Deus ex Machina

Viele Menschen habe Angst vor Krebs. Und sie haben Recht damit, denn etwa 26% der Menschen in Deutschland sterben an Krebs. Der Rest stirbt natürlich auch irgendwann, wahrscheinlich an Herz-Kreislauferkrankungen (39%). Aber nichts fürchten die Menschen so sehr wie den Krebs. Demenz und Herzinfarkte werden mit Galgenhumor weg gelacht, die eine Erkrankung vergäße man eh, die andere kriegt man angeblich kaum mit. Beides ist falsch. Wer in die flehenden Augen Demenzkranker sieht, die ihre Enkel nicht mehr erkennen oder wer eine Patientenverfügung unterschreibt, weiß, dass es andere schlimme Möglichkeiten gibt, aus dem Leben zu scheiden.Deus ex Machina

Trotzdem ist gerade Krebs ein Schreckensgespenst. Alles ist entweder krebserregend (das, was Spaß macht) oder schützt vor Krebs (das, was langweilig ist). Ich habe lange gelernt, neutral auf das Thema Krebs zu schauen. Nicht, dass ich nicht auch um Verwandte und Freunde bange, die von der Krankheit betroffen sind, aber wir Krebsforscher haben eben auch andere Erfahrungen gemacht. Wenn man daran forscht, wenn man buchstäblich auf Krebszellen hinabschaut, dann verliert das Gespenst ein wenig von seinem Schrecken.

Die Hälfte aller Krebspatienten können heute geheilt werden, sagte Otmar Wiestler, ehemaliger Chef des Deutschen Krebsforschungszentrum und jetzt Präsident der Helmholtz Gesellschaft. Dabei sollte man sich auch vor Augen halten, dass viele Menschen eine Krebsdiagnose in einem bereits höheren Alter bekommen. Viele Menschen leben auch sehr lange

mit

Krebs.

Aber die Angst ist da. Sie dient derzeit wieder zur Abschreckung, zur emotionalisierten Debatte. Über die Zulassung von Glyphosat zum Beispiel. Die Abstimmung über die Neuzulassung von Glyphosat durch die EU-Kommission, die für letzten Montag geplant war, verlief jedoch ohne Ergebnis. Auch wenn die meisten Landesvertreter sich vorher noch für eine Verlängerung aussprachen, zögern sie die Entscheidung nun hinaus. Denn diverse Gruppen sind dagegen, sie halten Glyphosat für krebserregend und selbst in winzigsten Mengen für gefährlich. Dabei wäre es eigentlich nicht zu erwarten, dass Glyphosat bei sachgerechter Verwendung Krebs erzeugt. Nutzt man das Herbizid nicht als Badezusatz sondern zur Unkrautvernichtung, werden die zulässigen Grenzwerte beim Endverbraucher nicht überschritten. Besonders absurd aber ist es, wenn winzige Rückstände von Glyphosat in einer bereits von sich aus krebserregenden Substanz nachgewiesen wurden, dem Bier. Das war wieder ein herber Schlag für die deutsche Seele. Man fragt sich, ob ein Nachweis von Glyphosat in Cornflakes ähnlich gewirkt hätte.

Aber welche Faktoren begünstigen eigentlich Krebs? Da ich mich in meiner Doktorarbeit damit beschäftigt habe, wurde ich das des Öfteren gefragt. Das ist keine so einfache Frage – nicht weil ich die Antwort nicht wüsste, sondern weil diese verstörend ist. Denn Krebs entsteht vor allem durch das Leben an sich.

Unser Erbgut, die DNA, ist ein sehr robustes Molekül, das dennoch anfällig für Fehler ist. Ein Teil dieser Fehler sind Schäden, molekulare Veränderungen der DNA, die so nicht vorgesehen sind: Kleine Hubbel, falsche Verbindungen und sogar die gänzliche Durchtrennung der Stränge. Eine einzelne Zelle erhält bis zu 100000 dieser Schäden pro Tag, aber sie kann damit umgehen. Zumeist kann sie den Schaden selbst reparieren und wenn nicht, schaltet sie sich selbst aus. Werden diese Schäden aber nicht repariert und der Selbstabschaltungsmechanismus funktioniert nicht, kann sich das Erbgut verändern. Passiert das an der falschen Stelle unserer 22500 Gene, kann das, mit vielen weiteren Zwischenschritten, zu Krebs führen.

Zu diesen Schäden führt zum Beispiel Strahlung, wie durch UV-Licht und ionisierende (radioaktive) Strahlung. Letztere gibt es übrigens überall, nicht nur in Tschernobyl und Fukushima, dort sind die Werte nur viel höher. Ein weiterer Schadensverursacher ist der Sauerstoff. Simples Atmen schädigt unser Erbgut. Das ist schlecht, denn wir haben uns an den Sauerstoff gewöhnt und die Entzugserscheinungen sind immer tödlich. Es ist auch vor allem der Stoffwechsel an sich, der unserem Erbgut zu schaffen macht. Dadurch entstehen besonders reaktive Sauerstoffverbindungen, die unsere DNA angreifen.

Und dann gibt es noch Zellgifte. Diese sind, wie der Name schon sagt, den Zellen nicht freundlich gesonnen. Oft greifen auch sie in die DNA ein und schaffen oder kappen Verbindungen, wie sie gerade lustig sind. Das kann man nutzen, um ungewollte Zellen – wie eben Krebszellen – zu töten. Allerdings ist keine Wirkung ohne Nebenwirkung, daher bekommen auch andere Zellen etwas davon ab.

Schäden in der DNA können auch zu Ablesefehlern führen. Bei der Zellteilung können dann fehlerhafte Kopien erstellt werden. Diese fehlerhaften Kopien können natürlich auch einfach zufällig entstehen. Und je häufiger sich eine Zelle teilt, desto öfter können diese Fehler natürlich passieren. Auch diese Fehler können unter gewissen Umständen wieder dazu führen, dass Krebs entsteht.

Es müssen aber viele Dinge zusammen kommen, damit Krebs entstehen kann. Die Zelle muss bestimmte Veränderungen durchlaufen, damit sie sich kontinuierlich teilen kann, sie muss resistent gegen die programmierte Selbstabschaltung sein und auch gegenüber dem Immunsystem. Sie muss einen Weg finden, sich immer wieder zu teilen, dazu benötigt sie Nährstoffe und für diese benötigt sie wiederum Blutgefäße. Außerdem muss sie, um ein bösartiger Tumor zu werden, ihre Saat weiter streuen, also Tochtergeschwulste ausbilden.

Natürlich ist es wichtig abzuklären, welche Substanzen die Entstehung von Krebs begünstigen könnten. Allerdings wird man wenig finden, was nicht in irgendeiner Form und Dosis krebserregend ist. Das bedeutet, man muss Grenzwerte festlegen, bis zu denen eine Substanz als nicht schädlich gilt. Trotzdem erwecken Klassifizierungen wie „wahrscheinlich krebserregend“ die Angst vor dem Risiko, selbst wenn die Grenzwerte deutlich unterschritten bleiben.

Fehlerhafte Risikobewertungen entstehen vor allem dann, wenn der Stoff um den es geht irgendwie fremd und komisch ist. Mittlerweile gibt es Leute, die nichts mehr essen, was sie nicht aussprechen können. Würden diese nun „die Tomaten von den Augen“ nehmen, würden sie auch in diesen komische, aber absolut natürliche Inhaltsstoffe wie Glykolalkaloide oder Chlorogensäure entdecken. Vollkommen einfach auszusprechendes und natürlich vorkommendes Belladonna würde ihnen zwar auch die Augen öffnen, könnte aber ungewollte Nebeneffekte haben.

Die Bewertung und Einschätzung von Risiken basieren auf statistischen und dadurch sehr abstrakten Methoden. Andererseits ist deren Wahrnehmung von Gefühlen und nicht von Wissen gelenkt. Alles Fremde ist erstmal schlecht. Dies wird von Aktivistengruppen gerne und viel ausgenutzt. Sachliche Argumente gehen in emotionalen Debatten stets unter. Wer jedoch ohne Grundlage Ängste schürt, hat vielleicht auch gar keine sachlichen Argumente.

Die Frage ist allerdings auch, inwiefern wir auf unser Krebsrisiko überhaupt Einfluss nehmen können. Mittlerweile gehen einige Forscher davon aus, dass Krebs vor allem durch eines entsteht: Pech. An der Debatte um Rotes Fleisch konnten wir sehen, wie geringfügig unsere Lebensweise das Krebsrisiko beeinflusst. Wer sein Krebsrisiko gering halten will, sollte möglichst aufhören zu rauchen, sein Gewicht in einem normalen Rahmen halten und am besten nicht alt werden.

Wir haben lange versäumt, zu lernen Risiken zu verstehen. Wir haben verpasst die Deutung von Wahrscheinlichkeiten verständlich zu vermitteln. Dies rächt sich nun damit, dass kaum eine Diskussion rational geführt wird. Geschürten Ängsten wird medial mehr Raum gegeben als den Fakten, die diese beruhigen könnten. Denn emotionale Aufrufe bekommen mehr Aufmerksamkeit, mehr Klicks, mehr Likes. Vermutlich können wir aber bloß mit unserer Ohnmacht nicht umgehen, irgendwann an einer uns kaum verständlichen Krankheit sterben zu müssen. Wir projizieren unsere Existenzialangst auf externe Sündenböcke, um uns selbst davon abzulenken, dass wir irgendwann den Löffel abgeben müssen.

