Die Tierwelt der Aare – Mein Name ist…

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Die Tierwelt der Aare – Mein Name ist...

Die Tierwelt der Aare

Mein Name ist...

In der Serie «Mein Name ist...» stellen sich die tierischen Bewohner in und entlang der Aare vor.

Sheila Matti

, Sandra Rutschi

, Franziska Zaugg

Publiziert: 03.08.2020, 15:12

Es kreucht und fleucht entlang der Aare, der Lebensader des Kantons Bern. Letztes Jahr war der Fluss deshalb Zentrum unserer Sommerserie. Sie bot den verschiedenen geflügelten, geschuppten und gepelzten Bewohnern Raum, um sich vorzustellen. Die Serie «Mein Name ist...» kam bei den Leserinnen und Lesern so gut an, dass sie in diesem Sammelartikel erneut aufleben darf.

Signalkrebs

Der importierte König der Flüsse: Der Signalkrebs.

Foto: Dominik Pluess

Siehst du bei mir Rot, dann verschwinde lieber schnell. Hebe ich meine Scheren und präsentiere dir deren hellrote Färbung, bedeutet dies nämlich nichts Gutes.

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Siehst du bei mir Rot, dann verschwinde lieber schnell. Hebe ich meine Scheren und präsentiere dir deren hellrote Färbung, bedeutet dies nämlich nichts Gutes. Kein Wunder, nennt man mich Signalkrebs. Allgemein bin ich nicht der umgänglichste Zeitgenosse. Andere Flusskrebse, wie etwa den einheimischen Edelkrebs, weise ich gerne in ihre Schranken.

Man gibt mir sogar die Schuld dafür, dass die anderen Arten immer mehr verschwinden. Dabei habe ich nicht darum gebeten, in Europa zu sein. Der Mensch war es, der mich in der Mitte des 20. Jahrhunderts von der Westküste der USA nach Europa gebracht hat. Wir Krebse werden nämlich gerne gegessen, und weil die heimischen Arten durch die Krebspest immer mehr zugrunde gingen, musste ich in die Bresche springen.

Und jetzt mache ich es mir hier halt gemütlich, ernähre mich von allem, was mir zwischen die Zangen kommt, und sorge einmal pro Jahr für Nachwuchs. Kühle Fliessgewässer gefallen mir am besten, deshalb fühle ich mich in der Aare, sowie eigentlich überall in der Schweiz, pudelwohl.

Der Mensch hat übrigens mittlerweile begriffen, wie stark meine Artgenossen und ich sind. Deshalb versucht er meine Verbreitung systematisch einzudämmen – und bekommt entsprechend häufig Rot zu sehen.

Eurasischer Luchs

Bewundert und gleichzeitig gefürchtet: Der Eurasische Luchs.

Foto: Keystone

Am liebsten schleiche ich in der Dämmerung herum. Ich liebe die Einsamkeit und mag es nicht, wenn um mich zu viel Aufhebens gemacht wird.

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Am liebsten schleiche ich in der Dämmerung herum. Ich liebe die Einsamkeit und mag es nicht, wenn um mich zu viel Aufhebens gemacht wird.

Doch was will man machen – wenn die Menschen mich sehen, geraten sie aus dem Häuschen. «Ein Luchs, ein Luchs!», rufen sie dann. Und das nicht nur, weil es eher wenige meiner Art gibt und weil ich mit meinen 17 bis 26 Kilogramm Körpergewicht eine imposante Erscheinung bin. Sondern auch, weil ich niemanden kalt lasse.

Einige Menschen finden mich hübsch mit meinem fleckigen Fell und den Haarpinseln auf meinen Ohren. Das kann ich verstehen. Aber andere meinen, ich raube ihnen bei der erstbesten Gelegenheit den Stall leer. Das ist eine Unterstellung! Natürlich: Ich habe nichts dagegen, wenn man mir das Futter auf dem Serviertablett präsentiert. Aber in meinem Revier tummeln sich genügend Rehe, die ich jagen kann. 40 bis 400 Quadratkilometer und ein Reh pro Woche brauche ich, um mich daheim zu fühlen.

Übrigens grenzt es an ein Wunder, dass ich hier im Kanton Bern wieder eingezogen bin. Die Menschen haben meine Art hierzulande im 19. Jahrhundert ausgerottet. Meine Vorfahren wurden in den 1970er-Jahren ausgesetzt, weil man uns zurückhaben wollte.

Allen Menschen passte das jedoch nicht.

Noch heute erzählen Luchseltern ihrem Nachwuchs Schauergeschichten von Verwandten, denen die Pfoten abgeschnitten wurden. Und immer wieder erfahre ich von Artgenossen, die erschossen wurden – obschon man das gar nicht darf.

Es ist nicht einfach als Jäger und Gejagte. Aber im Schutz der Dämmerung lebt es sich ganz gut.

Kampfläufer

Bekannt für seinen aussergewöhnlichen Balztanz: Der Kampfläufer.

Foto: iStock

Man nennt mich Kampfläufer, und der Name kommt nicht von ungefähr: Ich bin der Gladiator unter den Vögeln und kämpfe für das, was ich will.

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Man nennt mich Kampfläufer, und der Name kommt nicht von ungefähr: Ich bin der Gladiator unter den Vögeln und kämpfe für das, was ich will. Also, bitte nicht falsch verstehen, ich lege mich nicht mit anderen Vogelarten an – besonders von Krähen und Möwen halte ich mich lieber fern. Aber ich kämpfe mit meinen Artgenossen um das Weibchen. Wir Kampfläufer sind nämlich besonders für unsere einzigartige Balz bekannt.

Diese spielt sich immer am gleichen Ort ab, in einer etwa ein Quadratmeter grossen Arena. Wie auch mein restlicher Lebensraum liegt diese in einem Feuchtgebiet. Moore, Sümpfe, Buchten – dort fühle ich mich wohl. Deshalb verweile ich im Sommer auch gerne entlang der Aare. Nur im Winter, da zieht es mich dann in Richtung Süden.

Aber zurück in die Arena. Mit etwa drei anderen Kampfläufern tanze, springe und flattere ich dort mit den Flügeln um die Wette. Ich tue also alles, um meinen wunderschönen Kragen ins richtige Licht zu setzen. Das Federkleid rund um meinen Hals kann ich nämlich richtig aufplustern, damit das einzigartige Muster schön zur Geltung kommt. Meines zum Beispiel ist dunkel mit hellen Flecken, das meines Konkurrenten wiederum ist weiss mit schwarzen Streifen.

Vom Weibchen unserer Begierde werden wir während der ganzen Balz beobachtet, am Schluss wählt sie sich den besten Tänzer aus – also mich natürlich. Ich schenke ihr dann vier wunderbare Eier, um die sie sich kümmern darf. Bei der Aufzucht zu helfen hingegen, ist nicht so mein Ding – das ist bei uns eher Frauensache.

Glühwürmchen

Mit kräftig leuchtendem Hinterteil: Das Glühwürmchen.

Foto: iStock

Pro Natura hat mich zum Tier des Jahres 2019 erkoren. Kein Wunder, fühle ich mich wie ein Star.

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Pro Natura hat mich zum Tier des Jahres 2019 erkoren. Kein Wunder, fühle ich mich wie ein Star. Viel Zeit, dieses gute Gefühl zu geniessen, bleibt mir allerdings nicht, denn ich lebe nur einige Wochen. Doch es ist Sommer, und die Nächte an der Aare sind lau.

Ich mache nichts, ausser dass ich im Gras sitze und mein Hinterteil mit voller Kraft leuchten lasse. Das mache ich, damit mich eines der Männchen entdeckt, die durch die Dunkelheit fliegen und nach mir Ausschau halten. Vorausgesetzt, es ist dunkel genug, denn die Lichtverschmutzung macht uns Glühwürmchen Probleme. Apropos Glühwürmchen, dieser Name ist falsch. Richtig heisse ich Grosser Leuchtkäfer, denn Wurm bin ich keiner.

Hat mich ein Männchen entdeckt und ist bei mir gelandet, erlischt mein Licht für immer. Kurz nach dieser Begegnung lege ich bis zu 80 Eier und sterbe. Das ist aber kein Grund, traurig zu sein, denn aus meinen Eiern schlüpfen wiederum Larven. Doch jetzt wird es heftig: Als Glühwürmchen bin ich friedlich, als Larve jedoch ein Biest. Ich erbeute Schnecken. Dazu greife ich sie von hinten fies an, versetze ihnen einen giftigen Biss und fresse sie binnen eines Tages ratzfatz auf.

Alet

Hat eine Schwäche für Kirschen und Brot: Der Alet.

Foto: PD

Mir ist es am wohlsten, wenn ich für mich alleine sein kann. Meine Mutter legte mit mir Zehntausende Eier auf einmal, da war mächtig viel los.

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Mir ist es am wohlsten, wenn ich für mich alleine sein kann. Meine Mutter legte mit mir Zehntausende Eier auf einmal, da war mächtig viel los. Klar wurden nicht alle befruchtet, und auch nicht all meine Geschwister haben überlebt, aber meine Familie ist riesig.

In den ersten Jahren schwammen wir jungen Fische noch gemeinsam durch die Aare, hatten den Plausch und stritten uns um unsere Lieblingsspeisen: Würmer, Kleinkrebse, Insektenlarven und Algen. Wir futterten viel und legten so kräftig an Gewicht und Grösse zu. Ich gehöre mit meinen 70 Zentimetern zu den längsten Alets überhaupt.

Doch kaum waren wir erwachsen, trennten wir uns. Wir hatten genug vom Trubel, den das Familienleben mit sich bringt. Seither schwimmt jeder für sich.

So ganz alleine unterwegs bin ich froh über meine unauffällige Erscheinung. Mit meinem graugrün gefärbten Rücken und den silbrig schimmernden Flanken nimmt man mich im teils trüben Aarewasser kaum wahr. Ich muss einzig aufpassen, dass ich nicht plötzlich an einem Angelhaken hänge. Die Fischer wissen von meiner Schwäche für Kirschen und Brot und lauern mir entlang der Aare auf.

Rotfuchs

Stiehlt nicht nur Gänse, sondern auch Schuhe: Der Rotfuchs.

Foto: PD

Neben einem Hauseingang im Altenberg habe ich ein neues Spielzeug gefunden. Das bringe ich meinen Jungen nun heim in den Bau.

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Neben einem Hauseingang im Altenberg habe ich ein neues Spielzeug gefunden. Das bringe ich meinen Jungen nun heim in den Bau. «Fuchs, du hast die Gans gestohlen», singen die Menschen. Nun war es halt ein Schuh. Damit können meine Kleinen üben, Beute zu fangen.

Obwohl: Anders als unsere Verwandten auf dem Land müssen wir Stadtfüchse nicht jagen, um satt zu werden. Auf Komposthaufen und in Müllsäcken finde ich zahlreiche Leckerbissen. Eigentlich fresse ich alles: Mäuse, Vögel und Regenwürmer, aber auch Obst, Beeren – und eben Abfälle. Ab und zu breche ich in einen Hühner- oder Kaninchenstall ein. Es gibt Riegel, die kann ich locker öffnen. So haben wir Städter auch im Winter stets genügend Futter – dank den Menschen.

Neulich begegnete ich nachts einem Exemplar dieser Spezies, als ich bei einem Park die Treppe hochging. Wir starrten uns ein paar Sekunden lang an. Dann ging die Frau zum Glück weiter. Angegriffen hätte ich sie nie, und ich bin mir die Nähe zu den Menschen besser gewohnt als meine Verwandten auf dem Land. Dennoch war ich froh, liess sie mich in Ruhe.

Ich bin in Bern in einem Hohlraum unter einem Gartenhäuschen aufgewachsen, also ein Städter durch und durch. Aber so toll es ist, hier zu leben: Es ist auch gefährlich. Meinen Kleinen schärfe ich ein, dass sie sich vor Autos in Acht nehmen. Auch an der Aare müssen sie vorsichtig sein. Nicht auszudenken, wenn der Fluss sie mitreissen würde.

Doch nun bringe ich ihnen ihr neues Spielzeug. Sie werden sich freuen!

Graureiher

Schluckt gefangene Fische am Stück hinunter: Der Graureiher.

Foto: Hans Wüthrich

Tag für Tag stehe ich am Aareufer auf meinen langen Stelzen – mal auf der linken, mal auf der rechten. Ich beobachte die Wasseroberfläche und warte darauf, dass mir ein fetter Fisch vor den Schnabel schwimmt.

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Tag für Tag stehe ich am Aareufer auf meinen langen Stelzen – mal auf der linken, mal auf der rechten. Ich, knapp einen Meter gross, beobachte die Wasseroberfläche und warte darauf, dass mir ein fetter Fisch vor den Schnabel schwimmt. Ist es soweit, recke ich blitzschnell meinen Hals nach vorne, schnappe mir das Tier und schlucke es am Stück hinunter.

Wir Graureiher sind nämlich Schlaumeier: Warum sollten wir kräfteraubend Fische fangen, wenn es ebenso mit Leichtigkeit geht?!

Natürlich, den Fischern passt es nicht, dass wir dieselbe Beute jagen wie sie. Aber wir essen auch gerne Feldmäuse oder Schnecken. Wegen unseres grossen Fischverzehrs werden wir auch Fischreiher genannt und meine Vorfahren wurden deswegen fast ausgerottet. Zum Glück stellte man uns rechtzeitig unter Schutz. Ich wäre sonst nicht hier. Jetzt darf ich mich einfach nicht ausgiebig bei einer Fischzucht verköstigen, denn das könnte mir nach wie vor Kopf und Kragen kosten.

