttert bin, wie Sie Politik für den autoritären chinesischen Weg machen. Das geschieht nicht zum ersten Mal in der ZEIT, aber lässt mich vom Glauben abfallen, es gäbe ein liberales Grundverständnis in der ZEIT. Plötzlich erinnerte ich mich, dass Giovanni di Lorenzo vor vielen Jahren für eine konservative Partei rechts der CDU/CSU plädierte, obwohl es dort keinen Platz gab. Aber das Plädoyer für einen harten Lockdown von einer Wissenschaftlerin, die Sie selbst als eine junge „Überfliegerin“ beschreiben, die ein befristetes Projekt leitet und mit ihrer „Lösung“ Karriere machen möchte, konnte nur mit Ihrer Hilfe, Herr Henk, europaweites Aufsehen erregen und die autoritäre Lockdown-Linie unterstützen. Es gibt überhaupt keinen Beweis, dass die Mortalität damit verringert wird, nur verschleiert.

Verhindert werden Verbesserungen elender Verhältnisse in Altersheimen, Krankenhäusern, Massenunterkünften ... Nicht einmal die Viren werden bekämpft, wobei wir von der Schweineseuche wissen, dass sie Mittel und Wege finden zu ihren Opfern. Haben Sie sich jemals gefragt, warum es immer mehr gefährliche Viren in den „entwickelten“ Ländern gibt? Wenigstens eine Meldung ist positiv: in vielen „armen“, „unterentwickelten“ Ländern hat das Virus bislang nicht so grassiert. Vielleicht korreliert Reichtum mit Elend? So wie Covid19 mit Milliardengewinnen in der Pharmaindustrie korreliert. So hoffen wir denn, dass zumindest einige Impfstoffe positiv wirken, damit die Kontaktverbote aufhören, denn nicht die Ansteckung ist das Problem, sondern die Krankheit.

– Gerd Stange

Vielen Dank für diesen Artikel. In den Medien konnte man Frau

Priesemann

in den letzten Wochen zunehmend hören und sehen. Als sie mir bewusst auffiel, war ich erstaunt und erfreut, wie dezidiert und forciert sie ihre Meinung vertritt. Mit Ihrer Beschreibung der Vorgeschichte wird das alles noch eindringlicher. Und ich freue mich, dass aus der Pandemie-Erklärung durch die männlichen Virologen inzwischen ein sich erweiterndes Bild von (immer mehr!) Frauen und Männern wird, die mit ihrer unterschiedlichen Expertise dazu beitragen, die Pandemie zu verstehen und damit hoffentlich auch überwinden zu können.

– Gabriele Blechschmidt

Wissenschaft und Politik konzentrieren sich zu stark auf die Fallzahlen, wie der Beitrag der drei Forscherinnen wieder einmal deutlich macht. Vier Vorschläge, wie wir gelassener (und deshalb gerade nicht sorglos) mit dem Virus umgehen könnten: Erstens: Fragen wir doch einmal die Angehörigen von Risikogruppen selbst, was Ihnen wichtiger ist: Der Besuch von Verwandten oder das (abstrakte) Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Fragen wir in diesem Zusammenhang generell, wer bereit wäre, in einer

coronabedingten

Triage oder sonstigen Notsituation in den Krankenhäusern anderen den Vorrang zu geben (Der Verfasser ist dazu bereit.) Und lassen wir Menschen in der Palliativmedizin, auch wenn sie mit dem Virus infiziert sind.

Zweitens: Lassen wir uns kreative Lösungen einfallen, um Risikogruppen zu schützen (z. B. das „Tübinger Modell“). Drittens: Halten wir uns vor Augen, dass sich Leben nicht nur über die physische Existenz definiert, sondern auch über Möglichkeiten sportlicher Tätigkeit, soziale Kontakte und kulturelle Teilhabe, und zwar nicht digital. Viertens: Akzeptieren wir, dass Krankheit und Tod zu unserem Leben gehören, und dass immer ein (abstraktes) Risiko besteht. Lernen wir deshalb auch, mit als „hoch“ bezeichneten Fallzahlen zu leben. Berücksichtigen wir: Covid-19 ist – im Großen und Ganzen betrachtet – sicher keine Lappalie, aber auch nicht allzu gefährlich.

– Dr. Bernhard

Suermann

Mit einer Simulation wird die Überzeugungsarbeit einfacher. Komplexe regelungstechnische Probleme löst man Hilfe von Simulationsprogrammen. Ausgehend von einem Modell das zunächst einfach aber mit zunehmenden Faktoren

(im

Artikel beschrieben) komplexer wird, kann die Realität immer genauer abgebildet werden. Änderungen wie ein Lockdown light oder

hard

führen, entsprechend der Eingabe, zu dem mathematisch hinterlegten Verhalten. Durch Ihre Reputation, nicht zuletzt auch durch den Artikel, wird man ehr einer von Ihnen herausgegebenen Simulation glauben.

– Willi

Hehrmann

Ich bin mir gar nicht sicher, ob der gesunde Menschenverstand für diese Binsenweisheiten, die Frau

Priesemann

„erforscht“ und bis zur Erschöpfung wiederholt nicht absolut ausreichend ist.

– U. Grözinger

Vielen Dank für Ihre Arbeit! Ich habe es so satt ständig mit Emotionen zu dem Thema Corona überhäuft zu werden. Dank dem Artikel in der ZEIT über Sie und den rein wissenschaftlichen, faktenbasierten Informationen fällt es mir wieder leichter die Maßnahmen zu verstehen und hinzunehmen, dass meine Kinder auf ihr Training und ich auf soziale Kontakte verzichten muss. Warum wird das nicht klarer kommuniziert, dass nach 3 bis 4 Wochen dann vieles wieder leichter sein könnte. Diese ständigen Neuerungen ohne Perspektive machen die Menschen psychisch krank. Bitte nutzen Sie Ihren Einfluss!!! Gehen Sie weiter an die Öffentlichkeit und erklären Sie den Menschen, was zu tun ist, um wieder relativ normal zu leben! Vielen Dank.

– Kerstin

Dahnken

Zunächst meinen Glückwunsch an die Autoren für den hervorragenden Beitrag über die hochinteressante Forschung von Frau Professor

Priesemann

und ihre Arbeitsgruppe. In der Wirtschaftswissenschaft gibt es das sogenannte Pareto-Prinzip, nach dem 80 % aller Ergebnisse mit 20 % des Gesamtaufwandes erreicht werden. Ich behaupte nun, dass die Ausbreitung einer Virus-Infektion nach einem ähnlichen Prinzip verläuft, nur dass hier wegen der Möglichkeit eines exponentiellen Verlaufs ein deutlich kleinerer Prozentsatz an „Gesamtaufwand“ zu einem noch

grösseren

Prozentsatz an Infektions- Ergebnis führen kann. Wie

gross

bzw. wie klein dieser Prozentsatz z.B. bei einem verordneten Lock-down ist, bei dem möglicherweise Infizierte die Hygiene-Vorschriften nicht befolgen und dadurch das Infektionsgeschehen weiterhin am Leben erhalten, kann in der Arbeitsgruppe von Frau Prof.

Priesemann

sicherlich berechnet werden.

Ich befürchte, dass dieser Prozentsatz sehr klein ist, und dass die Kohorte der Corona-Leugner, Besserwisser und Querdenker völlig ausreicht, um zu verhindern, dass wir das Virus endlich loswerden. Die teilweise drastische Ausbreitung des Virus in einigen Gegenden des Landes, in denen besonders viele Vertreter der genannten Gruppe vermutet werden dürfen, ist ein Indiz für meine These. Es ist daher völlig unverständlich, dass die Einhaltung der von der Politik gegebenen Vorschriften nicht in geeigneter Weise kontrolliert wird. So könnten z.B. per statistikrelevanter Zufallsgenerierung bestimmte Stichproben vorgenommen werden, bei gleichzeitiger Androhung saftiger Ordnungsstrafen. Aus der Management-Wissenschaft ist bekannt, dass Vorschriften, deren Einhaltung nicht kontrolliert wird, unnütz sind. Ob daher der gegenwärtig verordnete strenge Lock-down zum Erfolg führen wird, ist zweifelhaft.

– Dr. Eberhard Leppin

Herr Malte Henk – meinen größten Dank für ihren hervorragenden Artikel, – aber noch mehr Dank und Ermutigung gilt Frau Viola

Priesemann

für ihre Tätigkeit, die leider zu wenig berücksichtigt wurde. Ich selbst war in der 80er-Jahren zu Beginn der AIDS-Epidemie datenschutzrechtlich und epidemiologisch involviert und kann die Denkansätze von Frau

Priesemann

nur dringendst zur Anwendung empfehlen (siehe „Aids- Nicht der

Infizierte

sondern die Infektion ist zu bekämpfen“ Ulrich v. Petersdorff -im Internet abrufbar-). Deshalb hatte ich meine Gedanken in einem nachfolgenden Text zusammengefasst, in der Hoffnung, dass die Thematik mit literarisch-philosophischer „Garnitur“ eine auch nicht fachlich versierte Leserschaft erreichen sollte.

Weihnachtsglocken oder Totenglocken.

Der Lockdown light sollte ein „Wellenbrecher“ sein, doch er schwimmt wie eine Nussschale auf den Wogen exponentieller Steigerungsraten. Die Metapher des Wellenbrechers beschwört den Geist

des Schimmelreiters

von Theodor Storm herauf, des Deichgrafen, der bei Sturmflut auf ewig über Deiche jagt, die er nach technisch wissenschaftlicher Erkenntnis konstruieren wollte und doch am Aberglauben seiner Zeit gescheitert ist. Die Sturmflut brach vernichtend über die Menschen herein. Heute heißt sie Covid-19, um in der Metapher zu bleiben, – und zum Aberglauben gesellen sich Querdenker und ein Zeitgeist, der Illusionen für Tatsachen nimmt, als moderne Form der Versuchung. Der Wellenbrecher war gut gemeint, aber nicht gut gemacht, er war von Anfang an blanke Illusion. Jetzt steht der „blanke Hans“ im Tor.

Experten und Exponenten hatten gewarnt, wie Kassandra. Sie sahen es kommen, sie hatten den Mut, sich ihres Verstandes zu bedienen. Denn Weissagen kommt von Wissen und dessen einfachste Formel heißt Logik, die sich auf Tatsachen stützt. Die Pandemie ist kein apokalyptischer Reiter abstruser Verschwörer, auch keine Naturkatastrophe. Sie wird von Menschen verbreitet, nach dem Gesetz ihres Tuns, unsichtbar, heimlich, doch keineswegs unheimlich. Denn nicht die Viren handeln, sondern der Mensch und trotzdem gilt: nicht der infizierte Mensch, sondern die Infektion, das Virus, ist auszugrenzen. Das galt für AIDS und gilt erst recht für Covid-19. Wenn 20% der infizierten Menschen das Virus asymptomatisch, unbewusst und ungewollt weitertragen, dann ist diese Mechanik als der wichtigste Faktor X der pandemischen Berechnungslogik zu gewichten, als Faktor, der die effiziente und komplette Verfolgung von Informationsketten logisch unmöglich macht.

Die Dunkelziffern steigen also regelmäßig ins Exponentielle, so wie die evidenten Infektionen. Die Evidenzen sind immer nur die Spitze von Eisbergen unbekannter Dimensionen der Dunkelziffern. Daraus folgt: nur ohne Begegnung von Mensch

zu Mensch

wird dem Virus die Verbreitungschance genommen, nur dann gibt es keine Zunahme von Dunkelziffern, das bedeutet: nur der „harte“ Lockdown-100% mit absoluter Maskenpflicht ist eine geeignete und angemessene Maßnahme, in jeder Phase der Pandemie, auch wenn sie zum Nullpunkt geht. Kurz und komplett muss das System immer wieder heruntergefahren werden, mit regionaler und sozialer Anpassung, bis das letzte Virus verschwindet. Die Datenverarbeitung und Informationen schaffen dafür stabile Fakten oder Indizien und die Perspektive auf

Null

stärkt den sozialen Zusammenhalt.

Sie macht den Erfolg geeigneter Maßnahmen im Voraus sichtbar: Je kürzer der Stillstand, desto höher die Akzeptanz im Wiederholungsfall, bis der exponentielle Absturz der Infektionen den Nullpunkt erreicht. Ein Lockdown light kann das Virus niemals eliminieren. Die Impfung kann erst in Monaten oder Jahren nachhaltige Wirkung erzielen, indessen sterben die Menschen im Minutentakt. So darf es nicht bleiben. Es gibt nur den einen geeigneten Weg

des harten Lockdown

, der auf Regionen so zugeschnitten werden muss, dass auch die letzten „Glutnester“ erlöschen, zu 100%. Das ist absolut alternativlos. Wer immer behauptet, wir müssten lernen mit dem Virus zu leben, unterliegt einer gefährlichen Illusion.

Deshalb wurde die große Chance vom Oktober vertan. Der harte Lockdown ist jetzt härter als im Oktober gedacht. Aber schmerzlicher wird der Heiligabend, wenn Totenglocken die Weihnachtsglocken übertönen, weil alle drei Minuten ein Mensch an Covid-19 stirbt. Das Licht der Weihnachtsbotschaft wird dunkel, wo der Mensch mit seinen Illusionen versagt. Die

heilige

Nacht wird still im Gedenken an die Toten. Aber sie könnte wahrhaft heilig werden, selbst in der Trauer über die Sterbenden, wenn der vernunftbegabte Mensch vernünftig handelt, wenn er der Logik des Erkennens vertraut. Dann wird die Botschaft wahr: „Fürchtet Euch nicht“!

– u.v.pe.

Wie gut, dass Sie und andere Medien nun auch Wissenschaftlerinnen zu Wort kommen lassen. Das wird hoffe ich dazu beitragen, dass die über viele Generationen tradierte Mär, Frauen interessierten sich nicht für Naturwissenschaften, Hochtechnologie und Logik und wären auch nicht in der Lage, auf diesen Gebieten einen Beitrag zu leisten, ein Ende hat. Dass diese Frauen endlich aus der zweiten Reihe hervortreten und sichtbar werden, ist für diese selber, ihre Familien und für die ganze Gesellschaft eminent wichtig.

– Ute Meyr de Rivas

Vielen Dank für den Artikel. Die Fotos von Viola

Priesemann

vor den Differentialgleichungen und bei den Pferden und der Text zeigen den Menschen und die Wissenschaftlerin, die für ihr Fach brennt und dadurch Interesse für mathematische Modellierungen weckt. Unsere Gesellschaft wird zunehmend gespalten: Künstler gegen Bürokraten, Natur- gegen Geisteswissenschaftler, Forschungsergebnisse gegen Verschwörungsmythen, .... Die Corona-Viren machen sichtbar: Wir Menschen befinden uns in einer „Resonanzkrise“. Ihr Artikel könnte helfen, offen für die Meinungen und Fähigkeiten der Anderen zu werden und gemeinsam, in Resonanz gewissermaßen, nach Wegen aus der Pandemie und aus der Spaltung unserer Gesellschaft zu suchen.

– Gerda Maßmann

Leserbriefe zu „Der Märchenwald” von Tin Fischer und Hannah Knuth

Euer Artikel hat mich mal wieder sehr geärgert, ich finde die Demontage von NGOs die ihr ab und an betreibt (wie, die ehrenamtlichen von

sea-eye

sind gar keine Engelchen, sondern stramme Katholiken und Anarchisten würden sich auf See gerne aufs Maul hauen? Das ist ja echt ein Ding) wirklich zweifelhaft. Manche Aspekte waren diesmal zwar tatsächlich interessant und wertvoll, andere,

nunja

. Die Öffentlichkeit hat zuerst geradezu gelechzt nach dieser blöden

story

vom 9jährigen

wunderknaben

und jetzt fällt für den bösen Buben eine

doktorantenstelle

ab...na und?

Das

das Kind die letzten 10 Jahre geackert hat statt sie zu

verfeiern

wie ein normaler Teenie, das erwähnt

Tin nicht

. Auf jeden Fall ist der Artikel zwar etwas gehaltvoller als die letzten, aber es werden wieder zu weiten Teilen Marketinggeschichten (ich

hab

mir 7 ü-Eier gekauft und es war keine Überraschung dabei..

manno

) breitgetreten.

Dass die NGO aber offenbar ihre Mitarbeiter zu rechtlich zweifelhaften, zumindest aber unmoralischen Konditionen anstellt wie auf KUNUNU zu lesen ist, das ist keiner Erwähnung wert. Das ist ja auch nicht weiter schlimm, denn für Idealisten ist die Arbeit schon

wert

an sich? Hat dieser Umstand mangelndes

shitstormpotential

oder wie darf man das verstehen? Sollte ihr Redakteur nochmal eine Story planen – die Ausbeutung von Menschen in vielen Jobs mit Sinn (das kennen Herr Fischer als freier Journalist sicher selbst) ist meiner Meinung

nach ein größerer Eklat

als die „Mogelpackung“ Baumzähler, die übrigens auch nur mit Suggestion gearbeitet hat. Wer richtig lesen konnte, der musste sich bei den älteren Artikeln wirklich fragen,

warum’s

jetzt geht. Damit werden falsche Akzente gesetzt. Der Fehler ist

nicht

dass „wir“ uns inkonsistent verhalten, sondern dass von uns überhaupt besondere

integrität

erwartet wird – auch wir Umweltschützer, Entwicklungshelfer,

seenotretter

usw. sind natürlich Menschen.

Aber immerhin arbeiten wir nicht bei

Heckler

und koch. Als linker predige ich vielleicht Wasser und saufe heimlich Wein, aber ich bringe jedenfalls keine Leute um. Den

wein

gönn ich mir gerne, ich finde ich

hab

meine Pflicht schon damit getan mich gegen eine Arbeit bei VW und für etwas wertvolles wie Sozialarbeiterin zu entscheiden. Jedenfalls – dass Tin Fischer den Aspekt der Mitarbeiter nicht berücksichtigt und auch die Stiftung nicht in

relation

und Kontext (ist

Philantropie

an sich vielleicht auch etwas

shady

?) gesetzt hat, setzt für mich die Qualität der Arbeit stark herab. Meiner Meinung nach gehts ihm vor allem

drum

dass er sich mit diesem

kleinkrieg

einen Namen macht. Es geht ja vor allem um

dinge

die die zahlenden Kunden, die Konsumenten ärgert. Er arbeitet halt auch in einem prekären Umfeld und muss schauen wo er bleibt. Aber dann

wärs

doch nett, er würde dabei wenigstens etwas

gutes

für die Leute tun.

– Wilfried

Es ist eine hervorragende und gute Arbeit, die sie mit dem Artikel geleistet haben! Man kann nur erahnen, wieviel Aufwand getrieben werden müsse, damit man alle “ Äste der Baumpflanzer“ aufdeckt und die Machenschaften sachlich und belegt zusammenstellt. Zum gleichen Thema gibt es ein Buch von Linda Pohlmann, dass ich schon vor vielen Jahren gelesen habe und dass sie interessieren dürfte, DIE MITLEIDSINDUSTRIE. Auch hier werden Stiftungen, Organisationen und Spendeneintreiber ins richtige Licht gestellt.

– Reinhard Schmitz

Der im Betreff genannte Artikel hat das zweifelhafte Benehmen der Familie Finkbeiner bereits angerissen. Es wäre interessant, dieses Verhalten nicht nur In Mexiko, sondern auch direkt hier „vor der Haustüre“ näher zu beleuchten. Z. B., wenn es darum geht, dass die visionären Finkbeiners gerne ein bayerisches Seeufer im Außenbereich für rein private Zwecke („Villa am See“) zubauen möchten – und auch nicht vor juristischen Schritten zurückschrecken. Ein etwas älterer Artikel aus dem Merkur, der es leider nicht über die lokale Ebene hinausgeschafft hat – zu groß möglicherweise die Sorge, den jahrelange gehypten „Felix“ in ein ungutes Licht zu rücken (und vielleicht auch aus Rücksicht auf die Werbepartner).

Staffelsee (Bayern): Streit um Top-Grundstück eskaliert – „Riesen-Schweinerei“ | Uffing (merkur.de)

Es wäre sehr zuvorkommend, wenn Sie den link an die Verfasser des im Betreff genannten Artikels weiterleiten würden. Es geht mir übrigens nicht darum: Echten Schutz für die Natur und die Umwelt kann man nicht kaufen – und Charakter wohl auch nicht....

– Erich

Weisser

Die Familie Finkbeiner gehören zu denen, die

alles mögliche

behaupten ohne gut recherchiert zu haben. Ihre Autoren sehen das anders, weil sie besser recherchiert haben. Deswegen lese ich ihr Wochenblatt so gern.

– Gunter Knauer

Ich bin 12 Jahre alt und Klimaschützer bei Plant-for-

the

-planet. Wie sie sich jetzt sicher schon denken, schreibe ich wegen dem Bericht über Felix Finkbeiner. Ich muss ehrlich sagen, ich bin wirklich enttäuscht. Da ist eine Person die sich für den Klimawandel engagiert, und sie haben keine andere Idee, als eine Reporterin dahin zu schicken, mit dem Auftrag irgendwas

schlechtes

über uns herauszufinden. Ein Punkt: Sie haben

darüber geschrieben

, dass sie meinen, der Vater von Felix stände hinter Plant-

for

the

-planet. Das

einzige

was ich darüber sagen kann, ist, dass doch jeder Unterstützung von seinen Eltern braucht, und in den meisten Fällen diese eben auch bekommt. Das muss noch lange nicht heißen, er stände alleine hinter

Pftp

.

Außerdem, Felix hatte ein Schreiben auf der Homepage veröffentlicht, vielleicht hat sie dies sie auch schon erreicht, worin er schreibt, dass ihre Reporterin nur mit dem Koch gesprochen hat, welcher natürlich nicht so viel weiß. Allerdings hätte dieser ihrer Reporterin auch empfohlen mit Felix zu sprechen, wo sie alles hätte sehen können, was ihr allerdings von

iheren

Auftragsgebern untersagt wurde. Das finde ich echt albern. Sie hätten es sehen können, wollten es aber nicht sehen, weil sie sonst ja nicht schlechtes über uns schreiben könnten. Alles was ich hiermit sagen möchte ist, dass ich es wirklich unterirdisch finde, wie sie auf so

Kleinheiten

herumhacken, nur, damit Felix in einem schlechten Licht

da steht

.

– Levin Feil

Ein hervorragender Artikel, der erstens zeigt wie kunstvoll und doch plump lügengestrickt die Märchen der „

Labelmacher

“ sind. Der Artikel zeigt zweitens, wie gerne die allein auf Gewinn orientierten internationalen Konzerne und ihr

politisches Klientel

sich blind und unwissend stellen bei der Auswahl ihrer Weißmacherlabels. Und er zeigt drittens, dass ganz gierige Akteure, wie dieses Papa-Sohn Gespann, ungeniert und ungehindert die Baumpflanzungen, soweit es diese überhaupt gibt, als ihre künftige Einnahmequelle ansehen. Hochachtung. Mehr Betrug geht kaum, und das

mit höchstem politischen und internationalen Flankenschutz

.

– H. Giller

Ich möchte den Artikel im Einzelnen nicht kommentieren, da ich den Sachverhalt nicht beurteilen kann. Quintessenz ist jedenfalls, dass der Artikel die Versprechen von Plant-

for

the

-Planet als unseriös und deren Aktionen als ineffektiv darstellt. Auf der Homepage von Plant-

for

the

-Planet ist ein offener Brief an die Unterstützer der Stiftung veröffentlicht, der nun wiederum den ZEIT-Artikel als unseriös darstellt. Ich würde mir wünschen, dass die ZEIT dazu Stellung nimmt und diese Diskrepanz in den Aussagen ausräumt.

– Bernd

Riegsinger

Ihren Artikel habe ich mit großem Interesse, gefolgt von

ebensogroßem

Erschrecken gelesen! Ein anschließender Abgleich mit der

PftP

-Homepage hat (wie zu erwarten) einige Fragen bei mir hinterlassen. Ich würde mich freuen, wenn Sie das Thema weiterhin und möglichst nachvollziehbar verfolgen und darüber berichten, und dabei insbesondere auf die folgenden Vorwürfe der Gegenseite eingehen: Angeblich haben Sie demnach eine Anfrage an

PtfP

zu Beginn des Dezembers mit Frist 7.Dezember 5:30 gerichtet. Angeblich erfolgte die lokale Recherche in Mexiko im Oktober durch eine lokale Journalistin, die ihre Informationen durch den Koch der Kantine erhielt. Vielen Dank ansonsten für diese intensive (und nach derzeitigem Eindruck gute) Recherche.

– Christoph Schürmann

Vielen Dank für diesen gut recherchierten Artikel. Leider etwas spät, denn die Weihnachtsspenden sind bestimmt schon geflossen. Herr Finkbeiner hat das Bundesverdienstkreuz erhalten. Wird vor einer solchen Vergabe nichts überprüft? Woran kann man sich als

SpenderIn

orientieren? Es hat Lob und Auszeichnungen gegeben, positive Artikel in den Medien in großer Zahl. In welche Fallen sind die Journalisten und unsere Politiker seit Jahren da gelaufen? Ich bereue jeden Euro, den ich zahlreich gespendet habe.

– Theresia

Dorschfeldt

Ich habe mit viel Interesse Ihren Artikel zu Plant

for

the

Planet gelesen und war danach erstmal sehr entsetzt, da ich zwar insgesamt kein großer Fan von Kompensation bin (zum

einen

weil es teilweise so dargestellt wird als könne man sich CO2 neutral kaufen, aber auch weil dem aus meiner

Sicht oft

ein sehr verqueres Bild von Entwicklungszusammenarbeit zu Grunde liegt), aber bisher davon ausgegangen war, dass

PftP

in dem Bereich noch relativ gut ist. Aber deshalb schreibe ich diese Mail nicht. Mir wurde von einer Freundin dieser Link zum Blog von

PftP

geschickt:

https://blog.plant-for-the-planet.org/de/2020/liebe-unterstuetzerinnen-und-unterstuetzer/

Ich nehme mal an, dass Sie das auch selbst schon gelesen haben. Ich fände es sehr hilfreich, wenn Sie ihrerseits auf die Vorwürfe reagieren könnten, da Felix Finkbeiner die Situation natürlich komplett anders darstellt als Sie und es für mich schwer ist, das selbstständig einzuordnen.

– Johanna Bacher

Ich selbst kenne die Familie (bzw. damals noch Frau Karolin Martini und Herr Frithjof Finkbeiner) seit 1993. Die beiden habe ich getraut, die drei Kinder getauft und mit den drei Youngstern Felix, Franziska und Flurina (meine Patentochter) im Januar 2020 den Silberhochzeitsgottesdienst gestaltet. Ich bin also geradezu der Familienpfarrer. Ich finde es ganz enorm, welchen Impuls die Familie der Umweltbewegung gegeben hat. Ich habe die Familie als absolut engagierte Umweltschützer/ Klimaretter kennen gelernt, ethisch wirklich korrekt. Ich selbst bin und bleibe Unterstützer von Plant

for

the

Planet (

PftP

).

– Ingo Maxeiner

Eine prima Recherche der beiden Autoren ; vielen Dank* Hätte nur einer der vielen Baumspender gefragt, woher die zig Millionen Baumsetzlinge oder Sämlinge kommen und welche Spezies für die einzelnen Flächen geeignet sind, hätte man schnell gemerkt,

daß

auch junge Bäume nicht vom Himmel fallen; selbst bei noch so hohen Spenden nicht. Leider scheint die „große grüne Mauer“ in China nur in Fachkreisen bekannt zu sein, die schon vor vielen Jahren mit deutscher Hilfe (auch Entwicklungsgelder) entstehen konnte. Ein Bericht Ihrerseits darüber würde sicherlich lohnen. Damals zeigte

Prof.Horst

Weisgerber den Chinesen, wie man in kurzer Zeit zig Millionen geeigneter Bäume für die Aufforstungen in fast allen nordchinesischen Provinzen ziehen und anpflanzen kann. Dafür brauchte man nicht nur Geld und Flächen, sondern den Aufbau unzähliger großer Gewächshäuser und deutsches Know-how. Durch die langsam immer wirksamere „große grüne Mauer“ werden die Sandstürme der Wüste Gobi gebremst. Zum Dank erhielt Weisgerber als erster Deutscher den Ehrenprofessor der Uni Peking, in Deutschland die kaum bekannte „Hartig-Medaille“.

– Bernhard v. Strenge

Mit dem Artikel diffamieren Sie eine der erfreulichsten und wichtigsten Initiativen unserer Zeit und deren Initiatoren. Das Pflanzen von Bäumen ist eine Menschheitsaufgabe. Für die unmittelbare Kompensation von Emissionen (für die es andere Möglichkeiten gibt) ist es nicht geeignet und wird ja von Plant-

for

the

Planet dazu nicht genutzt. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hat im Jahr 1986 erstmals vor der drohenden Klimakatastrophe gewarnt und zur Umkehr aufgerufen. Gefordert ist seither ein aufklärender Journalismus, der die Gefahren benennt und Auswege aufzeigt. Es war aber der Aufschrei von Kindern, der die Jahrzehnte der Ignoranz beendete. Von Klimawissenschaftlern hatten sie erfahren, dass die Menschheit auf Klima-Kipp-Punkte zusteuert, die ihre Zukunft zerstören. Die Jungen, die Bäume pflanzen, verdienen höchste Anerkennung und Ermutigung von uns allen. Milliarden Bäume können der Atmosphäre Milliarden Tonnen CO2 entziehen, das ist leicht mit Schulwissen zu berechnen. Wenn Plant-for-

the

-Planet eine Speicherung von 200 kg CO2

pro gepflanztem Baum

nennt, dann ist das ein so bescheidener Wert, dass man damit den Ausfall eines großen Anteils der Setzlinge berücksichtigen kann. Ich vermute, dass Sie das ausblenden, weil es nicht zu dem hämischen Grundton in Ihrem Artikel passt.

– Dieter Seifert

Für ihren Beitrag möchte ich ihnen vor allem danken. Selbst wenn man vorsichtig und misstrauisch ist, ist es immer wieder

deprimierend,wie

die Gutwilligkeit und das Engagement zahlreicher Menschen ausgenutzt

wird

. Die Lügner und Betrüger scheinen sich exponentiell zu vermehren (siehe Cum-

Ex,Wirecard,Trump,etc

.) Ich würde mir eine weitere Verbreitung ihres Reports

wünschen,z

.B. auch im

öffentlich rechtlichen

Fernsehen.

– P. Grinziger

Da bin ich ja überrascht! Immer wieder muss man

soetwas

lesen und verdauen. Im großen Stil werden

die Bemühungen

vieler Menschen um Klimaschutz mit Füßen getreten und möglicherweise für eigene wirtschaftliche Interesse oder

narzistische

Bestrebungen

mißbraucht

.

Toll

dass so etwas in dieser Art und Weise recherchiert wird und sich dem Leser so ein realistischeres Bild für mögliche Auswirkungen der eigenen Spenden ermöglicht wird. Man wird sehen wie sich plant

for

the

planet dazu stellt und wie es damit weitergeht. Wie sieht es denn eigentlich mit

ecosia

die Suchmaschine, die Bäume pflanzt aus? 116.000.000 Bäume sollen durch die Suche der Nutzer bereits gepflanzt worden sein und dabei sollen nur die Bäume gezählt sein, die auch nachhaltig wachsen und so zu einem positiven Klimaschutz beitragen.

Allein 2630 Bäume sollen durch meine Nutzung der Suchmaschine in den letzten beiden

jahren

gepflanz

worden sein. Dazu monatlich erscheinende Finanzberichte – komplett transparent -, mehr als CO2 neutral und sogar datenschutzfreundlich; so heißt es auf der Startseite der beliebten Suchmaschine. Ist das denn eine gute Alternative? Neben den sicher sehr notwendigen und kritischen Recherchen in der Zeit, wünsche ich mir als Leser auch Berichte über positive Alternativen, unter denen dann ihre LeserInnen ihre bessere Alternative wählen können. Vielen Dank jedenfalls für die guten Recherchen zum „Märchenwald“.

– Artur

Amrath

Leserbriefe zu „Lehren sollt ihr, nicht bekehren“ von Joachim Wagner

Wenn ich Joachim Wagner auch im Großen und Ganzen zustimme, ist mir eine Präzisierung wichtig: Der Schutz des Religionsunterrichtes wurde nicht eingerichtet, um eine Institution zu schützen, sondern um eine Wertevermittlung unabhängig vom Staat zu gewährleisten. Genau dies, eine Vermittlung verbindender Werte, erscheint mir in unserer pluralen Gesellschaft eine wachsende Herausforderung zu sein. Doch die Kirchen sind inzwischen tatsächlich zu sehr marginalisiert, als dass sie diese Aufgabe noch leisten könnten. So bleibt als einzige Institution, die die gesamte Breite der Bevölkerung zumindest für einige Jahre im Leben jedes Einzelnen erreicht, nur die Schule.

