Die besten Werkzeuge im Kampf um schöne Zähne

Zahnersatz ist teuer, dennoch sind viel Menschen träge in Sachen Mundpflege. Vielleicht nicht mehr, wenn man weiß, wer sich in der Mundhöhle von einem Mittagessen oder dem süßen Snack sonst noch so ernährt und verdaut.Die besten Werkzeuge im Kampf um schöne Zähne

Der Generalangriff auf den Zahn startet in dem Moment, in dem er das Zahnfleisch durchstößt und in den Mundraum gelangt: Er kommt in feindliches Terrain. An die 900 Arten von Bakterien hausen hier, bis zu einer Milliarde in einem Milliliter Speichel. Die meisten von ihnen sind harmlos, doch einige können die Zahnsubstanz angreifen und hartnäckige Entzündungen am Zahnfleisch und am Zahnhalteapparat verursachen.

Zudem zerren im Lauf unseres Lebens gewaltige Kräfte an unseren Zähnen. Beim Beißen können Kräfte entstehen, die dem Druck von 80 Kilogramm entsprechen. Wenn das Gebiss es schafft, 50 Jahre lang durchzuhalten, wird es mehr als 20 Tonnen Nahrung zerkleinert haben. Kein Wunder also, dass Zähne und Mundhöhle häufig krank sind. Meist treten folgende Probleme auf:

Karies entsteht.

Das Zahnfleisch entzündet sich (Gingivitis).

Wenn sich der Zahnhalteapparat entzündet, entsteht eine Parodontitis, umgangssprachlich auch als Parodontose bezeichnet.

Die Zahnhälse liegen frei und schmerzen.

Die Zahnsubstanz ist angegriffen, entweder aufgrund des Zähneknirschens oder durch die Säuren.

Was Bakterien ausscheiden, schadet den Zähnen

Bis zur Geburt ist die Mundhöhle steril. Kaum geboren, siedelt sich dort eine Vielzahl verschiedener Mikroorganismen an. Im Lauf der ersten Lebensjahre stellt sich ein Gleichgewicht unter den Bakterienarten ein: Die normale Mundflora ist entstanden. War allerdings zu häufig Zucker in der Nahrung, hat sich ein Übeltäter besonders gut vermehrt können: Streptococcus mutans ist eine der schädlichsten Bakterien im Mund, es zerstört Zähne besonders häufig.

Streptococcus mutans ernährt sich von Nahrungsresten, es wandelt Kohlenhydrate um in Säuren. Die sauren Überbleibsel scheidet das Bakterium wieder in die Mundhöhle aus. Die Mikrobe lebt im Zahnbelag, auch Plaque genannt. Die gelb-weiße Plaque bildet sich aus Bestandteilen des Speichels, aus Nahrungsresten und Zellen vieler unterschiedlicher Bakterien. Hat sich der Belag verdichtet, fühlen sich Kariesbakterien besonders wohl, wüten umso heftiger und scheiden dabei umso mehr Säure aus.

Diese Säure löst die Mineralkristalle aus dem Schmelz. Der Zahn wird porös, und die Säure kann noch tiefer eindringen. Sichtbar wird das an hellen Flecken auf dem Schmelz. Nach einiger Zeit sind diese Stellen mürbe, färben sich dunkel, die Oberfläche bricht ein, und das Loch ist da. "Karies", heißt dann der Befund des Zahnarztes. Spätestens, wenn die Karies bis zum Zahnmark reicht, tut es ziemlich weh.

Zähne richtig putzen

Nur wischen, nicht schrubben

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Zum Zähneputzen empfiehlt sich die so genannte Rüttel- oder Vibrationstechnik: Sie setzen dabei die Bürste in einem Winkel von etwa 45 Grad am Zahnfleischsaum an, sodass die Spitzen der Borsten in den Zahnzwischenraum eindringen. Wenn sie nun mit der Bürste leicht rütteln, spüren Sie das am Zahnfleisch und in den Zahnzwischenräumen. Die Spitzen der Borsten bleiben dabei fest stehen. Wischen Sie die gelösten Beläge von rot (Zahnfleisch) nach Weiß (Zähne) aus.

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Wenn das Zahnfleisch Taschen hat, wird es gefährlich

Parodontitis schmerzt oftmals nicht. Deswegen bleibt sie oft lange Zeit unentdeckt. An dieser Erkrankung leiden etwa 70 Prozent der Erwachsenen und 90 Prozent der Senioren in Deutschland. Bei 35- bis 40-Jährigen ist Parodontitis die häufigste Ursache für einen ausgefallenen Zahn.