Bis jetzt habe ich mich daran gehalten und wenn ich es weiterhin tue, werde ich vielleicht gar zwanzig Jahre alt. Das wäre schön. Ich hätte viele Junge, jedes Jahr drei bis sechs. Zusammen mit meiner jeweiligen Partnerin würden wir in einem Nest in den Baumwipfeln leben, in einer Graureiherkolonie. Hier würden wir unsere Kleinen hegen und pflegen. Doch, nach einem Monat wäre die Familienzeit allerdings vorbei. Ab dann sind Graureiherjungen auf sich alleine gestellt. Und Eltern können einzig hoffen, dass kein Marder oder Uhu ihre Kleinen findet.

Weitmündige Glanzschnecke

Jagt kleinere Schnecken-Arten: Die Weitmündige Glanzschnecke.

Foto: zvg

Damit eines klar ist: Man nennt mich nicht etwa Weitmündige Glanzschnecke, weil ich eine grosse Klappe hätte. Vielmehr liegt das an meinem Häuschen.

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Damit eines klar ist: Man nennt mich nicht etwa Weitmündige Glanzschnecke, weil ich eine grosse Klappe hätte. Vielmehr liegt das an meinem Häuschen. Doch dazu später.

Bestimmt hast du mich schon einmal gesehen. Vielleicht hast du als Kind sogar mein Häuschen gesammelt, auch wenn es mit 5 bis 14 Millimeter Breite relativ klein ist. Es ist grünlich-braun bis hellbraun und durchscheinend, und manchmal erkennst du darauf ein schwaches Gittermuster. Wie bei allen Schnecken besteht es aus Kalk.

Besonders gerne krieche ich unter gefallenem Laub und im Schatten von Steinen herum. Ich mag Wälder, Felszwischenräume und feuchte, kalkhaltige Böden. Dort fresse ich welke Pflanzen. Doch ganz so harmlos, wie ich aussehe, bin ich nicht. Denn ich gehöre zu den Raubschnecken und mache Jagd auf kleinere Schnecken-Arten.

Zwischen Juni und August – also in diesen Wochen – lege ich meine Eier. Wie alle Landschnecken bin ich ein Zwitter, also sowohl Männchen als auch Weibchen. 30 bis 50 Eier lege ich unter das gefallene Laub am Boden ab. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen meine Jungen – bereits mit einem kleinen Häuschen.

Und in diesem liegt wie angetönt der Grund meines Namens: Die Mündung meines Häuschens, aus der mein Körper herausragt, ist im Vergleich zu anderen Schnecken erweitert. Deshalb nennt man mich Weitmündige Glanzschnecke.

Gründling

Spielt in einem Märchen eine Hauptrolle: Der Gründling.

Foto: PD

Ich mag Gesellschaft. In grossen Schwärmen schwimme ich in der Aare und in zahlreichen Seen, Bächen und Kanälen im Berner Mittelland. Und zwar am Boden, also auf dem Grund.

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Ich mag Gesellschaft. In grossen Schwärmen schwimme ich in der Aare und in zahlreichen Seen, Bächen und Kanälen im Berner Mittelland. Und zwar am Boden, also auf dem Grund. Ich heisse ja auch Gründling.

Du erkennst mich an meinem länglichen Körper, meiner stumpfen Schnauze und den zwei kurzen Barteln in meinen Mundwinkeln. Mit diesen kann ich tasten, aber auch schmecken. Gross bin ich nicht, ich werde 8 bis 14 Zentimeter lang. Es gibt deshalb Fischer, die unsereins als Köder für Raub­fische benutzen.

Auch selbst bin ich Tieren auf meiner Speisekarte nicht abgeneigt. Ich mag Würmer, Kleinkrebse, Insektenlarven oder Fischlaich. Aber ich fresse auch abgestorbene Pflanzen.

Eigentlich finde ich ja, dass ich mit meinem graugrünen oder blaubraunen Rücken und den dunklen Flecken auf meinem Körper recht hübsch aussehe. Und doch haben mich die Menschen zum Gruseltier hochstilisiert. «Einer, der auszog, das Fürchten zu lernen» heisst ein Märchen der Gebrüder Grimm, in dem ich eine Hauptrolle spiele.

Da zieht ein furchtloser Mann in die weite Welt, um zu erfahren, was Gruseln bedeutet. Tote am Galgen, aggressive schwarze Katzen und halbierte Menschen lassen den Kerl aber kalt. Bis schliesslich seine frisch angetraute Prinzessin nachts einen Eimer Wasser mit Gründlingen über ihn leert. Erst da gruselt es ihn.

Eigentlich gemein: Über den Horror, den die Fische dabei empfunden haben müssen, spricht wieder niemand.

Biber

Pflegt sein Fell stundenlang: Der Biber.

Foto: Keystone

Dass ich Weltklasse im Holzfällen bin, ist unbestritten und ebenso, dass sich darüber nicht alle Menschen freuen. Aber wie soll ich sonst die feinen Knospen und jungen Blätter in den Baumkronen erreichen, die ich so gerne fresse?

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Dass ich Weltklasse im Holzfällen bin, ist unbestritten und ebenso, dass sich darüber nicht alle Menschen freuen. Aber wie soll ich sonst die feinen Knospen und jungen Blätter in den Baumkronen erreichen, die ich so gerne fresse? Wenn ich mich strecke, bin ich bis zu einem Meter lang, und ich wiege etwa dreissig Kilo. Meine Hinterzehen sind in Schwimmhäute verpackt, damit klettert es sich schlecht. Wir Biber sind halt Wassertiere, schwimmen ist unsere Disziplin.

Dabei hilft auch der flache, 30 Zentimeter lange Schwanz. Er gibt mir Antrieb und ist das Steuer. Mit ihm schlage ich aber auch Alarm: Nähert sich ein Fuchs oder ein Marder, klatsche ich mehrmals auf das Wasser. So weiss meine Familie, dass sie sich schleunigst in den Bau verziehen muss. Der befindet sich im Hang am Aareufer. Es ist ein Generationenhaus. Dazu gehört ein Revier, das sich über einen Kilometer weit erstreckt.

Zoff gibt es bei uns nur, wenn wieder Nachwuchs kommt. Dann müssen die ältesten von uns nämlich weiterziehen. Machen sie das nicht freiwillig, wird gekratzt und gebissen. Aber wir Biber haben ja ein dickes Fell. Ich pflege es stundenlang mit meiner Putzkralle, die ich einzig dafür an meiner Hinterpfote trage. Danach schmiere ich das Fell mit Fett ein. So ist es wasserdicht, und ich kann jederzeit abtauchen.

Zitronenfalter

Kann Temperaturen von bis zu minus 20 Grad überstehen: Der Zitronenfalter.

Foto: iStock

Im Winter hilft mir der Alkohol. Ihm verdanke ich, dass ich für einen Schmetterling sehr alt werde: 12 Monate! Doch keine Angst – ich torkle im Herbst nicht etwa durch die Glassammelstellen und suche verzweifelt nach Weinresten in den Flaschen.

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Im Winter hilft mir der Alkohol. Ihm verdanke ich, dass ich für einen Schmetterling sehr alt werde: 12 Monate! Doch keine Angst – ich torkle im Herbst nicht etwa durch die Glassammelstellen und suche verzweifelt nach Weinresten in den Flaschen. Das mit dem Alkohol, das kriegt ein Zitronenfalter wie ich ganz alleine hin.

Doch der Reihe nach.

Mein Leben begann im April – als eines von bis zu 100 Eiern, die ein Zitronenfalterweibchen legt. Im Mai schlüpfte ich als Raupe, bewegte mich möglichst wenig und mampfte die Blätter von Faulbaum und Kreuzdorn. Ich häutete mich mehrmals, bevor ich mich verpuppte.

Als Falter flattere ich jetzt, ab Juli, gerne an Waldrändern oder zwischen Sträuchern umher, auch an feuchten Standorten wie an der Aare.

Mit meinen zitronengelben Flügeln bin ich unverkennbar – ich bin ja auch ein Männchen. Bei einem Weibchen sind die Flügel blasser. Wir weisen eine Spannweite von 5 bis 6 Zentimetern aus und schlürfen besonders gerne den Nektar von violetten und roten Blüten.

Irgendwann kommt er dann, der Winter. Und mit ihm, wie gesagt, der Alkohol.

Das Glycerin, ein Zuckeralkohol, ist in meinen Zellen eingelagert. Dieses Frostschutzmittel setzt meinen Gefrierpunkt hinunter. Das hilft mir, kurzfristig Temperaturen von bis zu minus 20 Grad zu überstehen. Es macht mir nicht einmal etwas aus, wenn ich von Schnee bedeckt bin.

So halte ich Winterschlaf zwischen Efeublättern, im Brombeergestrüpp oder in Baumspalten, bis mich im März der erste warme Sonnenstrahl weckt.

Eisvogel

Bekannt für sein farbenprächtiges Federkleid: Der Eisvogel.

Foto: Heinz Diener

Man sagt, ich sei höher als die Sonne geflogen. Deshalb sei mein Rücken blau wie der Himmel und mein Bauch glutrot wie die Sonne.

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Man sagt, ich sei höher als die Sonne geflogen. Deshalb sei mein Rücken blau wie der Himmel und mein Bauch glutrot wie die Sonne. Laut der französischen Sage, die meine Farbenpracht erklärt, schickte Noah einen meiner Ahnen aus, um nach Festland zu suchen. Wegen eines Sturms habe dieser sich mit seinen rund 25 Zentimetern Spannweite so hoch in die Lüfte geschwungen, dass wir Eisvögel nun alle dieses spezielle Federkleid tragen.

Anders als mein Name unterstellt, mag ich Eis aber nicht besonders. Ich bleibe zwar das ganze Jahr über hier, aber wenn der Winter besonders hart ist, kann mir die Kälte heftig zusetzen.

Deshalb passt mein englischer Name «Kingfisher» eigentlich besser zu meinem Verhalten. Denn ich ernähre mich fast ausschliesslich von kleinen Fischen. Wenn ich in der Aare einen Schwarm entdecke, stürze ich mich kopfüber ins Wasser und schnappe mir die Beute. Ich bin also wahrlich der King im Fischen.

Zurzeit brüte ich, deshalb futtere ich nicht alle Fische selbst, sondern bringe sie auch heim in die Bruthöhle. Mein Partner und ich haben diese 40 bis 80 Zentimeter tief an einem Steilhang in die Erde gegraben. Meine Jungen sind besser erzogen als jene der anderen Vögel: Das vorderste erhält einen Fisch, dann stellt es sich brav hinten an, bis es wieder an der Reihe ist.

Das mit dem Nachwuchs ist übrigens so eine Sache. Ich lebe im Herbst und Winter alleine, und wenn es ans Paaren geht, dauert es jeweils eine Weile, bis ich mich an meinen Partner gewöhnt habe. Deshalb sieht unser Liebesspiel vor allem zu Beginn manchmal eher wie ein Kampf aus. Und wenn unsere Jungen flügge sind, jagen wir sie weg.

Feuersalamander

Mag es lieber feucht statt warm: Der Feuersalamander.

Foto: Urs Bär

Früher glaubten die Menschen, sie könnten mit mir Feuer löschen. Deshalb warfen sie meine Artgenossen in die Flammen – was aber natürlich nichts brachte.

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Früher glaubten die Menschen, sie könnten mit mir Feuer löschen. Deshalb warfen sie meine Artgenossen in die Flammen – was aber natürlich nichts brachte. Es stimmt auch nicht, dass wir Feuersalamander im Feuer leben. Vielmehr lieben wir es feucht, also in Wäldern und in der Nähe von stehenden Gewässern wie den Aare-Auen. Da sind wir nachts aktiv, wenn es regnet. Besonders gern fresse ich Schnecken, Tausendfüssler, Asseln, Ohrwürmer und Laufkäfer.

Speziell bin ich aber schon.

Zum einen bin ich eine eindrückliche Erscheinung. Mit meinen bis zu 20 Zentimetern Länge bin ich der grösste einheimische Schwanzlurch. Die gelben Streifen und Punkte auf meinem Körper sind unverkennbar. Sie warnen andere Lebewesen davor, dass ich giftig bin. Meine Hautsekrete können zwar für einen Menschen nicht sehr gefährlich, aber doch unangenehm sein. Deshalb berührst du mich besser nicht.

Zum anderen lege ich – anders als die anderen Amphibien – keine Eier, sondern Larven mit Kiemen. Bis zu drei Zentimeter lang sind sie. 20 bis 40 Stück setze ich meistens zwischen Februar und Mai in einem Gewässer ab. Je nachdem, wie kalt es dort ist, dauert es drei bis zwölf Monate, bis sie an Land kriechen und dort überleben können.

Wenn ich Glück habe, werde ich über 20 Jahre alt. Dennoch ist meine Art auf der roten Liste als verletzlich eingestuft. Klar – heute muss ich keine Angst mehr davor haben, dass jemand mit mir ein Feuer löschen will. Aber mein Lebensraum wird immer knapper.

Reh

Könnte eigentlich auch Holz essen: Das Reh.

Foto Stefan Leimer

Ich futtere ständig, acht bis zwölf Mahlzeiten täglich. Waldbesitzer haben deshalb nicht immer Freude an uns Rehen.

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Ich futtere ständig, acht bis zwölf Mahlzeiten täglich. Waldbesitzer haben deshalb nicht immer Freude an uns Rehen. Denn gerade im Frühling liebe ich Knospen und Triebe von Sträuchern und jungen Bäumen. Natürlich, mit meinen vier Mägen könnte ich als Wiederkäuer auch Holz verdauen. Aber die zarten Pflanzen sind halt viel leckerer.

Je nachdem, welche Blättchen ich abzupfe, wächst der Baum langsamer, verkrüppelt oder stirbt ab. Kommt hinzu, dass ich als Rehbock im Frühling die Basthaut meines neuen Geweihs an kleinen Bäumen und Sträuchern abstreife. Später markiere ich mein Territorium, indem ich mit dem Geweih gegen die Pflanzen schlage. Auch das setzt ihnen zu. Deshalb dürfen wir im Kanton Bern nun länger gejagt werden.