Diese sollte viel expliziter als bisher den Auftrag der Wertevermittlung bekommen, weit über den Religionsunterricht hinaus. Dies widerspräche jedoch der historisch leider gut begründeten Absicht des Grundgesetzes, dass Wertevermittlung nicht Aufgabe des Staates sein dürfe. Eine Art „Schulrat“, analog zu den Rundfunkräten, könnte das Problem lösen: Er könnte, den Kultusministerien beigeordnet, über die Vermittlung der Werte in den Schulen wachen. Denn unsere plurale Gesellschaft ist auf die im Grundgesetz niedergelegten Werte als Grundkonsens angewiesen und die bewusste Vermittlung dieser Werte ist unverzichtbar und heute vielleicht nötiger denn je.

– Mathias Böttcher

Man könnte in den Religionen eine Art Überbleibsel aus früheren Zeiten sehen, als die Durchsetzung von Regeln des Zusammenlebens in zunehmend komplexen Gesellschaften irgendeiner Art der (gemeinsamen) Gottesfurcht bedurfte. Angesichts der zunehmenden Ungleichheit, der Erderwärmung und des Artensterbens ist es tatsächlich noch nicht ausgemacht, ob es auch ohne geht. Doch es führt kein Weg zurück zu einer religiös geeinten Gesellschaft. Und ob die Religionen ihre Funktion als Hüterinnen der Moral in einer zunehmend multi- und areligiösen Gesellschaft noch wahrnehmen können, darf getrost bezweifelt werden. Vielleicht wird es Religion in wenigen hundert Jahren nur noch in den Geschichtsbüchern geben. Denn was vielen als Blasphemie erscheint, erscheint anderen als einzige Heils-Option – sich vom Unfehlbaren Vater zu lösen und selbst Verantwortung zu übernehmen für den Lauf der Dinge. – Dr. Christian Voll

Ich bin überrascht, einen so kenntnisarmen und in sich wenig stimmigen Beitrag in der ZEIT zu lesen. Das beginnt gleich bei der Überschrift: Die Konzeption eines bekehrenden Religionsunterricht ist seit Mitte der 70er-Jahre in Deutschland passé. Konfessioneller Religionsunterricht ist längst nicht mehr Kirche in der Schule, sondern dient der religiösen Bildung als Teil des Bildungsauftrages der Schule insgesamt. Sein Ziel ist religiöse Mündigkeit, nicht „Unterweisung“. Nebenbei bemerkt: pädagogisch ist auch die Fokussierung auf das Lehren (ohne Erwähnung des Lernens) überholt – gerade bei diesem Thema folgenreich. Vielleicht rührt die Ablehnung des Religionsunterrichts aus den eigenen Erfahrungen des Verfassers her, also aus einer Zeit, in der dem Lehren deutlich mehr Gewicht zugemessen wurde, als dem Lernen im Sinne einer eigenständigen Auseinandersetzung und Aneignung. Der Religionsunterricht ist zudem eine „

res

mixta

“, eine gemeinsame Angelegenheit von Staat und Kirche.

Letztere bestimmt weder Inhalte, noch die Lehrpläne und schon gar nicht die Lehrerinnen und Lehrer autark, sondern immer in Abstimmung mit dem Staat. So erteilt etwa die katholische Kirche die „

missio

canonica“ (die kirchliche Beauftragung) nur Lehrkräften, die auch staatlicherseits ihre Qualifikation etwa durch ein Lehramtsstudium nachgewiesen haben. Dass die Länder Verträge mit Religionsgemeinschaften abschließen, ist genau dieser gemeinsamen Verantwortung geschuldet und dient insbesondere der Qualitätssicherung, der Wahrnehmung des gemeinsamen Bildungsauftrages und der Sicherstellung der Grundrechtskonformität. Die Anzahl der zu schließenden Verträge ist dabei kein relevantes Kriterium. Der Grundrechtsparagraf 7 geht zwar auf die Weimarer Verfassung zurück, der Autor macht sich aber nicht die Mühe zu bedenken, warum er in dieser Form nach der moralischen Katastrophe des Nazi-Regimes Eingang in die bundesdeutsche Verfassung gefunden hat – um nämlich eine weltanschaulich-ethische Bildung ohne (vollständigen) Zugriff des Staates sicherzustellen.

Er dient damit verfassungsrechtlich gerade nicht der Institution Kirche, sondern einerseits dem Individuum (mit seinem Recht auf religiöse Bildung und Entfaltung), andererseits dem Schutz des Staates, der nach einem Diktum des früheren Bundesverfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde eben von Voraussetzungen lebt, die er nicht selbst garantieren kann. Die „nur noch“ acht Bundesländer, in denen der Religionsunterricht „erste Wahl“ ist, umfassten 2019 mit einer Einwohnerzahl von 64,5 Mio. knapp 78%, also mehr als drei Viertel der Bundesdeutschen. Gerade in den ostdeutschen Bundesländern mit ihrer geringen Religionsdichte werden bereits heute verschiedene Modelle des Religionsunterrichts praktiziert. Dass der christliche Unterricht von einer deutlich größeren Zahl an Schülerinnen und Schüler besucht wird, als noch als christlich ausgewiesen sind (was übrigens keine eindeutige Auskunft ist, ob und wie religiös sie sind), hat seinen „Grund“ nicht darin, dass die Kirchen „ihren“ (?) Religionsunterricht geöffnet haben – diese Öffnung ermöglicht nur die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern anderer oder ohne Konfession.

Die Gründe, weshalb diese den Religionsunterricht dann auch tatsächlich wählen, sind damit noch gar nicht thematisiert worden. Interreligiöses und interkulturelles Lernen ist eine höchst anspruchsvolle und anstrengende Herausforderung. Es wird nicht dadurch leichter, dass „kulturelle, ethnische und weitere Besonderheiten“ ignoriert und nicht reflektiert werden. Solche Ignoranz ermöglicht gerade, Identifikationsfaktoren wie Religion, Kultur, Tradition, Nation u.a. zu einer exklusiven, destruktiven Melange zu verschmelzen und zu instrumentalisieren. Mit den Schwierigkeiten eines religionskundlichen Unterrichts hat sich der Verfasser offenkundig auch nicht auseinandergesetzt. Wie kann die Qualität des Unterrichts über Religionen gewährleistet werden, wenn sich die Lehrkraft (bestenfalls) in einer Religion selbst aus eigener Anschauung auskennt?

Nicht umsonst gilt Begegnung als „Königsweg“ (Stephan Leimgruber) des interreligiösen Lernens, da das (im christlichen Religionsunterricht schon seit mindestens drei Jahrzehnten praktizierte) Lernen über andere Religionen anhand informierender Materialien und Zeugnisse stets der Gefahr ausgesetzt ist, eine sehr rudimentäre, nicht selten perspektivisch verzerrte Gestalt dieser Religionen in den Blick zu nehmen. Überraschend ist schließlich das Ende des Beitrags, in dem der Verfasser den „Hamburger Weg“ als zukunftsfähigen Weg charakterisiert (wenn auch aus seiner Sicht vermutlich als weniger gute Alternative zum religionskundlichen Unterricht).

Angesichts der Komplexität des Unterfangens ist auch das Hamburger Konzept nicht ohne Schwierigkeiten. Im Unterschied zum Beitrag von Herrn Wagner liegt ihm jedoch ein differenziertes, problembewusstes Verständnis interreligiösen und interkulturellen Lernens im Interesse und in Verantwortung von Staat und Gesellschaft zugrunde. Hinzugefügt sei, dass mit dieser Replik weder behauptet wird, dass es kein Besitzstandsdenken der Kirchen gebe, noch dass die Qualität des real erteilten Religionsunterrichts nicht sehr unterschiedlich sei – auch nicht, dass die konfessionelle Trennung im Religionsunterricht zukunftsfähig sei.

Verschwiegen werden sollen auch nicht die Schwierigkeiten, die in der Praxis sowohl mit dem Verfahren der Erteilung und des möglichen Entzugs der missio canonica als auch mit der Begutachtung und Zulassung von Religionsbüchern bestehen. Hier geht es auch nicht um die aus meiner Sicht notwendige Kritik an kirchlicher Lehre und Praxis. Der vorliegende Beitrag von Herrn Wagner in der Zeit vermag allerdings keinen wesentlichen Beitrag zur Diskussion um die

Konfessionalität

des Religionsunterrichts zu leisten. Das ist schade angesichts der drängenden Fragen nicht nur der „multikulturellen Einwanderungsgesellschaft“ und angesichts von Bewegungen, die ein Zerrbild eines europäischen, christlichen geprägten Abendlandes verteidigen wollen, sondern überhaupt

angesichts der immer deutlicher hervortretenden Notwendigkeit

zur Reflexion ethischer Orientierungen in unserer Gesellschaft.

– Guido Hunze

Die vor geraumer Zeit eingeführte Seite „Streit“ ist insgesamt nur mäßig interessant, weil die dort Debattierenden sich nur sehr selten auf einem – nach ZEIT-Maßstäben – angemessenen Niveau bewegen. Franziska Heinisch und Ulf Poschardt debattieren nicht miteinander, sondern präsentieren wechselseitig nur Vorwürfe, Klischees und selbstverliebte sprachliche Spielereien. Der sachliche Gehalt und das Niveau ihrer Argumentationsversuche ist erbärmlich. Als Leser erkenne ich auch keine sprachlichen Kunststückchen, an denen man Vergnügen finden könnte, denn was als scharfe Polemik daherkommen und wirken sollte, besonders bei Poschardt, besteht fast ausschließlich aus Versatzstücken hinlänglich bekannter und damit abgegriffener Attacken auf den anderen.

Als Lehrer habe ich über viele Jahre nach den Regeln und Prinzipien der argumentativen Auseinandersetzung, wie sie im Schulwettbewerb „Jugend debattiert“ zum Tragen kommen, mit Schülerinnen und Schülern das Debattieren im Politikunterricht mit qualitätsvollen Argumenten geübt. Zehntklässler und Zehntklässlerinnen haben dabei ein differenzierteres intellektuelles Niveau im Debattierern erreicht, als Heinisch und Poschardt es schaffen. Und hätte ihnen eine/r der beiden

gegenüber gestanden

, hätten sie auch ihre debattensprachliche Unzulänglichkeit entlarvt. Wenn Sie Ihre Debattierenden nicht auf ein ZEIT-angemessenes Niveau verpflichten können, sollten Sie die Seite „Streit“ wieder abschaffen.

– Klaus

Keßler

Der von Wagner zitierte Art. 7 GG schreibt vor, dass Staat und Kirche die Unterrichtsinhalte und das Personal des Religionsunterrichts gemeinsam verantworten. Sie nehmen dabei einen wichtigen

Bildungsauftrag

wahr

, dessen Bedeutung in Zeiten – oft gewaltsam – missinterpretierter religiöser Traditionen kaum überschätzt werden kann, ungeachtet der Frage, ob seine Teilnehmer nun konfessionell gebunden sind oder nicht. Herr Wagner erweist sich in seiner Argumentation selbst als „Fossil“, indem er gegen eine Form des Religionsunterrichts argumentiert, die seit den 60er Jahren in Deutschland mehrere Paradigmenwechsel durchlaufen hat: Religiöse „Unterweisung“ ist schon lange nicht mehr Ziel und Mittel des Unterrichts, sondern die eigenständige und reflektierte Entscheidungsfähigkeit in religiösen Angelegenheiten. Und diese umfassen erwiesenermaßen weit mehr als nur die Frage: „Was sagt Gott hierzu oder dazu“?

Diese Art von Fähigkeit (auf neupädagogisch: „Kompetenz“) wird am besten vermittelt von Lehrkräften, die sie glaubhaft vorleben können – und von denen Lernende sich abgrenzen, mit denen sie diskutieren können! Die von Herrn Wagner propagierte „Religionskunde“ bleibt mit ihrer rein informativen Schwerpunktlegung hinter diesem Anspruch zurück. Durch die konfessionelle Trennung – die an Schulen häufig und immer wieder bewusst von den Lehrkräften überbrückt wird – werden nicht „kulturelle [...] Besonderheiten erlernt“, sondern es wird mit Standpunkten eines auch innerhalb einzelner Konfessionen heterogenen Bezugssystems experimentiert – und ein begründeter Standpunkt ist Ausgangspunkt jeder fruchtbaren Debatte. Das „Hamburger Modell“ hingegen beinhaltet bei aller lobenswerten Differenziertheit die

Gefahr der Verflachung durch Überfrachtung eines Unterrichtsfaches, das mit ein bis zwei Stunden in der Woche auskommen muss.

– Yannis Petsch

Wenn’s so einfach wäre in Hamburg, wie Ihr Autor am Ende seines ansonsten informativen Artikels schreibt. Hier in der Großstadt ist die Bevölkerung und damit auch die Schülerschaft zu über 50% konfessionsfrei, der gemeinschaftliche Religionsunterricht „für alle“ in den Klassen 1 – 6 allerdings ohne Alternative. Wenn Eltern ihre noch nicht religionsmündigen Kinder abmelden – und das ist ihr gutes Recht – erhalten sie keinen angemessenen Ersatzunterricht. Die Regierung hat das Problem erkannt und möchte nun den nicht religiös sozialisierten Kindern in diesem Religionsunterricht für alle ein „identitätsstiftendes Angebot“, so der Koalitionsvertrag, machen. Der multireligiöse Hamburger Ansatz aber krankt daran, dass die Lehrpersonen Mitglieder der jeweiligen Religionsgemeinschaften sein müssen.

Das führt zur grotesken Situation, dass examinierte Lehrerinnen und Lehrer, die unterdes aus der Kirche ausgetreten sind, über die Schulbehörde Aufforderungen erhalten wieder einzutreten, damit sie dieses Fach weiter unterrichten dürfen. Das wurde früher liberaler gehandhabt. Seit die Staatsvertragsreligionen sich gemeinsam für diesen neuen dialogischen Religionsunterricht für alle zusammengeschlossen haben (Wagenburg!?), wird das Problem evident. Wie sollen konfessionell verlesene und gebundene Lehrerinnen und Lehrer z.B. atheistisch sozialisierten Kindern ein „identitätsstiftendes“ Lernangebot machen? Ab der Klasse 7 ist das in Hamburg kein Problem mehr, da gibt es mit Philosophie eine Alternative zum Religionsunterricht.

– Gerhard Lein

Kinder lernen von ihren Eltern, Fertigkeiten, Gewohnheiten, Rituale, Wertvorstellungen, eine Basis, das Leben zu lernen. Diese Stabilität impliziert eine eigene Identität. Dann beginnt ein Kind, seine persönliche Umgebung mit der Außenwelt zu vergleichen, Irritationen abzuklären und sich in Beziehung mit der Welt zu setzen. In der Adoleszenz werden die Vorbilder in Frage gestellt, das persönliche Leben neu definiert. Ist die Pubertät vollendet, ist der junge Mensch erwachsen geworden. So auch die spirituelle Entwicklung, familiäre Vorbilder, das Einüben der religiösen Formen, reflektieren der entsprechenden Literatur. Ab dem 14. Lebensjahr kann der Religionsunterricht abgewählt werden. In der Zeit zwischen sechs und vierzehn begleitet die Schule.

Wer anschließend den Religionsunterricht abwählt, sich einer anderen Religion zuwendet oder keine Religiosität ausübt, ist entwickelt genug, zu wissen, was er tut. Darum ist der konfessionelle Religionsunterricht eine Stütze für die Kinder, sich bewusst zu werden, woher sie kommen. Danach ist immer noch Zeit genug, in der Regel ab der fünften Klasse, sich mit anderen Bekenntnissen zu beschäftigen. Nicht wissen, wer man ist, relativiert die jeweilige Entscheidung zu einer nicht-Entscheidung zu Beliebigkeit und Relativierung. Wurzellose Persönlichkeiten, die nicht links und rechts zu unterscheiden wissen, sind eine Gefahr besonders für instabile Gesellschaften. Dies bitte ich, zu bedenken.

– Martina Baro

Die von meinem ehemaligen Kommilitonen Dr. Wagner dargestellten Überlegungen zur Abschaffung des Religionsunterrichts als ordentliches Lehrfach gemäß Art. 7 Abs. 3 Satz 1 GG sind durchaus erwägenswert. Zutreffend weist er jedoch darauf hin, dass gegenwärtig die erforderliche 2/3 Mehrheit für eine entsprechende Verfassungsänderung im Bundestag fehlt. Soweit er allerdings darauf hinweist, dass Berlin und Brandenburg-ohne Verfassungsänderung- den Ethikunterricht in ihren Schulen eingeführt haben, beruht dies auf der Geltung der sog. „Bremer Klausel“ nach Art. 141 GG, wonach für Länder, in denen am 1. Januar 1949 eine andere landesrechtliche Regelung bestand, Art. 7 Abs. 3 Satz 1 keine Anwendung findet. Nur um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Die entsprechenden Bestimmungen zum Ethikunterricht in den beiden genannten Ländern sind somit bereits gegenwärtig eindeutig verfassungskonform! Auf meinen einschlägigen Leserbrief vom 12. Juli 2001 (ZEIT Nr. 29, S. 16) nehme ich in diesem Zusammenhang gerne noch einmal Bezug.

– Dieter Peschke

Ich kann dem Artikel von Herrn J. Wagner nur zustimmen. Ich selbst unterrichte seit annähernd 30 Jahren Religion. Der Bezug meiner Schülerinnen und Schüler zu einer christlichen Kirche schwindet zunehmend, wobei religiöses Interesse und Fragen nach dem Sinn des Lebens durchaus vorhanden sind. Da stellt sich natürlich die Frage, inwieweit der konfessionelle Religionsunterricht an unseren Schulen noch zeitgemäß ist. Ich würde es begrüßen, wenn statt konfessionellem Religionsunterricht eine Art Religionskunde für alle zusammen unterrichtet würde. Die Schülerschaft soll als religionsmündige Menschen die Schule verlassen, also in Grundlage, Bedeutung und Relevanz der christlichen Religion aber auch anderer Religionen Grundwissen erworben und sich eine eigene Haltung erarbeitet haben. Am besten in einer Gruppe, in der unterschiedliche Ansichten vorhanden sind. Die individuelle Bindung zu einer Religion/Konfession ist dann Aufgabe des Elternhauses, der Kirchen oder Glaubensgemeinschaften. Nebenbei bemerkt ist die Zersplitterung der Klassen in unterschiedliche Gruppen schulorganisatorisch eine echte Herausforderung ist.

– Friederike

Hönecke

Der Artikel 7.3. GG ist nicht das stärkste Argument für einen konfessionellen Religionsunterricht, wie Joachim Wagner meint. Vielmehr steht dieser Artikel in einem engen Zusammenhang mit der Begründung der negativen und positiven Religionsfreiheit (GG 4). Das aber wirft ein anderes Licht auf den konfessionellen Religionsunterricht. Ja, dieser verstärkt Differenzen, und dies in einer Zeit, wo das Bewusstsein für konfessionelle Identitäten selbst bei praktizierenden Christen schwindet. Ja, selbst in seiner konstruktiven Fortschreibung zu einem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht, wie er in mehreren Bundesländern etabliert ist, wird er den Herausforderungen durch Säkularisierung und Heterogenität nicht hinreichend gerecht. In Kontexten wie dem Ruhrgebiet oder im Großraum München, wo inzwischen die Mehrheit sich als konfessionslos versteht, kommt dieser schlicht zu spät.

Doch gegenüber dem von Wagner favorisierten religionskundlichen Unterricht birgt er doch einen unverzichtbaren Vorteil: Er beruht auf einem Zugang zur Religion aus der erfahrungsbasierten Teilnehmerperspektive der 1. Person, aus der heraus eine auf Autonomie und Mündigkeit abzielende Urteils-, Handlungs- und Sprachfähigkeit erst möglich wird, woran gerade auch der säkulare Staat ein ganz erhebliches Interesse haben dürfte. Der „Sinn und Geschmack“ fürs Unendliche, der zugleich mit einer Aufklärung von Religion verbunden ist, lässt sich nicht über eine bloße Außensicht anbahnen. Über die Form einer solchen religiösen Bildung in der Schule kann man gewiss streiten. Doch eines ist ein konfessioneller Religionsunterricht sicher nicht: ein Ort der Bekehrung, wie der Autor unterstellt.

– Prof. Dr. Bernhard

Grümme

Danke dafür, dass Sie ein Thema aufgreifen, das der Mainstream mehr oder weniger aus den Debatten heraushält. Diese Fragen sind dennoch im Alltag vieler Menschen allgegenwärtig. Das ist besonders dann der Fall, wenn die politische Kommune ihre ureigenste Aufgabe, die Daseinsfürsorge für ihre Bürger (Krankenhäuser, Altenpflege, Kindergärten und Schulbildung), an Träger der Kirchen überträgt und diese mit allgemeinen

Steuermitteln

finanziert. Dann unterstehen Arbeitnehmer in diesen Einrichtungen den bekenntnisgebundenen Vorgaben und dem Arbeitsrecht der Kirchen. Im Zusammenhang mit Thema „lehren statt bekehren“ fielen mir in diesem Beitrag einige Dinge besonders auf. Religiosität ist eine Seite menschlichen Denkens. Religion, ist das Bekenntnis zu einer als Kirche institutionalisierten Vorstellung die als Lehre verkündet wird. Wie alle Institutionen sind auch Kirchen um ihren Selbstwehalt bemüht.

Deshalb streben sie nach Einfluss, Macht und Meinungsführerschaft. Das zeigt das Beharren auf ihnen vor Jahrhunderten geschenkten Privilegien. 20 Jahre nach dem Ende der DDR, stellt eine Universität in Chicago endlich fest, dass der Osten Deutschlands „die am wenigsten gottesfürchtige“ Region ist. Allein die Verwendung des Begriffs gottesfürchtig zeigt, welche Maßstäbe für diese Studie galten. Die zu fürchtende Gottheit gehört in den christlichen Kirchen in Deutschland wohl eher der Vergangenheit an. Wenn fehlende Gottesfurcht auf die „atheistische“ Bildungspolitik der DDR zurückzuführen ist, frage ich mich, wo Voltaire, Heine, Goethe, die Gebrüder Humboldt und die vielen anderen großen Persönlichkeiten der 2. Phase der Aufklärung (Vernunft an Stelle von Glauben) ihre Bildung erhalten haben. In Bezug auf Bildung und bekenntnisgebundene Erziehung gerät offensichtlich einiges durcheinander.

Bildung auf dem Gebiet der Ethik und der Philosophie bedeutet Gewinn von tatsächlichen Erkenntnissen unterschiedlichster Art. Zum bekenntnisgebundenen Religionsunterricht gehört Erziehung minderjähriger, unmündiger junger Menschen zu religiösen Bekenntnissen, zur Gottesfurcht. Deren persönliche Freiheit zur Entscheidung für die eine oder andere Vorstellung vom menschlichen Sein (Religion, Dogma) wird dadurch eingeschränkt. Mehr als 200 Jahre nach Beginn der Aufklärung und der französischen Revolution ist es an der Zeit, deren Zielstellung „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, wie den Code

civile

mit dem BGB, ebenso in Deutschland praktisch durchzusetzen. Dabei kommt es m. E. darauf an, konsequent der Denkweise der

Laïzität

zu folgen. Diese erhebt die persönliche Freiheit jedes einzelnen Bürgers als Individuum zum Grundsatz aller weiteren Überlegungen.

Schmolling

Den Aussagen im Artikel kann ich komplett zustimmen, allerdings ist darin nicht die Dimension des Problems erfasst: Mittlerweile bestehen Glaubensgemeinschaften nicht mehr nur auf eigenen Religionsunterricht, sondern schon auf eigene (Religions-)Schulen. In unserer Kommune haben wir gerade damit zu tun. Mennonitischer Religionsunterricht wird angeboten, wie auch islamischer, alle schulischen Angebote (Feiern, Klassenfahrten, Theater- und Musikangebote etc.) werden auf die Befindlichkeiten der verschiedenen Glaubensrichtungen abgestimmt (mit den beteiligten Eltern). Das funktioniert – aus Sicht der Schule und der kommunalen Entscheider – gut. Dennoch hat sich die mennonitische Glaubensgemeinschaft entschlossen, eine eigene Grundschule zu bauen.

Die Anträge laufen, wir aus dem Stadtrat haben auch das Gespräch mit den Vertretern der Gemeinde gesucht und geführt. Die unterschiedlichen Meinungen wurden ausgetauscht. Das wird aber voraussichtlich nicht zu einem Umdenken auf einer der beiden Seiten führen. Die Lehrer und Elternvertreter der bestehenden Grundschule und auch wir Mitglieder des Stadtrats sehen in den Plänen zum Bau einer freien christlichen (mennonitischen) Grundschule einen Verlust an Integration und eine freiwillig gewählte Ausgrenzung aus der bestehenden kommunalen Gesellschaft. Parallelstrukturen schaffen Parallelgesellschaften. Wie sich das mit dem rheinland-pfälzischen Schulgesetz verträgt, in dem Beschulung frei von religiösen Absichten gefordert wird, erschließt sich uns nicht.

– Holger Kern

Leider ignoriert der Titel des Artikels, dass Bekehrung schon seit Jahrzehnten nicht zu den Intentionen des konfessionellen Religionsunterrichts gehört, wie ihn sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche konzipieren und durchführen. Allerdings gibt es eine mindestens ebenso lange Tradition der Kritik und Unterstellung, die die Konzeptionen und konkrete Gestalt des Religionsunterrichts konsequent nicht wahrnehmen will. Zu dieser gehört wohl auch der Verfasser. Aus der Organisationsform des Unterrichts abzuleiten, dass er der Integration bzw. dem gesellschaftlichen Zusammenhalt „schade“, entbehrt nicht nur einer soliden empirischen Grundlage, sondern übersieht die Toleranzpotenziale, die eine Auseinandersetzung mit dem je eigenen Glauben bzw. der individuellen Form der Religiosität für einen ernsthaften Dialog mit den konkret Anderen freisetzen. Aus bildungstheoretischer Perspektive ist die

Erwartung,

dass genau dies eine vorgeblich „neutrale“ Religionskunde leisten kann, schlicht naiv und uninformiert.

– Bruno

Strnad

Wie schön, dass Sie auf die Situation des Religionsunterrichtes in Deutschland eingehen. Leider habe ich mich an Ihrem Vorstoß, den bisherigen Religionsunterricht abzuschaffen, ein wenig gestört. Deshalb melde ich mich – ein Theologiestudent aus dem doch so wenig gottesfürchtigen Osten Deutschlands – nun bei Ihnen. Sie möchten den Religionsunterricht zugunsten eines Religionskundeunterrichts abschaffen. Ein Streit darüber mag auf dem ersten Blick wie reine Wortklauberei wirken. Ihr Vorschlag ist bei näherem Blick aber ziemlich radikal und meines Erachtens sogar unsinnig bis gefährlich. Religion – ganz egal welcher Konfession – ist nur im Vollzug erfahrbar. Es ist vollkommen unsinnig, allein über Religion zu sprechen (Religionskunde), ohne dabei jemals mit Religiosität konfrontiert zu werden.

Der (multi-)konfessionelle Religionsunterricht bietet die seltene Gelegenheit, in einem nicht-missionierenden „

safe

space

“, der Schule, mit Religion in Kontakt zu kommen. Es ist längst nicht mehr die Aufgabe von Religionsunterricht, zu missionieren oder besonders fromme Christinnen und Christen zu erziehen. In einem weitestgehend konfessionslosen Kontext soll Religionsunterricht den „Sinn für den Sinn von Religion“ wecken. Das ist zumindest der Forschungsstand in der evangelischen Religionspädagogik. Religionskunde kann das nicht erfüllen. Dass Schülerinnen und Schüler mit gelebter Religion in Kontakt treten, ist dort meist sogar unerwünscht. Dies ist so unsinnig, wie im Unterricht die Strafprozessordnung auswendig lernen zu lassen und dann zu erwarten, dass die Schülerinnen und Schüler eine umfassende Kenntnis des deutschen Rechtssystems hätten.

– Arvid

Büntzel

Konfessioneller Religionsunterricht ist kein Recht der Kirchen, sondern der Schüler*innen!

Der Religionslehrerverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. antwortet auf den Beitrag, in dem sich Joachim Wagner klar gegen konfessionellen Religionsunterricht ausspricht. Er übersieht, wer wirklich vom Religionsunterricht profitiert.

Spoileralarm

: Die Kirchen sind es nicht. Die Kirchen geben Jahr für Jahr viel Geld für Lehrer*

innenbildung

aus. Und doch würden – wenn man sie denn fragte – in jeder Stadt Pastoren beklagen: Trotz hoher Teilnahmezahlen am Religionsunterricht erhöht sich die Zahl der Taufen nicht. Warum auch? Religionslehrer*innen werben ja nicht für die Kirche wie Pannendienstmitarbeiter für den ADAC. Wer denkt, im Religionsunterricht geht es um Bekehrung statt Bildung, der irrt.

Es gelten nicht nur das Überwältigungsverbot und der Beutelsbacher Konsens, sondern das ureigene Ziel religiöser wie aller allgemeiner Bildung: der mündige Mensch. Religionslehrkräfte initiieren transparente, kompetenzorientierte und messbare Bildungsprozesse. Dabei geht es nicht so sehr um abrufbares Wissen über Religion denn um die Lebensfragen der Schüler*innen. Wer zum Beispiel weiß, dass Ostern gefeiert

wird

, weil Jesus am Kreuz gestorben und auferstanden ist, weiß noch lange nicht, was es bedeutet, von einem menschgewordenen, mitleidenden Gott zu sprechen. Wer aber so von Gott zumindest probehalber sprechen kann, kann auch darüber sprechen, was dieser Gott mit unserer Pandemie zu tun hat. Mit diesem Religionsunterricht fördern wir Dialogfähigkeit und Toleranz. Und zwar auch in einer Region, in der nur ca. 5-7 % der Schüler*innen einer Religion angehören.

Trotz so geringer Kirchenzugehörigkeit entscheiden sich weit mehr als 40% der Schüler*innen in M-V für den Religionsunterricht, dem einzigen Fach „zwischen Worten und Zahlen, das für mich wirklich bedeutsam ist, weil es hier um mich geht“, so eine Schülersprecherin auf die Frage, welche Rolle der Religionsunterricht an ihrer Schule spielt. Der Chefkonstrukteur der PISA-Studien, Jürgen Baumert, identifiziert unterschiedliche „Modi der Weltbegegnung“. Gebildet ist, wer zwischen diesen Modi unterscheiden und sich innerhalb dieser bewegen kann. Neben einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Modus, einem ästhetisch-expressiven und einem eher soziologisch-wirtschaftlichen Modus, stellt Baumert den Modus, der sich mit den „Problemen konstitutiver Rationalität“, also kurz: Sinnfragen und Fragen nach der Letztbegründung von Wirklichkeit, befasst.

Im schulischen Fächerkanon zählen dazu Philosophie bzw. Ethik und der konfessionelle Religionsunterricht. Religion muss Teil schulischer Bildung sein, schlicht weil es Religionen gibt. Die Achtung von Artikel 4 des Grundgesetzes sichert Schüler*innen zu, sich mit diesem Weltzugang zu befassen oder auch nicht. Diese Entscheidung aber für die Schüler*innen zu treffen, verträgt sich weder mit dem Grundgesetz noch mit dem Bildungsauftrag von Schule. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben den konfessionellen RU aus mindestens zwei guten Gründen in die Verfassung aufgenommen: Zum einen lebt der freiheitlich-demokratische Staat von Voraussetzungen, die er nicht selbst schaffen kann. Würde er das versuchen, glitte er ins Totalitäre ab, so der Staatsrechtler und Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde. An der Schule soll es möglichst keine Vermittlung von Staatsdoktrin geben, keine Art Staatsbürgerkunde wie in der DDR. Wie wichtig dennoch Demokratie und Grundrechte sind, müssen auch andere, nichtstaatliche Institutionen vermitteln.