Parodontitis entsteht unter anderem, wenn Zahnbelag nicht entfernt wird. Die Ausscheidungen der Bakterien sowie andere Stoffe der Plaque (wie Toxine und Enzyme) irritieren das Zahnfleisch. Es entzündet sich und blutet bei Berührungen. In diesem Stadium heißt die Krankheit Gingivitis und ist noch relativ harmlos. Sie heilt schnell aus, wenn der Zahnarzt die Beläge entfernt.

Bleiben die Beläge liegen, entzündet sich der Zahnfleischsaum weiter, er schwillt an. Weil er prall geworden ist, liegt er nicht mehr am Zahnhals an, sondern er steht ab. In den Spalt rutscht die Plaque hinein, die darin lebenden Bakterien machen sich unter dem Zahnfleischrand, am Zahnhals und auf der Wurzeloberfläche breit. Dann verfestigt sich der Belag, er wird hart. Weil sich das Zahnfleisch nicht mehr an den Zahn anschmiegen kann, bleibt der Spalt ständig offen: Eine Zahnfleischtasche ist entstanden. Dort sammeln sich Essensreste, die weitere Bakterien anlocken, die wiederum immer mehr Plaque aufbauen. Das Zahnfleisch schmerzt und blutet. Im fortgeschrittenen Stadium entsteht ein kräftiger Mundgeruch.

Nun schlägt das Immunsystem Alarm. Es bekämpft die Bakterien mit einer Entzündung: Die körpereigene Abwehr versucht, den Bakterien den Garaus zu machen. Dabei werden aber leider auch der Kieferknochen und die Haltefasern abgebaut. Eine Parodontitis ist entstanden. Der Zahn beginnt zu wackeln, und kann schließlich ausfallen.

Kranke Zähne können auch anderen Teilen des Körpers schaden

Parodontitis ist keine Krankheit, die nur die Mundhöhle betrifft. Die Bakterien können von dort aus über kleine Wunden in den Blutkreislauf gelangen. Mit dem Blut verteilen sie sich im Körper und können an verschiedenen Stellen Schaden anrichten. Es gibt Hinweise, dass eine Parodontitis mit den folgenden Erkrankungen und Störungen zusammenhängt:

Das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, erhöht sich bei Parodontitis.

Die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu bekommen, steigt ebenfalls - um das Vierfache, wie eine Studie der Universität Heidelberg belegt.

Diabetes kann sich verschlechtern, die Betroffenen brauchen mehr Insulin.

Studien deuten darauf hin, dass Schwangere mit Parodontitis eher mit Frühgeburten rechnen müssen und damit, dass ihr Kind weniger wiegt. Die Bakterien regen offenbar die Produktion von Hormonen an, die Wehen auslösen.

Bei Transplantationen besteht die Gefahr von Infektionen.

Riskant ist Parodontitis offenbar auch für Menschen mit künstlichen Herzklappen und eingesetzten Hüftgelenken. Auf den Oberflächen der Implantate können sich die Bakterien ähnlich gut ansiedeln wie auf Zähnen.

Um den Bakterien der Mundflora nicht unrecht zu tun: Nicht nur sie, auch unsere Lebensgewohnheiten machen den Zähnen zu schaffen. So können Rauchen und Stress die schädlichen Prozesse in der Mundhöhle verstärken. Wer dann auch noch mit den Zähnen knirscht, erhöht das Risiko von Zahnschäden nochmals.

Zahnbürste, Zahnseide, Spülungen - die Werkzeuge im Kampf um gesunde Zähne

Um den Bakterien im Mund die Lebensgrundlage zu entziehen, ist die Zahnbürste nicht die einzige, wohl aber die wichtigste Waffe im Arsenal im Kampf um gesunde Zähne. Und Disziplin. Irgendwie im Mund herumzuschrubben, genügt nicht. Außenseite, Innenseite und Flächen sollten mit Sorgfalt "gewischt" und nicht "geschrubbt" werden. Mindestens zwei Minuten mit einer fluoridhaltige Zahnpasta, um zusätzlich den Schmelz zu härten.

Danach kommt die Zwischenraumbürste zum Einsatz. Die kleinen Bürsten gibt es auch als Silikon- oder Holzstifte. Dieses Feinwerkzeug erreicht wunderbar die Zahnzwischenräume, die Rückzugsgebiete von Speiseresten und Bakterien. Saubere Zwischenräume sind sie fast schon die halbe Miete. Wer möchte, kann mit Zahnseide dann noch die Fläche zwischen den Zahnhälsen reinigen.

Zwei Mal gute zwei Minuten täglich mit Bürste und Zwischenraumpflege sind das beste Investment für die Zahngesundheit überhaupt. Wer dann noch nach den Mahlzeiten oder dem süßen Snack kurz putzt, hat die Karies meist gut im Griff.

Rüdiger Braun/ Sven Rohde

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