Von uns gibt es viele in der Schweiz und auch an der Aare. Das war nicht immer so. Weil uns die Menschen unbegrenzt jagen durften, waren wir im 19. Jahrhundert fast ausgerottet. Doch mittlerweile hast bestimmt auch du mich oder einen meiner Artgenossen schon mal in der Dämmerung an einem Waldrand gesehen. Ich lebe im Unterholz, wo ich mich mit meiner Schulterhöhe von rund 70 Zentimetern und mit meiner Länge von etwas über einem Meter verkriechen kann.

Im Moment ist Paarungszeit. Ich verfolge die Rehgeiss, bis ihre Sprünge langsamer werden und sie still steht. Dank ihrem herzförmigen weissen Spiegel am Hinterteil verliere ich sie bei dieser Verfolgungsjagd nicht aus den Augen. Wenn wir uns gepaart haben, gebe ich mein Territorium auf. Im Herbst und Winter lebe ich deshalb mit meinen Artgenossen in Gruppen zusammen und werfe mein Geweih ab. Die Kitze kommen im Mai und Juni zur Welt, wenn wir wieder unsere eigenen Wege gehen.

Nase

Elegant, trotz markantem Zinken: Die Nase.

Foto: iStock

In eurem Gesicht sucht ihr mich vergeblich. Mein Name ist zwar Nase, aber ich kann weder laufen noch verstopft sein. Vielmehr nennt man mich wegen meiner eigenen Nase so, die ist für einen Fisch nämlich ziemlich markant.

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In eurem Gesicht sucht ihr mich vergeblich. Mein Name ist zwar Nase, aber ich kann weder laufen noch verstopft sein. Vielmehr nennt man mich wegen meiner eigenen Nase so, die ist für einen Fisch nämlich ziemlich markant. Ihr Menschen würdet dazu vielleicht auch Knubbelnase sagen. Und durch mein dünnes Maul und die hornige Unterlippe wird sie noch zusätzlich betont.

Früher bevölkerten wir Nasen so ziemlich jedes Gewässer mit stärkerer Strömung. Unsere Schwärme umfassten Tausende von Tieren, jedes etwa 60 Zentimeter lang. Heute ziehe ich mit meinen Freunden zwar immer noch durch die Aare – um unseren Lieblingslaichplatz zu erreichen, legen wir Strecken von bis zu 300 Kilometern zurück –, aber in weitaus kleinerer Zahl.

Das geht so weit, dass ich für euch Menschen sogar als vom Aussterben bedroht gelte. Verschiedene Organisationen setzen sich für mich ein. Der WWF etwa will, dass die Flüsse renaturiert werden, damit ich wieder ungehindert schwimmen kann. So würde ich auch wieder mehr Orte dafür finden, meine bis zu 100'000 Eier abzulegen.

In der Schweiz gibt es nur noch wenige Plätze, denen wir Nasen unseren Nachwuchs anvertrauen. Man spricht von gerade einmal zehn relevanten Laichgebieten. Und eines davon findet sich sogar nahe der Stadt Bern, nämlich bei der Aareschlaufe in Bremgarten.

Wildschwein

Lebt im Matriarchat: Das Wildschwein.

Foto: Urs Jaudas

In meiner Rotte sage ich, wo es langgeht. Ich bin die Leitbache, ein altes und erfahrenes Wildschweinweibchen. Mit anderen Bachen, meistens meinen eigenen Töchtern, streife ich durch ein Gebiet in einer Grösse von bis zu 30 Quadratkilometern.

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In meiner Rotte sage ich, wo es langgeht. Ich bin die Leitbache, ein altes und erfahrenes Wildschweinweibchen. Mit anderen Bachen, meistens meinen eigenen Töchtern, streife ich durch ein Gebiet in einer Grösse von bis zu 30 Quadratkilometern. Anfangs dürfen auch meine Söhne noch mitziehen. Doch wenn sie ein Jahr alt sind, jage ich sie weg. Bei uns herrscht nämlich ein striktes Matriarchat.

Auch die jungen Männchen schliessen sich vorerst zu Rotten zusammen. Danach aber ziehen sie alleine umher und schliessen sich uns Weibchen nur an, wenn Paarungszeit ist. Manchmal kämpfen sie darum, bei uns sein zu dürfen. Dann umkreisen sie sich und schlagen ihre Eckzähne aufeinander, bis sie Schaum vor dem Mund haben. Wenn diese Drohgebärden nichts bringen, beissen sie sogar zu, bis einer flieht. Wann wir Bachen uns paaren, entscheide übrigens auch ich, das Leittier. Die anderen Weibchen passen sich mir an.

Auch an der Aare streife ich gerne mit meiner Rotte umher, vor allem im Seeland. Dort finde ich auf den Äckern reichlich Nahrung. Ich liebe Mais und durchwühle den Boden auf der Suche nach Futter, am liebsten nachts. Eigentlich sind Bucheckern und Eicheln meine Hauptnahrungsquelle, und die Bauern haben keine Freude, wenn sie morgens ein verwüstetes Feld vorfinden. Doch ich hole halt das Beste aus meiner Umgebung heraus und passe mich an. In Berlin zum Beispiel erobern meine Artgenossen bereits die Stadt. Sie spazierten auch schon über den Alexanderplatz.

Gebänderte Prachtlibelle

Klein, wunderschön und wendig: Die Gebänderte Prachtlibelle.

Foto: iStockphoto

Ich bin eine Akrobatin der Lüfte. Mit meinen Flugkünsten versetze ich Zuschauende in Staunen. Meine vier Flügel kann ich einzeln bewegen. Daher bin ich sehr wendig.

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Ich bin eine Akrobatin der Lüfte. Mit meinen Flugkünsten versetze ich Zuschauende in Staunen. Meine vier Flügel kann ich einzeln bewegen. Daher bin ich sehr wendig. Das macht es Vögeln und Wasserfröschen nicht leicht, mich zu fangen – und Insekten schwer, mir zu entkommen.

Mir entgeht nichts. Mit meinen grossen Augen sehe ich alles rund um mich herum. Ich bin fünf Zentimeter lang und, wie mein Name sagt, eine Schönheit. Besonders die Männchen unter uns Gebänderten Prachtlibellen verzaubern mit ihrer grünblauen Färbung.

Bevor ich aber zu all dem geworden bin, war ich ein Jahr lang eine drei Zentimeter grosse Larve. Ich lebte in der Aare, nahe am Ufer und an einer Stelle, wo das Wasser gemächlich fliesst. Gefressen habe ich Mückenlarven.

Geboren bin ich dann an einem frühen Morgen im Mai. Das war ein Chrampf: Die Geburt dauerte drei Stunden. Erst musste ich mich aus der Hülle befreien, dann meine Flügel entfalten und meinen Körper strecken. In diesem Zustand war ich leichte Beute für meine Jäger. Erholt und happy, dass der Start ins neue Leben geglückt ist, schwang ich meine Flügel und hob ab in die Luft.

Wasseramsel

Hält mit kräftigen Bauchmuskeln der Strömung stand: Die Wasseramsel.

Foto: Michael Trost

Anders als andere Singvögel tauche ich gerne ab ins Wasser. Am liebsten da, wo die Aare zügig fliesst, der Grund mit Kies belegt und nicht zu tief ist.

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Anders als andere Singvögel tauche ich gerne ab ins Wasser. Am liebsten da, wo die Aare zügig fliesst, der Grund mit Kies belegt und nicht zu tief ist. Zwischen Thun und Muri sind für mich die Bedingungen ideal. Ich schliesse Nase und Ohren, und hopp, geht es ins kühle Nass.

Auf dem Grund picke ich nach leckeren Mückenlarven. Mit meinen kräftigen Bauchmuskeln und den sportlichen Beinen halte ich der Strömung stand. Nach fünfzehn Sekunden hole ich kurz Luft und tauche wieder unter.

Wir Wasseramseln singen auch ganz gerne. Das nutzen wir bei der Balz im Frühling. Dann recken wir unsere weisse Brust, tanzen und trällern uns gegenseitig etwas vor. Das Männchen schenkt dem Weibchen Futter. Nimmt dieses das Geschenk an, ist der Antrag geglückt, und der Nestbau beginnt.

Geboren bin ich unter einer Brücke. Ich hatte einen guten Start ins Leben. Nicht so wie andere meiner Artgenossen. Mich störten keine neugierigen Spaziergänger, und keine Hunde scheuchten mich zu früh aus meinem Nest. So bin ich heute da, gesund und zufrieden, schwimme und tauche in der Aare, wie es mir gefällt.

Mopsfledermaus

Zieht ihre Jungen in Baumhöhlen auf: Die Mopsfledermaus.

Foto: shutterstock

Wenn du mich siehst, erinnere ich dich wahrscheinlich an einen Hund. Mit meiner kurzen und gedrungenen Nase sehe ich aus wie ein Mops, deshalb heisse ich auch Mopsfledermaus.

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Wenn du mich siehst, erinnere ich dich wahrscheinlich an einen Hund. Mit meiner kurzen und gedrungenen Nase sehe ich aus wie ein Mops, deshalb heisse ich auch Mopsfledermaus. Mit einer Körperlänge von rund fünf Zentimetern gelte ich hier als mittelgrosse Fledermaus. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass du mich zu Gesicht bekommst, gering. Denn ich bin stark vom Aussterben bedroht. Auch an der Aare tauchte ich in den letzten Jahren nur vereinzelt auf, zum Beispiel in Thun oder bei Innertkirchen.

Jetzt, im Juli, bringe ich ein bis zwei Junge zur Welt. In dieser Zeit schliesse ich mich mit anderen Weibchen zu einer Wochenstube zusammen. Wir sind jeweils höchstens zwanzig Muttertiere, was relativ wenig ist. Bei anderen Fledermäusen beziehen bis zu 1000 Weibchen gemeinsam ihre Wochenstube.

Diese finde ich hinter der Rinde, die sich von abgestorbenen Bäumen löst. Aber auch in Baumhöhlen und hinter Fensterläden fühle ich mich wohl. Während wir unsere Jungen aufziehen, wechseln wir immer wieder den Ort. Wenn man mich beim Aufziehen stört, stresst mich das sehr. Und das ist eben ein Grund dafür, dass ich so selten geworden bin: Ich finde immer weniger Orte, an denen ich meine Ruhe habe.

Ein weiterer Grund ist meine Ernährung. Ich jage in der Dämmerung nach fliegenden Insekten, hauptsächlich nach kleinen Schmetterlingen. Aber nicht immer ist meine Beute gut für mich, weil sie mit Pestiziden bekämpft wird. Diese setzen auch mir zu.

Eichhörnchen

Springt mit Leichtigkeit von Ast zu Ast: Das Eichhörnchen.

Foto: wildenachbarn.ch

Ich bin schnell wie der Blitz. Klettere Bäume hinauf und hinunter, immer mit dem Kopf voran. Hört man mein Rascheln, bin ich längst weg.

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Ich bin schnell wie der Blitz. Klettere Bäume hinauf und hinunter, immer mit dem Kopf voran. Hört man mein Rascheln, bin ich längst weg. Wir Eichhörnchen sind schlank und rank, wiegen etwa vierhundert Gramm und sind um die fünfundzwanzig Zentimeter lang. Mit Leichtigkeit springe ich von Ast zu Ast. Mein buschiger Schwanz hilft mir, die Balance dabei zu halten.

Die Bäume sind unser Zuhause. Ich lebe in einer Baumkrone am Aareufer. Hier habe ich mir ein Nest aus Ästen geflochten und es mit Gras und Moos ausgelegt. Ins Wasser springe ich nicht, schwimmen in stark fliessendem Gewässer ist nicht so mein Ding. Das Aarewasser ist für mich zum Trinken da.

Als ich auf die Welt gekommen bin, war ich die ersten sieben Wochen nackt, blind und taub. Im Alter von drei Monaten war ich dann reif genug, das Nest zu verlassen und für mich alleine zu sorgen. Das bedeutet viel Arbeit. Ich muss Futter suchen, Samen, Beeren und Nüsse. Die knacke ich mit meinen scharfen Zähnen innert Sekunden. Im Sommer gönne ich mir über die Mittagszeit ein Päuschen. Lege mich in mein Nest und spähe zwischen den Blättern hindurch auf die Aare. Mit Vergnügen schaue ich den vorbeiziehenden Gummiböötlern und Schwimmerinnen zu.

Ab Herbst ist dann fertig mit Faulenzen. Ich muss Vorräte für den Winter zusammentragen. Die Fressalien lagere ich in Astgabeln, Rindenspalten oder vergrabe sie zwischen Baumwurzeln. Es kommt jeden Winter vor, dass ich Vorratsplätze vergesse. Das macht aber nichts. So spriessen im Frühling aus den Samen Bäumchen, die meinen Urenkel dereinst Lebensraum bieten.

Wandermuschel

Importiert und nun verachtet: Die Wandermuschel.

Foto: iStockphoto

Willkommen bin ich hierzulande nicht. Wir Wandermuscheln stammen aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres.

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Willkommen bin ich hierzulande nicht. Wir Wandermuscheln stammen aus dem Gebiet des Schwarzen Meeres. Mit Schiffen sind wir ungewollt hierhergereist und haben uns in den 1960er-Jahren rasant verbreitet. Das, weil wir als Larven geboren werden und uns die Strömung viele Kilometer weit weg trägt.

Zudem bin ich robust und anpassungsfähig, halte es im Wasser bei Temperaturen von 0 bis 30 Grad aus. Man findet mich in einer Tiefe von einem bis 30 Metern. Ich lebe in verschiedenen Seen der Schweiz, auch im Thuner- und im Bielersee, vereinzelt trifft man mich in der Aare, etwa oberhalb des Brienzersees. Mich erkennt man an meiner dreikantigen Form. Ich bin bis vier Zentimeter lang und bis zu zwei Zentimeter hoch. Wegen meiner dunkelbraunen und hellbraunen Streifen werde ich auch Zebramuschel genannt.