Genau deshalb bittet der Staat die Religionsgemeinschaften Bildungsprozesse im Raum von Schule zu initiieren. Zum anderen stellt die Schule eine der wenigen Zwangsinstitutionen in unserem Land dar. Nirgendwo sonst droht der Staat gleich mit exekutiver Härte, wenn man unentschuldigt fehlt (außer im Gefängnis und der forensischen Psychiatrie). Das regelhafte Unterrichten zu Hause ist – auch außerhalb von Pandemien – in den meisten Ländern Europas und der Welt, anders als in der Bundesrepublik, kein Problem. Wo aber der Staat derartig in die Freiheitsrechte der Eltern und Kinder eingreift, muss er dafür sorgen, dass deren Grundrechte innerhalb der Schule Achtung finden. Nur so bleibt Schule als demokratische Institution glaubwürdig. Neben Rechten wie beispielsweise Achtung der Menschenwürde, Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit, gehört dazu sowohl das Recht, sich mit religiösen Positionen auseinanderzusetzen, als auch das Recht, sich nicht mit religiösen Positionen befassen zu müssen. Der konfessionelle Religionsunterricht ist damit eben kein Recht, schon gar kein Privileg der Kirchen, sondern ein Grundrecht der Schülerinnen und Schüler in einem freiheitlich-demokratischen Staat.

– Anne Merkel

Leserbriefe zu „Wenn Worte nicht mehr wirken” von Marc Brost und Bernhard Pörksen

Sie zeigen einige der Probleme des Umgangs mit der Covid-19-Pandemie in Deutschland (und auch in Teilen anderer Länder) in Ihrem Kommentar „Wenn Worte nicht mehr wirken“ in Ihrer Ausgabe vom 17.12.2020 recht gut auf. Allerdings vergessen Sie einen wesentlichen Punkt: Die Diskrepanz zwischen der Rhetorik der Alternativlosigkeit der Politik und deren selbstverschuldeten Hilflosigkeit. Schon seit Beginn der ersten Erkrankungswelle war die Kommunikation der Bundesregierung und der Länderchefs davon geprägt, dass es keine Alternative zu deren Verordnungen gäbe. Meinungen, die nicht dieser Linie folgten, wurden teilweise als unsolidarisch und unwissenschaftlich bezeichnet und häufig sogar in die von Verschwörungstheoretikern gerückt.

Dies kann im Frühjahr noch mit der Geschwindigkeit der Ausbreitung der Krankheit entschuldigt werden, wobei auch zu diesem Zeitpunkt durchaus andere Handlungsoptionen möglich gewesen wären. Jetzt in der zweiten Welle der Erkrankung zeigt sich aber, dass die verantwortlichen Politiker über alle Parteigrenzen hinweg hilflos der Krankheit gegenüberstehen und aufgrund einer fehlenden Strategie hektisch und aktionistisch reagiert und dabei bereits die Kontrolle über die Virusausbreitung verloren hat. Die Bevölkerung ist meines Erachtens durchaus bereit, Einschnitte in ihr Leben zu erdulden – wenn sie einen Sinn und eine Logik – einen klaren roten Faden – in diesen Restriktionen sieht.

Hier wurde und wird aber zu pauschal vorgegangen: Bibliotheken mussten während des Teillockdown schließen – Buchhandlungen blieben offen, Konzert- und Theaterbesuche wurden verboten – Gottesdienst waren (und sind) weiterhin möglich. Diese Liste ließe sich noch weit fortsetzen. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich bin nicht der Meinung der Total-Lockdown hätte schon früher kommen müssen. Im Gegenteil: Das hätte auch vermieden werden können, wenn schon im Frühjahr eine Strategie mit mehreren Szenarien für den Umgang im Rest des Jahres erarbeitet worden wäre. Zeit genug wäre gewesen, passiert ist leider so gut wie nichts.

Die digitale Unterstützung der öffentlichen Verwaltung ist auf dem Niveau mancher Entwicklungsländer (in Bayern bricht regelmäßig die Lernplattform mebis unter dem „unerwarteten“ Ansturm der Schülerschaft zusammen und die Nachverfolgung in bayerischen Gesundheitsämtern basiert auf Karteikarten), Konzepte zur Teststrategie wurden insbesondere vom bayerischen Ministerpräsidenten gutsherrenhaft und ohne erkennbare Sinnzusammenhänge für populistische Zwecke genutzt, die Abschottung von Risikopatienten in Seniorenheimen etc. ist faktisch durch die strengen Besuchsregelungen doch vorgenommen worden. Auch diese Liste ließe sich noch fortsetzen.

Dabei hätte es so einfach sein können: Schnelltests bei Eingängen zu Einrichtungen oder Veranstaltungen, die für eine Vermehrung des Virus hätten sorgen können, kostenlose FFP2-Masken für alle Angehörigen einer Risikogruppe. Diese beiden Maßnahmen, die nun hektisch und zu spät begonnen werden, hätten wahrscheinlich in Verbindung mit einer konsequenten digitalen Nachverfolgung ausgereicht, um die Pandemie im Bann halten zu können. Jetzt wird allerdings deutlich, wie hilflos die Politik agiert und dass sie die Kontrolle über die Entwicklung verloren hat, eher sogar nie gehabt hat.

– Thomas Schwarz

Sicherlich ist bei der Kommunikation zwischen Regierung und Volk während der Corona-Krise sehr viel schiefgelaufen und in Ihrem Artikel werden die Knackpunkte auch richtig aufgeführt. Widersprechen möchte ich aber, dass eine fehlende Leitformel wie 2015 „Wir schaffen das!“ hilfreich gewesen wäre. Solch eine Formel ist in meinen Augen viel zu abstrakt. Schon damals wurde die Formel nach meinem Dafürhalten -positiv gerechnet- von 50% der Bevölkerung als „Ihr schafft das!“ verstanden (zu diesen 50% gehörte wahrscheinlich auch Frau Merkel) und trug nun ja sicherlich nicht zur Problemlösung bei. Unter guter Kommunikation verstehe ich eine Art Dialog, bei dem ich mich als Mensch ernst genommen fühle.

Z. B. hätte man zum Offenhalten der Schulen mit einer ehrlichen Argumentation das Dilemma offen ansprechen sollen: „Wir wissen, dass das Offenhalten der Schulen Risiken bergen und es hierdurch zu Infektionen und auch Todesfällen kommen wird. Trotzdem ist uns die Bildung unserer Jugend diesen Preis wert“. Ob die Diskussion dann zu offenen Schulen geführt hätte, sei dahingestellt, aber die Bevölkerung hätte sich ernst genommen gefühlt. Diese Art der Verständigung lässt sich auf viele Punkte übertragen und ich glaube, dass die Akzeptanz für die getroffenen Maßnahmen wesentlich höher wäre.

– Stefan Wegener

Ich widerspreche Ihren Einschätzungen in dem Artikel zur Corona-Strategie. Die Bilder des Militärkonvois von Bergamo kennen wir alle, sie wurden in diesem Jahr immer wieder zur Hebung der Moral gezeigt. Nur sind es leider die einzigen Bilder,

die einen

Angstschauder hervorrufen können in der Corona-Pandemie. Denn wenn eine Person im Alter 80+, wie es der

Durchschnitt der

Corona-Toten ist, verstorben ist, ist das für die Angehörigen traurig, aber alle anderen begreifen es als Teil des Lebens. Der von Ihnen problematisierte Föderalismus ist nichts Schlechtes, auch in der Pandemie nicht. Warum soll ein nördliches Bundesland die gleichen Regeln haben wie ein südliches, von

dem es

sich in Mentalität und Fallzahlen erheblich unterscheidet? Das wäre für die Akzeptanz der Maßnahmen noch kontraproduktiver als es die jetzigen Maßnahmen sind. Nicht der „Flickenteppich“ ist das Problem, sondern die mangelnde Logik.

Warum müssen halbleere Museen schließen, obwohl es dort meist sehr

leicht fällt

, kultiviert Abstand zu halten, während Fußballer sich umarmen und Gottesdienste und Parteitage stattfinden dürfen? Usw. Die Art der Maßnahmen ist zu pauschal, traut den Bürgerinnen kein selbständiges Denken zu, und offenbart unrühmliche Nähe zu den christlichen Kirchen und anderen Lobbys. Dazu kommt die Kommunikation. Nicht etwa die Indiskretion ist das Problem, denn ohne Medien würden wir oft gar nicht verständlich informiert. Die verschwurbelten amtsdeutschen Anordnungen, die oft „ab morgen“ gelten, während gestern noch gesagt wurde, die alten Maßnahmen gälten für die nächsten drei Wochen,

sie sind

das Problem. Teilweise findet man nicht mal auf Behördenwebseiten die aktuellsten Regelungen. In einem liberalen Land sollte niemand eine Verbindung zwischen „frei Denken“ und gefälliger Presse konstruieren.

Die Maßnahmen selbst sind zu pauschal. Selbst Virologe Prof. Drosten sprach in seinem Blog beim NDR davon, dass man „

tief hängende

Früchte ernten“ sollte statt mit einem pauschalen Lockdown hohe Kosten bei wenig Effekt zu verursachen. Die Enge im ÖPNV wurde niemals thematisiert, ebenso wie in Flugzeug und Bahn. Masken am Arbeitsplatz wurden erst spät gefordert und meines Wissens nie kontrolliert. Warum? Haben etwa Lobbyisten der Staatsunternehmen Einfluss auf Entscheidungen der Ansteckungsbekämpfung genommen? Man weiß es nicht, aber man denkt sich als Bürgerin, dass es viele Stellen gibt, die effektiver in der Ansteckungsverhinderung wären, als der

Einzelhandel oder

die Gastronomie. Das dämpft bei einigen eventuell die Kooperationsbereitschaft. Frau

Priesemann

fordert in ihrem Thesenpapier eine Ansteckungsrate von 10 pro 100000, um die Gesundheitsämter zu entlasten. Warum fragt niemand, wieso die Politik es in 11 Monaten seit Pandemiebeginn nicht geschafft hat, die Gesundheitsämter, die Schulen zu modernisieren?

Warum wird die Überlastung der Pflegekräfte immer noch als Indikator für einen Lockdown herangezogen, statt ihre Zahl endlich großzügig aufzustocken? Der Druck, der auf Pflegekräften, Eltern, Mitarbeiterinnen im Gesundheitsamt lastet, wird als gegeben hingenommen, statt die Passivität der Regierung zu kritisieren. Fragen, die Sie leider nicht stellen. Viele Menschen geben ihre Kontakte bei den Gesundheitsämtern nicht an, um keinen Ärger zu bekommen. Viele Seniorenheime testen nur ungern, um keinen Skandal zu riskieren. Vielleicht ist den Pandemiebekämpfung etwas übertrieben? Vielleicht nicht ganz demokratisch legitimiert? Und viele Menschen fragen sich, wie sich die Bundesregierung die Zukunft vorstellt. Alle bezahlen, damit es nach Corona genauso weitergeht? Tourismus,

Autos ,

Flugzeuge? Ist das eine Zukunftsvision? Nein, immer weniger Menschen wollen dieser Regierung folgen. Darüber sollten wir reden.

– Ilona

Mennerich

Danke für den guten und wichtigen Artikel mit dem Fazit des Sichtbarwerdens eines Denkfehlers in den letzten Monaten. Man könnte noch weitergehen und fragen, warum nicht längst ein zentraler Krisenstab mit Mitgliedern eingesetzt wurde, die z.B. von Leopoldina, Universitäten sowie Max-Planck-, Helmholtz-, Leibniz- und Fraunhofer-Gesellschaft vorgeschlagen wurden. Damit würde das so hemmende Föderalismus-Prinzip und die so störende Parteien-Beeinflussung außer Kraft gesetzt werden. Vielleicht es dafür noch nicht zu spät.

em

. Prof. Dr. Joachim Selbig

Wenn man liest, wie dilettantisch unsere Politiker in der Corona- Krise agieren, dann sehnt man sich nach einem Helmut Schmidt. Der hat mehrere Krisen (Sturmflut in Hamburg, Guillaume/ Brandt- Affäre, Mogadischu- Geiselnahme) souverän gemeistert. Man könnte sich vorstellen, dass er jetzt ähnlich agieren würde, z.B. würde er sich vermutlich über bürokratische Hemmnisse hinwegsetzen, Gesundheitsschutz über Datenschutz stellen, Forderungen aus Wirtschaft und Industrie ignorieren, auf Föderalismus beharrende Provinzfürsten in die Schranken weisen und notfalls auch mal grundgesetzlich garantierte Freiheitsrechte der Bürger außer Kraft setzen. Das soll keine Kritik an Angela Merkel sein, sie bemüht sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Kräften.

– Peter Dodel

In unserer Demokratie ist eine große Koalition doch eigentlich genau die richtige Machtkonstellation, um eine große Krise wie die Coronakrise erfolgreich bewältigen zu können. Lehrbuchmäßig schlägt die Stunde der Exekutive, doch die Politik trifft den unsichtbaren Gegner mit Bazooka, regionalisierten Maßnahmen,

Wumms

, minimalinvasiven Eingriffen und permanent flankierender Kommunikation nicht. Sicherlich sehen Marc Brost und Bernhard Pörksen die unausgesprochene Lösung nicht in einer Diktatur, wenn sie die Politik des Ausgleichs und der Mitte als erschüttert diagnostizieren. Wo wir uns offenbar im Kreise drehen und mitten in der Krise glauben, von der Substanz des vermeintlich Erreichten leben zu können, kommen wir nicht weiter, fallen sogar zurück. Aber das stellt doch nicht die Politik der Mitte und des Ausgleichs grundsätzlich in Frage.

Der von den Autoren benannte offensichtliche und untergründige Erkenntnisschock sollte aber nicht in Schockstarre münden. Ja, das Krisenmanagement in der Pandemie zeigt Defizite im politischen System. Wir sollten uns aber darauf besinnen, dass wir als offene Gesellschaft ein lernendes System sind. Wo vieles erschüttert ist und ins Wanken gerät, müssen wir alle uns bewegen, nicht nur die Politik. Wir brauchen Beweglichkeit und ein gemeinsames Ziel. Wir brauchen das gemeinsame Verständnis, dass es kein Ziel sein kann, die alte Normalität wieder errichten zu wollen. So könnte die Coronakrise ein heilsamer Schock sein, um 2021 einen großen Lernschritt zu gehen. 2021: Zeit der Wahlkämpfe, Zeit der Krisen und die Zeit, endlich größer zu denken.

Auch um wieder eine tragfähige Stufe für überzeugendes politisches Handeln erreichen zu können.

Eine mutige und gut kommunizierte Agende 2030 z.B. könnte es sein, die in einem integrierten Bild mit großen Linien zeigt, wo wir angesichts der Mega-Herausforderungen hinwollen; Stichworte u.a.: Umbau unserer Art zu leben, zu wirtschaften, zu arbeiten, zu verbrauchen, mobil zu sein usw., Wiederherstellung der Regenerationsfähigkeit unserer Lebensgrundlage (Klima, Natur, Artenvielfalt), Digitalisierung, Europa, Weltfrieden. Wenn kleine Schritte ihr Ziel nicht erreichen, ist nicht unbedingt das Prinzip der kleinen Schritte Grund des Verfehlens. Es kann auch das Fehlen eines klaren Ziels sein, das aus dem „

think

big

“ hervorgehen müsste.

– Reinhard Koine

In Ihrem Artikel vermisse ich die Ehrlichkeit. Tatsache ist, dass eine Reihe Politiker die Corona Pandemie benützen, Namen, Profil bei der Bevölkerung mit Bürgernähe zu assoziieren. Das ging schief. Beispiel Eisemann in Baden Württemberg, auch Lascher, versuchten sich zu profilieren, Auch Kretschmann obwohl er es nicht nötig gehabt hätte. Söder hatte von Anfang an eine kompromisslose Agenda auch Merkel. Fazit: Die Politiker, welche diese Pandemie benützen und weiter benützen sind Mitschuld an der hohen Zahl der Toten und der Infizierten. Ohne Skrupel benützen sie die Pandemie um zu gewinnen, um ihre Macht zu festigen.

– Julius Müller

Erst haben ignorante Ministerpräsident*innen – wahrscheinlich aus Angst vor der AfD und einem Teil der eigenen Stammwählerschaft – nicht schnell und konsequent genug gehandelt, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, und nun muss ich als 60-Jähriger wahrscheinlich noch etliche Monate darauf warten, geimpft zu werden, obwohl Impfstoffe vorhanden sind. Hoffentlich ist es dann nicht bereits zu spät. Gutes Gesundheitsmanagement sieht anders aus. Die verantwortlichen Politiker*innen sollten in Zukunft auf die anerkannten Expert*innen hören. Warum lassen sie sich von diesen beraten, wenn sie die Ratschläge anschließend nahezu gänzlich ignorieren?

Offenbar handeln unsere Politiker*innen – wenn überhaupt – erst, wenn die Katastrophe bereits für jeden sichtbar eingetreten ist, nicht schon vorsorglich dann, wenn sie

von kompetenten Wissenschaftler

*innen mit überzeugenden Argumenten angekündigt wird. Sehr viele Menschen müssen wegen dieses Fehlverhaltens unserer Politiker*innen schwere Krankheit oder sogar den Tod erleiden. Hinsichtlich der Klimakatastrophe und des Artensterbens ist leider genau das gleiche Verhaltensmuster zu beobachten: Es wird zu spät und nicht konsequent genug gehandelt.

– Ulrich Willmes

Danke für die ausführliche Befassung mit der Entwicklung der Corona-Pandemie. Äußerst informativ ist die Seite von Marc Brost und Bernhard Pörksen; hier stört mich nur eins, nämlich dass auch die beiden die Formulierung verwenden, die Verbreitung des Virus sei außer Kontrolle geraten. Wann hat sich das Virus jemals kontrolliert verbreitet? Höchstens dann, wenn es von China absichtlich in die Welt gestreut worden wäre, wofür zurzeit wohl nichts spricht. Ebenso informativ der Bericht über Viola Priesemann, wo sich allerdings die Schlaumeierei von Malte Henk gewaltig bemerkbar macht. Wo waren denn die Medienleute und haben ab Spätsommer beharrlich und lautstark massive Einschränkungen gefordert? Ich habe solche Rufe nicht gehört.

– Udo

Kroschewski

Wenn tatsächlich noch während einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin Informationen per Smartphone den virtuellen Sitzungssaal verlassen, dann muss man von einem Abhörskandal sprechen, der entsprechend strafrechtlich verfolgt werden muss. Von der Runde der Ministerpräsidenten muss man erwarten, gerade in Krisenzeiten, dass sie den Wert vertraulicher Verhandlungen schützen und entsprechende Vorkehrungen treffen, dass ein solches „Abhören“ durch Personen, die nicht Ministerpräsident sind, unterbunden wird. Die Ministerpräsidenten tragen die Verantwortung für die Integrität der von ihnen ausgewählten engsten Mitarbeiter. Sollten aber tatsächlich Informationen von Ministerpräsidenten noch während der Verhandlungen weitergegeben worden sein, so wäre das eine unsägliche Verbeugung vor einer populistischen Berichterstattung. Ein solches Verhalten ist mit dem Amtseid nicht vereinbar und gehört verfolgt und angeprangert, von Journalisten, Juristen und integren Politikern.

Im Frühjahr konnte man beobachten, wie Politiker den Empfehlungen von Wissenschaftlern folgten, auch wenn das mit wenig populären Maßnahmen einherging. Es wurden Erfolge erzielt und es mussten Anfeindungen ausgestanden werden. Jetzt, in einer wesentlich brisanteren Phase der Pandemie, scheinen Wahlkampf und Machtpolitik wichtiger zu sein als effektive Maßnahmen. Unter diesen Umständen ist jede Form der Anbiederung unerträglich. Politiker unterschätzen offensichtlich die Macht der Geste und des Verhaltens und überschätzen das gesprochene oder geschriebene Wort. Wie können Politiker erwarten, dass sich die Bürger an teilwiese gravierende Einschränkungen halten, wenn Politiker selbst offensichtlich die einfachsten und elementarsten Regeln guten Regierens und Verhaltens verletzen?

– Thomas

Wartusch

Dem klugen Fazit der Herren Brost und Pörksen, dass in dieser Krise ein grundsätzlicher Denkfehler sichtbar geworden ist, stimme ich zu. Denn mit der notwendigen restriktiven Bestimmtheit, die uns eine erfolgreiche Bekämpfung des Virus abverlangt (hätte), sind wir als ausgeprägt freie und selbstständig (re)agierende Menschen in einer dementsprechend verfassten Gesellschaft schlechterdings nicht vertraut. Zudem verweigern sich nicht wenige Menschen aus den verschiedensten Gründen und Überzeugungen ganz offenbar – und man kann es kaum anders nennen – der (weiteren) Aufklärung. Jene, die in der Politik und Behörden nun eine außerordentliche Verantwortung tragen, werden es aufgrund der derzeitig angespannten Gemengelage ohnehin nichts und niemandem recht machen können.

Gewiss, es wurde bei weitem nicht alles richtig gemacht, und wir – die Gesellschaft als Ganzes also – haben, bei aller Fürsorge und Vorsicht, die Wirksamkeit des Virus in großen Teilen unterschätzt. Jetzt jedoch, nicht zuletzt mittels kurzsichtigen Schuldzuweisungen bewährte Sicherheitsprinzipien aus rein politisch-populistischen Gründen aufzugeben, hieße über den Moment hinaus, die Abwehr gegen den Krankheitserreger weiter zu schwächen und die erlittenen Kontrollverluste schlichtweg zu vergrößern. Und auch, wenn unser Verhalten und Fehlen nur allzu menschlich

war

, ist und sein wird, das Virus lässt sich allein von unserer Vernunft und Disziplin „beeindrucken“.

– Matthias Bartsch

Der Fisch stinkt vom Kopf her

. Inkompetenz in der Politik begleitet uns in Deutschland seit Jahr und Tag auf Schritt und Tritt, sie ist immer da wie ein Dauerschnupfen. In Krisen wie der jetzigen tritt sie allerdings zum Schaden der Bürger, des Landes und des Restansehens des politischen Systems unmittelbar und folgenschwer zutage. Mit Blick auf das kommende Wahljahr wollen die Regierenden bloß niemandem auf die Füße treten, nicht zu Buhfrauen und Buhmännern der Nation werden. Was also tun? „Lockdown light“ und die Verantwortung für den Erfolg den Bürgern und ihrem Verhalten zuschieben. Wenn es klappt, gut. Wenn nicht, dann sind die Bürger eben schuld.

Mißlungen

. Die Folge: „Lockdown light“ folgt auf „Lockdown light“, um schließlich – viel zu spät – in einen härteren „Lockdown“ überzugehen – zu Dauerlasten aller Bürger. Selber schuld, die „Menschen im Lande“ („die Menschen“, so pflegt uns die „politische Klasse“ zu klassifizieren).

Was für eine Frechheit! Im Ergebnis: Großenteils unsinnige Maßnahmen ohne Stufenplan. Nein, so geht das nicht und vor allem nicht weiter! Aber zum Glück ergibt sich für alle „Menschen“ das Fazit von selbst: Die Regierenden stehen nun nicht nur als Buhfrauen und Buhmänner, sondern sogar als an der Macht klebende inkompetente Buhfrauen und Buhmänner da. Selber schuld! Nehmen wir einmal die Gesundheitsämter. Sie sind völlig überlastet. Kein Wunder! War das abzusehen? Ja. Hätte man es verhindern können? Ja. Im März, als den Fachleuten klar war,

daß

im Herbst eine zweite Corona-Welle kommt, hätte man tausende von Zeitverträgen für die Mit- und Zuarbeit in den Gesundheitsämtern abschließen können. Jeder Zeitpunkt nach März hätte auch weitergeholfen, selbst jetzt wäre es, mindestens für das andauernde Problem und die anstehende Impfkampagne, wohl noch sinnvoll.

Dann könnte man lohnend und längerfristig einarbeiten und planen, anstatt in anderen Dienststellen um Freiwillige zu betteln, die dann dort fehlen und ohnehin keine Perspektive auf langfriste Entlastung eröffnen. Nehmen wir einmal die Schließung der Gastronomie. War sie nötig und sinnvoll? Schon im Vorfeld war ziemlich klar,

daß

ein Bereich der bestens mit Hygienekonzepten vertraut ist – nehmen wir die (Nacht-)Bars einmal aus –, kaum für die Verbreitung des Virus verantwortlich sein konnte. Spätestens zwei Wochen danach war jedenfalls der empirische Beweis erbracht. Nehmen wir einmal die Hotellerie und den Begriff „Übernachtungsverbot“. Ergibt ein „Übernachtungsverbot“ einen Sinn? Wohl kaum. Das Problem ist nicht die Übernachtung im Hotel, einsam oder en

famille

, im Gegenteil, sondern wenn überhaupt der Städte- und Shoppingtourismus am Tag.

Nehmen wir einmal den Stufenplan der Corona-Maßnahmen. Gab es für die Bewältigung der zweiten Welle überhaupt einen Stufenplan? Nein. Wäre er sinnvoll gewesen? Ja. Auf die (ergebnislose) Stufe der Schließung der Gastronomie folgt nun mit fast zwei Monaten Abstand die Schließung der Schulen durch vorgezogene Weihnachtsferien als zweite Stufe. Und dazwischen? Wie wäre ein zweiwöchiger Verzicht auf den Personennahverkehr als Testlauf gewesen? Wie wäre eine Durchtestung in den Schulen und eine zweiwöchige Schließung zwischendurch gewesen? Die Fachleute

wüßten

bestimmt noch andere temporäre Versuchsterrains für die Durchführung eines Stufenplans. Nehmen wir einmal die Pandemie-Aufklärung: Abstand, Mundschutz, Handhygiene,

husten

und niesen „in den Ellenbogen“ (so der Vorschlag der Bundesbahn im Frühling)! Was ist denn nun mit Türklinken, mit metallischen Oberflächen, mit Glas,

mit den Verpackung

im Supermarkt, mit den Weihnachtspaketen, mit den Haustieren, mit meinen Jeans und meinem Mundschutz?

Warum gehen viele Menschen einsam im Wald mit Mundschutz spazieren? Da ist doch wohl ein Defizit in der Aufklärung auszumachen! Wie steht es um die faktische Wertschätzung unseres medizinischen Personals? Warum dürfen an Billigläden endlose Schlangen von Leuten stehen und Kultureinrichtungen mit ausgezeichneten Hygiene-Konzepten keine Besucher einlassen? Usw. Nehmen wir zum

Schluß

einmal Sachsen. Auch hier sind natürlich die „Menschen“ verantwortlich. Oder vielleicht doch nicht? Wie läuft das mit der Quarantäne? Gar nicht bis planlos. Hundert Grundschulkinder werden in die Quarantäne geschickt, weil es Corona-Fälle unter den Betreuern gegeben hat. Tests bei Kindern und Familienmitgliedern? Nein, warum auch? Denn so müssen ja nicht die Familien in Quarantäne, sondern nur die Kinder.

Und das wiederum ist selbstverständlich zielführend, wenn man zwei Meter Abstand hält, Mundschutz trägt, die Kontakte zum Kind auf ein Minimum reduziert und ihm ein eigenes Zimmer zur Verfügung stellt – so die Anweisung des Gesundheitsamtes.

Wir benutzen seitdem zum Zähneputzen und zum

Poabwischen

Besen – zwei verschiedene, versteht sich. Die Quarantäne-Anordnung des Ordnungsamtes im

übrigen

trifft genau eine Woche nach Ablauf der Quarantänezeit ein. Warum erfährt man eigentlich nicht, wenn im eigenen Haus ein Quarantänefall auftritt? Wie kommt es,

daß

gerade in den an Tschechien grenzenden Regionen die Infektion seit nun zwei Monaten grassiert? Da es nicht an der besonders feuchten Aussprache dort liegt,

muß

es wohl andere Gründe geben. Vielleicht die hohen Infektionszahlen in Tschechien vor dem Anstieg in Sachsen, also der Tourismus, die Berufspendler und der kleine Grenzverkehr?

Das hätte durch frühzeitige temporäre Schließung der Grenze oder wenigstens intensivste Kontrollen ausgeschlossen oder nachgewiesen werden können. Usw.

Daß

uns jetzt auch die mangelhafte Digitalisierung und der versäumte Ausbau der Infrastruktur mit besonderer Wucht auf die Füße fallen – so z. B. an den Schulen und an vielen Universitäten –, ist nur ein zusätzliches Problem.

Der Flurschaden, hier blende ich

bewußt

das menschliche Leid und die medizinische Problematik aus und rücke die nationale Dimension

in der Vordergrund

, den das sog. Krisenmanagement

hinterläßt

, ist, soviel steht wohl schon jetzt fest, enorm: Wirtschaftlich (davon ist auch ohne Fachkenntnisse auszugehen) und sozial (wobei sich hier ja erfreulicherweise durchaus auch gegenteilige Entwicklungen aufgetan haben). Schlimmer noch ist aber meiner Ansicht

nach der politische Schaden

: Die demokratische Regierung erweist sich als weitgehend handlungsunfähig, als planlos, als inkompetent, aber machtversessen und als verhängnisvoll zögerlich und unorganisiert, ohne eindeutige Prioritäten setzen und dann auch durchsetzen zu wollen oder zu können. Von 1932 sind wir noch ein Stück entfernt. Fragt sich nur wie weit?

– Dr. Michael

Lingohr

Sie schildern die Krisenmanager in unserer Regierung als Personen, die von unserer Gesellschaft das Bild des deutschen Bürgers mit ausgeprägtem Gemeinsinn und Fürsorge für die Schwachen haben. Außerdem seien die Deutschen für rationale Argumente empfänglich. Dies mag für einen Teil der Bevölkerung gelten, für die Mehrheit der deutschen Bürger in einer auf Hedonismus getrimmten Konsumgesellschaft ist dies aber eine krasse

Fehleinschätzung !

Wie Sie richtig

schreiben, lag

ein Grund des Versagens des „weichen Lockdowns“ in der deutschlandweit verwirrend unterschiedlichen Kommunikation.

Wenn man aber wachen Auges seine Mitmenschen im Alltag beobachtete, musste man immer wieder feststellen, dass erwachsene Menschen einfachste AHA-Regeln fröhlich nicht beachteten. Der Hedonist hat eben nicht immer Lust zur Umsetzung sinnvoller Maßnahmen, und schon gar nicht in der Vorweihnachtszeit. Zwar zeigt der Föderalismus Schwächen im Krisenmanagement, aber zum guten Teil hat unsere Bevölkerung den weichen Lockdown selbst vermasselt – insbesondere in Regionen mit aktuell rasantem Anstieg der Fallzahlen. Deutliche Worte dazu habe ich bisher nur von Michael Kretschmer, Ministerpräsident in Sachsen gehört, andere Repräsentanten schweigen dazu und hoffen auf die Wirkung des harten Lockdowns.

– Dr. Thomas

Rutt

Vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Artikel, der klar aufzeigt, woran das Krisenmanagement in Deutschland hapert. Ein Aspekt, den ich gerade persönlich erlebt habe, wird jedoch nicht erwähnt, der meines Erachtens auch einen großen Anteil haben könnte, je nachdem, wie repräsentativ mein Erleben ist. Und zwar geht es um die Organisation und das Durchgreifen bei aufgetretenen Infektionen und das Verhindern von Ansteckungen. In der KiTa unseres Sohns gab es einen „

Coronafall

„. Wir wurden vormittags informiert, dass wir ihn sofort abholen sollten. Weitere Informationen: zunächst Fehlanzeige. Das Gesundheitsamt würde sich bei uns melden. Hier meine erste Frage: Wie kann es sein, dass es im 10. Monat der Pandemie keine Flyer oder ähnliches Informationsmaterial gibt, dass den Eltern dann direkt in die Hand gedrückt wird?

Oder wenigstens ein mündlicher Hinweis darauf, wie man sich jetzt verhalten soll (nämlich zum Beispiel nicht mit dem Kind einkaufen gehen, wie es einige Eltern

getanhaben

). Erst gegen Abend wurden dann Informationen per

Email

versandt. Die Kinder sollen in häusliche Quarantäne, die Kinder seien räumlich zu isolieren und man solle auch für die Zeit der Quarantäne von ihnen Abstand halten- für noch 10 Tage. Geschwister können weiter zur Schule, das Elternteil, das nicht mit dem Kind zuhause ist, geht weiter zur Arbeit. Hier ging es um die Kindergartenabteilung der KiTa, also

3-6 jährige

Kinder. Ich gehe stark davon aus, dass es für die meisten Eltern ein Ding der Unmöglichkeit ist, ihr eigenes Kleinkind zehn Tage lang nicht zu umarmen oder zu streicheln, ja noch nicht einmal im gleichen Raum mit ihm zu sein.

Aber daran hat niemand gedacht, der oder die mitentschieden hat, diese Richtlinien an

KiTas

weiterzuleiten? Es wäre doch einfach zu sagen, dass das betreuende Elternteil sich mit isoliert. Man muss also annehmen, dass hier eventuelle Viren ohne Einschränkung weiter in Schulen und an Arbeitsplätzen verbreitet wurden. Da, wie oben erwähnt, wir uns bereits im zehnten Monat der Pandemie befinden, ist dies meines Erachtens kein Vorgehen, das mit derzeit überlasteten Behörden zu entschuldigen. Weiterhin wurde auch noch betont, dass man das Kind testen lassen KÖNNTE, wenn man das MÖCHTE. Hier hätte ich mir trotz Überlastung und Mangel an Tests gewünscht, dass zumindest eindringlich zu einem Test geraten worden wäre.