Stattdessen sollten wir die Forderung von Verboten kritisch hinterfragen. Denn was ist denn die Folge von Verboten? Welchen Ersatz gibt es, wenn bestimmte Dinge verboten werden? Emotionale Debatten neigen dazu, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, und sich vollkommen von den eigentlichen Tatsachen zu entfernen. Dem kann man nur begegnen, wenn mehr Aufklärergeist durch die Medien fließt, statt skandalgetriebener Inquisition.

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Krebs und Glyphosat - Die Angst vor dem Unbekannten

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Anna Müllner

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178 Lesermeinungen

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Renate Simon

sagt:

10. Juni 2016 um 20:29 Uhr

???“Außerdem muss sie, um ein bösartiger Tumor zu werden, ihre Saat weiter streuen, also Tochtergeschwulste ausbilden.”

Eine Zelle mutiert zu einem bösartigen Tumor, der aber nicht zwangsläufig streuen muss. Ihre Aussage halte ich daher für sehr irreführend.

Anna Müllner

sagt:

10. Juni 2016 um 22:23 Uhr

Eine sich verändernde Zelle ist noch kein Tumor. Das passiert eigentlich ständig. Diese Zellen sterben aber von selbst ab oder werden vom Immunsystem beseitigt. Sammeln sich die veränderten Zellen an sind sie erst einmal ein “gutartiger” Tumor – je nach Ort und Stelle sind sie aber nicht harmlos. Bildet der Tumor Tochtergeschwulste ist er ein bösartiger Tumor. Da ein Tumor wahrscheinlich aus einer einzelnen sich veränderten Zelle stammt, die sich aber weiter teilt ist das schon so richtig. Ich hoffe ich konnte die Verwirrung aufklären.

Renate Simon

sagt:

10. Juni 2016 um 22:47 Uhr

danke, aber noch nicht ganzdenn unter Streuung des Krebses verstehe ich Metastasen, die aber nicht zwangsläufig entstehen müssen. Wie der Volksmund sagt, der Krebs hat gestreut und meint eben Metastasenbildung, die sich an völlig anderer Stelle als die Muttergeschwulst befindet.Insofern ist der Ausdruck “streuen” vielleicht etwas unglücklich gewählt.

Aber sei’s drum, ich habe zwei an Krebs erkrankte Menschen bis zum Tod begleitet, es ist ein Scheißspiel.

Was mir Glyphosat nun nicht sympathischer macht, das mag an meiner herzhaften Abneigung zu Monsanto liegen.

Anna Müllner

sagt:

10. Juni 2016 um 23:00 Uhr

Ja, Tochtergeschwulste ist das deutsche Wort für Metastasen. Ich hatte gehofft darunter kann man sich besser vorstellen was gemeint ist.Das Patent von Monsanto an Glyphosat ist übrigens schon lange ausgelaufen. Daher gibt es das mittlerweile von vielen Anbietern.

Renate Simon

sagt:

10. Juni 2016 um 23:55 Uhr

Die Patentsituation ist mir bekanntwas aber meine Abneigung gegen Monsanto in keiner Weise beeinträchtigt. Ich mag die Firma schon seit über 40 Jahren nicht ;-)

Ich habe immer noch Schwierigkeiten mit Ihrer Formulierung:“Außerdem muss sie, um ein bösartiger Tumor zu werden, ihre Saat weiter streuen, also Tochtergeschwulste ausbilden.”

Viele Tumore werden gefunden, haben noch nicht gestreut und sind deshalb doch nicht gut. Metastasen werden auf Dauer gebildet, o.k., aber zum Bösartigwerden der Muttergeschwulst sind sie doch nicht notwendig, die ist doch gegeben... Ich komme da nicht mehr mit.

Anna Müllner

sagt:

11. Juni 2016 um 00:05 Uhr

Das ist eine Ausdrucksweise. Tumoren die nicht gestreut haben, haben eine hohe Chance komplett entfernt werden zu können, jenachdem, wo man sie findet. Gutartig ist dabei wirde eine simplifizierte Bezeichnung. Ich sagte ja auch, dass sie trotzdem nicht harmlos sind. Gut- und Bösartig bezeichnet hier ausschließlich die Fähigkeit zu streuen und hat nichts mit harmlos zu tun. Der Begriff ist halt so gewachsen, das kann ich nicht ändern.

Gast

sagt:

11. Juni 2016 um 08:40 Uhr

Titel eingebenWikipedia definiert Gut- und Bösartigkeit so: Begriff[Quelltext bearbeiten]Dementsprechend gibt es in der Medizin zwei Definitionen des Begriffs Tumor:

im weiteren Sinn jeglicher erhöhter Platzbedarf (Raumforderung) eines Gewebes (Intumeszenz) oder eine tastbare Verhärtung, z. B. auch eine Schwellung bei einer Entzündung (Ödem, Phlegmone, Abszess) oder Zyste (siehe hierzu auch Pseudotumor), oder auch eine Stuhlansammlung im Darm, die man vor dem Stuhlgang oft im linken Unterbauch tasten kann. Es ist also ein recht unscharfer Begriff.im engeren Sinn Neubildungen von Körpergeweben (Neoplasien), die durch Fehlregulationen des Zellwachstums entstehen – womit bezüglich der Gut- oder Bösartigkeit (Dignität) der Neubildung noch nichts ausgesagt wird.Neoplasien können jegliche Art von Gewebe betreffen, sie können gutartig (benigne) oder bösartig (maligne) sein. Die maligne Variante wird auch umgangssprachlich als Krebs bezeichnet. Neoplasien können alleinstehend („solitär“) oder mehrfach an verschiedenen Stellen im Organismus („multizentrisch“ oder „multifokal“) auftreten. Üblicherweise werden Tumoren als multizentrisch bezeichnet, wenn die Distanz zwischen den einzelnen Läsionen mehr als fünf Zentimeter beträgt und als multifokal, wenn die Distanz fünf Zentimeter oder kleiner ist, allerdings existiert keine exakte radiologische Definition für diese Begriffe. Je nach Ort (Lokalisation) des Tumors und der Funktion des durch ihn geschädigten Gewebes können sie zu einer Zerstörung von Organen mit Beeinträchtigung des Gesamtorganismus bis zum Tod führen.

Klaus

sagt:

11. Juni 2016 um 10:08 Uhr

"wachsende Begriffe"?“Der Begriff ist halt so gewachsen, das kann ich nicht ändern.”.Wer sonst?

Goodnight

sagt:

11. Juni 2016 um 14:05 Uhr

Truth is like poetry. And most people fucking hate poetry.Tja, Medizin ist keine Wissenschaft. (Das ist die Antwort auf Eure Fragen...steht übrigens schon längere Zeit weiter unten!)

Ja, ich weiß, dass ist für den Durchschnittsintelligenten nicht denkbar, der folgt Hierarchien und der funktionalen Differenzierung anstatt sie zu hinterfragen.Und ja, auch ich habe langsam gemerkt, dass hier, in meiner Diaspora, keine aus dieser genannten Gruppe herausragenden Personen operieren.

Deshalb bitte meine Kommentare ignorieren und glücklich weitermachen.

Renate Simon

sagt:

11. Juni 2016 um 19:51 Uhr

Gast, die Begrifflichkeiten sind mir als Laien soweit klar,es geht um die Formulierung „Außerdem muss sie, um ein bösartiger Tumor zu werden, ihre Saat weiter streuen, also Tochtergeschwulste ausbilden.“ die m.E. impliziert, ein Tumor ist erst böse, wenn er zu streuen beginnt, das also die Grundvoraussetzung für die Bösartigkeit ist.

Darum halte ich die Formulierung für irreführend, da hilft dann die Erklärung, nur ein bösartiger Tumor bildet Metastasen, nicht weiter. Denn im Umkehrschluss müsste ich annehmen, dass viele Frauen, denen man einen Knoten aus der Brust entfernt hat, womöglich keinen Krebs hatten, weil der noch nicht streute.

Ich bin da vielleicht kleinlich, mir geht es um die Genauigkeit der Aussage.

Oberländer

sagt:

12. Juni 2016 um 12:11 Uhr

UnausgereiftDa haben Sie vollkommen recht, Renate Simon. Ein Blasentumor oder ein Karzinom des Magens oder der Bauchspeicheldrüse müssen keineswegs “gestreut” haben, um zum Tode zu führen. Dasselbe gilt für bösartige Hirntumoren. Manche Geschwülste kann man einfach nicht entfernen, ohne den Körper gleich mit zu schädigen. Auch nicht bestrahlen.Leukämie ist auch Krebs, und Leukämie tötet ebenfalls durch Verdrängung und zwar der übrigen blutbildenden Zellen.

Ich halte dieses Stück über Glyphosat für eine kolossale, leicht durchschaubare Relativierung und daher nicht für besonders gut, obgleich es sehr bemüht ist und die Photos der romanischen Kirche großartig.

Auch dies ist sehr störend:

“Wer sein Krebsrisiko gering halten will, sollte möglichst aufhören zu rauchen, sein Gewicht in einem normalen Rahmen halten und am besten nicht alt werden.”