Meine Artgenossen und ich sind gerne nah beieinander. Zusammen haften wir an Steinen, Booten und Metallrohren. Damit handeln wir uns immer wieder Ärger ein, gerade wenn wir Rohre verstopfen. In Port bei Biel haben wir einst einen ziemlichen Schlamassel angerichtet: Es lagen viel zu viele Schalen verstorbener Artgenossen auf dem Grund, sodass der Schiffsverkehr behindert worden ist und der Grund unterhalb der Schleuse ausgebaggert werden musste.

Leider habe ich noch mehr zu beichten: Wir Wandermuscheln setzen uns auch an heimischen Muscheln fest, von welchen es nur noch wenige gibt. Sie sterben, weil wir ihnen alles wegfuttern, wir leben von Plankton und Bakterien.

Es hat aber auch sein Gutes, dass wir hier sind – zwar nicht für uns. Reiher und Blässhühner haben uns zum Fressen gerne. Wo wir sind, sind auch sie. Uns ist gar zu verdanken, dass sie mehr geworden sind. Nun gut, man muss uns deswegen vor Freude ja nicht gleich in die Arme schliessen. Erst recht nicht, da unsere Kanten messerscharf sind. Aber etwas wohlgesinnter könnte man uns zugewanderten Tieren durchaus begegnen.

Äsche

Hat mit der Klimaerwärmung zu kämpfen: Die Äsche.

Foto: iStockphoto

Ich bin ein Sorgenkind. Von meiner Art gibt es immer weniger. Schuld daran sind verbaute Flüsse, Vögel die mich fressen, sowie die Klimaerwärmung. Misst die Wassertemperatur 20 Grad, werde ich träge, bei 25 Grad kann ich sterben.

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Ich bin ein Sorgenkind. Von meiner Art gibt es immer weniger. Schuld daran sind verbaute Flüsse, Vögel die mich fressen, sowie die Klimaerwärmung. Misst die Wassertemperatur 20 Grad, werde ich träge, bei 25 Grad kann ich sterben. Aber ich will jetzt nicht Trübsal blasen. Ich bin lebensfroh und bekannt als geselliger Fisch. Gerne halte ich mich in der Nähe meiner Artgenossen auf. Etwa dann, wenn ich in der Aare darauf warte, dass meine Leibspeisen an mir vorbeiziehen. Dazu zählen Insektenlarven, Eintagsfliegen, Würmer oder Fischeier.

Mich erkennt man an meiner markanten Rückenflosse. Sie leuchtet besonders in der Laichzeit und bei den Männchen in Violett-, Rot- und Blautönen. Mein Rücken ist graublau, meine Flanken sind silbergrau und tragen schwarze Punkte. Wir Äschen laichen von März bis Mai. Dazu schwimmen wir an eine seichte Stelle mit kiesigem Grund. Meine 7000 stecknadelkopfgrossen Eier drücke ich in den Kies. Ein männlicher Artgenosse kommt dann vorbei und befruchtet sie.

Wir Äschen werden als Larven geboren und entwickeln uns dann weiter zu einem bis maximal 70 Zentimeter grossen Fisch. In dieser Zeit legen wir viele Flusskilometer zurück. Wir sind eben nicht nur gesellig, sondern auch reisefreudig. Und wir sind beliebt. Für uns wird viel getan. Fischerei- und Naturschutzverbände bemühen sich, bessere Lebensbedingungen für uns zu schaffen. So mache ich mir denn auch keine grossen Sorgen, dass es meine Art bald nicht mehr gibt.

Tagpfauenauge

Beliebtes Motiv für Fotografen: Das Tagpfauenauge.

Foto: Heinz Diener

Vier rostrot gefärbte Flügel mit je einem Punkt in den Farben Schwarz, Blau und Gelb: Das Kleid, das ich trage, erschreckt und verzückt.

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Vier rostrot gefärbte Flügel mit je einem Punkt in den Farben Schwarz, Blau und Gelb: Das Kleid, das ich trage, erschreckt und verzückt. Vögel sehen Augen und ergreifen die Flucht. Schmetterlingsfreunde schnappen ihr Smartphone und machen ein Bild.

Brauche ich Ruhe, dann tarne ich mich. Ich kann so tun, als wäre ich ein verdorrtes Blatt. Dazu klappe ich meine Flügel zusammen und zeige deren braungraue Unterseite. Vögel fallen darauf rein, Mäuse nicht. Sie vertreibe ich, indem ich mit meinen Flügeln – deren Spannweite etwa fünf Zentimeter misst – flattere und dabei zische. Denn so schnell lassen wir Tagpfauenaugen uns nicht fangen. Oh nein!

Ich selber bin kein Räuber. Meine Nahrung ist Nektar, etwa von Huflattich, Klee oder Löwenzahn. Die Pflanzen wachsen an der Aare zuhauf. Meine an die hundert Eier lege ich an Brennnesseln ab. Und die Raupen, die daraus schlüpfen, sind ausgewachsen bis vier Zentimeter lang, schwarz mit weissen Punkten und stachelig. In Gruppen fressen sich die kleinen Tiere die Brennnesseln rauf und runter. Mit vollem Magen ziehen sie sich dann auf einen vertrockneten Stiel zurück und verpuppen sich. Nur drei Wochen später beginnt mein Leben. Ich verlasse diese Hülle, spanne meine Flügel aus und fliege in den sonnigen Tag hinein.

Stockente

Ihre Jungen schlüpfen innert weniger Stunden: Die Stockente.

Foto: André Cuenin

Wer sich an der Aare aufhält, kommt an mir nicht vorbei. Ich lasse mich neben den Booten den Fluss hinab­treiben. Watschle über den Rasen von Freibädern. Schwimme mit den Aareschwimmern mit.

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Wer sich an der Aare aufhält, kommt an mir nicht vorbei. Ich lasse mich neben den Booten den Fluss hinab­treiben. Watschle über den Rasen von Freibädern. Schwimme mit den Aareschwimmern mit.

Ich wiege bis zu anderthalb Kilo und bin zwischen fünfzig und fünfundsechzig Zenti­meter lang. Die Männchen unter uns beeindrucken mit ihrem schicken Badedress: Die Brust ist dunkel gefärbt, das Gefieder über Rücken und Bauch bräunlich und grau, die Federn am Kopf schimmern grün. Ein besonderer Hin­gucker ist mein grüngelber Schnabel.

Wir Weibchen, braun-grau gesprenkelt, bestechen durch unsere Leistung. Allein ziehen wir den Nachwuchs gross, während der Erpel sich im Hintergrund aufhält. Er sieht sich in der Rolle des Be­schützers. Wenn ich zweimal täglich das Nest verlasse, um zu essen oder meine Federn einzufetten, dann begleitet er mich. Keine Angst, ich lasse die Eier währenddessen nicht ungeschützt im Nest am Boden zurück. Nein, ich decke sie mit Daunen zu.

Ich brüte zwischen Mitte März und Ende Juli. Im Nest liegen sieben bis elf Eier, die ich 28 Tage lang warm halte. Dann schlüpfen innert weniger Stunden meine Jungen. Die Eierschale knacken sie mit einem Zahn, der eigens dafür am Schnabel gewachsen ist.

Hat jedes seine Schale ver­lassen, watscheln wir etwa sechs bis zwölf Stunden später gemeinsam an die Aare. Wie man schwimmt, muss ich ihnen nicht beibringen, diese Fähigkeit wird uns Stockenten in die Wiege gelegt. Haben die Kleinen Hunger, fressen sie am liebsten Insektenlarven. Ich mag auch Pflanzen, Samen oder Schnecken.

Von all diesen Speisen hat es für uns mehr als genug. Ihr könnt euer altes Brot also gern selber essen. Das salzige Gebäck bekommt unserem Magen eh nicht gut. Wir freuen uns viel mehr darüber, wenn ihr uns weiterhin neben euch die Aare hinabtreiben lasst.

Geburtshelferkröte

Betreibt aufwändige Brutpflege: Die Geburtshelferkröte.

Foto: PD

Während andere Frösche quaken, erinnert mein Ruf vielmehr an ein sanftes Pfeifen – oder an ein Glockenspiel, wenn meine Artgenossen in das Lied einstimmen.

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Während andere Frösche quaken, erinnert mein Ruf vielmehr an ein sanftes Pfeifen – oder an ein Glockenspiel, wenn meine Artgenossen in das Lied einstimmen. Deshalb nennt ihr mich manchmal auch «Glögglifrosch». Gefällt mir, der Name.

Auch sonst bin ich in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Das fängt bei der Paarung an: Andere Amphibien bevorzugen dafür das Wasser, wir hingegen mögen es warm und trocken. Besonders gerne mag ich jene Plätze, die ihr Menschen extra für mich schafft. Statt die Steine wie früher einfach vom Feld wegzuschaffen, habt ihr angefangen, diese schön in ­Gewässernähe zu sammeln. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was auch ziemlich besonders ist: Bei uns kümmert sich nicht die Frau um den Nachwuchs, sondern ich, das Männchen. Nach dem Liebesakt schlinge ich die Eier um meine Beine und nehme sie zurück in meinen Erdbau, in dem ich übrigens auch überwintere. Dort warte ich geduldig zwei bis drei Wochen, bis die Larven reif zum Schlüpfen sind. Wegen dieses speziellen Verhaltens ist mein offizieller Name übrigens Geburtshelferkröte. Ist die Zeit gekommen, bringe ich den Laich vorsichtig ans nahe Gewässer – egal, ob Tümpel, Weiher, Teich oder dort, wo die Aare schön langsam fliesst.

Hermelin

Haust unter Steinen und Ästen: Das Hermelin.

Foto: shutterstock

Ich brauche Unordnung, um zu überleben. Unter Steinhaufen oder herumliegenden Ästen kommen unsere Jungen zur Welt.

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Ich brauche Unordnung, um zu überleben. Unter Steinhaufen oder herumliegenden Ästen kommen unsere Jungen zur Welt. Ungemähte Wiesen und wilde Hecken bieten mir Schutz, wenn ich mich auf die Suche nach Essen oder einem Weibchen mache.

Die zunehmend aufgeräumte Landschaft ist schlecht für uns Hermeline. Ich bin ja flink, man nennt mich auch Wiesel, aber ich brauche unbedingt Deckung. Sonst erwischen mich Füchse, Greifvögel oder an der Aare Graureiher. Wobei ich mich ja nicht anders verhalte, wenn es ums Fressen geht. Ich bin ein Mäusejäger, ein oder gar zwei Tiere verputze ich pro Tag. Da ich ständig in Bewegung bin, brauche ich viel Energie. Ich wiege um die 300 Gramm, bin gertenschlank und etwa 30 Zentimeter lang.

In den warmen Monaten ist mein Rücken rotbraun gefärbt, der Bauch ist weiss. Im Winter bin ich ganz weiss, nur mein Schwanzende bleibt immer schwarz.

Es gab eine Zeit, da zog man uns Hermeline auch hierzulande das Fell über den Kopf und kleidete vornehme Damen und Herren damit ein. Ich und meine Jungen müssen so etwas nicht mehr fürchten, seit 1986 stehen wir in der Schweiz unter Schutz. Die Kleinen kommen zwischen März und Mai auf die Welt. Bis zu sechs auf einmal, aber nicht alle kommen durch.

Ihrer Kindheit beraubt werden bei uns die Weibchen, sie sind drei Wochen nach der Geburt geschlechtsreif. Wenigstens bleibt ihnen nach der Paarung etwas Zeit. Die befruchtete Eizelle entwickelt sich erst im kommenden Frühling weiter. Dann aber schnell: Schon nach einem Monat steht der Geburtstermin an. Wir Hermeline sind Tag und Nacht aktiv. Immer bemüht, unser Leben voll auszukosten, denn uns bleibt wenig Zeit – wir werden höchstens zwei Jahre alt.

Schneider

Nicht an der Nähmaschine, sondern in der Aare: Der Schneider.

Getty Images/iStockphoto

Damit eins gleich klar ist: Mit Stoff habe ich nichts zu tun. Der eigenwillige Name Schneider, der mir der Mensch verpasst hat, ist auf meine Färbung zurückzuführen.

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Damit eins gleich klar ist: Mit Stoff habe ich nichts zu tun. Der eigenwillige Name Schneider, der mir der Mensch verpasst hat, ist auf meine Färbung zurückzuführen. Auf beiden Seiten meines silbernen Schuppenkleids besitze ich einen dunklen Streifen, der im vorderen Teil gespalten ist – so, dass er an die Doppelnaht eines Schneiders erinnert.

Mit durchschnittlich zwölf Zentimetern bin ich eher klein. Am liebsten halte ich mich in mittelgrossen, fliessenden Gewässern auf – die Aare ist also wie für mich gemacht. Dort jagen mich zwar gerne grössere Fische, etwa die Forellen, dafür finde auch ich jede Menge Insektenlarven und Plankton. Wichtig ist auch ein Flussgrund aus Kies, wo unsere Weibchen ihre Eier ablegen können. Das sind dann einmal pro Jahr, irgendwann zwischen Mai und Juni, bis zu 8000 davon.

Und bei all dem sind wir nie alleine: Wir Schneider sind absolute Schwarmtiere. Früher, da schwammen wir in riesigen Gruppen durch die Aare. Mein Grossvater erzählt manchmal von hundert und mehr Fischen. Heute sind so grosse Ansammlungen eher selten, mein eigener Trupp etwa umfasst nur eine Handvoll Freunde. Das liegt daran, dass es heute einfach weniger von uns Schneidern gibt. Verantwortlich dafür ist die abnehmend gute Wasserqualität, wir mögen es nämlich sauber. Es gibt sogar eine Faustregel unter euch Menschen: Je mehr Schneider im Fluss schwimmen, desto sauberer ist das Wasser.