– Eine Leserin

Leserbriefe zu „Zählen Argumente noch?”. Streit zwischen Franziska Heinisch und Ulf Poschard geführt von Jochen Bittner und Charlotte

Parnack

Interessant, dieses Streitgespräch zwischen einer Klimaaktivistin und einem Chefredakteur. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass inzwischen wohl auch der letzte weiße Mann verstanden hat, dass die kommende Generation sich die Welt anders vorstellt. Schade, dass Herr Poschardt trotz seines Buchtitels „Mündig“ scheinbar nicht in der Lage ist, eine junge, andersdenkenden Frau ernst zu nehmen. Ironische „Genderstern-Pausen“ sind nur schwer zu ertragen und untermauern eher die Eingeschränktheit im Denken des weißen Mannes. Gegen Ende des Gespräches schafft es Herr Poschardt nicht einmal mehr ein Gegenargument vorzutragen, stattdessen verallgemeinert er seine Verletztheit aufgrund eines Tweets („... alten Männern den Tod zu wünschen“). Diese Argumentationsweise ist hoffentlich wirklich eine aussterbende Art.

– Kolja Lau

Ohne die Moderation wäre das Gespräch wohl völlig entglitten. Ohne die Perspektive der Veröffentlichung wäre es sicherlich abgebrochen worden. Die Gesprächspartner sprechen kaum miteinander. Sie setzten ihre Positionen gegeneinander, ohne sich ehrlich auf das Gespräch einzulassen, ohne zu argumentieren. Die Positionierungen sind eher so angelegt, dass die eigene Community als Leser das jeweilige Standing bewundern können. Besonders, wenn es gelingt, die

GesprächspartnerIn

zu provozieren, bloßzustellen, zu verletzen. Wechselseitige Wertschätzung ist nicht spürbar, eher Abneigung. Ein Streit als Schlagabtausch, bei dem es um das Dominieren, um das Gewinnen geht. Vermutlich sind beide in der irrigen Einschätzung, gewonnen bzw. nicht verloren zu haben, mit der Veröffentlichung dieses misslungenen Streitgesprächs einverstanden gewesen. So haben die Leser ein Streitgesprächsbeispiel gewonnen, das zeigt, wie es ist, wenn nicht argumentiert wird.

– Reinhard Koine

Es freut mich sehr, dass die Zeit ein ganze Seite Raum gibt für 2 Positionen zum Thema Klimarettung,

ect.

die nicht weiter auseinander liegen könnten. Vor ca. 3/4 Jahr gab es eine ähnlich interessante Diskussion zwischen Luisa Neubauer

und ???

Es zeigt sich, dass alt werdende weiße Männer ausgereift, stringent und fit die Meinungsführerschaft der Generation Deutschland-AG hervorragend vertreten können gegenüber der Jugend. So wird man Chefredakteur der WELT. Als Akteur in der Klima- / Menschheitsrettung ginge seine Eignung sicher

gg

. Null. Mit dem Hohelied der Globalisierung und abgedroschenen Phrasen, wie z.B. vom „Mitnehmen der Bevölkerung“ kann das Klima nicht gerettet werden. Das ist althergebrachte Polemik und Verweigerung gegenüber der bekannten Sachlage und der schon lange existierenden geeigneten Gesetzeslage.

Es hilft auch nicht zu warten bis die Generation der Verweigerer stirbt. Soviel Zeit gibt uns das Klima nicht mehr. Am Ende eine hochinteressante Darstellung der momentanen Konfliktlinie, in deren vorderster aktueller Verteidigungsfront ein erzkonservatives Zeitungsmedium steht. Die Jugend ist in der geschliffenen Rede und Argumentation nicht auf Augenhöhe mit den Streitern der Deutschland-AG. Sie sollte sich nicht darum bemühen, ja sogar davor hüten, das würde nur Energien binden und in der Breite der Bevölkerung nicht zum notwendigen Verständnis führen. Ihre Stärke ist, Offenheit, Ehrlichkeit, eine unkomplizierte Sprache und grundsätzlich richtig in der Sache zu liegen. Ich kann nur sagen: Franziska, Luisa, Greta, .... mit Volldampf weiter so. PS: Hr. Poschardt, alles Frauen, das sollte uns alten Männern zu denken geben, ob nicht schon das Patriarchat als erstes Opfer des Klimawandels feststeht?

– H. Giller

Gerne schaue ich in meine frischgeputzten Außenlaternen, in denen sich kleine Weihnachtskerzenbirnchen spiegeln und denke, wie schön unbeschwert doch Weihnachten war und hoffentlich

wieder

wird.

– Maria Brand

Wer hier angemessen, sachlich und vor allem zugewandt und ernsthaft argumentiert hat, ist keine Frage. Ich empfinde es vor allem bedauerlich, aber auch peinlich, mitzubekommen, WIE tief gekränkt Herr

Porschardt

ist, dass er derart um sich schlagen muss. Selbst wenn er es noch einmal erklärt bekommt, wird ihm der Unterschied zwischen „den Tod wünschen“ und erleichtert sein, dass er eintreten wird, nicht zur Kenntnis nimmt und wiederholt seine Verdrehung. So kann ein Streit nicht fruchtbar werden, ein Gespräch nicht gelingen. Beruhigend ist, dass es Menschen wie Frau Heinisch in unserer Gesellschaft gibt. Ich wünsche Ihr auch weiterhin Geduld mit uns Alten (ich bin 56), Beharrlichkeit, Ausdauer und viele MitstreiterInnen! Ich bin dabei!

– S. Riffel

Die herablassende Art, in der Herr Poschardt Frau Heinischs Ansichten und Standpunkte auf ihr aus seiner Sicht offenbar zu geringes Alter zurückführt, ist schwer zu ertragen. Er scheint seine „liberale“ Mischung aus Verantwortungslosigkeit und Rücksichtslosigkeit für das Ergebnis eines geistigen Reifungsprozesses zu halten. Weit gefehlt!

– Andreas Maaßen

Mich würde interessieren, was uns Jochen Bittner und Charlotte

Barnack

mit diesem Gespräch sagen wollen. Gespräch ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für einen juvenilen Schlagabtausch zwischen einer jungen Aktivistin und einem Chefredakteur, der gern alt sein möchte, aber in der Tat trotz seiner 53 Jahre nicht besonders reif wirkt. Beide beziehen sich auf Auseinandersetzungen, die offensichtlich auf Twitter geführt wurden. Meinetwegen können sie den Streit gern dort weiterführen. Diese Art von Schlagabtausch bringen uns Zeitleserinnen und Zeitleser nicht weiter. Vor einigen Jahrzehnten hätten solche Streithähne die Angelegenheit im Morgengrauen auf einer einsamen Wiese bereinigt. Streitgespräche sind natürlich völlig in Ordnung und können uns bereichern, wenn die Standpunkte durch stichhaltige Argumente untermauert sind und der Diskurs auf Polemik, Unterstellungen und persönliche Attacken verzichtet.

– Alain

Sourrouille

Die Freiheit des Herrn Poschardt – oder: Die Freiheit des Egos.

Mit freudvoll aufbegehrendem Widerspruch habe ich das Streitgespräch zwischen Franziska Heinrich und Ulf Poschardt in der jüngsten Ausgabe der „Zeit“ gelesen. Wie so häufig waren es vor allem die Aussagen des Herrn Poschardt, die mich mit Streitlust erfüllten. Es ist bekannt, dass Herr Poschardt sich in der Rolle des Provokateurs gefällt. Selbst würde er sich wohl eher den Mantel des Diskursöffners überwerfen. Ein Denker, der in Zeiten vermeintlicher linker Debattenhegemonie als Streiter für die Meinungspluralität eintritt. Oder wie er es im besagten Interview von Frau Heinisch fordert, „das Debattenganze im Blick [zu haben]“. Passend hierzu pocht Herr Poschardt dann auch darauf, Klimaaktivisten müssten „eine demokratische Kultur mitprägen, in der die Leute sich nicht von der Arroganz und Borniertheit mancher

Aktivist(

ironische

Pause)innen

vor den Kopf gestoßen fühlen.“

Wie Recht Herr Poschardt mit dieser Aussage doch hat! Arroganz und Borniertheit dürfen niemals einen Diskurs bestimmen, andernfalls wird er verstümmelt! Reiben wir uns also verwundert die Augen darüber, dass Herr Poschardt allein in diesem Interview ganze dreimal das Alter von Frau Heinisch zum Anlass nimmt, um ihre vorgebrachte Position zu diskreditieren. So gibt er nicht nur herablassend zu verstehen, dass es vollkommen okay sei, mit 21 Jahren Sozialistin zu sein, sondern es erfreut ihn auch, wenn „20 Jährige“ (sic!) ihm seine Position nicht durchgehen lassen, nur um ironisch hinterherzuschieben, dass er derartige Sätze zuletzt in seiner Schulzeit gehört hätte. Und auch wenn Herr Poschardt das klimaaktivistische Engagement von Frau Heinisch mit den Adjektiven „rührend“ und „jugendlich“ umschreibt, ist die Stoßrichtung klar. Herr Poschardt sagt es zwar nicht, doch er insinuiert es: Die Sprecher*in sei aufgrund ihres Alters eigentlich gar nicht in der Position ihm Vorhaltungen zu machen oder ihm argumentativ Paroli zu bieten.

Bestimmte Anklagen dürften eben schon allein deshalb nicht hervorgebracht werden, weil sie eine Altershierarchie unterwandern, die zu schützen sei. Er rührt ungesagt an einem Anspruchsgefühl, das ausbuchstabiert in etwa lauten könnte: Mit fortschreitendem Lebensalter erwirbt sich der Mensch ein Recht auf Immunität gegen widerstreitende Argumente. Zumindest dann, wenn der Widerspruch von Sprecher*innen geäußert wird, die jenes biblische Alter des Herrn Poschardt noch nicht erreicht haben. Ein von Alters wegen gewonnenes Gewohnheitsrecht der Meinungshoheit sozusagen. Doch selbstverständlich wäre es zu einfach und kurzsichtig, ja geradezu kindisch, würden wir Herrn Poschardts Position nur auf seine arrogante Gönnerhaftigkeit reduzieren. Viel entscheidender ist doch seine formelhafte Antwort auf die Probleme unserer Zeit, nicht nur auf das Problem der erodierenden Debattenkultur, sondern auch auf das Problem eines kollabierenden Ökosystems. Seine Antwort lautet schlicht: Freiheit.

Frau Heinisch weist Herrn Poschardt in dem Gespräch daraufhin hin, dass diese Antwort der Größe des Problems Klimakrise nicht gerecht werde und zeigt richtigerweise auf, dass es einen inneren Widerspruch darstellt, eine Freiheit zu propagieren, die in Zukunft jeder Entscheidungsmöglichkeit zunichtemacht, da sie in globaler Zerstörung mündet. Herr Poschardt hält dem entgegen, dass Verzicht keine Mehrheiten generieren könne, der Mensch auch in seinen hedonistischen Wünschen abgeholt werden müsse. Als ein „Liberaler“ glaubt Herr Poschardt außerdem an das, was man in Freiheit schaffen kann. Er wünscht sich daher eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der sich disruptiv-innovative Köpfe wohlfühlen und uns alle mit ihren außergewöhnlichen Ideen aus der Krise führen. Selbstverständlich hält er den Kapitalismus in diesem Zusammenhang für das einzige System, das eine Antwort auf die Klimakatastrophe finden kann. Ich sage, dass nicht Herrn Poschardts Antwort falsch ist, sondern seine Vorstellung dessen, was Freiheit eigentlich bedeutet.

Grund genug also, seinen Freiheitsbegriff näher zu betrachten. Er wünscht sich disruptiv-innovative Köpfe. Eine Forderung, die so auch allenthalben im Silicon Valley zu hören ist und die nichts weiter bedeutet als: Lasst den Staat schrumpfen, die Intelligenz Einzelner wird uns alle retten. Was Herr Poschardt nicht sagt: Die Intelligenz Einzelner, die er beschwört, wird stetig auch nur für den Nutzen einzelner zum Einsatz gebracht. Denn sie folgt der Idee einer Freiheit, die individuelle Freiheit nur daran bemisst, wie wenig Widerstände sich dem eigenen Handeln in den Weg stellen. Da Herr Poschardt es studiert hat, wird er wissen, dass diese Idee der Freiheit in der Philosophie identifiziert wird. Eine geläufige Terminologie und unter anderem von Axel Honneth hervorragend beschrieben, ist die der bloß negativen Freiheit.

Im Übrigen findet es Honneth auch mit 71 Jahren noch okay, sich als Sozialist zu bezeichnen. Über Robert Nozick, einen Vertreter der Idee der bloß negativen Freiheit und intellektuellen Vorbereiter des modernen Liberalismus, schreibt Honneth in seinem Buch „Das Recht der Freiheit“: „Alle Lebensziele, so unverständlich, selbstdestruktiv oder idiosynkratisch sie auch sein mögen, müssen als Zweck der Realisierung von Freiheit gelten, solange sie nur die Rechte anderer Personen nicht verletzten.“ Idiosynkratische Ziele, wie etwa der Wunsch, in einem Porsche sitzend, ohne Tempolimit über eine Autobahn rasen zu dürfen, müssen also ohne Widerstand von außen realisierbar sein, wenn wir von einer freien Gesellschaft sprechen wollen. Es ist müßig darzulegen, dass Wünsche dieser Art nicht einmal die Minimalstandards einer Freiheitsdefinition a la Nozick erfüllen, da sie in ihrer Konsequenz sehr wohl direkt oder indirekt die Rechte anderer verletzen.

Sei es durch das unmittelbar erhöhte Risiko, dem andere ausgesetzt werden oder sei es durch die größeren globalen Folgen, die ein solches Verhalten nach sich zieht. Diese Vorstellung von Freiheit krankt nicht nur an den Widersprüchen ihrer Folgen, sondern sie trägt die Inkonsistenz bereits in ihren theoretischen Grundannahmen. Denn niemand, der*die sich nur dann als frei definiert, wenn die Umsetzung der eigenen Ziele nicht von außen gehindert wird, ist zeitgleich auch bereits im Besitz der Mittel, um die eigenen Wünsche zu realisieren. Das bekannte Diktum, wonach der Mensch keine Insel ist, trifft auch in der Debatte über Freiheit zu. Für unsere eigene Freiheit sind wir auch auf die Freiheit anderer angewiesen. Nur wenn andere das tun, was sie tun, kann ich das wollen, was ich will. Und genauso brauchen andere mich, um ihre eigenen Ziele zu realisieren. Wir müssen also damit aufhören, die anderen nur als die Grenze unserer Freiheit zu betrachten.

Die anderen sind die notwendige Bedingung meiner eigenen Freiheit. Das heißt auch, dass die Gesellschaft das Medium ist, in der Freiheit überhaupt erst organisiert, vermittelt und mithin ermöglicht wird. Der Schlüssel, um in anderen Menschen die Ermöglicher meiner eigenen Freiheit zu erblicken, ist daher auch die wechselseitige Anerkennung. Für diese Form der Anerkennung braucht es eben auch rechtliche Grenzen und es braucht offene Diskurse darüber, ob tatsächlich jedes individuelle Ziel ein legitimes Ziel ist. Wir brauchen gedankliche Offenheit dafür, dass die anderen zwar allzu oft der eigenen Freiheit dienen, wir jedoch nicht bereit sind, uns in gleicher Weise als Garanten ihrer Freiheit zu betrachten.

Die Debatte um das landesweite Tragen von Schutzmasken verdeutlicht in geradezu grotesker Weise, welche Dringlichkeit dieser Diskurs besitzt. Es geht in der Debatte über die richtigen Maßnahmen in der Klimakrise also nicht um Verzicht oder Innovation, wie es Herr Poschardt uns weiß machen möchte. Es geht vielmehr darum, den Modus der wechselseitigen Anerkennung in der Gesellschaft zu fördern. Um Herrn Poschardt zu paraphrasieren: Es reicht auch nicht aus, auf Deregulierung und Innovation zu setzen, es braucht auch die Einsicht in unsere wechselseitige Abhängigkeit. Erst wenn wir diese Abhängigkeit als etwas Positives zu verstehen lernen, können wir uns als Gesellschaft den Problemen widmen, die nur über gemeinsame Zwecksetzungen zu lösen sind.

– Alexander Witte

Eine junge Studentin, die meine Enkelin sein könnte und der Chefredakteur einer großen Tageszeitung, der mein Sohn sein könnte, diskutieren Fragen von zentraler Bedeutung für die Zukunft der Menschheit und unseres Planeten. Da sollte man vermuten dürfen, dass der Ältere die überzeugenderen Antworten zu geben vermag. Doch weit gefehlt! Der Herr Chefredakteur mokiert sich zunächst arrogant über das „rührende jugendliche Engagement“ seiner Kontrahentin, um dann sattsam bekannte Lösungsvorschläge zur Bewältigung der Probleme zu wiederholen: „Innovationen“ etwa sollen es richten.

– Dr. Wolfgang E. Fischer

Die Argumentationslinie von Franziska Heinisch folgt der naiven Einstellung „Wenn alle das tun, was ich für richtig halte, dann wird die Welt gerettet“. Damit wurde schon viel Unheil angerichtet. Ich hätte nie gedacht, dass der kaiserlich-reaktionäre Anspruch „Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen“ eines Tages von den Linken gekapert wird.

– Martin Loser

Mich würde interessieren, was uns Jochen Bittner und Charlotte

Parnack

mit diesem Gespräch sagen wollen. Gespräch ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung für einen juvenilen Schlagabtausch zwischen einer jungen Aktivistin und einem Chefredakteur, der gern alt sein möchte, aber in der Tat trotz seiner 53 Jahre nicht besonders reif wirkt. Beide beziehen sich auf Auseinandersetzungen, die offensichtlich auf Twitter geführt wurden. Meinetwegen können sie den Streit gern dort weiterführen. Diese Art von Schlagabtausch bringen uns Zeitleserinnen und Zeitleser nicht weiter. Vor einigen Jahrzehnten hätten solche Streithähne die Angelegenheit im Morgengrauen auf einer einsamen Wiese bereinigt. Streitgespräche sind natürlich völlig in Ordnung und können uns bereichern, wenn die Standpunkte durch stichhaltige Argumente untermauert sind und der Diskurs auf Polemik, Unterstellungen und persönliche Attacken verzichtet.

– Alain

Sourrouille

Ich halte Ulf Poschardt für einen hoch intelligenten, begnadeten Polemiker und Provokateur, der, diese Hoffnung habe ich, eines Tages merken wird, auf welch grausamen Holzweg er unterwegs ist. Leider ist es zurzeit so um die deutsche Debatten-Kultur bestellt, dass wir ihn dennoch brauchen. Franziska Heinisch mit ihrem „rührenden jugendlichen Engagement“ (Arroganz à la Poschardt) ist mit 21 Jahren schon weiter als der 53-jährige „Welt“-Chefredakteur, der,

verbunkert

in seiner liberalen Maginot-Linie, mit marktkonformen Lösungen um sich ballert. Bewahren Sie Zuversicht und Lebensfreude.

– Kurt Eimers

Leserbriefe zu „Was, wenn sie wahr werden?” von Jens Jessen

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln schreiben Jens Jessen und Thomas

Assheuer

über die Bedingungen und die irrlichternden Ausprägungen des Wünschens. Unabhängig davon, ob diese Bedingungen nun im Inneren oder im Äußeren liegen und ob in der Wunscherfüllung Inneres oder Äußeres sich zeigt: Wünschen scheint unersättlich zu sein. So kommen beide Autoren in ihren divergierenden und jeweils zwingenden Texten logisch zu der Frage nach den Bedingungen für das Nicht-Wünschen. Hier der Versuch einer zwanglosen Antwort: Solange eine Differenz besteht, gibt es Bewegung, die das Wünschen nährt. Bewegung kommt zur Ruhe mit dem vollständigen Ausgleich der Differenz.

In der Ruhe gibt es nur noch die nicht mehr sichtbare innere Bewegung, reine Möglichkeit. Mit gemeinsamem Wünschen lassen wir ohne Druck Möglichkeit zu. Eine schöne Übung zu Weihnachten: Stille Nacht. Im Zentrum stehen nicht wir, sondern Gott, der unerklärliche Urgrund allen Seins (Evelin Finger). Schön der Gedanke, dass alle Wünsche erst mit ihrem Erlöschen in Erfüllung gehen (Marcel Proust). Bei meinem Versuch, nach etwas Belangvollem Ausschau zu halten, mich den wahren Sorgen der Menschheit zuzuwenden und von mir abzusehen, bin ich auf mich gestoßen (Gabriele Wohmann).

– Reinhard Koine

Hervorragend beschreibt Herr Jens Jessen, dass die Erfüllung unserer Wünsche eine zwiespältige Angelegenheit sein kann. — Laut „Tag der Schöpfung“ (2.7.2006,

Böfingen

/Jungingen) benötigen wir noch 5-6 weitere Erdkugeln, wenn alle Menschen den durchschnittlichen Lebensstil der westlichen Industriestaaten weiterhin anstreben. Dazu fallen mir einige Fragen

ein :

Warum ohne zwingende Not (also freiwillig) mit den Folgen maßloser Wünsche einem Menschen, einem Tier, dem Klima, der Umwelt und den Ressourcen direkt und indirekt einen Schaden

zufügen ?

Warum mit großer Wahrscheinlichkeit unseren Enkeln und Ur...

enkeln

ein Leben in Würde bzw. ein Überleben unmöglich

machen ?

Wird mit solchem Verhalten nicht die Grenze der Freiheit weit überschritten und somit sogar unser kostbares Gut, die Freiheit, zunehmend

zerstört ?

Hat die Politik die Fähigkeit und den Willen, noch rechtzeitig die notwendigen Gesetze zu

erlassen ?

Gesetze, die die Einhaltung von ausreichend umweltverträglichem und sozialverträglichem Verhalten der Bürger in den westlichen Industriestaaten zur Folge

haben ?

— War und ist der durchschnittliche westliche Vor-Corona-Zeit-Lebensstil (ökol. Fußabdruck) aus globaler Sicht

verantwortbar ?

Es gibt doch hervorragende Vorbilder und Schriften.

Beispiele :

Sokrates. Der Mensch Jesus. Franz von Assisi. Kategorischer Imperativ (KI) von Immanuel Kant. Religionsfreie Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus. — Sind ein ausreichend umweltverträgliches, sozialverträgliches und ethisches Verhalten sowie eine entsprechende Kindererziehung nicht der einzige verantwortbare Weg in die

Zukunft ?

– Volker

Freiesleben

Super geschrieben! Glückwunsch! Ihr Thema ist passend zur Pandemie. Per Gesetz wurde die Geschäftigkeit eingeschränkt und bescherte uns zur Weihnachtszeit 2020 Ruhe und besinnliche Feiertage. Einmalig! Wir sollten uns jetzt auf das Wesentliche konzentrieren. Gerne hätte ich davon einen Abdruck.

– Eckhard Kröncke

Ich

verstehe :

es wäre wünschenswert nicht so viele Wünsche zu

haben !

Diese Maxime ist aber nur an die sogenannte 1. Welt

gerichtet !

Der werte Herr hat ja hinlänglich die negativen wie auch positive Effekte des Wünschens erörtert und das Prinzip des Wünschens dabei nicht vollends in Abrede gestellt – kann man (er) auch nicht — um es kurz zu

machen :

Der Autor vernachlässigt ein fundamentales

Evolutionsmuster ,

das des

Überlebenswillen ,

der Erhaltung der

Spezies !

Es beginnt im Wettlauf der

Spermien ,

der Erste

gewinnt ,

alle andern bleiben auf der

Rennbahn !

Heute leben fast 8 Milliarden Menschen auf dem Planeten und niemand

maße

sich an welche Wünsche wer und wer haben oder nicht zu haben

habe !

Angesichts des Potentials an Wünschen von all den armen Teufeln auf diesem Planeten ist es müßig darüber zu streiten oder zu

moralisieren ,

was nun denen zu billigen die schon mal dafür sorgten,

daß

die Lebensumstände nicht in Primitivität

( wir

nenn en das Fortschritt) verblieben

sind ;

und nun am Ende denen zu Gute komme die noch auf Besserung Ihres

Daseins warten

. Der Hinweis des Herrn

Jessen .

daß

nun der Planet vor lauter Wünschen am Ende eine rostbraune Kugel wie der Mars

werde ,nun

das glaubt der Herr wohl selber nicht — dafür hat die Evolution seit Epochen

gesorgt ,

daß

dieses Prinzip an Fortentwicklung noch lange nicht am

Ende .

Es war wünschenswert Aquädukte in der Antike zu bauen um die Lebensqualität zu

verbessern ,

in London hatte man im 19. Jahrhundert die

Wasserleitungen saniert

– was ist

es Wünsche

so zu

verteufeln –

und wenn jemand

behaupte ,

es sei wünschenswert 3 Kilometer hohe Häuser zu bauen, nun dann

muß

man das prüfen ob überhaupt

nützlich ,ob

für nur wenig Privilegierte oder der

Allgemeinheit .

Man sollte also einen Unterschied treffen was individuell wünschbar nützlich oder dem der Allgemeinheit ... und was sich über die Grenzen des

Machbaren in

Utopien

verliert ,

wie z.B. die Visionen eines Herrn

Musk ,

da wird die Evolution das letzte Wort

haben..

Alles andere ist moralinsaures

Geschwätz werter

Herr Jessen – vielleicht hätten Sie Theologe werden sollen ... die hatten aber auch nicht

recht !

– Klaus Schindle

r

Schenkt dem Jens Jessen zu Weihnachten doch bitte eine Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Ein Zeitautor, der das Märchen vom Fischer und seiner Frau als Kunstmärchen bezeichnet, braucht Nachhilfe. Vielleicht findet er ja die Zeit neben der ZEIT.

– Uwe

Loitsch

Das wohl größte Beispiel dafür, wohin Wünsche die Menschheit führen, ist die landwirtschaftliche Revolution. Die wilden Jäger und Sammler wollten ihrem Essen nicht mehr lange hinterherlaufen oder danach suchen, also pflanzten sie Weizenfelder. Sie haben ihren Wunsch erfüllt... und hatten in Folge dessen einen monotonen Alltag voller Arbeit und starben an Mangelernährung.

– David

Oerder

Ihr Artikel hat mich so begeistert, dass ich mich bei Ihnen bedanken möchte. Mir gefällt besonders nicht nur der Inhalt, sondern Ihr Schreibstil!! Es ist ein Genuss, die Zeit zu lesen, die ich schon

seit

den 60er Jahren als

Medizinstudentin und

bis jetzt

abonniert

habe. Ich bin 81 Jahre und habe das Ende des 2. Weltkriegen noch mitbekommen einschließlich Bombardierungen auf meine Heimatstadt Halberstadt und die anschließenden 20 Jahr in der DDR mit Studium in Ost-Berlin bis zu meiner Flucht. Mich beunruhigt

aus die heutige Zeit

. Ich bin dankbar, dass ich mit relativ wenig glücklich sein kann und dadurch froh sein kann.

– Margarete Schrems

Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Äußerst fesselnd, wie sie die menschliche Natur und die Psyche aufschlüsseln. Und erst recht umso spannender, wenn man sich in manchem Gleichnis selbst entdeckt (habe

zB

eine Scheidung hinter mir). Ich wünsche Ihnen alles Gute. Bitte schreiben Sie weiterhin so exzellent.

– Andreas

Teglar

J.Jessen-Beitrag entspricht Vergangenheit-/ Zukunft-/ Gegenwarts-Bildern des Menschseins im Dilemma von Kultur / Natur, Realität / Kognition der H. sapiens-Anlagen. Trage als Naturwissenschaftler (Arzt

u.Biologe

) seit etwa 40 Jahren Daten zusammen, die sich in einem

Anthropos

-/

Cosmos

-Grund von dimensions- und analogiegerechten Systemen zusammentragen lassen. Diese sind in der Lage symmetrisch genug die angesprochenen Fragen von

J.Jessen

, so zu kanalisieren, dass sie von Geistes- / Natur-wissenschaft,

apriori

wie

aposteriori

-Sicht auch philosophisch-/glaubens-

mässig

beantwortet werden können, dazu inhaltlich wie formell abgestimmt. Dies als ein Beweis, dass Wünsche nicht primär sind, sondern sie zuerst von der Natur als Intelligenz-Grund angelegt sind..(uns treiben) und die ein

Tiersein

in uns

übermanteln

wie das

Grosshirn

des Menschen die älteren Hirnanteile der Wirbeltiere. Letztlich sind Antriebe und Gefühle, wie alles in der Natur,

luxurierungs

-gefährdet, aber nicht dazu bestimmt, sondern primär dazu in einer bestimmten Gleichgewichtsphase seiner Grund-Kräfte, -Gefühle, – Gedächtnis-Fähigkeit zu kommen. Ähnlich z.B. einer Materie, Energie, Raum, Zeit- Differenzierung- Integrierung von erfolgreichen gegenüber „Frust-Sternen“.

– Prof. Dr. K. J. Netter

„Jens Jessen

for

president

! Und/oder: Eine Dauerkolumne als Raum, um kontinuierlich im Gespräch zu bleiben über diese zutiefst menschliche und uns in ihren Auswirkungen alle betreffende Problematik, die der Autor so erhellend wie anschaulich in seinem Text beschreibt: Das Wünschen und Wollen in all seiner Schönheit und Schrecklichkeit, die nicht voneinander zu trennen sind. Würde man dies versuchen, säße man demselben Irrtum auf wie Dorian Gray – dass alles „Hässliche“, also die bei anderen, auch der Natur, angerichteten Schäden dauerhaft unsichtbar ausgelagert bleiben könnten und kein Preis zu entrichten wäre für den Optimierungswahn der heutigen Zeit. Eines ist sicher, nicht nur in Oscar

Wilde’s

Erzählung: Früher oder später bekommt man es damit doch wieder zu tun. Es ging nicht gut aus.“

– Dr. Luise Bringmann

Leserbriefe zu „Die allerletzte Ehre” von Anna Mayr

Sehr berührend. Sehr

gut geschrieben

. Ich habe beim Lesen geweint.

– Iman

Schwäbe

Wieder eine Chance verpasst! Erneut wird das Thema Tod in der ZEIT nicht offen diskutiert. Frau Mayr beschwert sich im Leitartikel darüber, dass die Diskussion, wie viele Tode wie viel öffentliches Leben wert sei, vermieden oder verschwiegen werde. Doch was tut Sie? Sie vermeidet die Diskussion ebenfalls, so wie die gesamte ZEIT-Redaktion! Stattdessen räumt man den total abstrakten Rechnereien von Frau

Priesemann

das ganze “Dossier” ein. Wo bleibt die seriöse “Pro und Contra” Diskussion in der ZEIT?

Folgende Fragen müssen dringend diskutiert werden: 1) Welchem Wertesystem wollen wir folgen? Steht das Überleben in der Wertehierarchie über der Freiheit? 2) Wenn das unbedingte Vermeiden von Todesfällen priorisiert wird, warum gilt dann nicht Tempo 30 auf Autobahnen? Weil BMW und AUDI in Bayern sitzen? 3) Wenn wir im Herbst Covid-20 bekommen: Was dann? Kein Staat kann ein Jahr mit einem Shutdown leben! Was könnten alternative Szenarien sein? Und laden Sie endlich Leute ein, die nicht nur den endlosen Sermon des Mainstreams nachbeten! Sie wollen doch nicht wie die SZ enden, wo Frau Brandt und Herr

Bartens

inzwischen als Hofberichterstatter arbeiten!

– Dr. Peter Michel

Ich möchte Ihren Auftaktbericht der ZEIT zum Anlass nehmen, Sie ernsthaft zu fragen, ob Sie dies noch als seriösen und kritischen Journalismus verstehen wollen. Sie berichten von der Unsichtbarkeit der Toten durch die Pandemie. Die Tragik, das Unverständnis, das Leid. Wieso nehmen Sie den Corona-Tod zum Anlass? Sind diese Toten privilegiert? Leiden diese oder ihre Familien anders? Warum ist ein Grippetoter, der ggf. sogar in den Genuss einer Impfung gekommen ist, weniger berichtenswert? Oder die diesbezügliche jährlich wiederkehrende Überlastung der Krankenhäuser? Damit verbunden die Entscheidung über Leben und Tod? Die Überforderung der Ärzte? Ist Ihnen all das wirklich so neu?