Wie bitte? Da wir alt werden müssen, können wir demnach auch rauchen oder fett werden. Ansonsten empfehle ich hier Poe’s law.

Heike LeKer beschreibt im Spiegel eine Patientin, die mehrere an sich gutartige Hirntumoren hatte, Meningeome. Sie hätte daran ohne weiteres verrecken können, wenn ihr Atemzentrum sich nicht mehr wohl gefühlt hätte, platzmäßig. Auch postoperativ war sie nicht ungefähdet.

Insofern ist dieses Stück zu vereinfachend in jeglicher Hinsicht.P.S. Meine Mutter ist an einem “ungestreuten” Blasentumor elendiglich gestorben, und die Angst vor Krebs ist mehr als berechtigt. Meine Mutter war keine Biertrinkerin, aber Bier soll Blasenkrebs begünstigen. Was wohl im Bier?Der Seitenhieb auf Biertrinker gefällt mir auch nicht besonders.

Renate Simon

sagt:

12. Juni 2016 um 20:01 Uhr

@OberländerEs ist wohl leider so, dass wir entweder geistig fit, aber körperlich verfallen oder grad umgekehrt, körperlich fit, aber völlig plemplem alt werden. Dazu die Gefahr, im Alter noch jegliche Art von Krebs zu bekommen. Meine Groß- und auch meine Schwiegermutter entwickelten im zarten Alter von über 80 Jahren einen sehr eiligen Brustkrebs, mein Mann mit fast 84 ein Adenokarzinom der Lunge mit Metastasen im Gehirn und wohl auch Oberbauch. Bemerkbar machten sich die Hirnmetastasen, die den Anschein erweckten, den lieben Lothar hätte buchstäblich von heute auf morgen eine Demenz ereilt. So bin ich erst drauf gekommen, dass etwas nicht stimmt. Er schaffte das Kunststück, nachdem ich ihm die Diagnose gesagt hatte, innert 11 Tagen zu sterben, einfach so, weil er’s so beschlossen hatte, wozu eine große innere Stärke gehöre, wie mir mein Arzt dann sagte.

Mein Mann hatte lange Jahre geraucht, war aber seit über 20 Jahren rauchfrei und bekam dann den sogen. Nichtraucherkrebs und mir sind weitere Fälle bekannt, denen es genauso ging. Ich qualme weiterhin, sterben ist fest eingeplant, also was soll’s. Sollte mich noch ein Krebs ereilen, habe ich einem langen Elend vorgesorgt.

Die Diskussion um Glyphosat ist m.E. völlig daneben und verfahren. Man sah Berichte im TV von Kleinbauern in Indien und anderswo, die allesamt erkrankten, Vieh und Kinder starben. Farmer in den USA und Kanada zweifeln unterdessen an der alleinseligmachenden Wirkung, zumal längst immer mehr Resistenzen auftreten, die die Unkrautbekämpfung zum Irrsinn machen. Dann taucht Ungeziefer auf, das den Mais vernichtet, man spritzt das Zeug munter zugrunde.

Nun ist es nicht so, dass es ohne Glyphosat besser wäre. Ich habe für Schering/AgrEvo/Aventis über 30 Jahre in dem Bereich Werbung gemacht, wusste, dass z.B. Banvel im Mais keine Zulassung mehr hatte. Was machten die badischen Bauern, fuhren nach Frankreich, holten sich Banvel dort und knallten es massenhaft in ihre Plantagen. Kippten Spritzreste an den Feldrand, wo dann wirklich nichts mehr wuchs. Anwohner berichteten davon. Vom Spritzen im Schutzanzug haben ohnehin die wenigsten Bauern je gehört.Es sind dann auch die Anwender, die die Sache noch komplizierter und schadhafter machen.

Oberländer

sagt:

13. Juni 2016 um 14:09 Uhr

Antwort an Renate Simon@ Renate Simon

Erstmal mein Beileid für das Schicksal Ihres Mannes. Hoffe, dass Sie sich noch alles sagen konnten.

Dann das Treffendste, das ich je über Krebsangst gehört habe:Woody Allen glaubt in “Hannah und ihre Schwestern”, er hätte einen Hirntumor und wird fast verrückt vor Angst.“Letzte Woche war ich noch so glücklich”, klagt er.“Nein”, protestiert seine Sekretärin, “Du warst kreuzunglücklich, über Deine Show, Dein Leben.”“Ach was”, sagt Allen, “ich war glücklich, nur wusste ich es nicht.”Dialog in etwa, aus dem Gedächtnis. Tumoren sind tatsächlich der Untergang.

Dann über Monsanto. Ich habe gelesen, die von Ihnen erwähnten Farmer hätten vermehrt Suizid begangen, weil sie den Dünger nicht mehr bezahlen konnten. Was ist jetzt richtig? Auf jeden Fall sind die Abhängigkeiten die Hauptgefahr, auch bei TTIP.

Die Medizin hat große Fortschritte gemacht, aber nur bei Brustkrebs und bei Tumoren, die auf Zytostase ansprechen, also Morbus Hodgkin, Leukämien, Mamma-Ca, bestimmte Formen von Hoden-Ca und einige weitere.Beim Ovarial-Ca, dem Pankreas-Ca, den Lungentumoren, den Nierentumoren und den Hirntumoren wird immer Holland in Not sein. Sie werden in der Regel erst entdeckt, wenn sie Symptome machen und lassen sich dann oft nicht mehr ganz entfernen.Das Ovarial-CA spricht zwar auf Zytostatika an, ist aber oft schon in das Bauchfell metastasiert.

Somit ist ein gewisser Fatalismus angebracht, letztlich auch, weil ein weiterer Faktor nicht beeinflussbar ist: Genetik.Oder würde eine Mutter die Schwangerschaft unterbrechen, weil ihr weiblicher Säugling evtl. mit 60 Jahren ein Mamma-Ca bekommt? Man sollte das gar nicht so genau eruieren, weil KV dann diesen Tumor theoretisch aus dem Versicherungsvertrag ausschließen könnten. Obamas Mutter starb wohl an Bauchspeicheldrüsen- oder Magenkrebs, ohne ausreichende Versicherung aus anderen Gründen, was ihn entsprechend traumatisiert hat.

Die Lösung wäre, jeden Manschen ab ca. 30 Jahre so alle zwei bis drei Jahre durch die Ganzkörper-Computertomographie zu schieben, auf Wunsch, aber wer soll das bezahlen, vor allem für die 75%, die nie einen Tumor bekommen werden oder vorher bei einem Verkehrsunfall sterben?

Der Fatalismus, dem die Autorin augenscheinlich schon verfallen ist, ist also gerechtfertigt, nur meine ich, dass man die Angst ernst nehmen muss, weil sie berechtigt ist. Weiterhin, dass man viel Geld in effiziente Schmeztherapien stecken und Ärzte davon abhalten sollte, sich bei aussichtslosen Fällen nur für ihren Katalog zu betätigen.

Ich kann mich an neun Lungentumoren erinnern, davon drei Adeno und zwei Kleinzeller, diese fünf bei Nichtrauchern, außerdem einen Lungenspitzentumor (Plattenepithel) bei einem lebenslangen Nichtraucher.Das erinnert an solche Bildchen mit:“Finden Sie den Unterschied” und rechtfertigt in keiner Weise die Hatz auf Raucher und die Ekelkampagne von Brüssel auf den Packungen. Aber was erwarten wir von Leuten, die den Briten vorschreiben wollen, ihr Salz/Pfeffer/Öl auf dem Tisch abzuschaffen und dafür schnöde Tütchen von Heinz und Co. hinzulegen?

Bayer will ja Monsanto kaufen. Ich weiß nicht, ob Bayer das langfristig gut tut. Nötig wäre bei dem Ruf, dass Monsanto belegen kann, dass sie mehr Gutes als Schlechtes bewirkt haben.Die Firma, die Contergan auf dem Gewissen hatte, ist meines Wissens eingegangen. Falls Bayer Monsanto doch kauft und später größere Prozesse anstehen, kann Bayer in die Knie gehen, genau wie VW. Amerikanische Prozesse sind teuer.

Man kommt hier viel weiter, wenn man Abhängigkeiten und Gelder betrachtet, weil sich auf diesem Sektor mehr berechnen, beweisen lässt. Über Glyphosat weiß man möglicherweise nicht genug.

Entschuldigen Sie die Komplexität. Nichts ist schwerer, als mehrere Gedanken in einen einzigen Kommentar zu packen, vor allem, wenn sie einzeln Bücher füllen können. M.f.G.

Renate Simon

sagt:

13. Juni 2016 um 17:54 Uhr

@OberländerJa, Contergan hat Grünenthal das Genick gebrochen, die Firma war einfach zu klein und dann dieses Desaster. Bayer wird sich an Monsanto verheben, man kauft sich ein schlechtes Image und hofft auf Umsatz, das kann nicht gut gehen. Aber Bayer ist eine merkwürdige Firma, ich hatte das etwas zweifelhafte Vergnügen, mit denen nach dem Aufkauf von Aventis zu tun zu haben und ich frage mich immer noch, wie die es schaffen, mit der Personalstruktur an der Spitze zu bleiben.