Wespenspinne

Fällt durch die Färbung sofort auf: Die Wespenspinne.

Foto: LABDie Tierwelt der Aare – Mein Name ist…

Bei den meisten Tieren sind die Männchen besonders prachtvoll. Doch bei uns ­Wespenspinnen ist es genau ­umgekehrt.

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Bei den meisten Tieren sind die Männchen besonders prachtvoll. Doch bei uns ­Wespenspinnen ist es genau ­umgekehrt. Ich bin ein Weibchen und stattliche zwei ­Zentimeter lang. Meine gelben, schwarzen und weissen ­Querstreifen, denen ich ­meinen Namen verdanke, fallen sofort auf.

Als Männchen wäre ich ­hellbraun und nur fünf Millimeter gross. Ab Ende Juli kommt es zu mir und zupft an meinem Netz, bis ich zur Paarung bereit bin. Die lasse ich über mich ergehen – aber danach greife ich zu und verschlinge das Männchen. Nur selten gelingt es ihm, zu entwischen.

Anders als etwa die Kreuz­spinne baue ich mein Radnetz nicht in Fenstern, sondern stets nah am Boden. Meine Leibspeisen sind – nebst den Männchen – Heuschrecken und Hautflügler. Ich wohne gerne in Brachen und natur­belassenen Wiesen, auch in der Nähe der Aare. Dabei liebe ich warme Standorte. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich mich in den ­letzten Jahrzehnten hierzu­lande immer stärker ausbreitete: weil das Klima wärmer geworden ist.

Im Spätsommer, nachdem ich das Männchen verdaut habe, packe ich meine Eier in ein seidenes Paket. Die Kokons hänge ich in der Nähe meines Netzes auf und bewache sie eine Weile. Noch im Herbst schlüpfen meine Jungen aus den Eiern, doch sie verlassen die Kokons erst im Frühjahr, wenn ich gestorben bin. Und beginnen sofort, perfekte Radnetze in Miniaturform zu spinnen. Denn das liegt uns im Blut.

Siebenschläfer

Sein Tag besteht aus Futter sammeln und schlafen: Der Siebenschläfer.

Foto: blickwinkel

Gääähn. Ist es etwa schon Abend? Eigentlich schlafe ich ja den ganzen Tag – daher auch mein Name, Sieben­schläfer. Aber für euch stehe ich ausnahmsweise einmal früher auf.

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Gääähn. Ist es etwa schon Abend? Eigentlich schlafe ich ja den ganzen Tag – daher auch mein Name, Sieben­schläfer. Aber für euch stehe ich ausnahmsweise einmal früher auf. Hoffentlich bin ich dann später noch genug fit, um Futter für den Winter zu sammeln. Das ist nämlich meine Hauptaufgabe: In der Zeit, in der ich etwas wacher bin, setze ich alles daran, meinen Schlafplatz für die kalte Jahreszeit vorzubereiten.

Am liebsten wohne ich auf einem Baum, irgendwo in einem Astloch zum Beispiel, oder aber ich grabe mich in den Boden ein. Mich gibt es praktisch überall in der Schweiz – also auch entlang der Aare. Vogel­nistkästen finde ich übrigens besonders bequem. Mit meiner Länge von bis zu 30 Zentimetern, von Schwanz- bis Nasenspitze, passe ich da gut rein. Ausserdem gibt es dort meist auch noch ein paar Vogeleier als Snack obendrauf – lecker!

Wenn ich nicht gerade schlafe, verbringe ich die Zeit mit dem Sammeln von Moos und Blättern, um mein Bett schön gemütlich zu machen. Auch Futter gilt es anzuschaffen: Früchte, Nüsse, Knospen – eigentlich schmeckt mir vieles.

Hauptsache ist, dass es genug für alle gibt. Meinen Winterschlaf halte ich nämlich nicht allein, sondern vorzugsweise in einer Gruppe. So bleibt es schön kuschlig warm, auch wenn ich meine eigene Körpertemperatur im Winter auf etwa fünf Grad hinunterschraube.

Mein Herz schlägt dann nur noch 5- statt 300-mal pro Minute. Und als Decke nehme ich einfach meinen buschigen Schwanz. So lässt es sich von September bis Mai durchschlafen. Einfach herrlich!

Barrenringelnatter

Frisst vor allem Fische und Frösche: Die Barrenringelnatter.

Foto: Keystone

Im Gegensatz zu der aggressiven Aspisviper und der hinterhältigen Kreuzotter bin ich ganz harmlos. Ich beisse zwar beim Jagen auch gern zu, giftig bin ich aber nicht.

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Im Gegensatz zu der aggressiven Aspisviper und der hinterhältigen Kreuzotter bin ich, die Barrenringelnatter, ganz harmlos. Ich beisse zwar beim Jagen auch gern zu, giftig bin ich aber nicht. Für euch Menschen bin ich also kaum gefährlich. Und dies, obwohl ich um einiges länger bin als die anderen in der Schweiz heimischen Schlangen. Von Schwanz bis Kopf messe ich maximal einen Meter – Männchen werden sogar bis zu 1,4 Meter lang. Zum Vergleich: Die Aspisviper wird nur etwa 70 Zentimeter lang.

Auch sonst unterscheide ich mich von meinen giftigen Kollegen: Während diese gern auf dem Trockenen liegen, bin ich eine exzellente Schwimmerin. Jagt mich etwa ein Fuchs oder eine Katze, flüchte ich gern ins Wasser. Deshalb halte ich mich auch fast ausschliesslich an Tümpeln, Seen oder Fliessgewässern auf wie etwa der Aare. Auch mein Essen mag es feucht: Ich ernähre mich hauptsächlich von Fischen und Fröschen, ab und zu vielleicht auch einmal von einer Maus.

Entlang des Wassers finde ich zudem auch, was ich für meine Jungen brauche: alte, umgefallene, leicht modrige Baum­­stämme. Sie bieten die per­fekten Bedingungen, damit mein Nachwuchs schlüpfen kann. Nach einem kurzen Techtelmechtel mit einem Männchen lege ich bis zu dreissig Eier in den Stamm ab. Mit der richtigen Temperatur schlüpfen die Kleinen dann sechzig Tage später, mitten im Hochsommer. Vielleicht entdeckt ihr mich oder meine Jungen ja sogar bei eurem nächsten Aare­­schwumm?

Wanderratte

Ist ein Allesfresser, aber alles andere als verfressen: Die Wanderratte.

Foto: iStockphoto

Ich habe ein schlechtes Image. Das ist nicht fair, denn es ist überholt. Dass wir Wanderratten in der Schweiz Krankheiten auf euch Menschen übertragen, ist heute kaum mehr möglich.

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Ich habe ein schlechtes Image. Das ist nicht fair, denn es ist überholt. Dass wir Wanderratten in der Schweiz Krankheiten auf euch Menschen übertragen, ist heute kaum mehr möglich. Dazu wohnt ihr in einer viel zu hygienischen Umgebung.

Die Krankheitserreger stecken übrigens in meinem Kot und meinem Urin. Sollte vorkommen, dass ich mich in eurem Keller über unverschlossene Essvorräte hermache, dann müsst ihr die einfach vollständig entsorgen und den umliegenden Bereich gut reinigen, so geschieht euch nichts.

Ich bin ein Allesfresser, aber alles andere als verfressen. Immer schnappe ich mir nur einen kleinen Happen. So beuge ich einer möglichen Vergiftung vor. Und habe ich eine für mich unbekannte Futterstelle entdeckt, dann lasse ich erst junge Männchen davon kosten. Zeigt sich, dass sie das Essen gut vertragen, beisse ich rein.

Mein Körper misst bis zu fünfundzwanzig Zentimeter, mein schuppiger Schwanz ist um die fünfzehn Zentimeter lang. Gerne treibe ich mich in städtischen Kanalisationen herum oder verbringe Zeit am Wasser. Ich geniesse es auch, in der Aare zu schwimmen. Tagsüber sieht man mich jedoch kaum, obschon es unzählige von uns gibt, aber die Dämmerung ist mir einfach lieber.

Dass es so viele von uns gibt, erstaunt nicht, da Weibchen bereits im Alter von sechs Wochen geschlechtsreif sind. Über ein Jahr verteilt, können sie über 50 Junge gebären. Nicht alle überleben, aber es bleiben genug, mit denen ich meine Zeit verbringen kann. Uns Wanderratten ist Gemeinschaft wichtig. Wir sind füreinander da. Putzen uns gegenseitig das Fell oder wachen am Krankenbett, wenn sich ein Gspändli nicht wohlfühlt. Ja, vielleicht halten wir so gut zusammen, weil uns sonst kaum jemand mag.

Marienkäfer

Hat immer genau sieben Punkte: Der Marienkäfer.

Foto: Marc Dahinden

Für viele bin ich ein Symbol des Glücks – zu Recht, wie ich finde. Denn mein Leben ist ziemlich glücklich: Ist meine Winterstarre vorbei, verbringe ich den ganzen Tag damit, mich mit Blattläusen vollzufressen.

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Für viele bin ich ein Symbol des Glücks – zu Recht, wie ich finde. Denn mein Leben ist ziemlich glücklich: Ist meine Winterstarre vorbei, verbringe ich den ganzen Tag damit, mich mit Blattläusen vollzufressen und mich mit Artgenossen zu paaren. Sicher einmal pro Jahr lege ich meine Eier an der Unterseite von Blättern ab, in einem guten Jahr sogar zweimal.

Dass man anhand meiner Punkte ablesen kann, wie alt ich bin, ist übrigens ein weit verbreiteter Irrglaube. Ich als heimischer Siebenpunkt-Marienkäfer habe, wie ihr euch dem Namen nach schon denken könnt, immer genau sieben Punkte; drei links, drei rechts und einen in der Mitte. Es gibt aber auch einen Zweipunkt- oder sogar einen Sechzehnpunkt-Marienkäfer.

70 verschiedene Arten gibt es von uns. Früher war ich hier in der Schweiz vorherrschend – sowie übrigens auch sonst fast überall in Europa und Asien. Heute hingegen dominiert der Asiatische Marien­käfer, auch Harlekin genannt. Den mag ich aus verschiedenen Gründen nicht.

Einerseits frisst er mir die ganzen leckeren Blattläuse weg, andererseits schädigt er auch meinen guten Ruf. Winzer etwa mögen ihn gar nicht: Gerät dieser zwischen die Trauben, reicht schon ein einzelner Käfer pro Kilogramm aus, um den Wein einer ganzen Saison ungeniessbar zu machen.

Sogar der durchschnittliche Bürger stört sich an meinen asiatischen Verwandten. Während ich es mir im Winter irgendwo im Laub gemütlich mache, nisten sich die Harlekine irgendwo in euren Häusern ein. Das wäre ja nicht so schlimm, würden sie dabei nicht so übertreiben: Ein Asiatischer Marien­käfer ist selten allein, meist versammeln sich Tausende an einer Stelle – so, dass man schon fast von einer Plage spricht.

Und zu guter Letzt sind die Harlekine auch für meine Gesundheit gefährlich. Sie selber sind zwar ziemlich resistent gegen Parasiten – mir jedoch machen gerade jene zu schaffen, welche sie mit an die Aare geschleppt haben.

Braunbär

Ist zwar hauptsächlich Vegetarier, frisst aber alles gern: Der Braunbär.

Foto: Urs Baumann

Ich bin ein Pionier. 194 Jahre gab es keine Bären mehr in jenem Kanton, der mich in seinem Wappen führt. Doch vor zwei Jahren kehrte ich zurück ins Berner Oberland.

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Ich bin ein Pionier. 194 Jahre gab es keine Bären mehr in jenem Kanton, der mich in seinem Wappen führt. Doch vor zwei Jahren kehrte ich zurück ins Berner Oberland, wo ich seither immer wieder umherstreife. Im Eriz war ich schon, am Thunersee, am Susten- und Brünigpass.

Auch an der Aare tauchte ich auf – nicht nur gefangen im Bärenpark in der Stadt Bern, sondern ganz frei zwischen Brienz und Meiringen. Du weisst ja: In den Bergen lässt es sich wunderbar wandern. Das liebe auch ich, wie alle jungen Bärenmännchen. Ich ziehe vom Engadin durch den Kanton Schwyz und Uri bis in die Berner Alpen. Und zwar sowohl tagsüber als auch nachts.

Die Wissenschaftler nennen mich M29. Sie registrieren und beobachten unsereins jeweils genau. Denn wir Bären sind Wundertüten. Manchmal sind wir schüchtern und unauffällig, räumen nur ab und zu ein Bienenhäuschen aus. Ich persönlich gehöre zu dieser Spezies. Andere Bären aber sind aufdringlicher.

JJ3 zum Beispiel liess sich im Bündnerland auch nicht von Gummischrot vom Besuch bei Häusern abhalten. Hauptsächlich bin ich zwar Vegetarier, aber ich fresse alles gerne. Also auch eure Essensreste oder, wenn es grad gäbig geht, ein Schaf.

Wir wandernden Bärenmännchen stammen aus dem Trentino im Südtirol. Weibchen gibt es in der Schweiz noch keine. Wenn nicht gerade Paarungszeit ist, gehen wir unsere eigenen Wege. Wenn ein Weibchen Junge hat, meidet es uns Männchen für zwei Jahre.

Vielleicht werde ich dereinst wieder sesshaft in der Schweiz und im Kanton Bern – wenn auch Weibchen hierhin ziehen. Es dauert aber fünfzig bis hundert Jahre, bis sich ein Tier einen Lebensraum wieder neu erobert. Wir Bären stehen also ganz am Anfang.

Kamberkrebs

Ist hier eigentlich nicht erwünscht: Der Kamberkrebs.