Was ist mit dem Anstieg der Selbstmordrate durch die einschneidenden, menschenunwürdigen Maßnahmen, was mit den an Depression Leidenden? Den alleinerziehenden Müttern und Vätern, die mit gesunden Kindern von einer Quarantäne in die nächste wandern? Der Verrohung des Umgangs miteinander, der Verzweiflung? Der misshandelten Kinder? Der Schwachen, die keine Chance mehr haben. Der Obdachlosen, die kein Obdach mehr finden? Zählt das nicht? Was haben wir angerichtet? Zu welchem Preis beweihräuchern wir unsere Entscheidung des harten Lockdowns und der damit einhergehenden Existenznot vieler unserer Mitmenschen? Jede Möglichkeit zur Panikmache, dem Angstschüren ist uns recht.

Damit ja keine Fragen gestellt werden. Jeder Ansatz von Zweifel wird

massivst

bekämpft. Auch vor Ehrverletzung und Rufmord wird kein Halt gemacht. Koste es was es wolle. Wo ist da ihr Beitrag zum kritischen Journalismus? Es bedarf der Courage Dinge auszusprechen, die keiner wirklich hören will. Man müsste sich aus seiner Comfort-Zone herausbewegen. Sich unangenehmen Auseinandersetzungen stellen. Ich hatte angenommen, Sie trauen es sich. Ich bedauere es sehr, dass selbst DIE ZEIT kein Garant mehr für unabhängige Berichterstattung ist. Sie sollten sich schämen.

– Dr. Antje

Gruneberg

Frau Mayr schreibt: (Die Corona-Tode) sind nicht mit der Grippe vergleichbar und nicht mit Verkehrsunfällen. Für die Sterbenden sind sie besonders tragisch, für die Angehörigen besonders qualvoll. Ich musste die Sätze zweimal lesen, um wirklich glauben zu können, dass hier eine Journalistin der ZEIT, noch hinzu auf dem Titel, Qualen und Tragik von Toden bewertet und schließlich ihnen eine unterschiedliche Stärke zuweist. Liebe Frau Mayr, ich habe in meinem Freundeskreis sowohl jemanden, der fast an einem Verkehrsunfall gestorben wäre (ein Autofahrer überfuhr eine Freundin von mir ungebremst, als sie bei Grün die Straße queren wollte) wie auch einen Freund, der schwer an

Covid

19 erkrankt war. Ich kann Ihnen versichern, die Tragik und die Qualen, obwohl beide dem Tod noch entkommen sind, waren in beiden Fällen groß. Ich würde allerdings niemals eine Bewertung aufstellen, wozu soll das auch gut sein und woran würde man es festmachen? Ich finde so einen Vergleich, gar eine Art Wettbewerb aufzumachen, beschämend für alle Menschen, die Opfer von Verkehrsunfällen, vom Grippe- oder

Cornavirus

geworden sind. Liest bei der ZEIT eigentlich niemand inhaltliche Korrektur?

– Achim Hasenberg

In einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft, deren Lebenserwartung seiner Mitbürger ständig wächst, das Junge gesellschaftlicher Mittelpunkt ist, die Medizin stetige Fortschritte macht, ist das Sterben nicht vorgesehen. Der Anteil der Sterbenden findet seit Jahren in Krankenhäusern statt. Das Sterben zuhause ist obsolet. Schon gar nicht die Aufbahrung einer Leiche in den eigenen vier Wänden! Stellen Sie sich vor, es werden Särge der Bestatter durch Berlin-Mitte in Wohnhäuser 4 Etage ohne Fahrstuhl geschleppt. Was ist zumutbar für einen modernen Menschen zum Thema Sterben/Tod? Sollen wir zurück in eine Zeit gehen, in der kollektive Gefühle bestimmen wie der Tod zu sein scheint? Das ist geschichtlich betrachtet ganz heikel.

Tod und Geburt, Beginn und Ende, dazwischen das Leben. Trauer muss zuerst zugelassen werden, dann akzeptiert und für die Nachkommen überwindbar sein. Es ist ein Individualrecht und gesellschaftliche Abmachungen benötigt es dazu nicht. Es bedarf eher die persönliche Abklärung zum Sterben. Letztens sagte ich zu meinen volljährigen Kindern anlässlich der Pandemie: Ich habe mein Leben gestaltet, ich bin froh darüber euch begleitet zu haben, wenn es mich erwischt, dann weiß ich, ich habe alles richtig gemacht, es ist keine Rechnung mehr offen.

– Volker Schröder-Witte

Ihr Artikel hat uns sehr beschäftigt. Mein Mann und ich haben eine große Bitte an Sie: könnten Sie uns auf unsere heutigen Zeilen an Sie eventuell antworten? Es wäre für uns wirklich hochinteressant, zu erfahren, wie Sie Ihre Aussagen genau begründen, warum Sie dieser Meinung sind. Uns ist klar, dass Sie nicht jeden Leserbrief beantworten können – sicher sind wir nicht die einzigen, die sich bei Ihnen melden. Aber vielleicht haben wir ja eine Chance auf eine Antwort und Sie haben Interesse an einem ernsthaften und respektvollen Austausch. Sie treffen in Ihrem Artikel mehrere bemerkenswerte Aussagen. Es geht Ihnen um die Stellung der Corona-Toten in unserer Gesellschaft. Sie halten fest, dass diese Toten eine herausragende Stellung unter allen anderen Verstorbenen innehaben und daher besonders gewürdigt und besonders von der Gesellschaft im gesamten betrauert werden sollten.

Als Begründung dafür führen Sie mehrere Aussagen an: 1. Die Sterbenden hätten einen besonders tragischen Tod. Sie würden etwa am Ende Ihres Lebens nur Menschen in Schutzkleidung sehen. Das trifft doch aber für alle Sterbenden zu, die z.B. in Krankenhäusern oder Intensivstationen sterben. Ein Mensch, der bei einem Autounfall beim Eintreffen der Rettungskräfte stirbt, sieht am Ende seines Lebens behelmte Feuerwehrleute mit Schneidewerkzeugen. Ein Krebskranker in seiner Sterbephase hört das Piepen der Überwachungsmaschinen und sieht das Blinken der Monitore. Die wenigsten Menschen in unserem medizinischen Hochleistungssystem sterben zuhause bei Kerzenschein und zarter Musik.

2. Die toten Menschen müssten beim Bestatter desinfiziert werden, es wird Desinfektionsmittel in den Mund gesprüht. Das trifft aber doch schon immer für alle Gestorbenen zu. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchen Gründen jemand verstirbt – alle Leichen werden vor der Bestattung mit Desinfektionsmittel behandelt, das können Sie in der Bestattungsverordnung jederzeit nachlesen. Alle Körperöffnungen werden desinfiziert und mit getränkter Watte verschlossen, das ist völliger Standard. 3. Sie sagen, dass es bei Beerdigungen von Corona Toten Maskenpflicht gibt und die Trauernden Abstand halten müssten. Aber das gilt doch auch für alle anderen Verstorbenen genauso! Wer jetzt im Oktober oder November an Krebs oder an einem Autounfall gestorben ist, wurde auch mit diesen Vorschriften zu Grabe getragen. Ihre Empfindung, dass die Corona Toten über allen anderen Toten stehen, dass sie auf irgendeine Art und Weise bedeutsamer sind, ist uns wirklich ein Rätsel. Sie fordern, dass die Gesellschaft diese Toten besonders würdigt und kollektiv betrauert.

Wenn wir davon ausgehen, dass alle Menschen gleich sind, dass jedes Leben gleich viel wert ist, dann ist auch jeder Tod gleich zu bewerten. Dann gibt es nicht „bessere“ oder „schlechtere“ Tote. Wir sind davon überzeugt, dass jeder Mensch gleich viel zählt. Sie doch bestimmt auch, oder? Sie schreiben, dass drei Kinder an Corona gestorben sind. Haben Sie einmal nachgesehen, wie viele Kinder an Krebs gestorben sind im Jahr 2020? Oder bei Verkehrsunfällen? Im Jahr 2019 waren es im Straßenverkehr 55 tote Kinder unter 15 Jahren gemäß dem statistischen Bundesamt. Dürfen die Eltern dieser Kinder weniger trauern? Oder muss dann die Gesellschaft nicht auch für diese Kinder kollektiv trauern? Viele Menschen in Deutschland sterben an Infektionskrankheiten wie Grippe oder an multiresistenten Krankenhauskeimen. Die Infektion hat auch für diese Menschen den Tod bedeutet. Warum soll dieser Tod weniger zählen? Warum soll er nicht öffentlich wahrgenommen werden?

Mit unserer Lebensweise sind wir für viele, viele Tode verantwortlich. Insgesamt werden in Deutschland 1,4 Millionen Krebstote für 2020 erwartet (Spektrum der Wissenschaft vom April 2020) Allein in der EU sterben jedes Jahr 400 000 Menschen durch die Feinstaubbelastung der Luft. Wir verschmutzen unsere Umwelt und beuten die Menschen in der dritten Welt aus, weil wir billige Kleidung und Handys möchten. Die Maßnahmen, die dieses Leid und viele Tode verhindern würden, treffen wir nicht. Die Einschränkungen, die es für uns bedeuten würde, auf unseren Luxus und unsere Bequemlichkeit zu verzichten, sind uns zu hoch, davor scheuen wir zurück. Da ist es leichter, die Corona Toten zu erhöhen, dann müssen wir uns nicht mit dem vielen Leid anderer auseinandersetzen. Weil sie irgendwie weniger wichtig sein sollen? Uns ist klar, dass die ganzen Einschränkungen, mit denen unsere Gesellschaft seit Corona lebt, nur dann zu begründen und zu rechtfertigen sind, wenn wir diese Toten über alle anderen stellen.

Nur wenn diese Verstorbenen bedeutsamer sind als alle anderen, können die Maßnahmen gerechtfertigt werden. Wir sind uns sicher, dass die Menschen, die jetzt diese hohen moralischen Maßstäbe bei Corona ansetzen (jeder Corona Tote muss vermieden werden und dafür ist kein Preis zu hoch, die Gesellschaft ist für jedes Leben verantwortlich und jeder Tod muss von der Gesellschaft betrauert werden), sich nach der Pandemie werden fragen lassen müssen, wie sie weiterhin leben wollen? Wie können sie weiter konsumieren, wenn es andere Menschen das Leben kostet? Sie finden diese Frage ja selbst richtig und berechtigt. Allerdings scheinen für Sie hierbei nur die Corona Toten zu zählen. Aus welchem Grund ist das denn so? Shopping hatte schon immer tödliche Folgen für andere Menschen und wird es auch in Zukunft haben! Das haben wir bisher nur ignoriert. Trotz intensivem Studium Ihres Artikels konnten wir nicht nachvollziehen, warum Sie die Corona Toten höher bewerten als andere Verstorbene.

– Karin und Sandro

Secci

Beim Lesen des Artikels ist mir ein bisschen sauer aufgestoßen, dass nur die Rede von “Die Pfleger und Ärzte” ist. Es kann natürlich sein, dass nur diese “überfordert” sind und nur diese in der Türkei zu “Märtyrern” erklärt werden sollen, aber ich bezweifle, dass das der Fall ist. Ein Beruf der so stark weiblich besetzt ist, wie der des Pflegepersonals sollte doch definitiv erwähnen, dass Frauen Teil dieser Pflegearbeit

sind

. Sie sind es auch, die diese Heldinnentaten vollbringen und am Ende sollen es wieder nur die männlichen Kollegen gewesen sein? Und was die Ärzte anbelangt: ja es war lange Zeit ein eher männlich besetzter Beruf, aber im Jahre 2020 mit bis zu 70% weiblichen Medizin Studierenden und einer Krankenhaus Besetzung die zumindest in den Assistenzarztreihen 50:

50

wenn nicht sogar mehr weiblich ist, gilt doch dasselbe: Ärztinnen die ihr Leben genauso auf den Kopf stellen, die genauso leiden und überfordert sind, Seite an Seite mit den männlichen Kollegen! Sowas darf meiner Meinung nach nicht auf der Titelseite der Zeit, bei einem so wichtigen Thema, ungesagt bleiben!

– Olivia Starke

Wenn ein Mensch an Corona verstirbt, ist dies ohne Frage ein Drama für die betroffene Familie und die Tragik des Abschiednehmens unter den geschilderten Bedingungen gehört thematisiert. Allerdings hätte man sich im Artikel auch die Mühe machen können, eben diese Bedingungen zu kritisieren. Es gibt bessere Alternativen als nahe Angehörige auch beim letzten Geleit noch auf Distanz zu halten. Stattdessen werden Verstorbene gegeneinander ausgespielt. Als ob es der Mutter eines nicht infizierten, aber vom LKW überfahrenen, Kindes helfen würde, dass sie die Hand des kaputten Körpers nochmal halten darf. Als ob es Trost spenden würde, wenn das Verkehrsministerium nüchtern auf EU-Recht verweist, das die gesetzliche Pflicht zum Einbau eines Abbiegeassistenten unmöglich macht. Derartige Tragödien sind nicht zu bemessen und Vergleiche wie in Ihrem Artikel verbieten sich!

– Dr. Martin Stenzel

Leserbriefe zu

„Deutschland stellt sich hinten an” von Uwe Jean Heuser und Ingo Malcher

In der Zeit der Naziherrschaft haben wir Deutschen anscheinend einen Dachschaden auf Dauer erlitten!

– Friedrich Küspert

Wieder mal typisch deutsch, dumm und

untetwürfig

! Wie kann es sonst nur passieren, dass man als deutsche Regierung bei einem deutschen Hersteller gezwungen ist, sich

hinten anzustellen

und dann auch noch bei anderen Unternehmen entweder zu spät bestellt oder dort, wo die Zulassung noch nicht gewährleistet ist? Wenn die Lobby stark genug ist – siehe Automobilindustrie – dann wagt man

den innereuropäische Zwist

, doch wenn es nur um ein paar Menschenleben geht, dann hält man still!! Bei täglichen Todesfällen von 500 und mehr, müsste man die Regierung eigentlich wegen zumindest fahrlässiger Tötung von ca. 3.500 Menschen anklagen!

– Dr. Wolf Günther

Ganz schlimm wird’s mit der

Schlaubergerei

im Wirtschaftsteil. Wollen sich Jean Heuser und Ingo Malcher als Pressesprecher bei der AfD bewerben? Da haben die Europäer sich mal auf ein gemeinsames Verfahren geeinigt und – oh Wunder! – halten in der jetzigen Lage sogar daran fest und nun soll ausgerechnet Deutschland, das sich seinerzeit in Flüchtlingswelle um einen europäischen Konsens wenig gekümmert hat, wieder einen Alleingang starten? Zudem halte ich die Diversifizierungsstrategie der EU bei den Impfstoffen für absolut geboten, was wäre denn, wenn man auf einen Impfstoff gesetzt hätte, der dann nicht den Erwartungen gerecht geworden wäre?

Den Journalistensturm hätte ich nicht erleben wollen. Zudem hat die EU federführend die Notlage in den Staaten ins Auge gefasst, die eher nicht die wirtschaftliche Potenz

der westliche Industrienationen

haben. Wann, wenn nicht bei einer weltumspannenden Pandemie, wäre es geboten, das „Ich zuerst“ durch ein „Wir alle“ zu ersetzen. Vielleicht kommt der Weihnachtsengel noch zu den beiden Autoren, und pflanzt ihnen eine

universalere

, humane Denkweise ein. Es besteht Hoffnung.

17. Dezember 2020 - Ausgabe 53 - Das Blog der Leser - ZEIT

– Udo

Kroschewski

Ich bin bisher hochzufrieden und stolz darauf, wie Deutschland und vor allem die Regierung mit der Krise umgeht. Gerade Herr Spahn, hat mich sehr mit seiner Klarheit und

seinem entschlossenem Handeln

beeindruckt. Aus einer

SPD Familie

kommend ist das noch einmal schwieriger zu erkennen, dafür sollte meine Einschätzung noch schwerer wiegen. Genau so stolz bin ich darauf, dass wir in Deutschland es als erstes geschafft haben, einen Impfstoff herzustellen und dass es auch noch einem Ehepaar mit Migrationshintergrund gelungen ist, ist auf vielen Ebenen einfach großartig und ein tolles Zeichen in die Welt. Nun zu meiner Kritik: Das alles geht für mich gerade darin unter, dass UK und die USA, die sich teilweise unverantwortlich in dieser Krise benommen haben und zwei mehr oder weniger rücksichtslose Staatsoberhäupter haben, bereits mit dem Impfen begonnen haben und es mit einer sehr hohen Geschwindigkeit

voran treiben

.

Währenddessen müssen wir hier warten, dass es endlich losgehen kann und die Aussicht aufgrund mangelnder Impfdosen bei aller Erleichterung, dass der Impfstoff da ist, extrem gedämpft wird. Ich verstehe nicht, warum wir nicht ausreichend Impfdosen haben, während die USA bis Ende März 100

Mio

Amerikaner bis Ende März

zwei mal

geimpft haben wird. Noch viel weniger verstehe ich, warum der Impfbeginn auf den 27.12 datiert ist. Warum wird nicht sofort nach Zulassung angefangen zu impfen. Ich hoffe nicht, dass Weihnachten der Grund

ist

. Ich glaube es gibt mehr als genug Leute, die liebend gerne auf ein eingeschränktes Weihnachten mit Sorge belegt verzichten würden um zu impfen oder sich impfen zu lassen. Des

weiteren

würde ich mir mehr Transparenz wünschen, was die Prognosen sind, bis wann alle (die geimpft werden wollen) geimpft werden.

Ich verstehe, dass die Logistik schwierig ist, dass Herr Spahn mit allen Mitteln versucht Gruppierungen wie Querdenkern kein Futter für Argumente gegen den Impfstoff zu geben und sich in einem schwierigen Fahrwasser befindet. Aber denken sie an alle, die sich an Regeln halten, sich auf dem Impfstoff freuen, begeistert sind vom Krisenmanagement von Jens Spahn und endlich wieder in die Normalität zurückkehren wollen. Im Namen Querdenker steckt es schon drin, die werden immer genau den entgegengesetzten Weg einschlagen und sich beschweren. Versuchen wir nicht, es der destruktiven Minderheit recht zu

machen

sondern orientieren uns an dem vernünftigen, Großteil Deutschlands.

– Renke

Haverich

Luft-Hoheit über den Stammtischen. Mit solchen Beiträgen spielen Sie doch nur den Schwätzern und Populisten die Argumente zu, die diese nicht notwendigerweise deshalb reklamieren, weil sie’s wirklich besser könnten – sondern weil sie Trouble machen wollen. Noch schlimmer konnten Sie wohl nicht daneben langen. Eine Demokratie lässt sich vom Stammtisch her kaum aufrechterhalten; Verantwortungs-Bereitschaft kann ein verdammt undankbares Unterfangen sein. Und

im Nachhinein

hat’s ja der Tauendschwätzer immer schon weit besser gewusst, als diejenigen, die für so oder so unvermeidbare gelegentliche Anders-Entscheidungen dann den Kopf

hin halten

müssen.

– Hans von Schack

Immer häufiger lese ich in der geschätzten ZEIT Artikel, die die Frage aufwerfen, worum es dabei geht: um Berichterstattung oder um Stimmungsmache? Ich finde das außerordentlich unerfreulich. Stimmungsmacher haben wir in diesem Land mehr als genug und es wäre wünschenswert, wenn sie die ZEIT davon abheben würde, wie sie es früher viel mehr getan hat. Ich finde sehr verständlich, dass die EU auf eine ordentliche Zulassung gedrängt hat und das, was die beiden Autoren in einem Nebensatz abtun (Haftungsfragen) höre ich sie im selben verurteilenden Tonfall und den ähnlichen Argumenten (Geld zum Fenster rausschmeißen) beklagen, hätte sich Deutschland für eine Notzulassung entschieden und es wäre hinterher zu vielen Klagen gekommen.

Das Jammern, Meckern, Schimpfen bewirkt nur Eines: Schlechte Stimmung, die sich ausgerechnet gegen die Menschen richtet, die sich seit Monaten mit allen Kräften einsetzen. Dass dabei auch Fehler passieren wird von niemandem bestritten und lässt ich nicht vermeiden. Dass Entscheidungen getroffen werden, die auch anders getroffen werden könnten, weil man die Zukunft nicht voraussehen kann, liegt in der Natur der Sache. Bitte hören Sie auf, sich in den Chor der Meckerer einzureihen und denken Sie an die Folgen, die diese Art von Journalismus hat. Hier könnte man Vieles aufzählen, ich nenne jetzt nur die Angst, die wir Menschen vor solchen Reaktionen haben und die dazu führt, dass sich die wenigsten von uns in der Politik engagieren.

– S. Riffel

Herr Spahn wird nicht müde, zu

erwähnen

dass die Zulassungsfrage auch über die Haftung entscheidet. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann haftet der Staat bei der Notfallzulassung und das Pharmaunternehmen bei der Regelzulassung. Wenn ich ein Pharmaunternehmen wäre und den Markt sowieso nicht vollständig beliefern könnte, weil die Nachfrage die Produktion übersteigt, würde ich vermutlich bei der Lieferung die Länder bevorzugen, wo kein Haftungsrisiko besteht. Ich denke auch, dass Lieferverträge nicht so „Wasserdicht“ sind, dass man da Deutschland nicht 12 Monate nach hinten stellen kann und dann hat man schon mehr Menschen geimpft und kann die Nebenwirkungen ist gleich die Haftungsrisiken besser beurteilen. Aber vermutlich bin ich Kapitalist und die Pharmaunternehmen sind Altruisten.

– Wolfgang Lang

Ich schätze „Die Zeit“ sehr, finde aber, dass Ihr Artikel „Deutschland stellt sich hinten an“ leider nicht Ihren üblichen Standards gerecht wird. Warum? Na ja, weil er populistisch höchsten Grades ist und leider auch Vorwürfe formuliert, die meines Erachtens haltlos sind. Im Kern wird die Bundesregierung dafür kritisiert, dass Sie im Fall der Impfstoffbeschaffung und -versorgung auf die europäische Lösung gesetzt hat. Während Sie im Frühjahr noch für Alleingänge bei Beschaffung von Schutzkleidung, Grenzschließungen

etc

hart kritisiert wurde, wird sie nun ebenso hart dafür kritisiert, dass sie sich hier mit den europäischen Partnern auf der Ebene der EU abstimmt. Man wird nicht Beides haben können. Darüber hinaus wird – so hart es sich anhört – für den erfolgreichen Weg hin zur Herdenimmunität nicht ausschlaggebend sein, ob die Impfkampagne nun Ende November, Mitte Dezember oder eben Ende Dezember begonnen wurde bzw. begonnen wird, da in keinem Land ausreichend Impfstoff im ersten Go verfügbar sein wird.

Es ist vielmehr ein Politikum.

Für’s

Große und Ganze wird eher entscheidend sein, dass eine ausreichend hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung vorhanden ist, und dass die Logistik entsprechend funktioniert. Im Zusammenhang mit Ersterem macht es durchaus Sinn der ordentlichen Zulassung den Vorrang gegenüber der Notfallzulassung einzuräumen. Impfstoff wird aller Voraussicht nach Ende des 1. bzw. Anfang des 2. Quartals 2021 ausreichend vorhanden sein. Davon gehen sowohl die Amerikaner aus als auch z.B. Experten der Deutsche Bank im Rahmen einer am 1. Dezember 2020 erschienen Studie mit dem Titel „a

booster

shot

:

refreshing

our

vaccine

charts

“. Geradezu grotesk in diesem Zusammenhang ist die Kritik der Autoren, dass man bei der Impfstoffbeschaffung auf verschiedene Hersteller gesetzt hat. Dieses Vorgehen ist absolut vernünftig (not all

eggs

in

one

basket

) und wurde auch international (USA, UK, Kanada,

usw

) so praktiziert. Was die Verfügbarkeit des Impfstoffs von Pfizer/

BioNtech

in den USA angeht, führen die Autoren die Leser dann bewusst oder unbewusst in die Irre.

Im Artikel beruft man sich darauf, dass die USA 100 Millionen Dosen bestellt hätten und sich zusätzlich eine Option über weitere 500 Millionen Dosen gesichert hätten. Letzteres beruht aber lediglich auf einer alten Pfizer Pressemitteilung vom 22. Juli 2020. Mittlerweile ist von den zusätzlichen 500 Millionen Dosen in Wahrheit aber keine Rede mehr, geschweige denn, dass diese 500 Millionen Dosen jederzeit abrufbar wären – wie es beim Lesen

Ihres Artikel

durchaus verstanden werden könnte. Hierzu sollten sich beispielsweise vielleicht auch mal folgenden Artikel in der Washington Post vom 8. Dezember 2020 anschauen ...

https://www.washingtonpost.com/health/2020/12/07/pfizer-vaccine-doses-trump/

Damit ist aus meiner Sicht einer Ihrer Hauptkritikpunkte nicht mehr haltbar. Insgesamt ist die ganze Berichterstattung rund um den Impfstoff sehr bedauerlich (hier seien auch die Herren Plasberg mit seiner Sendung Hart aber Fair und Kleber vom heute

journal

genannt, die leider ähnlich Unqualifiziertes von sich gaben), da so das Vertrauen rund um den Impfstoff, die damit

einhergende

Impfbereitschaft und letztlich der Erfolg der Impfkampagne nicht gestärkt wird.

– Dennis Hollands

Leserbriefe zu „Ach, Goofy” von Marvin Ku

Ich freue mich sehr, dass die ZEIT der Geschichte von Stierkalb Goofy einen so ausführlichen Artikel gewidmet hat. Im Vergleich zu den anderen Medienvertretern waren Sie, Herr

Ku

, sehr lange Zeit live bei der Aktion dabei und konnten sich vor Ort ein gutes Bild der Stimmung sowie der unterschiedlichen Motivationsgründe und Argumentationen

der verschiedenen Akteur

*innen machen. Daher hätte ich mir als Ergebnis einen sachlichen, ausgeglichenen Artikel gewünscht, bei dem beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen und auch gleichermaßen bewertet werden. Umso enttäuschter bin ich leider von der meiner Meinung

nach doch sehr einseitigen Perspektive

des Artikels. Zu Beginn werden zwar die verschiedenen Blickwinkel auf die Thematik kurz dargestellt, doch dann nehmen die Berichte über die Projektentstehung, die Abstimmung in der Klasse und die Entstehung einer Beziehung zwischen Schüler*innen und Goofy sehr viel Raum ein.

So viel Raum, dass für die vor Ort klar formulierte Position der

Tierrechtler

*innen, vertreten durch Nicolas Thun nur noch sehr wenig Platz zu bleiben scheint. Sicherlich ist genau diese Entstehung einer emotionalen Beziehung zwischen den Schüler*innen und Goofy ein entscheidender Punkt, den auch wir

Tierrechtler

*innen der Gesellschaft nahebringen wollen. Dies bringt der Artikel jedoch leider keineswegs zum Ausdruck. Während über die Klassenfahrt, die Projektentstehung und die Beziehung der Schüler*innen zu Goofy äußerst detailliert und mit vielen positiv dargestellten, sympathischen Zitaten und Anekdoten berichtet wird, kommt die Seite der

Tierrechtler

*innen nur knapp zu Wort (18 Zitate der Schüler*innen bzw. des Lehrers und des 2. Vorsitzenden des Museumsdorfs vs. 2 Zitate von Nicolas Thun). Des Weiteren vermittelt der Artikel an einigen Stellen einen falschen Eindruck

bei den Leser

*innen.

Der

Erdlingshof

versucht seit über einem Jahr einen konstruktiven, freundlichen, wertschätzenden Dialog mit der Schule und den Schüler*innen herzustellen (nachzulesen sind die Emails an die Schule auf

www.goforgoofy.de

). Der Artikel suggeriert sehr widersprüchlich mit Aussagen wie „Nur gesprochen haben sie nie miteinander“, dass seitens der

Tierrechtler

*innen keinerlei Versuche unternommen worden seien, in einen Diskurs mit der Schule zu treten – auch wenn an anderer Stelle über diese Emails berichtet wird. Auch die Darstellung des wachsenden Drucks auf die Schule ist nicht differenziert formuliert. Der

Erdlingshof

hat über ein Jahr hinweg versucht,

deeskalativ

, konstruktiv und unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit der Schule in Kontakt zu treten und zu einer Lösung zu finden. Er hat sich öffentlich klar gegen die Anfeindungen und Bedrohungen positioniert, die gegen die Schule ausgesprochen wurden und diese verurteilt.

Dafür, dass andere Menschen über die sozialen Medien einen Shitstorm verursacht haben und die Schule über verschiedene Wege kontaktieren, kann der

Erdlingshof

nicht verantwortlich gemacht werden.

Besonders missfällt mir jedoch die Darstellung der Person Nicolas Thun. Man könnte an einigen Stellen beinahe annehmen, er solle für seinen Einsatz für Goofy ein wenig belächelt werden. Dieser Eindruck entsteht durch falsche Formulierungen wie „Thun redet mit den Kameras. Nicht mit den Menschen, die die vergangenen eineinhalb Jahre mit Goofy verbracht haben“ – denn genau das hat er seit eineinhalb Jahren versucht. Auch Formulierungen wie „Thun [...] wirkt ein bisschen zu freundlich für die Worte, die er in die Welt streut“ hinterlassen einen negativen Beigeschmack und unterstellen böswillige Absichten, die keinesfalls gerechtfertigt sind. Sätze wie „[...] hier filmen Veganer, wie Journalisten andere Veganer filmen“ ziehen die Absichten und die Personen, die dahinterstehen, grundlos und ungerechtfertigt ins Lächerliche. Traurig finde ich auch, dass mit keinem Satz versucht wird, die ganze Situation aus Goofys Perspektive zu sehen – denn um ihn geht es ja schließlich hier. So stelle ich mir eine faire, sachliche Gegenüberstellung zweiter Parteien und deren Ansichten nicht vor.

– Vera Gögele

Das Wichtigste zuerst. Ich finde es toll, was die

Schüler:innen

gemeinsam mit ihrem Lehrer da geleistet haben. Diese Einsatzbereitschaft und den Mut ein so großes Projekt anzugehen, spricht für eine weltoffene und progressive Schule. Darum finde ich es ja auch sehr schade und ungerecht, dass sie so einen Shitstorm geerntet haben. Aber nun komme ich zum zweiten Punkt. Ich bin eine von diesen „Tierschützerinnen“, die Marvin

Ku

in seinem Artikel lückenhaft und lächerlich verzehrt dargestellt hat. Allerdings sehe ich mich eher als

Tierrechtlerin

. Schließlich setze ich mich dafür ein, dass Tiere mehr Rechte bekommen sollen, indem man sie als fühlende, lebende Wesen wahrnimmt und sie auch so behandelt. Um den Bogen zu den Schülern zu schlagen, haben diese nun die Geburt dieses süßen Kälbchens erlebt, es ins Herz geschlossen, es vor der Schlachtung gerettet und im Laufe der letzten eineinhalb Jahre seine Persönlichkeit kennengelernt.

Eine Schülerin beschrieb sogar, wie er sich verhält, wenn er beleidigt ist. Kurz; sie haben eine Beziehung zu dem Tier aufgebaut und erkannt, dass es sich um ein fühlendes Lebewesen handelt. Doch auch die zahllosen Tiere, die abseits der Städte in Industrieanlagen ein grausames, kurzes Leben fristen, haben eine Persönlichkeit. Nur, dass wir die in der Regel nicht kennenlernen. Verglichen mit ihnen hat es ein Tier wie Goofy da besser. Es durfte die Sonne sehen, das Gras riechen und hatte genügend Platz und Auslauf und sogar noch warme, menschliche Fürsorge durch die tollen

Schüler:innen

. Und nun kommt die berechtigte Frage auf, wie die

Schüler:innen

es mit ihrem Gewissen vereinbaren können, dieses Tier zu retten, während all die anonymen Tierseelen weiterhin ihr trauriges Dasein fristen. Diese

Schüler:innen

nehmen ihre Aufgabe ernst, sie wissen, dass es für all die anderen Tiere nichts ändern würde, wenn Goofy gerettet würde. Und da haben sie sogar Recht. Aber für einen würde es alles ändern. Nämlich für Goofy. Er dürfte sein Leben behalten und ein schönes Zuhause in einem Lebenshof finden.

Und die Frage ist doch, warum er die Konsequenzen eines profitorientierten Systems ausbaden soll, das männliche Kälber als Abfallprodukt betrachtet. Ist sein Leben nicht mehr wert? Wir

Tierrechtler:innen

wollen weder der Schule, den engagierten

Lehrer:innen

und ganz sicher nicht den

Schüler:innen

schaden. Im Gegenteil, wir hoffen von Herzen, dass dieses Projekt etwas losgetreten hat, das zu einer kritischen Betrachtung und vielleicht dem Hinterfragen des Systems Tierindustrie führt. Als eine gute Freundin des Pressesprechers Nicolas Thun, der seit Monaten in sehr freundlichem Austausch mit der Schule ist, weiß ich, dass er nichts mit dem Online-Shitstorm, der über die Schule eingebrochen ist, zu tun hat. Hätte er eine solche Macht über die Medien, wären vermutlich längst alle Menschen vegan. Denn ich kenne keinen, der reflektierter und emphatischer und auf seine unaufdringliche Art überzeugender ist als er.

