Was ein nasser Frühling für die Zecken-Gefahr bedeutet

In der Pandemie gilt: Ab ins Freie – aber die Zecken nicht vergessen.Was ein nasser Frühling für die Zecken-Gefahr bedeutet

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Seit Beginn der Pandemie sind die Menschen mehr im Freien unterwegs. Das schützt vor dem Coronavirus, nicht aber vor Zeckenbissen. Wo die Tierchen lauern und wie man sich schützt – die wichtigsten Antworten.

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24.5.2021 - 17:44

In der Coronakrise zieht es die Menschen bei schönem Wetter massenhaft ins Freie. Dort lauern auch schon bei einstelligen Temperaturen Zecken – und die kleinen Blutsauger halten keinen Abstand. Ein Überblick über die Gefahren, die von Zecken ausgehen können:

Wann werden Zecken aktiv?

Schon bei Temperaturen ab etwa acht Grad Celsius werden die kleinen Blutsauger agil. Gewöhnlich halten Zecken von November bis Ende Februar Winterruhe. Allerdings beobachten Expert*innen seit geraumer Zeit, dass sie wegen des Klimawandels und milder Winter ihre Aktivitäten ausweiten. Grundsätzlich lieben die Blutsauger ein feuchtwarmes Milieu. Fällt das Frühjahr zu trocken aus, stört dies die Entwicklung der Tiere. Die häufigste Zeckenart ist der Gemeine Holzbock.

Wo lauern Zecken?

Zecken finden sich in Wäldern und Parks, aber auch im heimischen Garten auf Gräsern, Farnen oder Sträuchern. Von dort aus gelangen sie zu vorbeilaufenden Tieren oder Menschen und beissen sich an weichen Hautpartien wie Kniekehlen, unter den Armen und am Haaransatz fest. Mithilfe ihres mit Widerhaken versehenen stachelartigen Mundwerkzeugs bohren sie sich in die Haut, um Blut zu saugen. Dabei können gefährliche Krankheitserreger übertragen werden.

Wer denkt, dass mit dem anhaltend schlechten Wetter die Zecken verschwinden, täuscht sich. «Im Gegenteil, die Tiere mögen es, wenn es feucht ist», sagte Werner Tischhauser, Vizepräsident der Zeckenliga Schweiz, zum «Blick». Auch die kühlen Temperaturen seien den Tieren egal.

Welche Krankheiten übertragen Zecken?

Zecken können unter anderem den Erreger der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. 2020 registrierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Rekordzahl von 388 Fällen von FSME, so viele wie noch nie seit 1988. FSME-Übertragungen durch den Verzehr von Rohmilch oder Rohmilchprodukten sind möglich, aber selten.

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Wurdest du schon einmal von einer Zecke gebissen?

Am häufigsten durch Zecken übertragen wird jedoch die von Bakterien verursachte sogenannte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Letztes Jahr wurden in der Schweiz 15500 akute Fälle von Borreliose diagnostiziert. Treten binnen vier Wochen nach einem Zeckenbiss grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Denn sonst drohen noch nach Jahren Spätfolgen.

Gibt es eine Schutzimpfung?

Gegen FSME schützt eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung. Idealer Zeitpunkt für die Impfung ist gemäss BAG der Winter, doch kann das ganze Jahr über geimpft werden. Ein zeitlich begrenzter Schutz besteht schon nach zwei Injektionen. Diese ersten beiden Impfungen werden in der Regel im Abstand von einem Monat verabreicht. Die dritte Impfung, die einen Langzeitschutz von mindestens 10 Jahren gewährt, erfolgt je nach Impfstoff 5 bis 12 Monate nach der zweiten Dosis. Sie vermittelt einen Schutz von ≥95 Prozent.

Wie gross ist das Risiko

Die ganze Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin gilt als FSME-Risikogebiet. Rund 0,5 bis 5 Prozent der Zecken in Naturherden tragen das FSME-Virus in sich. Bei der Mehrheit der von einer FSME-infizierten Zecke gestochenen Personen verläuft die Infektion unbemerkt, nur eine Minderheit erkrankt. Bei diesen Personen kommt es nach dem Stich mit einer infizierten Zecke nach einigen Tagen bis wenigen Wochen zu grippeähnlichen Symptomen.

Bei 5 bis 15 Prozent der erkrankten Personen kann es nach weiteren 4 bis 6 Tagen zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) kommen, die auch auf das Gehirn übergreifen kann. Die damit einhergehenden Symptome sind Nackensteifigkeit, Bewusstseinstrübung und Lähmungen. Bei 1 Prozent der Erkrankten mit neurologischen Symptomen verläuft die Erkrankung tödlich, vor allem bei älteren Patienten.

Welcher Schutz ist sonst noch möglich?

Spaziergänger*innen sollten in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen.

Was müssen Tierhalter*innen beachten?

Zecken setzen sich bevorzugt an gut durchbluteten, weichen Stellen wie Ohren oder im Lendenbereich fest. Katzen- und Hundehalter*innen sollten ihre Tiere deshalb nach jedem Freilauf und jeder Gassirunde gründlich absuchen. Mit etwas Fingerspitzengefühl und einer Pinzette kann man die Zecke vorsichtig herausziehen. Dabei sollte man darauf achten, die Zecke nicht zu quetschen – ansonsten gibt sie Erreger in die Bisswunde ab.