Foto: PD

Ich bin ein Eroberer. Meine Vorfahren sind im 20. Jahr­hundert in Europa ausgesetzt worden. Einst lebten wir nur an der Ostküste der USA.

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Ich bin ein Eroberer. Meine Vorfahren sind im 20. Jahr­hundert in Europa ausgesetzt worden. Einst lebten wir nur an der Ostküste der USA. Heute jedoch fühlen wir Kamberkrebse uns auch in sechzehn europäischen Ländern daheim, darunter in der Schweiz.

Ich selbst lebe in der Aare unterhalb von Biel. In der Aare hats weniger von uns als etwa im Rhein. Aber ich bin auf dem Vormarsch. Den Bieler- und den Neuenburgersee sowie die Seeländer Kanäle habe ich bereits erobert. Der Thuner- und der Brienzersee werden folgen. Kein Wunder, sehe ich mit meinem dornigen Panzer und meinen schwarz-gelb gestreiften Scherenspitzen wie eine 12 Zentimeter lange Kampfmaschine aus.

Ginge es nach den Politikern, würde ich allerdings sofort wieder in die USA ausgeschafft. Denn gemäss Bundesgesetz bin ich hierzulande eine unerwünschte Art. Das liegt vor allem daran, dass die einheimischen Krebse Memmen sind.

Mir zum Beispiel macht die Krebspest gar nichts aus. Ich kann zwar den Erreger in mir tragen, werde aber dennoch nicht krank. Den Europäischen Flusskrebs hingegen rafft dieser Pilz weg. Mittlerweile gilt der Edelkrebs deshalb als gefährdet, und ich werde als invasiv bezeichnet. Dabei ist es doch wirklich nicht mein Problem, wenn die Einheimischen hier so nichts ertragen können und wenn sie weniger Junge haben als ich.

Und ausserdem hat man meine Vorfahren hier ausgesetzt, weil der Edelkrebs schon damals oft krank war.

Kleiner Schillerfalter

Besticht durch sein prächtiges Kleid: Kleiner Schillerfalter.

Foto: iStock

Uns zu erkennen, ist ein Kinderspiel, denn wenn wir vorbeiflattere, schillern unsere Flügel dunkelblau – daher unser Name.

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Uns zu erkennen, ist ein Kinderspiel, denn wenn wir vorbeiflattere, schillern unsere Flügel dunkelblau – daher unser Name. Und da es von unserer Art noch ein Exemplar gibt, dessen Flügelspannweite etwas mehr als unsere sechzig Millimeter beträgt, heissen wir Kleiner Schillerfalter.

Warum unsere Flügel dunkelblau oder manche auch rötlich schillern, ist rasch erklärt: Einzelne unserer Schuppen sind farblos und hohl, weil sich darin das Licht bricht, entsteht der schillernde Effekt. Das ist aber nur bei den Männchen so. Hingegen zieren die Flügel unser beider Geschlechter je ein dunkler Fleck mit rötlichem Ring. Wir Kleinen Schillerfalter zählen halt nicht ohne Grund zur Familie der Edelfalter.

Was hingegen unsere Nahrung betrifft, so haben wir ungewohnte Vorlieben. Wir fliegen nicht wie die meisten anderen Sommervögel von Blüte zu Blüte, sondern von Kot zu Aas. Hier drin stecken für die Männchen wichtige Mineralien. Im Honigtau der Blattläuse finden Weibchen für sie wertvolle Kohlenhydrate.

Das alles finden wir im Wald, aber auch an der Aare. So begegnet man uns von Juni bis September an vereinzelten Stellen entlang des Ufers. Die Eier legen die Weibchen bevorzugt auf Pappelblätter. Es schlüpfen daraus Raupen. Überstehen sie den Winter und verpuppen sich im darauf folgenden Frühling, kann man uns an sonnigen Tagen wieder flattern sehen.

Wasserspitzmaus

Fühlt sich im Wasser pudelwohl: Die Wasserspitzmaus.

Foto: Keystone

Tauchen ist meine Passion – oder vielleicht ist es auch das Fressen. Denn ich tauche, um an mein Futter zu gelangen. Kopfvoran gehts bis auf den Grund der Aare.

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Tauchen ist meine Passion – oder vielleicht ist es auch das Fressen. Denn ich tauche, um an mein Futter zu gelangen. Kopfvoran gehts bis auf den Grund der Aare. Dort suche ich nach Insektenlarven, Kleinkrebsen und kleinen Fischen. Damit mir kein Leckerbissen entgeht, drehe ich auch Steine um. Meine Waffe ist das Nervengift in meinem Speichel.

Es lähmt meine Beute, wenn ich zubeisse. Ich verköstige mich auch ab und zu an Land mit Schnecken und Regenwürmern. Wir Wasserspitzmäuse futtern viel, und zwar jeden Tag so viel, wie wir wiegen. Das sind zehn bis zwanzig Gramm. Ich messe sechs bis zehn Zentimeter, und mit dem Schwanz kommen noch bis zu sieben Zentimeter dazu.

Meinen Bau grabe ich mir nahe am Wasser. An einem Ort, der dicht bewachsen oder mit Steinblöcken belegt ist. Hier bin ich vor Schleiereulen und Reihern sicher. Die Nesthöhle polstere ich mit Moos und Gras aus, damit es so richtig ge­mütlich ist. Nicht nur für mich, sondern auch für meinen Nachwuchs. Wir Weibchen bringen bis zu dreimal im Jahr vier bis acht Junge zur Welt.

Sie wiegen je knapp ein Gramm. Etwa fünf Wochen lang füttere und behüte ich sie, danach führen sie ihr eigenes Leben. Uns ist es am wohlsten, wenn wir allein sind. Den Vater meiner Jungen traf ich aus diesem Grund auch einzig zur Paarung.

Mich sieht man nur selten, denn ich bin scheu. Erkennbar bin ich an meinem schiefergrauen bis schwarzen Fellhaar am Rücken und an meinem hell gefärbten Bauch. Übrigens sind wir Wasserspitzmäuse mit anderen Mäusen nicht verwandt. Wir sind keine Nagetiere, sondern gehören zu den Insektenfressern, wie der Igel und der Maulwurf.

Mich beschäftigt, dass für uns Wasserspitzmäuse das Über­leben immer schwieriger wird. Verbaute oder abgemähte Ufer lassen uns keinen Platz zum Leben. Pestizide und Schwermetalle in den Gewässern gelangen über unser Futter in unseren Körper.

Wir werden zwar höchstens 18 Monate alt, aber ich finde, dass wir trotzdem ein Anrecht darauf haben, auf der Erde zu sein.

Steinhummel

Weckt Frühlingsgefühle: Die Steinhummel.

Foto: iStock

Wenn ich auftauche, ist auch der Frühling da. Ich bin eine Steinhummelkönigin und verlasse mein Winterquartier in der Erde Ende April, Anfang Mai.

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Wenn ich auftauche, ist auch der Frühling da. Ich bin eine Steinhummelkönigin und verlasse mein Winterquartier in der Erde Ende April, Anfang Mai. Man sieht mich auch fliegen, wenn der Himmel bedeckt oder das Wetter regnerisch ist. Mein pelziges Gewand hält mich warm. Es ist ganz schwarz, einzig mein Hinterteil ist rötlich gefärbt.

Kaum aus der Erde gekrochen und am Tageslicht, widme ich mich der Suche nach Nektar und Pollen. Ich fliege über zweihundert verschiedene Pflanzen an, etwa Klee und Taubnessel.

Ich brauche viel Energie, denn ich habe Grosses vor: Ich gründe einen Staat, der an die 300 Steinhummeln zählen soll. Dazu baue ich als Erstes ein Nest aus trockenen, zerkleinerten Pflanzen.

Als Bauplatz wähle ich einen Hohlraum in einer Mauer, ein leeres Vogelnest oder eine Stelle in einem Steinhaufen – daher mein Name. Uns Steinhummeln sieht man überall, am Waldrand, auf Wiesen, in der Stadt und entlang der Aare.

Im Nest lege ich meine Eier ab, die mit mir überwintert haben. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich verpuppen und sich zu Arbeiterinnen entwickeln.

Aus der späteren Brut gehen dann junge Königinnen und Männchen, sogenannte Drohnen, hervor. Die Drohnen tragen einen gelben Streifen um die Brust und einen gelben Haarbüschel auf dem Kopf.

Mit meinen bis zu siebenundzwanzig Millimetern bin ich die Grösste in meiner Familie. Drohnen und Arbeiterinnen werden bis zu achtzehn Millimeter lang.

Honig sammeln wir Steinhummeln übrigens nur für den Eigengebrauch. Wir leisten aber trotzdem einen wichtigen Beitrag bei dem Bestäuben von Pflanzen.

Im Herbst sterbe ich alte Steinhummelkönigin. Auch die Arbeiterinnen und Drohnen überwintern nicht. Die jungen Königinnen aber, frisch begattet, ziehen sich in die Erde zurück, um im kommenden Frühling einen eigenen Staat zu gründen.

Mandarinente

Hat asiatische Wurzeln: Die Mandarinente (Männchen vorne und Weibchen hinten).

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Schau mich an – bin ich nicht wunderschön? Blau, orange und weiss glänzen meine Federn, dazu bin ich putzige 45 Zentimeter lang. Mein Prachtkleid gefällt euch Menschen, ich weiss es haargenau.

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Schau mich an – bin ich nicht wunderschön? Blau, orange und weiss glänzen meine Federn, dazu bin ich putzige 45 Zentimeter lang. Mein Prachtkleid gefällt euch Menschen, ich weiss es haargenau. Denn das ist der Grund, weshalb wir Mandarinenten überhaupt hier in Europa sind. Eure Vorfahren haben meine Vorfahren im 18. Jahrhundert aus Ostasien hierher gebracht und vor allem in Pärken gehalten.

Von dort sind meine Ahnen immer wieder ausgebüxt – und deshalb brüten ich und meine Partnerin jetzt auch an der Aare. Sie sieht mit ihrem grau-braunen Federkleid und dem weissen Augenring übrigens viel unauffälliger aus als ich.

Gern hab ich sie trotzdem. Wir Mandarinenten leben mindestens eine Saison und oft mehrere Jahre monogam zusammen. Deshalb gelten wir in China auch als Symbol für eheliche Treue. Übrigens gleiche ich in meinem Schlicht- oder Ruhekleid von Mitte Mai bis Ende August meiner Partnerin.

Besonders gerne lebe ich an Seen, Flüssen und in Feuchtgebieten, aber auch in Siedlungen, und gerade in der Nähe von Zoos finde ich Unterschlupf, wenn meine Ahnen von dort ausgebrochen sind. Ich mag es, wenn es rund um mein Zuhause Bäume mit Ästen hat, die ins Wasser hängen. Mit meinen spitzen Krallen kann ich mich gut an den Zweigen festhalten. Wir brüten in Baumhöhlen, manchmal auch in Nistkästen.

Mittlerweile gibt es übrigens fast mehr Pärchen von uns in Europa als in Asien. Dort finden wir immer weniger Lebensraum.

Nachtigall-Grashüpfer

Zirpt meisterhaft: Der Nachtigall-Grashüpfer.

Foto: PD

Nein, die wirklich seichten Gebiete der Aare wären nichts für mich. Aber ich muss gar nicht weit weg vom Fluss gehen, damit es schön trocken und auch sandig ist, wie wir Nachtigall-Grashüpfer es lieben.

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Nein, die wirklich seichten Gebiete der Aare wären nichts für mich. Aber ich muss gar nicht weit weg vom Fluss gehen, damit es schön trocken und auch sandig ist, wie wir Nachtigall-Grashüpfer es lieben. Bei der Hunzigenau in Rubigen zum Beispiel fühle ich mich wohl. In der Mittags- und frühen Nach­mittagszeit bin ich am liebsten unterwegs, dann ist es schön warm. Zudem finde ich leckere Gräser und Kräuter. Und weil ich bei der Hunzigenau lebe, habe ich auch viel Power in meiner Kernkompetenz.

Die ist – selbstverständlich – das Musizieren. Das sagt bereits mein Name, und wir Grashüpfer wurden ja auch in Tierfabeln als lebensfrohe Musikanten dargestellt. Du kannst mich bereits aus einer Distanz von gut zehn Metern hören.

Für mich als Männchen ist es wichtig, dass ich diesen Job im Griff habe. Denn ich locke damit Weibchen an. Für mein meisterliches Zirpen ziehe ich eine Art Sägekamm an meinem Hinterschenkel an der Kante der Flügeldecke entlang. So spiele ich meine Liebesmelodie in Strophen, die jeweils zwei bis drei Sekunden dauern, bis meine Angebetete meinem Werben nachgibt.

Sie ist mit ihren über zwei Zentimetern Körperlänge wesentlich grösser als ich mit knapp anderthalb Zentimetern. Die Eier legt sie dann mit einem Legestachel an ihrem Hinterleib in den Boden, wo sie überwintern. Unsere Larven schlüpfen im Frühsommer. Insgesamt häuten wir uns fünfmal, bevor wir erwachsen sind. Als Erwachsene leben wir nur wenige Wochen.

Aber zurück zum Musizieren, ach, das ist ja eh mein Lieblingsthema. Ich habe ja schon erwähnt, dass ich ein wahrer Meister bin, weil ich in der Hunzigenau wohne. Das verdanke ich der nahen Autobahn. Denn wir Grashüpfer, die in der Nähe von lauten Strassen wohnen, zirpen von Haus aus auch lauter. Sonst könnten uns die Weibchen ja nicht hören.

Dachs

Eigentlich am liebsten nachts unterwegs: Der Dachs.

Foto: Getty Images

Graben, das mach ich gerne. Und das kann ich auch gut: Dafür gab mir die Natur an den Vorderpfoten fünf Zehen mit langen, gebogenen Krallen.