– Belinda Grimm

Der Fall Goofy. In sämtlichen Medienberichten (wie aktuell

hier..

) werden Tierschützer*innen belächelt, ja sogar als Gefahr dargestellt. Dagegen sind die Schüler*innen, der

Klassenleher

, der Landwirt vom Museumsdorf doch...so „normal“. Als gehe es darum ein Weltbild zu erhalten. Ein Weltbild, das gut ins Museumsdorf passt, aber nicht in die heutige Zeit. Nicht in eine Zeit, in der Lebenshöfe zeigen, dass man auch ganz anders mit Tieren wie Goofy umgehen kann. Eine Zeit, in der die Supermarktregale so gut mit Alternativen gefüllt sind, dass kein Goofy den Hunger stillen muss. Es geht um die Grundsatzfrage: Wie wollen wir leben? Auf Kosten von fühlenden Lebewesen wie Goofy? Muss man sich über Tierschützer*innen lustig machen, damit „Tiere töten“ wieder normal sein darf?

In vielen Artikeln über Goofy soll er nicht getötet werden, sondern „stirbt“. Sterben ist doch normal. Dass Lebenshöfe Goofy aufnehmen würden, wird als unangenehm, nervig dargestellt. Das scheint die Normalität zu stören. Wenn Tiere gar nicht getötet werden müssen, dann? Schnell weg mit dem Gedanken. Normal muss das sein, was die Schüler*innen eigentlich mal grausam fanden. Dabei waren ihre Gefühle damals sicher völlig normal. Man wollte ein Tier retten. Man stelle sich mal einen Kinderfilm vor, indem Kinder ein Tier retten, um es später gemeinsam zu töten. Ich wäre für eine Verfilmung der Geschichte von Goofy. Vielleicht würde man dann eher begreifen, wie absurd das ist.

– Petra Kreutz

Irgendwann habe ich einmal gelesen, dass viele amerikanische Kinder glauben, Hühner hätten vier Beine, weil sie Hähnchenschenkel nur aus 4er Packs vom Supermarkt kennen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Allerdings glaube ich, dass sich auch in Deutschland viele Menschen, und bestimmt nicht nur Kinder, nicht darüber bewusst sind, woher ihre Lebensmittel kommen und wie diese produziert werden. Fleisch kommt überwiegend aus der Massentierhaltung. Die Schüler der 10 c des Waldörfer-Gymnasiums hatten eine überaus erwachsene und mutige Entscheidung getroffen, indem sie das Kalb Goofy aufziehen und dann schlachten lassen wollten. Leicht wird es ihnen diese Entscheidung nicht gefallen sein, aber ihre Haltung zum Fleischkonsum hätte sich sicherlich geändert, selbst wenn nicht alle danach Vegetarier geworden wären.

Nicolaus Thun und manche anderen Tierschützer haben sich hingegen nicht erwachsen verhalten. Sie haben das Ziel des Projektes nicht verstanden. Die Schule, die Lehrer sowie das Museumsdorf Volksdorf wurden mit einem widerlichen Shitstorm überzogen, eine Kampagne wurde gestartet. Geht man so mit Menschen um, wenn man Tiere schützen will? Unter Druck wurde das Projekt am Ende gekippt. Woher neben sich die beteiligten Tierschützer und Nicolas Thun eigentlich das Recht dazu? Würden sie sich etwa von der Schlachterinnung ein Grillfest aufnötigen lassen? Natürlich freue ich mich auch für Goofy, dass er jetzt weiterleben darf und vielen Schülern der 10 c wird es vermutlich genauso gehen. Statt sich hier an einer Schule, Lehrern und einem Museumsdorf „abzuarbeiten“ hätten Herr Thun und die anderen Tierschützer ihr Augenmerk lieber auf der Massentierhaltung und der industriellen Schlachtung von Tieren belassen sollen. Ob ihr gewollter medienwirksamer Auftritt tatsächlich zu ihren Gunsten ausgegangen ist, das wage ich zu bezweifeln.

– Regina Stock

Danke, Danke, Danke für diesen phantastischen Beitrag, mein Artikel des Jahrzehnts, bin tief bewegt,

mußte

ein paar Tränen wegdrücken beim Lesen. Ja so sollte Schule funktionieren, so lernt man sinnvoll Leben, und nicht wie bei mir damals im letzten Jahrtausend mit der Lektüre von, De Bello

Gallico

oder Don Carlos (Don Chaos), traurig, langweilig, freudlos. Ich habe einige Lehrer bei mir im Freundeskreis, vielleicht gelingt uns ähnliches, probieren will ich es.

– Alfons Mareis

Die Geschichte mit GOOFY zeigt deutlich die ganze Diskrepanz zwischen dem landwirtschaftlichen Alltag und einer zunehmend unkundigen und teils emotionalisierten Öffentlichkeit. Schon immer wurden Bullenkälber geschlachtet, wenn sie das Zielgewicht erreicht hatten. Das gleiche gilt für Schweine und Geflügel. Das ist keine Erfindung der modernen Landwirtschaft. Das Bullenkalb aufzunehmen und vor dem Schlachter zu retten, war sicher gut gedacht von den Schülern. Aber in Schleswig-Holstein zum Beispiel werden seit vielen Jahren die Tage des offenen Hofes durchgeführt, an sich jeder auf den Höfen umsehen kann. Dabei steht der Bauer Rede und Antwort und liefert

einem Einblicke

in seinen und den Alltag seiner Tiere. Die Schüler hätten also auch vor Ort Einblicke in den landwirtschaftlichen Alltag gewinnen können. Die Landwirte freuen sich, wenn sie Besuch von (auch kritischen) Verbrauchern bekommen. Sie freuen sich, wenn man sich für sie und für ihre Arbeit interessiert. Leider kommt kaum jemand! Man fühlt sich offensichtlich durch einschlägige Medien gut informiert. Dabei ist sachliche und umfassende Berichterstattung selten. Das beste Mittel gegen Vorurteile ist Kennenlernen!

– Heinrich Vogt

Leserbriefe zu „Wie kommen wir zur Besinnung?” von Evelyn Finger

Dieses Weihnachten wird anders, ganz anders als sonst. Vielleicht kommen wir ja wirklich mal zur Ruhe, feiern wir doch überwiegend allein. Das

Gehoppe

von den Eltern zur Oma, zu den Schwiegerkindern, Schwippschwägerinnen, Freunden und Feinden (?!) entfällt. Alles wurde heruntergefahren, und es bestehen harte Vorgaben, wo und wie man sich mit mehreren Personen treffen darf. Auch wegen der Geschenke gibt es kaum

Streß

. Hat man keines, gibt’s ja ’ne Ausrede: Lockdown! Viele Kirchengemeinden bieten Heiligabend eine Wandelzeremonien oder Messen im Freien an. Dabei wird streng auf Abstände geachtet! Zudem gibt es zahllose Online-Veranstaltungen. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter verwandelten ihre Kirchen dabei in Fernsehstudios.

Krippenspiele oder Christmessen (...) werden dann im Netz gestreamt. Und daheim dürfen alle Gläubigen so laut und falsch mitsingen, wie sie mögen. Es hört ja niemand. Ich erinnere, dass die Gottesdienste in meiner ehemaligen Gemeinde, zu Weihnachten immer voll ausgebucht waren. Heiligabend wurden Krippenspiele aufgeführt, es gab einen sog. Kreuz & Quer – sowie einen klassischen Weihnachts-

GoDi

. Ab 23:00 Uhr klang alles mit einer Andacht im Kerzenschein aus. Für jede und jeden war ein Format dabei. 2020 nun, entfällt der Rummel. Auch die Nahrungsaufnahme wird sich an den Feiertagen unspektakulär gestalten. Es müssen ja keine Verwandten verwöhnt werden.

Das gute Geschirr bleibt im Schrank. Es wird ausgeschlafen. Spaziergänge stehen auf dem Programm. Gut dabei: Die Familienwaage wird kaum Gewichtsänderungen der Gewogenen registrieren. Vielleicht haben in diesem Jahr viele Menschen erstmals die Chance, sich mit dem wahren Sinn des Weihnachtsfestes zu beschäftigen. Und dieser besteht nicht darin, Einkaufswagen voller Spielzeug, Oberbekleidung, Computer (...) heranzukarren oder das Wohnhaus/die Wohnung mit tausenden, blinkender Leuchtdioden zu schmücken. Da war noch etwas Anderes...

– Achim Bothmann

Ich will mich im Namen meiner WG bei euch bedanken für die fantastische Arbeit, die ihr leistet. Euch gelingt es, einzigartige Phänomene des Lebens einzufangen und sie in Worte zu fassen. Der Zauber kommt bei den Leser*innen an. Die erste Seite, die ich am Donnerstag morgens aufschlage ist ,,Glauben und Zweifeln‘‘. Danke Evelyn Finger für diesen wertvollen Beitrag, Sie haben mir damit aus der Seele gesprochen. Der Advent dieses Jahr ist so anderes als die Jahre zuvor. Sonst war der Advent eher stressig. Dieses Jahr empfinde ich ihn als bedrückend. Die Menschen um mich herum lechzen nach Freude, Unbeschwertheit und glücklichen Momenten. Wenn es und schlecht geht, sind Freunde oft diejenigen, die uns Hoffnung, Trost und Rückhalt spenden.

Doch Corona legt ganze Freundschaftsnetzwerke lahm und man ist plötzlich mit all seinen Sorgen und Ängsten auf sich allein gestellt und verspürt schmerzlich das Gefühl der Einsamkeit. In diesem Advent wurde mir das erste Mal bewusst, was für ein Segen, Christsein ist. Ich kann mich mit meinen Sorgen an jemanden wenden, ohne Angst zu haben, ihn damit zu belasten. Mein Glaube entpuppte sich als wahre Kraftquelle, die mich erfüllt und stärkt. Diese Pandemie nimmt uns alles schöne auf der Welt, aber sie kann mir nie meinen Glauben nehmen. Danke für Ihre Worte!

– Judith Hirsch

In Ihrem Artikel zitieren sie einen Pfarrer: „Dann könnten wir problemlos die Eltern sehen, und ich kann als Seelsorger zu den Alten ins Heim. Immun ist man als Pfarrer ja noch beliebter!“ Seit Monaten wird von Experten und durch Studien immer wieder darauf hingewiesen, dass eine hohe (u.a. kreuzreaktive) T-Zellen-Immunität gegen SARS-C0V-2 in der Bevölkerung vorhanden ist. Die entsprechenden Testungen könnten helfen, die Panik abzubauen und damit die Lockdowns, Kontakteinschränkungen und anderen Maßnahmen, die so schädlich für ein funktionierendes Immunsystem sind. Die Medien sollten besonders jetzt diese Tatsachen verbreiten.

Neuer Test auf Corona-spezifische T-Zellen bestimmt Immunität binnen 24 Stunden

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So funktioniert Immunität gegen Coronavirus durch T-Zellen

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Oxford Immunotec Joins Forces With Public Health England in a Large Clinical Trial Utilizing T-SPOT® DiscoveryTM SARS-CoV-2 Test | Technology Networks

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Oxford Immunotec Global PLC: Oxford Immunotec Signs Exclusive Distributor Agreement with RIKEN Genesis, a Subsidiary of Sysmex, to Market the T-SPOT Discovery SARS-CoV-2 Kit for the Measurement of the T cell Immune Response to SARS-CoV-2 Infection in Japa

Zumal ja laut WHO der PCR-Text Probleme hat und sich die Situation somit völlig anders darstellt.

Hochkarätiges internationales Forscherkonsortium demontiert PCR-Test von (...) – Corona Transition

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National Security Alert: COVID Tests Scientifically Fraudulent, Epidemic of False Positives – Global ResearchGlobal Research – Centre for Research on Globalization

/

WHO Finally Admits COVID19 PCR Test Has a ‚Problem‘ | Principia Scientific Intl.

/

Die acht Fehler der deutschen Corona-Politik | GMX

/

Zu viele Ungereimtheiten: Autoren des Corman-Drosten-Papiers über PCR-Tests zunehmend unter Druck – YouTube

Außerdem wir das Austesten eines neuen Impfstoffs noch Jahre benötigen.

Die Corona-Impfung: Aussage Prof. Hockertz – YouTube

/

Prof. Stephan Hockertz warnt vor millionenfach vorsätzlicher Körperverletzung | VÖ: 17.07.2020 – YouTube

– Gerhard Jahnke

Seit Anfang dieses Jahres 2020 geht die Angst um, in Deutschland, auf der ganzen Erde. Wird immerfort angeschürt. Angst ist Enge, Abgrenzung, Ausgrenzung. Abstand halten, Distanz. Feiern wir Weihnachten in dieser Welt der Angst? Wenn ja, wie? Weihnachten ist das Fest der Liebe. Liebe ist Weite, Erweiterung, Offenheit, Freude, Nähe, Wärme, Hinwendung, Umarmung. Ist Gemeinsamkeit rund um den Erdball. Wir sind eine Menschheitsfamilie. Es gibt Personen mit fachlicher Expertise, wie die Professoren S.

Bhakdi

und J. Ioannidis, Dr. Wodarg. Die verkünden die gute Nachricht, dass für die Menschen und die Menschheit die Gefährdung durch Coronaviren nicht größer ist als durch Grippeviren. Nicht weniger, auch nicht mehr. Vor 2.000 Jahren verkündete ein Mann die Frohe Botschaft, der war weit größer als die vorher genannten Herren. Auch seine Verkündung wurde nur zögerlich angenommen. Und verbreitete sich dann über alle Kontinente. Wenn also Weihnachten feiern, dann doch mit Freuden und Vertrauen, mit Achtsamkeit und Eigenverantwortung, mit Hoffnung und Mut, mit Hinwendung und Nähe. Mit Familie und Freunden.

– Leo Loewe

Stille

stille

Nacht. Befürchtet wurde es, nun ist es offiziell. Weihnachten werden in vielen christlichen Gemeinden die Weihnachtsgottesdienste abgesagt. Unverantwortlich sei es, Gottesdienste angesichts der kritischen pandemischen Situation hierzulande zu feiern. Gottesdienste als Superspreader-Events, die Kirche als Hotspot, tausende Feiernde in deutschen Kirchen, das kam für viele wohl einem virologischen Albtraum gleich. Doch die Realität sieht anders aus, besser gesagt; hätte anders ausgesehen. Niemand hätte Weihnachtsgottesdienste im gewöhnlichen Sinne geplant oder durchgeführt, niemand wäre auf die Idee gekommen, den himmlischen Heerscharen zu jauchzen oder gar dem Kindlein eine stille Nach zu singen. Lithurgische Texte wären nicht nachgesprochen worden, man hätte sich nicht zum Abschied die Hände geschüttelt.

Alle Besucher hätten verpflichtend eine Mund Nasen Bedeckung getragen, und man wäre mit ausreichend Abstand einzeln auf auseinandergeschobenen Kirchenbänken gesessen. Man hätte sich vorher anmelden müssen, seine Daten zur Kontaktverfolgung angeben müssen und auf den Sicherheitsabstand achten müssen. Aber trotzdem hätte der ein oder andere einen Gottesdienst besucht. Jeder der wollte hätte in einem kleineren Rahmen und sicherlich etwas anders als sonst, aber er hätte eben ein kirchliches Weihnachtsfest erleben können. In Gemeinschaft, nicht allein. In einer Kirche, nicht vor einem Computer und mit Musik von echten Instrumenten, nicht aus einem Lautsprecher. All das wäre möglich gewesen – hätte man es nur gewollt. Das Risiko sich anzustecken bei derartigen Veranstaltungen – wie es ja übrigens auch im Laufe des Jahres mit immer grösser werdender Professionalität fast überall in den verschiedensten Formen einstudiert wurde – geht gegen null.

Im Vergleich zu übervollen U- und S-Bahnen in deutschen Großstädten, dem hektischen Weihnachtsshopping in den letzten Tagen vor dem sogenannten Lockdown, und der langen Schlange an der Kasse bei Aldi, Lidl und Co. scheint die enorme Angst vor einer Ansteckung in einer Kirche mit Konzept, Abstand, Singverbot und dauerhaftem Maskenzwang geradezu lächerlich. Warum also diese übertriebene Selbsteinschränkung der Kirchen? Warum kassieren Kirchengemeinden ihre eigenen schon in Weimarer Zeiten verankerten Selbstbestimmungsrechte und die bewusst vom Staat zumindest in Teilen offengelassenen Gestaltungskompetenzen während des Lockdowns für religiöse Veranstaltungen selbst so drastisch ein? Warum machen Gemeinden selbst die Religionsausübung für ihre Mitglieder unmöglich?

Warum begibt man sich freiwillig in ein ethisches Spannungsfeld der Rechtsgüterabwägung zwischen dem Grundrecht der Glaubensfreiheit und dem Schutz des menschlichen Lebens durch konsequente Kontaktreduzierung? Und warum manövriert man sich als Glaubensgemeinschaft dadurch in eine Situation aus der man politisch und ethisch gesehen nicht wieder herauskommt, ohne dabei nicht – zumindest in Teilen – sein Gesicht zu verlieren? Während manche Kirchenvertreter als Argumentation immer noch an der Ansteckungsgefahr festhalten, gibt der Hamburger Pastor Jonas Goebel inzwischen den wahren Grund für seine Entscheidung, alle Weihnachtsgottesdienste in seiner Gemeinde abzusagen, im Interview der Süddeutschen Zeitung vom 14. Dezember unbeschönigt Preis: „Es geht auch nicht darum, dass ich glaube, dass aus allen Gottesdiensten ein großes Superspreader-Event wird.

Es geht mir hier tatsächlich um die Symbolik.“ Es geht also um die Symbolik, nicht ums Ansteckungsrisiko. Man könne nicht in einer Kirche mit hundert Besuchern Gottesdienst feiern, während andere zu Hause blieben. Da entsteht ein seltsames Bild. Ganz offensichtlich ist Image und Symbolpolitik wichtiger als Weihnachten in der Kirche. Aber wäre nicht gerade das die Aufgabe der Kirche? Wäre es nicht Sinn und Zweck der Kirche, sich nach diesen schwierigen Monaten und einem Jahr voller Veränderungen und Ungewissheiten, voller Schwierigkeiten und Leid, sich dennoch seinen Gläubigen zu öffnen? Nicht trotz Corona, sondern vielleicht gerade deswegen?

Vermutlich ist es die Angst vor einer möglichen Rechtfertigung, die viele Kirchengemeinden und ihre Entscheidungsträger am Ende in diese Enge getrieben hat. Die Angst am Ende noch einem gesellschaftspolitischen Diskurs Stand zu halten, dem die Kirche sich vermutlich ohnehin schon viel zu oft ausgesetzt sieht. Die Angst sich am Ende noch einem Politiker wie Markus Söder in den Weg zu stellen, der mit barockem Herrschaftsverständnis von der Ausgangsperre auch an Heilig Abend keine Ausnahme macht und es Gläubigen so unmöglich macht, von der Christmette überhaupt wieder nach Hause zu gelangen. Eines ist jedenfalls sicher: Es wird es eine stille

stille

Nacht werden. Und für manch einen auch das erste Weihnachten ohne Kirche.

– Fritz Kasper

Leserbriefe zu „Genug ist nicht genug” von Thomas Assheuer

Thomas

Assheuers

wie immer punktgenauen Beobachtungen erinnerten mich an das Gleichnis vom reichen Kornbauern, das Jesus in Lukas 12 erzählt (V. 16-21). Der Inhalt des Gleichnisses ist schnell erzählt: Ein Landwirt ist erfolgreich und expandiert; zu diesem Zweck reißt er seine Lagerhallen nieder und baut neue, größere. Von all dem erhofft er sich den ersehnten Seelenfrieden. Es kommt allerdings anders als geplant – der Tod kommt ihm ungebeten dazwischen und die nicht gerade schmeichelhafte Ansprache Gottes: „Du Tor! In dieser Nacht fordert man seine Seele von dir; was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?“ (V. 20). Welche Lektion will Jesus uns mit diesem Gleichnis erteilen? Ist unternehmerischer Erfolg verwerflich? Freut sich Gott nicht an Unternehmergeist?

An anderer Stelle wird doch gelobt, wer mit seinen Pfunden wuchert und andere dazu gewinnt. Dass Europa zugleich das Kernland des Christentums und der freien Marktwirtschaft ist, ist bestimmt kein Zufall. Der Protagonist in Jesu Gleichnis ist mir nicht unsympathisch: Er ist fleißig, erfolgreich, reinvestiert und hat vermutlich bei der Steuererklärung nicht geschummelt. Er kann zudem noch „Feierabend“ machen, ist kein Nimmersatt. Gott will uns weder den Arbeitsplatz noch unseren Urlaub oder unser Aktiendepot madig machen. Die natürlichen Schöpfungsgaben sollte niemand geringschätzen. Schon im alten Israel feierte man Erntedank, das sog. Laubhüttenfest, das ganze sieben Tage andauerte und mit ausgelassener Fröhlichkeit verbunden war. Es ist tatsächlich eine Lust zu leben, und es ist gut, wenn ein Mensch sich auch an materiellen Dingen freuen kann!

Den Schlüssel zum Verständnis liefert das Wort „Tor“ oder „Narr“, mit dem Gott den Landwirt bezeichnet. Es handelt sich in der Tat um ein krasses Wort, aber Jesus will uns auch keine Alltagsweisheit mitteilen. Jesus weist auf diese Weise darauf hin, dass dieser Mann am Ziel vorbei gelebt hat, weil er über den materiellen Dingen Gott vergessen hatte. „Gewogen, gewogen und für zu leicht befunden“ lautete schon das Urteil über Belsazar (vgl. Daniel 5). Jeder Unternehmer weiß, wie wichtig es ist, seine Geschäftsbeziehungen sorgfältig zu pflegen, aber dieser Mann kannte seinen wichtigsten „Geschäftspartner“ nicht einmal – Gott! Dabei spürt der Mann im Gleichnis die Unruhe seiner Seele – und es klingt wie der Stress des modernen Menschen, den

Assheuer

so treffend benennt.

Der Trost, den sich der Unternehmer bei Lukas zuspricht, ist jedoch trügerisch. Er überschätzt seinen Einfluss bzw. den seines Geldes. Diese Sehnsucht stillt keine Reise zu den fernsten Stränden. Die Seele hat Heimweh nach Gott, wusste bereits der

Psalmdichter

, als er schrieb: „Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele nach dir, o Gott! Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott“ (Ps 42). Nur „er erquickt meine Seele“ resümiert David in Psalm 23. Am Ende es Laubhüttenfest (s. o.) sagte Jesus einmal, dass wer jetzt noch Durst habe, zu IHM kommen möge (vgl.

Joh

7,37). Die ernste Frage, die

Assheuers

Ausführungen aufwirft, ist daher folgende: Was hindert mich daran, „reich zu sein in Bezug auf Gott“ (V. 21)?

Angebote zur Ablenkung von dieser existenziellen Frage bieten nicht nur Netflix oder „

Social

Media“; mir noch plastisch in Erinnerung geblieben sind Bekannte, die abendfüllend über ihr gefliestes Bad und den „Hochleistungsabfluss“ ihrer Duschwanne erzählen konnten. Aber es müssen nicht so banal materialistische Dinge sein. Auch schöngeistige und an sich nicht zu verachtende Interessen werden dann gefährlich, wenn sie mich darüber Gott vergessen lassen. Quintessenz: Das Gefühl „genug ist nicht genug, / ... / genug kann nie genügen“ ist eine anthropologische Konstante. Es ist aber zugleich ein Weckruf des Schöpfers: Der Gott, der uns geschaffen hat, hat einen Anspruch auf uns! Und es gibt nur einen Ausweg aus dem Hamsterrad, den keiner treffender als Augustinus formuliert hat: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet, Gott, in dir“ (Augustinus).

– Marcel Haldenwang

„In den alten Zeiten, als das Wünschen noch geholfen hat“ fängt ein Märchen der Brüder Grimm an. Im Kern trifft diese Aussage heute noch zu. Ist es nicht, gerade in der modernen Welt so, dass die Erfüllung von Wünschen zu unserer DNA gehören und Unabhängig von Sehnsüchten befriedigt werden? Glück im Zusammenhang mit mehr und mehr ist ebenso eine Illusion wie der Glaube an den Kapitalismus und der Irrglaube an unendlichem, unaufhörlichem Wachstum. Hieraus und nur hieraus kann sich die staatliche Geldvermehrung speisen. Mit dem Motto: „Geld regiert die Welt“. Aber macht Geld auch glücklich? Auch für viel, viel Geld kann man Glück eben nicht kaufen. Philosophen, Literaten und Musiker arbeiten auch alle nicht nur für „Gottes Lohn“. (Siehe das jüngste Beispiel=Bob Dylan-Musiker und Literaturnobelpreisträger-hat die Rechte an seinen Songs/Texten für geschätzte 300 Millionen US-Dollar verkauft.) Begehrlichkeit gab es immer schon, auf die eine oder andere Art, und wird es wohl auch immer und weiter geben. „Nicht auf die Größe des Vermögens, sondern auf die des Geistes kommt es an.“(Seneca)

– Felix

Bicker

Vielen Dank für Ihre klarsichtige und eindrückliche Analyse! Die Feststellung, dass trotz aller Warenwunscherfüllung „ein hartnäckiger Wunsch- und Sehnsuchtsrest, ein unstillbares Verlangen“ bleibt und dass alles Erreichte „nie das Wahre und das Ganze zu sein“ scheint, erinnerte mich an den Satz des Theologen Heinrich

Kemner

: „Der einzige Gottesbeweis, wenn es überhaupt einen gibt, ist der, dass nichts in der Welt unser Herz ausfüllen kann.”

– Hartmut

Reibold

Nun ,

hier hat sich gleichzeitig ein besorgter Zeitgenosse über den Zustand seiner Zeitgenossen

ausgelassen ;

war schon der Artikel auf gleicher Seite recht

anspruchsvoll,

so wurde der von Herrn

Assheuer

noch

überboten .

Sein Fazit am Schluss seiner reichlichen

Erklärung ,

der Hinweis aufs planetarische

Massensterben infolge

Corona!

Toll!

Da kann ich ja nur

sagen,

ein

Glück,

daß

dieser Artikel nur von Lesern der Zeit wahrgenommen wurde und wahrscheinlich von diesen nur ein Bruchteil – ob zu Ende gelesen scheint fragwürdig ... Sinnloses Palaver von diesem

Herrn!

Schon das

Zitat „

wer sich nichts mehr

wünscht,

der kann auch nicht mehr enttäuscht

werden —

ist

genau so

wie

„wer

keinen Temperaturunterschied mehr

spürt,

braucht keine Kleider mehr“!

Der Mensch

hat ,

weil er sich vom Tier unterscheidet kognitive

Wünsche ,

die über die Urbedürfnisse von Fressen – Schlafen – Fortpflanzen (incl. gewalttätigen Verteidigens der Spezies) hinaus

gehen .

Man frage sich

erstmal ,

warum der Mensch so wie er ist und nicht anders ! Die Antwort kann nur die Evolution geben – soweit heute übersehbar und z. T. durch Artefakte belegt , setzte der Prozess vom Menschwerden vor ca. 5 Millionen Jahren im Miozän in Etappen

ein ;

bis in die jüngste Phase der kognitiven

Entwicklung .

Die Basis dessen war die Selbsterkenntnis und das

Gewahrwerden

seiner

selbst und

existentiellen Notwendigkeiten – alles Weitere war eine Kettenreaktion die

zum

bekanntlich aktuellem

Zustand

führte !

Das will nun der Herr

Assheuer

infrage stellen unter der

Prämisse ,

dass das

aus notwendigen Wünschenswerte

zielstrebig erreichte Niveau

im Menschseins

obsolet

sei ?

Er spricht mit Marcuse vom

Überfluss ,

er vergesse

nicht ,

es gibt keinen „ÜBERFLUSS“

— alles

ist der Knappheit

unterworfen ;

alles geht

kaputt !

Was er dort

kritisiert ,

ist doch nur eine zeitliche Spielart all dessen was nötig um den Austausch an Gütern zu

sichern !

Man mag über die gerechte Verteilung

streiten ,

aber im Prinzip ist dieser

Mechanismus ,

man mag es

Kapitalismus ,

oder sonst wie nennen,

aber notwendig

um eine

Spezies von annähernd 8 Milliarden Individuen zu erhalten — hier greift ein unerbittliches Prinzip was von Anbeginn der Evolution des Lebens auf dem Planeten Erde immanent

ist .

Wer das bezweifelt kann gerne

„ Lieber

GOTT

„ spielen

! Und zum

Schluss :

Was versteht der Herr

Assheuer

, denn vom

Berühmtsein ?

Etwa berühmt wie

der ,

wie zitierte

Borchard ?

Den kennen vielleicht 100.000 sogenannte Intellektuelle – man bleibe bei der

Realität ,

Helene Fische ist berühmter und gar der Herr

Trump .

Ist ja

schön

wenn sich die Protagonisten Mühe machen um die Welt zu

erklären ,aber

ein Rezept für eine reformierbare Gesellschaft haben sie nicht – es

sei ,

man mache es wie die

Jakobiner ,

nur ,

die hatten es

leichter ,

die Anzahl derer die auf Linie zu

bringen ,

war

geringer !

Und heute

dürfen Bürger

gegen ,

zwar wünschenswerte, doch überdimensionierte Windräder oder zugepflasterte Wiesen mit Sonnenkollektoren Front machen – ein Begehren für Zweckmäßiges zum Überleben – ein neues Auto oder das 50. Paar

Schuhe ,

nun ,

das facht den

Konsum ,

oder sichert die Existenz von nicht solch

Bevorzugten wie

jene aus der Riege des Herrn

Assheuer

. Dessen Weltsicht ist

auf`s

Äusserste

zu bekämpfen – hier manifestieren sich die geistigen Kommunisten

..

Währet den Anfängen – der

Unterchochung

der

Freiheit !

Der Planet wird überdauern – der Mensch ist ein

Parasit !

– Klaus Schindler

Sie wissen, dass ich Ihre Artikel schätze, aber Ihre Darstellung über die kapitalistische Produktion des Begehrens in Ihrem Artikel „Genug ist nicht genug“ ist mir nicht genug fundiert. Der zentrale Fehler scheint mir in Ihrer Prämisse zu stecken, die vom „ewigen Wunsch nach dem Surplus“ ausgeht. Der Wunsch nach dem „Surplus“, also dem Mehrwert, ist dem Kapital eingeschrieben und nur ihm,

das

erst mit dem Kapitalismus produktionsbestimmend wurde und nach und nach alle Wirtschaftszweige erfasst hat. Es geht also nicht darum, dass der Mensch immer so war. Es gibt zwar ewige Bedürfnisse nach Nahrung, Bewegung, Kontakt, Emotionen (Freude, Wut), Lust, Anspannung und Entspannung, aber spätestens seit Claude Lévy-

Strauss

nach dem 2. Weltkrieg wissen wir von „kalten“ Kulturen, die sich Jahrtausende nicht veränderten.

Wilhelm Reich hat allerdings schon früher auf Malinowski hingewiesen, der über die

Trobriander

geschrieben hat, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine stabile kalte Gesellschaft ohne Krieg, ohne Hunger und mit Lust waren. Ich habe seinen Text aus dem Englischen neu übersetzt vor einigen Jahren veröffentlicht (siehe unten). Sie haben zum Thema Geld nur auf Georg Simmel hingewiesen, aber die Auseinandersetzung mit Marx‘ „Kapital“ vermieden, der den Doppelcharakter der Ware in Gebrauchswert und Tauschwert darstellt und den „Wunsch nach mehr“ aus der Grenzenlosigkeit des Tauschwertes ableitet, denn Geld ist eine Quantität ohne anderen Wert. Reichtum war schon immer in heißen Gesellschaften ein konkretes Objekt der Begierde für Eliten, doch war er an Objekte gebunden. Mit der Loslösung des Dollargeldes vom Goldstandard (Weltwirtschaftskrise um 1930) wurde die materielle Bindung beseitigt.