Die Schreckensbilder auf Zigarettenpackungen finde ich ziemlich pervers. Sicher ist es gut, wenn immer mehr junge Leute gar nicht mit der Qualmerei anfangen, aber grundsätzlich werden auch diese Leute irgendwann einen Krebs bekommen. Wie viele leben so fürchterlich gesund und müssen dann so fürchterlich leiden, es gibt keine Garantie auf ein Leben ohne Krankheit. Wobei Vorsorge wie Mammografie auch nur der Beruhigung des Einzelnen dient, wirklich bringen tut das nichts. Was wirklich nötig wäre, eine ausreichende Palliativmedizin und Hilfe beim Sterben, aber daran ist der Bundestag dank kirchlicher Bindungen ja bereits gescheitert.

Die Farmer in Lateinamerika, Südamerika usw. sind alle überschuldet und viele Dörfer klagen über zahlreiche Suizide. Man könnte sagen, Leichen pflastern den Weg von Monsanto. Eine Firma, die sich auf jeden Pups und jedes Gen ein Patent sichern und damit dann Landwirte oder Viehzüchter zu Zahlknechten machen will. Das sind merkwürdige Geschäftsmethoden und stand Monsanto nicht schon in den Startlöchern in der Ukraine? Monsanto, Nestlé u.a. sind m.E. die Totengräber einer freien Welt, es geht nur ums Geschäft, egal, ob genverändertes Saatgut oder Wasser oder was auch immer zu finden ist, um Geld zu machen. TTIP ist da wohl das I-Tüpfelchen, wir werden’s ja erst sehen, wenn alles zu spät ist. Dass sich unsere Abgeordneten mit dem Lesezimmer abspeisen lassen, wundert schon längst nicht mehr.

Wir können uns lange aufregen, wir werden nichts ändern, das einzusehen ist misslich und verstimmt.

Danke für Ihre Wünsche. Ich konnte mit meinem Mann zwar noch halbwegs reden, Cortison linderte den Druck im Gehirn, er nahm vieles aber gar nicht mehr auf. Es ging so schnell, vom ersten Symptom bis zu seinem Tod 6 Wochen.

Thomas

sagt:

14. Juni 2016 um 00:58 Uhr

Der Hersteller von Contergan ...... existiert noch, nahe Aachen.

Dr. Seltsam

sagt:

10. Juni 2016 um 21:02 Uhr

Back to NatureNun die DNA –

Ja sicher, sie ist ein Molekül. Vereinfacht gesehen. Sehr vereinfacht.Aber auch das Tagebuch der Evolution. Das Gedächtnis. Das Erbe.Rupert Sheldrake lässt grüßen. Seine morphogenetischen Felder. 0,5 % kennt oder ahnt davon.

Robust? Mitnichten.

Schon in den 80er wies man nach, dass bis 30 % der Insekten Mutationen aufwiesen.Der Mensch. Natürlich immun dagegen. Wir sind ja unsterblich.Klar – oder etwa nicht.

Man muss aber wissen, dass latent in jedem Menschen Krebszellen vorhanden sind. Immer am Start. Jawohl.

Wilhelm Reich – ja der – befand das es bestimmte Dinge gibt, die sagen wir einmal, nicht gut sind.

Atomare Strahlung. Stagnierende Orgonfelder. Oder übererregte Orgone. Oder einfach schlechter oder gar kein Sex.

Sicher – er spricht auch von charakterlicher Panzerung.Was in dieser unserer Dekade, im Zeitalter der Wahrnehmungsblase immer aktueller wird. Seis drum.

Cohn Bandit erklärte uns gerade die offizielle Sichtweise zur EM in Frankreich. Was kümmert uns da der Krebs.

Es lebe die Freiheit. Es lebe die Gleichheit. Es lebe die Brüderlichkeit.Es lebe die Gerechtigkeit unter Gleichen.

Weiter so, sehr geehrter Don.Danke und aus ...

tommy

sagt:

10. Juni 2016 um 21:07 Uhr

Titel eingeben“Das ist schlecht, denn wir haben uns an den Sauerstoff gewöhnt und die Entzugserscheinungen sind immer tödlich. ”

Trotz des ernsten Themas musste ich über diesen Satz doch lachen, danke.Ansonsten ein interessanter Kommentar, dem ich durchaus zustimmen kann...von allzu viel Sachkenntnis sind die erwähnten Debatten überwiegend wohl wirklich nicht gekennzeichnet.

Dr. Seltsam

sagt:

10. Juni 2016 um 21:08 Uhr

FohlenschutzSorry, Anna das war jetzt unhöflich – Macht der Gewohnheit.Sie sind noch frisch.

Graben sie tief – sehr tief – bevor sie sich an die Front schicken lassen.Junges Gemüse wird gerne das Opfer von Kugeln.

Toi, Toi , Toi

Gast

sagt:

10. Juni 2016 um 21:12 Uhr

Mal was NeuesDer Themenwechsel tut dem Blog gut.Mehr davon.Frau Müllner schreibt angenehm sachlich.Die schönen Fotos passen gut dazu.

Anna Müllner

sagt:

12. Juni 2016 um 10:58 Uhr

Titel eingebenVielen Dank. :)

Goodnight

sagt:

10. Juni 2016 um 21:21 Uhr

Your turn doctor! Tell me! Auch wenn dann all der Aufklärergeist durch die Medien fließen würden hätte könnte, so ließe sich das Wissen der Medizin bezüglich Tod immer noch auf folgende Aussage reduzieren.

Leben tötet.

Die Medizin ist bis heute eher Handwerk denn Wissenschaft.Es existiert dort nicht mal ein Ansatz einer allgemeinen Theorie.D.h. selbst “Krankheit” ist nicht definiert.

Solange das so ist, solange ist dort ein Spielraum für unendliche Interessengruppen, die Sinn definieren können.Man könnte z.B. fragen, ob Krebs überhaupt eine Krankheit ist, und die Medizin könnte nicht antworten.

Ergo: Die Medizin sollte erst einmal lernen selbst Fragen zu beantworten, bevor sie sich beschwert, dass dies durch andere übernommen wird.

Edgar Jacobi: “I have cancer. ”Rorschach: “What kind of cancer?”Edgar Jacobi: “Well, you know the kind you eventually get better from? ”Rorschach: “Yes.”Edgar Jacobi: “Well, that ain’t the kind I got.”

Renate Simon

sagt:

11. Juni 2016 um 23:29 Uhr

So ist es oder die beste Krankheit taugt nixAber sagen Sie das mal einem Arzt. Leben endet immer tödlich, was aber die meisten allzu gern verdrängen.

Melursus

sagt:

10. Juni 2016 um 21:39 Uhr

Titel eingebenAnderer SprachduktusKeine Schreibfehleranderer Stilkeine Tippfehler,

dennoch flott, informativ, pointiert, sachlich

bitte bleiben Sie bei uns Alphonsofans bei DeusexMachina

Spaetburgunder

sagt:

10. Juni 2016 um 21:45 Uhr

Danke für das Risiko ...viele Kommentare zu triggern, die ohne Sachkenntnis und mit viel blinder Wut sein werden.Aber danke auch für den Text, der hier nochmal deutlich macht, dass wir Scheindebatten führen. Und vielmehr Salz, Alkohol oder andere als sicher tödlich oder krebserregend eingestufte Dinge eher verbieten sollten, bevor wir an Glyphosat rangehen.

Gast

sagt:

10. Juni 2016 um 22:16 Uhr

DankeDaß das hier bei DeM kommt und nicht auf der Hauptseite der FAZ sagt schon alles. So ein sachlich nüchterner Text war überfällig. Für die Mainstream-Journalisten ist das wohl nicht reißerisch genug, deshalb nochmal Danke an Don.Uli

Wolfgang Hennig

sagt:

10. Juni 2016 um 23:39 Uhr

Weniger ist mehr?...mehr Bescheidenheit wagen?Weniger Gesellschaft wagen, weniger Datenfluten wagen,weniger reden wagen...weniger zu wissen wagen...weniger emotionale Intelligenz wagen...mehr schweigen wagen...mehr denken wagen...mehr Selbsterkenntnis und Einsicht wagen...mehr Selbstbegreifung wagen?...mehr Evolutionbegreifung wagen?...mehr Energiebegreifung wagen...mehr Gleichgewicht wagen...mehr innere Stimme wagen...mehr intelligente Emotionen wagen...mehr Balance zwischen emotionalen Intelligenzen und intelligentenEmotionen wagen...= mehr Geist”selbst”reife wagen...= mehr Tod-Leben-Leben-Tod-Begreifung wagen...= unreife Zeitgeistängste, unreife Geistzeitängste...unreife Evolutionsängste...durch Evolutionenergienwegebegreifung...der (Z)Weg/ck der Energieevolution Selbstbegreifung führt denschweigsamen Tod durch das (energiebe)schrei(b)ende Leben...durch die selbstbeschreibenden Lebenenergien?...mehr bescheidene Lebenweisen, weise Leben wagen?

Wolfgang Hennig

sagt:

10. Juni 2016 um 23:52 Uhr

Korrektur“...weniger emotionslose Intelligenz wagen...”