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Graben, das mach ich gerne. Und das kann ich auch gut: Dafür gab mir die Natur an den Vorderpfoten fünf Zehen mit langen, gebogenen Krallen. Super Werkzeuge, sage ich euch. Ich und meine Familie wohnen in einem vielschichtigen Bau. Er führt meterweit in die Erde, hat viele verwinkelte Gänge und manchmal sogar mehrere Etagen.

Unsere Häuser sind so toll, dass auch andere Wildtiere ihre Freude daran haben. Etwa der Fuchs – der nistet sich gerne bei uns ein. Das dulden wir zwar, wirklich mögen tun wir es nicht. Besonders, weil der Fuchs seine Geschäfte einfach irgendwo in einem Gang erledigt. So etwas gibt es bei uns gar nicht: Wer gross oder klein muss, der geht dafür bitte raus. Wir sind nämlich sehr saubere Tiere, pflegen minutiös unser Fell und graben etwas Abseits unseres Baus extra ein Loch, eine sogenannte Kloake, um unseren Kot darin zu sammeln. In der Erde wühlen hilft mir auch bei der Nahrungsbeschaffung. Ich mag Larven, etwa von Engerlingen, oder kleine Wirbeltiere, wie Mäuse. Diese spüre ich ganz einfach mit meiner guten Nase auf und grabe mich dann bis zu ihrem Bau durch. Als nachtaktives Tier mache ich das natürlich während meinen nächtlichen Streifzügen. Dabei gelange ich manchmal auch ins Gebiet der Menschen. Aber die mögen die Löcher, die ich hinterlasse, eher weniger – was ich also so überhaupt nicht verstehen kann.

Übrigens: Die Bezeichnung «Frechdachs» kommt nicht von ungefähr. Ich und meine Geschwister lieben es zu spielen, herumzutollen, durch den Wald zu streifen. Mich findet man eigentlich überall in der Schweiz, wo es genug Bäume gibt – so auch in der Region Bern, entlang der Aare.

Gemeine Feuerwanze

Kleiner Krabbler: Die Gemeine Feuerrwanze.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Mich und meine Freunde habt ihr sicher schon mal gesehen. Wir sind viele, und wir sind gerne zusammen.Die Tierwelt der Aare – Mein Name ist…

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Mich und meine Freunde habt ihr sicher schon mal gesehen. Wir sind viele, und wir sind gerne zusammen. Zu hunderten können wir dort auftauchen, wo wir uns wohl fühlen – unter Linden zum Beispiel, oder auf euren sonnigen Terrassen. Uns gibt es eigentlich überall, entlang der Aare, in der Stadt, auf dem Land. Im März liegen wir stundenlang in der Sonne herum, um aus unserer Winterruhe zu erwachen.

Gerade weil wir so viele sind, finden uns die Menschen oft nervig. Dabei sind wir alles andere als gefährlich. Eigentlich sind wir sogar richtig harmlos. Weder giftig noch aggressiv. Nur wenn man uns unnötig nervt, dann sondern wir ein streng riechendes Sekret ab – so wie für Wanzen üblich.

Deshalb, bitte: Wenn ihr euch tatsächlich so stark ab mir und meinen zahlreichen Artgenossen nervt, dann nutzt kein Gift um uns loszuwerden. Das wäre unfair, immerhin haben wir euch nichts getan. Einfach umsiedeln, das reicht. Oder sonst halt mit ein bisschen kaltem Wasser abspritzen, das mögen wir auch nicht.

Am besten lasst ihr uns aber einfach in Ruhe und geniesst unsere Anwesenheit. Wir sind mit unserer roten Zeichnung nämlich nicht nur wunderschön, sondern auch spannend. Unser Paarungsritual etwa: Wenn wir uns fortpflanzen, dann hängen wir stundenlang an unseren Hinterteilen zusammen. Wie Siamesische Zwillinge laufen wir so durch die Gegend. Und das bis zu 30 Stunden lang!

Karausche

Dümpelt gerne in Tümpeln herum: Die Karausche.

Foto: PD

Wie lange kannst du die Luft anhalten? Egal – ich wette, dass ich dich schlage! – Natürlich, du bist ja ein Fisch, wirst du jetzt sagen.

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Wie lange kannst du die Luft anhalten? Egal – ich wette, dass ich dich schlage! – Natürlich, du bist ja ein Fisch, wirst du jetzt sagen. Aber auch unsereins braucht Sauerstoff, wir beziehen ihn übers Wasser.

Ich jedoch schaffe es, einige Tage fast ohne zu überleben. Wenn ein See zufriert oder austrocknet, verbuddle ich mich im Schlamm, fahre meinen Stoffwechsel runter und warte, bis das Klima wieder milder wird.

Wir Karauschen sind halt Überlebenskünstler. Auch verschmutztes Wasser macht mir nicht gleich den Garaus. Ich mag verlandete und verschlammte Tümpel, Ufergebiete und Auen, wo andere Fische sich nicht mehr wohlfühlen. Deshalb nennt man mich auch Moor- oder Bauernkarpfen.

Du erkennst mich an meinem relativ stark geschwungenen Rücken und meiner gelblichen Farbe. Im Durchschnitt werde ich etwa 30 Zentimeter lang. Weil ich in diesen Gewässern von niemandem gejagt werde, kann ich mich munter vermehren – zuweilen auch mit meinen Geschwistern, was nicht gut ist für den Nachwuchs.

Auch an der Aare finde ich seichte Plätze, wo ich Pflanzen, Würmer, Larven, Weichtiere und Jungfische fresse. Von selbst bin ich aber nicht in die Schweiz gekommen. Meine Vorfahren stammen aus Asien und Russland und wurden in Mitteleuropa ausgesetzt.

Dreiecksspinne

Eine der wenigen ihrer Art, die keine Giftdrüsen hat: Die Dreiecksspinne.

Foto:

Ich bin eigentlich unscheinbar. Mit meiner bräunlich-grauen Färbung und der Grösse von höchstens sechs Millimetern kann ich mich super verstecken.

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Ich bin eigentlich unscheinbar. Mit meiner bräunlich-grauen Färbung und der Grösse von höchstens sechs Millimetern kann ich mich super verstecken. Am liebsten in abgestorbenen Zweigen von Fichten.

Dort lebe ich vor mich hin, krabble von Zweig zu Zweig und spinne mein Netz. Dieses ist schlicht: Nur drei Radialfäden und ein paar Fangfäden dazwischen. Wie ein Dreieck halt, daher auch mein Name.

Spannend wird es, sobald ein Insekt ins Netz fliegt. Statt wie andere Spinnen auf die Beute zu springen, hinzurennen oder sie anzuspucken, fange ich diese mit einem Trick ein. Ich kann mein Netz nämlich so manipulieren, dass es wie ein Köcher über dem Opfer zusammenklappt. Eine ganz schön ausgeklügelte Taktik, die ganz ohne Gift funktioniert. Ich bin eine der wenigen Spinnen auf der Welt, die keine Giftdrüsen besitzen. Deshalb nutzen mich spinnenfreundliche Organisationen auch gerne, um den Menschen die Angst vor uns Arachnoiden zu nehmen: Ich bin harmlos, beisse nicht, bin nicht giftig.

Neben der Fangtechnik gibt es noch etwas anderes, das mich auszeichnet. Das ist aber nicht ganz jugendfrei – ich erzähls euch trotzdem. Vielleicht wisst ihr bereits, dass wir Spinnen keinen eigentlichen Penis besitzen.

Unsere Kopulationsorgane sind an den Fangzähnen oder den Laufbeinen. Meist sind diese eher klein, aber nicht so bei mir. Meine Fortpflanzungsorgane sind proportional riesig, nämlich etwa so gross wie mein ganzer Vorderleib. Aber sonst bin ich wirklich unscheinbar.

Tauwurm

Gräbt den Garten um: Der Tauwurm.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Ich bin blind, taub und stumm. Doch dank verschiedener Sinneszellen finde ich mich im Alltag trotzdem bestens zurecht: Mit den Licht-Sinneszellen, vorne und hinten an meinem Körper, nehme ich Helligkeit wahr.

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Ich bin blind, taub und stumm. Doch dank verschiedener Sinneszellen finde ich mich im Alltag trotzdem bestens zurecht: Mit den Licht-Sinneszellen, vorne und hinten an meinem Körper, nehme ich Helligkeit wahr. Mit meinem Drucksinn bemerke ich Erschütterungen, und mein Tast- und Gravitationssinn hilft mir bei meinem umtriebigen Tun im Boden. Denn wir Tauwürmer bauen bis zu drei Meter tiefe Wohnröhren in die Erde. Hier lagern wir Laub und Ernterückstände ab. Das ist unser Futter. Da ich zahnlos bin, lasse ich es von Bakterien und Pilzen zersetzen, damit ich es überhaupt aufnehmen kann.

Ich bewege mich auch an der Erdoberfläche. Sicher sind wir uns schon begegnet, im Garten, auf einem Acker oder auf einer Wiese an der Aare. In der Schweiz gibt es rund vierzig verschiedene Regenwurmarten. Ich bin eine davon, messe zwischen zwölf und dreissig Zentimetern und bin gleichmässig braun-rot gefärbt, ausser der vordere Teil meines Körpers, der ist dunkler.

Allgemein finden wir Regenwürmer kaum Beachtung – aber Obacht: Durch meine Tunnelbauten wird die Erde durchmischt, der Boden ­durchlüftet, und das Wasser kann besser fliessen. Mein Kot, der einzig aus Pflanzenmaterial besteht, ergibt wertvollen Dünger. Ich bin also sehr wichtig.

Männchen und Weibchen gibt es von uns Regenwürmern nicht. Wir sind Zwitter. Meine Art paart sich einmal jährlich. Danach lege ich fünf bis zehn Eier ab. Nach einigen Wochen schlüpft mein Nachwuchs.

Ich will die Gelegenheit nutzen, um einen Irrtum aus der Welt zu schaffen: Aus mir werden nicht zwei, wenn man mich halbiert: Im Gegenteil, das ist Mord. Nur im besten Fall überlebt von mir ein Teil – und zwar jener mit meinem Kopf und den wichtigen Organen.

Zauneidechse

Fläzt gerne an der Sonne: Die Zauneidechse.

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Ich bin der Meister des Sonnenbadens. Ob nach der Winterstarre, an einem frischen Sommermorgen oder an heissen Tagen im Halbschatten: Ich finde fast immer ein schönes Plätzchen, um Wärme zu tanken.

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Ich bin der Meister des Sonnenbadens. Ob nach der Winterstarre, an einem frischen Sommermorgen oder an heissen Tagen im Halbschatten: Ich finde fast immer ein schönes Plätzchen, um Wärme zu tanken. Ausser ich bin gerade auf der Jagd nach Käfern oder Heuschrecken – dann kann ich auch ganz schön aktiv sein.

Am liebsten liege ich aber auf der faulen Haut. Steine eignen sich am besten zum Sünnele, sie gehören zu meinen Lieblingsplätzen. Am besten sind Trockenmauern aus Steinen, darin kann ich mich richtig gut verstecken.

Fressfeinde habe ich viele, Katzen zum Beispiel. Sie jagen mich, spielen mit mir und lassen mich dann tot liegen. Ökologen warnen mittlerweile sogar davor, den Stubentiger rauszulassen.

Ziemlich doof ist es übrigens, dass man mich als Männchen auf den grauen Steinen ziemlich gut sieht. Vor der Paarungszeit im April trage ich nämlich ein leuchtend grünes Schuppenkleid. Dieses lege ich nach dem Liebesakt jedoch wieder ab – und sonne mich in meinem gewohnten beigen Gewand.

Schleiereule

Eine Mäusejägerin: Die Schleiereule.

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Was ihr Menschen euch nicht alles zusammengereimt habt zu uns Eulen! Und besonders zu uns Schleiereulen, weil wir oft sehr nahe bei euch wohnen, im Dachstock einer Scheune in der Nähe der Aare zum Beispiel. Weise sei ich, so sagt ihr – das mag meinetwegen stimmen.

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Was ihr Menschen euch nicht alles zusammengereimt habt zu uns Eulen! Und besonders zu uns Schleiereulen, weil wir oft sehr nahe bei euch wohnen, im Dachstock einer Scheune in der Nähe der Aare zum Beispiel. Weise sei ich, so sagt ihr – das mag meinetwegen stimmen.

Aber ihr behauptet auch, mein Rufen künde den Tod an. Oder ich sei ein dämonischer Vogel, ein Hexenbote. Das sind alles haltlose Unterstellungen. Nur, weil ich nachts unterwegs bin und zische und schnarche, heisst das nicht, dass ich böse bin. Das Märchen «Die Eule» der Brüder Grimm bringts auf den Punkt: Darin fackeln Dorfbewohner eine Scheune ab, weil sie Angst vor einer Eule haben. Dabei hatte die sich doch nur dort versteckt, weil sie selbst Angst vor anderen Vögeln hat.

Eigentlich müsstet ihr mich ja als Vogel der Liebe bezeichnen. Ich kenne jedenfalls kein anderes Tier, dessen Gesicht die Form eines Herzens hat. Meinem weissen Gesichtsschleier verdanke ich auch meinen Namen. Ausserdem segle ich mit meiner Spannweite von etwa 90 Zentimetern lautlos in der Dunkelheit heran.

Gilt das nicht auch manchmal für die Liebe, die einen plötzlich überrascht, weil sie schon immer da war, ohne dass man sie wahrgenommen hat? Aber ihr interpretiert meinen Flug ja lieber als gespenstisch. Wobei ich zugeben muss: Die Mäuse, die ich jage, finden es wahrscheinlich auch nicht besonders romantisch, wenn ich plötzlich da bin.