Anstelle des Tauschmittels „Gold“ trat der Reichtums-Maßstab „Geld“. Ein Börsenkrach kann Reichtum auslöschen, weil er auf einer Verabredung beruht. Anders der Gebrauchswert, der auf die realen Bedürfnisse der Menschen bezogen war und eigentlich sein müsste. Dann gäbe es jedoch kein Wachstum, denn sie ließen sich auf niedrigem materiellen Niveau befriedigen. Die Menschen müssen sich also Dinge wünschen, die sie nicht brauchen. Sie müssen zu einem Ersatz-Bedürfnis werden, damit sie gekauft werden. Zusätzliche Bedürfnisse werden geschaffen (Pornografie) oder eine Pseudobefriedigung tritt an die Stelle (Prostitution). Da kommt die Werbung im Kapitalismus ins Spiel. Sie ist inzwischen integraler Bestandteil aller sozialen Medien.

Die Mechanismen hat das „Unsichtbare Komitee“ in seiner Darstellung des „

jeune

fille

“ meisterhaft beschrieben. Sie zitieren Marcuse mit dem warenförmigen Begehren, das neue Abhängigkeiten schafft. Es ist paradoxerweise eine Klage über Luxus, denn es muss viel Aufwand betrieben werden, um den Anschein von Befriedigung der Bedürfnisse zu erwecken. Ihr Kollege Jens Balzer ist wenige Seiten weiter (S. 61) voll auf dem Trip der Spektakelgesellschaft (Guy

Debord

), in der es nur noch um die Ablenkung von den Bedürfnissen geht: „Bunt und feucht und latexstreng“. Der Gebrauchswert besteht im Sich-Vergessen. Es handelt sich um Luxus, weil es teuer ist und unbefriedigend ist.

Mir hat sehr gut gefallen, wie Sie am Ende den Bogen zur aktuellen Krise spannen, die eine Wirtschafts-, Gesundheits- und Umweltkrise ist. Ich vertrete, dass Covid19 ein Elendsindikator ist und nicht nur ein Armutsindikator. Das Virus trifft vor allem die führenden kapitalistischen Staaten und dort die Männer ab 50 überproportional. Schlechtes Leben und falsches Leben, schlechte Luft und wenig Bewegung, Unterernährung und Überernährung, psychische Not und Arbeitsstress, Massenunterbringung und Isolation ... Je grösser die Stadt und das Auto desto schlechter die Luft. Die Megalopole Wuhan liegt inmitten einer Brutstätte von Viren.

Gerd

Stange

Leserbriefe zu „Fünf Antworten zur Impfung” von Ulrich Bahnsen

Ich habe mit Interesse o.g. Artikel gelesen und eine Ungenauigkeit (Fehler?) festgestellt. Herr Bahnsen schreibt, dass der Impfstoff von AstraZeneca Adenoviren als Vehikel benutze, die genetisch so hergerichtet worden seien, dass sie nicht ins Erbgut (der menschlichen Zellen) eingebaut werden könnten. Aber genau das ist nach allen mir vorliegenden Informationen falsch. Die manipulierten Adenoviren sind DNA-Viren und können ihre Aufgabe (das Virus-Protein für den Oberflächen-Spike des Virus zu produzieren) nur dadurch erfüllen, dass sie in das menschliche Genom integriert werden. Die menschliche Zelle übernimmt dann die Protein-Produktion (mittels mRNA, Ribosomen und t-RNA), die sonst vom Covid-19-Virus geleistet werden muss, wenn es einen ungeimpften Menschen infiziert hat. Bei einem Geimpften würden die vom Menschen produzierten Antikörper eine Virus-Vermehrung verhindern. Ob durch den Einbau von Virus-DNA in das menchliche Genom vermehrt Krebsmutationen ausgelöst werden können, kann erst nach Langzeitbeobachtungen beurteilt werden. Sollte ich mit meinen Informationen falsch liegen, bitte ich um Korrektur.

– Dr. H. Bauer

Ich habe bisher noch keine Information dazu gelesen, woher man weiß, ob ein angedachter Impfstoff überhaupt wirkt. Warten die Forscher einen definierten Zeitraum ab (welchen)? Oder werden die Probanden gezielt mit Sars-CoV2 konfrontiert?

– Iman

Schwäbe

Ich habe Ihren Artikel über die Corona Impfung gelesen. Diese Nebenwirkungen gibt es auch bei der Grippe Impfung, sollten Sie eigentlich wissen. Daß ist die Lügenpresse, die Unsicherheit

verbreitet schämt

Euch.

– Günter Reuter

Der Molekularbiologe Dr. Ulrich Bahnsen referiert zur Sicherheit des

Biontec

/Pfizer mRNA-Covid-19-Impfstoffes die soeben im New England Journal

of

Medicine publizierten Studiendaten und hat leider nicht sorgfältig genug gelesen: Die nur zweimonatige mittlere Nachbeobachtungszeit der geimpften Studienteilnehmer hat nicht 44000 Probanden ausgewertet. Auch von den 18198 geimpften Personen wurden in das sogenannte „

reactogenicity

subset

“ leider nur 8183 Probanden eingeschlossen. Und es wäre durchaus erwähnenswert gewesen, zu berichten, dass 79% der Studienteilnehmer keinerlei Begleiterkrankungen aufwiesen. Auch sind die Altersstrukturen der Studienteilnehmer in der Publikation nicht genau

beschrieben,.

Hieraus dann pauschal abzuleiten, dass „nach allem, was man

weiss

“ die Impfung die „weitaus ungefährlichere“ Option sei, ist wissenschaftlich nicht haltbar und sollte in der gegenwärtigen Situation von einer renommierten Wissenschaftsredaktion nicht gedruckt werden.

– Dr. Stefan Grosche

Leserbriefe zu „Spielen und Töten” von Paul Middelhoff und Martin Nejezchleba

Als ich den Artikel „Spielen und Töten“ von Paul Middelhoff und Martin

Nejezchleba

las, bin ich doch sehr ins Staunen geraten. Die Autoren prangern an, dass die Ermittlungsbehörden zu wenig Wissen auf dem Gebiet der neuen Medien besäßen, offenbaren aber ein genaues geringes Maß, wenn sie die populäre Spieleplattform Steam als Sprungbrett in die rechte Szene karikieren. Ich hätte mir bei der Berichterstattung gewünscht, dass die Autoren aus ihrer Recherche lernten, indem sie die Polemik der „Killerspiele“ als Katalysator hinter sich ließen, und mit Titel und Illustration des Artikels den wichtigsten Teil des Inhalts, nämlich die Unsicherheit der Behörden im Umgang mit Rechtsextremismus im Internet, darstellten. So kann man Überschrift und Hintergrund leider getrost als „Clickbait“ abtun.

– Hinrich

Nienaber

Ihre Autoren Paul Middelhoff und Martin

Nejezchleba

haben sich dafür entschieden, den Attentäter von Halle Stefan B. mit vollen Namen zu nennen. Damit unterscheidet sich die Zeit von anderen deutschen Medien, welche darauf verzichtet haben. Ich habe mich gefragt, welche Gründe Ihre Autoren dazu bewegt haben, den vollen Namen des Attentäters zu nennen. Für mich ist nämlich nicht ersichtlich, welchen Mehrwert eine Nennung des vollen Namens hat. Im Gegenteil bin ich der

Auffassung, dass man terroristischen Attentätern dadurch zusätzliche mediale Aufmerksamkeit gibt, da das Erlangen von Ruhm und Bekanntheit oft ein Motiv rechtsextremer Attentäter ist. Es wird erhofft, durch ein schreckliches Verbrechen Aufmerksamkeit zu erlangen, weshalb Taten immer auch immer wieder

livegestreamt

werden. So auch bei Stefan B., wie Paul Middelhoff und Martin

Nejezchleba

richtig beschreiben.

– Julius Hausen

Warum nennen Sie in Ihrem Artikel

widerholt

den Namen des Mörders in Neuseeland? Ich finde die Vereinbarung des Anstandes, die von der Neuseeländische Presse und den dort Regierenden getroffen wurde, nämlich dem Mörder nicht die

von diesem offensichtlich so gewünschte Öffentlichkeit

zu

geben ,

vorbildlich. Sie offensichtlich sehen das anders. Warum glauben Sie den „Bekloppten und Mördern“ die nichts im Hirn haben und daher verwirrt nach einem Motiv suchen (nämlich im Netz der Dummköpfe -Internetz) eine Plattform und somit Unterstützung bei Ihrem Wunsch geben zu müssen?

– Ralf Lindner

Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Werbeartikel für rechtsradikale, antisemitische und antimuslimische Mörder. Sie haben es geschafft, den Namen des Mörders von Halle

22 mal

, den des Mörders aus Norwegen

6 mal

und den des Mörders aus Neuseeland

9 mal

zu nennen. Eine bessere Pressearbeit können sich diese Mörder gar nicht wünschen! Die entsprechenden radikalen Netzwerke und Chatrooms dürften jubeln. Jede Namensnennung ist ein Stich in die Herzen der Hinterbliebenen der Opfer. Ich meine zu erinnern, dass es einen journalistischen Kodex gibt, diesen Mördern keine Bühne zu geben und ihre Namen dem Vergessen anheim zu geben. In den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Medien ist m. E. der Name des Täters von Halle nie genannt worden. Dort ist immer nur von dem Angeklagten gesprochen wurden. Daran hätten Sie sich ein Beispiel nehmen sollen. Fällt so etwas einer Chefredaktion nicht auf?

– Henning Glaser

Leserbriefe zu „Plötzlich Hoffnung” von Stefan Schmitt

Ich verfolge die Diskussionen zur Energiewende schon sehr lange. Angesichts der Tatsache, dass Solarkraftwerke Strom immer günstiger produzieren, wie Sie schreiben, und dass auch Windräder immer mehr zur Energieversorgung beitragen, verstehe ich nicht wie diese volatile Energie (Flackerstrom) eine sichere Energieversorgung für die Industrie sicherstellen soll, wenn alle Grundlast-Kraftwerke mit Kohle und die Atom-Kraftwerke stillgelegt werden. Dass mit grünem Strom Gemeinden dezentral versorgt werden können, wird schon erprobt. Wir verfügen jedoch nicht über ausreichend Pump-Speicherwerke, um den grünen Strom z.B. für Stahlwerke und Chemie-Industrie zu stabilisieren. Prof. Sinn (IFO) hat dazu interessante Vorträge gehalten (siehe

Youtube

).

– Gerd Backhaus

Was mich stört: Das immer und immer wiederkehrende Selbstmitleid der gesunden, bestbehüteten von Klimawandel verschonten und von Technik beschützten Mitteleuropäer! Leider traut sich wohl momentan niemand mehr aus dem Kreis Ihrer Kollegen nach Indien oder auch sonst in die Armenviertel gerade der Länder, in denen es vermutlich nicht mal Intensivstation gibt!! Eben dorthin, wo Menschen auf gut Deutsch in Massen übelst verrecken. Das aber dann immerhin mit Sterbebegleitung aus der allerengsten Familie, die dafür höchstens von der allerhöchste uns allen verborgen bleibenden höchsten Stelle belohnt wird.

– Dr. Tanja Autenrieth

Stefan Schmitt hat recht: »Gigantisch wirkt ...das Vorhaben, die Treibhausgas-Bilanz ganzer Volkswirtschaften auf null zu bringen.» Von der Technik her gesehen ist dieses notwendige Vorhaben machbar. Zusätzlich stellt sich

die Frage

: Welche weitere nicht-technischen Vorhaben sind ebenfalls notwendig für die Klimaneutralität? Die folgenden Überlegungen sollen keinesfalls die Notwendigkeit des technischen Vorhabens in Frage stellen. Es darf nur nicht zu der optimistischen Annahme verführen, dass dieses notwendige Vorhaben ausreicht. Dass die Technik nicht reicht, ergibt sich

aus folgender

Überlegung (Zitat aus dem Buch «Die Technik reicht nicht»): «Mal angenommen, die Erde wäre zehnmal kleiner, wäre dann die Menschheit längst untergegangen?

Oder umgekehrt, wäre ihr eine gute Zukunft gesichert, wenn unser Planet zehnmal grösser, zehnmal reicher wäre? Geht man diesen Fragen nach, wird man finden, dass

Grösse

und Reichtum der Erde nicht entscheidend sind für die Überlebensfähigkeit der Menschheit. Daraus ergibt sich aber auch, dass der technische Fortschritt nicht reicht, diese Überlebensfähigkeit zu sichern. Denn die übliche Leistung der Technik besteht darin, immer mehr nötiges und unnötiges verfügbar zu machen und dadurch gleichsam die Erde grösser zu machen, was – wie gesagt – nicht entscheidend ist. Was für den technischen Fortschritt gilt, gilt leider auch für die sich dank dem technischen Fortschritt ergebenden Möglichkeiten wie Entwicklungshilfe, soziale Netze, Reagieren auf die Klimaerwärmung, etc. Auch diese Dinge können die Erde zwar gleichsam grösser machen, aber das reicht nicht, der Menschheit ein langfristiges, gutes Fortbestehen zu sichern.»

Aber was ist nötig, dieses Fortbestehen zu sichern? Nötig ist eine Lösung, die das Wachstum von Konsum und Kopfzahl von der Menge der verfügbaren Ressourcen abhängig macht. Es muss eine Lösung sein, die auch dann funktionieren würde, wenn die Erde zehnmal kleiner wäre. Eine solche (allerdings brutale) Lösung hat es während Jahrtausenden gegeben, als die Erde (dank weniger entwickelter Technik) bedeutend kleiner war, kleiner in dem Sinne, dass sie weniger Menschen ernähren konnte. Heute wäre durchaus eine entsprechende humanere Lösung möglich. Dass eine solche Lösung nicht angestrebt wurde, hat Folgen. Es ist nun mal so, dass das Vervierfachen der Weltbevölkerung in den letzten hundert Jahren eine

massgebliche

Rolle bei der Zunahme der CO2 Emission gespielt hat: Dies durch Reduktion der Urwälder, Feuchtgebiete und Versteppung durch

übermässigen

Wasserverbrauch, Flächenverlust durch Wachstum von Städten und ihre Infrastruktur.

Das wirksamste Mittel das Bevölkerungswachstum zu reduzieren, war (dank Technik) wachsender Wohlstand: Konsum gab in den Industrieländern Alternativen für solche Perspektiven, die zu einer hohen Geburtenrate geführt haben. Aber es war nicht der

blosse

Konsum, der das bewirkte, sondern es war das Erarbeiten des Konsums. Es ging um Arbeitsplätze, die Perspektiven gab durch Karriere, Kontakt zu Kollegen, Ansehen,

etc..

Die Reduktion der Ölförderung (und Konsum-Reduktion allgemein) ist geeignet, diese Möglichkeit weltweit zu verringern, insbesondere in den Ländern mit hoher Geburtenrate. Das

heisst

, dass die indirekte

Massnahme

(wie sie in den Industrieländern erfolgreich waren) weltweit nicht funktioniert (oder nur mit unrealistisch hohem Wirtschaftswachstum) und dass man direkt auf die Geburtenraten Einfluss nehmen muss. Das Minimieren des Co2

Ausstoss

ist dafür nötig aber nicht ausreichend. Eine Patentlösung gibt es nicht. Nötig ist das breite Thematisieren der Problematik, Lösungsansätze sind im erwähnten Buch beschrieben.

– Dr. Gernot

Gwehenberger

,

Alleine schon die Überschrift “Plötzlich Hoffnung” scheint uns sehr verkehrt in Bezug auf

die Klimaschutzmaßnahmen

der Regierung. Prinzipiell wäre uns persönlich nie das Wort “Hoffnung” in den Sinn gekommen, wenn wir an eben besagtes

denke

. “Leugnung” und “Erneute Verzögerung” trifft es wohl eher besser. Sie beginnen in Ihrem Artikel mit den Auswirkungen der Klimakrise, die sie korrekterweise als “akute Notlage” bezeichnen. Weiterhin sind wir ebenfalls einer Meinung Klimaneutralität als positive Wende wahrzunehmen. Allerdings sagen Sie danach, dass bis zur Jahrhundertmitte der Ausstoß drastisch runter muss, als Konsequenz der bisherigen Emissionsexzesse. Auf was für ein Ziel beziehen Sie sich hier? Mit welchem Ziel muss bis zur Jahrhundertmitte der Ausstoß drastisch reduziert werden?

Ich nehme an, Sie beziehen sich auf die Ziele der Bundesregierung, die eine Klimaneutralität bis 2050 anstreben. Allerdings sehe ich mich gezwungen Sie darauf hinzuweisen, dass eine Klimaneutralität im Jahr 2050 keineswegs ausreicht um einen gerechten Beitrag zum 1.5° Ziel zu leisten, wie es im Pariser Klimaschutzabkommen vorgesehen ist. Nach einer neuen Studie des Wuppertal Instituts müsste dafür eine CO2 Neutralität bis spätestens 2035 erreicht werden. Das heißt: Um einen gerechten Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft zu leisten, muss nicht bis zur Jahrhundertmitte der Ausstoß drastisch reduziert werden, sondern bis 2035 sogar komplett neutral sein. Wir würden hier auch gerne vorwegnehmen, dass mit den aktuellen Bemühungen der Bundesregierung das nicht möglich ist, weswegen das Wort “Hoffnung” auch sehr fehlgeleitet ist. Weiterhin gehen Sie auf die Problematik ein, wieso eine Klimaneutralität eine große Herausforderung ist. Hier können wir Ihnen wieder komplett zustimmen.

Sie gehen sogar weiter und gehen näher auf die Reduktion des CO2-Ausstoßes ein und merken an “All das ist verdammt knapp”. Das sehen wir genauso. Es ist verdammt knapp. Der nächste Absatz ist der Schlüsselabsatz, wieso wir uns mit diesem Brief an Sie wenden. Sie gehen darauf ein, dass die EU ihre Klimaziele verschärft hätte (minus 55, statt minus 40 Prozent) und legen dies als einen hoffnungsvollen Meilenstein dar, als “gutes Omen”, welches die Bekämpfung der Klimakrise in die Wege leitet. Um auf die Studie des Wuppertal Instituts erneut einzugehen, reichen minus 55 Prozent bei weitem nicht aus. Es wäre ein Minus von 80 Prozent nötig um das zu erreichen, was nötig wäre um die Klimakrise anzugehen. Außerdem wurde ebenfalls ein Nettoziel beschlossen, welches mehr

Emissionen erlaubt, wenn der Ausstoß anderweitig kompensiert wird. Von baldiger

Neutralität kann Mensch hier nicht ausgehen.

Was ist das denn für ein Omen sich gegen das Pariser Abkommen zu entscheiden?! Das hat die EU mit -55 Prozent Netto. Und das ist keine “Detailkritik”. Deshalb sehen wir diesen Beschluss nicht als “gutes Omen”, sondern als erneute Niederlage im Kampf gegen die Klimakrise. Es ist eine erneute Erinnerung, dass die Klimakrise nicht als das wahrgenommen wird was sie ist: Eine Krise, die unsere Existenz bedroht. Deswegen können wir nicht verstehen, wie in Ihrem Artikel ein so positives Gefühl wie Hoffnung mitschwingt, wenn momentan alle anderen Gefühle überwiegen sollten. Ja, 2020 hätte der Wendepunkt sein sollen, war es aber nicht. Denn welche Weichen und welche Wendepunkte gab es denn? Meinen Sie Datteln 4, den Kohleeinstieg/ausstieg (der es Deutschland unmöglich macht 1,5 Grad zu erreichen) und die 25 Prozentpunkte zu wenig in der EU?

Was fehlt ist ein Plan, es gibt in Deutschland und im Rest der Welt keinen Plan dafür wie wir die Erderwärmung auf 1,5 Grad beschränken können. Carbon

capture

ist

Science Fiction

mit Betonung auf Fiction. Es gibt keine Technologie, die das Problem für uns lösen wird. Glauben Sie uns, wir wären die Ersten die es feiern würde. Aber immer nur von Technik zu reden die es nicht gibt, weckt tatsächlich Hoffnung, falsche Hoffnung und lenkt von den eigentlichen Maßnahmen ab, die wir dringend ergreifen müssen. Sie haben recht, Solar ist Billiger, alle Erneuerbaren Energien sind das. Aber wir Subventionieren ca. 37 Milliarden € Jährlich fossile Industrien.

Damit Finanzieren wir den Kollaps der Ökosysteme und die Zerstörung von Heimat. (

https://www.wecf.org/de/milliarden-subventionen-fuer-braunkohle/

)

Sie reden von wirtschaftlichen Anreizen, wie traurig das ist, das es erst wirtschaftliche Anreize braucht. Den Planeten Erde so zu hinterlassen das wir noch darauf leben können reicht als Anreiz also nicht aus. Kurz noch zu unserer Motivation, wir betreiben Aktivismus, nicht weil uns langweilig ist, wir ärgern wollen oder ein Ventil für unsere Jugendlichkeit brauchen. Wir machen

das

weil all diese Zahlen von Erderwärmung, Reduktionszielen, Subventionen usw. für uns kein Theorem sind. Für uns sind sie die Entscheidung ob wir und mit uns Milliarden Menschen auf der ganzen Welt ein Leben führen können das nicht von Angst, Verlust und Tod geprägt sein wird.

Wir machen

das

weil wir Angst haben vor 2 Grad Erwärmung. Weil wir sehen was 1,2 Grad für Leid anrichten. Wir sprechen nicht von Systemwandel wie es frühere Linke

Bewegunge

taten, wir sind Wohlstandskinder die nichts lieber tun würden als das auch zu bleiben. Aber diese Option gibt es nicht. Entweder wir schränken uns ein oder die Natur wird das für uns tun. Es ist schön, dass sie Hoffnung haben und wir verstehen den Willen am Ende diesen Jahres Hoffnung verteilen zu wollen. Für uns ist diese Hoffnung, die Sie haben und die vor allem Generationen über uns haben, ein Schlag ins Gesicht. Es ist ein wegdrehen und weglächeln während wir weiter versuchen Wände einzurennen. Zukunft wird nicht gemacht, sie passiert. – Merit und Natasa

Leserbriefe zu „Friede den Briefkästen” von Marcus Rohwetter

Ich kann Ihrem Ansinnen nur zustimmen, aber

müßten

sie (Die Zeit) sich nicht zu allererst an die eigene Nase fassen, wenn wöchentlich so zwischen 800g und 1000g Papier (Die Zeit) den Briefkasten überquellen lassen, von dem auch ein nicht geringer Teil (Beilagen,

Zeitmagazin

und ganzseitige Reklamen) sofort in der Papiertonne landen?

– Dr. Heide

Zerban

Sollten Sie einen Aufkleber mit Werbeverbot an Ihrem Briefkasten anbringen? Vielleicht weil es entspannter ist als sich täglich über umweltbelastenden Werbemüll zu ärgern. Vielleicht, weil Sie damit der Umwelt etwas Gutes tun. Oder vielleicht ganz einfach, weil Sie durch das Aufhängen des Briefkastens jedem erlaubt haben seine Botschaften an Sie dort zu hinterlegen. Und wenn Sie nun merken, dass Sie einiges davon nicht mögen, obliegt es Ihnen sich präziser auszudrücken. Vielleicht kann man folgenden Tipp in der ZEIT abdrucken. Ich habe mir Aufkleber gedruckt: Zurück an Absender. Werbung belastet die Umwelt – Bei der Herstellung und als Müll. Die klebe ich auf unerwünschte Werbebriefe. 90 % der Unternehmen lassen mich nach dem ersten Mal in Ruhe. Vom Rest kapitulieren 90 % nach dem zweiten Rücksenden. Der Rest gibt später auf.

– Iman

Schwäbe

Typisch Mann? Langes Jammern in einem völlig unnötigen Artikel statt pragmatisch fünf Sekunden für einen Aufkleber „Keine Werbung bitte “ zu verwenden.

– Heike Junker

Leserbriefe zu „Tickende Zeitbomben” von Daniel Müller

Es ist bekannt, dass man in Berlin vieles in der Verwaltung

schlören

läßt. Dagegen scheint. Es kein Mittel zu geben. Egal wer regiert. Wenn man diesen Artikel gelesen hat, dann beweist. Er mal wieder diese desolate Situation in Berlin. Man kann aber auch das, was hier im. Maßregelvollzug geschieht als Zynismus bezeichnen, den man schon mal vor vielen Jahren. In Deutschland diesen Menschen gegenüber erlebt hat. Aber das darf ja wohl nicht laut gesagt werden.

– Manfred

Mengewein

Ich freue mich auf jeden Donnerstag, wenn „Die Zeit“ wieder im Briefkasten liegt, auch wenn die Inhalte häufig nicht zum Freuen sind. So auch der Inhalt dieses Artikels, der sich nahtlos in eine Reihe ähnlicher Berichte zum Versagen deutscher Behörden und Politiker einreiht, sei es das Versagen in Sachen Wirecard sei es das mehrfache Versagen unseres Verkehrsministers, der gerade erneut gegen seinen Amtseid verstößt, indem er das Urteil des EGH zu den Abschaltvorrichtungen in der deutschen Autoindustrie offensichtlich nicht umsetzen will oder sei es das vielfältige Versagen mehrerer Institutionen bei der Behandlung des Cum-Ex -Skandals.

Gibt es in Deutschland eigentlich keine Möglichkeit, gegen solches Ignorantentum namentlich im Beispiel Berlin rechtlich vorzugehen? Gibt es keine Finanzgeber und Rechtsanwaltskanzleien, die es sich zur Aufgabe machen, gegen solche Machenschaften auch gerichtlich vorzugehen? Oder gibt es solche Schritte schon und man liest nur nichts davon? Ansonsten möcht ich bei dieser Gelegenheit den Blog der Leser loben. Diese Lektüre ist häufig genauso erhellend wie die Artikel selbst.

– Holger Böhm

Ihr Bericht über den gegenwärtigen Zustand der Forensischen Psychiatrie in Berlin ist erschreckend für jemanden wie mich, der ich bis 2014 fast 40 Jahre dort tätig war. Leider enthält Ihr Bericht – wie auch die Panoramasendung vom 17.12.20 – keinerlei konstruktiven Lösungsansatz für die momentane Krise.Es gab auch zu meiner Zeit nicht nur rosige Zeiten, aber für jede Krise gibt es eine Lösung. Wenn es gelingt eine therapeutische Athmosphäre auf den Stationen herzustellen – und das ist die Aufgabe der Maßregelvollzugseinrichtung – sinkt die Aggressionsbereitschaft der Untergebrachten automatisch. Selbstverständlich muß der Senat tätig werden beim Abbau der Überbelegung bzw Aufbau neuer therapeutischer Stationen. Das können die Beschäftgten nicht allein, selbst wenn die Mannschaft und die Führung noch so engagiert sind.

Der Senat besteht nicht nur aus der Senatorin. Diese hat noch zwei Staatssekretäre und sogar einen Psychiatriebeauftragten. Was tut der eigentlich? Und was tut eigentlich das renommierte Institut für forensische Psychiatrie der Charite Berlin? Die zahlreichen Mitarbeiter dort sollten von ihrem Elfenbeinturm, aus dem heraus sie nur lukrative Gerichtsgutachten machen und empirische Pseudoforschung betreiben, heruntersteigen und sich den Realitäten des Maßregelvollzugs stellen. An einen Runden Tisch gehören Senatsvertreter (Geldgeber), Institut für forensische Psychiatrie (Gutachterkompetenz), Strafrichter (um Fehleinweisungen zu vermeiden), Klinikleitung (sofern vorhanden), weitere Mitarbeiter der Klinik und gegebenenfalls auswärtige ausgewiesene Fachleute für Forensische Psychiatrie. – Michael Machleidt

Leserbriefe zu „Not in griechischen Flüchtlingslagern. Sind diese Bilder gewollt, Herr Marquardt?” Gespräch mit Erik Marquardt geführt von Ulrich Ladurner

Ihr Interview mit Herrn Erik Marquardt, Mitglied der

Partei Die

Grünen und Abgeordneter im Europäischen Parlament, ist außerordentlich aufschlussreich. Herr M. legt in diesem Gespräch dar, wie er und seine Partei unsere Welt betrachten. Dafür bedanke ich mich bei Ihnen, Herr

Ladurner

, wie auch bei Herrn Marquardt. Die Sicht des Herrn M. teile ich allerdings nicht. Sie ist auf ein Einzelproblem gerichtet und nicht zu Ende gedacht. Die Mechanismen, die Menschen bewegen, die Türkei zu verlassen, werden ausgeblendet. Herr M. begründet seine Vorstellungen von Migrationspolitik mit grundsätzlichen Begriffen, wie Flüchtlinge, Rechtsstaat und Rechtsanspruch. Dabei beschränkt er deren umfassende Bedeutung auf seine eigene Argumentation und verliert dadurch den Blick auf das Ganze.

Von daher ist der Tenor seiner Aussagen nicht geeignet, eine sachliche Debatte über Flüchtlinge und Migranten zu führen. Herr M. Ist offensichtlich der Ansicht, jeder Mensch, der irgendwo eine Landesgrenze überschreitet, sei ein Flüchtling. Als solcher habe dieser in jedem Land seiner Wahl Anspruch auf Wohnung, medizinische Versorgung, Schulbildung und einen Arbeitsplatz oder Sozialleistungen. Herr M. meint de facto,

jeder Rechtsstaat

habe das für jedermann zu gewährleisten. Das hört sich gut an und wird dem Mainstream

vorgegeben..

Andersdenkende werden vorschnell zu Unmenschen erklärt. Diese Betrachtungsweise blendet aus, dass der Staat grundsätzlich seinen Bürgern verpflichtet ist, deren Sicherheit und deren Gemeinwohl. Dieses oberste Staatsziel ist in der Verfassung des Landes, dem GG, festgeschrieben.

Die menschliche Vernunft schließt eine unbegrenzte Zuwanderung m. E. aus. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise nimmt auch wahr, dass im Jahre 2018 ca. 578.000 Personen ohne eigene Wohnung waren. Davon waren 402.000 anerkannte Flüchtlinge. Diese Menschen leben in

Gemeinschaftsunterkünften kommunaler

Hilfssysteme und gemeinnütziger Einrichtungen. Ca. 48.000 Menschen leben in Deutschland auf der Straße. Die bedauernswerte Situation von Menschen auf diesem Erdball ist unstrittig. Aufgabe der Politik ist es, Probleme zu lösen. Dazu gehören auch die Probleme im eigenen Land.

Die überproportionale Zunahme der Kriminalität in Folge der unkontrollierten Migration ist belegt und nachgewiesen, ebenso die Zuwanderung von rd. Eine Million Menschen in die Sozialsysteme. Um den Vorstellungen von Herrn M. zu folgen, müsste ein Wohnungsbauprogramm für Migranten dort aufgelegt werden, wo dieselben zu wohnen wünschen, nämlich dort, wo bereits ihre Landsleute wohnen. Ich bedauere außerordentlich, dass Herr M. sein Augenmerk auf die Migranten richtet, die die Türkei verlassen haben, um die Angebote der Wohlfahrtsstaaten in Mitteleuropa in Anspruch zu nehmen. Politik ist dazu da, Probleme zu lösen, nicht sie zu verwalten, zu verlagern oder gar zu

vergrößern

.

Schmolling

Es hat mich sehr gefreut, dass Ulrich

Ladurner

wegen der Flüchtlingsnotlage das Grünen Mitglied Erik Marquardt interviewt hat, denn es gibt außer der Corona Pandemie noch sehr viele andere Notlagen. Nachdem in sämtlichen Medien in ständiger, nahezu in ähnlicher Form, Wiederholungen der Corona Lage täglich berichtet werden, werden die Flüchtlinge offensichtlich vergessen. Neben den vollmundigen Versprechungen einiger Politiker hat sich offenbar nichts an der äußersten Notlage im Lager geändert. Natürlich habe ich absolutes Verständnis für die Probleme mit der Bekämpfung der Pandemie. Es ist eine immense Herausforderung für die Gesundheitspolitik, keine Frage, aber die Flüchtlinge (nicht nur in Moria) haben nicht die soziale Fürsorge der Regierungen. Deshalb sollten sie nicht in Vergessenheit geraten. Was ist eigentlich aus der versprochenen Aufnahme einiger Hundert Flüchtlinge geworden? Ich denke, dass interessiert nicht nur mich.

– H. Justin

Leserbriefe zu „Comeback-Kid” von Matthias Geis

Ist die CDU eine logische Partei? Wir werden sehen: Norbert

Röttgen

jedenfalls wäre inhaltlich und machtperspektivisch der logische Schritt. Stehen Merz und Laschet im Wettbewerb um den Parteivorsitz für starke aber unerfüllbare Sehnsüchte – Merz nach dem untergegangenen Alten, Laschet nach der nicht möglichen Kontinuität – so steht

Röttgen

für einen starken Aufbruch, in dem die widerstreitenden Sehnsüchte aufgehoben sind. Aufgehoben im doppelten Sinne: Enthalten und zugleich in eine neue Qualität gehoben. Diese neue Qualität – mit ihrer Versöhnung von konservativ und modern – würde die Stärke der CDU als politische Kraft in der Mitte ausmachen, bei der sich dann auch Wähler aufgehoben fühlen können. Die CDU hätte ein Herz, das kräftig schlägt, ohne Schrittmacher und ohne Stolpern. Die Delegierten müssen sich ein Herz fassen und logisch sein wollen. Dem Land würde es nützen.

