Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr?

Mit der Watch GT 3 bleibt Huawei dem Konzept der Vorgänger treu: Mit der neuen Fitnessuhr möchte der chinesische Hersteller Trägerinnen und Träger endlich die Vorzüge einer Smartwatch genießen lassen. GIGA-Redakteurin Sarah beschreibt im ausführlichen Test, wie gut das gelungen ist.

Ich muss gestehen, dass ich bei dem Thema Smartwatches etwas spät dran bin. Die huawei watch gt 3 ist die erste Smartwatch, die ich jemals an meinem Handgelenk getragen habe. Bisher war ich eher ein Fan analoger Uhren, um meine Handy-Zeit nicht ständig mit einem angeblich bloßen Blick auf die Uhrzeit in die Höhe zu treiben. Doch da mich die Smartphones von Huawei bisher immer überzeugt haben, hat mich nun auch die neue Smartwatch interessiert.

Huawei Watch GT 3: Fazit und Wertung

GIGA-Wertung: 7.9 / 10

Gegenüber der GT 2 ist wohl die größte Neuerung des Nachfolgers vor allem das Betriebssystem und die Möglichkeit, Apps von Drittanbietern herunterzuladen. Die Huawei Watch Gt 3 lohnt sich daher für alle, die nach einer Smartwatch mit Fitness-Schwerpunkt suchen. Wenn man sich von der zögerlichen Touch-Funktion nicht aus der Ruhe bringen lässt, machen die verschiedenen Tracking-Funktionen auf jeden Fall Spaß. Ebenso wurde bei der Akkuleistung wirklich nicht zu viel versprochen.

Obwohl gegenüber der Watch 3 Pro viel an dem Betriebssystem HarmonyOS 2.1 geschraubt wurde, ist es immer noch nicht ausgereift. Man sollte sich bewusst sein, dass es weiterhin einiger Updates bedarf und einzelne Apps erst nach und nach auf den deutschen Markt kommen. Doch bei all diesen Punkten finde ich den Preis von knapp 250 Euro wirklich fair.

Vorteile:

Nachhaltige VerpackungSchnelle und einfache EinrichtungScharfe und helle AnzeigeApp-Installation dank HarmonyOS 2Überragende Akkuleistung

Nachteile:

Software und Bedienung stellenweise unausgereiftUngenaue Angabe zur WasserdichtigkeitEnglische Sprachausgabe

Huawei Watch GT 3 46mm Smartwatch

Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 24.11.2021 18:58 Uhr

Verpackung nach dem Motto „Weniger ist mehr.“

Die GT 3 kommt in einem schwarz-goldenen Karton an, der nicht nur auf den ersten Blick hochwertig aussieht, sondern bei dem Huawei auf nachhaltige und recycelbare Verpackung geachtet hat. Es gibt nur ein Plastiktütchen und das ist kompostierbar. Der Verpackungsmüll ist also begrenzt – ein Punkt, der auf mich bereits einen guten ersten Eindruck gemacht hat.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Für die Smartwatch gibt es nicht nur hinsichtlich des Gehäuses unterschiedliche Designs, sondern bei der Uhrenanzeige habt ihr ebenso eine große Auswahl (Bild: GIGA).

Neben der Smartwatch findet ihr beiliegend eine Bedienungsanleitung, die fast hinfällig ist, da die Smartwatch bereits einsatzbereit ist und Nutzerinnen und Nutzern die Einrichtung sehr leicht macht, aber dazu später mehr. Außerdem wurde eine magnetische Ladestation mit USB-C-Anschluss beigelegt, auf die ihr die Uhr auflegen könnt. Das Ladekabel wird ohne Netzteil geliefert, sprich einen entsprechenden Stecker sollte man bereits besitzen. Falls nicht: Das Anker Power Port Mini käme in Frage.

Anker PowerPort Mini: Wandladegerät mit zwei Anschlüssen (USB-A)

Preis kann jetzt höher sein. Preis vom 24.11.2021 19:27 Uhr

Apropos: Falls ihr die kleine Ladestation einmal vergessen oder verloren haben solltet, gibt es die Möglichkeit, die Uhr über euer Smartphone aufzuladen, sofern es über die Funktion umgekehrtes kabelloses Aufladen verfügt. Bei Huawei-Smartphones ist das seit dem Huawei Mate 20 Pro möglich.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Mit der magnetischen Unterseite lässt sich die Smartwatch auf die kleine Ladestation auflegen und dank USB-C-Stecker innerhalb weniger Stunden aufladen (Bild: GIGA).

Unterschiedliche Designs je nach Nutzung

Kommen wir zu der Uhr selbst: Huawei unterscheidet wie üblich bei den Modellen zwischen einem 42 mm (1,32 Zoll) und 46 mm (1,43 Zoll) großen Gehäuse. Ich trage derzeit die 46 mm große schwarze Active Edition. Dieses Armband wird aufgrund des Materials gerade für Sport angeraten. Wiederum sorgen neben dem sportlichen Look ein Lederband (in braun und weiß erhältlich) und ein Metallband für einen eleganten Auftritt.

