Impfungen in Betrieben Von wegen "Impfturbo"

Impfungen in BetriebenImpfungen in Betrieben Von wegen

Von wegen "Impfturbo"

Stand: 14.07.2021 08:17 Uhr

In Deutschland sind bisher knapp 50 Millionen Menschen mindestens einmal gegen Corona geimpft, die allerwenigsten davon - gut eine Million - durch Betriebsärzte. Dabei galten die anfangs als dritte Säule der Impfkampagne.

Von Lothar Gries, tagesschau.de

Kaum begonnen, schon ist ein Ende absehbar: Gut einen Monat nach dem offiziellen Start der betrieblichen Corona-Impfungen hat die Kampagne ihren Höhepunkt bereits überschritten. "Wir werden noch im Juli in der Mehrzahl der Fälle die Erstimpfungen beenden und mit den Zweitimpfungen beginnen", sagt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband der Betriebsärzte (VDBW) auf Anfrage von tagesschau.de.

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Der erhoffte "Turbo" bleibt aus

Tatsächlich ist der erhoffte "Impfturbo" durch die Betriebsärzte ausgeblieben. Zwar wurden sie noch im Frühjahr als dritte Säule der deutschen Impfkampagne bezeichnet - neben Impfzentren und Hausärzten. Doch der Mangel an Vakzinen sorgte dafür, dass der Start der betrieblichen Impfungen immer wieder verschoben wurde. Auch verfügen längst nicht alle Betriebe über Betriebsärzte.

Während einige Großkonzerne wie BASF im Rahmen von Pilotprojekten bereits im Mai loslegen konnten, durften die meisten Betriebsärzte erst am 7. Juni mit den Impfungen beginnen - sofern sie von den bestellten Lieferungen überhaupt etwas abbekommen hatten. Viele der rund 6300 Betriebsärzte berichteten, dass sie nur sehr schleppend mit Impfstoff versorgt würden. In der ersten Woche waren es gerade einmal 100 Dosen pro Arzt. In der zweiten Woche waren es sogar nur 84. Dabei sollten es ursprünglich zehnmal so viel sein. So impfte der Versicherer Allianz anfangs rund 3500 Beschäftigte pro Woche; man hätte die Zahl nach Konzernangaben aber auf das Dreifache steigern können, hätte genügend Impfstoff zur Verfügung gestanden.

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Viele Beschäftigte haben bereits einen Termin

Zwar sei das Angebot von den Betrieben "gut und sehr dankbar" angenommen worden, doch "eine frühere Einbindung mit verlässlicher Anzahl an Impfdosen wäre besser gewesen", erklärt Wahl-Wachendorf. Dann hätten auch mehr Beschäftigte das Impfangebot angenommen. Angesichts der Verzögerungen wollte ein Großteil der impfwilligen Beschäftigten aber nicht länger warten und hat sich selbst beim Hausarzt oder den Impfzentren einen Termin besorgt. Weil lange Zeit nicht sicher war, wann die Betriebsärzte mit den Impfungen beginnen würden, haben auch viele Unternehmen ihren Mitarbeitern empfohlen, sich eigenständig um einen Termin zu bemühen.

Kein Wunder also, dass die Zahl der Impfungen in vielen Betrieben eher niedrig ausgefallen ist und nach nur einem Monat bereits deutlich nachgelassen hat. So haben die Betriebsärzte für die 29. Kalenderwoche, also vom 19. bis 25. Juli, nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums nur noch 292.500 Impfdosen bestellt. Das sind gut 40 Prozent weniger als jeweils in den beiden Vorwochen. Zudem berichten einige Betriebsärzte inzwischen von einer Überversorgung, erklärt Wahl-Wachendorf, weil sich die Lieferung von Impfdosen weitgehend entspannt habe. Großkonzerne wie der Chemiehersteller Covestro sind deshalb dazu übergangen, auch den Angehörigen ihrer Beschäftigten ein Impfangebot zu machen.

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Offizielle Zahl wohl zu niedrig

Dennoch kann bei den betrieblichen Impfungen von einer dritten Säule der Impfkampagne nicht die Rede sein. Von den knapp 50 Millionen Erstimpfungen in Deutschland kommen nur gut eine Million von den Betriebsärzten. Wahl-Wachendorf weist allerdings darauf hin, dass die offizielle Zahl von einer Million zu niedrig sei, weil ein Großteil der betrieblichen Impfungen nicht von der Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) erfasst werde.

Tatsächlich wurden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bis Anfang Juli fast drei Millionen Impfdosen an die Betriebsärzte ausgeliefert. Auch gebe es für die Zweitimpfungen keinerlei Restriktionen mehr. "Die Betriebsärzte dürfen jetzt soviel bestellen wie sie brauchen", betont der Verband.

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Nur 28 Prozent der Firmen bieten Impfungen an

Dass die Zahl der Impfungen durch die Betriebsärzte insgesamt aber deutlich niedriger ausfällt als der von Hausärzten und Impfzentren, hat allerdings noch eine andere Ursache als die späte Einbindung und den anfänglichen Lieferengpass: Nur rund 28 Prozent der Unternehmen hierzulande bieten ihrem Personal Impfungen gegen Covid-19 an, wie aus einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. Bei größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten trifft dies auf gut die Hälfte (56 Prozent) zu.

Der Umfrage zufolge machen nur zwölf Prozent aller Firmen ihren Beschäftigten Impfangebote. Die allermeisten davon sind kleine und mittelständische Betriebe mit nur wenigen Beschäftigten. Sie können sich in der Regel gar keinen Betriebsarzt leisten. Und 22 Prozent der befragten Firmen halten Impfungen durch Betriebsärzte sowieso für unnötig, da ihre Belegschaft bereits ein Impfangebot außerhalb des Unternehmens bekommen hat.

Betriebsärzte

Impfungen

Bilanz

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juni 2021 um 16:00 Uhr.

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KOMMENTARE

ich1961

14.07.2021 • 17:50 Uhr

13:50 von Tada//Stimmt

13:50 von Tada //Stimmt nicht. Es bleibt nichts liegen, alles ist verplant. Das ist für mich definitiv nicht "mehr als genug".// Bitte mal um seriöse Belege für diese Aussage ! Danke . Meine Infos sind diese : **Lieferungen nach Einrichtung Bis zum Ende der Kalenderwoche 27 am 11. Juli 2021 wurden 96.680.010 Dosen Impfstoff geliefert. Die Lieferungen verteilten sich auf Impfzentren (57.543.862 Dosen) und Arztpraxen (34.780.978 Dosen) und Betriebsärzt:innen (3.641.250 Dosen). Lieferungen nach Hersteller Bis zum Ende der Kalenderwoche 27 am 11. Juli 2021 wurden 96.680.010 Dosen Impfstoff geliefert. Die Lieferungen stammen von den Herstellern BioNTech/Pfizer (66.139.122 Dosen), AstraZeneca (18.172.178 Dosen), Moderna (8.517.280 Dosen) und Johnson & Johnson (3.851.430 Dosen). 96.680.010 Dosen Impfstoff geliefert. 86,1 % dieser Dosen wurden bis 13.07. verimpft. Quelle: "https://impfdashboard.de/"

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