– Reinhard Koine

Der Artikel von Matthias Geis über den Kandidaten

Röttgen

hat mich sehr enttäuscht. Meine Erwartung war, endlich einmal etwas Näheres zu den inhaltlichen, konkreten Positionen des Herrn Röttgen zu erfahren. Bislang habe ich nur allgemeine Statements von ihm gelesen, wie z.B. den ebenso intelligent

erscheinenden ,

wie unbestimmten Begriff der „antizipierenden Krisenkompetenz“ oder die nach tieferer Analyse klingende Feststellung wir lebten in Zeiten des Epochenbruchs. Auf dieser Metaebene lässt es sich mit wohlklingenden Worten gut streiten, ohne sich inhaltlich festlegen zu müssen.

Man ist weder

links,noch

rechts

sondern„Modernisierer

“. Leider zeichnet der Artikel diese Allgemeinplätze nach, ohne kritische Analyse der Positionen des Bewerbers: Ist er für die Beseitigung der wachsenden sozialen und ökonomischen Ungleichheit in unserer Gesellschaft -und wenn

ja :

mit welchen Instrumenten? Will er

die massive

militärische Aufrüstung begrenzen -und wenn ja-wie? Wie will er unsere sozialen Sicherungssysteme zukunftssicher machen und unsere Bevölkerungsentwicklung stabilisieren? Bei der Beantwortung

solcher Fragen

müsste ein Kandidat Farbe bekennen und man wüsste wo er steht. Ich weiß es nach der Lektüre nicht, schade!

– Hartmut Wegener

Leserbriefe zu „Der Zweifel: Gegen den Schweinestau” von Andreas Sentker

nehmen wir einmal an, durch andere Konditionen der EU-Betriebsprämie hätten wir schon seit ein paar Jahre nur halb

soviele

Mastschweine in der EU, die einzelnen Tiere aber doppelt

soviel

Platz. Und die Bauern würden deutlich mehr für ihre Produkte erlösen. Hätte dies die Verbreitung der afrikanischen Schweinepest in irgendeiner Weise beeinflusst? Wäre das Corona-Virus dann nicht in China entstanden? Wenn doch: Wäre das Virus dann nicht nach Deutschland gelangt und erst recht nicht in die Orte mit Schlachtstätten? Wenn doch: Hätte es dann keinen zeitweisen Produktionsstopp in den Schlachthöfen gegeben, keine Veränderung in den

Verzehrsgewohnheiten

der Menschen, keinen Rückgang beim Essen in Kantinen und Restaurants? Wenn doch: Hätte es auf andere, wundersame Weise dennoch keinen Schweinestau gegeben? Pannen im System, verursacht durch

aussergewöhnliche

Ereignisse, führen leicht dazu, das System grundsätzlich infrage zu stellen. Aber so einfach ist das nicht.

– Adolf Ronnenberg

Der EU die Schuld an der vermurksten Landwirtschaftspolitik zu geben, ist zu billig und geht am Thema vorbei. Die EU handelt nach

Lobbyistenvorgaben

, letztlich jedoch nach nationalen. Jede deutsche Regierung kann alles blockieren, sie tut es nicht, weil sie es nicht will. Wir haben eine Vielzahl von gesetzlichen und grundgesetzlichen klaren und eindeutigen Vorschriften zum Schutz von Wasser, Boden, Luft, Pflanzen, Tieren und auch des Menschen. Man sollte denken ein Muss für unsere Exekutive. Mitnichten. Bei pflichtgemäßem Handeln unserer Regierung /-en würden wir Landwirtschaft wie sie ist und nun fortgeschrieben werden soll, gar nicht kennen. Für den größten Teil der Fauna und Flora waren die Folgen bereits tödlich. Für den Menschen beginnt essen langsam gefährlich zu werden – Hormone, Antibiotika, Glyphosat ....

– H. Giller

Leserbriefe zu „Keine Zeit zum Rumprobieren” on Jens

Tönnesmann

Fassungslos hatte ich bisher schon die „Herstellungskosten“ der Corona-App von über 60 Mio. € wahrgenommen. Auch aus Ihrem Artikel ist leider nicht zu erkennen, wie sich der Betrag zusammensetzt. Wäre es nicht angebracht öffentlich zu machen, wie diese horrende Summe nach markwirtschaftlichen Regeln (z. B. Ausschreibung, Aufwandnachweis...) zustande kommen konnte und von wem der Vertrag abgesegnet wurde?

– Udo Ohm

Vielen Dank dem Entwicklerteam für den Mut, das Durchhaltevermögen und die Kreativität bei der

Konzenptionierung

und Entwicklung der

Coroawarnapp

. Sie haben gezeigt, dass man in Deutschland so ein schwieriges Projekt unter Berücksichtigung der Datenschutzbestimmungen und gegen recht diffuse Bedenken zügig umsetzen kann. Durch die Fertigstellung der App kam die Regierung hier im Vereinigen Königreich unter Zugzwang; das deutsche Beispiel wurde oft zitiert. Vielen Dank auch dem Team der Zeit, dass Sie einige der Menschen hinter der App vorgestellt haben.

– Marcus

Würker

Leserbriefe zu „Mehr als Jammerlappen” von Stefanie Schüler-Springorum

Ich lese Ihre Zeitung seit meinem Studium, seit einer vergleichsweise langen Zeit also, wenn man bedenkt, dass ich schon 36 Jahre alt bin. Und ich wundere mich über die seit mindestens fünf Jahren immer deutlicher zu Tage tretende Abneigung des Feuilletons gegenüber dem Staat Israel. Als heute die aktuelle ZEIT als E-Paper aufschlug, ahnte ich schon, dass Sie auf die „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ eingehen würden. Es hat mich leider nicht überrascht, dass Sie eine Verteidigung dieser in meinen Augen reichlich bizarren Initiative gedruckt haben. Die BDS-Verteidigung haben Sie auch noch direkt neben Maxim Billers Kolumne gesetzt. Herr Biller ist hoffentlich nicht so empfindlich wie ich, denn für mich war diese Feuilletonseite ein Schlag in die Magengrube.

Ich habe mich schon an die bei Ihnen regelmäßig wiederkehrenden Israelhass-Essays von

Omri

Boehm gewöhnt. Irgendwann habe ich aufgehört, sie zu lesen. Dass Sie das neueste Buch von Boehm besprochen haben und dass es, wenn ich mich richtig erinnere, Micha Brumlik tat,

überaschte

mich auch nicht. Auch diese Rezension ließ ich links liegen. Worauf ich aber seit Jahren warte, wäre auch einmal ein weniger von modischem-opportunistischem, pseudoprogressivem

Israelbashing

durchdrungener Blick auf den jüdischen Staat. Immerhin sind Ihre Kollegen, so etwa Özlem

Topçu

, Jörg Lau und Ihr Co-Herausgeber Josef Joffe, zu einem solchen vernunftgeleiteten Blick fähig. Ich bin geduldig. Gerade habe ich das Abonnement Ihrer Zeitung verlängert. Ich bin leidensfähig. Und leider auch Realist. Für wann ist also der nächste Israelvernichtungsessay von

Omri

Boehm geplant?

– Eugen El

So wenig ich aus persönlicher! Überzeugung den Holocaust weder relativieren kann noch will, so wenig teile ich die Ansicht, dass Kritik an israelischer Politik (das Existenzrecht des Staates Israel steht für mich verantwortungs- und gesinnungsethisch völlig außer Frage) oder am Judentum per se antizionistisch resp. antisemitisch ist. Wir müssen endlich differenzierter wahrnehmen, kommunizieren und bewerten. Nicht nur abstrakt, sondern eben auch themenbezogen unsere Kritikfähigkeit zeigen, Aufklärung und Korrekturen zulassen. So viel Zeit muss sein, denn Demokratien resultieren und benötigen diesen gesellschaftlichen Habitus. Und ja, ich finde, wir haben uns mit gesellschaftspolitischen Positionen und Relevanzen schon mal aufgeklärter aus- einandergesetzt.

Vielleicht, weil es lebenserfahrenere und/oder klügere Menschen gab, die sich eingebracht,

die mitgedacht

und mitdebattiert haben. Und ganz sicher deshalb, weil es noch keine sogenannten sozialen Medien gab, in denen ein jeder ziemlich unerkannt und

konsequenzfrei

seine niederen Instinkte verbalisieren und „verstärken“ konnte. Wer schlicht denkt, ist zu substanziellen Worten kaum fähig. Und wer das Wort nicht ehrt, ist der Rede nicht wert. Darum gilt (mitunter gewiss auch für Leserbriefschreiber wie

meinereiner

) noch immer Oscar Wildes Einladung zum sinnvollen Bleibenlassen: “Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten!“ Auf den umsichtigen und unaufgeregten Beitrag von Stefanie Schüler-

Springorum

allerdings haben wir ZEIT-Leser dankenswerterweise gerade deshalb nicht verzichten müssen.

– Matthias Bartsch

Leserbriefe zu „Frauen, lernt von der Seniorchefin!“ von Iris Radisch

Ich schätze Frau

Radisch

als kundige Rezensentin von Literatur eigentlich sehr. Nur mit der politischen Lebensbilanz von Alice Schwarzer scheint sie überfordert gewesen zu sein. Das war weniger die Rezension des Buches, als ein Rundumschlag, wie er banaler nicht sein konnte. Eher

redundante

Allgemeinplätze, wenig neu Gedachtes oder neu Wahrgenommenes bei dieser Figur, die doch immerhin unser Land entscheidend mitgeprägt hat. Schade.

– Marc Meurer

Ich habe zufälligerweise bei meinen Eltern den Artikel über das Buch von Alice Schwarzer gelesen. und jetzt muss ich ihnen einfach schreiben. denn ich finde, dass dieser Artikel nur so strotzt von Klischees und Unterstellungen. Alice Schwarzer hat für Frauen mehr getan als jeder andere Mensch in diesem Land und es wird so getan, als habe sie das alles nur für sich selbst und ihr „Imperium“ gemacht. von den jungen Frauen ist da die Rede, zu denen ich auch gehöre, die gegen Alice sein sollen. Das trifft vielleicht auf die wenigen jungen Frauen zu, die in den Medien auftauchen. und die es vielleicht nur so darstellen wollen, weil sie sich nicht trauen, ihre Meinung so vertreten, wie es Alice Schwarzer ihr Leben lang getan hat. und vielleicht traut sich die frau, die diesen Artikel geschrieben hat, auch nicht, eine eigene Meinung zu haben. vielleicht ist sie einfach nur neidisch auf eine frau, die so unabhängig und selbstbewusst ist.

– Caroline

Maschner

Leserbriefe zu „Bosporus-Punk” von Özlem Topçu

Eine ausgezeichnete Analyse eines schwierigen Verhältnisses.

– Klaus

Grasenick

Erdogan hat freilich längst begriffen, dass er „sein Land“ nicht mehr als einen demokratischen Rechtsstaat chiffrieren muss. Denn wozu Macht und Selbstbeherrschung mit dem Volk teilen, wenn man jene EU, die in der Vergangenheit gewiss auch das Ego des stolzen Präsidenten so manches Mal auf eine harte Probe gestellt hat, inzwischen – dank eines dubiosen Flüchtlingsabkommens – am Gängelband führen kann. In einem Land, wo wiederholt freie Menschen de facto zu Freiwild und politische Verhandlungsmasse werden können, herrscht das Gegenteil von Demokratie. Und ja, es stimmt natürlich, es sind nicht Werte, sondern gemeinsame und „gegenseitige“ Interessen, die (noch) verbinden, was nicht zusammengehört. Das allerdings wäre für die EU ohnehin keine ganz neue Erfahrung.

Matthias Bartsch

Leserbrief zu „Einmal ganz oben” von Ulf Schönert

Dieser Artikel liest sich für mich wie eine schaurige Gruselgeschichte. Von Absatz zu Absatz steigert sich der Horror. Ein Erstklässler, zu jung um sein Passwort einzugeben, mit diesem Gerät in der Hand – Grusel...! – über die Annahme, die Kurzfilme mit Bildungsschnipseln (5 Minuten binomische Formeln, dann 5 Minuten passé

composé

) eines kommerziellen Anbieters „Sofatutor“ (sicherlich für sich genommen ein gutes Angebot: aber gibt es hier wissenschaftliche Validierung des Lernerfolgs oder sind die Bremer Kinder hier Versuchskaninchen?) sei ein hinreichendes pädagogisches Medienkonzept – noch mehr Grusel...! – bis hin zu der Aussage des Pädagogen, Kinder- und Jugendschutz sei nicht voll erreichbar, aber da müsse man ein Stück Kontrollverlust zulassen – Horror...!!! – Wer soll denn hier die Kontrolle übernehmen? Die Kinder etwa?

Ging nicht diese Woche die Nachricht durch die Presse, dass ein Drittel (1/3!) aller Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren ein problematisches Medienverhalten hätten? Das sind ja pandemische Ausmaße! Für die ausschließlich die Erwachsenen, nicht die Kinder, verantwortlich sind. Zu beobachten ist aber durchgehend, dass z. B. die Eltern dieses Problem zwar

klar sehen

, diese Verantwortung aber schlicht nicht wahrnehmen mit dem Argument, alle würden dies ja so tun. Ich bitte darum, sich damit mal seriös zu beschäftigen. Ich jedenfalls müsste, wenn ich schulpflichtige Kinder, insbesondere im Grundschulalter, in Bremen hätte, dieses Land umgehend verlassen. Es gibt mehr als gute Gründe, weshalb die im Silicon Valley Beschäftigten, die die digitale Welt, die die Bildungsverwaltung in Bremen hier Kindern ab Klasse 1 geradezu aufzwingt, kreieren, ganz überwiegend ihre Kinder sogar noch im Alter von 14 Jahren von den selbst geschaffenen digitalen Anwendungen

fern halten

. In Schweden gibt es das, was Bremen nun beginnt, schon seit einigen Jahren.

Dort werden Kinder ab Klasse 1 mit spezielle gesicherten (geschlossenen) digitalen Endgeräten ausgestattet; Tablets mit Internetzugang gibt es dann ab Klasse 8. Dort in einer befreundeten Familie zu Besuch, fand ich es schon vor Jahren äußerst unheimlich mitzuerleben, wie sich dies auf die Kinder ausgewirkt hat. In der Familie mit vier Kindern herrschte eine ungewöhnliche Stille vor, alle saßen irgendwie vor den Geräten – immer. Nur dann, wenn das Internet ausfiel, wurde es laut; besser gesagt: dann herrschte eine aggressive Stimmung. Das sind Kinder an der Mediennadel; die Einstiegsdroge kam vom Staat. Schauder... Für all dies müssen Lösungen gesucht werden, bevor es „geile“ technische Geräte auf die Kinder und Jugendliche

herabregnet

.

– Gerlinde Neuhaus

Leserbrief zu „Verwalden” von Julius Schophoff

Ich hätte mir gewünscht, dass der Redakteur des Artikels die Verhaltensregeln des Bayerischen Waldes (

https://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/besucher/verhaltenstipps/index.htm

) befolgt hätte. Beim Verlassen des Waldes schreckt man Tiere auf und zerstört den Mikrokosmos unter seinen Füßen. Menschen mit Alustöcken, die schon gewandert sind, bevor es zur Selbstverwirklichung Modewurde, nutzen die Stöcke, um die Knie bei steilen Wegen zu entlasten. Sie gehen auch nie ohne etwas zu Trinken oder Wanderkarte bei langen Strecken in den Wald. Die Kilometerangaben werden gebraucht, um zu entscheiden, ob man den Weg bis zur Dämmerung noch schafft oder nicht. Bei Weitwanderungen hat man nur so viel Gepäck mit wie man die gesamte Strecke tragen kann und unbedingt braucht. Wegen solcher Artikel haben die Nationalparks sehr viele Probleme. Fragt mal die Nationalparkverwaltung im Harz oder auch im Bayerischen Wald. Für mich ist der Artikel der Ausdruck genauso wie der Artikel der Alpenüberquerung einer Ich bezogenen Gesellschaft. Der Autor oder Autorin zeigt keinerlei Demut vor der Natur.

– Anja Aue

Leserbrief zu „Ein deutsches Bergamo?“ von Anne Hähnig und Martin Machowecz

In dem Artikel beschreibt Herr

Machowecz

die extreme Notlage und Überlastung mit

Covid

19-Patienten. Ich habe in diesem Artikel und

sonstwo

in den Medien nie die Frage wahrgenommen, woher denn dieser starke Anstieg der Infektions-

Zahlen im

Herbst, insbesondere in bestimmten Landstrichen, vermutlich

herkommt .

Die Menschen unterscheiden sich ja sicher nicht so

stark genetisch

. Es gibt die interessante COSMO-Studie. Werden deren Ergebnisse wirklich

zielgruppengemäss

umgesetzt? Im letzten Abschnitt des Artikels wird „Sorglosigkeit mancher Sachsen“ als mögliche Ursache angesprochen. Mehr aber wird nicht dazu geschrieben. Nie wurde die Frage gestellt, ob die eindringliche Botschaft der Politiker nicht eventuell anders verpackt werden müsste. Angefragte Politiker und z.B. Virologen antworten nicht auf entsprechende Fragen.

– Walther Moser

Leserbrief zu „Die chinesische Greta” von Xifan Yang

Schade, dass sie den super geschriebenen Bericht über

Ou

Hongyi

mit einem Diagramm ohne Quellenangabe und ohne Kontext verschandelt haben. Das Diagramm zieht den Text auf die übliche selbstgefällige Schiene „wir machen es halt schon besser, klopfen wir uns auf die Schulter“. Das hat er nicht verdient.

– Nina Zhao-Seiler

Leserbrief zu „

Hemingway

, meine Liebe” von Maxim Biller

Noch mehr Erbschuld, als Ferdinand von Schirach für seinen Großvater auf sich nimmt, kann man selbst kettenrauchend nicht ertragen. Maxim Biller demütigt ihn und indirekt die Deutschen Enkel, die das mit der Schuld sehr ernst nehmen. So erzeugt man Antisemitismus, nur, um für sich und eine Freundin noch mal was herauszuschlagen. 2021 reden wir dann über die wirklich wichtigen Sachen.

Sinda

Dimroth

Leserbrief zu „Heirate niemals einen Spion!” von Yassin Musharbash

Neben seiner einzigartigen Kunst als Schriftsteller zeichnete sich John le

Carrè

(geboren als David

Cornwell

) durch Bescheidenheit und Freundlichkeit aus. Als ich ihn um Erlaubnis fragte, sein Buch „Absolute Friends“ („Absolute Freunde“) als literarischen Aufhänger für eine geplante Weimarskizze zu benutzen, sagte er ohne zu zögern in seiner handschriftlichen Antwort vom 10. April 2007 zu. In „Absolute Friends“ trinken die Mitglieder einer Theatergruppe im Weimarer

Kasseturm

auf die Freundschaft aller Menschen der Welt.

Als Dank für seine Bücher, von denen ich noch zu tiefster DDR-Zeit das eingeschmuggelte Buch „The Looking-Glass War“ (1965, dt. Titel „Krieg im Spiegel“) gelesen hatte, schickte ich ihm eins meiner Bücher, wofür er sich mit freundlicher Ironie bedankte: „I

shall

devour

it

as

soon

as

I

emerge

from

the

mists

of

my

own: at

present

,

I’m

in

the

throes

and am

scarey

about

fiction

.“ (Ich werde es verschlingen, sobald ich die Wehen meines eigenen hinter mir habe, auch macht mir Literatur im Augenblick Angst). Auf meine Frage, ob er jemals an eine Wiedervereinigung Deutschlands geglaubt hätte, antwortete er am 24. Mai 2007: „I

would

never

have

believed

in

the

reunification

except

that

,

when

I

went

to

Moscow in ’88 I

knew

at

once

that

the

knight

was

dying

inside

his

armour

:

it

was

clear

for

everyone

to

see

,

except

of

course

the

CIA ...“ (Ich hätte niemals an die Wiedervereinigung geglaubt, außer dass ich bei einem Besuch in Moskau im Jahre 1988 sofort sah, dass der Ritter in seiner Rüstung starb: jedem war das klar, außer natürlich der CIA ...“)

John le Carré war weit mehr als ein Verfasser von Politthrillern. Sein Humanismus und seine Menschenliebe kommen in allen seinen Büchern zum Ausdruck, am meisten in „Tinker, Tailor, Soldier, Spy“ (1974, dt. Titel „Dame, König, As, Spion“) in dem Umgang des Hilfslehrers und Agenten

Prideaux

mit einem kleinen benachteiligten Schüler. Carré hatte selbst bereits als Fünfjähriger eine der gnadenlosen englischen Privatschulen besucht, nachdem ihn seine Mutter verlassen hatte und sein Vater, ein Hochstapler, wegen Versicherungsbetrugs im Gefängnis saß. Zum Austritt des Vereinigten Königreichs äußerte er sich in einem Interview im „Guardian“ vom 11. Oktober 2017 sehr deutlich und ablehnend. Er fand, dass England seine Veränderungswünsche innerhalb der EU hätte vorbringen können und Boris Johnson und seine Mannschaft verantwortungslos gehandelt hätten.

2019 bewarb er sich deshalb um die irische Staatsbürgerschaft. Im „Guardian“ vom 14.12.2020 heißt es: “He

loved

his

country

, but was

disgusted

by

the

upsurge

of

Little

Englandism

that

followed

the

Brexit

referendum

“. (Er liebte sein Land, aber verabscheute die Kleinenglandgläubigkeit, die dem

Brexitreferendum

folgte.) „Weimar

has

always

held

an

extraordinary

place

for

me. I

read

German at Oxford and

afterwards

taught

it

at Eton, so Weimar was

my

Rome“, schrieb er mir. (Weimar war für mich immer etwas Besonderes. Ich habe Germanistik in Oxford studiert und später Deutsch in Eton gelehrt, so war Weimar mein Rom.) Deshalb ist es ganz folgerichtig, dass John le Carré im Jahre 2011 in Weimar die Goethe-Medaille erhielt.

– Christoph Werner

Leserbrief zu „Was steckt dahinter? Ich lagere, also bin ich“ von Björn Stephan

Sie bezeichnen Herrn Kurus als „ehemaligen Ingenieur“. Das ist nicht richtig. Auch nach Ausscheiden aus dem Beruf und als Rentner bleibt er Ingenieur.

– Reinhard zur

Oven

Leserbriefe zu „Über eine Zeit, in der für Shitstorms und Canceln noch die katholische Kirche zuständig war” von Harald Martenstein im ZEIT-Magazin

Martensteins Bekenntnis im letzten Absatz seiner Kolumne vom 17.12.2020 ist das politisch-theologische Mittel aus Christentum, Atheismus, Agnostik und Religionsfreiheit, quasi ein postmodernes Glaubensbekenntnis, hinter dem sich, analog einem „

overlapping

consensus

“ einer idealen Demokratie (John Rawls), wohl die Mehrheit unserer Gesellschaft versammeln könnte. Der durchgängige Tenor seiner Kolumnen ließ schon immer vermuten, dass Martensteins Maßstab für die Beurteilung der Vorkommnisse im Leben resp. seine Sicht darauf einem wohltuend positiven Menschenbild entspringt.

– Manfred

Eckelt

Herr Martenstein, ich lese Sie immer gern. Dieses Mal enttäuschen Sie mich ob der kurzschlüssigen Unterscheidung zwischen „Reaktionär“ und „Aktivist“. Hätte ich bei Ihnen nicht vermutet.

– Gernot Henseler

Wie gut die ZEIT und

Christ&Welt

inzwischen zusammenpassen offenbart der Text von ZEIT-Kolumnist Harald Martenstein, in dem er von einer Kirche träumt, die Nächstenliebe für alle aufbringt, für Rechtsextreme, Islamisten, Spekulanten, sogar für Donald Trump: „Für jeden muss der Weg offen sein, niemand wird als Person gecancelt, jeder bleibt Mitmensch.“ Bei

Christ&Welt

fordert Chefredakteur Raoul

Löbbert

als hammerharter

Investigativjournalist

den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki quasi ultimativ zum Rücktritt auf. Er habe in der Missbrauchsdebatte versagt, Menschen enttäuscht, sei nicht mehr nahbar. Wenn es in der Kirche noch Glauben und Freude geben, dann „nicht wegen, sondern trotz Rainer Woelki, Erzbischof von Köln“. Schöne neue Welt?!?! Ich weiß nicht...

– Wilfried Geyer

In Ihrem letzten Absatz haben Sie die Sache exakt auf den Punkt gebracht. Sollten die Kirchenvertreter den Ansatz der Nächstenliebe nochmal überdenken und erweitern, würde auch ich wieder in die Kirche eintreten. Voraussichtlich werde ich das nicht mehr erleben, aber es tat gut, in

der eigenen Meinung bestärkt zu werden.

– Marlies Wenzel

Sind dreckige, abwertende Provokationen wirklich Ihr Mittel der Wahl? Dass Sie Margarete Stokowski nicht leiden können, erschließt sich sehr leicht aus der Tatsache, dass

diese ziemlich kluge Dinge

zu gesellschaftlich relevanten Themen sagt. Im Gegensatz zu Ihnen, der im Grunde seit Jahren zu dem immergleichen Thema mit dem immergleichen selbstreferentiellen

Geseiere

langweilt.

– Matthias Hundt

Wie verbittert, neidzerfressen und hilflos muss Herr Martenstein sein, wenn er die Feministin und Journalistin Margarete Stokowski im gleichen Atemzug mit Rechtsextremen, Islamisten, Spekulanten, dem rechtsextremen, verschwörungsgläubigen Xavier Naidoo, dem skrupellosen Manager Martin Winterkorn, dem kriminellen Clan-Boss Arafat Abou Chaker und Donald Trump nennt. Armer, alter, weißer Mann.

– Sabine Arndt-

Ellerhold

Vielen Dank für Ihren äußerst beachtenswerten, wunderbar launigen, aber dennoch pointiert-lösungsorientierten Beitrag zur aktuellen Malaise der

Una Sancta,

catholica

et apostolica

ecclesia

! (auch unser Pfarrer meinte „cool“ ...) Unser Fazit: vervielfältigen, den

Kofferten

in der

Città

Del

Vaticano

vorlegen und sicherstellen, dass sie das verstanden haben!!!

– Thomas & Oliver Goebel

Leserbriefe zu „Könnt ihr mich hören?” von Francesco Giammarco im ZEIT-Magazin

Ich werde sicher nicht die Einzige bleiben, die Sie darauf hinweist, dass der hebräische Satz auf Seite 37 falsch herum geschrieben ist. „Könnt ihr mich hören?“ heißt „

Shomim

oti

?“ und wird von rechts nach links geschrieben. Für ihre Version braucht man einen Spiegel.

– Bettina

Oehmen

Dabei bin ich über die hebräischen Buchstaben gestolpert, die dekorativ am Rande stehen. Erst mach mehrmaligen Hinsehen wurde mir klar, warum das so komisch aussieht... Hebräisch schreibt man von rechts nach links. Wenn man die Buchstaben aber von links nach rechts anordnet, wie geschehen, ergibt es nur Unsinn. Und dann ist auch noch bei zwei sich ähnlich sehenden Buchstaben leider der falsche ausgewählt....

Samech

statt Mem. Das war wohl nichts... Steckt in den Zeilen, die ich nicht lesen kann, ebenso viel Unsinn?

– M. Blumenau

Leserbrief zur Deutschlandkarte „Optische Telegrafie” von Matthias Stolz und 1kilo im ZEIT-Magazin

In der „Deutschlandkarte“ ist eine Information über optische Telegraphie im 19. Jahrhundert abgebildet. Mich interessiert sehr die Verbindung Metz – Mainz. Insbesondere der Teilabschnitt durch das heute Saarland und die Grenzregion in Lothringen. Ich bin dort geboren und quasi „auf der Grenze“ aufgewachsen, bin heute oft in

Urexweiler

, ein Ort, der in der Karte verzeichnet ist. Leider gibt es in diesem Ort selbst bei heimatkundlich bewanderten Einwohnern nach bisherigen Umfragen offensichtlich kaum Wissen über die frühere Existenz eines solchen Telegraphenturms, eher Vermutungen. Auch die Gemeindeverwaltung der heutigen Großgemeinde Marpingen hat keine Kenntnis, zeigt sich jedoch interessiert. Vielleicht haben Sie im Museum nähere Informationen, alte Flurkarten oder ähnliches, mit dem man weiter recherchieren könnte.

In der Karte der ZEIT ist mir ein offensichtlicher Fehler oder zumindest Unstimmigkeit aufgefallen, die möglicherweise von einem Versehen der Grafiker herrührt. Die Reihenfolge in ost-westlicher Richtung zwischen Urexweiler und Ihn (

dt

-fr. Grenze) ist unlogisch. Nach den Entfernungen und der örtlichen Topografie sollte die Reihe lauten:

Urexweiler

– Humes –

Eidenborn

– Nalbach –

Siersburg

– Ihn. Allgemein bekannt ist in

der Region

, dass neben anderen Orten auf dem

Litermont

(Gemeinde Nalbach) und dem

Limberg

(Gemeinde

Siersburg

) solche Telegraphentürme standen. Das beigefügte Foto ist vom

Litermont

. Als an der Geschichte der meiner Heimat – die immer eine Grenzregion war – sehr interessierter Mensch hat mich der Beitrag in der ZEIT sehr gefreut. Vielen Dank. Nach Corona werde ich das Museum für Kommunikation in Frankfurt einmal besuchen und schauen, ob sich Interessantes findet.

– Helmut

Schug

Leserbrief zu „Prüfers Töchter: Willst du Schläge?” von Tillmann Prüfer im ZEIT-Magazin

Wer Kinder, Entschuldigung Jugendliche in diesem Alter zuhause hat, kann so viel wieder erkennen. Mit viel Liebe beschreibt Tilmann Prüfer alle Einzelheiten und Nuancen eines Familienlebens. In Folge 61 geht es um Gewalt, genau beobachtet und trotzdem gar nicht dramatisch. Man merkt beim Lesen erleichtert, so anstrengend und nervig ist der Alltag eigentlich doch nicht, wenn man es aus einer entspannten Perspektive anschaut. Man erinnert sich, wie war das bei uns, und muss über sich selbst lachen, was sonst nicht so oft vorkommt. Das alles tut beim Lesen so gut. Vielen Dank und ich frage mich, was der Autor eigentlich im etwas abgehobenen Resort Stil und Mode zu suchen hat. Lassen Sie die Handbremse los und schreiben Sie lieber lustige Familien- oder andere Geschichten. Oder gibt es die Folgen bald als Buch?

– Martin Sautter

Leserbrief zu „Da draußen” von Heike Faller im ZEIT-Magazin

Der Artikel ist geeignet um in einem Kindergarten gelesen zu werden. Bitte aber nicht den letzten Satz „der ersten Energiekrise der Menschheit“. Der ist nämlich an Dämlichkeit nicht zu überbieten.

– Bodo Malige

Leserbrief zu „In jedem Menschen kämpfen das Gute und das Böse miteinander” von Tina Hildebrandt und Stephan Lebert im ZEIT-Magazin

Gleich zum Anfang muss ich Ihnen sagen, dass das Gespräch mit Herrn Kauder sehr weichgespült gegenüber dem jetzt herrschenden Zeitgeist in der BRD geführt wurde. Damit der Machterhalt erhalten bleibt hat er seine konservative Haltung verlassen und dabei an der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Deutschland beigetragen. Sich auf Gott beziehen ist völlig aus der Zeit, wenn er auch kein Katholik ist. Eine Aussage zur Gleichberechtigung von Mann und Frau habe ich anders in Erinnerung, denn nach über zehn Jahren an der Seite von Frau Merkel müsste dann das Thema erledigt sein in Deutschland.

Er wird bald erfahren warum er abgewiesen wurde, weil er nicht lernfähig ist und nicht selbstkritisch ist und damit gemeinsam das Ende der Zeitreise Merkel mit eingeleitet hat und damit mitverantwortlich ist das sich eine Partei rechts der CDU die AFD gründen konnte.Wenn er ein aufrichtiger Politiker ist und nach seiner Darstellung alles richtig gemacht hat, muss er sich auch weiterhin in die Politik einbringen aber ist wohl besser, da seine Politik mit Merkel nicht die Mitte gewonnen hat, sondern verloren an Grüne und an die AFD und damit gescheitert ist. Da nachzufragen wäre ihre Aufgabe bei dem Interview gewesen.

– R. Jost