Zudem besitzt die größere Version ein ganzes Stück mehr Leistung als der kleine Bruder. Obwohl die beiden Modelle lediglich 4 mm Ziffernblatt-Diagonale unterscheidet, ist die Differenz bezüglich des Akkus enorm: Nutzt man die 46 mm große Uhr für „nur für das Nötigste“ (laut Hersteller: aktivierte Nachrichtenbenachrichtigung, 30 Minuten Bluetooth-Anrufe und Musikwiedergabe pro Woche, Herzfrequenzmessung, aktivierter Schlafmodus, 90 Minuten Training pro Woche, Display 200 mal am Tag aktiviert.) soll der Akku volle 14 Tage halten, dagegen werden für die 42 mm unter denselben Bedingungen lediglich sieben Tage angegeben.

Doch bevor ich weiter auf das Innenleben des kleinen Alltagshelfers eingehe, noch ein paar Worte zum Tragegefühl: Die Uhr ist groß, sehr groß. Da ich ein schmales Handgelenk habe, geht die Smartwatch über die gesamte Breite und sieht somit bei mir recht klobig aus. Ich nehme an, dass selbst die kleinere Variante mit 42 mm wenig Unterschied machen würden. Davon abgesehen geht die Größe mit dem Gewicht einher: Mein Modell bringt laut Hersteller bereits ohne Armband stolze 42,6 g auf die Waage und das merkt man.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? An die Größe der Smartwatch muss man sich erst einmal gewöhnen (Bild: GIGA).

Kinderleichte Einrichtung, aber eigenwillige Touch-Funktion

Wie schon erwähnt, ist die Einrichtung der GT 3 keine Hexerei, ganz im Gegenteil. Die Smartwatch weist die Trägerinnen und Träger sogleich per QR-Code an, die App „Health“ herunterzuladen, mit der man die Smartwatch aktiviert. Die App ist ein unerlässliches Tool, da man mit ihr im Prinzip alles steuern und die von der Smartwatch erfassten Daten (Schrittzahl, Herzfrequenz, etc.) nochmals detailliert einsehen kann. Zur App gleich mehr.

Zum Steuern der Uhr nutzt ihr einerseits das Touch-Display. Dieses bietet eine wirklich sehr scharfe und helle Anzeige, unabhängig von Winkel und Sonneneinstrahlung. Jedoch ist die Touch-Sensibilität sehr eigenwillig und funktioniert nicht immer. Bei einer Smartwatch der dritten Generation kann man wirklich mehr erwarten. In der Animation unten könnt ihr sehen, wie das System... naja, eben nicht funktioniert. Gleiches gilt übrigens für die Uhrenanzeige. Huawei hatte da angedacht, dass diese aktiviert wird, sobald der Arm angewinkelt oder angehoben wird, doch da bleibt das Display bei mir bisher oft schwarz.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Man munkelt, dass ich immer noch die Bestätigungstaste klicke (Bild: GIGA).

Falls euch diese Funktionen einmal im Stich lassen sollte, ist das nicht dramatisch, da andererseits eine sogenannte „Krone“ vorhanden ist, die als Home-Button dient. Mit einem Klick auf das Rädchen kommt ihr auf die Uhren-Anzeige und mit einem weiteren Klick auf die App-Auswahl der Smartwatch. Außerdem könnt ihr das Rädchen drehen, um verschiedene Einstellungen vorzunehmen.

Eine weitere Taste unterhalb der Uhr führt euch direkt zum Trainingsmenü der Smartwatch, das keine Wünsche offen lässt. Ihr könnt zwischen zahlreichen Sportarten wählen, die die Uhr dann trackt, von Aerobic über Crossfit bis hin zu Hula-Hoop-Training und diversen Kampfsportarten.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Die Auswahl der Sportarten lässt (fast) keine Wünsche offen (Bild: GIGA).

An dieser Stelle will ich nochmal auf die Wasserdichtigkeit eingehen, die meines Erachtens etwas schwammig formuliert ist. Huawei gibt an, dass die Smartwatch wasserdicht nach Norm 5 ATM (also wasserdicht bis 50 m) ist und zum Schwimmen getragen werden kann. Dennoch sei hoher Wasserdruck zu vermeiden, also Saunen, Warmwasserduschen, Turmspringen und so weiter. Ich finde diese Normierungen etwas verwirrend.

In einem separaten Artikel haben wir euch die verschiedenen ATM-Skalen der Wasserdichtigkeit zusammengefasst. „5 ATM“ erlaubt demnach einen Schweißfilm auf der Haut und Duschen. Einen Duschgang hat die Uhr auf jeden Fall überstanden. Um wirklich sichergehen zu können, gibt es die Funktion „Trocknen“, mit der sich die Smartwatch unter Vibration selbst reinigt.