Wolfgang Hennig

sagt:

10. Juni 2016 um 23:59 Uhr

Sorry...Korrektur 2.0“...= mehr Tod-Leben-Leben-Tod-Begreifung wagen...= unreife Zeitgeistängste, unreife Geistzeitängste...unreife Evolutionsängste ELIMINIEREN...”

colorcraze

sagt:

11. Juni 2016 um 00:41 Uhr

Danke für den sachlichen Text, Frau Müllner.Um Krebs mache ich mir persönlich nicht so viele Sorgen, weil er bei der Vorgängergeneration meiner Familie erst ab Mitte 80 oder später aufgetreten ist; gleichwohl würde ich lieber an Herzinfarkt sterben, denn das geht mit weniger Schmerz und Siechtum einher. Am schlimmsten finde ich Demenz und Alzheimer, ganz gräßlich. Aber letztlich sterben wir alle, und altwerden ist eh ein Kapitel für sich.Was das Gift angeht, das gegen Unkräuter, so kann ich mangels Garten da nicht so recht mitreden. Ich bin aber sehr giftaffin, was Insekten angeht – neulich hatte ich eine Ameisenplage unter meinem Monitor (!!!) auf dem Schreibtisch, die habe ich, nachdem Totschlagen einfach nicht reichte – am nächsten und übernächsten Tag waren sie wieder da – mit mehreren Giften bekämpft, jetzt scheint Ruhe zu sein. Auch die Motten mußten wieder eine Portion Gift abbekommen.Zwar frage ich mich schon, ob ich mich damit auch selbst schädige, weil ich ja davon auch was abkriege, aber eine andere ähnlich wirkungsvolle Methode ist mir leider nicht bekannt. Und Wirkung muß es schon haben, denn ich bin nicht gewillt, Ameisen in meiner Wohnung hinzunehmen. Und auch sowas wie die 50+ Mückenstiche im letzten Urlaub möchte ich nicht auf Dauer haben.Es wäre ja schön, wenn es mit anderen Methoden funktionieren würde, etwa einem für Menschen unhörbaren Pfeifton, den Insekten aber ganz gräßlich finden; allein, das hat bisher noch nicht funktioniert, und so bleibt einstweilen nur gifteln.

Andy Hunter

sagt:

11. Juni 2016 um 00:59 Uhr

Vulnerant omnia - ultima necatDanke für den wohltuend informativen Beitrag. Wo befindet sich die schöne Basilika?

Was den Krebs betrifft: Es gilt das, was auf den Zifferblättern mancher antiker Uhren zu lesen ist: “Vulnerant omnia – ultima necat” – jede Stunde verletzt – nur die letzte tötet. Vielleicht könnten Sie noch was zu den pöhsen Stammzellen schreiben (Stichwort “field cancerization”)? Nicht umsonst tumort es gerne in Geweben wie der weiblichen Brust, wo Stammzellen darauf lauern, zu bestimmten Zeiten ihr Teilungsprogramm wieder anzuwerfen, um z.B. Milchdrüsen zu bilden. Manchmal geht das schief.

Thomas

sagt:

11. Juni 2016 um 01:25 Uhr

Glyphosat und RationalitätIch hab doch kürzlich bei der Schlimmen Helena geahnt, Don Alphonso würde uns weitere Perlen vorstellen, die das Denken anregen könnten.

Vorab, ich kenne mich wenig mit Chemie aus.

Doch bei der aktuellen Entscheidungslage zu Glyphosat und des fast gleichzeitig zu vernehmenden Übernahmeversuchs von Monsanto durch Bayer habe ich mich schon gefragt, ob da die Lobbyisten von Bayer nicht erfolgreich waren, um den Kaufpreis ein wenig zu drücken.

Rationalität, ein wahrhaft problematisches Feld.

Nicht wirklich, aber im gesellschaftlichen Diskurs, so scheint es zumindest häufig.

Wie oft hört und liest man, traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hättest.

Doch Wisschenschaftler, die seriös arbeiten, wissen, dass Statistik eben äusserst viel belegen oder erklären kann. Man muß halt auf die Details achten.

Rationalität im gesellschaftlichen, geschweige denn politischem Diskurs, würde ja moralisierende Überlegenheit zu leicht zerstören. Oft bliebe nichts als heiße Luft.

Bei jedweder Warnung von Nematoden über Rinderwahn bis hin zu Frittiertem habe ich mir gesagt, morgen gehts über den Hades, genieß es halt noch. Ich hab mich davon nicht einschüchtern lassen, wenngleich auch meinen Blick öffnen lassen.

Moralisierendes, um solches kampagnenhaft nutzen zu können, ist von Übel.

Ich habe allerdings die gute Hoffnung, dass das Zeitalter des Moralierens (und Angstverbreitens) zur Durchsetzung ansonsten möglicherweise zweifelhafter Forderungen oder Gesinnungen dem Ende zugeht.

Nun ja, Krebs ist für Betroffene Driss. Ich erinnere mich an den Abschied meines Patenonkels. Er verabschiedete sich mit Leichtigkeit und Zwinkern, so wie ich ihn mein Lebtag lang kannte. Trotz seines Leidens.

Bald besuche ich seine Frau, meine Tante und ich werde ihr sagen, es wäre der Sauerstoff gewesen, vermutlich, den er als Gärtnermeister zuviel an frischer Luft genossen hätte. Im übrigen, beide waren seit ca. 1970 bioorientiert, ich erwähns nur, damit kein Grüner besserwisserisch daher kommt.

Frau Müller, erfreuen Sie uns bitte mit weiteren so informativen und sachlichen Beiträgen, es täte uns allen gut.

Vielen Dank für diesen, ganz herzlichen Dank

TDV

sagt:

11. Juni 2016 um 03:23 Uhr

Man liest es mit StaunenSie leiten ein mit:

“Viele Menschen habe Angst vor Krebs. Und sie haben Recht damit, denn etwa 26% der Menschen in Deutschland sterben an Krebs.”

Das ist derzeit korrekt.

„Denn Krebs entsteht vor allem durch das Leben an sich.“

Das stimmt auch, allerdings fehlt die Schlussfolgerung, dass diese 26% von dem druchschnittlich erreichbaren Alter in eine Land direkt abhängen....

„Ein weiterer Schadensverursacher ist der Sauerstoff. Simples Atmen schädigt unser Erbgut.”

Das ist primitive Manipulation, genauso gut und richtig könnten sie schreiben, dass geboren zu werden zu 100% Vorraussetzung für den Krebstod ist! Ja, leben macht sterblich. Schrecklich!

„Es müssen aber viele Dinge zusammen kommen, damit Krebs entstehen kann“

Dies ist eine banale Wahrheit und daher ist es Aufgabe des Staates, zumindest falls es mal einen geben sollte der im Interesse seiner Bürger regiert, so viele Stoffe wie möglich aus der Umwelt herauszuhalten, die sich zu den anderen der „vielen Dinge“ hinzu addieren könnten, die dann am Ende in der Summe zum Krebs führen.Und was sie verschweigen ist ebenfalls, dass dieser Nchweis bei Glyphosphat NICHT existiert!

Was sie uns ebenfalls verschweigen, und ich gestehe, ich finde das extrem unredlich, wenn auch typisch für die derzeitige deutsche Politik, wäre aber das Wesentliche, nämliche die Verbindung zu TTIP.

Zur Erinnerung: Der Unterschied zwischen europäischer Kultur und amerikanischer Kultur ist in diesem Zusammenhang, dass in Europa Stoffe nur dann zugelassen werden, wenn die Industrie nachweisen kann, dass sie keine schädlichen Folgen haben. Während in den USA alles zugelassen wird, bis jemand vor Gericht beweisen kann, dass der Stoff schädlich ist.

Bei Glyphosphat sind sich alle einig, dass man sich diesbezüglich nicht einig ist!

Hier jetzt so zu tun, als sei es nichts ausser einer irrationalen Angst vor dem Fortschritt, die hierzulande Millionen von gebildeten Leuten gegen die Zulassung von Glyphosphat sein lässt, ist schon eine Frechheit, gratuliere!

Anna Müllner

sagt:

11. Juni 2016 um 11:20 Uhr

Frechheit ist schon lange eine meiner am meist gehegten Tugenden, danke.Und nein, Sauerstoff an sich macht tatsächlich über die Sauerstoffradikalen Krebs. Es hätten auch andere Stoffwechselprodukte sein können. Es sind aber diese. Daher habe ich dies erwähnt.Ich habe nichts über TTIP geschrieben weil die Abstimmung über Glyphosat nicht direkt damit zu tun hat. Die ist davon unabhängig. Außerdem bin ich Biologin, keine Politikerin. Wenn Sie mehr über TTIP wissen wollen fragen Sie die sehr kluge Katharina Nocun. Wenn Sie meinen ich müsste darüber was schreiben, ist das wie als wenn Sie einen Tischler anrufen um Ihnen die Heizung zu reparieren.

melursus

sagt:

11. Juni 2016 um 13:37 Uhr

Titel eingebenFrau Müllner, Sie bekamen schon einige Hinweise auf die wildenDamen und wildenMänner im DonAlphonsoViewing. Manche Herren sind monothematisch, andere oligothematisch. TylerDurdenVolland zitiert sofar aus den DeutscheWirtschaftsNachrichten wenn es gegen USAFDP oder Markt geht.Doch bitte ich Sie, mich und die andren zu ertragen. Im Kommentariat habe ich über die Jahre viel Interessantes gefunden, soviel wie beim Don selbst.