Selber bin ich in der Liebe übrigens recht spendabel, lege mich aber nicht gerne fest. Wenn ich mich mit mehreren Partnern paaren kann, packe ich diese Gelegenheit beim Schopf. Obschon ich sonst eher eine Einzelgängerin bin. Es ist auch wichtig, dass ich mich möglichst eifrig vermehre. Denn ich gelte als potenziell gefährdet. Unter anderem, weil ihr im Ackerbau Pestizide einsetzt, die meinen Beutetieren und somit mir zusetzen. Nicht sehr weise, finde ich.

Schachbrettfalter

Fan des Sommers: Der Schachbrettfalter.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Fliegen – das mache ich am liebsten. Während meiner Flugphase, in den Sommermonaten von Ende Juni bis August, bin ich stetig in Bewegung.

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Fliegen – das mache ich am liebsten. Während meiner Flugphase, in den Sommermonaten von Ende Juni bis August, bin ich stetig in Bewegung. Wenn es nicht zu stark windet, kann ich sogar etliche hundert Meter zurücklegen.

Die Männchen halten während ihrem Flug Ausschau nach frisch aus dem Kokon geschlüpften Weibchen, die sie begatten können. Und uns Damen lockt vor allem der Duft von Flockenblumen und Kratzdisteln.

Mich und meine Flügelpracht – ein schwarz-weisses Muster, das eben an ein Schachbrett erinnert – findet man überall in der Schweiz. In den Bergen, nahe der Städte, an der Aare: Hauptsache, es gibt eine grosszügige, ungemähte Wiese mit vielen Blumen.

Unsere Flugeslust geht so weit, dass wir Weibchen nicht einmal zum Ablegen der Eier landen. Stattdessen werfen wir sie einfach während dem Flug ab. Es handelt sich um richtige Brocken, verglichen mit den Eiern von anderen Schmetterlingen.

Das muss so sein: Grosse Eier bedeuten mehr Energie, welche die Raupen mitnehmen können. Und Energie brauchen unsere Kleinen, da sie direkt nach dem Schlüpfen in den Winterschlaf übergehen - ohne sich vorher noch einmal vollzufressen.

Tigerschnegel

An ihr haben Hobbygärtner Freude: Die Tigerschnegel.

Foto: PD

Für die meisten Gartenlieb­haber sind wir Schnecken ein Schreck. Schädlinge, die Pflanzen anfressen und sich schnell vermehren.

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Für die meisten Gartenlieb­haber sind wir Schnecken ein Schreck. Schädlinge, die Pflanzen anfressen und sich schnell vermehren. Bei mir ist das aber etwas anders: Ich gelte als Nützling, und so ziemlich jeder Hobbygärtner kann froh sein, mich in seinem Beet zu haben.

Nicht nur wegen meiner wunderschönen Färbung, die – wie mein Name schon verrät – an einen Tiger erinnert. Sondern vielmehr, weil ich mich gern von anderen Schnegeln, wie etwa der Nacktschnecke, oder deren Eiern ernähre. Eine Win-win-Situation also.

Zu sehen bekommen werdet ihr mich aber wohl nie: Ich bin nachtaktiv und verstecke mich tagsüber gekonnt in den Blättern. Bekommt ihr mich trotzdem mal zu Gesicht, werdet ihr sicher staunen. Für eine Schnecke bin ich mit bis zu 20 Zentimetern Länge nämlich geradezu riesig.

Falls ihr euch an mir erfreuen wollt, rate ich jedoch, auf Schneckengift zu verzichten. Das ist nämlich nicht nur für mich und die anderen Schnegel gefährlich, sondern auch für andere nützliche Gartenbe­wohner. Und hey, habt ihr mich, braucht ihr es ja eh nicht mehr.

Waschbär

Immer auf der Suche nach etwas Essbarem: Der Waschbär.

Foto: Urs Baumann

Man nennt mich diebisch und hinterlistig. Tatsächlich be­diene ich mich gerne an euren Mülltonnen; als Allesfresser sind die für mich fast wie ein Buffet.

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Man nennt mich diebisch und hinterlistig. Tatsächlich be­diene ich mich gerne an euren Mülltonnen; als Allesfresser sind die für mich fast wie ein Buffet. Verurteilen dürft ihr mich dafür aber eigentlich nicht – immerhin seid ihr Menschen mittlerweile fast überall zu Hause.

Ich hingegen bin in der Schweiz fehl am Platz. Ursprünglich stamme ich aus Nordamerika, wegen meines weichen Fells hat man mich aber in Pelzfarmen gezüchtet. So auch in Europa.

Meine ersten hiesigen Vorfahren sind wahrscheinlich aus diesen Farmen ausgebrochen oder wurden ausgesetzt. Zum Glück sind wir sehr anpassungsfähig, weshalb sie sich rasch zurechtfanden. Auch entlang der Aare wurde ich schon gesichtet – etwa unterhalb des Bielersees.

Meine Vergangenheit ist durch die lange Gefangenschaft geprägt. Auch mein Name stammt daher: In freier Natur wühlen wir gerne mit den Händen im Flussbeet, auf der Suche nach leckeren Krebsen. Im Käfig fehlt das aber, weshalb wir dort – sozusagen aus Nostalgie – angefangen haben, das Futter unters Wasser zu halten. Fast so, als würden wir es waschen.

Bergpieper

Brüter nur etwa zwei Wochen: Der Bergpieper.

Foto: PD

Ich mag die Höhe. Deshalb trifft man mich auch nicht am Thunersee oder in der Stadt Bern an, sondern erst so ab 1200 Meter über Meer – beispielsweise im Quellgebiet der Aare.

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Ich mag die Höhe. Deshalb trifft man mich auch nicht am Thunersee oder in der Stadt Bern an, sondern erst so ab 1200 Meter über Meer – beispielsweise im Quellgebiet der Aare. Rund um Grimselpass und Finsteraarhorn fühle ich mich wohl. Hier, auf den kargen, felsigen und trotzdem feuchten Weiden finde ich einen Platz für mein Nest – das ich als Weibchen übrigens ganz allein baue. Auch genügend Insekten und Spinnen gibt es dafür, meine Kinder über die Runden zu bekommen.

Wobei, das mit dem Nachwuchs ist bei uns Bergpiepern so eine Sache. Eigentlich möchten wir das Nest pro Jahr zweimal mit Eiern füllen – hoch oben sind die Sommer aber kurz. Das gelingt uns also nur, wenn das Wetter mitspielt. Sehr häufig scheitern wir aber bereits am ersten Versuch.

Bei uns geht es schnell: Für das Ausbrüten der Eier brauche ich nur etwa zwei Wochen. Und nach weiteren zwei Wochen sind meine Kleinen schon bereit, das Nest zu verlassen. Entsprechend häufig kommen wir in den Schweizer Alpen vor. Und auch wenn wir die Höhe sehr mögen: Den Winter verbringen wir dann doch lieber im Tal, wo es etwas wärmer ist. Am liebsten wieder irgendwo entlang der Aare.

Gemeiner Holzbock

Mag Blutmahlzeiten: Der Gemeine Holzbock.

Foto: Markus Hubacher

Schwimmst du gerne in der Aare? Ich schwimme auch gerne – und zwar in dir. Mit meinen beiden Kieferklauen ritze ich deine Haut auf.

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Schwimmst du gerne in der Aare? Ich schwimme auch gerne – und zwar in dir. Mit meinen beiden Kieferklauen ritze ich deine Haut auf. Dann schiebe ich die Klauen in dich hinein und führe sie zur Seite – wie du beim Brustschwimmen. Und beginne mit meiner Blutmahlzeit.

Ich weiss, du magst mich nicht. Und manchmal mache ich dich auch krank. Die Hälfte von uns Zecken trägt den Borreliose-Erreger in sich, ein paar wenige auch ein Virus, das zu einer Hirnhautentzündung führen kann. Doch da hast du halt Pech gehabt. Denn wir Gemeinen Holzböcke, die in Mitteleuropa häufigste Zeckenart, brauchen dein Blut. Um daran zu gelangen, lauere ich manchmal monatelang auf einer Pflanze an der Aare und warte darauf, dass du mit nackten Beinen an mir vorbeistreifst. Dann lasse ich mich auf dich fallen – und beginne zu saugen. Besonders aktiv bin ich im Frühling und jetzt im Herbst.

Du bist übrigens meistens das Dessert in meinem bis zu drei Jahre dauernden Leben. Die Vorspeise nehme ich ganz jung, als sechsbeinige Larve, zu mir. Dann hänge ich mich häufig an eine Maus, bis ich vollgesogen bin. Am Boden häute ich mich zu einer Nymphe mit acht Beinen und suche mir zur Hauptspeise oft nochmals ein Nagetier oder einen Vogel. Nach dieser Mahlzeit häute ich mich erneut und bin nun eine erwachsene Zecke. Nun lauere ich auf grössere Tiere. Auf einen Hirsch, auf deinen Hund. Oder eben auf dich. Dass du da bist, merke ich an deinem Atem oder deinem Schweiss.

Als Weibchen bin ich grösser als ein Männchen, nämlich bis zu vier Millimeter. Und anders als bei den Männchen ist mein Rücken nur zum Teil mit einem harten Schild bedeckt, damit ich in meinem dehnbaren Körper mehr Platz für dein Blut habe. Bis zu eineinhalb Zentimeter gross bin ich, wenn ich satt bin. Dann suche ich einen Partner. Doch manchmal findet mich bereits ein Männchen, wenn ich noch am Essen bin. Und begattet mich während der Mahlzeit. Danach kann ich mehrere Tausend Eier ablegen, bevor ich sterbe. Eier, aus denen Larven schlüpfen, die dir irgendwann wieder auflauern werden.

Gelbbauchunke

Ihr Hautsekret ist giftig: Die Gelbbauchunke.

Foto: BOM/Jan Ryser

Siehst du mich in einer Pfütze, denkst du wahrscheinlich, ich sei ein Stein. Keine fünf Zentimeter bin ich gross, und mein lehmbrauner Rücken mit seiner warzigen Haut ist die perfekte Tarnung.

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Siehst du mich in einer Pfütze, denkst du wahrscheinlich, ich sei ein Stein. Keine fünf Zentimeter bin ich gross, und mein lehmbrauner Rücken mit seiner warzigen Haut ist die perfekte Tarnung. Erst wenn du mich auf den Rücken drehst, siehst du, weshalb ich Gelbbauchunke heisse: Mein Bauch ist gelb und schwarz bis bläulich gefärbt.

Meine Eltern bleiben gern an ihrem Standort. Ich als junge Unke jedoch liebe es, kilometerweit zu wandern und neue Gebiete zu erobern. Der Boden muss genügend feucht sein, wie an der Aare, damit ich mich niederlasse. Auch Verstecke sind mir wichtig. Diese finde ich unter herumliegendem Holz oder im lockeren Wald­boden. Dorthin fliehe ich, wenn mich Vögel oder grosse Lauf­käfer angreifen. Erwischen sie mich doch, haben sie Pech gehabt, denn mein Hautsekret ist hochgiftig und schützt mich. So habe ich gute Chancen, über fünfzehn Jahre alt zu werden.

Ich habe mittlerweile zwei Winter überstanden, und so konnte ich mich dieses Jahr erstmals paaren. Als Weibchen habe ich den ganzen Sommer hindurch bis zu 200 Eier in mehreren Etappen in flachen Gewässern an Pflanzen geklebt. Nach ein bis zwei Monaten schlüpfen daraus Kaulquappen.

Weil immer mehr Flüsse verbaut und Feuchtgebiete trockengelegt wurden, gelte ich heute in der Schweiz als gefährdet. Noch immer finde ich aber an der Aare Auen, die nicht das ganze Jahr über mit Wasser gefüllt sind. Das ist für meine Kaulquappen wichtig, denn so sterben ihre Fressfeinde. Zur Not laiche ich auch in einer Traktorspur, die mit Regen­wasser gefüllt ist. Meine Kaulquappen überleben, wenn das Gewässer für kurze Zeit austrocknet. Deshalb sind solche Orte für sie noch immer sicherer als Teiche, wo Fische sie verschlingen könnten.

Fischotter

Macht den Fischern Konkurenz: Der Fischotter.

Foto: Getty Images/iStockphoto

Die meisten von euch kennen mich sicher nur aus dem Zoo – oder aus dem Internet. Dort kursieren nämlich mittlerweile unzählige Videos von mir.

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Die meisten von euch kennen mich sicher nur aus dem Zoo – oder aus dem Internet. Dort kursieren nämlich mittlerweile unzählige Videos von mir. Die Menschen finden es niedlich, wenn ich auf dem Rücken im Wasser treibe, mit meinem Lieblingskieselstein jongliere oder mit meinen Artgenossen Händchen halte. Wobei wir Letzteres übrigens nur tun, um nicht auseinanderzutreiben.

Aber zurück zum Thema: Früher war ich in der Schweiz sehr weit verbreitet. Irgendwann fingen die Menschen aber an, mich zu jagen. Nicht etwa, weil ich gut schmecke, sondern einfach, damit ich ihnen die Fische nicht mehr wegschnappe. Das kann ich sogar ein wenig verstehen, denn ich bin ein wahnsinnig guter Jäger. So verschwand ich hierzulande fast komplett, seit 1989 gelte ich als ausgestorben.

Aber keine Angst, denn zurzeit feiere ich mein Comeback: Immer mehr Fischotter werden entlang der Aare gesichtet. 2017 erst posierte ein Weibchen mit ihren Jungen für eine Fotofalle, die zwischen Thun und Bern aufgestellt wurde. Zu ver­danken ist meine Rückkehr auch den netten Menschen, die sich für mich einsetzen. Aber bitte nicht wieder ein­geschnappt sein, wenn euch wegen mir der eine oder andere Fisch durch die Lappen geht. So ist es nun mal im Leben: der Cleverste gewinnt.

Publiziert: 03.08.2020, 15:12

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Nicki

04.08.2020

Wunderschöne Bilder, vielen Dank.