Dank HarmonyOS 2.1 endlich eine flüssige Software?

Bei der Watch 3 Pro konnte Huawei bereits das Betriebssystem HarmonyOS 2.0 erstmals an einer Smartwatch testen. Während unsere Beurteilung im Test zur Watch 3 Pro nicht sehr positiv ausfiel, bekommen wir mit der Watch Gt 3 den Nachfolger HarmonyOS 2.1 geboten. Man profitiert hier von einer ausgereiften App-Gallery, die es erlaubt, mehrere Apps zu installieren, ebenso von Drittanbietern. Die Installation und Übertragung auf die Smartwatch hat bei mir meist schnell funktioniert, eine weitere Verbesserung zu dem vorherigen Betriebssystem.

Aber: Ich musste bisher jede App doppelt downloaden, einerseits über die Health-App zur Übertragung auf die Smartwatch, andererseits über die AppGallery zur Installation auf meinem Handy. Hier braucht es auf jeden Fall eine einfachere Handhabung.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Bei der Watch GT 3 könnt ihr endlich verschiedenste Apps benutzen (Bild: GIGA).

Wie bereits bei den Vorgängern ist es auch bei der Watch GT 3 möglich, Schlaf, (Haut-)Temperatur und Blutsauerstoff zu tracken. Außerdem bekommt ihr nützliche Tools wie eine Taschenlampe, einen Wecker sowie einen Routenplaner und eine Kamera an die Hand, die ihr zusammen mit dem Smartphone nutzt. Mich persönlich hat gefreut, dass dank HarmonyOS 2.1 unter anderem ein Zykluskalender installierbar ist, sodass ich immer im Blick habe, wann die nächste Periode naht.

Jedoch ist die Huawei Watch GT 3 nicht umsonst eine Fitnessuhr. Entweder kann man sich eine entsprechende App downloaden, um ein Workout zu starten (beispielsweise „Fitify Workouts“ und „Workouts zuhause“) oder die bereits vorhanden Trainingspläne nutzen. Hierbei ist mir negativ aufgefallen, dass trotz deutscher Spracheinstellung die Sprachausgabe während des Trainings in Englisch ist. Dies wurde bereits bei der Watch 3 Pro bemängelt.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Mit der Watch GT 3 habt ihr stets eure Herzfrequenz im Blick (Bild: GIGA).

Überzeugende Akkuleistung und Bluetooth-Verbindung

Mit der Akkuleistung hat Huawei nicht zu viel versprochen. Während ich diesen Text schreibe, trage ich die Uhr bereits eine gute Woche und der Akku ist immer noch bei 52 Prozent. Dabei sei angemerkt, dass ich die Uhr wirklich nur, wie vom Hersteller angegeben, nicht sehr intensiv benutze.

Zudem funktioniert die Bluetooth-Verbindung problemlos, auch über eine längere Distanz. Selbst wenn die Watch GT3 nicht mit dem Handy verbunden ist, zeichnet sie die Tracking-Daten auf, erst für die Synchronisierung Auswertung ist die Bluetooth-Verbindung relevant. Für meine Laufrunde fand ich das sehr praktisch. Da mich die Smartwatch gut gefordert hatte, konnte ich während des Joggens nicht nur die Distanz, sondern ebenfalls meine Herzfrequenz messen, ohne mein Smartphone mitnehmen zu müssen.

Außerdem kann man per Bluetooth Benachrichtigungen empfangen (aber nicht beantworten) sowie Anrufe entgegennehmen. Während ich mir für Ersteres mehr Funktionen für Nutzerinnen und Nutzer wünsche, bleibt die Verbindung während eines Anrufs stabil, lediglich die Qualität klingt ein wenig blechern.

Huawei Watch GT 3 im Test: Mehr Smartwatch als Fitnessuhr? Per Bluetooth verbindet sich die Watch GT 3 mit dem Handy, sodass die Daten mittels der App Health ausgewertet werden können (Bild: GIGA).

Via Bluetooth ist zusätzlich die Musik steuerbar. Auf der Uhr selbst konnte ich nur die auf dem Smartphone heruntergeladenen Lieder abspielen. Auf Apps wie Spotify kann man nicht direkt mit der Watch GT 3 zugreifen, sondern lediglich die Trackliste steuern. Auch da wären mehr Optionen wirklich wünschenswert.

Übrigens: Ihr benötigt nicht unbedingt ein Android-Smartphone, um die GT 3 zu benutzen. Diese ist ebenfalls mit dem iPhone kompatibel, sofern auf diesem iOS 9.0 oder neuer als Betriebssystem vorhanden ist.

KategorieWertung (max. 10)Design und Verarbeitung8Nachhaltigkeit7Display9Tragekomfort und Bedienung7Software6Fitness-Modi:9Akku9Gesamt7.9