Tamarisque

sagt:

11. Juni 2016 um 15:39 Uhr

Glyphosat, Fracking und Krebs@Anna MüllnerSoweit ich die Glyphosat Diskussion verfolgt habe, so kommt es zu einer nachgewiesenen Belastung durch Glyphosat durch die Anwendung an den Feldern, als direkte Folge. Dies wurde in der Reportage Frontal 21 von ZDF aus Dänemark (starke Missbildungen bei Schweinezucht) und Südamerika (Missbildungen von neugeborenen Kindern und deutlich gestiegene Krebsrate) dokumentiert.Zitat aus der Reportage:„Nur 200 Kilometer weiter östlich liegt die Ortschaft La Leonesa. In dieser Region untersuchte im Jahr 2010 eine staatliche Kommission Häufungen von Krankheitsfällen. Vermutete Ursache: die Pestizide. Zuvor hatte es zahlreiche Klagen aus der Bevölkerung gegeben. Die Studie kommt zu einem erschreckenden Ergebnis: Die Krebsfälle bei Kindern unter 15 Jahren hatten sich verdreifacht und die Missbildungen von Neugeborenen sogar vervierfacht. Und ganz wesentlich: Der Effekt wurde deutlich kleiner, je weiter die Ortschaften von den gespritzten Feldern weg lagen.“https://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/38532504/1/data.pdf

Ähnlich wird in der Nähe von Fracking-Bohrstellen eine erhöhte Krebsrate beobachtet. Dass Erdgasförderung durch Fracking z.B. in Niedersachsen schon lange gemacht wird, ist in Deutschland offenbar nicht allgemein bekannt. Die Behörden/Politik wollen die Diskussion mit den dort aufgetretenen Krebsfällen nicht mit Fracking in Verbindung bringen, und in Deutschland wird über diese Fälle gar nicht diskutiert. Ich versuchte den Link im SPON Forum zu posten, mein Post wurde zensiert: “Krebsfälle in Bothel: Hilferuf von 200 Ärzten”, NDR, 20.1.16https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Krebsfaelle-in-Bothel-Hilferuf-von-200-Aerzten,bothel142.html

Anton Azubi

sagt:

11. Juni 2016 um 21:20 Uhr

nix verstandenLiebe(r) TDV,

es ist ja nicht schlimm, wenn man etwas nicht kapiert, man sollte nur nicht immer gleich die anderen dafür der Frechheit zeihen.

In Zeiten, in denen schon ein einziger Zuckerwürfel im ganzen Bodensee analytisch nachweisbar ist, sollte man tunlichst davon absehen, auch nur irgend einer Eigenschaft eine rein digitale Eigenschaft wie gut oder böse zuweisen zu wollen, so wie das gerne moralisierend bei Glyphosat getan wird. Schon Opa wußte: Die Menge macht’s.

A propos Glyphosat: Es täte einen schon furchtbar interessieren, wie Glyphosat jetzt mit TTIP verbunden wäre. Das direkt dafür vorgebrachtes Argument der unterschiedlichen Herangehensweise von Ami- und Euroland bei der Schädlichkeitsbewertung ist ja nicht nur auf nur dieses eine Produkt beschränkt.

Auch die Rhetorik mit der Einigkeit ist nicht so ganz realitätskonform, auf beiden Seiten des Atlantiks ist man sich durchaus einig, daß bei den einen die Schädlichkeit und bei den anderen die Unschädlichkeit nicht nachgewiesen ist. Das nämlich schließt sich nicht gegenseitig aus.

Und wenn man dann schon partout einen Nachweis fordert, eben den Beweis der Schädlich- oder Unschädlichkeit, geht das eigentlich nur, wenn man dazu vorher Grenzwerte definiert. Die wiederum beruhen heutzutage nicht mehr auf Moral- sondern auf Konzentrationswerten, wissen auch Millionen gebildeter Leute.

Letzteres verständlich zu machen war eigentlich auch Inhalt des gelungen frechen Artikels.

J-R

sagt:

12. Juni 2016 um 14:32 Uhr

Naja..“Und was sie verschweigen ist ebenfalls, dass dieser Nachweis bei Glyphosphat NICHT existiert!”

Der Nachweis, dass Glyphosat Krebs verursacht? Der existiert in der Tat nicht, aber Sie wollten vermutlich das Gegenteil behaupten?Ansonsten ignorieren Sie die folgende Brandrede meinerseits bitte!

Man kann für nichts nachweisen, dass es Krankheiten nicht verursacht. Man kann allenfalls versuchen, nachzuweisen, dass es Krankheiten verursacht. Genau das gelingt bei Glyphosat aber eben nicht.Selbst, wenn Sie Kontrollgruppen mit Kontrollgruppen vergleichen, werden Sie bei jeder hundertsten Studie durch Zufall ein signifikantes Ergebnis erhalten.. Nur für was eigentlich? Für nichts? Für eine ganz unabsichtlich unausgewogen ausgewählte Kontrollgruppe, die genau wie die willkürliche Testgruppe keine offensichtlichen Merkmale aufwies? Schlicht für einen zufälligen Griff in die Niederungen der gaußschen Glockenkurve?Während man das Risiko für Krebserkrankungen bei Tabakkonsum ständig und ohne Probleme nachweisen kann, ist das bei Glyphosat eben kaum der Fall. Stattdessen schwanken die Verhältnisse auch mal in die Richtung, die bei unvoreingenommener Herangehensweise eine gesundheitsfördernde Wirkung von Glyphosat nahelegen würden.

Ich bestreite im übrigen, dass Sie Millionen gebildeter Menschen in Deutschland finden, ganz sicher nicht hinsichtlich des Themas Zellbiologie und garantiert nicht zum Thema Glyphosat. Die Leute haben viel Zeitung gelesen und Fernsehen geguckt, das wars auch schon.Mal ganz davon abgesehen, dass sich eine Wissenschaftlerin, wie die Autorin eine ist, vermutlich nicht besonders davon beeindrucken lässt, wie viele Leute, was glauben. Nichtmal, wenn das ganz berühmte Wissenschaftler sind, wenn diese ihre Hypothesen nicht begründen und irgendwann dann auch beweisen können.

Anna Müllner

sagt:

12. Juni 2016 um 19:07 UhrDeus ex Machina

Schicken Sie mir doch bitte einen wissenschaftlichen Nachweis über die Unschädlichkeit von Wasser als Getränk.

Anna Müllner

sagt:

13. Juni 2016 um 16:12 Uhr

@TamarisqueWenn Sie hier mit Fracking eine weitere Baustelle aufmachen wollen: Ich finde das passt hier nicht hin. Nur so viel: In der Gegend um Bothel gibt es eine erhöhte Anzahl von einer bestimmten Leukämie bei Männern. Diese Häufung für eine bestimmte Krebsart bei einer bestimmten Gruppe kann man als Cluster bezeichnen. Das Vorkommen solcher Leukämiecluster ist belegt und nicht unüblich, führt aber immer wieder zu Debatten. Das bedeutet nicht, dass man nicht Fehlverhalten seitens der Frackingkonzerne prüfen muss. Gleichzeitig ist es aber wichtig zu prüfen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt die diese Zahlen erklären. Zum Beispiel simple Statistik.

Pixel

sagt:

13. Juni 2016 um 18:21 Uhr

Titel eingeben@Tamarisque

Naja Ich verstehe bezüglich des Ausgangsbeitrages etwas anderes nicht.

Ob Glyphosphat nun beim Menschen Krebs erzeugen kann oder nicht, empfinde Ich als Ablenkung.

Glyphosphat erzeugt in der Umwelt mannigfaltige Probleme, und das kommt mir zu kurz in diesem Beitrag.Bekannt ist mir, das neben Glyphosphat gleichzeitig weitere solcher Stoffe eingesetzt werden, und sie immer mehr benötigen, um gegen das was als schädlich gilt anzukämpfen.Anders ausgedrückt:Sie könnten auch andere solch Mittelchen in den Mittelpunkt jenes Interesse stellen.Fragen kann man sich da sehr wohl, ob es evtl. noch ganz andere Interessen gibt, die eben auf Glyphosphat reduzieren.

Und nochmals anders:Da wo Mittelchen X wirkt wächst kein (was auch immer) mehr.Klar ist mir, das mit so einer Monokultur, wie sie jeweiliges Alleinstellungs Merkmal (Monopol) Mittel andere Probleme verursacht.Betrachten wir dieses oder jenes Mittelchen doch einmal wie z.b. ein Suchmaschinen Monopol, oder andere solch Monopole.

Eine Frage wäre da z.b. ob Gentechnik (ne Ich halte diese nicht für Grundsätzlich böse) da überhaupt noch eine Chance hätte, um jeweiligen Platzhirsch jenen Markt in Frage zu stellen.

Gerolamo Cardano

sagt:

11. Juni 2016 um 04:45 Uhr

BravoDas Leben ist nun mal lebensgefährlich und je länger wir leben desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir angesichts zehntausender Kopierfehler in unseren etwa 100.000.000.000.000 Zellen Krebs entwicklen. Natürlich sollte man das Rauchen und Fukushima meiden, aber man kann beides überleben, wenn man das Risiko eingehen will.

