Gießener Hilfskonvoi überladen: Bußgeld

"Wir helfen, wo Hilfe benötigt wird" - Markus Machens und seine Unterstützer vor der Abfahrt. Foto: Wißner

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GIESSEN - Helfen, wo Hilfe benötigt wird. Mit diesem Satz warb die private Gießener Obdachlosenhilfe "Markus und seine Freunde auf der Straße" in der vergangenen Woche um Unterstützung für die Hochwasseropfer in Bad Münstereifel. Die Unterstützung heimischer Firmen und Privatpersonen war groß, sodass am Samstag zwei mit zehn Tonnen Hilfsgütern voll beladene Lkw den Parkplatz des Möbelschnäppchenmarkts von Markus Machens in der Frankfurter Straße in Richtung Nordrhein-Westfalen verlassen konnten.

Tagelang hatten zehn Helfer Spenden eingesammelt und die beiden von der Spedition Merz kostenlos für die Hilfsfahrt zur Verfügung gestellten Lkw, ein 3,5 Tonner und ein 7,5 Tonner, beladen. War die Freude bei der Abfahrt, wie auf unserem Foto zu sehen, noch groß, so währte die ungetrübte Freude, Hilfe zu leisten und Spenden direkt vor Ort zu übergeben, nicht lange. Auf der Fahrt zu der im Süden des Kreis Euskirchen gelegenen Stadt schlug die "deutsche Gründlichkeit" zu: Wie zahlreiche andere Lastwagen auch wurden die beiden Fahrzeuge aus Gießen bei einer Ladungskontrolle auf der Autobahn überprüft und dabei festgestellt, dass mehr geladen war, als zulässig. Die Folge: Ein Bußgeld wurde verhängt.

Lebensmittel-Gutscheine

Allerdings kann der Ärger darüber die tolle Bilanz der Hilfsaktion nicht trüben, denn viele Firmen und Privatpersonen aus Stadt und Kreis hatten sich daran beteiligt. Einzig und allein Bekleidung, Schuhe (Ausnahme Gummistiefel), Haushaltswaren, Möbel und Spielsachen waren ausgeschlossen.

"Wer kann und möchte uns helfen? Wir möchten zusammen mit Markus Machens den Hochwasseropfern dieser Tage helfen. Ihr könnt bei uns im Laden Lebensmittel-Gutscheine kaufen. Der Gesamtbetrag, der zusammen kommt, wird durch uns um 20 Prozent aufgestockt. Markus Machens löst diese Gutscheine bei uns in Lebensmittel ein und bekommt alle Waren, die für eine schnelle Hilfe benötigt werden. Jede Hilfe zählt. Vielen Dank vorab. Euer Benny Freilinger", warb etwa Lagerverkauf-Freilinger in Gießen für die Hochwasserhilfsaktion. Allein hier wurden Lebensmittel im Wert von 6000 Euro gespendet.

"Gemeinsam ist besser als einsam. Unter diesem Motto unterstützen wir Menschen, denen es im Moment nicht so gut geht wie uns! Sehr betroffen sind im Moment die Personen, die von den Wasserfluten hart getroffen wurden. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir diese Leute mit Produkten für den täglichen Bedarf unterstützen. Bevorzugt werden hier Getränke und Hygieneartikel. Ihre Spenden gehen direkt an die Obdachlosenhilfe, die diese direkt verteilt", war bei Edeka Krenschker in Lollar in einem Aushang zu lesen - und auch hier war die Spenden- und Unterstützungsbereitschaft der Kunden groß. Hygieneartikel im Wert von 1000 Euro kamen von den beiden DM-Märkten in Gießen und Lollar und auch die Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter des Penny Marktes in der Licher Straße in Gießen spendeten. Magdalena Goldbach steuerte gleich 20 Paar Gummistiefel bei.

20 Paar Gummistiefel

1000 Liter Mineralwasser und jede Menge Lebensmittel kamen von Edeka-Märkten Rink in Wißmar und Ascher in Gießen. Aber auch Gaskocher und -kartuschen, Lebensmittel, Hundefutter, Babynahrung und jede Menge Hygieneartikel wurden von den Helfern verladen und am Samstag, trotz aller Unwägbarkeiten in Bad Münstereifel übergeben.

Zu Beginn des Jahres hatte die Obdachlosenhilfe bereits schon einmal ihren eigentlichen Zweck erweitert und für die Erdbebenopfer in Kroatien gesammelt und einen Hilfstransport "Humanitarna Pomoc Gießen/Frankfurt za Petrinja" durchgeführt.

"Es ist wirklich toll, wenn man so viele Freunde und Unterstützer hat, um Menschen zu helfen, die nichts dafür können, dass sie auf Hilfe angewiesen sind. Und dafür möchte ich mich hier an dieser Stelle bei allen Firmen und Privatpersonen bedanken, obwohl sie an dieser Stelle nicht alle genannt werden können. Ohne diese Unterstützung wäre all das nicht möglich. Und auch durch solche unschönen Maßnahmen, wie das verhängte Bußgeld, lassen wir uns nicht von unserer Intention abbringen, Hilfe dort zu leisten, wo sie gebraucht wird", betont Markus Machens nach seiner Rückkehr aus Bad Münstereifel gegenüber dieser Zeitung.