Selbstverständlich muss der Gesetzgeber die Risiken abwägen, weil er ja für das Wohlergehen von Millionen verantwortlich ist und durch die Zulassung einer gefährlichen Substanz potentiell tausende neue Krebsfälle verursachen kann. Komplette Sicherheit gibt es aber nun mal nicht und es ist schon sehr ärgerlich, dass die Debatte in Deutschland sich so sehr auf den Krebs kapriziert. Insgesamt sind Alkohol, Zucker, Transfette und Betäubungsmittel der Volksgesundheit abträglicher als die meisten krebserregenden Substanzen, zumindest in der Dosierung in der sie gemeinhin vorkommen.

Jo

sagt:

11. Juni 2016 um 08:02 Uhr

Der Tod und das Mädchen / Matthias Claudius (1740 - 1815)Vorüber! Ach vorüber!Geh wilder Knochenmann!Ich bin noch jung, geh Lieber!Und rühre mich nicht an.

Dieses Mädchen, wenn sie 15 Jahre alt war, als sie den Tod zurückweisen wollte, hatte noch etwas mehr als 23 Jahre zu leben (die statistisch durchschnittliche Lebenserwartung im Erscheinungsjahr des Gedichts, 1775, war 38,3 Jahre).Heute hätte dieses Mädchen (2001 geboren, 82 Jahre Lebenserwartung) noch etwas mehr als 65 Jahre an statistisch durchschnittlicher Lebenszeit vor sich. An der Angst vor dem Tod hat sich nichts geändert, nur an der Dauer, diese Angst zu leben.Und dazu hat uns Heutige der Fortschritt von Wissenschaft und Medizin (obwohl Medizin ja keine Wissenschaft sein darf, dear goodnight) und der zunehmende Wohlstand verholfen.Todesangst, welche Zeit hat sich zu entfalten, neigt zu Übertreibungen und wendet sich, paradoxerweise, gegen jene Kräfte, die ihr diese Zeit verschafft haben. Medizinischer Fortschritt wird angegriffen, Mittel werden verteufelt, welche die Ernährung von 9 Milliarden Menschen helfen können sicherzustellen.Um sich Gehör zu verschaffen bedient sie sich der Übertreibung (Glyphosat im Bier und wohl demnächst die Bremsbeläge von Kinderfahrrädern) und der Skandalisierung (Waldschäden katastrophal). Um des in der Zeit zwischen Kindergarten und Totenbett auszuhalten, greift der moderne Mensch gerne zu Drogen, die die engagierte Todesangst gerne legalisiert sehen möchte.Das Mädchen von Claudius hatte den Glauben, der ihr tröstend über die Zeit und vielleicht sogar über die Todesangst hinaus half. Über dem Portal einer französichen Kirche auf dem Compostellaweg findet sich der appelative Satz: Lebe jetzt, denn der Tod dauert ewig. Esse, trinke, liebe, habe Freude – sehr schön!Nur heute wird ganz anders formuliert und der Pilgeraufruf ist allenfalls eine nette Replik auf einem Esoterikseminar): Bekämpfe das Böse, auf dass Du ewig lebst.Was aber sagt der Knochenmann: Na, schau ́n wir mal. Dann hol ich Dich halt mit 100.

Hermes

sagt:

11. Juni 2016 um 14:56 Uhr

Stimmt nicht ganz...> Dieses Mädchen, wenn sie 15 Jahre alt war, als sie den Tod zurückweisen wollte, hatte noch etwas mehr als 23 Jahre zu leben (die statistisch durchschnittliche Lebenserwartung im Erscheinungsjahr des Gedichts, 1775, war 38,3 Jahre).

Nicht bedingte und unbedingte Erwartungswerte durcheinander bringen. In den (unbedingten) 38,3 Jahren steckte eine sehr hohe Säuglingssterblichkeit. Wer die ersten 15 Jahre hinter sich hatte, durfte auf mehr als 40 weitere hoffen. Siehe dazu Angus Deaton: “The Great Escape” Es gab Zeiten, in denen die Lebenserwartung von 15-jährigen deutlich über der von Neugeborenen lag. Dass das heute nicht mehr so ist, ermöglicht es uns, uns Gedanken über Krebs zu machen, der zur damaligen Zeit eher als Luxusproblem verstanden worden wäre.

Gast

sagt:

11. Juni 2016 um 22:38 Uhr

statistische LebenserwartungEin Mädchen mit 15 hatte die gefährlichste Phase.nämlich das Kleinkindalter, hinter sich. Für Frauen war allerdings das Geburtsrisiko noch beträchtlich. Die niedrige durchschnittliche Lebenserwartung kam vor allem durch die hohe Kindersterblichkeit.

Anna

sagt:

11. Juni 2016 um 08:27 Uhr

Dann lieber FußballDiese Aussage halte ich als interessierter Laie für Unsinn: ́Außerdem muss sie, um ein bösartiger Tumor zu werden, ihre Saat weiter streuen, also Tochtergeschwulste ausbilden. ́

Eine Freundin von mir starb letztes Jahr an einem primären Hirntumor, der kam in seiner Tödlichkeit ganz ohne Tochtergeschwüre aus. Gutartig laut Ihrer Definition bedeutet nicht gleichzeitig Harmlos. Klingt aber so viel schöner, wenn man dem Patienten sagen kann:Ihr Befund ist Gutartig.

Die Autorin würde sich sicherlich blendend mit Gabriel verstehen:... ́weil wir ein Land sind, das reich und hysterisch ist. Diese Kombination ist manchmal schwierig.“https://www.bz-mg.de/politik-verwaltung-parteien/spd/sigmar-gabriel-zu-ttip-deutsche-sind-reich-und-hysterisch.html

In unseren wilden Jahren lernten wir als verantwortungsvolle Hedonisten, dass der Mischkonsum berauschender Substanzen besonders toxisch ist. Die Giftigkeit erhöht sich nicht additiv sondern exponentiell mit jeder hinzugefügten Substanz.

Bei den Segnungen der modernen Landwirtschaft ist es vermutlich ähnlich; der Mix macht ́s. ́Mehrfachbelastungen: Tafeltrauben aus der Türkei enthielten im Schnitt neun Pestizide, Erdbeeren aus Belgien sieben, belgischer Kopfsalat sechs. Spitzenreiter waren eine Johannisbeer-Probe aus Deutschland mit 17 Pestiziden und eine Probe türkischer Tafeltrauben mit 24 Pestiziden. ́https://www.greenpeace.de/files/Essen_ohne_Pestizide_01_0.pdf

Anna Müllner

sagt:

11. Juni 2016 um 11:22 Uhr

Ja, ich habe diesen Teil straffen müssen. Wenn sie einen ausladenden Text rein über Krebs wollen, sag Bescheid. Natürlich kann auch ein Tumor der nicht streut ungesund sein. Der Begriff ist aber in gut- und bösartig definiert. Gutartig bedeutet aber nicht harmlos.

Anna

sagt:

11. Juni 2016 um 11:43 Uhr

Titel eingeben ́Wenn sie einen ausladenden Text rein über Krebs wollen, sag Bescheid. ́

Nein danke, wenn ich etwas Fundiertes dazu lesen möchte, dann mache ich das lieber anderswo.

Anna Müllner

sagt:

11. Juni 2016 um 11:56 Uhr

Dann empfehle ich diese Seite hier: https://www.krebsinformationsdienst.de/Da wird aber nichts anderes stehen als bei mir. Ist auf jeden Fall fundiert.

Antesde

sagt:

11. Juni 2016 um 09:07 Uhr

Naturreligion ist auch eine“In Tierversuchen zeigen sich etwa 59 Prozent aller künstlichen und 57 Prozent aller natürlichen Stoffe als krebserregend – denn um ein Worst-case-Risiko zu bestimmen, werden den Versuchstieren höchstmögliche Dosen verabreicht. Viel lernen kann man aus solchen Versuchen also nicht, es sei denn, das Gift wirkt extrem stark. Stolze 99,99 Prozent aller Pestizide, die wir essen, sind natürliche Bestandteile von Pflanzen, mit denen sie Insekten und andere Schädlinge abwehren ... Umweltgifte seien mit weniger als einem Prozent an der Krebsentstehung beteiligt ...”https://www.zeit.de/1997/10/Fakten_Fakten_Fakten

Erdbeeraromen und die anderer Pflanzen haben höchst gefährliche Inhaltsstoffe, was aber meistens unproblematisch ist. (“Dosis facit venenenum”). Aufschlussreich ist aber, dass diese eigentlich unerfreulichen Kompositionen nirgendwo thematisiert werden.

Dagegen findet man ungezählte teils gerichtlich ausgetragene Streitereien zu “natürlichen” versus “künstlichen” Aromen, sowie Sensations-Artikel, die die eigenartige Inhaltsstoffe künstlicher Aromen thematisieren. Die Sensation ist aber keine. Unterschlagen wird, dass bei der Mischung (als seltsam empfundener) chemischer Grundstoffe keinerlei Unterschied zur Komposisition natürlicher Aromen existiert. Allein die Inhaltsstoffe zwischen zwei Erdbeersorten sind extrem unterschiedlich, insofern gleicht die geforderte Restriktion “naturidentisch” sowieso einer a priori-Unmöglichkeit.

Angenommen es gäbe keine Erdbeeren und ein Lebensmittelchemiker würde es wagen, ein solches Aroma zu synthetisieren: Es wäre ihm allgemeiner Abscheu ob seiner abartigen Gelüste sicher.

“Erdbeeraroma kann auch als Extrakt aus Erdbeerfrüchten gewonnen werden. Es besteht aus mehr als 300 Komponenten, unter denen sich über 90 Carbonsäureester, 30 Carbonsäuren, zirka 20 Acetale, zirka 40 Alkohole sowie Ketone, Aldehyde, Kohlenwasserstoffe und selbst einige Schwefelverbindungen befinden. Hauptkomponenten sind Furaneol, Decano-4-lacton, trans-2-Hexen-1-ol, (E)-2-Hexenal, Essigsäurehex-2-enylester, Linalool, Anthranilsäuremethylester, Buttersäureethylester und Hexansäureethylester.”https://de.wikipedia.org/wiki/Gartenerdbeere#Nat.C3.BCrliches_Erdbeeraroma

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die aktuelle Natur-Gläubigkeit und Puritätsversessenheit irrational und quasi-religiös ist. Was an Kirchgängen eingespart wurde, wird durch die Anbetung von “Mutter Natur” (und andere eherne Credos) ersetzt. Und der Klabautermann heißt jetzt Monsanto.

Anna Müllner

sagt:

12. Juni 2016 um 11:15 Uhr

Vielen Dankfür dieser meines Erachtens korrekte Beobachtung. Ließe sich natürlich drüber diskutieren und trifft nicht auf alle zu. Vielleicht sollten wir uns von Vorschriften emanzipieren und unser Leben einfach genießen. Aber das ist eben schwierig.

astroklaus

sagt:

14. Juni 2016 um 10:55 Uhr

Natürliche PestizideDort steht der Originalartikel:https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC54831/

Und für die Leute, die nur das essen möchten, was sie aussprechen können: hier gibt es eine Banane:https://jameskennedymonash.files.wordpress.com/2014/01/ingredients-of-a-banana-poster.pdf

djangohatnemonatskarte

sagt:

11. Juni 2016 um 11:41 Uhr

FEHLALLOKATION halten wir einen moment inne und überlegen: was wäre, wenn wir die mittel für die unsinnige, unnütze und unwirksame sog. Energiewende in die krebsforschung-, vorsorge und -behandlung investieren würden ?

ich weiss, ist politikern, vor allem Grünen, Happy Hippo und der lieben frau nicht klar zumachen !

colorcraze

sagt:

11. Juni 2016 um 16:12 Uhr

Ich bin sehr dagegen. Ich halte das für Hypochondritis und das z.b. Brustkrebsscreening für einen ähnlichen Blödsinn wie Dämmwahn und Solarkollektoren auf jedem dafür nicht gemachten Dach. Nur daß ein Erzwingenwollen von medizinischen Erkenntnissen noch weniger funktioniert als ein erzwungenes Umsteuern in der Infrastruktur.

H von Tronje

sagt:

11. Juni 2016 um 11:59 Uhr

BoesartigkeitWas boesartig ist, ist auch in den verschiedenen gesellschaftlichen Diskussionen eine interessante Frage. Wann ist Politik boesartig?

Kriterien im menschlichen Koerper sind eben auch: infiltratives vs rein verdraengendes Wachstum, chemisch/hormonell aktiv oder nicht etc.

Die Krebstherapie kann heute einige Krebsarten heilen oder eine lebenswerte Lebensverlaengerung ermoeglichen.

Bei den zunehmenden Verteilungskaempfen zwischen den residenten Generationen und Gesellschaftsklassen, erhitzt durch die Migrantenstroeme, wird in der alternden Gesellschaft der Zugang zur (teuren) Therapie eine zunehmende Debatte ausloesen.

Das Thema heisst: Opportunitaetskosten – das Geld, dass einem (meist alten) Menschen zur Krebstherapie ‘zugeteilt’ wird, kann eben nicht fuer etwas anderes verwendet werden zB medizinische Therapie fuer einen jungen Menschen, KiTa-Plaetze usw. Der Medizinetat wird eben nicht bedarfsgemaess gesteigert werden koennen.

Demnaechst 10+ Mrd Menschen werden nur ernaehrt werden koennen, wenn die Landwirtschaft nicht optimiert, sondern maximiert wird. Eine Glyphosatdiskussion (mE eine sichere Substanz) ist ein Luxus, wie wir ihn uns Zukunft nicht mehr erlauben werden koennen.

Deutschland ist keine Insel und ein aussen-grenzenloses Europa wird seine Nahrungsversorgung nicht gegen den weiter abfallenden Weltstandard abschotten koennen, mit oder ohne gefaelschte Deklarierungen, mit oder ohne TTIP.

Die selbstzugefuegten Probleme, die unseren politischen und gesellschaftlichen Diskurs dominieren, lenken uns von den wirklich brennenden Problemen der Zukunftsvorbereitung ab.

Nur ein Deutschland mit eigener Meinungsbildung und der Moeglichkeit, diese bei Bedarf gegen EU/USA uam durchzusetzen, kann die Gesellschaft schuetzen. Der dazu noetige gesellschaftliche Konsens wird/wurde nachhaltig zerstoert.

der andere Gast

sagt:

11. Juni 2016 um 15:50 Uhr

Oportunitätskosten“Opportunitaetskosten – das Geld, dass einem (meist alten) Menschen zur Krebstherapie ‚zugeteilt‘ wird, kann eben nicht fuer etwas anderes verwendet werden zB medizinische Therapie fuer einen jungen Menschen, “

Aua, so werden Alte gegen Junge ausgespielt/antreten. Ich hoffe, das war keine böse Absicht.

Die Frage ist doch eher:Warum ist Krebstherapie so teuer. Und die Kernfrage: Warum sind neuere Krebsmedikamente so obszön teuer. Müssen die Pharmafirmen die Preise für 1 lausigen Monat Lebensverlängerung derart in den Orkus treiben? Warum lässt man das zu.

Generell gibt es keine sicherere Bank, als Medikamente in D zu verkaufen. Deutschland ist ein wunderbares Land für Pharma-Spitzenpreise im Gesundheitssektor. Der Gesetzgeber schläft oder sieht zu.

Renate Simon

sagt:

12. Juni 2016 um 12:13 Uhr

Das liegt an der Patentnutzung,@der andere Gast

die nur 20 Jahre lang inkl. aller Forschung möglich ist. Das heißt, der Lebenszyklus eines neues Präparates ist sehr kurz, um Geld in die Kassen zu spülen, sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt zu machen. Präparate wie Aspirin, die uralt sind, hatten viel mehr Zeit, sich unbedrängt im Markt zu etablieren und diese Stellung auch beizubehalten.

In den frühen 70er Jahren, damals arbeiteten wir alleinseligmachend für Nattermann, fing Ratiopharm an, seine Generica „im Hinterhof“ zu kochen, was damals noch belustigt aufgenommen wurde und heute... Heute sitzen solche Firmen wie Ratiopharm u.a. den Patentinhabern im Nacken, alle wollen verdienen und oh Wunder, es verdient sich dank unseres Systems, das ständig reformiert bzw. verschlimmbessert wird, wirklich wunderbar.

der andere Gast

sagt:

12. Juni 2016 um 19:33 Uhr

Nicht nur@ Renate SimonEs liegt nicht nur generell an der Patentnutzung.Das mit den Generica ist ja schon länger so.

Dass neuartigere Krebsmedikamente (mit Endungen hintendran wie -imab und -tinib etc., ein etwas älteres das Glivec) so obszön teuer sind, liegt daran, dass der Nutzen des zeitlichen Überlebens (z. B. > 1 Monat) und auch schwere Nebenwirkungen nicht mitkorreliert sind.

Woanders als in D sind auch die “normaleren” Krebs-Medikamente gemeinhin preisgünstiger. Für eine Einheit Lenalidomid will der Hersteller in Frankreich 165 Euro, in Großbritannien 185 Euro und in Deutschland 266 Euro – bis zu 100 Euro mehr.

Renate Simon

sagt:

12. Juni 2016 um 20:22 Uhr

@der andere Gastich sag ja, Anfang der 70er Jahre fing Ratiopharm als erstes Unternehmen an, Generica zu produzieren. Der Werbeleiter von Nattermann lachte darüber, wir nahmen die Sache damals nicht allzu ernst. Das war ein Fehler, zugegeben, entwickelte sich dann aber schlagartig, denn auch Merck u.a. Firmen nahmen sich sehr schnell dieses Marktes an.

Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese Generica in der Regel nicht die Wirksamkeit der Originalpräparate besitzen. Das liegt zum einen an der veränderten Galenik, an Begleitstoffen usw., jeder Apotheker kann das bestätigen, man muss ihn nur gut genug kennen.

Und das lassen sich die Patentinhaber bezahlen, das Argument, die Preise müssten sein, weil hier geforscht würde, werden allemal dazu vorgekramt. Warum man dann die Forschungskosten nicht allgemein auf die Vertriebswege umlegt, bleibt deren Geheimnis.

Aber unser Gesundsheitssystem gibt diese Preise her, wenn auch d